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Maer

)ahrssanst.

Fulda, Samstag den 13. November 1909.

JW 261

Irveites Wlcrtt

<« M dem Detaiüifterr -re Emkauch- genosienschaft zu empfehle«?

Diese Frage erscheint manchem vielleicht als über- flüssig, weil man geneigt iss, den Zusammenschluß der Detaillisten in Einkaufsgenossenschaften als etwas Selbstverständliches anzusehen. Und doch findet man, daß ein überaus geringer Prozentsatz der Detailltsten in Einkaufsgenossenschaften vereinig ist. Hoch ge­griffen werden in Deutschland heute 150 Einkaufsge­nossenschaften bestehen. Das Tros der Detaillisten steht

senschast ist, daß sie eine Schädigung der In - d ust r i e bedeute, weil der Geschäftsführer der Genos­senschaft leicht versucht ist, stets bei dem einzukaufen, der es einmal verstanden bat, sein Bertrauen zu ge­winnen, daß er nicht die jeweiligen Neuheiten und Ängeböte berücksichtigt, daß es ihm häufig an entspre­chendem Geschmack fehle, und daß dacuritrr die In­dustrie leide. Zunächst kommt einmal der persönliche Geschmack und das Vorkommen von Neuheiten in der Hauptsache nur für Saison-Modeartikel und derglei­chen in Betracht. Stapelarirkel scheiden hier aus. Sodann läßt sich die Gefahr des Einfettigwerdens des Clefchäftssührers beouem dadurch umgehen, daß im allgemeinen nicht der Aeschäftsfiihcer die Einkäufe be­sorgt, sondem daß der Aufsichtsrat der Genossenschaft die Offerten der verschiedenen Firmen einfordert, stets das Neue als praktischer Kaufmann berücksichtigt und die Bestellungen tromimmt. Dadurch verliert der 'Einwand, die Industrie könne drrrch die Einkaufsge- noffenschast geschädigt werden, jede Bedeutung.

Daß die Einkaufsgenossenschaften an sich Vor teile bringen, wird kaum von einem. Detaillisten b»- strüten werde«. Dann an dem alten kaufmännische» Grundsatz: „Der Einkauf im grasten fft billiger", kommt, niemand vorbei. Die Bedenken der Detaillistr; sind, wie aus dem Gesetze hervorgehen dürfte, nich, 'stichhaltig. __________

He Schreibfertigkeit und Bureanweisheit in den Hin­tergrund gedrängt ist, und die Verwaliungsmaßnah- men von erfahrenen, fachmännisch geschulte» Leuten in unmittelbarer Berührung mit dem Material und den Maschinen »argenommen werden. So lange es an praktisch vorgedildetem Nachwuchs fehlt, sollte man tsichfi.e Leute aus den Privatbetrieben heranziehen, und zwar in die maßgebenden Stellen. Der Reichstag wird die Vorschläge der Kommission mcht bloß pm- sk« sondern wahrscheinlich auch noch ergänzen und erweitern Der bürokratische Schlendrian hat zu schlimm? Dinge veifchuldet, als daß man fich mit be­mäntelnden Halbheiten abspeisen taffen dürfte Zu der kaufmännischen Betriebsführung gehört mcht bloß die doppelte Buchführung, sondern vor allem dre Sachkunde, die Umsicht, die Beweglichkeit, der Fleiß und dir Sparsamkeit eines guten Geschäftsmannes. Ist das nicht zu erreichen, so wollen wir wirklich lie­ber zur Verpachtung der Werft übergehen.

Daß die Mßstände gerade m der deutschen Reichs- marine zu Tage getreten sind, hat in England besmideres Aussehen und Interesse erregt. Die eng­lischen Zeitungen berichteten darüber ebenso ausführ­lich wie die deutschen, klebeehmipt haben die englisch- deutschen Kriegs- und Friedensverhältniffe in letzter 3eit wieder außerordentlich viel von sich reden ge­macht. Staatssekretär Dernburg hat auf seiner Eng­landreffe zu verschiedenen Malen auf die Gemeinsam­keit der englischen und deutschen Jntereffen in Afrika hingewiefen, welcher Hinweis von englischer Serie mit Genugtuung und voller Zustimmung aufgenom- men worden ist. Die „Kcenzzeitung" behandelte ge­nau zur selben Zeil in einem bedeutungsvollen Leit­artikel die Frage der enakisch-denffchen Verständigung, und führte aus, wenn die Versuche zu einer englffch- deutschen Verständigung in Sachen der Marinerüstun­gen bisher ohne Erfolg gewesen seien, so habe das allem Anscheine nach an der fiilfcken Methode ge­legen. Es wurde daran erinnert, daß von englffcher offizielle» Seite gegenüber Deutschland verschiedent­lich der Wunßh geäußert sei, ein entsprechendes Ab­kommen zu treffen, aber diese englischen Vorschläge seien leider weder bei paffender Gelegenheit noch in paffender Form geschehen, sodaß Deutschland nicht so ohne weiteres sein Ja dazu hätte geben können. Aber jedenfalls habe man von englischer Seite aus in be­stimmtester. Form Anregungen in diesem Sinne ge­geben. und eS wäre jetzt an der Zeit, daß Deutschland seinerseits in tulicherer Form die Angelegenheit zur Sprache bringe. Die „Kreuzztg." ließ dabei durch­blicken. daß anch der Kanzlerwechsel dazu beigetragen habe, den Weg zu einem tefferen Einverständnis zwi­schen den beiden Nationen zu bahnen. Diese Aus­führungen der „Kreuzztg " haben in England dir ver­dient« Aufmerksamkeit gefunden, und die „Kreuzztg." kannte konstatieren, daß ,dir führende ernste liberale Press« in England an den Artikel Kommentare und Erörterungen knüvfte, aus denen sich erfreuliche Rück­schlüsse auf das allmähliche Erstarken des Gedankens der Anbahnung freundschaftlicher deutfchrenglffcher Beziehungen in England ziehen lasten". Daneben allerdings fehlt es aber deutscherseits nicht an törich­ten Quertreibereien, die in diesem Falle zur Ab- wechselrmg von deutscher Seite ausgehen. Der natio- nalliberale Landtagsabg. und „LegationSrat a. D." vom Rath sucht die alte Zeit des größten englisch- deuffchen Gegensatzes wieder in die Erinnerung zu bringen und hat zu diesem. Zwecke im .Dag" eine Reihe von AnÄuldigunaen. gegen die englische Presse und Politik erhoben. Wir wollen den speziellen Fall aus der Zeit der Doggerbank-Affäre nicht noch ein­mal wiederhokeu.. sondern nur kurz registrieren daß die Erzählung des Herrn vom Rath in der „Köln. Ztg." eine ziemlich scharfe offiziöse Zurückweisung

tr‘5)e$nt täglich«« stmnahmt der So.®» p»l»Fet«ta-e Viertel» jähr'.ich«ve,'kyrprei5 ohne Sringertohn und vesteL-eldmZuldaf». «iea»i»SrtrI.S««r.

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Laiß Schütter

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fallen fein. _ „ „ , .

In Frankreich ist dre Wahlreftrrm irr dar Karniner prinzipiell angenommen worden, dann aber, um dein Ministerium ein Vertrauensvotum zu ertei­len im Ganzen abgeleynt worden. Die Meinungs­verschiedenheiten zwischen dem Ministerpräsidenten Briand und der Mehrheit der Kannner sind aber zu groß, als daß man dem Vertrauensvotum größeren Wert beilegen könnte.

Spanien hofft mal wieder, daß der dem Volks ganz und gar unsymvath^chen Marokkokrieg zu Ende geht. Es ist aber noch fnrrk zu bezweifeln, daß es dem marokkanischen Sultan Mulah Hafid gelingen wird, die Kabylenstämme zu beruhigen.

In Griechenland ist immer noch nicht die wünschenswerte Klärung der politischen Lage ernge- treten.. Die Militärliga scheint fich jetzt alle Wühe geben zu wollen, um sich als eine regierungsfähige Partei zu zeigen. Gegen die Rebellen getraut man sich aber nicht allzustreuge vorzugehen. Trotz der un­ruhigen Lage fordert man iveiterhin eine endgültige Losung der Kretafrage. Auch die türkische Regierung wünscht,daß sie bald erfolgte. Indes denken einstwei­len die Schutzmcichtt, England, Rußland, Frankreich und Italien nicht daran, sobald die KrÄcffrage wieder auszuroDm.

Die Unruhen in Nord-Persien, die in der lehteir Woche ivieder größeren Ilmfang angenommen haben, zeigen, daß die Anhängerschar des verbannten. Schahs noch ziemlich groß fft. Rußland und Eng­land sind natürlich wieder dabei, aus diesen Unruhen !ihren Profit zu ziehen.

den E urkaufsgeu offen schäften teilnamlos gegenüber. Der tiefere innere Grund dafür mag wohl in dem Mangel cm. Salidaritätsgefühl liegen. Vielleicht wer­den die wirtschaftliche Not, das Anwachsen der Wa­renbaus- und Kossiuvvereinsbewegung in echter Linie diejenige» Faktoren werden, die den Detaillisten in die Eiickaufsaenossenschcfft hineintreiben.

Ein 'Sebealen, das meist der Gründung einer Ein- kpufsgeuoffenschast entgegen gehalten wird, ist das, daß mau meint, der Detaillift könne, wenn er zur Gründung von Einkaufsgenoffenschasten übergehe, dem Konsumverein nicht mehr vor werfen, er schalte d e n Z w i sch e n h an d el aus, da ja die Einkaufs- ' genofsenschaft dasselbe tue. Die Richtigkeit dieser ' Behauptungen kann nicht bestritten werden. Aber ' immerhin bleibt nach ein wesentlicher Untechchied 'zwischen Konsumverein und Einkaufsgenossenschaft der Detaillisteu bestehen. Der Konsumverein schaltet 'mehr den. kleinern, und Mittlern Detaillisten aus, die Einkaufsgenossenschaft den Großhandel, was volks­wirtschaftlich kein so großer Nachteil ist als die Aus­schaltung des viele Eristenzen zählenden Kleinhandels. Nebligen? wird die Zahl der auSgeschalteien Groß­händler nicht sonderlich groß sein, da die Einkauss- genoffenschafi nur für eine beschränkte Zahl von Bran­chen in Betracht kommt. Auch wird nicht in jedem Falle die Einkaufsgenossenschaft den Großhandel aus- ichatten. Es wird Fälle genug geben, wo die Ein­kaufsyenoffenschaft vom Großhändler kauft Deshalb bleibt die Einkmifsoeuoffenschast für die Mitglieder immer noch rentabler, als wenn der einzelne Detaillist seinen. Bedarf allein deckt. Im großen und daher :billiger wird auch hier gekauft. Ersparnisse an Fracht, Porto, Betriebskapital usw. Meißen auch hier bestehen.

Ein weiteres Bedenken gegen die Emkmffsgenos-

Vestfches Reich.

— Ein« „Friedcnsmahnung" veröffentlicht die Antizentrnmsvereinigung, die sich „Deutsche Ber­einigung" nennt, in einem Flugblatte. And an wen richtet sie die Mahnung? An den Evangelischer» Bund, an die Ferrer-Fanatiker? Bewahre! Die stören ja den Frieden nicht! Nein, an das Zen­trum! Das Zentrum ist schuld an dem konfesfionel. len Unfrieden, und zwar durch feilte bloße Existenz, die auf die Andersgläubigen aufreizend wirke. Tat»

erfahren hat, und daß seine Behauptungen von denen 1 bet englischen Regierung nahestehenden „Daily News" ' als absolut unwahr bezeichn morde» sind Natür­lich lassen sich einige englische deutschfeindliche Blat­ter die Gelegenheit nicht entgehen, den ihnen vom Herrn Rath zugeworfenen Ball aufzufangen, wie e8 ja auch in Dvttschlaad etliche Zeitungen gM, die nationale MMmmungen zu fördern uie miterlaffen können Erfteulicherweise ist die große Mehrheit der deutschen Presse aber einig darin, daß, selbst wenn an der von dem Abgeordneten mitgeteiüen Affäre et­was wahres wäre, Herr vom Rath seine Weisheit besser für sich behalten hätte.

In Ungarn hat sich die Unabhängigkeitspartei endlich gespalten, und die nächste. Folge ist die daß die Krone nunmehr überzeugt ift, daß den Mehrheits­parteien im ungarischen Parlament em« Losung bet Srjsis nicht mehr möglich ist, daß diese also auf and«- rem Wege, oermutl'ch durch die Mmterheitspacki vom Jahre 1367 versucht werden soll Bon großer Bedeutung für die Sage in Ungarn ist d» Bildung einer neum Partei, deren Führer Gmf Szapa^ ist und die, wie es scheint, mit dem österreichischen Thron­folger trte besten Beziehungen unterhält "

I» England hat das Budget in der verfloße­nen Woche die dritte Unterhauslefnng pasii-rt, und ist von einer überwältigenden Mehrheit be« «tnnm- entbaltung der Iren genehmigt worden. das Oberhaus ton wird, ist noch immer ungewiß, bis spätestens Ende Januar muß die Entscheidung ge-

wochen-Rundjchau. y F«lda, 12. November 1909.

Die Gerichtsverhandlungen wegen der Unter- schleife mrf der K i e l e r W e rf t haben erst Srstmme» lind dann Entsetzen hervorgemftn. Es sind da Man- ,er und Mißstände in der Verwaltung enthüllt worden, bie man bisher nicht für möglich gehalten. Witter den Angen und unter der unwissentlichen Mitwirkung der Beamten machen die Händler auf der Werst ine gewinnreichsten Geschäfte. Die Beamten, bie den Verkauf der Unmaffe von Altmaterialien zu veranMl- ten oder zu kontrollieren haben, verstehen nicht, die Ma­terialien nach ihrem verschiedenen Werte zu schätzen Der höhere Beamte verläßt sich auf die unteren, und der untere wird zum Spielball der Händler. Der Applikant, der zur Kontrolle der Wage beordert war, erklärte einfach, — er habe sich um das Wiegen nicht gekümmert, da et nichts davon verstehe. Wichtige Formulare und Stempel befinden sich in den Händen eines (vorbestraften) Lohnschreibers von 100 Mark Gehalt. Ein Assessor der Marineintendantur sagt als Zeuge: „Die Kaiserliche Werst habe nicht einen kauf­männischen Gewerbebetrieb zu führen, sondem für eine schlagfertige Flotte zu sorgen; hinter dieser Aufgabe müßten alle kaufmännischen Rücksichten hinangestellt werden.* Ms ob die Schlagferttgkeit der Flotte da­durch gewährleistet würde, daß man an der einen Seite der Werst das alte Material verschleudert, um es an der anderen Seite der Werft aus demselben Ma­terial zu hohen Preisen wieder einzukaufen. Welch einen gewaltigen Eindruck die Enthüllungen gemacht haben, läßt fich aus dem Artikel des Kapitchis zur See a. D. Persius, der die Mißstände auf der kaiser­lichen Werst aus seiner eigenen Anschauung noch weiter beleuchtet und zn dem radikalen Vorschlag kommt, den ganzen Weistbetrieb von Reichswegen ab­zuschaffen nnd den genügend erstarkten Privatwerften das Gebiet allein zu überlassen. Unsere Regierung, bie gegenüber bei Verleumdung ihrer Steuerpolitik so mßerntentlich schweigsam fft, glmibt doch für ihre Werstorganisation und deren Verwaltung eine offiziöse Lanze rinlegen zu müssen. Die „Nords. Mg. Ztg." berichtet ausführlich über die Arbeiten und Vor­schläge der Kommission, deren Einsetzung der Marinesekretär bei den Budgetberakmgen im letzten Frühjahre mitgeteilt hatte Die Vorschläge der Kom­mission machen angesichts der jüngsten Enthüllungen den Eindmck. als ob der Pelz der Werftbureaukratie gewaschen werdm solle, ohne ihn naß zik machen. An faßbaren Reformen liegt bis jetzt nur vor ein „Vor- pcrsuch" mit der Einführung der kaufmännischen Buch­führung an Stelle der kameralistischen auf der Werft von Wilhelmshaven. „Dort ist bereits eine kaufmän­nische Kraft als Sachvefftändiger tätig". Wenn für diese Sachverständigen-Tättykeit nur 7000 Mark aus­gesetzt werden, wie Herr Persius behauptet, so handelt es sich wohl nicht um eine kaufmännische Kraft ersten Ranges, die bahnbrechend wirken konnte. Die Umge­staltung der Buchführung tut es auch nicht allein. Das gäbe nur eine neue Form der papierenen Kontrolle. Nach beit Enthüllungen im Prozeß fehlt es vor allem an der Sachkunde und der Geschäftsgewandtheit der Beamten, und dieses Hebet rührt daher, daß bie Be­amten in den Schreibstuben vocgebildet sind, aber nicht in den Werkstätten. Es wird in dem offiziösen Be­richt noch nebenbei angegeben, daß die Beamten mehr für die Praxis ausgebildet werden sollen. DaS ist nach unserer Ansicht die Haupssache. Es wird nicht eher zu einem vernünftigen Werftbetrieb kommen, bis

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Msnakbeilage: „SttlbOtT Gejchichtrblatte^ wwi« irr.

fährt man zum hellen Erstaunen, daß es den geriffenen

finde einen besonderen Zauber darin, daß ein ganzes

bei großen Festmahlen besonders beliebt, ganze Span­

ferkel oder gelt größere Schweine m voller Leibesver-

later ist ein eindrucksvoller Vargang. Sin solche?

Lien auf bie Einfalt vor.

ren" aber „Stoven" dafür gesorgt werden, daß die Gans auch bei vorgerücktem Alter weich wird.

Wenn äh nun noch weiter von den unpolitischen Dingen des TageS erzählen soll, so bin ich um er­quickliche Stoffe tn Verlegenheit. Skaudalprozeffe fiil- len wieder einmal, wie das leider nicht mehr unge-

siempefieir Nktenformnlnren noch nicht sicher ist, ob er einem echten Staatsdiener ober einem Hauptmann von Köpenick bas fällige Gelb zahlt?

Berit und lang ist, und wenn er Leut« beförbem soll, so hat er. eine s-ficke Brette, daß auch zwei Schienen unter ihm Platz finden, und dann- geht's ohne Kreisel. Mir fammi. das Einschienensvstem wie eine Spekula-

ten, d. h. Flügel, Pfoten, Kopf, Herz, Magen tn ge­kochtem Zustande und die Leber als gebratene Deli- kateffe; dann folgt am Sonntag das ganze Tier als Pracktfrück auf den Festtngsttfch, wobei die Kinder sich besonders an den Aepfeln freuen, die dem Innern duf­tend entsteigen. Die Reste schmecken an den folgenden Tagen, gewärmt oder kalt, auch noch vortrefflich. Ich

faffung ans de« Tisch w bringen. Da» macht etnen imposanten Eindruck. Das Auge wird befriedigt von Vieser ungeteilten Erscheinung, der Appettt wird an­

bei sich; ja, es bleibt noch soviel Gänseschmalz übrig, daß die HgMfrau an Butter und Margarine für die „Stullen" beträchtlich sparen kann. Da die deutsche Gänsemästung, wesentlich, auf die Einfiihr von russi­schen Gänsefvrößlingen angewiesen ist, so hat fich die Gänse-Knktor tzn Nordosten Deutscblands früher und stärker entwickelt, als in anderen Landesteflen. Ich z B. habe nicht in meiner westfälischen Heimat, sondem erst in Berlin die Gans lieben und vertilgen getarnt Aber wenn mm seit der Entwicklung be» Verkehrs die Fettgans auch dort, wo man sie bisher als eine Ans- imhmeerscheiinrny betrachtete, zu amtebmbaren Preisen

klarem Licht; daher der Drang nach oben, zu den eilenden Wolken, die ein« Zwischenstufe zwischen Erde und Himmel bilden.

Auch in ter Zett des Dampfes, ter Elektrizität und. des Benzins könnte ein neuer Schiller blühen und gedeihen. Ja, er würde heutzutage fiir feine klaffifchen Weck auch noch einen viel besseren materiellen Lohn erhalten, wie einst ter fliehende Medikus von ter Karlsfchule. Von der 6i±teten Not ums tägüche Brot würde sich ein Schiller von heutzutage leicht befreien können. Aber wir haben keinen. Dichter, bei solchen ibeatat Schwung in feine Verse legen könnte, bie es versuchen, bleiben in mäßiger Höhe stecken; ste glei­chen tem Flieger Farmon, bet seine Kreise immer nur ein Pear Meter über tem Erdboden zieht. Unb üer alte Schiller wird ter LieblingSdichier des deutschen Volkes bleiben, bis ein Genie entsteht, das ihm eben­bürtig ist an emporreißender Kraft bei Sprache.

In unserer Zeit wird auf tem Büchermarkt nicht bloß an elendem Schund, fonbern auch an abscheuli­chem Schmutz ungeheuer viel zutage gefoltert Da muß man auch den besonderen Vorzug Schillers prei­sen, daß er das Schamgefühl unverletzt läßt. Abge­sehen von einigen Derbheitenr den Erstlingen ferner Sturm- und Drangjuhre, sind feine Werkt auch fret geblieben von jenem „Gemeinen", das andere Dichter im GefcblechtÄkeben so gern ausspüren und verarbeiten. Daher eignet er sich zum Familien dichter, tote kein anderer von den gepriesenen Klassikern, und auch die­ser Umstand trägt wesentlich zu feiner andauernden Volkstümlühkett bei. DaS ist umso höher amtiertet* nen, akS Schiller nicht in der heilsamen Zucht der chrifllichm Neberzeugung stand, fonbern fein Zartge­fühl nur auf feinen persönlichen Idealismus stützte.

Von diesem Gesichtspunkt ans finde ich den Dreh zu der Marttnsgans. Zu dem lieWchen und er­baulichen Familienleben gehört als wesentlicher Tefl der gemütliche Familkentisch. und eS gibt fein vortreff­licheres FamiLengetlcht, als eine gut gebratene G a ns. Und wenn einer sagt, dieser hauSwirtschastliche Vogel sei mir für die „besseren" Kresse, so kann ich ihm die Tatsache entgegeuhalten. daß in Berlin z. B. die Gans ein wirklichsS Bosssnahrungsmittel ist. Wenn das Pfund um den. Preis von 60 -Zf schwankt, so kann bie Gans mit den anderen Fleisch so cten in erfolgreichen Wettbewerb treten. Sie liefert nicht bloß ein schmack­haftes Fleisch, sondem hat auch das erforderliche Fett

wohnlich ist, bie Spälten ter ReuigkeitäMätter. Als ob in diesen Artikeln die „einheimische Produktion" nicht schon sattsam anSreichte, ttfchen unsere „WeltbW» ler* in den breitesten Telegrammen den widerlichen Schmutz auf, den ein Gerichtsverfahren wegen Gat­ten- und Muttermocdes gegen ein liederliches Weib von Paris zutage fördert. Die ist nunmehr für Ke „aufgeklärte" Welt die Heldin des Tages, nachdem das aufgcpeitfchte Interesse für den Anarchisten Ferrer sich ausgetobt, hat In Deutschland selbst, schwebt ein sehr langwieriger Prozeß wegen Betrügereien auf der Kieler Werft» aus dem sich die fatale Lehre ergibt, daß bie Beamten in den Reichsbetrieben Nicht die genü- .gende Sachkimde und GesMcklichkeik haben, um den Gaunem das Geschäft zn verwehren. Nebenbei er-

tcranftalien sich bemüht. Er führt einen Wagen vor, 'ter auf et n et Schiene fährt, vorläufig im Schnecken­tempo. Das Gleichgewicht soll durch Kreffel erhalten werten, bi» inr Innern des Gestelles fick drehen. Daß drehend« Kreisel sich gegen das Umfallen wehren, ist ta'ne aBe Geschickte. Ich weiß ater nicht, warum un- Ifvre Aloen t stSim* ietuibi*te:n

Uipoliltfdje Seitläuj«.

(N.) Berlin, 11. ifiovemder 1909.

(Nachdruck verboten.)

Vcnr ter SchÄlerfeier am 10. zur Marttnsgans am 11 November. Also von Poejü zur Prosa? Rim, wenn di- v-rn ter sorgsamen Mutter gebratene @an3 auf dem Tffcue steht, so strömt sie auch Poesie aus.

Die Schillerfeiem Hausen sich etwas znAnfang die­ses Jahrhunderts. Vor vier Jahren erst haben wir den 100-jähr. Todestag Schillers begangen; jetzt das 150. G-burissest Für keinen anderen Dichter wäre in Deutschland so viel unermüdliche Begeistemng au^u- tteiben. Je mehr Schillerfeiern, desto beffer. Denn em Volk, das für Schiller schwärmt, ist noch von Jteälis- mus durchwärmt. Schiller ist ter Lieblingsdichter, loeil er der ideale Dichter ist, ter in schwungvoller Sprache bie Leser emporreißt aus tes TaleS dunstigen ®riintertjrt die lichten Höhen großer Gedanken und edler Gefickle, — empor über den Staub und Dunst des rllttags, — empor über das Kleinliche und Ge­meine Tiefe Hohendichtung steht im sckroffsten Ge- genfate zu ter realistsschcu, natumli^-hen, oeristi- wrsr.V6'7,. Achtungen von Dicht-, Mal- und teJei b'e HL “nfmn -erretten in verfchie- mh tottren "ter sind. Aber ge-

Volk ? Schill" volkstümlich; denn das

rt Nigebilden sich erbauen. We- taaer }u ^e,tr.torrlrt « auch an den All-

örin^ * "wöetnen Realismus „zeitgemäße* Opfer si°tte Auto^7u ^'^drsickt: es fahren in Unmaffe Erdboden h, / 6 lm? rafett^e Eisenbahnzüge auf dem beit ihm a6“t.to'mn Aevpelin kommt, so ju-

^rem Dmche7 die Ftogkssnstler auf

ihnen itnfo butte steigen, so starrt das Volk

ken berariteirren Me Wok-

Dichtern. Wenn das „ h.cr Zeppelin unter den klänge, könnte ma?K ben"icht so schrecklich neu, den Meissrr be§ ^hr^r ^(Gker der Poesie nen= BesÜhStoelt. DieVmkssttL^ Gedanken- und

umfahren, wissen mu eds die da hcr-

to schätzen und z» öenuven^ n^ 5?e^rbccungämiüel daß sie aus tem Staub und to,r wissen auch, Ä«« “ÄS--

Vergnügen können wir uns heute noch leissen bei dem Hasen: ter aber für die Mässe des Volkes wegen ferner Fettlosiakeit zu teuer wird, und bei ter G a n s, wofern sie in ihrer Fettblüte billig z« haten ist Dis ScherUvort zur Berspotttmg des Berliner Tialetts — „'ne fut jebratene Jans ist eene iute Jabe Jottes* — ____ ...____

enthält eine hmiswirtjchafiliche Wahrheit Rdm mache isollen. Ter Wage-r braucht soviel Platz, als wie er bie Pwbe. Natürlich muß durch vorgängiges „Schmo- ckcrit und lang fft, und wenn er Leut« befördern soll.

ftikgebvten wird, so rate ich den ^-niSftrmen, mal eine Vrnbe yi machen. Auch denjenigen, die noch tritt» Hebung in der Verwertung deS Tieres haben. DaS kernt sich Isicht aus den Kochbüchern oder durch Se=.... . . ..... _ ..

sragling einer kundigen Frau. Hier zn Lande pflegt ,.G<mneru möglich fft, suS den Gerichtsakten nicht bloß man gern am Samstag das „Gänseklein* zu verzeh-

unangenehmr Papiere zu entfernen, sondern auch eine Masse von gefälschten Brieten usw. einzuschmuggeln. Einen toefteim Beitrag zn diesem Kapitel bildet die Nachahmung deS Hailpttnaims von Köpenick durch drei blutjunge Burschen, die sich im Landgericht I in Berlin mit der Toga und dem Barett eines Richters bekleidet und dann froh und frei fich in den Amts- ’äitmen bewegt haben, um Formulare und Stempel zu ^stehlen, die für zur Anfertigung von Kostenrechnungen Tier auf den Tffch kommt. Bekmnttich war es früher [rfto. tenutzten Wa? soll ter arm« Bi'rrger machen, " ' ' ..... ~ wenn rr müb beim Erschettlen eines Beamten mit abge-

..... ._ ... = Etwas-harmloser ist eine „Sensatirm". die der Her-

geregt, und daS Zerleften des Tiens durch den Haus- ämsgebet eines hiesigen „unparietischen" Blattes zu