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Maer W Zeitung

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Monakbellage: „Zuldaer GeschichkbMer"

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Serantw. Redatteurr LartrchUtter

M 246.

Fulda, Dienslaq den 26. Oktober 1909.

36. Iahrqanq.

Zweites Wtcltt

Ein Abenteuer in Texas.

Urteil eines jüdischen Tagesschriststellers, gegenüber dem römischen Berichterstatter protestantischen Berliner ,Kreuz- Zeitung" gegeben wurde. Und was aus dem Leben

das der ab-

und

Mir sielen sämtliche Erzählungen vom Grenzer­leben ein, die ich jemals gelesen hatte, und da erin­nerte ich mich denn der tröstlichen Tatsache, daß der (befangene jedesmal im kritischen Augenblicke durch Ankunst seiner Freunde gerettet wurde. Das tröstete mich und ich hoffte auf Rettung durch die zu erwarten-

Alex brachte einen etwa dreißig Fuß langen Strick herbei. Die Anwesenheit dieser Leute in unserem Lager und die weiteren Vorgänge waren für nnch so über­raschend, daß ich nicht glauben konnte, man werde mich und meinen Reisekameraden wirklich binnen wenigen Minuten „in die Ewigkeit befördern"', wie die Zeitungen sich ausdcücken, wenn sie das Hängen eines Verbrechers beschreiben. Ich sann darüber nach, ob ein neuer Strick viel bequemer sein würde als ein alter, und ob man uns nach der alten Methode vom Boden in die Höhe ziehen, oder nach der neuen Ma- nier, aufs Pferd sehen und dieses dann durch einen Peitschenhieb unter uns wegtreiben würde.

Die Männer unterredeten sich aber, ob man uns zehn Minuten gewähren sollte, um zu beten oder nicht, und einer schlug vor, uns ein Stück mitzuneh- mcn, bis eine zweite Gesellschaft, die einen anderen Weg eingeschlagen hatte, herbeigekommen wäre um wie er sich ausdrückte, „den Spaß mit anzusehen und an dem guten Werke teilzunehmen".

Die Gegner des Betens, zu denen auch der Füh­rer gehörte, hatten die Majorität. Sie meinten daß Gebete von Pferdedieben jedenfalls keinen Wert hätten und deshalb wäre es zwecklos, mehr Zeit zu verlieren Schließlich tarnen sie jedoch nach längerem Hin- und Herreden überein, daß es pure Selbstsucht wäre, woll­ten ste das Fest ganz allein feiern, und eine ewige Schande, wenn sie durch ihre Ungeduld die abwesen­den Kameraden um den Mitgenuß dieser Ergötzlichkeit brächten. Und so trieben sie denn ihre Selbstverleug- nung so weit, ihre Exekution zu verschieben, bis sie uns an einen Ort gebracht hatten, wo sie verabredet mit den übrigen zusammenzutreffen.

den Taten des Anarchistenlehrers von Barcelona von Stellen mitgeteilt worden ist, die des Sie» rikalismus nicht verdächtig sind, rechtfertigt dieses Urteil. -

Das Ideal der Freimaurerei und des libe­ralen Radikalismus darf ein Schuft sein, wenn dieser Schuft nur „antiklerikal" ist.

hin geht Ihr auch, und wir werden die Mittel liefern, um Euch auf den richtigen Weg zu bringen. Bring' die Stricke, Alex!"

Im Buchdruckereiaewerbe war im Anfang des Monats eine kleine Besserung zu verzeichnen. Von der Metallindustrie sind diesmal sehr wenig Meldungen eingelaufen. Kassel meldet einen starken Andrang von Schlossern und sonstigen der Eisenin­dustrie angehörenden Handwerkem. In einer größe­ren Brückenbauanstalt in der Nähe von Mainz wurden über 100 Mann entlassen. Vom N a hr u n g s m i t- tclgewerbe sind im allgemeinen günstige Berichte i'.ber die Lage des Arbeitsmarktes eingelaufen. Darm­stadt allerdings klagt, daß durch Manöver und Kai­sermanöver im abgelaufenen Monat besonders dem Metzgerqewerbe eine große Anzahl der bisher beschäf­tigten Gesellen entzogen worden sind, sodaß es un­möglich war, auch nur einen Teil der als offen gemel­deten Stellen zu besetzen. Frankfurt meldet, daß von stellensuchenden Gesellen hauptsächlich Stellen in grö­ßeren Wurstfabriken gesucht wurden, welchen Wünschen aber durch die allgemeine Geschäftslage nicht immer entsprochen werden konnte. In der T ab a k i u d u- st r i e hat sich die Lage des Arbeitsmacktes durch die neue Steuer weiter bedeutend verschlechtert. Die mei­sten Tabakfabriken haben ihren Betrieb auf einige Zeit eingestellt. Ein bisher im Verbandsgebiete wenig ver­breitet gewesener Zweig der Industrie, die Anferti­gung aller Arten von Perlenarbeiten ist im Kreise Offenbach in letzter Zeit derart in Aufschwung gekommen, daß ständig Arbeitskräfte gesucht werden. In Seligenstadt wurden beispielsweise 4 Filialen er­richtet, die über 100 Arbeiterinnen suchten. Auch in anderen Gemeinden sind neuerdings Hunderte mit Heimarbeit für die Perlenindustrie beschäftigt. In bet Landwirtschaft herrschte natürlich wie jedes Jahr im September eine große Nachfrage, besonders noch Taglöhnern, die in der Hauptsache für Kartoffel­ausmachen und Obstbrechen gesucht wurden. Die D i e n st b o t e n n o t, wenigstens in den Städten, macht sich nicht ganz so schlimm fühlbar, wie in den Vormonaten, da hier durch die Rückwanderung aus den Saisonstellen in den Bädern, manche Stelle mehr be­setzt werden konnte.

die Annektierung zu zahllosen Verwicklungen führen, wozu namentlich die gleichzeitig erfolgende Einführung der russischen Sprache beitragen dürste, die nur von sehr wenigen gesprochen wird.

* Der nordamerikanische Staatsverband der deutsch-katholischen Vereine faßte auf seiner jüngsten Generalversammlung folgenden Beschluß: „Deutsch soll die Sprache im Staatsverband und den ihm angeschloffenen Vereinen bleiben. Deutsch soll auch in den Familien von den Eltern im Umgang mit den Kindern gesprochen werden." Die Staatsverbände der deutsch-katholischen Vereine treten jährlich als Zentralverein zu einer Generalversammlung zusammen. Der diesjährigen in Indianapolis widmete die,New-Aorker Staais- zeitung' folgende Worte hoher Anerken­nung:

Die alljährlichen Tagungen des deutschen römisch- katholischen Zentralvereins sind schon feit vielen Jahren zu bedeutungsvollen Merksteinen in bev Ge­schieh te des Deutschtums in Amerika ge­worden. Der Zentralverein ilt ein fmter der deutschen Art und ein Pfleger der deutschen Sv racke. Und sür- wahr, wäre die deutsche Sprache allerorten von den .Deutschen so in Ehren gehalten und so getreulich ge­pflegt wie von dem Zentralverein, es stünde heute besser um unsere gute deutsche Muttersprache hier itt der neuen Welt.

— Die Unglückszahl 13 Victor Hugo war eines Tages bei einer berühmten republikanischen Schrift­stellerin zum Diner geladen und mit ihm noch einige Mitglieder des Senats. Die Stunde, wo man sich gewöhnlich zu Tische setzt, hatte bereits lange geschlagen, aber noch immer erschien der Küchenmeister nicht mit der Aufforderung: „Mes­sieurs, ä fable, s’il veus platt!“ Einer der Ein­geladenen, und zwar der Senatspräsident, näherte sich der Dame des Hauses und flüsterte ihr diskret ins Ohr: „Pardon, Madame, ich glaubte, wir wären zum Diner eingeladen?" Die Dame er» Aderte ebenso leise: „Ich bitte tausendmal um Entschuldigung wegen der Verzögerung. Denken e>ie, es ist mir ein Malheur passiert. Wir wollten vierzehn bei Tische sein, aber int letzten Augenblick ließ sich Herr Roycr entschuldigen und ich muß nun noch einen vierzehnten Gast suchen, denn es befindet sich einer unter ihnen, der sich bei dreizehn Personen niemals zu Tische setzen würde." Einen Augenblick später plauderte der Senatspräsident mit Victor Hugo: „Wissen Sie, warum wir noch nicht speisen? Es befindet sich ein Schafskopf unter uns, der sich fürchtet, an einer Tafel mit dreizehn Gedecken teilzunehmen." Victor Hugo, zuerst etwas verblüfft, faßte sich rasch wieder und erwiderte mit feierlicher Stimme: „Der Schafskovf bin — ich!"

Wir hatten von Cuero bis Lrfling zwei Tage zu reiten. In der zweiten Nacht lagerten wir einige Mei­len von letzterem Ort im Walde, und da wir müde waren, schliefen wir trotz des sehr harten Bodens doch recht fest. Als wir am Morgen bei Tagesgrauen er­wachten, sahen wir ein ganzes Arsenal, bestehend aus sechs Winchesterbüchsen und vier Revolvern, auf uns gerichtet und am hinteren Ende einer jeden dieser Schießwaffen stand ein sehr unheimlich aussehender Bursche.

„Hände in die Höh'!" rief der Anführer, ein klei­ner Kerl mit einer langen Vogelflinte auf der Schul­ter, „rasch!"

Hätte er uns — versteht sich, auf höfliche Manier — dazu aufgefordert, uns auf den Kopf zu stellen und die Beine in die Höhe zu strecken, es würde unbedingt such sofort geschehen fein.

„Hat uns verteufelte Mühe gekostet, Euch zu fangen," sprach der Sprecher. „Ihr wißt ja, was Euch bevorsteht. Wir gedenken Euch auf eine längere {Reife zu schicken, als die, zu der Ihr auszogt".

Wir baten die Leute, uns doch zu erklären, was sie eigentlich wollten.

Ausland.

* Finlands Schicksal liegt noch im Unze- wissen. Nur soviel steht fest, daß man Finland dem russischen Reiche vollständig einveileiben will. Es heißt, die Petersburger Regierung werde warten, bis sie volle 40 000 Mann Truppen in Finland versammelt habe, ehe sie ihre Absichten offiziell erklären werde. Russischerseits erwartet man bewaffneten Widerstand, Gewalttaten und einen Generalstreik. Englische Kreise glauben jedoch, daß für diese Befürchtungen kein Grund vorhanden sei. Man sei überzeugt, daß gegen das große russische Reich jede Gegenwehr un­möglich ist. Obwohl diese Ueberzeugung allqe- mein geteilt wird, herrscht doch auch große Be­sorgnis wegen der Dinge, die die Regierung so geheimnisvoll vorbereitet. Zum mindesten wird

volkswirtschaftliches und Soziales.

m Die Lage des Arbeitsmarktes in Hessen. Hessen- Nassau und Waldeck. Der Monat September war bei den gewerblichen Arbeitern viel durch Streiks und Aussperrungen gestört. Besonders in der Hol z- industrle wurde hauptsächlich die organisierte Ar­beiterschaft durch die Aussperrung des Südwestdeut­schen Arbeitgeberverbandes betroffen. Die Arbeitgeber' suchten durch Annoncen, in denen sie teilweise bis zu 10 M. pro Tag den Gesellen boten, Ersatz zu bekom­men, doch 'war der Zuzug nur gering. Die organi­sierte Arbeiterschaft selbst hat die Aussperrung durch einen Streik auf der ganzen Linie beantwortet. Das Ende dieses Streikes ist auch heute bet Niederschrift dieses Berichtes noch nicht abzusehen Bis zum Aus­bruche des Streikes am 20. September, hatte sich der Arbeitsmarkt im Holrgewerbe gegenüber dem Vor­monat wesentlich gebessert. Aus ähnlichen Gründen, wie im Holzgewerbe, brach in der Edelmetall- i tt b u ft r i e in Hanau ein Streik aus, der auch bis heute noch nickt beigelegt ist. Die Zahl der daran be­teiligten Arbeiter ist noch größer wie bei den Schrei­nern, es dürste sich um ca. 2000 Goldarbeiter usw. handeln. Die Arbeitgeber haben sich geweigert, bet abgelaufenen Arbeitsvertraa zu erneuern und wollten eine Arbeitsordnung einfuhren nach dem Muster der anderen Zentren der Industrie, wie Pforzheim, Ober- tem, Schw. Gmünd usw. Ebenfalls in Hanau brach infolge Lohn- und anderer Differenzen ein partieller Streik bei dem Bau des Gaswerkes aus, von dem ca. 80 Arbeiter des Baugewerbes betroffen wurden. \ Dieser Streik ist aber inzwischen auf gütlichem Wege j nach etwa llfägiger Dauer beigelegt worden. Im: übrigen sind von mehreren Stellen im Verbandsgebiete1 Klagen über ungenügende Beschästioungsgelegenhsit, befonber» für Maurer und Tüncher eingelaufen. Auffällig ist daher die lebhafte Beschäftigung in eini- oen Zementfabriken, hauptsächlich in der Umgegend Von Mainz, wo Tag und Nacht der Betrieb aufrechterhal­ten werden muß. Im Vekleidungsge werbe war die Lage des Arbeitsmarktes in der Schuhfabrika­tton gegenüber dem Vormonat unverändert. Im Fri- eurgetoerbe drückte das schlechte Wetter dieses Spätsommers insofern ungünstig auf die Lage des Arbeitsmarktes in den Städten, als viele Gehilfen sckon frühzeitig, Ende August und Anfang September aus den Saisonstellen von den Badem zurückkchrten.

laut im Namen seiner 500 über die ganze Erdoberfläche verbreiteten Logen gegen diese Anmaßung der Bar­barei. Er spricht fein unerschütterliches Bertrauen au: den endgültigen Sieg der Wissenschaft über das Dogma, der Vernunft über den Glauben aus und be­grüßt in Ferrer, dem sehr großen und sehr guten, einen der Märtyrer des freien Ge­dankens.

Da haben wir ganz genau die Sprache, die sich alle radikalen und im Dienste der Loge stehenden Blätter zu eigen machten. Wir haben auch dieErklärungfürdenganzenFerrer- Rummel, der ohne systematische Durchführung eines von „hoher Stelle" ausgegangenen Planes gänzlich unbegreiflich wäre.

In derselben Weise wie die französische ging die belgische Freimaurerei nach der Hinrichtung! Ferrers vor. Die liberalen Blätter Belgiens veröffentlichten einen Ausruf des belgischen Groß­orients „an das belgische Voll", dem wir fol­gende bezeichnenden Stellen entnehmen:

Der Großorient von Belgien teilt die edlen Gesin­nungen, die den Aufruf des Großorients von Irank- rei h eingegeben haben und schließt sich im Namen der belgischen Logen dem entrüsteten Protest an, den letzte­rer an die Freimaurerei aller Länder und an die ganze zivilisierte Welt wider das ruchlose Urteil gerichtet hat, das gegen den Bruder Fran ces o Ferrer ergangen und erbarmungslos ausgeführt worden ist. Möge das Blut dieses neuen Märtyrers den Boden des un­glücklichen Spanien befruchten, um dort die Idee der Freiheit und der Toleranz aui keimen und gedeihen zu lassen, die einzig in diesem Lande dem von Tag zu Tag verwegener auftretenden Treiben einer Geistlichkeil Einhalt tun können, die nach Reichtum und Herrschaft geizt. Möge das belgische Volk angesichts eines so be­dauernswerten Ereignisses sich der Gefahren bewußt werden, denen sich Völker ausletzen, die ihre Geschicke Männern anvertrauen, die unter der Knechtschaft der Kirche stehen. Ehre Ferrer! Schmach seinen Henkern!

„Ferrer verkörperte das freimaurerische Ideal" — so lautet ein Satz in dem Protest des sran- zösischen Groß-Orient gegen die Hinrichtung Ferrers. „Ferrer war der größte Schuft, den ich je kennen gelernt habe!" so lautet das

Mein Sinnen sollte nicht lange dauern, denn plötz- l-ck rief einer der Bande: „Da sind sie — ich höre Bill Eatlings Stimme! Freut mich, daß er dabei ist, denn er hat Hebung in solchen Dingen und fertigt sie im Nu ab."

Vier Reiter sprengten in die Lichtung. „Du kommst gerade recht, Bill, um sie mit abzutun," sagte der Mann mit der Vogelflinte. „Wir haben sie er­wischt — hier sind sie. Ein paar hübsche Burschen, nicht? Und das dort werden wohl Deine gestohlenen Pferde sein." Dabei zeigte er auf unsere Ponies, die in geringer Entfernung von uns graften.

„Das — meine Pferde? Ihr Narren, Ihr habt diesmal den Käfer unter dem falschen Steine gesucht! Die Pferde, welche mir gestohlen wurden, waren ja zwei Hand breit höher, als diese Mähren: und diese Männer da sind rechtschaffene Leute. Sie haben vor­gestern bei meinem Onkel Peter übernachtet. UebrigenS habe ich bereits meine Gäule wiedcrbckommen und einen von den Dieben vor einer Stunde aufgehängt. Wir spürten ihn drüben in dem Moore auf und ließen hn erst gar nicht absteigen, sondern führten einfach den Pony unter ihm weg und ließen ihn baumeln."

„Na, zum Geier," entgegnete unser Einfänger, wenn daS nicht eine Affenschande ist nach aller unserer Mühe! Laßt unS eins trinken. Jungens, und dann ort von hier." Darauf reichte er eine Feldflasche voll Branntwein herum und fügte hinzu: „Aus bessres Glück das nächste Mal! Dies ist das allererbärmlichste Land, das ich se gesehen habe! Kein Vergnügen, hier zu leben Wenn man einmal einen guten Spaß in Aussicht hat — plautzl wird er einem zu Wasser. Warum machten mir’S nicht, wie ich wollte: Erst hängen und dann beraten. Dann gibt es keinen Irr­tum, denn DaS Hängen hat jeder verdient, einerlei wofür. Ich sage: Ein miserables Land!"

Mit diesen Worten bestieg der Mann mit der Vogel- linte fein Pferd und wollte davonreiten. Aber ehe er noch dazu kam, hatte Bill Gatling seinen Revolver gezogen und auf ihn abgedrückt, und der Besitzer der Vogelflinte ging dorthin, wohin et uns hatte schicken wollen, und zwar ohne einen Augenblick zum letzten Gebete.

„Was es bedeutet? Das will ich Euch sagen. ES

„O ja, so macht Ihr es alle! Ihr wißt nie, wo­von die Rede ist. Ihr seid zu gut, um in ordentlicher Gesellschaft zu leben, deshalb habt Ihr so große Eile, fortzukommen, daß Ihr gezwungen seid, Euch Pferde zu borgen und Euch damit auf imb davon zu machen, ohne zu fragen, ob es erlaubt ist."

Run begriffen wir auf einmal unsere Situation — man hielt uns für Pferdediebe. Das war nichts weniger als angenehm, denn es bedeutete so viel als den Tod durch den Strang in allemächster Zeit Wir erboten uns, unsere Unschuld durch Papiere beweisen zu wollen.

„Der Henker hole Eure Papiere!" hieß es Na- «W » & Solche Kerle haben immer Papiere bei sich, scheffelweise! Wenn der Bettler zum Reiter kommt," fuhr der Führer, zu uns gewendet,, lluu, „„„ .w yv||U „v»ulia VU(.W uic jU xrwai fort, „so wißt Ihr, wohin es mit ihm geht. Nun, da-1 den Retter, wiewohl nicht ganz ohne Besorgnis.

Aus öem Nachbargebiete.

* Brückenau, 24. Okt. 1909. Die staatliche Genehmigung wurde erteilt zu der mit einem Kapital von 200000 Mark errichteten Stiftung „Prinz Rupprecht-Erholungsheim" für bayerische Staatsbeamte.

* Grünberg, 24. Okt. 1909. Zur Bekäm» psung des Zigeunerunwesens veranstal­teten die vier Gendarmeriestationen der Kreise Alsfeld und Gießen auf Veranlassung der Pro- vinzialdirekiion eine erfolgreiche Streife. Im Walde bei Weitershain lagerte eine Bande von ungefähr 40—50 Köpfen, die dem dortigen Lehrer das Kraut gestohlen hatte. Die Gendarmerie fteifte die Gesellschaft ein und brachte sie n ich Grünberg in Haft. Die Männer erhiel- n vom Schöffengericht 6 Wochen Haft, die rauen wurden zur Ueberweisung in das Ar- eite haus nach Dieburg gebracht. Kurz vorher aren dem Gericht zwei Familien vorgeführt .mrben, von denen die männlichen Häupter ein­gesteckt mürben, während die Weiber zur Arbeit uf den Warthof kamen.

* Boni Westerwald, 25. Okt. 1909. Aller- orten hört man jetzt nach der Ernte das Surren der Dreschmaschinen-Lokomobile. Es scheint, daß diese nach und nach das mühsame Hand-Dreschen ganz beseitigt. Ein Stückchen ländlicher Poesie wird durch das Schwinden des alten „Klapp- lftpp-llopp", dem Dreischlag der Drescher, aller­dings dem Winter genommen werden, das gute Reue darf man aber auch nicht verachten.

bedeutet, daß dieser Bursche der Bruder des Pferde­diebes ist, den wir gehängt haben. Sie betrieben das Geschäft in Kompagnie, hatten an dreißig Pferde brühen im Moore in einer Umzäunung und wollten sie eben nach Kansas treiben. Sie hatten es fein an= gelegt, sind aber diesmal nicht früh genug aufge­standen."

„Beim Blitz, er Ivar es, der uns zuerst auf die Fährte dieser unschuldigen Leute brachte!" rief ein anderer. „Nun begreife ich, warum er sie so schnell gehängt haben wollte."

Wir dantten Gott ans Herzensgrund, so leicht davongekommen zu fein, denn in Texas werden selbst Einbruch und Mord im Vergleiche mit Pferdediebstahl nur als leichte Vergehen betrachtet.

Die Freimaurerei und derFerrer- Rummel.

Schon nach dem Attentat auf das spanische Königspaar im Jahre 1906, das von einem Lehrer der Ferrerschen Schule, Worral, verübt worden war, setzte die Loge zum Schutze Ferrers ein. Die „Germania", die über die Einzelheiten Mitteilungen bringt, stellt fest, daß es in dem Bericht des Br. Sprecher über die Tätigkeit der Loge in Antwerpen für das Jahr 1906/1907 heißt:

Die Loge hat em Komitee zu Gunsten Ferrers eingesetzt. Das Komitee hat sich außerhalb der Freimaurerei gestellt (ext£riorise heißt der Ausdruck in den französischen Logen) und ein großes Komitee ge­bildet, das aus allen antiklerikalen Gruppen zusammengesetzt ist. In allen Sektionen der Stadt sind Versammlungen veranstaltet worden, Petitionen gingen in den verschiedenen Vereinen rund, um die Haftentlassung Ferrers zu verlangen. Die Listen wur­den dem Verteidiger zugeschickt und dem Könige von Spanien eine Adresse.

Nun wissen wir also, wie die Loge bei einer Stimmungsmache verfährt. Es wird ein Komitee gebildet, das dann das Logengewand abstreift und die Antiklerikalen mobil macht, sodaß die eigentlichen Drahtzieher verborgen bleiben. Als dann bei der kriegsgerichtlichen Verfolgung der Greuel von Barcelona Ferrer verhaftet wurde, setzte die Loge sofort wiederum alle Hebel in Be- wegung, um ihn der irdischen Gerechtigkeit zu entziehen. Die Generalversammlung des „Groß­orient" von Frankreich faßte folgenden Beschluß:

Die Generalversammlung des Grand Orient, sorg­sam bedacht, sich nicht in die innere Politik der Staaten einzumischen (!) aber treu ihren hochherzigen lieber» lieferungen der Solidarität mit den Opfern der Unter­drückung und des Fanatismus, (!) richtet an Ferrer und an alle, die in Spanien für die Freiheit und Ge­rechtigkeit leiden (sic!), den Ausdruck ihrer Sympathie. Sie erwartet von den Uebetgriffen der zügellosen Reaktion selbst das prompte Eintreffen einer Aera der Gewissensfreiheit und des sozialen Friedens in dem necktzeborenen Spanien.

Diese Sympathiekundgebung ist deshalb von besonderem Wert, weil nachweisbar die gemein­gefährliche Tätigkeit Ferrers dem Großorient bekannt war; denn in dem Mitgliederverzeich­nis für 1902 (März—Mai) wird er S. 85 aus­drücklich als Anarchist bezeichnet. Das nutf! ein bezeichnendes Licht auf die Gesinnung und die Ziele der Freimaurerei, wenigstens der fran­zösischen.

Nach Ferrers Hinrichtung hat der Rat des Pariser Großorient sofort den Beschluß ge­faßt, an alle freimaurischen Mächte der Welt und alle Logen eine Protesterklärung gegen das Urteil und dessen Vollziehung ergehen zu lassen. In diesem Schriftstück heißt es u. a., der Groß­orient sei „tief ergriffen" von dem politischen Prozeß, dem Ferrer zum Opfer gefallen sei, und das Urteil sei „ohne Garantie". Dann kommt noch einmal eine sehr beachtenswerte Solidaritäts- Erklärung:

Ferrer war einer der unfrigen, denn er wußte, daß im Geiste der Freimaurerei das höchste Ideal (!) zum Ausdruck kommt, das der Mensch verwtrllichen kann. Bis zum Ende bekannte er die Grundsätze der Brüderlichkeit, der Gedanken­freiheit, der Toleranz (!). Der Großorient Frankreichs, getreu seiner zivilisatorischen Bestimmung, protestiert