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üotationrdruckuno Verlag der Fuldaer Ak- tiendruckerei in Fulda Fernsprecher Ur. 9.
Fulda, Sanlstact den 6. November 1909.
JV? 255.
36. Iahrqang.
Drittes "Mtcrtt.
Hirtenwort
des
Hochwürd. Herrn Kischofs Joseph Damian von Fulda über die
Zulassung zur ersten hl. Kommunion.
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In Lhristo geliebte Diözesanen l
Die Zeit, in der die Kinder auf den schönsten Tag ihres Lebens, auf die erste heilige Kommunion vorbereitet werden, steht nahe bevor. In den meisten Pfarreien der Diözese nimmt der Erstkommunion-Unterricht nächste Woche seinen Anfang, in anderen hat er bereits begonnen. Bei dieser Gelegenheit sehe ich mich veranlaßt, an eine längst bestehende Diözesanvorschrift zu erinnern und dieselbe wo nötig zu erneuern.
Geliebte Diözesanen!
Während in älterer Zest die Zulassung zur ersten heiligen Kommunion meist mit der Schulentlastung zusammenfiel, wurde durch oberhirt- liche Verfügung vom 18. Oktober 1877 für den ganzen Bereich der Diözese Fulda bestimmt, daß die Kinder am Weißensonntage desjenigen Jahres zur ersten hl. Kommunion geführt werden sollen, in dem sie vor dem 1. Juli das 12. Lebensjahr zurücklegen, wofern sie dazu nach dem klugen Ermessen des Seelsorgers als hinlänglich befähigt erscheinen. Entscheidend für diese Anordnung war die Erwägung, daß durch den möglichst frühzeitigen Empfang der ersten hl. Kommunion sowie durch die damit während der zwei letzten Schuljahre gebotene Getvöhnung an ein erhöhtes übernatürliches Glaubensleben in den Herzen der Kinder ein heilsames Gegengewicht gegen die besonders in unseren Tagen sich mehrenden Gefahren des Unglaubens und des Verlustes der kindlichen Unschuw geschaffen werde. Diese Verfügung ist denn auch, ungeachtet mancher Schwierigketten und anfangs entgegenstehender Vorurteile, dank dem klugen Seeleneifer unserer Priester, in der Diözese fast überall durchaeführt worden, zum großen Segen der Jugend und zur festeren Begründung und Förderung des christlichen Lebens in den Familien und den Pfarrgemeinden selbst. Nur in einzelnen Pfarreien, namentlich in der Diaspora, und bei einzelnen Eltern hat es bis jetzt nicht gelingen wollen, jener Anordnung Anerkennung und Geltung zu verschaffm.
Welches mögen wohl, geliebte Diözesanen, die Gründe dafür sein?
Zunächst möchte es fast scheinen, als ob auch in manchen katholischen Kreisen die Erstkommunion nur als eine Zeremonie betrachtet werde, die dem Abschluß der Schulbildung und dem Eintritt ins Leben eine gewisse religiöse Weihe verleihen soll und daher möglichst mit der Schulentlastung zusammenfallen müsse. — O, daß doch alle erkennen möchten, um was es sich eigentlich handelt bei der ersten hl. Kommunion! Es handelt sich um die innigste lebensvolle Vereinigung Christi mit der Seele des Kindes, die dadurch sein lebendiger Tabernakel und zur Teilnahme
* Ein bekehrter Auto-Feind.
Ein unfreundlicher, herbstlicher Sonntag-Nachmittag. Nichts regt sich im Oertchcn; alles bleibt still bei dem dunstigen Herbstwetter im Hause. Nur auf dem Hos der Apotheke geht's mehr als lebhaft her. Dort steht dec Apothekerasstjtent und putzt im Schweiße seines Angesichtes sein Motorrad, und vor ihm der Apo- thckenbesitzer, ein älterer Herr, der schon mehr als 20 Jahre im Dorfe ansässig ist und alle Nachbargemeinden mit Nicinus-Oel, Lutschbeuteln und anderem Notwendigen versorgte.
Der alte Herr Dr. E. geht wutschnaubend um das kleine Automobil herum und ergießt die Schale heiligen Zornes auf das Haupt seines Assistenten. „Zum Henker können Sie sich scheren mit Ihrem verwünschten Knatterkasten! Immer das ewige unausstehliche Getute und Getoste! So verbringen Sie Ihre freie Zeit! In einem halben Jahre sollen Sie zur Universität, Na, aus Ihnen wird nie was Vernünftiges! Ich glaube sicher, Sie verkaufen mal Benzin oder Ihr stinkendes Carbid statt Antiphrin! — und die Sache mit meiner Marie schlagen Sie sich gefälligst überhaupt aus dem Kopfe! Einen solchen Sportfex zum Schwiegersohn — na, ich danke/
Der Assistent hatte schweigend zugehört; jetzt ist er mit seiner Bastelei zu Ende und erwidert ziemlich gedankenlos: „Ja, jetzt werde ich noch Benzin nach- kullen, und dann bin ich ferrttg."
In diesem Augenblick kommt ein Radfahrer auf d«m Hof der Apotheke, ein Knecht aus dem Nachbardorf. Sein mühsames Atmen verrät, daß er eine mnelle Fahrt gemacht hat. Er überreicht dem alten Herrn ein etwas unsauberes Rezept mit den Worten: «Bitte, Herr Doktor, es eilt sehr."
_ Der Apotheker geht ins Haus, um das Mittel her- -ustellen. Neugierig besieht der Knecht unterdeffen das Motorrad. „Wollen Sie heute ausfahren?"
„Ja, vielleicht nachher!" antwortet der Gehilfe einsilbig. Jetzt empfängt der Knecht das Medikament setzt sich aufs Rad und fährt wieder eilig davon Der Mistent bleibt noch ein Weilchen bei seiner Maschine
an feinem göttlichen Leben emporgehoben wird. Es handelt sich um einen wirksamen Schuh gegen die schon im Kindesherzen aufkeimenden Leidenschaften und die beginnenden Kämpfe und Versuchungen. Es handelt sich darum, das Glaubensleben immer mehr zu festigen gegenüber den Glaubensgefahren, die anstatt abzunehmen, heutzutage an Heftigkeit und Ausdehnung wachsen und ihren Weg auch zu dem Herzen der Jugend, ja selbst des Kindes suchen. Daher, geliebte Eltern, bitte ich euch, der früheren Zulastung eurer Kinder zur ersten hl. Kommunion im Interesse ihres geistlichen Wohles nicht zu widerstreben, sondern hierin den Vorschriften der heiligen Kirche willigen Gehorsam zu leisten und der Einladung eurer Seelsorger eure Mitwirkung nicht zu versagen. —
Andere Eltern mögen vielleicht die Auslagen des Weißensonntags für Bekleidung der Kinder und die nachfolgende Familienfeier scheuen und wünschen darum die Erstkommunion mehrerer ihrer Kinder möglichst zusammen zu legen Leider wird dieser Anschauung Vorschub geleistet durch den übertriebenen Aufwand, der an vielen Orten am Weißensonntag in Hinsicht auf Kleidung der Kinder und die ganze außerkirchliche Feier entfaltet wird, eine Sitte, der auch minder bemittelte Familien sich unterwerfen zu müssen glauben. Daher kommt es dann, daß sie die Erstkommunion möglichst hinausschieben, bis mehrere ihrer Kinder von verschiedenem Alter zusammen kommunizieren können. — O, liebe Eltern, erblicket doch nicht in dem Weißensonntag eine Ge- legenheit, äußeren Prunk zu entfalten und eueren Kindern durch übertriebene Kleiderpracht oder andere kostspielige Veranstaltungen die heilige Freude jenes Tages zu schmälern oder zu rauben! Und ihr, die ihr in einfachen Verhältnissen lebet, glaubet nicht, daß eine ganz neue, teuere Ausstattung für die Erstkommunion eurer Kinder unbedingt nötig fei. Die heiligmachende Gnade ist der schönste Schmuck, das vor allem erforderliche hochzeilliche Kleid; und der kindliche Glaube mit der zarten Liebe zum Heilande im heiligsten Sakramente sind wie kostbare Perlen an diesem Kleide. In einer so ausgestatteten Seele hält der göttliche Kinderfreund gern seine erste Einkehr, wenn auch die äußere Bekleidung bescheiden ist. Ueber eine ganz von religiösem Geiste durchhauchte Familienfeier gießt der Heiland seinen reichen Segen aus, wenn sie auch in einfachen Grenzen bleibt. —
Indessen, geliebte Diözesanen, fehlt es auch nicht an solchen, welche glauben, ein Kind im zwölften Lebensjahre habe noch kein hinreichendes Verständnis von der Erhabenheit des hl. Sakramentes, sei darum außer stände, sich darauf würdig vorzubereiten und werde daher auch seiner Früchte nur in geringem Maße ober kaum teilhaftig. — Was ist hierauf zu sagen? Es mag Kinder geben, die von Natur aus schwach und zurückgeblieben sind, oder deren religiöse Unterweisung, sei es im Elternhause, sei es in der Schule, so vernachlässigt worden ist, daß ihnen auch mit 13 oder 14 Jahren die zum Empfange der ersten hl. Kommunion nötigen Kenntnisse und jeder fromme Sinn und jede Andacht zum hl. Sakramente fehlen: aber im allgemeinen sind die Kinder aus katholischen, frommen Familien, die geordneten katholischen Religionsunterricht genießen, mit 12 Jahren fähig zum Empfang der
bann tritt er ins Haus, um Benzin zu holen. Aber, >vas ist das?
Da sitzt sein Ches, bleich wie das graue Elend, vor dem Rezcptiertische, und vermag sich kaum zu rühren.
„Was ist Ihnen? Sind Sie nicht wohl?"
„O Gott — keine Rettung mehr — vernichtet — ruiniert!"
„Mein Gott, was ist denn los?"
Stotternd erwidert der Chef: „ . . . vergriffen . . Austegung . . . Flaschen verwechselt . . . Gefängnis alles verloren!"
„Und Benzin ober Carbib verkauft," ergänzt der Assistent; er kennt den mächtigen Trumps, den er in bcr Hand hat. „Ich könnte ja mit dem Motorrad — fetzt ist der Knecht eine Viertelstunde weg — ja, ich könnte — aber da geht es ja ohne das verhaßte Getute und Getöfle nicht ab." —
„Mensch, fahren Sie, retten Sie, verlangen Sie von mir, was Sie wollen, aber —"
„Sie kennen den Preis, Herr Doktor," erwidert der junge Mann trocken aber ernst.
„Alles was Sie wollen und meine Marie dazu!" jammert der Apotheker, den die Austegung und Ver- zweifiung fast zu Boden drückt.
„Schön, in zwei Minuten bin ich fertig; bringen Sie mir die richtige Medizin schnell auf den Hof!" Er>stürzt auf fein Zimmer, wirft sich in seine Lederjacke und setzt Brille und Mütze auf. Dann füllt er im Hofe Benzin ein und kurbelt seine Maschine auf dem Bocke an.
Der Apotheker erscheint mit aschfahlem Gesicht, in der zitternden Hand trägt er bas richtige Medikament. „Also, c8 bleibt dabei, Herr Doktor?" fragte der Assistent. „Alles, was Sie wollen!" stöhnt der zu Tode erschöpfte Apotheker ihm nach; denn schon ist der Assistent im Nebel davon.---
In flottem Tempo hat der Motor den stLen Ort verlassen. Der feine Nebel hindert jede Fernsicht. Sollte der Knecht doch einen zu weiten Vorsprung haben? Der Fahrer öffnet den Benzinzufluß der Ma-
ersten hl. Kommunion. Ja, die Fälle sind nicht gar selten, wo Kinder in früherem Alter so geistig entwickelt, so religiös geweckt sind, daß sie nach dem Geiste des Kirchengebotes schon vor dem 12. Jahre zur hl. Kommunion zuzulassen sind. Hier gilt, was der Heiland sagt: „Ich preise Dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, daß Du dieses vor Weisen und Klugen derborgen, Kleinen aber geoffenbart hast!" (Matth. 11,25.) Hierüber zu entscheiden steht zunächst und im allgemeinen dem Seelsorger zu, der als Gehilfe und im Auftrage des Bischofs die Anwendung der Kirchengebote in einzelnen Fällen zu leiten und zu überwachen hat. Bei seiner klugen Entscheidung sollen daher auch die Gläubigen sich der Regel nach beruhigen. Er wird in einzelnen zweifelhaften Fällen prüfen, ob etwa das Kind die nötige Fähigkeit schon vor dem 12. Jahre besitzt, ober ob es nötig sei, daß es zurückgestellt werde. Er wird auch darüber entscheiden, ob sterbenden Kindern vor dem sonst erforderlichen Alter die hl. Wegzehrung gespendet werden kann oder muß, wenn er hofft, dem Kinde durch entsprechende Belehrung ein sür den Augenblick hinreichendes Verständnis der ersten heil. Kommunion zu erschließen. —
Nach dem Gesagten hoffe ich, daß ihr alle, geliebte Diözesanen, mitwirken werdet, daß im allgemeinen der Empfang der ersten hl. Kommunion nicht über das 12. Lebensjahr hinausgeschoben, und daß in zweifelhaften Fällen über eine frühere oder spätere Zulassung das Urteil der klugen Entscheidung des zuständigen Seelsorgers überlaffen werde. Im Hinblick auf die großen Glaubensgefahren, die unserer Jugend drohen, muß es uns allen am Herzen liegen, daß unsere Kinder recht frühe und enge mit dem Heilande, „dem Urheber und Vollender des Glaubens", durch die hl. Kommunion, das Geheimnis des Glaubens, vertraut werden, und daß sie während der zwei letzten Jahre vor der Schulentlassung zu häufigem, wenigstens monatlichem Sakramentenempfang angeleitet, lernen und „kos! .'n, wie süß der Herr ist." (Psalm. 33, 9.)
Damit dieses ermöglicht werde, verordne ich daher im Anschluß an das allgemeine Kirchengebot, daß fortan am Weißensonntage (bezw. einem anderen rechtmäßig festgesetzten Tage) diejenigen Kinder, welche das 12. Lebensjahr bereits zurückgelegt oder doch vor dem 1. Oktober des betreffenden" Jahres zurücklegen werden, wofern sie als fähig erscheinen, zur ersten hl. Kommunion vorbereitet und zugelassen werden sollen. Ich ermahne auch die Eltern, Geschwister und Angehörige von Erstkommunikanten, daß sie während der Zeit der Vorbereitung die Bemühungen des Seelsorgers auf alle Weise unterstützen und durch liebevolle Anleitung, gutes Beispiel und anhaltendes Gebet dazu beitragen, daß der Weißensonntag für die Kinder wie für ihre Familien ein Tag der Gnade und heiliger stiller Freude werde, und so das Wort sich erfülle: „Lasset die Kleinen und wehret ihnen nicht, zu mir zu kommen; denn für solche ist das Himmelreich." (Matth. 19, 14.)
Fulda, am Feste der hhl. Apostel Simon und Juda, den 28. Oktober 1909.
f Joseph Damian
Bischof.
fchine mehr und mehr unb gibt Frühzündung. Immer schneller arbeitet bie Maschine. Jetzt noch die Auspuffklappe auf. und mit unheimlichem Getöse schießt das schmucke Motorrad wie ein Pfeil über die menschenleere Straße. Die Maschine gibt ihre letzte Kraft ab. Minuten sind nur vergangen, da taucht am Ende der Chaussee, kurz vor dem Gehöfte, ein dunkles Etwas auf — richtig, der Knecht auf seinem Rade —, aber wo fährt er denn hin? Der Knecht hat sich umge- schaut, sieht den Motor in rasender Fahrt auf sich zukommen und denkt: „Rette sich, wer kann!" Und im nächsten Augenblick findet er sich im Chausseegraben wieder, wohin er in seiner Herzensangst gesteuert hatte.
Und da findet ihn der junge Apotheker; er ist gottlob unverletzt, nur das Fahrrad ist verbogen nach Strich und Faden, und neben ihm liegt die Flasche mit dem furchtbaren Gift in tausend Trümmer zerschellt.
Mit einem Blick hat bet Apotheker die Situation ersaßt. „Was tuen Sie denn da im Graben?" fragt er ganz gemütlich: „ich denke. Sie roollen doch die Medizin nach Hause bringen?"
Der Knecht vermag noch fein Wort hervorzubringen. „Ra, schön, schön, schieben Sie man Ihre Karre nach Hause! Für die Medizin lassen Sie mich sorgen, ich habe noch welche bei mir." Im nächsten Augenblick sitzt der Assistent wieder im Sattel und knattert davon — — —
Eine halbe Stunde später! — Schwankend zwischen Furcht unb Hoffnung steht die Apothekerfamilie vor ihrem Haus, der Herr Chef, seine bessere Hälfte unb die einzige, bildhübsche Marie. Ja, sie hat immer Vertrauen zu dem „Dreipserdigen" gehabt unb seinem Besitzer....
Da hört man von fern das Getoste unb Getute. Das schmucke Fahrzeug kommt näher, unb mit bet Botschaft: „Es ist erreicht!" schwingt sich der junge Mann stolz aus dem Sattel. Erst sperrt er noch fein säuberlich den Benzin Hahn ab unb stellt bas Schnau- ferl auf ben Bock — bann folgt, trotz seiner beschmutzten Lederkleidung die feierliche Verlobung, Umarmung, Glückwünsche. Und bas wichtigste: der Apo-
* Ist eine Steigerung der Leistungsfähigkeit der deutschen
Landwirtschaft möglich?
Das sogenannte Gesetz vom abnehmenden Bodenertrag gehört zu den wichtigsten Kapiteln in der allgemeinen Volkswirtschaftslehre. Ja der englische Nationalökonom I. St. Mill nennt es geradezu den wichtigsten Satz in der Volkswirtschaft." Dieses Gesetz besagt:
Jeder Boden hat sein bestimmtes Ertragsminimum wohl können von .diesem Punkte, dem Optimum (optimum — das Beste) des Ertrags an noch weitere Naturalrohetzeugnisse erzielt werden, aber pro weitere Einheit wird die Herstellung des Produkts teurer, die über die sogenannte Ertrogsgrenze hinausgehende Produktion wird unwirtschaftlich. Die aufgewandlen Kosten steigen dann in noch höherm Maße als die Erträge. Für die Industrie gilt das Gesetz vom zunehmenden Ertrage, für die Landwirtschaft dagegen das Gesetz vom akmehmenden Ertrag. In der Industrie ist die letzte Elle die bissigste, in der Landwirtschaft ist der letzte Scheffel der teuerste.
Seit langem besteht nun die Streitfrage, ob unsere Landwirtschaft bereits an dem Punkte an« gelangt ist, wo sich ein weiterer Arbeits- und Kapitalaufwand nicht mehr lohnt, oder ob die landwirtschaftliche Produktion noch nennenswert gesteigert werden kann, ohne die Kosten ganz unverhältnismäßig zu erhöhen. Namhafte Agriknltur- chemiker wie Prof. Paul Wagner und Prof. Dia; Maercker haben die Möglichkeit der Hinaus« Schiebung des Gesetzes vom abnehmenden Bodenertrag infolge der Fortschritte der Agrikulturchemie, der Technik der Bodenbearbeitung, der Auswahl des Saatgutes ufro; in weite Ferne nach gewiesen. Und der angesehene Statistiker Ballod schreibt in einem Artikel über die Bedeutung der Landwirtschaft und der Jnoustrie in Deutschland (Schmollers Jahrbuch Bd. XXII) in lieberem« stimmung mit der Anschauung des bekannten Agrarpolitikers Prof. Dade: „In Deutschland ist eine Steigerung der Erträge der Landwirtschaft um das Doppelte nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich möglich." _,
Andererseits gibt es gewisse Gegner des Schutzes unserer Landwirtschaftlichen Produktion, die sich zum „Beweise" für die Wirksamkeit des Gesetzes vom abnehmenden Bodenertrag berufen auf die allge- meineNottage der deutschenLandwirlschaftinden letzten Jahrzehnten und stellt die Behauptung auf, daß jede Steigerung der Produktion bei uns nur bei entsprechend höheren Preisen möglich ist. Dem ist folgendes gegeiüiberzuhalten. Für die Wahl eines Äckerbausystems kommen nicht nur die Produktenpreise, sondern vor allem auch die Boden« und klimatischen Verhältnisse und die Möglichkeit technischer Fortschritte in Betracht. Wie kann man sich sonst erklären, daß seit den siebziger Jahren des vorigen Jahchunderts trotz fallender Getreibepreise unb steigender Löhne unb Lasten eine bebrütende Steigerung der Erträge ftattgefunben hat? Es ist doch nickst glaubhaft, baß die Landwirte verstärkte Aufwendungen machen würden, wenn diese Aufwendungen sich noch schlechter bezahlt machten als die bisherigen Im Gegenteil haben bie Landwirte in ben letzten Jahrzehnten ihre Betriebe zu intensivieren, b h. höhere Erträge daraus zu erzielen gesucht in ber Absicht, dadurch bie Kosten ber Produktionseln- hcit zu berringem und so bet niedergehenden Konjunktur zu begegnen In der Hauptsache ist dieses auch bcr Landwirtschaft gelungen, wenn auch einzelne Sanbtoirte unter ungenügender Berücksichtigung besonderer Verhältnisse in ihren Aufwendungen vielleicht etwas zu weit gegangen sind.
Die Gegner eines Landwirtschaftsschutzes bestreiten aber nun bie Berechtigung der Zölle, wenn der lieber» gang zu immer intensiverer Betriebsweise zu einer Herabsetzung der Produktionskosten pro Ernteeinheit geführt hat. Hierzu ist zu bemerken, daß man unter»’.
theler hat nie wieder ein Wort über Getöffe unb Getute fallen lassen.
— Die Küche ber Zarin. Die Kaiserin von Rußland hält sehr auf eine feine Küche und dürfte in dieser Beziehung wohl von keinem europäischen Hose übertroffen werden. Ihre Küche ist wohl im Einzelnen wie im Ganzen eine französische und mehr als ein französischer Koch hat sich als kaiserlich russischer Koch ein Vermögen erworben. Die beiden gegenwärtigen Küchenchefs des russischen KaiserhofeS beziehen Ministergehälter. Unter ihrer Leitung stehen 42 Unterköche sowie eine Anzahl sonstiger Bedienter. Daneben gibt es noch einen Kellermeister, in dessen „Reich" 25 600 Dutzend Flaschen der besten Weinmar- ken aufgestapelt sind. Die kaiserliche Küche verschlingt geradezu wahnsinnige Summen unb doch sind die beiden kaiserlicher Majestäten im Essen und Trinken von äußerster Einfachheit. Der Zar trintt zu jedem Essen nur ein Glas Bordeaux, gelegentlich auch einmal ein Gläschen Champagner, aber weiter nichts. Aber et bewirtet feine Gaste reichlich unb liebt, ebenso wie bie Kaiserin, den Prunk bei Tische.
— Automatische Straßenbeleuchtung will das Dorf Z a r I a u bei Glogau einführen. Es handelt sich um die Straße, bie vom „Grünen Baum" »iS zum Eisenbahnübergang des Gutswegs führt. SBie der „Nieder- schlesische Anz." Höck, soll die fragliche Straße vomEin- tritt ber Dunkelheit an bis 10 Uhr abends auf Kosten ber Gemeinde elektrisch beleuchtet werben. Wer bie Strecke später bei Licht zu passieren wünscht, ber kann von ber Stadt kommen!) in einen an ber Grundmühle aufgestellten Automat einen Groschen werfen unb bie Straße ist zwölf Minuten lang erleuchtet. Nach Ablauf biefer Frist erlischt das Lickst von selbst. Am entgegengesetzten Ende soll ein gleicher Au mst -ausze- stellt werden, sodaß es auch Passanten aus dieser Richtung möglich ist, gegen 10 Pfg. d-s Licht leuchten zu lassen. — Wenn das der feiste Ben Akiba hörte, ivürbq er sich wahrscheinlich im Gmk: henmidrehen.