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Monatrbellage: „Fuldaer Geschichtrblätter"

Fulda, Donnerstag den 18. November 1909

36. Jahrgang

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volkswirtschaftliches und Soziales.

* Die große schwedische Arbeiterbewegung, die im Laufe des Sommers mit dem (general« aus stand einsetzte, macht immer noch Unterhand­lungen nötig. Trotzdem allgemein eine baldige endgiltige Lösung gewünscht wird, und trotz der erlittenen Verluste haben beide Parteien erklärt, daß die Streitpunkte noch zu stark sind. Der Arbeitgeberverein hat jedoch freiwillig für die Eisenwerke die Aussperrung aufgehoben, nachdem die Unterhandlungen mißlungen waren. Die Streitigkeiten auf diesem Gebiete waren die heftigsten. Und so beweist dieser Entschluß, daß die Aussperrung ebenso wie der Allge- meinausstand auf die Dauer unmöglich sind. Die Aussperrung kann nicht einmal unter der jetzigen schlechten Konjunktur vollständig eine Arbeiterschaft unterjochen, die so gut gegliedert ist wie die schwedische. Noch verbleiben mehrere Konflikte und ein Teil der Aussperrung besteht ebenfalls noch. Die im Ausstand verbleibenden Arbeiter belaufen sich jetzt auf nur 15000. Während der ersten Woche des Ausstands nahmen 300000 Arbeiter daran teil.

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♦ DaS Martyrium eines Kindes, von dem der Staatsanwalt behauptet, ,es stelle alles in den Schat­ten, was man bisher gelesen und gehört habe", führte vor dem Schwurgericht i» Nordhausen zur Ver­urteilung des galizischen Landarbeiters Szelest zu acht Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust. Szelest lebte in wilder Ehe mit Viktoria Gruszka, deren sie­benjähriges Kind, ein Mädchen, wurde monatelang durch Prügel und Fußtritte dermaßen mißhandelt, daß das vordem blühende Geschöpf schließlich nur noch ein Schatten war. Zeugen schildern, wie e6, von der Mutter festgehalten, der Sttefvater fort und fort mit einem dicken Knüppel auf den nackten Körper schlug, mit Bettzeug würgte, wobei das Kind nahezu erstictt war, es auf dampfende Kartoffeln setzte bis Haut­fetzen an dem jungen Leibe hingen. Während einer Sevtembemacht ist das Kind dann gestorben. Der Leichenbefund konstatierte Hautverletzungen, Beulen, drei gebrochene Rippen, Zerreißung der Leber und eines Darmes, wodurch Unterleibsenrzündung ent­stand. Die Mutter wird nachträgich zur Verantwor­tung gezogen. Für ihre Gesinnung ist bezeichnend, daß sic beim Einkauf des Kindersarges sich sinnlos be­trank und zwei Tage im Krankenhause bleiben mußte.

* Drei Personen in einer Kiesgrube ums Leben gekommen. Der Gütecerpedient Glowin in Ja- worzno (Oberschlesien) begab sich auf sein Feld, auf dem sich eine Kiesgrube befindet. Plötzlich geriet sein Hund in eine Aushöhlung und kam nicht mehr zum Vorschein. Glowin stieg in die Höhle hinab, kam aber auch nicht mehr wieder; sein Vater und sein Sohn gingen ihm nach. Auch sie kehrten nicht mehr zurück. In der Kiesgrube waren Wetter vorhanden, die den Tod der drei Menschen und des Hundes her­beigeführt haben.

* Kinder, die mit Streichhölzern spielten, verur­sachten in Linau in Holstein einen Brand. Das Haus wurde eingeäschert und das dreijährige Töchter­chen eines Arbeiters kam in den Flammen um. — In Chemnitz hatte ein IsWhriges Kind beim Tvielen die brennende Petroleumlampe um­geworfen. Zwei Kinoec erlitten so schwere Brand­wunden. daß das jüngere Kind bald daraus st a r b, während das ältere kaum mit dem Leben davon kom-

vermischles.

* ♦ Graf Zeppelin war in diesen Tagen Jagdgast be8 König- von Sachsen.

* Ein herrenloser Freiballon wurde von Touristen auf dem Gipfel des Rammelsbergks bei Goslar gr­ünden. Wie sich herausstellte, war es ein Göttinger 3allon. Sein Führer hatte versucht, im Okertal zu landen, und war aus der Gondel gesprungen. Darauf lvar der Ballon wieder in die Lust und auf und davon geffogen. Der „Ausreißer" ist bereits geborgen.

* Unter Bergifwnqserscheinungen erkrankte in

Rüböl Fußbodenöl verwandt. Sämtliche Familien-1 verzerrt, ihre Kleider hingen in versengten Lumpen Mitglieder schweben in höchster Lebensgefahr. | an ihren Leidem. Die zwölf heldenmütigen Berg­leute müssen allen Anzeichen nach geradewegs durch die lodernden Flammen gefahren sein.

* Im Alter von 120 Jahren starb in Naghkaroly in Ungarn die „älteste Frau Ungarns", Witwe eines Handwerkers.

* In Messina wurde am Dienstag früh ein leich­ter, nachmittags ein starker E r d st o ß verspürt, welch

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nun dürste. Der Großvater dem die Aufsicht über die Kinder anvertrant war, hat sich erhängt.

* Ein Duell fochten bei Posen zwei Offiziere aus. Zwei Offiziere der Posener Garnison in Uni­form waren Sekundanten. Der dreimalige Kugel­wechsel verlief unblutig. Ueber Namen und Veran­lassung zu dem Duell wird strengste. Diskretion geübt.

* Zum Tode verurteilt wurde vom Schwurgericht Bautzen der 25jährige Kutscher Emil Vetter, der seine uneheliche Tochter mit einem vergifteten Schokoladen- Praline getötet hatte. Der Angeklagte hoffte eine Stellung bei der Post zu bekommen. Hierbei war cs ihm aber unangenehm, daß er unter seinen Verpflich­tungen angeben sollte, er habe Alimente zu zahlen. Aus diesem Gnmde hatte er den Plan gefaßt, das Kind aus dem Wege zu räumen. Der Angeklagte nahm das Urteil ohne jede Erregung entgegen.

als verwandt im Sinne des § 129 a anzusehen seien, das bestimme die Handwerkskammer. Nach längerer Aussprache wurde beschlossen, das Bäcker- unb Konditorenhandwerk, das Sattler-, Polsterer- und Tapeziererhandwerk und daS Friseur- und Perückenmacherhandwerk als verwandt zu erklären, alle anderen nicht, sodaß hier die Lehrlinge ge­trennt ausgebildet werden müssen.

Zum Gesetzentwurf der Reichsversiche­rungsordnung wurde einstimmig folgende Re­solution angenommen: „Die Vollversammlung der Handwerkskammer zu Kassel lehnt in ihrer Sitzung vom 15. November 1909 den Entwurf einer Reichsversicherungsordnung in der jetzigen Fassung ab, weil er dem Handwerkerstande neue, über das Maß seiner Leistungsfähigkeit weit hinausgehende Lasten auferlegt, und zwar in einer Zeit wirtschaft­lichen Tiefftandes und gewaltiger finanzieller Mehr- forderungen des Reiches, des Staates und der Ge­meinden. Namentlich spricht sich die Vollversamm­lung entschieden dagegen aus, daß unnötige und kostspielige bureaukratische Einrichtungen, wie die Versicherungsämter zur Durchführung der sozialen Versicherung geschaffen werden, zumal durch diese behördlichen Organisationen die Selbstverwaltung der Versicherungsträger ohne hinreichenden Grund wettgehend eingeschränkt werden würde."

Dann wurde über die Inkraftsetzung des zweiten Teiles des Reichsgesetzes über die Sicherung der Bauhandwerkerforderungen verhan­delt. Einen eingehenden Bericht hierzu erstattete Herr Zimmermeister Zimmermann, Ee trat lebhaft dafür ein, daß der zwette Teil dieses Gesetzes in den Orten: Kassel mit Umgegend, Efchwege, Fulda mit Salzschlirf, Hersseld, Hanau, Marburg und Wildungen durch landesherrliche Verfügung in Siaft gesetzt werde; Herr Schreinermeister Nagel in Bebra verlangte, daß auch in Bedra diese Ver­fügung erfolge, da hier der Bauschwindel ziemlich üppig zu wuchern beginne. Der Antrag des Jnnungsausschusses zu Kassel, vertreten durch Herrn Schreinerodermeister Kniest, die Zahl der Kammermitglieder von 26 auf 30 und die Zahl der Vorstandsmitglieder von 5 auf 7 zu er­höhen, wurde abgelehnt und dann nach Erledi­gung kleinerer Anfragen die Vollversammlung ge­gen 4 Uhr nachm. geschlossen.

Hinter Getreide-Wochenbericht der Preisberichtsstelle des deutschen LandwirtschaftS- rats vom 9. bis 15. November 1909.

Auf dem Weltmärkte herrschte während des grö­ßeren Teiles der Berichtswoche feste Tendenz. Die Anregung dazu ging diesmal von Nordamerika aus, wo die Speknlatton unter Hinweis auf das lebhafte Jnlandsgefchäft, auf ungünstigere Nachrichten aus Argentinien und Australien und auf vermehrte Nach­frage zum Export eine recht rege Tätigkeit entfaltete und auch merkliche Preisbesserungen erzielte. Dazu kommt noch, daß mit dem Näherrücken ^der kalten Jahreszeit ein großer Teil der russischen Häfen für den Export ausscheidet, sodaß der europäische Bedarf dann in stärkerem Maße als bisher auf den teueren amerikanischen Weizen angewiesen erscheint, zumal Argentinien erst im Jammr mit größeren Leistungen' hervorzutreten pflegt. Der Weltexport ist in der letz­ten Woche von 317 000 auf 288 000 Tonnen zurück- gegangen; gleichzeitig hat sich die nach Westeuropa schwimmende Weizenmenge um 390 000 Tonnen bet« mindert, beträgt also augenblicklich 728 000 gegen 836000 Tonnen im Vorjahre. Von den europäischen' Markten zeigte namentlich England feste Haltung,' auch Paris meldete täglich anziehende Preise, wäh-; rcnd Budapest unter Schwankungen gleichfalls feste Tendenz behielt. Deutschland vermochte sich den Ein­flüssen des Auslandes keineswegs zu entziehen, aber im Geschäft machte sich die Festigkeit nicht sonderlich' bemeckbar. Trotzdem das Angebot vom Jnlande sich andauernd in mäßigen Grenzen hält und trotz des, bestehenden Mangels an guten Qualitäten gestaltet sich der Absatz von ausländischem Weizen recht schlep­pend, namentlich Westdeutschland verhält sich Ange­boten gegenüber ablehnend, wozu unbefriedigende- Mehlgeschäst gleichfalls beizutragen schien. Dagegen ist in Drittel- und Norddeutschland von einem Waren­überfluß umsoweniger zu sprechen, als man hier bis­her nicht allzuviel fremden Weizen bezogen hat, und das wenige gute Material, über das namenttich Sach- len verfügt, wird teils gegen frühere Abschlüsse zu« rnckgchalten, teils belegt es der Export mit Beschlag, zumal sich der pommersche und mecklenburgische Wei- zen weniger zur Ausfuhr eigenen. Die Befürchtung, daß sich paffendes Material zur Erfüllung von Dezem- berverpflichtnngen weiterhin knapp machen dürste, ließ auch wieder stärkeres Deckungsbedürfnis hervortreten, während für Mailieferung die Disparität gegenüber dem Auslande einige Anregung zu Käufen gab. Aoggen hat seinen Preisstand wenig verändert. Auch dann fehlt es an guter Ware; geringe Qualitäten find re,chlrch angeboten und schwer verkäuflich. In Hafer ind gleichfalls nur bessere Sorten gesucht und unge- ahr zu letzten Preisen unterzubringen gewesen. /i

fteUtea sich die Preise für inländisches Getreide am letzten Markttage in Mark pro 1000 Kilogr. je nach Qualuät, wobei daS Mehr (+) brzw. Weniger (-) gegenüber der Vorwoche in Klammem 0 beigefügt ist wie folgt:

Hervst-Bollversanrmlung der Hand­werkskammer.

§§ Kassel, 15. Nov. 1909.

Die heute abgehaltene Vollversammlung der Handwerkskammer für den Regierungsbezirk Kassel und das Fürstentum Waldeck war vollzählig besucht, auch der Staatskommissar Regierungsrat Roetger wohnte den Verhandlungen bei. Zunächst wurde der Geschäftsbericht des Syndikus Thanheiser ab­gehört. Dieser gibt einen Ueberblick über die er­ledigten Beschlüsse der letzten Vollversammlung vom 14. April 1909 und geht dann eingehender aus die Regelung des LehrlingSwefens ein. In die Lehrlingsrolle der Kammer wurden 1049 Lehr­linge eingetragen, davon sind nur 63 Jnnungs- und Vereinslehrlinge, 806 Nichtinnungslehrlinge und 180 Lehrmädchen. Gegen drei Lehrherren mußte der Antrag auf Entziehung der Lehrlinge gestellt werden, weil sie die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen nicht besitzen und sich weigerten, die Meisterprüfung abzulegen, gegen einen wetteren Lehrherrn deshalb, weil er wiederholt seine Lehr­linge so schlecht ausgebildet hatte, daß sie die Prü­fung als Geselle nicht bestanden. Die beiden Be- ciufttagten der Kammer haben die Kreise Kassel, Stadt und Land, Frankenberg, Fulda, Gelnhausen, Homberg, Kirchhain Marburg, Rotenburg, Schlüch­tern, Witzenhaufen, Wolfhagen, Kreis der Twiste und Kreis de» Eisenbergs bereist; es ergeben sich keine Beanstandungen von Schlafftuben und Werk- stätten. In Wanfried ist ein neues Lehrlingsheim errichtet worden. DaS Fach- und FortbildungSschul- wesen entwickelt sich günstig; im Jahre 1910 finden Lehrlingsarbett-Äusstellungen in Kassel und in Hers­feld statt, die Kammer vermittelt einen Staatszu- schuß für diese Ausstellungen. Das Gesellen« wesen hat sich wiederum zufriedenstellend ent­wickelt. Die Aufforderung zur Ablegung der Ge­sellenprüfung ist sowohl zu Ostern wie im Herbst nicht direkt an die Lehrmeister der Lehrlinge, sondern durch Bekanntmachungen in den Kreis- blättern und durch Hinweise in den 48 Zeitungen des Kammerbezirks erfolgt; der Erfolg dieses neuen Verfahrens ist zufriedenstellend. An den Herbst- prüsungen hat in Cassel, Bebra, Hersseld, Fulda, Hanau und Marburg Herr Geheimer Regierungs- rat v. Czihak aus dem preußischen Landesgewerbe­amt in Berlin teilgenommen. Von den 22 Gesuchen um Beihilfen zum Besuche von Fachschulen sind 20 genehmigt worden; an 11 Gesellen wurden Ehren­urkunden ausgestellt. Der Meisterprüfung haben sich 215 Prüfling« unterzogen, davon waren selbständig 95, Gesellen 120. Insgesamt bestanden 10 Prüflinge nicht. Vorberettungskurse auf die Meisterprüfung finden im Laufe des Winterhalb­jahres statt in Kassel, Bebra, Efchwege, Heskem, Hanau, Wabern und Naumburg, in Vorbereitung sind Kurse in Fulda, Marburg und Ziegenhain. Ein FachkursuS für Bauhandwerker ist wegen allzu geringer Beteiligung nicht zustande gekommen. An den Vorbereitungskursen auf die Meisterprüfung nehmen zum ersten Male auch Damenschneiderinnen und Putzmacherinnen teil, welche die Meisterprüfung ablegen wollen. Die Organisation des Handwerk'S schreitet dem Bericht zufolge stetig vorwärts. ES sind neu gebildet worden vier Zwangsinnungen in Orb und eine freie Schneider­innung für den KreiS Hünfeld; die Errichtung einer SchlofferzwangSinnung in Efchwege ist be­antragt.

Auf Antrag deS Herrn Bäckerobermeisters Simmer-Fulda wurde der freien Bau-Innung in Immenhausen daS Gesellenprüfungsrecht erteilt. — Eine längere Auseinandersetzung rief die Beschlußfassung über die Verwandtschaft des Bäcker- und Konditorhandwerks, deS Barbier« und PerückenmacherhandwerkS, des Klempner- u. Rupfet» fchmiedehandwerK, des Buchdrucker- und Buch­binderhandwerks, des Maurer- und Zimmererhand- werkS, deS Sattler- und Tapeziererhandwerks und deS Schmiede« und Schlofferhandwerks im Sinne des § 129», Abs. 2 der R.-G.-O. hervor. Bericht- erstattet war Herr Bäcketmstt. Runckel-Marburg. Er legte bar, daß in verwandten Handwerksbetrieben Lehrlinge in beiden verwandten Handwerken aus­gebildet werden dürsten; welche Handwerksbetriebe

letzterer den Einsturz mehrerer Mauern Und Ruinen herbeiführte. Die in Unruhe versetzte Bevölkerung verließ ihre Häuser.

* Bei den Ucbcrschwemmungen auf Jameika sind, wie jetzt fesssteht, 50 Menschen umgekoNi­rn en.

♦ Im Schwarze» Meer ist der türkische Kohlen­dampfer „Hitschla" gesunken. 28 Passa­giere und ein großer Teil der Besatzung sind e t- trunken.

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Weltmarktpreise: Weizen: Berlin Dez. 216 00 <- 1.00), Mai 215.75 (- 0.75), Budapest Avril 239.10 f-j- 0.30), Liverpool Dezember 179.10, (4-1.60), Paris November 192.05 (4- 2.85), Chicago Dezember 163.15 (fl- 4.10), Roggen: Berlin Dez. 168.75 (— 0.25), Mai 174.00 (— 0.50) per 1000 Kilogramm.

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* Das Grubenunglück in Illinois. Die neuesten Meldungen bestätigen leider, daß von 490 Bergleuten, die sich in der Kohlenmine der St. Paul Cool Com­pany in Cherry, im nordamerikanischen Staate Illinois, befanden, als die Explosion erfolgte, nur 240 sich retten konnten. Die übrigen 250 sind zweifel­los eines furchtbaren Todes gestorben. Im ganzen Distrikt herrscht tiefste Trauer und Bestürzung Den Schacht umringen fortwährend dichte Menschenmaffen, und der Jammer der Angehörigen der Opfer ist herz­zerreißend. Viele tragische Zwischenfälle ereigneten ich. Eine Rettungsabteilung mit 12 Mann war in einem Fahrstuhl hinabgegangen. Der Vorgesetzte hatte dem Maschinisten befohlen, nur den vorgefchrie- benen Signalen Folge zn leisten. Als daher die Glocke wild und verzweifelt geläutet wurde, nahm der Maschinist keine Nottz davon. Die von den unten auf te eindringenden Flammen und vom Qualm Halber­tickten fuhren fort, die Signalglocke zu läuten. Schließlich ließ man den Fahrstuhl steigen. Doch als er halben Weges hinaufgekommen war, ertönte uner- klärlichelweise das Signal zum Herablassen. Der Maschinist gehorchte, und dies war das letzte Lebens­zeichen, das man von der unseligen Rettungsabteilung erhielt. Als der Fahrstuhl schließlich hinaufgebracht I umrde, brach die am Grubenrande versammelte Menge in einen Entsetzensschrei aus: alle zwölf warm ganz furchtbar verbrannt, ihre Gesichter schmerz-

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