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36. Jahrgang

Fulda, Samstag den 30. Oktober 1909.

M 250

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Gebiete auch die .Geister" mit Erfolg tätig sein könn­ten. Die Bauernfängerei, sowohl die seine als die grobe, wurde damals ausschließlich .in drei Dimen­sionen" betrieben. Erst im zwanzigsten Jahrhundert ist der Gründungsschwindel „vicrbimensional" geworden.

Ich bitte um Entschuldigung wegen der Fremdwör­ter, die „Geister" sind nun einmal so; sie erscheinen nicht in Sitzungen, sondem in „Seancen", und sie ar­beiten nicht mit Helfershelst'rn, sondern mit „Medien". Das Medium fällt in „Trance" und wird dann das Sprachrohr der Geister. Vorzügliche Medien werden sogar der „Materialisation" gewürdigt; die Geister leihen sich von dem Körper des Mediums soviel Stoff aus, baß sie mit ihrem „Rstralleib" sichtbar werden. Wenn Kunststücke vorgesührt werden, die man ebenso­wenig erklären kann, wie die „Zaubereien" dcr Ta­schenspieler,.so sagt man mit gelehrter Miene, die Gei­sterwelt lebe und arbeite in vier Dimensionen, wäh­rend wir Sterblichen auf drei Dimensionen des Rau­mes (Länge, Breite, Höhe) angewiesen seien. Worin eigentlich die vierte Dimension bestehen soll, weiß ich nicht; aber das ist eben ein Beweis, daß ich in der dreidimensionalen Beschränktheit stecke. Wenn eine Tafel, die auf dem Tisch liegt, auf der unteren Seite beschrieben wird, so ist das ein Pröbchen von der vierten Dimension; ebenso, wenn ein Blumenstrauß geflogen kommt hinter einem Vorhang her, der angeb­lich nur das gefesselte Medium verdeckt. Stellt sich nun heraus, daß die Tafel schon vorher beschrieben war oder daß die Blumensträuße aus einem Laden in der nächsten Querstraße stammen, so macht das für die abergläubischen Bewunderer der spiritistischen Fremd­wörter nichts aus.

Wenn dann und wann dir Polizei mal ein Schwind- lernest aushebt, so hat das gerade soviel Wirkung, als lötnn im Armenhaufe ein Floh geknickt wird. Es bleiben noch unzählige Schluvfwinkel übrig, in denen der Aberglaube blüht und Früchte trägt. Reiche Früchte für seine Ausbeuter. Von der geisterhaften Fa­brikgründung bis zu der Prophezeiung aus altem Kaf­feesatz gibt es zahllose Stufen und Arten des „wun­derbaren" Broterwerbs. In Berlin z. B. gibt es sicherlich gesamt mehr „Wahrsagerinnen" als Geistliche. Und wenn hier die Kirchen meistens leer stehen, so pil­gern umso zahlreicher die Leute in die dumpfe Stube, wo die Zukunft enthüllt uni) die Geister beschworen

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Lark schütte;

I^arzeller in Lulda. „3vustrierte Sonntagszeitung'

tet mit einer „Telegraphie ohne Draht , die über alle Zeit und allen Raum hinweg die klarste Ver­ständigung, die schönste- Harmoirie hecbeiführt.

Das ist der rechte und echte, der wahre christliche Sviritismus. Wie herrlich sticht er ab von dem Zerr­tilde, das der Aberglaube aus dem Geisterverkehr macht!

Es ist schon schwer begreiflich, daß Leute mit ge­sundem Gehirn noch an die spiritistischen Machenschaf­ten glauben, nachdem so zahlreiche „Medien" als raffi­nierte Schwindler entlarvt sind. Aber noch unbegreif­licher wird der zähe Aberglaube, wenn man den i n- n er en Gehalt dieser angeblichen Geisteroffenbarun- gen betrachtet. Da weiden fortwährend „Geister" vo r den größten und berühmtesten Personen der Weltg«. schichte beschn-oren, und biete grundgelehrten und ta - kräftigen Personen reden einen albernen Quatsch ir der minderwertigen Svrechweise des „Mediums". All die tausende von Geistern, die von den Spiritisten zum Schreiben ob’t Klopfen oder Sprechen gebracht sein sollen, haben nochnichtsgrscheileszu Tage ge­fördert. Nichts, gar nichts, was nicht das Me­dium wat Leichtigkeit zusammenphantafieren konnte. Wenn der Geist von Goethe erscheint, so redet er, wie ein Hökerweib beim Kaffeekränzchen reden könnte, und der Geist von I u l i u s Cäsar steht heutzutage auf demselben Standpunkt, Ivie ein stupider Bierüanl- philister.

Es ist eigentlich e-nc Schande, daß im 20. Jahr­hundert noch von solchem albernen Zeug geredet wer­den muß. Aber der Aberglaube bildet eine Gefahr, da er immer weiter sich verbreitet, und vor dieser Ge­fahr muß eindringlich gewarnt werden, ebenso wie vor der Gefahr des Unglaubens, dir miteinander in Wech­selwirkung stehen Daher sollten alle Eltern, Lehrer und Erzieher ussamnienwirken, um schon in der Kin­derseele den Abscheu vor allem Aberglauben zu erwe­cken und jrden Keim zu solcher Verirrung auszu rotten. Zu den Heilmitteln gehört auch, daß man der Ju­gend die Schönheit und Tröftlichkrit der Geheimnisse \ des wahren Glaubens recht innig zu Gemüte führt, kund das kann namentlich an diesen Festtagen sehr gm »geschehen, Venn die ganze Familie die Gemeinschaft I mit den VorauSgegangenen herzlich pflegt — daheim »und auf dem Gottesacker.

Deutsches Reich.

* Ein Kaliausfuhrzoll, verbunden mit einer Zwangskonlingentierung wird vom Reichstag ge­fordert werden. Deutschland ist das Haupt« produktiousland für Kali, zu seinen besten Ab­nehmern gehört Amerika, das das Kali sehr nötig hat als Düngemittel. Es hat einen außer- gewöhnlich niedrigen Ausfuhrpreis bei den deut­schen Kaliwerken erreicht und diese arbeiteten, nachdem das Kalisyndikat kürzlich gescheidert ist, zum Teil in fast wahnsinniger Hast, um mög­lichst viel Kali nach den Vereinigten Staaten auszusühren. Das bedeutet eine V er sch le ud e- r ung der deutschen Kalischätze und eine Schädi­gung der deutschen Landwirtschast. Dem soll durch Gesetz vorgebeugt werden.

4- Der Sieg der Sozialdemokratie m Baden wird allgemein vornehmlich mit den Rückwirkungen der Finanzreform erklärt. Demgegenüber ist zu betonen, daß die Sozial­demokratie nachweislich schon viel früher, als von der Jinanzresorm noch keine Rede war, sich wesentlich verstärkt hat. Bei der badischen Land- tagswahl von 19 5 wurden 50000 sozialdemo-

Unpolitische Zettlaufe

(N.) 33cHin, 28. Oktober 1909.

(Nachdruck verboten.)

Mit rauher Hand hat die Polizei wieder in die rte „Geister welt" eingegriffen. In Berlin er­tappte und verhaftete sie ein Ehepaar Abend, das mit spiritistischen Sitzungen ein gutes Geschäft machte. Ms Frau Abend, das gefeierte Medium, ab gefaßt wurde, hatte sie eine Masse Schleier im Aermel. Die bösen Leute sagen, sie brauche Schleier, um ihren Gä­sten Geisierecscheinunzen vorzugaukeln. Die abergläu- chifche Kundschaft aber läßt sich nicht irre machen; sie führt alle faulen Dinge, die aufgedeckt werden, aus Bosheit zurück: entweder auf die Bosheit der Gegner, die dem armen Medium nachstellen, oder auf dir Bos­heit von tückischen Geistern, die den artigen Geistern in die Suppe spucken wollen. Vor Frau Abend sind schon Zahlreiche Medien auf dem durchsichtigsten Schwindel ^ertappt worden, aber die Dummen werden doch nicht 'alle: wer Geld verdienen will, braucht nur in einem stillen Zimmer „Seancen" zu veranstalten. Ja, dir [Summen werden nicht einmal durch einen Schaden von hunderttausend Mark klug. In D r e s d e n ist zurzeit ^cin Prozeß im Gange wegen einer geisterhaften „Grün­dung", bei de.- die schönsten Familienvermögen ver­pulvert wurden. Zu einer kosmetischen Fabrik in Wotschappel bei Dresden haben die „Geister" nicht vloß die Rezepte geliefert, sondem auch die zahlungs­fähigen Aktionäre. Und diese biederen Aktionäre sind, pbfchon sie ihr gutes Geld verloren haben, noch heute voll des Aberglaubens und der Verehmng.vor den gei- f ‘ejn Bauernfängern. Man sieht, daß die Sachsen tiv k 8 5eö[cr sind, als die Berliner. Es ist ent-

Vm Fortschritt im spiritistischen Schwindel- C "J"®1 di- „Geister" benutzt, um Fabriken ' blt nrad) Rezepten aus einer besseren Welt tunn ta »'1? l°"ltige Wundermittel zur Verschöne- "Leuten ""d nebenbei den schlauen

willen mm " rLebensgenuß in neuerbauten Ktu inT03^'"' Als wir vor einem Men. Rank imh o benz seiger Jahren, in dem schweren Lott« tinrf. » ■a”ml wegen der Gründerei standen, da Ausae2-tt"t Mensch, weder ein Gründer, noch ein “ 8SWeuteltnz eine Ahnung davon, daß auf diesem

wochen-Rundschau.

[:] Fulda, 29. Oktober 1909.

Nun der Winter hecannaht, fängt auch das in- ncrpolitische Leben Deutschlands allmäh rch wieder an, sich zu reaen. Bor ein paar Tagen teilte die »Nvrdd. Allg Ztg " mit, daß der Staatssekretär des Reichs- justizamt-s, Dr. N i e b e r d in g, die f»We »atfon des Winters nicht mehr mitmachen wolle, daß rhm vielmehr zum 1. November die nachgesuchte Dienstent- lassuna erteilt worden sei. Dr. Nieberding ist einer euer höheren Staatsbeamten, die katholisch sind, ohne ihre Konfession besonders hervottreten zu lassen. Po­litische Gründe dürften für sein Ausscheiden aus dem Amte kaum maßgebend gewesen fein, vielmehr wird der 72 Jahre alte Herr sich vor der Arbeitslast des Winters gesürchtet haben, zumal fein Gesundheitszustand schon seit längerer Zeit zu wünschen übrig ließ. Mit Recht wird Dr. Nieberding nachgerühmt, daß er sein Amt ruhig und sachlich geführt habe und auch im Parla­mente auf Beschwerden über Mängel d. Rechtsprechung auch über Einzelfälle bereitwillig eingegangen fei, oft mit einem Freimut, der. wie die „Frankfurter Zeitung" sagt, sonst vom Bundesratstische aus selten ist. Das ist auch von ollen Seiten.anerkannt worden, und so erklärt es sich, daß der persönlich liebenswürdige, stille, seine Mann bei seinem Austritt keinen Gegner hinter­ließ. Zum Nachfolger Dr. Nieberdinas wurde der Präsident M Kammergerichts, Wirklicher Geheimer Oberjustizrat Dr. L t S k o ernannt. Dieser neue Ju­stizmann wird in den nächsten Jahren eine ziemliche Reformarbeit durchzuführen haben, und für das deutsche Strafgesetzbuch liegt bereits ein Vor- enirourf vor, der dazu bestimmt ist, durch Anregung der öffentlichen Besprecheg Klarheit über die Einzelhei­ten zu verschassen, sowie über die Wege, welche der Ge­setzgeber später zu gehen haben wird. So tragt also der vorliegende Entwurf keinen eigentlichen offiziellen Charakter, ist nicht unter Verantwortung der Regie­rung ausgearbeitet, aber trotzdem beansprucht er allge­meine Beachtung als eine ausgezeichnete juristische Arbeit und als Grundlage des zukünftigen Gesetzgeb­ungswerkes.

Der „Ruck nach links", der schon bei so manchen Ersatzwahlen des vergangenen Sommers zu bemerken war, trat besonders scharf bei den Wahlen der letzten Woche hervor. Die sächsischen und badischen Landtagswahlen haben der sozialdemokratischen Partei nicht unbedeutende Erfolge gebracht, selbst die nationalliberal-freisinnige Hochburg Coburg fiel bei dcr Stichwahl in den letzten Tagen den Sozialdemo- ‘.fraten in die Hände, und auch in der R e i ch s h a u p t- fiadt vermochten bei der Landtagswahl die „Genos­sen" abermals über den Freisinn zu siegen. Selbswer- siändlich beharrt die liberale Presse dabei, daß all die Wahlerfolge der Sozialdemokratie nur bet Reichs­finanzreform zuzuschreiben sei, sie verschweigt aber da- b:i, daß vor allem der gesamte Liberalismus, der doch den „Genossen" in der Steuerhetze nicht im geringsten nnchstand, der leidtragende Teil dabei ist.

In dem letzten Wahlaufruf der nationalliberalen Partei Badens hieß es: die liberale Partei habe nicht nur die Aufgabe, dem fortgesetzten Vordringen der Zentrumspattei und den mit ihr verbündeten Kon­servativen Einhalt zu gebieten, sondern sie kämpfe ebenso entschieden gegen die Sozialdemokratie mit ihren die staatliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Ordnung bedrohenden Zielen und gegen den von ihr getriebenen Terrorisnms. Ms wir damals diese Worte lasen, da haben wir laut gelacht. Die badische nationalliberale Partei im entschiedenen Kampfe gegen

die antinationale Sozialdemokratie — wirklich ein ergötzliches Bild. Die Ereignisse haben uns recht gegeben. Für die badischen Stichwahlen ist das Grotzblockabkommen von 1905 erneuert worden und Nationalliberale, Freisinnige, Demokraten und Sozialdemokraten teilen sich in die Beute. Das war nicht anders zu erwarten. Gut, wir werden uns da­mit abfinden, und bei der nächsten Wahl, wo vielleicht die natioualiiderale Partei kein einziges Mandat mehr aus eigener Kraft erringen wird, werden wir schon die Scharte auswetzen. Wahrhaftig eine Partei, die wie das Zentrum, von 37 im ersten Wahlgang verteil- ten Mandaten 23 aus eigener Kraft behauptet, die hat keinen Grund zu verzagen. Man muß zugeben, daß die Nationalliberalen sich in einer schweren Not­lage befanden. Denn ehedem eine Zweidrittelmehr- heft in der Kammer besitzen und jetzt vielleicht nur mit vier Mandaten einzurücken, das ist eine verteufelt unangenehme Aussicht, lind so kann man es wohl verstehen, daß sie in ihrer großen Rot sich dazu bereit ecklären, auf sozialdemokratischen Krücken in die Kammer einznziehen. Sie mögen nur nicht vergessen, daß es Kranke und gebrechliche Personen sind, die der Krücken bedürfen. Aber nicht alles, was man in der Not tut, ist deshalb auch schön und gut. Gerade nationalliberale Blätter waren es, die über die Wahl­bündnisse anderer Parteien mit der Sozialdemokratie als höchst anrüchige Dinge die Nase rümpften; wo es sich um sie selbst handelt, scheint die Sache nicht mehr anrüchig zu fein. Bei der schamlosen Heuckler- kunst, die der Nationalliberalismus für sich als Spe­zialität ausgebildet hat, ist das nun weiter gar nicht zu verwundern, und es wird sie auch gar nicht ab­halten, bei nächster Gelegenheit, wenn wieder einmal ein paar Zentrumswähler einen roten Stimmzettel abgeüen sollte», in hm höchsten Tönen nwralischer Entrüstung sich zu ergehen.

Zar Nikolaus II. von Rußland hat feine Staatsvisite in Italien hinter sich. Alle politischen Beobachter sind darüber einig, und auch die offiziellen Vertreter Rußlands ließen darüber keinen Zweifel, daß dieser Besuch ein Ereignis von politischer Bedeutung fei. Das offiziöse Italien war allerdings etwas vor­sichtiger mit feinen Musterungen, und erklärte nur, daß ein enges russisch-italienisches Einvernehmen dem Dreibund nicht schaden, sondem eher nützen könne. In Rußland aber sprach man ganz offen aus, daß das russisch-italienische Einvernehmen den Zweck haben werde, Italiens Stellung im Dreibund zu lockern und ein gemeinsames Gegengewicht gegen die österreichische Vorherrschaft auf dem Balkoii herzuitellen. Daß diese Auffassung das richtige trifft, bestätigt sich auch da­durch, daß Zar Nikolaus für seine Reise nicht die nächstliegende Route über Oesterreich gewählt hat, son­dern den großen Umweg über Frankreich vorzog. In Rußland sowohl wie in Italien hatte man sich über diese große Staatsaktion sehr begeiftert, und es ist so­gar möglich geworden, die italienischen Demo tstratio- nen, die bisher jeden Zarenbesuch in Italien verhin­dert hatten, soweit hintan zu halten, daß der Zar sich dadurch nicht inkommodiert fühlte. Auch in Frankreich war man sehr froh über die neue Allianz, deren Er­gebnis der russische Minister des Auswättigen Iswolski dem französischen Ressortminister Pichen persönlich mftgctellt hat. Vorn Zaren wird erzählt, daß er auf keiner Rückreise außerordentlich vergnügt gewesen fei, woraus man wohl entnehmen darf, daß er erreicht hat, was er wollte. Die deutsche Presse hat allgemein die russisch-italienische Verbrüderung sehr ruhig ausgenom­men, ohne sich über den Zweck der Hebung hiuwegzu- täuschen.

In S p a ni e n fiat das Kabinett Maura abgedantt. Besonders hervorzubeben ist dabei, daß diese Abdankung nicht wegen des Ferrer-Rnmmels erfolgt ist, im Gegen­teil hat der Führer der Opposition, Morret, als er seine

Besonders die gewerkschaftliche Organisation hat sie hier und da irre gemacht und sie hätten lieber bte Flinte ins Korn geworfen. Das nun aber schon gar nicht! Wer die Ziele und den Zweck der Gewerk, schäften studiert, wird sich sagen müssen, das ist bie Ergänzung, die unser Gesellenverein im wirtschaft­lichen Leben noch brauchte. Uns berührt das nur mso- sern, als diese Ergänzung durch die Berufsstande ge­schaffen wurde, nur muß jetzt der Gesellenverein feine Aufgabe noch fester und tiefer als bisher erfassen, da- mit die wirtschaftlichen Gedanken die religiösen Ideen in seinen Mitgliedern nicht überwuchern — vielleicht eine schwere Arbeit. v ..

Darum gilt es zu agitieren und> zu arbeiten für den Gesellenverein. Er hat sich nicht uberlettz well die Wirklichkeit uns seine Nolwendigkett heute stärker als je empfinden läßt. Wer über den Gefellenverem zur Tagesordnung übergeht, hat für die Praxis des modernen Organisationslebens kern Verständnis, oder er will aus kleinlicher Eisersucht seine Organisation an die Stelle des bewährten Werkes von Vater Kolpmg setzen. Ersteres ist bedauerlich, letzteres verwerflich.

Soweit im wesentlichen Herr Dr. Schiela. Uns interessiert vor allem der letzte Satz seiner Ausführun­gen, wo er sagt: der Gesellenverein solle sich n i ch t in bie Ecke drücken lassen. Das ist recht so. Der Verein hat es in der Tat nicht nötig, sich wie em Veilchen im Verborgenen abseits vom Wege zu halten. Seine Toten haben ihm einen Platz im össentluhen «eben erobert und eS wäre zu wünschen, daß auch tn den Kreisen der gebildeten Stände die Tätigkeit der Gesellenvereine etwas mehr bekannt würde.

Was nun die Agitation für den Verein betrifft, so ist cs vor allem notwendig, daß in allen Otten, wo die Zahl der vorhandenen Handwerksgesellen irgend­wie ausreicht, katholische Gesellenvereine gegründet werden Wo die Bildung eines solchen nicht möglich ist, sollte der Präses bie Handwerker der Kongregation vielleicht auf einmal im Monat um sich üetfammeln vnd nach Art dec Gesellenvereine Haubwerkerfragen mit ihnen besprechen. Es ist dies zweifellos auch ein gutes Mittel, die jungen Leute bei ihrem Fottzug aus dem Heimatdorf dem Gesellenverein zuzusühren. 3^- tblge der neuesten Einrichtungen, die das Generalpra- fibium der katholischen Gesellenvereine getroffen hat, können ja solche junge Leute, wenn sie sich ordnungs- nstißig ausweifen, die Wohltaten des Vereins genie­ßen falls sie sich verpflichten, innerhalb einer besttmm- ten Frist Mitglied des Vereins zu werden.

werden. Das Dienstmädchen bringt zu Fuß fein Opfergeld zum Altar des albernen Aberglaubens, und bje gnädige Frau kommt in ihrem Automobil vorge­fahren. Anck das männliche Geschlecht, das doch heut­zutage so aufgeklärt fein will, wie der eritfioffene Fet- ter, fehlt nickt in diesen Dunkelkammern.

Es ist die alte Geschichte, bie schon in bet Heiden- zcit festzustellen war: je mehr Unglaube, desto mehr Aberglaube. — Der Unglaube, der alles übersinnliche leugnet, geht geaen die menschliche Natur. Der Mensch ahnt mit dem Dichter, daß es zwischen Himmel und Erde doch mehr Dinar gibt, als die „aufgeklärte" Schulweisheit fick träumen läßt. Wenn bet rechte Weg bcs Glauben- dem modernen Menschen ver­rammelt wird, so sucht er sich den Ausweg des A ber= glaubens, um so dem ungelösten Weiträtsel näher zu kommen. Dabei gerat er in den Sumpf des Schwin­dels und des Blödsinns.

Dem Spiritismus liegt die Erkenntnis zu Grunbe, baß es außer bieser sinnlichen und materiellen Welt noch eine Geisterwelt gibt . Zu dieser Erkenntnis kommt der natürliche Drang, mit dieser Geist et wett in Verbindung zu treten. Wie einfach und wie schön be­friedigt nun das Christentum diese Forderung des Kopfes und des Herzens? In diesen Tagen begehen wir wieder die trostreichen Feiettage der „Semeiri­sch a f t der Heiligen", des Zusammenhanges der noch im Fleische lebenden Menschheit mft den Seelen der Vormlsgeaangmen. Wir gedenken derer, die als Heilige verklärt sind unb mit den Engeln gemeinsam vor dem Throne des allerhöchsten Geistes schweben, und wir haben die tröstliche Zuversicht, daß dieses Geden- ken auf Geaenseit!gkcit beruht, indem die bertlärten Vorgänger ihre Fürbitte zu unseren Gunsten einlegen. Und dann beten wir an den Gräbern derer, von denen wir noch nicht sicher sind ob sie zur Vollendung gelangt sind. Wir bitten für sie in der Hoffnung, daß auch für uns in der Zeit der Prüfung gebetet werden wird. Wir verlangen keine Kundgebungen aus der Geister­welt, die von den körperlichen Sinnen wahrgenommen toerben könnten, da wir wissen, daß für einen solchen äußeren Verkehr der Geister mft den Erdenpilgern ein besonderes Wunder der göttlichen Allmacht vollzo­gen toerben müßte. Uns genügt die innere Be­rührung von Seele zu Seele, die Gemeinschaft der Gei­ster im Denken unb Lieben. Das fromme Herz «fiel»

große Anklagerede gegen Mama hielt, der Ferrer- angelegenheit kaum erwähnt. Maura hat vielmehr ab­gedantt weil ihm klargemacht wurde, daß er die Mehr­heit im Parlamente nicht mehr hinter sich habe, welcher Stimmungswechsel aber offenkundig nicht auf die Ver­stellung Ferrers zurückzuführen ist, sondern auf das Vorgehen Spaniens in Marokko. Gegenüber der deutschen demokratischen Presse ist es von Interesse, fesizustellen, daß das neue spanische Kabinett, an des­sen Spitze eben Morret steht, ganz offenkundig in der Verurteilung Ferrers mit Maura übereinstimmte.

^n der Mandschurei ist der seitherige japanische Generalgonvemeur von Korea, Fürst Ito, von einem Koreaner ermordet worden; allem Anscheine nach ein politischer Racheakt, der auf das Vordringen Japans in Korea zurückzuführen ist.

= lieber die Stellung des kathol- Gesellenverems im modernen

Organisationsleben

plaudett Herr Dr. S ch i e l a-Mnnchen in Heft 4 bet Mitteilungen für bie Vorsteher ber katholischen Gesel- (cnöereine* vom 1. Oktober d. I. in einer Weise bie ferbient der Oeffentlichkeit übergeben zu werben, benn nur bann werden die sehr zeitgemäßen Worte ihren ssweck erfüllen. Wir glauben daher bet Sache bet ka­tholischen Geiellenvereine einen Dienst zu erweisen, wenn wir bie Aussichtungen des Hetm Dr: schiela einem größeren Leserkreise zugänglich machen unb sie ihrem wesentlichen Inhalte nach toiebergeben, daran zugleich einige weitere Bemerkungen knüpfend.

„Jene Zeiten", so führt Dr. Schiela aus, „in wel­chen" Kolpings Gesellenverein die einzige soziale Or- gonisation war, sind längst verschwunden. Heute sind iings um den Gesellenverein viele neue Vereine ent- ftarfto und in mancher Stadt, wo früher, noch viel­leicht'vor kurzem der Gesellenverein das Feld be­herrschte, ist jetzt der Mannerverein oder der Arbeiter­verein, der Volksverein oder am Ende gar der Jugend- leretn obenan Anderswo aber hat in den Augen einiger jugendlicher Heißsporne die Gewerkschaft den Gesellenverein gar überflüssig gemacht, unb dieser fri­stet in einem engen Lokal mit 8 oder 10 Mitgliedern ein armseliges Dasein, nicht zum Leben und nicht zum Sterben . „ ,

Wir übertreiben nicht, aber wir mochten doch un­fern modernen „Organisatoren" einmal ernstlich in die Ohren rufen: Das Alte ist nicht immer schlecht und das Neue ist nicht immer gut! Man fiat schon so ost-uachgewiefen, daß der Gesellenverein sich durchaus nicht überlebt hat; aber bie barüber reden und schreiben, sprechen meist pro domo, d. h. Böswillige sagen, sie müßten so sprechen, well Jte für den Gesellenverein engagiert sind. Nun sage ich, aber gerade vorn Standpunkt der andern Organi­sation aus: Der Gesellenverein ist unbedingt notwendig, und e§ sollte heute vielmehr für denselben agitiert und gearbeitet wer­den." Im weiteren Verlauf seiner Ausfiihrungen beweist Dr. Schiela dann, daß weder Arbeitervereine noch Juoendnereine den Gesellenverein ersetzen kön­nen. vielmehr für den Handwerksgesellen der Gestllen- nerein die Organisation ist in der er hin ein gehört, und in bie er mit dem 17. Jahre eintreten soll.

„Der kathol. Gesellenverein ist ein notwendi­ges Glied im Aufbau der kathol. Stanbesvereine", sagt Dr. Schiela und fährt bann fort:

„Eines nur wünschte ich dem katholischen Gesellen­verein, er solle sich nicht in die Ecke drücken lassen, sondern fick breit machen und ausbreiten, soviel er kann. Die Kolpingsmänner find, so scheint mir, von der modernen Entwickelung des katholischen Bereins- wesens etwas überrascht word.en, und einige wissen nicht recht, welche Slellung ste da einnehmen sollen.