MaerW Zeitung
MoEellage: „Zuldütk GeschWMAter"
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verantw- Redakteurr Larl Schütter
M 244.
Fulda, Samstag den 23. Oktober 1909.
36. Jahrgang.
Wiertes HZLcctt
Zweck benutzen. Es ist irregeleitetes Sehnen nach den Höheren, Geistigen, das solche Verirmngen schafft. Solange es Unglauben und Seftiererei gibt, wird es auch solche Auswüchse geben: steilich zeitigt sie die religionslose Gegenwart in erschreckend erhöhtem Maße.
— Verbote gegen den LuxuS amerikanischer Verkäuferinnen. Die Warenhausleiter von Rewyock, Phftadelphia und Chicago haben sich genötigt gesehen, gegen die allzu luxuriöse Kleidung ihrer weiblichen Angestellten Besttmmungen zu erlassen, und sich da- durch begreiflicherweise deren lebhaften Unwillen zu- gezogen. „Tie Verkäuferinnen ziehen sich zu schick mr, das ist die Klage der Mehrzahl der Kundinnen. Es ist den Damen unangenehm, von einer Verkäuferin bedient zu werden, die sie an Eleganz der Kleidung weit übertrifft. So zahlreich liefen die Klagen bei den Leitunaen der Warenhäuser ein, daß diese sich gezwungen sahen, energisch Front zu machen gegen den übergroßen Luxus ihrer Veckäuferinnen. Wie eS scheint, haben aber die Geschäftsleiter die Rechnung ohne den Wirt gemacht. In vielen Häusern setzen die jungen Damen diesen Bestimmungen heftigen Widerstand entgegen. Sie wollen streiken '••»ui die Gebote nicht aufgehoben werden.
Hartnäckige und anhaltende Vielesser haben fast stets Beschwerden irgend welcher Art. Diejenigen, bei denen dec Magen zuerst gegen die Mißhandlung sich wehrt, sind noch am besten daran, denn sie müssen wohl oder übel ihre schlechte Gewohnheit bezwingen. Meist haben die Leute schon viele Jahre lang eine starke Magenerweiterung, ohne daß sie es merken, bis dann langsam die Beschwerden kommen, die zuerst nicht beachtet werden, schließlich aber doch beachtet werden müssen. Bei vielen hat sich derweilen schon eine ziemlich erhebliche Leberverfettung eingestellt, andere haben zu viel Fett am Herzen. Fast alle leiden unter einer trommelartigen Auftreibung des Leibes, die ihnen das Atmen erschwert, kurz, es führen fast alle ein ziemlich unbehagliches Dasein, das noch durch die allgemeine Vollsaftigkeit und Nervosität verschlim- mett wird. Tie Fachbücher der Nervenheilkunde berücksichtigen im allgemeinen die Vielesserei als Ursache der Nervosität in keineswegs genügendem Maße. Es gibt Nervöse, die lediglich deshalb nervös sind, weil sie zu viel und zu gut essen, und die sich in den Sanatorien lediglich deshalb erholen, weil man ihnen den Brotkorb etwas höher hängt.
Vielesser haben meist nicht das Bewußtsein der Unmäßigkeit, weil sie beständig ein Hungergefühl haben. Das kommt von der Magenerweiterung. Wenn es gemeinhin ein wahres Wott ist, daß der Appetit beim Essen kommt, so trifft das im besonderen bei Vielessern zu, die manchmal von einer gründlichen Mahlzeit hungriger aufstehen, als sie sich hingesetzt haben. Für solche Leute gibt es schließlich kein anderes Mittel, als sich nach vernünftigem Ermessen eine bestimmte Portion zuzuteilen, von der ein normaler Mensch satt werden kann und dann einfach mit dem Essen aufzuhören, gleichviel ob sie ein Hungergefühl haben oder nicht. Sie muffen sich einfach auf ihre Vernunft verlassen, denn auf ihren Magen können sie sich nicht mehr verlassen, da dieser schon längst alle Fähigkeiten eingebüßt hat, als „Barometer" für das Nahrungsbedürfnis zu dienen.
ES ist anzunehmen, daß von Anbeginn jeder Stagen die natürliche Fähigkeit besitzt, das normale Nah- mngsbedürfniS anzuzeigen, insbesondere aber gegen em Uebermab der Nahrung sich ju wehren. Das Tier
frißt nie zuviel, auch kleine Kinder hören auf zu hinten, wenn sie satt sind. Aber da kommt nun die „Erziehung" durch die Eltem, die in der Ernährungsfrage sich nicht selten zu Grundsätzen bekennen, wie sie in der Viehmast üblich sind. Die Kinder sollen dick werden und zwar mit aller Gewalt. Es gibt Kin- der, die auffällig, ja fast beängstigend wenig essen. Man wird dann gut tun, sie untersuchen zu lassen, ob sie vielleicht krank sind; findet sich aber nichts Krankhaftes, so soll man die Kinder in Ruhe lassen, selbst wenn sie dünn und mager bleiben. Die Art ist manchmal gesunder als die Dicken. So ein junges Kind von 2—3 Jahren.hat die Vemunst, mit dem Essen aufzuhören, wenn es satt ist, die Eltern aber haben nicht selten die Unvernunft, dem armen Wurm das Essen hineinzuprügeln, und meinen noch Wunders, wie lie- bevoll und vorsorglich sie sind. Cs gibt Familien, wo keine Mahlzeit vorübergeht, ohne daß nicht ein Kind Prügel kriegt, weil es nicht soviel essen will, wie die Eltem cs für nötig halten. Unter dem Einfluß dieser Zwangsmästung überwinden dann die Kinder den Ekel des Ueberfüttems, ihr Magen gewöhnt sich an übernatürliche Mengen, bald fängt der Wohlgeschmack an, zu locken, während der Magen aufhött zu warnen, und der kleine Fresser ist fertig.
Wenn alle? gut geht, wird der Junge erst in höherem Alter krank, nachdem er sich total außer Rand und Band gefüttert hat; manchmal aber wird er schon als Kind krank, worüber sich die Eltem dann sehr wundem, da sie es an der kräftigen Ernährung nicht haben fehlen lassen. Sie vergessen nur dabei, daß Ernährung und Mästtmg zwei verschiedene Dinge sind. Der Vielesser wird nicht geboren, sondern erzogen.
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y Spiritisten-Schwindel.
Die „Stadt der Intelligenz", die Reichshauptstadt, die mit Nasenrümpfen auf die „umliegende Provinz" herabblickt, hat wieder einen Beweis dafür geliefert, wie dunkel es in ihr ist, so dunkel wie in keiner Ecke des deutschen Landes.
Es ist ja kein Einzelfall, es ist eine Kette von Erscheinungen, die dartun, wie der Aberglaube im „intellektuellen" Berlin blüht. Man erinnert sich noch des Prozesses gegen das Blumenmedium Anna Rothe, der vor 5 Jahren einen großen Schwindel des Spiritismus offenbarte. Fn den Vortragen in der Physio- foz-schett Gesellschaft, die im vorigen Herbst gehalten wurden, konnte die bemerkenswerte Tatsache verzeichnet werden, daß der Spiritismus recht erheblich zugenommen habe. Alle möglichen Volksschichten nehmen an dem Treiben teil und lassen sich von ben Taschenspielern an der Nase hemmfiihren.
Nachdem der Leipziger Astronom und Physiker Zöllner im Jahre 1874 seine Theorie von der Dier- ten Dimension aufgestellt hat — er „bewies", daß es außer Länge, Breite und Höhe noch eine vierte Dimension gebe, die der mit dreidimensionalen Begriffen ausgestattete gewöhnliche Sterbliche allerdings nicht fassen könne — hat sich die Wissenschaft mit dem Spiritismus vielfach beschäftigt, der so zur Lehre der „Wff- fenschast von der vierten Dimension" ivurde. Mit solchen Dingen allerdings befaßt sich der landesübliche Spiritismus wenig. Sein Hauptgebiet ist das Herbei- cufen der „Geister". Dazu wird gewöhnlich das Tischrücken und das Klopfen benutzt.
D»r neue Fall, den die Reichsstadt aufzuweisen hat, ist der Spiritisten-Schwindel der Frau An n a A b e n d und ihres Mannes Anna Abend befaßte sich mit dem Geisterzitieren, wofür also wohl das größte Jnterefse vorhanden ist. So eine Unterhaltung mit Verstorbenen hat doch einen gar zu großen Reiz und wird auf naive Gemüter stets den größten Eindruck machen. Jedenfalls aber ist es eine verhältnismäßig leicht ausführbare Methode, bei der natürlich mtndestens zwei zusammen arbeiten müssen. Anna Abend hat den spiritistischen Schwindel in Gemeinschaft mit ihrem Gatten ausgeführt.
Zu den regelmäßigen Sitzungen lourden, wie die Berliner Blätter nielben, insbesondere die Mitglieder der „Loge zur Himmelspforte" herangezogen. Diese hieß erst einfach Loge. Auf Befehl eines „Geistes" wurde dann eine „Himmlische Loge" daraus, bis endlich wieder ein „Geist" befahl, daß die Soge „Zur Himmelspforte" heißen solle. Ihre Angehörigen setzen sich zum größten Teil aus gläubigen Anhängern der Anna Abend zusammen. In den Sitzungen, die min- bestens einmal im Monat stattfanden, wurde allerhand
* Mstzlosr Ester.
Gegen die Unmäßigkeit im Genuß alkoholischer Getränke ist in allen Kulturstaaten der Welt eine Agitation im Gange, die äußerst segensreich wirkt. Gegen die Unmäßigkeit im Essen ist noch kein Prediger aus- gestanden, vielleicht weil niemand Lust hat, den Prediger in der Wüste zu.spielen. Die populären Belehrungen über Ernährung betonen fast ausschließlich die Gefahren, die aus einer Unterernährung entstehen, lassen aber die Gefahren der Ueberfütterung ganz außer acht. Es ist ja auch durchaus richtig, daß die Unterernährung, sei es nur, daß allgemein zu wenig gegessen wird, fei es, daß ein Mangel bestimmter Nährstoffe vorliegt, mit Sicherheit dazu führt, daß schließlich der Gesamtaufbau des Körpers leidet. Ebenso richtig ist es aber auch, daß es nur wenige Menschen gibt, die auf die Dauer sich jede Maßlosigkeit im Essen erlauben können, ohne schließlich ihre Gesundheit mehr oder weniger empfindlich zu schädigen. Der Alkohol stiftet viel offensichtliches Unheil, die Viel- fresserei macht mindestens ebenso viel schleichendes Leid, wenn auch meist die Beteiligten es nicht mehr wahr haben wollen, daß ihr Unbehagen oder gar ihre schwere Krankheit von Uebermaß im Essen herrühre.
Während die Wissenschaft halbwegs in der Lage ist, die unterste Grenze dessen zu bestimmen, was ein einzelner Mensch an Eiweiß, Zuckerstoffen, Fetten und Mineralien für den Aufbau und die Erhaltung seines Stoffwechselgleichgewichts braucht, ist sie nicht in gleicher Weise in der Lage, die Grenzen zu bestimmen, wo die Ueberfiitterung beginnt. Die Fähigkeit der Nahrungsaufnahme ist bei den einzelnen Menschen verschieden groß; manche können enorme Quantitäten verschlingen und werden nicht einmal dick, andere verfetten förmlich, obwohl sie nicht mehr essen, als allgemein üblich ist. Das hängt im wesentlichen von der Bereitwilligkeit ab, mit der der Magen und der Darm die zugeführte Nahrung aufnehmen, zersetzen und dem Gesamtstoffwechsel zuführen. Wird die Nahrung im Körper stark ausgenutzt, so gibt das eine andere Bilanz, als wenn sie wenig ausgenutzt durch den Körper geht. Mm kann demnach keine allgemeingültigen Zahlen dafür angeben, von welchem Quantum an ein Mensch als Vielesser bezeichnet werden muß, aber die landläufige Anschauung, die ein Ueberschreiten des Durchschnittsmaßes für bedenklich erklärt, trifft so ziemlich das Richttge.
Eigentümlich ist auch, daß der Hai nur in gewissen Meeresgegenden für gefährlich gehalten wird. Dies dürste nicht sowohl durch seine Art, als durch den Ueberfluß oder Mangel an Nahrung in den betreffenden Meeren bedingt sein. So sind die Haie an der ÄuftebeS Steten Meeres, des Indischen Ozeans und des Mlttelmeeres mit Recht gefürchtet, während sie im allgemeinen an der Küste Chinas und Japans für un- gefajtficb geeiten werden. Aber gerade hier ist der Fsschreichtum sehr groß, auch ist sonst Ueberfluß an Nahrung in jenen Seewässern vorhanden In den belden obengenannten Ländern gelten zurzeit noch die Haifischflossen als eine der größten Delikatessen, und erscheinen, zu Gelee verarbeitet, auf den Tischen der Neichen.
In Europa wurde früher die Leber des gefangenen Hn'es wegen ihres Fettgehaltes auSgcfotten Aber ^"tMage wird das Angeln dieser Tiere nur noch auf die durch Windstille zu unfreiwilligem Stillstand gezwungen sind, zum Zeitvertreib vorgenom- men. Ganz anderes Interesse an diesem Raubgesellen des Meeres, von denen es übrigens neben den unaefü- gigen auch viele zierliche Arten gibt, als der Laie hat der vergleichende Anatomiker und der Paläontologe.
Der Körper des Haies bietet nämlich der Absonderlichkeiten viele. Vor allem ist an einem lebenden an Bord gezogenen Hai die außerordentliche Biegsamkeit des ganzen Körpers bemerkenswert, so daß es scheinen möchte, als ob der Fisch keine Knochen im Leibe hätte. In der Tat haben diese Tiere auch nur ein aus Knorpel bestehendes Skelett, wie es andere Wir- belttere nur im embryonalen Zustande besitzen, bei denen die vollständige Verknöcherung des Knörpel- fleletts in ihrer frühesten Jugend vollendet wird. Die Haie leben also mtt einem Skelett, wie es bei den Wirbeltieren nut in bet allerersten Anfangsentwicklung oorzukommen pflegt. Zettlich müssen sie überhaupt als Vorläufer der SBirbettiete betrachtet werden
In jener Urperiode, die als die „filurische" bezeig net wird, in der noch kein echtes Wirbeltier vorkommt und auch nur niedere Krebstiere und Muscheln die Meere bevölkert haben, mußten schon die Vorfahren der jetzigen Räuber der Meere ausgetreten sein. Aus jener Zett find uns allerdings keine Skelette überkommen, wohl aber Zähne. In späteren Erdpertoden treten die Haie zahl- und artenreicher auf und erreichen in der Tertiärformation ihre höchste Entwicklung. Einige
Exemplare hatten eine ungeheure Größe, wie man aus den im Muschelmergel gefundenen Zähnen entnehmen kann, die an der Basis 4 Zoll breit und längs des Seitenrandes gemessen 5 Zoll lang find!
Ueberaus häufig sind die fossilen Haifischzähne besonders in Tertiärablagen. Sie werden in Ostasten namentlich von den Chinesen und Japanem gesammelt, und man sieht sie häufig in Tempeln als „Dra- cheklauen" ober „Schlangenzähne" ausgestellt. Besonders als jene werden sie oft dem gläubigen Publikum von dem Götzevpriester gezeigt und dazu eine Schauermär erzählt, daß manchem Bäuerlein dabei die Haare zu Berge stehen. Auch wandern solche Zähne nicht selten in die javanische oder chinesische Apotheke, um, zu Pulver zerrieben, als „äußerst wirksame" Arznei zu dienen!
In bei Neuzeit sind die meisten Gattungen der fossilen Haie ausgestorben, und nur noch wenige Arten bevölkern, di: heutigen Meere. Von diesen alten Geschlechtern hat sich an der chinesisch-japanischen Küste eine seit der Silurzett durch alle Erdperioden beinahe unveränderte Gattung erhalten, — sie ist als der „Port Jackson-Hai" bekannt, und zweifellos sind diese uralten Meeres-Hyänen in jenen Gegenden noch lange nicht auf die Aussterbeliste zu setzen, beim erstlich stellt man ihnen nur sehr selten nach, sodann aber haben diese Raubritter der See dort eine unerschöpfliche Fülle von guter Nahrung; denn der Fischreichtum in jenen See- wässern ist ganz außerordentlich.
△ Die „Hyäne" des Meeres.
Heber das Vorkommen und die Lebensweise der Haie macht sich die „Landratte" zumeist ganz falsche Vorstellungen, unb bet Neuling, der zum ersten Male auf einem großen Ozeandampfer jene Meere befährt, die ihm auf der Schule als die Heimat dieser Seeraubtiere bezeichnet worben sind, wird sich arg enttäuscht sehen, wenn er, was leicht der Fall fein kann, keinen Hai zu Gesicht bekommt. Denn das Weltenmeer ist ja so groß, so groß, und die Zahl dieser Meereshyänen im Vergleich hierzu eine ganz verschwindend kleine.
So verschieden nun auch ihr Artenreichtum sein mag, in zwei Punkten stimmen sie alle überein — ihrer Faulheit unb ihrer Freßgier. Bei schönem Wetter und glatter See, — ist diese bewegt, so zeigt sich der Hai Überhaupt nicht, — kann man bei längeren Reisen allerdings häufig in einiger Entfernung vom Schiffe einen länglichen Gegenstand über Wasser hervorragen sehen; es ist dies die Rückenflosse dieses Seeraub- tiere3, das hier ruhig liegend auf Beute wartet. Ohne sich $u bewegen, läßt der Hai das Schiff vorüberfah- ren, bis die Wellen des Kielwassers ihn erreichen. Dann aber kommt Leben in die Flosse, — man sieht, wie das Tier plötzlich in das Kielwasser des Schiffes hineinschwimmt und dort nach Abfällen sucht. Bald ist aß er, die Flosse dem Auge wieder verschwunden, denn bei der Geschwindigkeit, mit der unsere Dampfer gegenwärtig zumeist fahren, kann außer dem Delphin, der sich spielend kurze Zeit um das Schiff herumbewegt,. kein Meeresbewohner auf längere Zeit diesem folgen. Daß die Haie ober irgenb welche andere Seetiere einem Dampfer tagelang folgen könnten -- man lieft dies ja so häufig in Reisebefchreibungen —, ist eine Sage, die „ad acta* gelegt zu werden verdient.
Und doch dürste die Frage oft gestellt werden — auch ist sie ja nicht unberechtigt —: „wamm ist denn der Hai als Menschenfresser so gefürchtet?" Nun, die Antwort darauf lautet: „weil er ein freßwütiger Ge- lcgenheitsdieb ersten Ranges ist." Wenn sich etwas in der Nähe feines Aufenthaltsortes rührt, so schießt er blind daraus los und sucht es zu verfchlinaen. Seine Bewegungen sind bann außerordentlich schnell unb kraftvoll. Sein Gebiß ist mit einer Menge scharfer, breieckiger Zähne gespickt, sein Angriff ist baßer immer verhängnisvoll, wenn dem Angegriffenen nicht ein günstiger Zufall zu Hilfe kommt.
Berüchttgt sind die Haie bes Jnbischen Ozeans, die mitunter durch den Südwestmonsum, also in der Zeit vom April bis zum Ottober, wenn diese Winde wehen, auch in das Rote Meer getrieben werden. Sehr häufig hört man bann, baß dieser ober jener „Schwarze" durch bie Meereshyäne ein Bein oder einen Arm verloren hat, wenn er beim Kamps mit dieser nicht gar ertrunken ist. Denn so groß ist auch das Maul des größten Haies nicht, daß ein ganzer Mensch darin verschwinden könnte.
Der besonderen Erwähnung verdient auch hier, daß dieses Tier sich erst ,auf den Rücken legen muß' um seine Beute erhaschen zu können, — hierzu zwingt ihn die eigenartige Bildung seiner Kiefern. Hat er nun, fegen wir, einen Menschen beim Arm ober Bein gepackt, so beißt er diesen etwa auch nicht ab, sondern er dreht ihn ab, indem das Tier sich ungemein schnell herumdreht. Die sogenannten Tigerhaie, — man findet sie in Unzahl bei der Insel Haiti vor, — brauchen sich allerdings nicht auf den Rücken zu werfen, um ihrer Beute habhaft zu werden. '
Hokuspokus getrieben. Eröffnet wurde sie mit frommen Gebeten und Siebern; dann gab es Offenbarungen der Zukunft. Aus schwarz lackierten Käfigen wurden „Lebenskörner" herausgenommen unb in eine große, bis an den Rand mit Sartb gefüllte Holzschüssel gelegt. Aus dieser erhielt jedes Mitglied nach einigem Schütteln seinen Anteil auf eine vor ihm stehende kleine Molle. Jenachdem, was es bekam, hatte es Glück oder Unglück zu erwarten. Das Medium, Anna Abend, das während der Verteilung in Trauer, d h. den spiritistischen Traumzustand fiel, deutete ihm sein Schicksal näher. Zur Bezeichnung der „himmlischen Brüder* bienten alle menschlichen Eigenschaften und alle Namen des Men und des Neuen Testaments. So gab eS himmlische Brüder der Liebe, des Trostes, der Sanftmut ufw. Alle diese Brüder sprachen hin und wieder durch das Medium zu den versammelten Gläubigen. Mindestens einmal im Jahre ließ sich auch der himmlische Bruder Petrus vernehmen; er kündigte Sedesmal an, daß von diesem ober jenem Tage bis zu iem und dem Tage keine Antwort auf irgend eine Frage aus der Geisterwelt erteilt werden könne; es feien so lange — Ferien. Diese Ferien traten jedesmal ein, wenn das Ehepaar Abend das Bedürfnis empfand, eine Reise zu machen. Und dieses Bedürfnis trat jedes Jahr ein.
Aus welcher Quelle die „Himmlischen Offenbarungen* des Mediums auf den verschiedensten Gebieten wirklich stammen,, zeigt ein Jnformationsbuch, das von der Kriminalpolizei beschlagnahmt wurde. Es enthält kurze Aufzeichnungen über bedeutende Persönlichsten und Ereignisse. Diese Angaben find augenscheinlich aus Geschichtsbüchern oder einem Konversations- Upton abgeschrieben oder zusammengestellt. Bei ihren Vorbereitungen auf eine Sitzung lernte das Medium ste auswerwig, unb es wußte bann auf bem Gebiete, sich vorgenommen hatte, wenigstens einigem maßen Bescher^ Damit ist aber diese Geistertätigkeit in ben 2lbenbf$en Kreisen noch nicht erschöpft. Die guten Geister fanbten vielmehr auch Blumengrüße, mit Vorliebe aus Italien; einmal trafen auch Apfelsinen ein. Zum Leidwesen der Frau Abend und ihrer Gläu- I'igen hat die Knminalpolizei jetzt die wirkliche Her- Ulnst der Kinder Floras entdeckt. Sie fand noch die Kiste, in denen Blumenhändler sie an eine Deckadresse bL • 3®n^ftra6e sandten. — Genug von diesem Schwmdeltreiben. Man fragt sich erstaunt, wie daraus Leute mtt gesundem Menschenverstand unb Leute von Oberer Dilbung hereinfallen können. Der Gmnb liegt tiefer. Vvn ber Großstadt Berlin greift der Unglaube r-nne e8 kompetente Stellen bestätigen - fürchterlich gm H Und der Sohn bes Unglaubens ist der
"gl°ub e^ Der Geist des Menschen will und ^er die rohe Sinnsalligkeit hinaus; fehlt ihm ber Ititenbe Kompaß, so irrt er in bem transzentralenReich toim £ne ^ute der tollsten Vorstellungen- & geschickter Betrüger kann sie bann leicht zu diesem
Allerlei.
— Das Littherzimmer auf ber Wartburg hat angeblich burch mangelnde Vorsichtsmaßregeln stark gelitten. Der Tisch ist durch viele Messerschnitte ber« unziert, die Bettstelle hat zum großen Teil durch neue Tischlerarbeit ersetzt werden müssen, weil zu viele Splitter „zum Andenken" mitgenommen worden sind; die Fensterscheiben sind zerkritzelt, der.Wandputz an der berühmten Tintenfleckenstelle, der übrigens schon wiederholt „anfgefrischt" wurde, ist in zahllosen Stückchen abgepröckelt und in die Taschen der Besucher versenft worden. — Wird nicht der Evangelische Bund, bet sich gelegentlich mich über die Reliauienverehmng in ber katholischen Kirche ausregte, diesem Reliquienkulte zu Leibe rücken? "
— Englänberei. (Aus der Sprachecke des dclitscheu Sprachvereins). Von Jahr zu Jahr mehren sich die englischen Fremdwörter in unserer Sprache. Englisch wird leider immer mehr und mehr Trumps. Wie in früheren Jahrhunderten unter dem Einfluß der „galanten Mode* französische Wörter massenhaft in unser Deutsch eindrangen, so erleben wir jetzt eine Ueberflutun g unserer Mutt er spräche durch englische Ausdrücke. Um diesem Uebel zu wehren, veröffentlichte vor zehn Jahren Hermann Dünger einen in Deutschland sowohl wie in Amerika sehr freundlich aufgenommenen Vortrag: Wider die Engländerei in der deutschen Sprache. Jetzt ist von diesem eine völlig unbearbeitete und vielfach vermehrte Auflage erschienen unter dem Titel: Engländerei in der deutschen Sprache, Verlag des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins, F. Berggold, Berlin, Preis 1,20 M. Wie stark sich leider, gerade wie einst die französische, so jetzt die englische Wörterschar in den letzten Jahren vermehrt hat, beweist zur Genüge der Umstand, daß das neue Buch fast fünfmal so groß ist wie das alte. In frischer, lebendiger Darstellung zeigt der Verfaffer, wie diese englische Wörter bei uns einbringen, in Namen und Geschäfts« bezcichnungen, im häuslichen und öffentlichen Leben, in Gewerbe und Handel, in Wissenschaft und Technik, in Schrifttum und Zeitungswesen, und ganz besonders Sport. Neu hinzu gekommen sind Abschnitte über Lehnwörter aus dem Englischen, Uebersetzung englischer Wörter und Wendungen, Engländerei in Seemannsprache, fehlerhaftes Englisch, Einfluß des Englischen auf die deutsche Schreib« und Ausdrucksweise, Buchstabenwötter (Hapag, Damuka) und Kurzwörter nach englischer Art (Konsuls, Osram). Das Buch verdient von allen, die ihre Muttersprache lieben, gelesen und beherzigt zu werden. Möchte es doch dazu beitragen, daß nicht gedankenlos immer neue englische Wörter eingeschmuggelt werden in unser geliebtes Deutsch! Ist es nicht wahr- hast albern, daß wir Deutsche von Globetrotters, Natives, Girls, Niggers, Snobs, Messenger-Boys, reden, daß überall gcengländert wird, vom Baby und feiner Nurse bis zur Lady Patroness und vom Vacuum-Cleaner bis zum Vocal Recital? Ist denn unser so bildsame Sprache so reich wie keine zweite auf der Welt? Sorge jeder an seinem Teil dafür, daß sie nicht auch zu einem so häßlichen Zerrbild werde, wie es gewisses amerikanisches Deutsch ist, von den Dünger ergötzliche, aber im Grunde traurige Beispiele anführt 1