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Fulda, Dienstag den 16. November 1909

HS 263

Zweites Matt

20

18]

ewige 2Bi auch der

36. Jahrgang.

All diese Schulden, die eine Verzinsung von über Millionen Mark erheischen, gehen auf das Konto

vottswirtschaMchrs und ZsMes.

)( Der vom Zechenverband in Rheinland-Westfalen ein geführte ZwangsarbeitSnach weis wird selbst von den Kreisen, die dem Unternehmertum ziem­lich wohlwollend gegenüberstehen, scharf verurteilt. Ein bemerkenswertes Urteil fällt der liberale Pfarrer Traub-Dortmund, also ein Mann, der mitten im rheinisch-westfälischen Industriegebiet wohnt und die Ereignisse ans unmittelbarer Nähe betrachten kann, in der letzten Nummer der »Christlichen ffiklt". Er meint:

„Gerade vom Boden der unparteiischen Geröll da- leit aus sehen wir in dieser neuesten Maßregel c.-: Zechenoerbaudes einen außerordentlich vervänguisoollen Schritt. Die, Sozialdemokratie des rheinisch-westfäli-

das Gepräge hervorragender Tatkraft und Entschre- denhest sichern, die mit reichen Erfolgen gekrönt ist. DenLar preist darum die katholische Welt feinen Namen und folgt ihm mit unverbrüchlicher Treue.

krscheini ISgllq m» Amsastm« der 5o.m> uadZeftrtckgeVtertrl- jährN4^O«»Sch-rei, ohne AinMohn und vefteS-tl-tn8»lL<tt»' wiean»««rt,r.svLrr. oerants».

Mchesdeimee: «MllftkKrK §SMltagrZ«itllNg

DeuLWes Rerck

* Das Schkachtroß steigt . . ! Mm spart jetzt in der Armee an allen Ecken und Enden. So wird imter anderem aus den als arbeitsunfähig cmSge- musterten M i l i t ä r p f e r d e n für die ReichÄasse der höchstmögliche Erlös zu erzielen versucht. Derar­tige Pferde haben nur noch Weit als Schlachipferde. Die Preise, die dafür gezahlt werden, find aber in den einzelnen Standorten sehr verschieden. Sie

Onkel schüttelte sehr zweifelnd den Kopf. • „Meinst Du wirklich, Beate, daß er das noch lernen wird? Ich wünsche es ihm, aber ich zweifle sehr stark daran."

Hauptbedingung des Erblassers ist gewesen, daß einer von den Walldorfs'schen Sahnen sich dem Hüt­tenwesen zuwende, um später die Leitung des großen Hüttenwesens selbständig übernchmen zu können. Für die nächsten vier Jahre bleibt ..Erlins Hütte" noch unter bisheriger Verwaltung, dann muß es in die Selbstverwaltung eines Wall darf übergehen. Im Nichterfüllungsfelle dieser Hauptbedingung geht dann der reiche Besitz an den Fiskus über, der natürlich mit Wonne darüber hirfallen würde Onkel Walldorf hat sofort nach Kenntnisnahme des Sachverhaltes eine Familirrckonfecenz zusammenberufen und. ist glück­licherweise bei Sigurd auf größtes Entgegenkommen gestoßen. Er geht schon gleich nach Neujahr nach Freiburg. Die ,Juszeit", die er in Dorpat durchge­wacht, könne ihm nur von Nutzen sein, schrieb mir Werner, feine Chancen, einmal eine Persönlichkeit nach seinem Wunsche zu repräsentieren, seien dadurch mir noch größer geworden.

„Ja, flehst Du. Nena", schreibt mir Werner wei­ter, „wie unerwartet doch der Mensch zu etwas kom- men kann! Und wre weise unser alter Wohttärev alles vorgesthen hat! Bis zur völligen Realisierung des Testamentes Hohen dir Einnahmen der Hütte an Vater, der davon gewiffe Legate auszuzahlen hat! Nach den abgelaufenen vier Jahren tritt Sigurd in den Bentz derselben, muß dann aber an Pater und mich festgesetzte jährliche Auszahlungen machen — nicht unbedeutende, sage ich Dir, Rena. Nun hat's bei mir fein? Not mebr mit dem schnellen Studieren. Au sonst will ich es wahrnehmen. Nach Eberswalde kommt die Universität mit Staats- und Rechtswiffen- ' staft an dir Reihe und nach der Forstreferen- dmrprüstmg wollen wir mal schäum, was es da zu erreichen gibt. Wenn ich jetzt nach Dem liebes Ge­sicht sehen könnte! Zu meinem Glück febtt's mir nur Aber ehe ich nach Eberswalde gehe, da komme ich zu Erich, und dann bummeln wir wieder zusammen, willst Du, Rena?"

Ob ich will! Er soll nur kommen, alles, was Stadt und Umgegend Sehönes hat, zeige ick ibm.(Fst-)

Ausland.

* Die Schädigung der Vereinigten Staaten durch den Zuckert ruft wird in ihrem vollen Umfang erst allmählich erkannt. Zollbeamte stahlen viel Be- lastungsmciterial, um ihre Neberfühmng zu verhindern. Die Anzeichen mehren sich, daß die Einflüsse, die die Machenschaften des Trusts beschönigen wollten, bis ins Kabinett reichen. Der Skandal droht riesengroß zu werden.

** Die neueste Untat einer Suffragette trug sich auf dem Bahnhofe von Bristol ffu. Eine Frau ver­setzte dem Handelsminister Churpill mit einer Reitpeitsche Schläge in das Gesicht Der Mi­nister entriß ihr die Peitsche und reichte sie ihr als Erinnerungszeichen zurück. Die Frau wurde ver­haftet.

überwinden. Das elsässische Zeutrumsblatt „Elsäs­ser" erbringt in einem Leitartikel „Unsere Revanche" den zahlenmäßigen Beweis, daß die Liberalen da» elsaß-lothringische Zentrum seit feinem Bestehen mit nationalistischen Waffen bekämpft haben. Dar Zen­trum, so sagte und schrieb man ltberalerfeits, em­pfange feine Parole von Berlin und Köln. Die Kan­didaten des Zentrums wurden als fremde", als „Deutsche" förmlich gebrandmarft. Im Wahlkreis Gebweiler maßte man bei der vergangenen Reichs- tagswahl sogar den Amtsrichter Frcyseng, einen Pfalzer, als ben „Einheimischen" passieren lassen, feinen Gegmr ,den Zentrumsabgeordneten Hauß, aber verschrie man als einen „Eingewanderten", als einen „Schwob". Am ärgsten trieben es die Siegte« rungs-KreiSblätter in Lothringen Tse Liberalen hätten also heute keinerlei Recht, sich darüber zu be- flageri, falls das Zentrum wirklich dein Lockruf des Abg. Wetterle folgen sollte. Aber die Frage, die sich notgedrungen aufdrängk, lautet: Wird eine national* elsaß-lothringische Partei wirklich etwas erreichen? — Erst recht nicht! Der Wunsch nach der Ausgestal­tung deS Reichslandes zu einem vollberechtigten Bun­desstaat beherrscht die elsaß-lothringische Politik. Wenn es sich nicht um eine reine Demonstration han­deln soll, muh man doch anerkennen, daß dieser Wrmsch nur durch den Reichstag und vor allem den Bundesrat erfüllt werden kann. Eine derartige Par­tei wird aber kaum jemals bei den maßgebenden Fak­toren das Maß von Vertrauen erwecken, das erforder­lich ist, wenn die reichsländischen Wünsche in Erfüll- rmg gehen sollen. Die größte Gefahr für ein gegensei­tiges Sichverstehen bilden die Hetzereien der Alldeut­schen, die gleich bei der Hand sind, von der Regierung scharfe Gegenmaßregeln gegew-die „antideutsche Strö­mung" im Reichsland zu fordern. Wenn eine deutsch-"' feindliche Propaganda dort existiert, so ist sie hauptsäch­lich dem Treiben der Alldeutschen zuzuschreiben, die schon bei der geringsten partikularistischen Strömung in irgend einem Bundesstaate glauben, das gesamte deutsche Reich ginge in Trümmer

Wahrheit zu bestehen hatte, er erinnert sich aber schonen Erfolge, die Gottes Güte ihm ge-

ber nun ein Jahr lang mein Chef und Lehrer fein wird, hat im Waldesfrieden sein junges Gemüt be­wahr, man kommt im steten Beisammenfein mit ihm nicht zum Bewußtsein der großen Stille und Einsmn- kert, die hier herrscht." Vielerlei schreibt mir Werner. Daß Onkel Walldorf in diesem Sommer nach Wil­dungen acht, er habe im Wiutgr recht viel gekränkelt. Daß Sigurd sein Milktärjahr hinter sich habe und hn August zum Rechtsstudium uacn Dorpat gehe. „Maina will durchaus, daß er dereinst Minister werde", hak er dieser Mitteilung hinzugefügt. Sigurd selbst hätte sich lieber dem Berg- und Hüttenwesen zugewandt, das Studium sei aber recht kostspielig und Onkel nicht bi der Lage, den recht anspruchsvollen jungen Herrn auf Jahre hinaus inFreiburg zu erhalten

Und weiter blätterte Renate Blatt um Blatt, bis sie wieder bei einem länger verweilte

Den 30. Dezember.

Heule habe ich einen stillen Tag. Onkel und Tante haben sich einer Schlittcnpartte angeschloffen, ich mußte rielens vale ns zu Hause bleiben, ich bin schrecklich verschnupft. Dieser Hausarrest soll meinem Tagebuch zugute kommen, denn solche Neuigkeit, wie ich heute zu verzeichnen habe, muß brühwarm aufgelischt wer­de,: .Schade, schade, daß Werner jetzt nicht hier ist, was würden wir für Vkäne machen! Mindestens eine Jtakienreffe müßte er mir versprechen oder ein Jahr Paris bei der (Barria — er kaun's nun ja! Aber der itzt nach wie vsrsest in seinem baltischen Forst, schüt­telt die Schneesterne von den alten Erchen und schnei­det auf dem Waldwejhkr Bogen „pique solo", wie er schreibt. Im. FMbjc.hr geht er nach Eberswalde und Siguri» nun doch nach Freiburg zum Smdmm und wie das kommt/ das wollte ick ja eben hier nie- hckschreiben Also! Die Walldocks haben eine große Erbschaft gemacht. Bor ein Paar Wochen ist ihnen die große, angenehme Neuigkeit zngegangen. Tat Onkel Walldorf da einen Paten gehabt, irgend einen eut- ferntcn Verwandten feiner Mutttr — Onkel Henrik mb Taute Beate sind doch Stiefgeschwister — der- elbe soll schon zur Zeit, als er Onkel über d'e Taufe hielt, ein alter Hagestolz und großer Sonderling ge­wesen sein. Onkel erinnert fki) seiner nur aus der Zeit seiner ersten Krnderjahre, da soll er viel im

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men in Ostpreußen und 100 Mark in ben Garnisonen Schleswig-Holsteins und Mülhausen im Elsaß. ES wird daher in der Armee fetzt allgemein barauf ge­achtet, baß derartige Militärpferde nur in solchen Standorten zum Verlauf kommen, wo für sie auch nach Wzug der Transportkosten der größte Reinerlös er­zielt werden kann.

* Die Borstandsschung des deutschen Städtetages hat am Samstag in Berlin beschlossen, an den Bundesrat und Reichstag eine Petitton um Befrei»

währte und all' der Liebe und Treue, die ihm die anvertrauieu Kinder der Kirche geschenkt. Sein Ar­beitsfeld konnte mit Recht „ein Ackerfeld voll von Steinen, Domen und Disteln" genannt werden. War doch im Jahre 1866 das österreichische Venetien mit Mantua an Italien gefallen, dessen liberale und kir­chenfeindliche Regierung unsägliche llebelstände her­beiführte. Klostergut und fromme Stiftungen hatte der Staat in Besitz genommen, das Kirchengut wurde mit hohen Steuern belegt, verschiedene Stifte waren verweltlicht und dem bischöflichen Einfluß entzogen. Kirche und' Geistliche waren schütz- tmb rechtlos; mancher von ihnen mußte 6ei feinen Pfarrkmdern um milde Gaben anklopfen, andere waren schwach und nahmen zum Schaden des religiösen und kirchlichen Lebens staatliche-Unterstützung an. Bis in weite Kreise des Volkes war die Religion geschwunden, jeder wenigstens erkaltet und erstorben. Das war das Wirkungsfeld, das der neue Bischof von Mantua be­trat. Es gehörte eine besonders kräftige und geschickte Hand bau. eme Erneuerung kirchlichen Lebens unter solchen Schwierigkeiten herbeizuführen. Klar und sicher hielt der Bischof dieses fern Ziel im Auge. Und fnit Gottes Hilfe hat seine rüstlose Hingebung Und sein nie erlahmender Opfersinn es erreicht.

Die bischöfliche Tätigkeit Sartos in Mantua und später in Venedig bildete gewissermaßen die Botbe- reiung auf fein Pontifikat, in dessen siebentem Jahre er jetzt steht Was er auf dem Stuhle Petri bereits zum Wohle' der Kirche gewirkt, ist in unser aller Ge­dächtnis, Sein Kampf gegen die Gefahrm des mo- dernen Zeitgeistes, seine Bestrebungen sür den litur­gischen Gesang, seine Vereinfachung des kurialen Ge- fchäftsgangss. seine Reorganisation, der Kutte, feine 'Hebung des wissenschaftlichen Niveaus der Seminare Italiens, seine Stiftungen von gelehrten Instituten und Konnnissionen insbesondere auf dem Gebiete der Bibelforschung werden Hin em Pontifikate für immer

t Das Mschofstubilsrrm Des hl. Vaters.

Heute begeht Papst Pius X die 25. Wiederkehr hes Tages, an dem er zum Bischof von Mantua ge­weiht tporren ist.

Bekanntlich hat der hl. Vater erst im vorigen Jahre sein goldenes Pttrsterjubiläum unter lebhafter Anteilnahme der ganzen gesitteten Welt begangen, und es wurde damals von Rom mre betont, daß drefr Feier, zu ber außerordentliche Botschaften und Mis­sionen aus allen mit der Kurie in Verbindung stchen- ten Staaten in Rom eingetroffen waren, zugleich das Gedächtnis der Erhebung Pius' X. zum Bischöfe von Mantua rrmfassen solle Entsprechend dieser Auffas­sung wurde auch der große Feftgottesdtenst, den der Papst in Gegenwart der fremden Missionen sowie einer großen Menge von Einheimischen und Fremde» In St. Peter hielt, auf den 16. dcovemdcr gelegt.

Wenn darum auch das heutige Jubiläum nur in aller Sülle vor sich gehen soll, so wird doch an diesem Dienstag b*e gesamte katholische Welt srohbewegt nach Rom blicken und zu dem Vater im Himmel droben Herzen und Hände erheben und ihn herzinnig bitten, er möge feinem Stellvertreter auf Erden Gnade und Segen reichlich schenken immerdar!

Am Jubeltage weilen die Gedanken des hl. Vaters sicher in den Erinnerungen an feine bischöfliche Tätig­keit in Mantua. Er erinnert sich bann gewiß der vie­len Arbeiten, Sorgen und Entbehrungen, die ihm dort beschert waren, er erinnert sich an die Kämpfe, Mühsale und Beschwerden, die er im streite für die

In ihren Grundzügen sind die beiden Brüder, so geblieben, wie sie vor zehn Jahren waren. Tie nivel­lierende Zett hat natürlich auch hier gewirkt, aber den Kcrn hat sie nicht umzugestalteu vermocht.

Von beiden habe ich heute Glückwünsche empfan­gen. Von Sigurd eine prachtvolle Karte, mit einem künstlerisch gemalten Vellchenfttauß. Auf der Rück­seite dft cxsten Zeilen, die ich von ihm erhallen '„Als Ersah für das verblühte FriebcnSfyMLol ein unver­gängliches" Ein paar geschriebene Worte und doch trieben sie mir das Blut in die Stirn und ließen mein Herz rcbMfch schlagen. Was isi's für eine Macht, die jedes, auch das ärmlichste Wort von ihm auf mich ausübt, gegen die ich mich vergebens wehre? Wenn ich ihn doch nie wiederzusehen brauchte in meinem Leben! . Erft nach, einer ganzen Weile habe ich das dicke wrc ausgemacht, welches von Werner ange- ®*r- Eine Menge gepreßter Blätter und Blumen fielen, mjr entgegen und dann der lange — ö"?ElVttef, mit f» viel Men, herzlichen Worten, ^eii PeLnn e-cß Frühjahr- ist Wermr zur praktifchm Vorbetceitung auf seine Forstverwaltrmgslaufbahn im Wald« m einer Oberflksterei. Ich muß lächeln, daß er dch Wv.pt: „ForstvsrwaltmigslaufbahiE so dick Uotuund doch gibt cs mir zu denken, ^"t Der Flinte habe ich gar nHts zu tun, Rena", k eio er. m*t> »Win wenn ich einmal meine Lehr- ober Letnicchre hinter mir habe and irgendwo Forst- mecstct bin, brauche ich durchaus nicht im Waldes- din.ich^ zu wohnen, nur in bet Näht großer Krons- sorstei^n.^ Dann kannst Du mich besuchen, in Deine Nähe ^wird sich Seiner mit Schießgetveheen wagen." Unb ®ann schreibt er mir, wie herzerfeischerkd bör AufechhÄt im Walde fetzt sei -„Sian jeher Paumart ich für Dich Blätter gepflückt und sie gepreßt Die jpngen Lenzesblatter, wenn Du sie sehen könntest in ihrer frischen Pracht! Wie wurdest Du aufjubeln und mit Deinem frohen Lachen der» tiefen, stillen Mald beleben. Nur alte Leute sind hier im Haufe, jvie Jungen längst flügge, aber der liebe, alte Herr,

Jrreuve Seele.

Ronan von H. T e i ch e r t.

ung der Sädte von der Talonstruer zu richten, ferner die Städte aufzufardem, sich gegen die Reichswert­zuwachssteuer mit allen Mitteln zu wehren.

* Der „Skandal" im Zentralhotel in Mül­hausen i. Els. (vergl. Nr. 261 Letzte Nachr.) wird in verschiedenen Blättern rvesenttich harm­loser bärgest eilt, als in der „nationalen" Presse. Danach ist allerdings die Marseillaise von einigen Anwesenden mitgejungen und applaudiert. Als hernach das „Heil Dir im Siegerkranz" ange­stimmt wurde, erscholl zunächst starker Applaus, in dem sich allerdings ein schriller Pfiff verlor, der aber sofort durch ein energisches „Sch!" zurückgewiefen wurde. Dieses „Sch!" scheint nun von verschiedenen Seilen als ein Aus zischen der deutschen Hymne aufgefaßt worden zu sein. Die Regierung war mit den üblichen Polizei­maßregeln schnell bei der Hand. Sie hat be­kanntlich den Schweizer namens Wegelin, der das Spieim der Aiarseiüaise verlangt hatte, aus. gewiesen und die Veranstaltung von Musi kauf- flihrungen im Zentralhotel verboten. Sehr forsch und schneidig! Aber wie kommt es doch nur, daß wir vierzig Jahre nach dem Kriege noch zu frlchen Maßregeln greifen müssen, während bie Engländer drei Jahre nach dem Burenkriege schon mit den Besiegten ein Herz und eine Seele waren? Mit dem preußisch-deutschen Regierungs- maxime, die in dem Kommando „Auf bie Knie!" gipfelt, macht man keine moralischen Erobe­rungen, weber in ben Reichslanden, noch unter den Polen, noch unter ben Dänen, noch sonst irgendwo in der Welt.

— In Elsaß-Lvthrtngcn gärt es wieder einmal. Die polttifche Aufbauschung an sich unbedeutender Zwischenfälle, tote des Vorfalles im Zentralhotel in Mülhausen sind nicht geeignet, bie bestehenbe Unruhe zu bärnvfen. Zahlreiche reichslänbische Zeitungen bringen zu gleicher Zett spaltenlange Leitartikel, deren Thema in ber Hauptsache bassei.be ist, nur die Melo­die ist etwas verschieden: der Gegensatz zwi­schen Einheimischen unb Eingewanber- ten verschärft sich in Elsaß-Lothrmgen; po­litisch soll er in der Gründung einer großen natio­nalen elsaß-lothringischen Vereinigung zum Ausdruck kommen. Schon vor einigen Monaten hörte man da­von, baß der Demokratenhäuptling Blumenthal die Parole ausgegeben habe, die Parteistreitigkeiten beizu- lrcen zum Zwecke eines gemeinsamen Vorgehens aller Elsaß-Lothringer zur Ermmpfung der politischen Au- wnomie. Blumenthal hat in dem Abg. Wetterle, der in dec elsaß-lothringischen Zentrumspartei die erfte Geige spielt, einen tatenlustigen Bundesgenossen gesunden In dem „Nouvelliste" lautet der Schluß eines Leitartikels:

„Seit 40 Jabren Überhäuft man uns mit Ver­sprechen, welche sich niemals verwirklichen. Bon un­terer Bereinigung allein hängt es ab, das zu erreichen, was wir schon so lange vergebens erwartet haben. Liefe Bereinigung ivird sich durchsetzen, was man auch gegen fie sagen und unternehmen mag."

Nach dem „Nouvelliste" denkt die neue Bereinigung nicht daran, die bestehenden politischen Organisationen < zn zerstören, alle könnten mit ihren verschiedenattigen

Hanse seiner verkehrt haben, sei dann aber nach dem Tode seiner Mutter und besonders seit der zweiten Heirat seines Vaters mehr und mehr dem Gesichts­kreise -der Familie entschwunden. Plötzlich nach uie= len Jahren habe der alte Herr wieder einmal von sich hören lassen und den Taussohn brieflich aufgefordert, ihn bei einer eventuellen Auslandsreise auf seinem 'siMtzium in Oberschlesien zu besuchen. Das habe Onkel Henrik vor nuinnehr sünfzehn Jahren auch ge­tan und wie Tante Beate sagte, habe et damals Wun­derdinge von des alten Herrn Schrullen und Eigen- tümlichketten erzählt. Er sei anscheinend damals schon recht vermögend gewesen, das große Hüttenwerk, welches feinen Namen geführt und auf dem es von Beamten und Arbeitern gewimmelt, sei eine Welt :im Kleinen getreten, aber kein frohes Gesicht habe ec dort zu sehen bekommen. Verdrossen und unfrei seien ihm all: Menschen vorgekommen und in dem mehr als einßuhen Haushalt des Allen habe der Geiz über­all seine Krallen hervorgestrM. Nun also — wie es nun so gekommen ist. Und was den allen Mann chließlich bewogen hat, den Paten zum Erben seines mittlerweile sehr bcde.ittend gewordenen Vermögens . eirzzusstzen, das ist eine entsetzlich lange Geschichte, dazu reicht meine Geduld nicht aus, die uicderzuichrei- ben — Faktum ist, daß die Walldorfs auf einmal reiche Leute gewöhn sind.

„Wie unrecht, daß Du von der Erbschaft ausge­schlossen bist", sagte ich zu Tante und strrickelte ibr ©£[1^1 „Onkel müßte Dir eigentlich freiwillig einen Test abgeben "

Da hat sie so recht herzlich gelacht.

„Er würde mir sicher etwas abgeben, wenn ich dessen bedürste. aber Gott fei Tank, wir stehen auf eigenen Füße». Was meinst Du, Heinz?"

Ter sagte nar nichts, fah fie nur an, nahm die hin- vestreckte Hund und fireichelle sie zärtlich. 1 _e die beide lieb haben, gar nicht zu sagen ist s ,L6ißt ihr, Kinder, was mich bei der Erbschaft am meisten freut? sagte Tante bann „Daß bieselbe von Wolldorfscher und nicht von Korffscher Seite ge­kommen ist. Run wird doch der Henrik endlich ein­mal fest cmftreten könne» "

fchwanken beffpielsweife zwischen 5 Mark in Darkeh» i Programmen bestebm bleiben; die gleichen natiee — " *" """ "---1 aalen Ansprüche müßten aber alle Parterstreitigketten

des verkochten Wocks, der die Reichsfinanzreform immer verschoben hat. Trotzdem bringt der Vorwärts es fertig, die neue Mehrheit dafür verantwortlich zu machm. Das ist ein dreister Schwindel. Das Zen­trum wurde in den letzten drei Jahren ebenso über- flimmt, wie die Sozialdemokratie. Das Zentrum hat noch beim Schellern deS Mocks für Ordming und Reinlichkell gesorgt; die Genossen taten das nicht. Kann man deshalb das Zentrum angreife«, well es die Verlotterung der Finanzen nicht mehr weiter wach­sen ließ? Gerade dieser neue Anleihebedarf sagt am deutlichsten, wie sehr geboten die Reform; denn sonst würde bie Anleihe immer wieder fteigen

Die 542 Millionen Mark Ligutdattonsmaffe des Blocks zerfallen in zwei Teile: die gestundete« Matri- kularbellräge und die älteren Fehlbeträge, zusammen l82 Millionen Mark, werden in dreißig Jahren ge­tilgt, werden, wie die andere RetchSschuld mich; der Fehlbetrag von 1909 aber mit 260 Millionen Mark muß schon bis 1913 abbezahlt werden, und zwar aus ben Einnahmen der neuen Steuern; das hat das Zentrum noch durchgesetzt. Hätte der Block die Nerchs- ,flnanzreform vor Ostern 1909 gemacht — er statte vier Monate Zell hierzu — dann wäre dieser ganze An­leihebedarf nicht erforderlich gewesen; dann wurden bie neuen Einnahmen ab 1. April 1909 geschaffen sein, man hätte nicht nötig gehabt, die große Summe von L60 Millionen Mark auf Schatzanweisungen zu neh­men. So hat die politische UnfäEiigteit der Liberalen dieses Konto verschuldet; das Zenkrum aber mußte für die Rbttaaung desselben besorgt sein.

So bet wahre Tatbestand. Nochmals sei m t Nachdruck betont, daß es der Reff der Block­volt t: k ist, der durch die Anleihe beseitigt treiben muß. Das deutsche Volk kann mm die Rechnung darüber aufmacken, was ihnr die letzten Wahlen ge­kostet haben

♦♦♦ Die Liqrritationsrrraffe des Blocks.

Dem Reichstage soll bekanntlich aksbald ein treuer Nachtragsetat zugehen, der die Summe von 542 Millionen Mark Anleihen fordert.

Diese Anleihesirmme ist nur dadurch notwendig rewordev.. weil ber Block in den letzten Jahren in Saus und Berns gekebt und sich um keine Deckung gekümmert hat. Er hat zwar schon in den drei Etats rund 700 Millionen Mark Schulden ausgenommen; aber das genügte ihm nicht, er hat auch laufende Ausgaben in hohem Blaße durch Schcrtzanweifungen gedeckt und mm müssen diese aus der Welt geschafft werben. - Dafür ist die neue Anleihe da

Die einzelnen Teile derselben setzen sich wie folgt Msammen:

1. (^stundete Mc.Nikukarb etiräge

von 1906, 1907 und 1908 . . 146 Mill. Mk.

2. Fehlbeträge von 1907 u. 1908 136 „ „

3. Fehlbetrag für 1909 .....260 „

542 MiU. Mk.