Maer W Zeitung
3&yÄs!L wscheildeilage: Illustrierte Ssnntagszeitung"
Fulda, Freitag den 22. Oktober 1909.
36. Jahrgang.
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“r Staat da, oder ift der Staat für die Men- will man der Kirche beikommen. fmPM <Vt ? cvxr v . ~
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Äleines Feuilleton
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üotationrdruckund Verlag der Fuldaer Al- üendruckerei in Fulda Fernsprecher Nr. 9.
Monatsbeilage: „Fuldaer GeschichtsbMer"
Meine Herren, das ist dasselbe Ideal, das auch die Sozialdemokraten haben; sie sagen c5 nur mit etwas gröberen Worten. So sagt Liebknecht auf dem Parteitag in Halle: Die Schule must gegen die Kirche mobil I gemacht werden, der Leherr gegen den Pfaffen.
Auf dem Gebiete der Schule herrscht vollständige Seelenverwandtschaft zwischen Liberalismus nnb der Sozialdemokratie. Die Sozialdemokraten sind eben nichts anderes als die konsequenten Liberalen, sie sind die legitimen Söhne des Liberalismus.
Meine Herren I Ist es eigentlich zu begreifen, daß die mahgebenden Männer, Regierung und Minister, auf diesem verhängnisvollen Wege den Sozialdemokraten freiwillig einen solchen Schritt entgegen tun?
Die Sozialdemokratie hat das Religionsseindliche, was in diesem Schritt der Arnsberger Regierung liegt, mit natürlichem Instinkt sofort erkannt und ein sozialdemokratischer Abgeordneter in Dortmund hat dem Regierungspräsidenten Bake seine Anerkennung und Zustimmung ausgesprochen. Sollte nicht diese öffeut- lrche mid feierliche Zustimmung der Sozialdemokratie dem Herrn Regierungspräsidenten das Gewissen ein wenig unruhig niachen und ihni zeigen, wem er den Weizen in die Scheuern fährt?
Meine Herren! Wir Katholiken halten mit aller Entschiedenheit fest an dein Recht der Eltern an der Schule. Es ist ja beinabe, als wenn die Kinder eine rechtlose Sache lvaren, womit der Staat nach Belieben schalten und walten kann! Sind denn die Menschen
Aus dem Nachbargebiete.
* Aus dem Kreise Hünfeld, 19. Okt. 1909. Im Interesse der öffentlichen Gesundheits- p f l eg e bittet der Herr Landrat die Aerzte, ihm oder den Bürgermeistem Fälle von Lungen- oder Kehlkopftuberkulose alsbald mitzuteilen. Bei einem Wohnungswechsel solcher Kranken sollen die Bürgermeister unverzüglich Anzeige beim Landratsamt erstatten damit eine gründliche Desinfizierung der Wohnungen vor ihrem Beziehen durch neue Mieter veranlaßt werden kann. Für unbemittelte Wohnungseigentümer trägt der Kreis die Kosten der DesinfeMon. — Büx-
gewissermatzcn ein Vorläufer der Kriegserklärung des Staates an die Kirche auf dem Gebiete der Schule.
Die Verfügung der Regierung zu Arnsberg ist ein Wetterleuchten, das uns den Kulturkampf um die Schule ankündigt.
Meine Herren! Der Kaiser Diokletian batte gegen die Kirche einen blutigen Kulturkampf geführt. Mit allen Mitteln der Gesetze hatte er die Kirche zu vernichten gesucht, es war ihm nicht gelungen. Die Kirche, durch Martyrerblut gedüngt, wuchs jugendfrisch empor. Sechzig Jahre später kam der abtrünnige Julian. Auch er wollte die Kirche vernichten, aber er fing es anders an. An der Stelle des offenen Kampfes mit den Mitteln der Gewalt setzte er den schleichenden Kulturkampf auf dem Gebiete der Schule. Er schloß alle christlichen Schulen, die Christen sollten gezwungen sein, ihre Kinder nur in heidnische Schulen zu senden, und so wollte er dem Christentum den Lebensnerv unterbinden. Gott sei Dank regierte er nur zwei Jahre, ein Gottesgericht setzte seinem Leben ein Ende und damit seinen Plänen.
Meine Herren! Der Liberalismus hat den Kampf gegen die Kirche, in erster Linie gegen die katholische, den Kampf gegen Rom mit allen Mitteln der Gewalt geführt im verflossenen Kulturkampf. Es sind 40 Jahre her, als in dem Berliner Klostersturm auf die Dominikaner in Moabit das erste Wetterleuchten des kommenden Gewitters iich zeigte. Mit allen Mitteln der Ge-
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gläubige Pfarrer Traub in Bremen auf dem Protestan- tentag offen herausgesagt: Er fordert die Evangelischen auf, freiwillig sich jeden Einflusses auf die Schule M begeben, nur damit auch die katholi-che Kirche nicht ihre Hand darauf legen kann,' und dann ruft er aus: nimmt man ihm nur die Schule» dann ist das Meiste gewonnen.
Zukunft ist die konfessionslose Schule. Der Kampf um die Simultanschule sei der Weg dazu.
Der badische Landesverband der jungliberalen Partei erklärte zu Offenburg i. I. 1905:
Die Einführung der Simultanschule in ganz Deutschland ist eine der wichtigsten Aufgaben der liberalen Partei. Er fügte hinzu, daß jedoch das Folgerichtigste wäre, die völlige Entfernung des Religionsunterrichtes aus der Schule.
Uebrigens hat schon Disierweg, der Vater des Libe- ralismus auf dem Schulgebiete, diesen Weg gewiesen: zuerst Beseitigung der geistlichen Schulaufsicht, dann die konfeffionslose, dann die religionslose Schule, das ist der Weg.
1 gkrmeister Johannes Glotzbach in M o l z b a ch ist auf 8 Jahre wiedergewählt und verpflichtet worden.
Postanweisung der Firma über 80 Mk. und wollte da? Geld erheben. Als der Beamte Zweifel in die Echtheit der Unterschrift setzte, entfernte sich der Bursche. Er wurde in der Person eines 14jährige.i Kaufmanns- lchrlings festgestellt. Das erhaltene Geld will er auf den Kirchweihen verjubelt haben.
* Treysa, 19. Ott. 1909. In der Stadtverordnetensitzung wurde ein Statut gegen die Verunstaltung der Stadt angenommen.
* Zimmersrodr, 19. Ott. 1909. Die Masern treten hier epidemisch, zum Glück jedoch nicht bösartig auf. Todesfälle sind bis jetzt nicht vorgekommen. Die Schulen sind geschlossen.
* Eschwege, 19. Ott. 1909. Dem Photographen Oskar Tellgmann von hier, der in weiten Kreisen durch seine Manöveraufnahmen bekannt ist, wurde vom Kaiser das Prädikat „Hofphotograph* verliehen.
* Hann.-Münden, 21. Ott. 1909. Auch auf dem Eichsfelde ist ein vorzügliches Bucheckernjahi zu verzeichnen. Die Buchen hängen voll der kleinen dreieckige Früchte. Leider verkommen ganze Massen Bucheckern, da bei dem feuchten Wetter sich nicht genug Sammler finden.
* Limburg, 21. Ott. 1909. Am 14. November wird in unserer Stadt die G e n er al v er s a m m- lung des Vereins vom hl. Lande stattfin- öcn. Aus diesem Anlaß wird der Hochw. Herr Bischof am genannten Tage ein feierliches Pontifikalamt zelebrieren.
* Seulingen (Kr. Duderstadt), 21. Ott. 1909. Tief gesunken ist der Gelegenheitsarbeiter L. Zapfe von hier. Früher ein gutsituierter Kaufmann, ist er, nachdem vor sieben Jahren seine Frau gestorben tvar, immer mehr herunter gekommen und zum Schnapssäuser geworden, sodaß er zuletzt von der Gemeinde im Armenhause untergebracht und fein Kind in einem Waisenhause ausgenommen werden mußte. An diesem, jetzt 8 Jahre alten Kinde und an einem anderen, elf Jahre alten Mädchen hatte sich der Mann schwer vergangen und ihnen unberechenbaren Schaden an Leib und Seele zugefügt. Die Strastammer zu Göttingen vemrteilte ihn zu zwei Jahren Zuchthaus.
* Mainz, 21. Ott. 1909. Gegen die sechs Ha l- l e n m e i st e r unseres Schlachthofes, die durch Stadtratsbeschluß vom 29. Januar ohne Ruhegehalt aus dem Dienst entlassen wurden, hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegenBestechung erhoben. In gleicher Weise wird Anklage gegen eine Anzahl Metzgermeister erhoben.
* Schmalkalden. 19. Ott. 1909. Die 18jährige verheiratete Tochter eines Gastwirts aus Haindorf verletzte sich mit einem Messer am Finger. Die Frau hatte die geringfügige Wunde weiter nicht beachtet. Es trat B l u t v e r g i f t un g hinzu, welche gestern den Tod herbeiführte.
krscheftfi täglich mtt Itasitabmt der §o.m- «.rdFeiertage-viertel- iährltcher.veMgrpreir ohnevringerlohnund vestellgeld in Fulda sowie auswärts 1-50 Hit.
Herantw Redakteur? tati zchüttet
vermischtes.
♦* Menschen von heute. Ein 22jähriges Dienstmädchen in Weißenfels suchte und sand den Tod in r ®aa^e- 3n einem Briefe an ihre Öttern gibt e3 als Beweggrund — man sollte so etwas kaum glauben einen Streit mit ihrer Dienstherrschaft an.
r ®ct Kurpfuscher Zschehe in Nordhaufen ist vergastet worden, nachdem eine Seamtenfrau feinen Medikamenten erlegen ist. Zahlreiche Brieffchasten und umfangreiche Arzneilager sind beschlagnahmt worden
* Ein Doppelgänger Kaiser Wilhelms in Frank- mch. In Vincennes verbreiteten sich vorgestem Gerüchte von einem Besuche des deutschen Kaisers in einer großen Fabrik, vor der sich infolgedessen eine ungeheuere Menge mifummelte, um den Monarchen heraustreten zu sehen. Das Gerücht war entstanden durch die A-Hnlichkeit eines Teilhabers der Fabrik mit dcm Kaiser. Der betreffende Herr, der nach der Behauptung Pariser Blätter ein deutscher Geheimrat fein foU, gelangte schließlich, ohne von der Menge belästigt zu werden, zum Bahnhof.
* Der Prozeß gegen den Journalisten Dr. Pleiß- ucr wegen Freiheitsberaubung. Hausfriedensbruch und Diebstahls nahm vor dem Landgericht zu Leip- z i g seinen Anfang. Dr. Pleißner hat die Straftaten tu Verbindung mit dem mysteriösen Doppelraubmord an dem Ehepaar Friedrich in Leipzig verübt, in dessen Dunkel er Licht bringen wollte. Er war auf eigene rfauft in das Zimmer der ihm verdächtig Erschienenen gedrungen, hatte dort Koffer aufbrechen lassen und nahm eine Photographie an sich. Freiheitsberaubung sicht die Anklage darin, daß er einen Polizeiassistenten bewogen hat, eine Frau Wagner verhaften zu lassen, das geschah auch, die Frau wurde indes am anderen Tage wieder freigelassen.
* ®n. Prm; nicht salonfähig. Kronprinz Albert von Belgien machte dieser Tage im Automobil eine £our nach südtirol, wobei er eine Panne erlitt und zu Fuß im ärgsten Regen mehrere Kilometer weit bis in die Stadt Trient gehen mußte; als et nun ein HE gesunden hatte und sich in den Speisesaal begeben wollte, wurde ei von dem Oberkellner hinaus- gewlesen, denn man dürfe dort nur im Salonanzuge ."schemem Prinz Albert entfernte sich sofort und ging *n Bahnhofsrestauration, wo man an feinen durchnäßten Kleidern feinen Anstoß nahm.
Meine Herren! Wir gehen schweren Zeiten entgegen; der Kampf zwischen Atheismus und Christen- tum tritt immer deutlicher in die Erscheinung. Das Christentum kann in unserem Vaterlande nur dann siegen, wenn seine Anhänger ganze Männer, tief überzeugt von der Wahrheit des Glaubens sind. Das werden sie aber nur dann fein, wenn sie in der Jugend eine wahrhaft christliche, ernst religiöse Erz-ehung genossm haben, wie sie nur die konfessionelle Volksschule bieten kann. Es ist daher Pflicht aller gläubigen christlichen Elemente unseres Volkes, den ä'ampf für die konfessionelle Volksschule mit aller Energie und Zähigkeit zu führen und darum müssen wir allen Schritten c tilge gentreten, die uns zu der religionslosen Schule hin- kühren: Das ist unsere Pflicht. Wenn wir sie erfüllen, handeln wir im Interesse der Kirche so gut wie des Vaterlandes.
Einem umgehenden Gerücht zufolge soll in nicht ferner Zeit auch in der Stadt Fulda und den be- nochbatten katholischen Otten Neuhof und Gr o- ß e n l ü d e r sowie in dem Dorfe Horasdiegei st- liche Orts-Sch ulinspekt io n beseitigt und durch das Stettoreninftem ersetzt werden, in letzterem Otte, indem sie schultechnisch wahrscheinlich der Stadt Fulda anoegliedett würde. Merkwürdig, daß es immer katholische Bezitte sind, in denen diese Beseitigung der geistlichen Schulinspettion erfolgt. Das katholische Volk verlangt unter allen Umständen nach einer amtlichen Verbindung seines Pfarrers mit der Schule, die ihm in dieser eine feste Stellung und den nötigen Einfluß auf die ganze Schule gibt. Damit st von selbst ein gewisses Aufsichtsrecht gegeben, aber mehr als auf die eigentliche Aufsicht kommt es uns an auf das Recht und die Möglichkeit der positiven, belebenden und beftuchtenden Einwirkung auf Lebrer und Kind.
Der Staat hat ein Interesse an der Schule. Ganz gewiß, und wir sind die letzten, die ihm das bestreiten. Aber daraus folgt nicht, daß er daS alleinige Recht auf d>e Schule hat, daß er mit der Schule machen kann, toas er will, daß er die Rechte der Eltern mit Füßen treten kann. Wenn der Staat Zwangsschulen errichtet, dann muß er entweder die freie Schule dulden, d. h. ubl _‘)e.n Eltern, denen seine Zwangsschule zuwider fft, die Möglichkeit geben, durch geprüfte Lehrer eigene freie Schulen zu errichten (so ist es z. B. in Belgien!; ober aber er muß seine Schulen fo halten und io einrichten, flag die Eltern ihre Kinder mit gutem Ge- triffen in diese Siaatsschnlen schicken lönnen. Die Eltern sind Christen; die meisten Gott sei Dank noch gläubige Christen, und Christen U,ollen eine wabroaft I gründliche und ernst christliche Erziehung für ihre Kin- ?er. Dieser Forderung wird nur die konfessionelle Schule gerecht, und darum müssen wir mit aller Entschiedenheit an der konfessionellen Schule festhalten. Nun aber, meine Herren, war die geistliche Ortssckiil- aufstcht 6er äußere Ausdruck des Bandes zwischen Kirche und Schule, es war für die christlich gesinnten Elern eine gewisse Beruhigung, eine gewisse Bürgschaft für öcn Zusammenhang der Schule mit der Kirche, also für die Wahrung ihrer eigenen Rechte. Die Aufheb- lNia der geistlichen Ortsschulaufsicht nimmt diese Bürgschaft, dieses Unterpfand des- Friedens bimveg
Meine Herren! Wenn ein Staat dem Gesandten eines anderen Staates seine Pässe übergibt und ihn also anws,st abzureisen, dann bebeiitet oas den Krieg Lo ist auch die Aufhebung dr geistlichen Schulaufsicht
Sollte jemand glauben, ich sehe zu schwarz, so verweise ich ihn auf folgende Aussprüche:
Die Deutsche liberale Lehrerzeitung schrieb schon vor (E4 Jahren, i. I. 1875: Die Simultanschulen sind die Vorstufen, die Pioniere für die religionslosen Schulen. , In Kassel auf der Hauptversammlung des liberalen ; Lehrervereins fiel das Wort: Die Simultanschule der
.za, meine Herren, das ist es. Nimmt man uns die Schule, dann sieht eS traurig aus mit der Zukunft des Katholizismus in Deutschland. Gehen mehrere Generation durch die konfessionslose und später die religionslose Schule, dann ist das Schicksal der katholischen Kirche in Deutschland besiegelt. Aber nicht nur der katholischen Kirche, denn er richtet sich im Grunde ebenso kut gegen die gläubigen Protestanten wie gegen di- Ka- 11)011(611, denn er richtet sich gegen das positive Christen- tum überhaupt. Es ist eben der Kampf zweier Weltan- schauungen, der christlichen und der ungläubigen, der ■auf dem «chulgebiete ausgefochten werden soll. Darum lechzt der Liberalismus nach einem neuen Kulturkampf auf dem Gebiete der schule. Wenn er immer von ultra- montamsmus spricht, so tut er das einmal, weil er fublt, daß die m sich selbständige katholische Kirche ein stärkeres Bollwerk des Christentums ist, als die vom Staat abhängige protestantische; dann aber vor allen STmgen deswegen, weil es leider Gottes noch viele chri- stusglaublge Protestanten gibt, di- sich dann eiufangen lassen, wenn die Parole „gegen Rom" lautet und die nicht einsehen, daß, wenn sie geholfen haben werden, uns den Kopf abzufchneiden, sie sofort darauf auch an bte Reihe kommen werden. Redner weist dann darauf bin, was angesichts dieser Tatsache zu tun ist. Notwendig se, der ungeschwächte Fortbestand des Zentrums — feie es die Wucht des verflossenen Kulturkampfes brechen konnte, fo werde es auch dem kommenden auf dem Gebiet der Schule gewachsen sein. Zweitens sei dafür zu sorgen, daß die Katholiken in den Kommunalverwal- tungen den gebührenden Einfluß bewahren oder erlan- gen, damit diese bei Anstellung der Lehrer freiwillig der Kirche den ihr gebührenden Einfluß lassen. Redner schloß dann mit den Worten:
Die ersten und natiirlichsten Erzieher sind die Eltern und mcht der Staat. Den Eltern hat (statt die Pflicht der Erziehung auferlegt und von ihnen wird er Rechenschaft fordern. Diese Pflicht und dieses Recht der Erziehung kann kein Staat aus der Welt schaffen. Wohl hat der Staat ein Interesse an der Erziehung der Kinder, aber damit kann er ein alleiniges Recht auf die Erziehung nicht begründen. Er hat auch ein Interesse daran, daß alle Burger ihr Vermögen ordentlich verwalten, darf er nun darum allen Bürgern die Verwaltung aus den Händen nehmen? Er hat auch ein Interesse an der gesunden Lebensführung der Bürger, darf er darum allen tiorfcbreiben. was sie zu kochen und zu essen haben?
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ohne daß Sie den Anzeigen eine ebenso eingehende Beachtung schenken, wie dem übrigen Lesestoff; auch wenn Sie keine direkte Veranlaffung dazu haben, können Sie unter den verschiedenen Angeboten immer etwas finden, das Eie interessiett und nützen kann.
ten mit liberaler Verwaltung. Das Zentrum habe allerdings auch für dieses Gesetz gestimmt aus zwei Gründen, einmal weil in diesem Gesetz wenigstens die Konfessionsschule als Regel festgelegt ist. Das ist wenigstens etwas Gutes an diesem Gesetz, und dieses Gute erschien dem Zentrum so wichtig, daß man glaubte, diesen Gewinn sich vor allen Dingen erst mal sichern zu sollen. Dann war aber mich die geistliche Ortsschnlauf- sicht da, welche die giftigsten Wirkungen dieses Gesetzes zur Geltung zu komm-n verhinderte. Die geistliche Ortsschulaufsicht wirkte gewissermaßen als Hemmung, sodaß das Gesetz seine bösen «eiten nicht so ganz entfalten konnte. Darum ift nun der Wegfall der geistlichen Ortsschulaufsicht für uns Katholiken ganz ver- hängnisvoll. Natürlich wird sich das nicht in allernächster Zeit zeigen, denn wir haben ja noch gute und gläubige Lehrer, die aber noch zu der Zeit angestellt sind, wo die Kirche noch ein Wort mitzureden hatte. Und dann wird man eS ja auch gar nicht tragen, gleich so offen feindselig vorzt gehen. Nein, man wird das >o ganz langsam und allmählich machen. Langsam stellt man zunächst freisinnige Lehrer an, dann direkt unkirch- liche und zuletzt ganz religionslose. Denn, meine Herren, das kann doch im Ernst kein Mensch leugnen, her Augen hat au sehen und Ohren zu hören, daß das x’»r Liberalismus die religionslose Schule ift.
— Pflnumenverwertung. Deutschland besitzt rund 70 Millionen Zwetschen- und Pflaumenbäume. Wieviel diese Bäume wett sind, kann man oi3 auf ein Pfund nicht angeben, weil unsere Pflaumen keiner Steuer unterworfen sind, und ihr Wett daher nicht genau berechnet werden kann. Man schätzt aber, daß ein Pflaumenbaum jährlich im Durchschnitt für 50 Pfennig Fruchte trägt. Danach mürbe der Wett unserer Pflaumenernte im Jahresdurchschnitt 35 Millionen betragen. Der Wett eines Pflaumenbaumes soll sich im Durchschnitt auf 8 Mark belaufen. Unsere Pflaumenbäume stellen also insgesamt ein Kapital t>on 560 Millionen Mark dar. Man sieht, die witt- schastliche Bedeutung der Pflaume ist groß. Leider aber genügt der Ertrag unserer Pflaumenbäume nicht ■ ££ un,ecen. Bedarf. Wir müssen noch ein Plus von w'Wett 15 Millionen Mark aus dem Auslandeemfuhreulassen Diese 15 Millionen könn-
J 'C^ ’Vn? ^halten, wenn wir eines- 4eils den Anbau von Pflaumenbäumen mehr körder- vnders'^Ät? "ber die Verwertung der Pflaumen S dem Körper so zuträglichen
SfX ^rden nämlich nicht nur als fttsches Obst S'f ^dörrt, eingemacht und zu Mus ver- w», R' f°nbcrn großer Teil wird zur Herstellung von Brannwem benutzt. Bekanntlich sind Obstbrannt- be« wS befo£berä gefährlich für die Gesundheit Mr Darum ist es sehr zu beklagen, daß
Man sollte I *2 018 Obst zu verwenden.
Btubt hier weilender Deutscher kaufte Mmm Hu"
Händler eine Kappe eigenartiger Form und ging mit ihr in den Hauptstraßen spazieren. Als er in sein »otel zuruckgekehtt war, fand er zu seinem größten Erstaunen m den Taschen seines Ueberziehers, den er trug sechs gestillte Geldtaschen, deren Hettunft er sich nicht zu erflären vermochte. Er nahm dann seinen Spaziergang wieder auf und dachte über dies son- deroare Vorkommnis nach, war aber nicht wenig er- schrM, als ihn spater ein Griff in die Taschen be= khrte, daß dort die Zahl der Geldtaschen noch zu- genommm hatte. In Heller Aufregung begab er sich nun zur Polizei Diese ließ ihn auf seinen Wunsch '"dm fraßen beobachten und Härte bald darauf oft rätselhaften Vorgänge dadurch auf, daß sie einen Mann n dem Augenblicke verhaftete, als dieser dem Deut- schen im Vorbeigehen eine Geldbörse in die Ue6er- ztehertasche gleiten ließ. Bei dem eingehenden Verhör *bb” Verhaftete, daß er einer Bande von Taschendieben angehötte, deren Mitglieder sämtlich Kappen derselben Att trugen. Letztere hatten sie Bei dem Huthandler, bei dem auch der Deutsche gewesen war, in der Zahl von 15 nach besonderem Muster bestellt. Der Huthändler hatte aber 16 derartige Kappen angefertigt und eine von ihnen zum Vettauf gestellt; diese erhielt der Deutsche. Der Deutsche war mit seiner Kopfbedeckung zufällig noch einem Mit- gliede der Bande besonders ähnlich, das den Auftrag hatte, sich in den Hauptstraßen zu bewegen und ohne eine Mene zu verziehen, seine Untertafdicn mit den Börsen füllen zu lassen, die seine in der Nähe tätigen Genossen nach jedem Raub unauffällig darin ver- sentten. Dies System sollte der Möglichkeit vor- beugen, daß etwa kurz nach der Tat verhaftete Genossen im Besitz der gestohlenen Börsen gefunden und dadurch überführt würden.
— Seltener Anblick. Frau: „Na Fritz, das freut mich aber aufrichtig, daß du dick mal eine Vorstellung eines Dilettantentheaters ansehen willst.* Gatte: „Ja, ich hörte, daß du die Rolle einer Köchin spielst, und als solche möchte ich dich gar zu gern einmal sehen."
walt, mit Geldstrafen, Gehaltssperre, Gefängnis, Verbannung. Absetzung des Papstes und der Bischöfe hat er fein Ziel, die Niederwerfung der katholischen Kirche, zu erreichen versucht. Es ift ihm nicht gelungen. Seine Gewaltpolitik hat die Katholiken aufgerüttelt, wach gemacht und in ihrem passiven Widerstand hat die Kirche gesiegt. Die schlimmsten und brutalsten Gesetze mußten abgeschafft werden. Aber schon Winöthorst hat erkannt, daß die Abschaffung der Kulturkampfsgefetze keineswegs aus innerer Umwandlung hervorgegangen ist. Nicht weil man eingesehen hat, daß man ungerecht und brutal gegen die Katholiken gewesen ift, bat man sie ab- geschafst, sondern weil man sich gesagt hat, so geht cs nicht, auf diesem Wege können wir der Kirche nicht beikommen. Jetzt versucht man es auf dem Wege Julians des Apostaten. Auf dem Umwege über die Schule
(♦) Der Kampf um die Schule.
Vor Kurzem haben bekanntlich die Regierungen zu Arnsberg und Minden in allen Schulen, die unter Rektoren stehen, die geistliche Ortsschulinspektion aufge- Hoden. Heber 100 katholische Geistliche sind von dieser Maßregel betroffen worden. Sofort hat das katholische Volk zu diesem auffallenden Vorgehen Stellung ge- nommen, Protestversammlungen haben statrgefunden in allen größeren Orten des Bezirks und überall hat es sich gezeigt, daß man einmütig entschlossen ist, die Verteidigung der angegriffenen Rechte der Kirche auf die Schule energisch in die Hand zu nehmen. In einer großen Versammlung zu Hamm erörterte Pfarrer Sandhage die durch die Regierungsverfügung geschaffene Lage in einer Rede, der wir folgendes entnehmen:
Dis König!. Regierung zu Arnsberg hat mit einem Federstrich alle Geistliche, die noch bisher die Schulaufsicht hatten, an den Orten, wo Rektoren sind, ihres Amtes als Ortsschulinspektoren entsetzt. Sie beruft sich dabei auf eine Minisierialverfügung vom 8. November ' 1908. Das Datum ist wichtig. Es zeigt uns, daß diese Minisierialverfügung aus einer Zeit stammt, wo der Liberalismus im Reiche lieb Kind war. Es ist ja bekannt, daß der Liberalismus für feine Unterstützung des verflossenen Kanzlers Bulow die Entschädigung beanspruchte, daß dafür in Preußen in Kirche und Schule eine liberale Richtung eingeschlagen werden solle. Daher ruhte man nickt, bis man den Kultusminister v. Studt gestürzt hatte, und diese Minisierialverfügung des verflossenen Ministers Holle war wohl nichts anderes als so eine Abschlagszahlung an den Liberalismus. Es rast der See und will sein Opfer haben, und da waren die geistlichen Ortsschulinspektoren ausersehen, dem beutebungrigen Liberalismus in den Rachen geworfen zu werden. Es ist ein Ruck nach links auf dem Gebiete der Schule, es ist ein Zugeständnis an die Bestrebungen deS Liberalismus auf dem Schulgebiete, es ist ein weiterer Schritt zur Lösung der Bande von Kirche und Schule, ein weiteres Abbröckeln an dem Einfluß der Kirche auf die Schule.
Redner führte dann aus, daß ein verhängnisvoller Schritt in biefet Richtung bereits geschehen sei durch das neue Schulunterhaltungsgesetz, weil durch dasselbe die Kirche fast vollständig ausgeschaltet sei aus der allerwichtigsten Angelegenheit, die es auf dem Schulgebiete gebe, aus der Anstellung der Lehrer. Besonders bedenklich und verhängnisvoll könne das werden in Stäb-