erscheint täglich mit »urnahme der $o;m= und Leierlage, viertel- iährlicherveMgrpreis ohne Sringerlohn und Bestellgeld in Hulda sowie auswärts t.50 Mk.
verantw. Redakteur: «ar! schütter für die Anzeigen:
S-parzeSer in Lulda.
Zuldaer W Zeitung
wochenbeilage:Illustrierte Somtagrzeitung" Monatsbellage: „$UlbGCt SeschichtZbMtk"
Anzrige»: wt «* fpaltigepetitzeileader deren »mm 15 pfg. Reklamendiepetitzeilr 25 pfg., bei Wiederholungen wird entspr.
Rabatt gewährt.
»otatlonrdruckund Verlag der Fuldaer Ak» tirndruckerei in Fulda Lernsprecher Ur. 9.
Fulda, Dienstag den 2. November 1909.
M 251.
36. Jahrgang.
scher Städte ersetzt werden. Nach längerer Beratung über die Schiffahrtsabgaben nahm die Versammlung einstimmig eine Resolution an, in welcher sie die hessische Regiemng dringend ersucht, im Bundesrat g e g r n die Einführung von Schifsahrtsabgabm in jeder Form Stellung zu nehmen. Es müsse dabei in Veracht gezogen werden, daß bei Annahme deS preußischen Gesetzentwurfs die kleinen Bundesstaaten fast keinen Einfluß aus die spätere Ausgestaltung der Tarife und sonstigeil Brstiimuungen erhalten.
d1 München, 31. Okt. 1909. Die bayerische A b« geordnetenkammer hat am Samstag die Beratung be3 Einkommensteuergesetzes zu Ende geführt. Die namentliche Abstimmung hierüber findet am Mittwoch, statt. Die ganze bayerische Steuergesetzgebung wird voraussichtlich bis Mitte Januar durchberaten sein. — Gegen den Ferrerrum- mel protestiert scharf der Erzbischof von München- Freising in einem Hirtenbrief, worin zum Schluß eindringlich vor der kirchenfeindlichen Presse gewarnt wird. Ferner ivird am Dienstag in München eine große Anti-Ferrer-Protestversammlung stattfinden.
+ Ein politischer Beamtenbund ist am Sonntag in Berlin gegründet worden Die bisher in losem Zusammenschluß stehenden Beamtenwahlvereine haben sich nach dem Vorbilde des Blindes der Landwirte, des Hansa- bundes und ähnlicher Organisationen zu einem „Bunde der Festbesoldeten" mildem Sitze in Berlin vereinigt. Nach § 2 der Satzungen vertritt der Bund die wirtschaftspolitischen und kulturellen Interessen der Beamten und Lehrer; er bezweckt insbesondere die Wahl von solchen Volksvertretern zu unterstützen, die neben den Jnteresien der übrigen Berussstände auch den Jnteresien der Festbesoldeten genügendes Verständnis entgegenbringen.
Ob der neugegründete Bund za irgendwelcher nennenswerten Bedeutung gelangen wird, erscheint uns etwas fraglich. Die Gründung als solch« kann allerdings nicht überraschend kommen, weil nach dem Vorgänge des Bundes der Landwirte, des Bauernbundes und des Hansabundes auch die übrigen großen Berufsstände zu einem Zusammenschluß für politische und besonders wirtschaftspolitische Bestrebungen geradezu gedrängt werden. Einen Gewinn für unser öffentliches Leben wie auch für das ersprießliche Wirken der Volksvertretung können wir ebensowenig wie in den bereits bestehenden politischen Jnteressen- organisationen, auch in einem politischen Beamtenbunde nicht erkennen.
Erstes Malt
als
6]
Irrende Seele
Roman von H. Teichert.
Regierung dies ja nicht entgehe, ist der Name des Amtsrichters in Sperrdruck besonders hervorgehoben. Was will man mit dieser Meldung? Doch wohl nichts weiter, als den Amtsrichter bei der Regierung denunzieren. Wir sind der Ansicht, daß der Amtsrichter in diesem Verein für die Germanisation weit segensreicher wirken kann, als die ganze hakatistische Sippschaft, die den Polen das Deutschtum am liebsten mit Dreschflegeln beibringen möchte.
)( Auf Deutsch-Neu-Guinea ist abermals ein deutscher Ansiedler ermordet worden. Der Deutsche Dammköhler wurde auf einer Expedition in das Innere der Insel bei einem Kampfe mit den Eingeborenen durch einen Speerwurf getötet. Die Gesellschaft war unter Führung Dammköhlers nach dem oberen Lauf des Markham ausgebrochen, um Gold zu suchen. Als eines Tages Dammkühler mit einem Gefährten allein in einem Lager zurückgeblieben waren, griffen plötzlich Eingeborene das Lager an. Bei dem sich entspinnenden heftigen Kampfe erschossen die beiden Deutschen 15 Eingeborene, bis Dammköhler von einem Speer tödlich getroffen wurde.
△ Marburg, 1. Noo. 1909. In einer hier abgehaltenen Versammlung des konservativen Vereins für den Wahlkreis Marburg-Kirchhain- Frankenberg-Vöhl wurde der Austritt des Reichs- tags-Abg. Dr. Böhme aus der deutfch-sozialen Partei und der wirtschaftlichen Vereinigung als ein grober Vertrauensbruch bezeichnet und es für richtig gehalten, wennDr. Böhme sein Mandat niederleg 1. Für den nächsten Freitag hat der letztere nun in Marburg eine Versammlung an- gekündigt, in der er über die politische Lage sprechen wird. Mit Rücksicht auf den Umstand, daß Dr. Böhme jetzt außer von den bisherigen Gegnern jetzt auch noch von feinen bisherigen Freunden scharf bekämpft wird, dürfte diese Ver- fammlung, wenn sie zustande kommt, recht interessant werden.
** Frankfurt a. M>, 30. Okt. 1909. Der Begründer der ,Frankfurter Zeitung Leopold Sonnemann ist heute abend gestorben.
Sonnemann, der am 29. Oktober 1831 in Höchberg in Unterfranken geboren wurde, also gerade sein 78. Lebensjahr beendet hatte, ist mit einer Reihe von sozialpolitischen Schristen überAltersversorgung, Arbeitslosenversicherung, die Wohnungspflege u. a hervor- qelreten. 1871—77 und 1878—84 vertrat er Frankfurt a. M. im Deutschen Reichstag als Mitglied der deutschen Volkspartei. Er war ein Gegner des Kulturkampfes. Seine hauptsächlichste parlamentarische Tätig- keil spielte sich indessen auf dem Gebiete der Finanz- und Handelspolitik ab. Auch als Stadtverordneter in Frankfurt a. M. hatte er großen Einfluß und entfaltete eine umfangreiche Tätigkeit.
op Dingen, 31. Okt. 1909. Der Verband der hessischen V e rk e h rs v e re i n e hielt heute unter dem Ehrenvorsitz des Reichstagsabg. Frhrn. v. Hehl zu Herrnsheim hier seinen Verbandstag ab. Von den Verat-ingsgegenständen war in erster Linie eine Denkschrift von Interesse, die demnächst an bett Eiscubahiiminister von Breitenbach, die hessische Regiemng unö den Landtag gerichtet werden soll und in welcher die Etsenbahnwüniche und Beschwerden der hessischen Städte über Schädigung ihrer Verkehrsinteresser, durch den preußischen Eisenbahnfiskus zum Ausdruck kommen. Stadtverordneter Stemmer-Darmstadt .führte Klage über die ständige Benachteiligung der hessischen Residenz durch die preußische Eisen- b a h n p o l it i k, die im Widerspruch zu bent Staats- Vertrag zwischen Hessen unb Preußen stehe und der Bevölkerung den letzt«ren unsympathisch mache. Freiherr von Hehl wies aus die großen wirtschaftlichen Vorteile hin, die die" Eisenbahngemeinschaft Hessen gebracht. Abg. Molthan gab diese wirtschaftlichen und finanziellen Vorteile unumwunden zu, aber es müsse dir konsequente und andauernde Zurücksetzung hessi-
daraus, daß man aus ihn aufinerksam werden und er in der Folge dadurch eine Lebensstellung an irgendeinem Hostheater bekommen würde.
Beate lächelte. „Wie hochfliegend Deine Pläne sind, Heinz' Gar viele mögen nach solcher Stellung streben und doch toie wenig kommen dazu. Und gerade Du hoffst?"
„Gerade ich. Beate! Und muß ich nicht für eine gesicherte Zukunft sorgen, ehe ich Dich von hier forthole? Meinst Tw, ich könnte es nicht? Traust Du meinem Talent nicht die Kräften?"
Sie sirrichelte seine Hand, die in der ihren ruhte.
„O, n>:e Du fragst! Das Höchste müßtest Du erreichen, ging meine Meinung durch, aber —"
„Kein Aber, Beate, ich fühle die Gabe m mir, ein großer Schauspieler zu werden, und der Ehrgeiz, sie auszunutzen, ist durch die Liebe zu Dir erstarkt und groß geworden. Du sollst nie das Gefühl haben, daß ich Dich niedergezogen habe, im Gegenteil, mit Stolz sollst Du auf ntich blicken und Deine Stellung im Leben soll eine hochgeachtete, ja beneidete werden. Siehst Du. das erstrebe ich und darum will ich alles aufbieten, bei einem Hostheater artzukommen. Lebenslängliche Stellung und im Alter Pension, das ist's, was wir brauchen, schon Deiner Anverwandtschast wegen, Beate. Hätte ich Dich nicht gefunden, ich wäre noch lange lange ein vagabondierender Mime geblieben, hüben und drüben auf dem Erdball hätte ich meine Kunst geübt und wäre wohl erst seßhaft geworden in alten Tagen. Run ich Dich aber habe, soll das Nest warm und weich sein, daß ich uns bereiten will, mein kühles NordlandSlieb muß ja erst aufblühen und sich entfalten und dazu gehört ein sorg- und zwangloses Heim, wo Liebe und geistiges, harmonisches Zusam- menleben das Zepter schwingen soll."
Er zog sie an sich und küßte sie. „Mach' ein frohes Gesicht, mein Herzlich! Ich habe mich so grenzenlos nach Dir gesehnt, Beate, und glaubst Du's mir, daß heute nacht kein Schlaf in meine Augen kommen konnte vor Wte^ersehenserwartung? Und Du? Du?" Er küßte sie liebevoll und ließ sie erst los, als sie sich ihm entwand.
„Wie soll ich Dir Autwott geben. Du Ungestüm," sagte Brate lächelnd, „wenn Du meinen Mund nicht freigibst? S; Dich um bei mir, wie einsam und still es hier ist. So ist's immer. Nur die Sehnsucht ist meine Gefährtin unb bie Hoffnung, baß einst bie Zeit kommen wirb, in der ich nicht mehr einsam sein werbe. Du lebst, ich vegetiere nut, unb Du fragst, ob meine Sehnsucht geringer sei als die Deine?"
Er zog stumm ihre Hände an die Lippen. Ja, sie litt mehr als er. Er sah jetzt erst, daß sie schmal geworden war, unb blitzschnell erwachte eine Idee in ihm. Er konnte schneller zur Vereinigung mit ihr kommen, wenn er feinem Leben eine andere Richtung gab, wenn er aufgab, was er sich bis jetzt erkämpft, seiner Kunst Valet sagte.
Er ließ ihre Hände los und stand auf. Das kleine Zimmer durchquerte er ein paarmal hin und her, dann blieb er v^t der Braut stehen.
„Beate, möchtest Du, daß ich meinen Beruf aufgebe, möchtest Du, daß ick ms bürgerliche Leben zu- rücktrete?"
Sie konnte es nicht hindern, daß freudiges Erschrecken über ihre Züge glitt. „Das wolltest Du, Heinz?"
Er drückie dir Hände auf bie Augen unb seufzte. „So gern sähest Du es, dann, ja dann muß es tvohl geschehen."
Da »and sie schon neben ihm und umfing ihn mit ihren Armen.
„Liebster, Ütcbsier! Verzeih mir, einen Augenblick" nur dachte ich an mich in kleinlicher Rücksicht ans all das Gewäsch und Geklatsch rund herum — verzeih mir unb denke nicht mehr daran! Ich weiß, was Du in Gedanken hattest, aber das weiß ich, daß Deine Kunst Dem Leben füllt und daß Du ohne sie nie wieder glücklich fein würdest und liebte ich Dich tausendmal mehr noch als heute. Bleib Dir treu und Du wirst erreichen, was Du erstrebst. Mr sind ja beide jung und können Watten und nun sieh mich wieder an mit Deinen lieben Augen und nie wieder sprechen wollen wir davon.'
; find die Alte nickte stumm und ging. Sie wollte • nicht zeigen, wie sorgenvoll sie war. So anders hatte sie sich gedacht, wenn einst ihr Herzblatt, das sie auf den Armen grcfcgctragen, Braut fein würde. Sie hatte erwartet, cs müsse dann eine Zett fortlaufender Feste eintreten, ewiger Fröhlichkeit, und das Staunen der Bekannten über Beatens Glück kein Ende nehmen. Und nun? Heimliche Verlobung und heimliches Zusammensein und eine Zusammenkunft auf schwankenden Füßen, ohne festen Grund! Aber sie kaufte bie Blumen und legte noch dazu aus eigenen 'Mitteln, damit es viel sein sollten für das mitgegebene Geld, und half ordnen und dann lief zum Markt, so -schnell die alten Füße es erlaubten, einzukaufen für den kleinen Mittagsttsch, der heute einen Gast haben ‘toürbe.
Und währenddessen war Domau gekommen', nun saßen sie nebeneinander auf dem altmodischen Sofa, Hanb in Hand, wie zwei emfte Menschen, die einem gemeinsamen, ernsten Ziel zusttebten.
Voll überströmenden Dankes war er gewesen, daß Beate ihm den freien, offenen Weg zu ihr gestattet. l„Wenn Du wüßtest, was Du mir damit getan, mein Sieb,' hatte er gesagt, „Du hast mir nun eigentlich erst das Recht gegeben, für Dich einzutreten und für Dich zu schaffen Die Zukunft wollen wir uns ettämpfen und ist's nicht leicht, wird's um so schöner später sein. Was zu leicht errungen, verliert zu bald den Wert, aber wir wollen einen langen, glücklichen, gemeinsamen Lebensweg vor uns sehen.'
Er erzählte, daß er im Deutschen Theater in St. Petersburg, von wo er erst gestern abend gekommen war, Beifall und Freunde erworben und daß er für den nächsten Winter noch einmal daS Engagement dotthin angenommen habe. Für den Sommer gehe er nach Wiesbaden, er habe dabei feine Pläne. Wiesbaden fei ein Kurort, in dem viele hochgestellte Män- mer ihre Sommererholung suchten; er hoffe und baue
Wonnen.
V Der Freisinn hat 1 Mandat; 1 gewonnen und verloren.
\ Die Sozialdemokratie hat 20 Mandate; 10 wonnen, davon je 1 vom Zentrum, den Konservativen /und dem Freisinn, und 7 von den Nationalliberalen.
Die nationalliberalen Kompagnons vom Großblock werden ein dummes Gesicht gemacht haben, sie sich diese Bescherung besahen. ES ist doch bischen anders gekommen, als sie sich gedacht
mit 17 Mandaten rangiert sie hinter der 20 Mann starken sozialdemokratischen Fraktion an dritter Stelle. Daß in Lörrach-Land der nationalliberale Führer Obkircher durchgefallen ist, ist in erster Linie bedeutsam für diesen Herrn selbst, der darin eine Quittung für seine überaus gehässige und un- ehrliche Führung des Wahlkampfes ersehen möge. Bereits vor den Wahlen ist davon gesprochen worden, daß im Falle Obkircher in Lörrach-Land nrcht siegen werde, für ihn in einem sicheren Wahlkreise Platz gemacht werden soll. Danach ist wohl anzunehmen, daß die badische Kammer nicht lange seine „hervorragende Straft" zu entbehren haben wird. Jedenfalls würden wir mit der Wiederwahl Obkircher- herzlich einverstanden sein, denn der Wahlkampf 1909 bedeutet Dank der Leitung Ob- kirchers einen Meilenstein auf dem Wege des badischen Nationalliberalismus zum Untergange.
Eine wahre und echte Freude werden an dem Ausgange der Wahl nur die Sozialdemokraten haben, und sie haben allen Grund dazu. Wichtiger als der Mandatsgewinn von 8 Sitzen dürfte für sie die Gewißhett sein, in absehbarer Zeit — langsam, aber sicher — auck den letzten Viatio« nalliberalen verdrängen und damit das ganze Erbe der ehemals so stolzen nationalliberalen Partei antreten zu können. Daß sie heute dem National- liberalismuS ihren starken Arm leihen, damit er noch nicht ganz zur Bedeutungslostgkeü berabfinte, ist natürlich nicht edle Menschenfreundlichkeit, sondern kluge Berechnung. Eine Berechnung aber, die sich als ttchtig erweisen wird.
ein biSchen anders gerommen, ais pe ficy geoacyr hatten. Zentrum mtt Konservativen und Bund der Landwirte haben wider Ermatten noch 6 Mandate in der Sttchwahl behaupten können, 1 trotz des vereinten Ansturmes deS Großdlocks.
Diejenigen, die die Zeche haben bezahlen müssen, find — daS ist jetzt allmählich schon so Regel ge- t worden — wieder mal die Nationalliberalen. «Ihre roten Kompagnons haben in der Stichwahl snoch 10 Mandate gewonnen, ihnen selber aber i sind zusammen 7 Mandate abgeknüpft worden.
Auch ihr Führer Obkircher hat den Sozmldemokra- ten weichen müssen.
Deutsches Reich.
$ Berlin, 1. Nov. 1909. Der Kaiser hat dem Pttnzregenten von Bayern aus Anlaß seines 70jäh- rigen Jublläums als Chef des 1. bayrischen Feldartillerieregiments telegraphisch seinen Glückwunsch ausgesprochen. — Staatssekretär Dernburg ist von New-Dork kommend in London eingettoffen. — Die Taufe des jüngsten Sohnes des Kronpttnzen findet am 6. November statt. Die Patenstelle vertreten außer dem Kaiser und der Kaiserin u. a. der König von Rumänien und Graf Zeppelin.
** Die Reichseinnahmen im ersten Halbjahr 1909 haben an Zöllen 62. in bet Post- unb Telegraphenverwaltung 18 unb in der Reichseisenbahnverwaltung 2% Millionen Matt mehr gebracht als im Vorjahre. Die Talonsteuer hat bis Ende September 247 000, bie Schecksteuer 270 000, bet Grundstücksstempel 2 Millionen Mark geliefert.
(*) Zum Kammergerichtspräsidenten als Nachfolger des Staatssekretärs Dr. Liseo wird, wie verlautet, der Breslauer Oberlandesgerichtspräsident Dr. Vierhaus ernannt worden.
(*) Die nächstjährigen Kaisermanöver finden, wie amtlich bekannt gegeben wirb, zwischen dem I. (ost- preußischen) unb dem XVII. (westpreußischen)^ Armeekorps statt. Voraussichtlich wirb auch bie Flotte in ben Gang bet Manöverereignisse Eingreifen
— Angriffe gegen bayerische Generale und Prinzen wegen ihrer Führettäticckeit bei den Kaiser- manövetn wurden in bet „Neuen Bayerischen Lanbeszeitung', einem bekannten Würzburger Skandalblatte, angeblich aus der Feder eines ehemaligen StabsoffizlerS veröffentlicht und namentlich von der ausländischen Presse begierig aufgegriffen. Die bayerische Regiemng erläßt nunmehr in bet offiziösen „Korrespondenz Hoffmann' gegen diese Angriffe eine Verwahrung
-*• Das deutsche Reich in Gefahr. Durch die ganz« hakatistische Presse geht die Entsetzen erregende Nachricht, daß in Kosakow bei Danzig ein polnischer Volksverein gegründet worden sei. Begründer diese? Vereins sind ein Vikar, ein Redakteur und — schrecklich zu sagen — der Amtsrichter Chmilewski aus Zoppot. Damit der
Die Zusammensetzung der neuen Kammer be» Heutet gegen früher eine Verstärkung der -Linken um 9 Sitze (8 Sozialdemokraten und k l Demokrat) der ein Verlust des Zentrums von 2, 'der Rechten von 1 und der Nationalliberalen von 6 Sitzen entspricht. Daß das Angesicht der Kammer sich damit wesentlich geändert habe, ist nicht zu ■ behaupten. Gegen eine konservativ-christlich gerichtete Politik besteht die alte Mehrheit von den .Nationalliberalen bis zu den Sozialdemokraten j weiter, gegen die Sozialdemokratie ist gleichfalls eine ! Vereinigung der allen Mehrhett von Zentrum, Nattonalliberalen möglich. Ob die badische Regre- rung sich veranlaßt sehen wird, das Staatsruder noch weiter links zu drehen, müssen wir abwarten; der Umstand, daß die Stärkung der Linken allein der Sozialdemokratie zu Gute gekommm ist, wird ihr wohl kaum besondere Geneigcheit dazu verursachen. Um so bedeutungsvoller wird der Wahlkampf von 1909 für die Parteien sein. Zentrum und Rechte haben drei Mandate eingebüßt; aber wenn man berücksichtigt, daß die Wahlen unter der direkten Nachwirkung der großen Reichsfinanzreform stattfanden, und daß beide Patteien dem konzentrischen Angriff der gesamten anderen Patteien ausgesetzt waren, so darf man mit dem Erfolge eigentlich wohl zufrieden fern.
Am ungünstigsten haben, wie gesagt, die Na- r .unaUiberalen abgeschnitten. Ein Verlust von 6 Mandaten hat sie aus der Positton der zweitstärksten Fraktion der Kammer herausgeworfen;
ö Die Stichwahlen in Baden, die am Samstag stattfanden, hatten folgendes Ergebnis:
Gewähll wurden 3 Zentrum, 2 Konservative, 1 Bund der Landwirte, 13 National- liberale, 10 Sozialdemokraten, 5 Demokraten, 1 Freisinniger.
Das Gesamtresultat der Wahlen ist nun folgendes:
DaS Zentrum hat 26 Mandate; gegenüber dem Landtag 1906/08 hat es 2 verloren (Gießler u. Belzer). In der Stichwahl siegten in Freiburg Fehrend ach Mtt 49 Stimmen Mehrhett über seinen nationallibera- jtn Gegner, in Bruchsal Wiedemann mtt 50 Stimmen über den Demokraten Hoffmann, in Säckingen Dieter le mit 320 Stimmen über feinen nationalliberalen Gegner.
Die Konservativen haben 2 Mandate; 1 ver« ^©er'siunb fcei Landwirte hat 1 Mandat; nichts gewonnen und nichts verloren.
Die Nationalliberalen haben 17 Mandate; T verloren, 1 gewonnen.
Die Demokraten haben 6 Mandate; 1 ge»
Ausland.
♦♦ Die beiden tschechischen Minister im österreichischen Kabinett sind, wie schon angekündigt wurde, zu- riickgetreten, nachdem am Samstag der Ministercat mit allen gegen die Stimmen jener beschlossen hatte, bie nationalen Schutzgesetze dem Kaiser zur Sanktion zu unterbreiten. Kaiser Franz Joseph wird die Demission der beiden tschechischen Minister sofort annehm en. Der Posten des tschechischen LandSmann- ministers bleibt vorläufig unbesetzt. Von einer Gesamtdemission des Kabinetts ist keine Rede. — Zum Protest gegen die „nationale Zurücksetzung', die in der Billigung der Schutzgesehe liegen soll, beschlossen die tschechischen Eis enbahnbedien sieten und -Beantten m Prag die p a s s t v e R e s i > • n j für ben Winter; die Postangestellten sollen zum Anschluß bewogen werben.
* Bülow in Rom. Fürst und Fürstin von Bülow sind am Sonntag in Rom angekommen. Sie bewohnen mehrere Zimmer im Hotel Exzelsior, da die Villa Malta noch nicht vollständig
Domau holte tief Atem und drückte sie fest an sich. „Doch, doch, meine Beate, aber bann soll's abgetan fein. Redakteur könnte ich werben — eine Stellung ist mir schon angeboten worben unb Vater sähe es gern. Aber ins Joch spannen hieße das einen, der feine Schwingen eben gebreitet zum Flug — und daß Du's nicht verlangst, mein Lieb, mein einziges —' Wre Jubel klang's in seiner Stimme. „Der Lohn wird nicht auibteiben. Eines berühmten Manne« Frau soll Du brrcinft heißen, nur vertrauen muß Tu meiner K.aft unb Treue hallen."
So vieles hatten sie zu besprechen. Uebermüttg fröhlich waren sie schließlich geworben unb als Liese ben Mittagstisch für sie rüftete, würbe sie ordentlich froh mit ihnen und wunderte sich schließlich über sich selbst, warum sie eigentlich am Glück ihres Fräuleins gezweifelt hatte Sie schlug draußen vor der Hintertür die süße Sahne zu steifem Creme, daß die weißen Flocken nur so spritzten. Mochten die drüben doch sehen,'daß bei ihnen Feiertag mit dritter Speise wat, was geht'? die hochmütige Madame an, sie bezahlt'» ja nicht, und wozu braucht man denn überhaupt heimlich zu tun? In allen Ehren waren sie doch Brautleute, ihr Fräulein und der hübsche, dunkelhaarige Schauspieler, der gar nicht so abgeleckt aussah, wie sonst bie Sorte, ber sogar einen wunbervollen schwarzen Schnurrbart hatte. Unb wie freundlich er war! Bei ihnen sollte sie auch später immer bleiben, hatte er gesagt, gar nichts mehr zu arbeiten brauche sie bann, nur immer im Hause zum Rechten solle sie scheu, damit die junge Frau sich nicht über die Dienstmädchen zu ärgern habe. Ja, das hatte er gesagt, und sie überschlägt schon in Gedanken, ob es lohnt, bie alte Kommode und den Schrank, ber noch von ihrem seligen Manne herstammt, mitzunehinen in bie feine Wirtschaft, ober ob sie alles hier läßt.
Da kommt Rena gerade durch die Gartenpforte. Richttg, für das Kind muß auch gedeckt werden, es wird nun ja fur’s erste bei ihnen bleiben.
Sie sind gute Freunde und nicken sich freundlich zu. Die Kleine guckt neugierig in die Schüssel.
„Ah, Schlagschmant!"
(Fortsetzung folgt.)