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Fulda, Freitag den 12. November 1909.
J» 260.
36. Jahrgang.
Gastes Wlcitt.
4- Die Hoffnung -es Liberalismus.
Die Erörterung des Themas: Wird der Block wieder anfgerichtet werden? wird in der Presse des alten Blocks eifrig fortgesetzt. Kem Tag vergeht, der nicht die eine oder andere Auslassung dazu brächte. Diese Tatsache allein beweist, daß der Gedanke von einer Wiederkehr des Blocks
in irgend einer Form — doch nicht ganz von der Hand zu weisen ist.
Die Erörterung der Frage, ob der Block wieder- nnmen könne und werde, ist nur möglich auf der Grundlage, daß man stch darüber klar wird, was den Block in jenen heißen Juni- und Julitagen zu Fak gebracht hat. Der Block war wesentlich nichts anderes als der Don der Regierung unternommene Versuch der Einleitung einer liberalen Aera. Das Experiment mißglückte, weil die Konservativen stch rück- igratfefter erwiesen, als Fürst Bülow angenommen hatte. Deshalb mußte der Block in Trümmer gehen, als die Konservativen ihre Mitwirkung zur Unterstützung der libemlen Aera verweigerten. Ein neuer Block kann auf keiner anderen Grundlage beruhen. Er kann nur dem einen Zwecke dienen, die H e r r- s ch af t des Liberalismus, der für sich allein zu schwach ist, mit Unterstützung der konservativen Elemente zu begründen.
Daß der Versuch wiederholt werden wird, ,daran ist für uns nicht der geringste Zweifel. Die felbst- 'hewußte Haltung der liberalen Presse läßt erkennen, ,daß der Lberalismus der ferneren Unterstützung der Regierung gewiß ist. Und die Regierung hat bis heute alles getan, rmi deutlich erkennen zu lassen, daß trotz der Vorgänge Bei der Neichsfrnanzreform ihre Liebe den liberalen Parteien geblieben ist, während Zentrum rmd Konservative mit möglichster Kühle behandelt werden. Die Politik kennt eben keine Dankbarkeit, und wenn Herr Sydow vor Jahresfrist in seinen Artikeln zur Empfehlung seiner Steuervorlagen das Gegenteil erklärte, so hat er sich — wenn es ihm nicht um die schöne Phrase zu tun war — als recht unerfahren in der Politik erwiesen. An der Tatsache ist nicht zu rütteln, daß im Reiche auf eine Wiederbelebung der liberalen Aera hingearbeitet wird.
Don erheblichster Bedeutung ist es, wie die K on- ffervativen sich zu dem neuen Versuch der Block- bildung Verhalten werden. Geradezu unbegreiflich ist die Haltung des „Reichsboten", der der konservativen Partei in nackten Worten empfiehlt, wieder stch um die Ehre zu bewerben, als Schrittmacher des Liberalismus tätig sein zu dürfen. An KnrKchtiakeit ist solche Politik sedenfalls nicht zu übertreffen. Aber die von dem „Reichsboten" vertretene Anschauung hat weite Kreise der konservativen WWerschäst in Beschlag genommen, und augenscheinlich wird die Haltung der Führer dadurch erheblich Beeinflußt. Auch die Auslassungen der konsewatiden Parteipresse, die einer Annäherung cm die liberalen Parteien das Wort reden, dürfte nicht in letzter Linie der Rücksicht auf diesen Teil der Wählerschaft entspringen.
Bestimmend für die künftige Politik der konservativen Partei wird der Anfang Dezember zusmnmen- tretende große Parteitag werden.
Wir glauben annehmen zu dürfen, daß man auch in führenden konservativen Kreisen stch der Erkenntnis nicht verschließt, daß die Versuche, den Block neu auf- zurichten, allein von dem Gedanken getragen sind, eine Politik nach liberalen Rezepten zu inaugurieren. Wenn Die Konservativen sich an dem Experiment nochmals beteiligen wollen, so werben sie durch die Erfahrung belehrt fein, daß ihre Mitwirkung nicht auf dem StandpuM der Gleichberechtigung, sondern der N n- t e r o r b n u n g unter die liberale Herrschaft möglich ist und erstrebt wird. Sie werden sich darüber zu ent- ,scheiden haben, ob sie freiwillig sich in dieses Whän-
Irrende Seele.
15] Roman von H. Teichert.
„Reizendes Mädchen! “ flüsterte ein schmucker Freiwilliger Sigurd zu, als dieser sich erhob, nm den Ankommenden ei» paar Schritte entgegenzuzehe». .Gute Gelegenheit heute mich ihr vorzustelle», Balldors, lechze schon lange nach bet» Vergnüge». Ihre Kusine, wie man mir jagt."
„Keine Svur," erwiderte dieser sehr von oben beruh. „Meiner Tante Pflegetochter nur, Abkömmling irgend einer verschollenen ArttßenßonRe."
„Ach wirklich? Kolossal interessant Reizendes Vignonköpschen. Ganz mein Geschmack Muffen unbedingt die Brtanntschaft vermitteln."
„Kann geschehen, Lanza», auf große- Entgegenkommen dürfen Sie aber nicht rechnen. Das dunste Rösche» hat spitze Dornen *
„Fürchte mich nicht, bin auch nicht auf den Mund gefallen. Ganz mein Genre, die junge Dame, überaus Jeines Gesichtchen, könnte ihrem Aussehen nach blauen Zlutes sein.*
Sigurd verzog ironisch den Mund.
„Irgend ein Tropfen davon soll ja in chren Adern fließen. Einem „on dil' zufolge stammt ihre Mutter aus freiherrlichem Geschlecht."
„Riesig interessant, muß mich nur wundern, daß Sie Ihrem Bruder so weite Chancen bei der Kleinen einnumen. Scheinen sehr eng alliiert zu sein, die beiden/
Sigurd mußte eben dasselbe gedacht haben. Etwas tote Mißbehagen spiegelte sekundenlang auf fernem Gesicht und die feine Röte, die ihm m die Stirn stieg, ließ auf innere Erregung schließen Trotzdem gab er sich den Anschein höchster Gleichgültigkeit.
„Sehr alliiert. Sie haben recht, Lanza». Alte Kindheitsbezichungen geschwisterlicher Mit,"
„Geschwisterlich? Sehr gut, nur etwas unwahrscheinlich. Brüder sind gewöhnlich nicht so treue Schildknappen ihrer Schwestern."
Die beiden Besprochenen traten eben aus der jim- fleir Lindenallee auf den weiten Kiespkatz vor dem Re-
gigkeitsverhältniS begeben wollen. Lehnen sie es ab, so steht ihnen allerdings ein erbitterter Kampf bevor. Die nächsten Reichstagswahlen werden unter der Parole gekämpft werden, daß es neben der Machtstellung des Zentrums die Machtstellung der konservativen Partei z« brechen gelte.
Deutscher Reich.
** Berlin, II. Nov. 1909. Der Kaiser machte am Donnerstag dem Reichskanzler einen Besuch. — Staatssekretär Dernburg ist Mittwoch abend, von England kommend, wieder in Berlin eingetrcffen.
X Der österreichische Thronfolger und seine Ge. mahlin, die Herzogin Hohenberg, trafen am Donnerstag in Sellin ein und wurden auf dem Bahnhof vom Kaiser, der Prinzeß Eitel Friedrich und dem Reichskanzler v. Bethmann-Hoüweg empfangen. Die Begrüßung war sehr herzlich. Der Kaiser überreichte der Herzogin einen Maiglöckchenstrauß. Sodann begaben stch die Herrschaften in Automobilen nach dem Neuen Palais in Potsdam.
□ Der Nachtragsetat für 1909 ist, wie telegraphisch gemeldet wurde, ans 542 Missionen beziffert worden. In einigen Blättern waren an diese Mitteilungen aschgraue Betrachtungen über die Reichssinauzmisere geknüpft worden. Offiziös wird nun darauf hingewiefen, daß die Ziffern nicht neu sind, sondern sich bereits aus den Reichssinanzgesetzen ergeben. Das ist richtig. Die Finanzmffere ist aber darum nicht weniger aschgrau. — Wenn der Nachtragsetat übrigens kommen wird, empfehlen wir, die paffende liebet» schrift nicht zu vergessen. Sie lautet: Die Erbschaft aus der Blockaera.
(*) Eine Araber ung in bat Bestimmungen für das Studium der zittünstigen Oberlehrer ist, nach dem ,Tag^ soeben vom Kultusminister erlassen worden. Es werden von jetzt ab den Studierenden der Philologie auch zwei Semester an der Akademie in Posen in Anrechnung gebracht, und zivar für die Lehrfächer Englisch, Französisch und Deutsch. Die gleiche Vergünstigung, und zwar für Englisch und Französisch, ist auch der Akademie für Sozial- undHandelswisfenschaft in Frankfurt a. M.zn- erEannt worden. Auch von der dort verlebten Studienzeit werden den Philologen zwei Sem:[ter in Anrechnung gebracht.
* Ferrer-Sttwunel und Los von Rom-Bewegung. Charakteristisch für die Beweggründe, von denen die ganze Los von Rom-Bewegung getragen wirdz »st eine Ansichtspostkarte, die vom Verlag des „Frei- benfer" in Zürich her gestellt und die auch bei uns in Deutschland vertrieben wird. Auf derselben ssk zunächst „Franresco Ferrer, der am 13. Oktober 1909 in der Festrng Montsuich ermordete spanische Freidenker" dcngeftellt, und daneben befindet sich in auffallender Schrift folgender Text:
„Der Meuchelmord <nt Kerrer ist ein Werk des Katholizismus! Im 20. Jahrhundert ein n?uer blutrünstiger Inquisition-akt der römischen Papstkirche.' Der Katholizismus hat allein die rnorskifche Verantwortung für diese Bluttat zu tragen k Kein sittlicher Mensch (!) kann weiter dieser Kirche angehöre«! Die wertere Zugehörigkeit bedeutet das Einverständnis mit dem römische« Verbrech enk Die ganze zivikisierte Welt protestiert gegen de» MencheluMrd cm Ferrer — protestiere ein jeder einzelne Katholik durch fehren Austritt anS dieser blutbefleckten Kirch«! Los von Rom!"
Das ist schon ein teuflischer Haß gegen die katholische Kirche, der sich hier bemerkbar macht.
+ Daß eS ftaatSgefährliche Windmühlen gibt, hört man mit Verwunderung. Im Regie- runpskwzirk Hofen flehen sie natürlich. Dort gilt seit dem Jahre 1891 eine Polizeiverordnung, die es wt bietet, „Zeichen und sogenannte Freiheits-
stairrmrt. Em paar Schritte hinter ihiren kamen die Dvrnaus. Sigurd ließ fie ziemlich nahe kommen, ehe er ihnen entgcpengmg.
Ohne Ueberraschung zu zagen, reichte ihm Renate die Hand. Ihr scharfes Ange hatte ihn längst entdeckt, sie hatte Zrnt gehabt, die momentane Unruhe, die sie jedesmal überkam, wenn er ihr unerwartet entgegentrat, gu überwinden.
„Du hier, Sigurd/ sagte sie freundlich, „ruderst Du auch selbst?"
„Rein, Renate, ich kaffe »ich rudern. Diese Art körperlicher Anstrengung überlasse ich robusten Leu- ten."
„Dann bringst Du Dich wirklich um ein großes Vergnügen. Sieb meine Hände en! Ich habe heute gerudert wie ein Mann. Orvenüiche SchnsiAeu habe ich bekomme», »er wie Werner auch mit mir zufrieden war! Von jetzt an rudere ich immer mit."
Sigurd ergriff die schlanke Hand und betrachtete aufmerksam die innere Fläche.
.Findest Da schwielige Hande so schön bei einer jungen Dame?"
„O Du Pedant!" Ihr silberhelles Lachen scholl dir zu der Tafckrunde, von der sich Sigurd eben gelöst."
„Prachtvolles Organ hat das Mädel. Und wie sie herrlich laut und ungeniert lacht! Ar sehen, daß sie aus der Welt kommt," bemerkte Dunau dort, „und dieser Stock, dieser Walldorf, zieht das Peckfchchen nicht einmal an die Lippen."
Stein, das tat er nicht, f» gern er es getan hätte, vor ftviel neugierigen Blicken dem Theateckinde solche Konzession zu machen, dazu fand sich schon einmal Gelegenheit. wenn sie beide allein waren. Aber feine Blicke umfaßten das Mädchen, als konnten sie sich nicht losreißen. Kam es ihm nur so vor oder war sie heute ganz besonders reizend? Der Strohhut saß aatiirftd) wieder nicht auf seinem Platze. Er schaukelte an ihrem Amt, daß die langen Bandenden fast den Boden berührten, und die rebellischen Braunen Löckchen tagen wie immer zerzaust auf der erhitzten Stirn.
„Schrecklich drückend hier," sagte sie, sich zu Beate
bäume, welche geeignet sind, die öffentliche Ruhe und Sicherhett zu gefährden, öffentlich auszu- stellen". Der beschränkte Untertanenverstand kann sich kaum vorstellen, welcher Art Zeichen so sicherheitsgefährlich wirken können. Ein von der .Deutschen Juristenzeitung" veröffentlichtes Urteil des Kammergerichtes klärt uns darüber auf, daß auch eine fimpele Windmühle so ein ruhestören- des Zeichen sein kann, wenn nämlich die Wind- mühlen - Flügel weiß und rot angestrichen sind.
„Das Kammergericht billigte die Feststellungen des Erstrichters, daß der Angeklagte bei dem Arrftreichen der Mühle lediglich von dem erstreben geleitet war, die Farben des alten polnischen Reiches öffentlich aus- -ustellen, daß er also einen demonstrativen Zweck verfolgt Hai". Dies Verfahren ist „die sinnbildliche Darstellung der Hossnungen und Envariungen der polnischen Bevölkerung in Bezug auf die nur durch Waffengewalt -u erreichende Wiedererrichtung ihres früheren Reiches, eine Aufforderung, die Hoffnung nicht finken zu lassen, und endlich eine Provokation gegenüber dem Deutschtum".
Es ist doch großartig, bemerkt dazu die,Liber. Korresp/, was' man alles aus der Farbe» - Zusammenstellung rot und weiß (die übrigens als Landesfarbe von Hessen und den Hansastädten sehr korrekt, ja sogar „patriotisch" fein kann) herauszalese« vermag! Das alte gute Wort: „Minima non curat praetor“ (um Kleinigkeiten soll man kein großes Geschrei machen) ist den preußisch-deutschen Behörden ganz abhanden gekommen.
* Weimar, 9. Nov. 1909. Der Bund Thüringischer Industrieller hat an die thüringischen Staatsregierungen einen Protest gegen die Einführung von Schiffahrtsabgaben gerichtet und die Regierungen gebeten, im Bun- drsrate gegen sie wirken zu wollen.
* M.-Gladbach, 12. Roo. 1909. Heute be- geht HrT Franz Brandts, der langjährige Erste Borfitzende des Volksvereins für das katholische Deutschland, feinen 75.® abur 13 tag. Die deutschen Katholiken haben haben hcu*e alle Berankassung, mit besonderer Danlbarlett des Mannes zu gedenken, der mit nie rastendem Eiser und unter größter Opserwilligleit die wichtige Riesenorganisation, anderen Spitz« er steht, mü weitem Blicke leitet. Mögen dem jugendfrischen allzeft hilfsbereiten und liebenswürdigem Manne noch viele weitere Jahre beschiessen sein und möge Gatt es sägen, daß er noch lange Jahre mit starker Hand und klugem Blick das große Werk, den Volksoerein für das kath. Deutschland, lefte und führe! In diesem Wunsche werden sich heute Millionen deutscher Katholiken vereinige».
jss Dresden, ll.Rov. 1909. Die Thronrede, mit der heute der Landtag durch de» König eröffnet wurde, gibt dem Wunsche Ans- druck, daß der auf Grund des neuen Wahlgesetzes gewählte Landtag dem Stieben und der Wohlfahrt des Balkes dienen möge. Zum Staatshaushalt übergehend erwähnt die Thronrede die namhaften Ausgaben, die zugunsten des Einkommens der Beamten nötig würden. Trotzdem fei es möglich gewesen, den Etat ohne erhöhte Sortierungen on die Steuerkraft in das Gleichgewicht zu bringen. Leider sei es noch nicht gelungen, die angestrebte Regelung des fivanziellen Verhältnisses der Bundesstaate« zum Reich zu erziele». An Gesetzes vorlagen werden dann angekündigt ein Gesetz betreffend die lieber- wüchuug der Bergwerke durch gewählte Bergarbeiter, drei Vorlagen belr. das Ünterrichtswesen und ein Gesetz über die Landes drcwdversicherungs-
umtoenbeitb. „Bist Du nicht auch dafür, daß wir tiefer in den Wall» gehe», Tante?"
„Natürlich, recht tief sogar, hier sind ja mich unerträglich viel Mücken. Vielleicht wird dort weiter diese Plage geringer fein."
„Suchen wir eine solche Stelle k Komm, Wer- nerl"
Renate schob ihren Arm in den feilten und zog ihn vorwärts, ohne sich werter um Sigurd zu kümmern. Einen schnellen Mick warf dieser auf seine Kameraden. Lanza» hatte die Gruppe nicht aus den Augen gelassen, er fing Sigurds Blick auf, zuckte die Achseln und machte irgend eine Randbemerkung. Sehr schmeichelhaft mochte diese für Sigurd nicht ausgefallen sein. D>- jungen Herren lächelten alle a tempo sehr mokant.
Sigurd ärgerte sich maßlos.
Renate bringt sich noch iu8 Gerede mit Werner, wie leidest Du das, Tante, daß sie so ungeniert mit ihm verkehrt?"
Er war sehr rot geworden und ritz heftig an seinem Gurt, als könne er für denselben durchaus nicht die rechte Stelle finden
Beate sah t5n. furchtbar erstaunt an.
„Ins Gerede mit Werner? Well fie, wie ein paar harmlose Kinder, des Sommers Freuden gemeinschaftlich genießen? Geh doch, Sigurd!"
„Sie find aber keine Kinder »dir, sie sind erwachsene Menschen und ein junges Mädchen sollte ihren Ruf nickt unnütz aufs Spiel setzen."
Beate legte ruhig ihre Hand auf ihren Arm. Sie hatte auf einmal shr steifes Gesichts
„Richt wahr, es bleibt dabei, daß wir wir find und ihr ihr seid. Sigurd, und jeder, wie bisher, sich um sich kümmert? Gerade so wie Renate ist. so lieben mein Mann und ich sie, so irisch, so ftöhlich und unbekümmert und sich so gebend, wie sie denkt Es wäre schade, wenn ihr goldreines Gemüt durch solch unzei- iiot Besorgnis eurerseits getrübt werbe. Die Bazillen der Engherzigkeit und Scheinmoral scheinen bei euch noch immer in der Lust zu liegen. Schade wär'S um Dich, ließest Du sie in Fleisch rmd Blut übergehen."
anftatie» und die Feuerversicherung bei Privat- unternehmungen. Aeußerst scharf betont die Thronrede, daß die Regierung es als ihre ernste Aufgabe ansehen werde, dem Volke die Religion zu erhalten. Man muß sich wohl wappnen gegen die Versuche gewiffer Kreise, eine Kluft zwischen der Kirche und der Schule herbeizusühren. Die Gefahr, daß dies geschehen wird, ist sreilich nicht gering, da die Sozialdemokraten und National- liberalen die große Mehrheit «der neuen sächsischen Landtages bilden.
d1 München, 11. Roo. 1909. Das bayerische AbgeorssndenhauS nahm ein Gesetz über die Besitzveränderungsabgaben an, nach dem Gemeinden zu der staatlichen Gebühr einen Zuschlag bis zu 50 Prozent erheben dürfen. Auch die Wertzuwachs- und di«. Hundesteuer ist üxn Gemeinden ganz überlaffen. In der Debatte wurde auch die Reichsfinanzreform berührt. Es kam dabei zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Abg. Dr. Müller-Meiningen, Dr. Heim, Hilpert und Häberlein, die stellenweise persönlichen Charakter annahmen. Die Debatte issurde abgebrochen und die Fortsetzung auf die nächste Sitzung vertagt. Ohne den weiteren Verlauf der Erörterung abzuwarten, muß schon jetzt auf die Charakterisierung der iiinerbayeri- schen Lage hingewiesen werden, die in einigen Ausführungen des Abg. Dr. Heim gegeben ist. Es ist in diefen Ausführungen die Frage der Kabinettspolitik gestreift worden, d. h. der politischen Betätigung der Geheimkanzlei des Regenten. Der Abg. Dr. Heim nannte sie nicht. Allein aus dem Zusammenhang weiß man, wer gemeint ist. Der Abg. Dr. Heim wandte sich in entschiedenen Worten dagegen, daß ein Man«, der nicht als Minister vor der Kammer stehe und politisch nicht verantwortlich sei, einM Ressortminister scharf zu machen suchte gegen einen katholischen Beamten, der von seinem Rechte der freien Meinungsäußerung Gebrauch gemacht und seiner katholischen Gesinnung Ausdruck gegeben habe. Das ist also der schon erwähnt« Fall Geith. Nur zwei Minister hätten Stand gehalten gegenüber der Anregung. Der Minister des Innern v. Brettreich erklärte, es sei an de» Ministerrat Keinerlei Anregung zu einem Vorgeh«» gegen Geith ergangen. Was im Ministerrat verhandelt worden, darüber könne er nicht reden. Es kann nicht fehlen, daß gerade diese Bemerkmigen zu weiteren Erörterungen führen werden.
Ausland.
** Der Rief-uprszeß gegen die fumzafifchea Bischöfe, der von bett Lehrerverbänden, in denen über 190,000 Lehrer bereinigt sind, wegen Beleidigung durch den bekannten Hirtenbrief angestrengt worden ist, hall die ganze öffentliche Meinung Frankreichs in Spannung. (Auch bei uns löst er natürlich lebhafte Teilnahme aus, wenn auch nur wenige den eigenartigen Geschmack des „F » ld. Kreisbkaltes" teilen werden, das dieser Prozeß, der den Blich öfen im Kampfe um Vie christlich« Erziehung der Jugend aufgezwungen ist, für „eines der amüsantesten Ereignisse bet Zeitgeschichte" halt.) Für den vormiS- sichüichen Berlsuf des Prozesses, der mit einer Vernehmung des Erzbischofs von ReimS am gestrigen Donnerstag schon beginnen sollte, ist es vor allem wichtig, ob sich in dem Hirtenbrief die angebliche» Beleidigungen nachweisen lassen, und zwar in demselben Same, tote in her Anklageschrift. Rebatteur Franc van Ser Croix bat sich der Muhe miterzoge«.
Und als wollte sie keine Antwort von ihm, ging fie ein paar Schritte zurück, um sich ihrem Manne zuzugesellen, bet sehr eifrig mit dem Kellner der» handckte.
Wundervoll war's tief drinnen im Walde. Gs mußte zwar zum gemüllichen Sitzen alles herbeigetragen werden, dort war weder Tisch noch Bank, aber btc beiden flotten Ruderer besannen Rdjjtfdjt lange, zliziffaffen. Den ersten besten Tisch griffen sie und trugen ihn fort; es blieb Sigurd nichts übrig, als ihneri mit zwei Stühlen zu folgen, obgleich er nm erlich über Vie Zunnckuug, bk ihm, wenn auch nicht mit Worten, doch indirekt gewebt wurde, empört war.
„Dazu sind doch die Kellner da", murrte er, den beiden folgend, die im Sturmschritt vorauSgingen, „es schickt stch ganz und gar nicht für eine junge Dame, sich m der Weise selbst zu bedienen. "
„Schickt sich schon, Sigurd, hier bm ich absolut keine junge Dame, sondern ein furchtbar vergnügtes Menschenkind, das am liebsten vor Uebermtrt Bäume aukreiß« möchte. Aber für Dich, einen patenten kaiserlich russischen Freiwilligen, schickt es sich entschieden nicht. Laß, bitte, die Stühle stehen ober, wenn Du willst, setze Dich daraus, ist der Tisch erst an Ort und Stelle, trogen wir beide Dich auf beu Stühlen hin."
„Du scheirkfi darauf auszugehen, mich zu mopsen."
„«ber mir nicht, aber nur nicht," trällerte sie
Da stund auf einmal Sartym neben ihnen.
„Mein gnädiges Fräulein," fegte er höflich, erlauben Sie, daß ich statt Ihrer den Tisch tragen helfe."
Renate war so verblüfft, daß sie ohne weiteres losließ und der Expedition schweigend, aber sehr eilfertig als Wegweiser vorausging.
„Bitte, hier," sagte sie nach kurzem Marsch, „unter diese Buche"
Der Tisch wurde hmaestellt und Sigurd stellte feine Last daneben. „Freiherr von sanzau," sagte k; daun uacklässig, auf ben jungen Freiwilligen weisend, noch bevor dieser sich selbst vorftellen konnte. „Diensckamerad."
„Konnte unmöglich mit ansehen, mein gnädiges Fräulein, daß Sie selbst —" (Forts, folgt.)