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üotationrdrulkund Verlag der Zuldaer Ai- tiendruckerei in Zuldg Zernsprecher Nr. 9.
J\8 240.
Fulda, Dienstag den 19. Oktober 1909.
36. Jahrgang.
Grstes a&iatt
®r kieß mich darauf in sein Arbeitszimmer bitten
gegengeht Man forderte die Einführung eines paritätischen Arbeitsnachweises der Arbeitnehmer und Arbeitgeber und ferner die Sch-rffung van Tarifverträgeo im Bergbau.
volkswirtschaftliches und Soziales.
a Essen, 18. Okt. 1909. Gegen die geplante Ein- uhmng eines Zen tr al arbeitsnachweises des bergbaulichen Vereins protestierten am Sonntag zahlreiche Bergarbeiterversammlungen im Ruhrgebiet. Allgemein wurde erklärt, daß man ernsten Zeiten ent
Rechten an Hannover festhalte. Bon dieser Zeit datiert denn auch eine braunschweigische Frage, die schon genug Aufregung hervorgerufen Hot. Nun hatte bekanntlich kürzlich die alldeutsche Presse den Regenten in Braunschweig, den Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg, verketzert mit der fürchterlichen Beschuldigung, er begünstige die welfischen Bestrebungen. Demgegenüber bringen jetzt die amtlichen „Brounschw. Anz." eine hochoffizielle Erklärung, worin es u. a. heißt:
„An höchster Stelle besteht, wie wiederholt erklätt worden ist, die für sie allgemein maßgebende Auffassung, daß nur auf dem Boden des einstimmig gefaßten Bundesratsbeschlusses vom 18. Febr. 1907 (Gesetz- und Verordnungssammlung von 1907 Seite 339) und auf den diesem sich ergebenden Grundlagen, auf welche sich zugleich die Rechtmäßigkeit der gegenwärtigen Regentschaft stützt, die künftige Gestaltung der Ziegierungsvechält- nisse im Herzogtum möglich und zulässig sei. Dem entspricht die fernere Aufforderung der höchsten Stelle, daß gegenüber allen Versuchen außerhalb des Rahmens jenes Beschlusses oder gar im Gegensatz zu dem- felben, mif die Gestaltung der Regierungsverhältnisse im Herzogtume einzumirken, ein abweisendes Verhalten geboten fei. Damit werden die cmften Pflichten gegenüber dem Reiche erfüllt, deren sich die höchste Stelle im Herzogtum bei der Behandlung der braun- lchweigischen Frage stets bewußt gewesen ist und bewußt bleibt."
sen, des einzigen Erben des alten Namens, das allgemeinste Mitgefühl.
Unter dem Trauergefolge der Beamten bemerke ich zu meiner größten Ueberraschung auch meinen liebenswürdigen „Onkel" Karl, der sich zu dieser Feierlichkeit die Mühe gegeben hatte, seinen feisten Leib in ein frisch gesteiftes weißes Hemd und in einen altmodischen schwarzen Frack zu zwängen. Er selbst bemerkte mich nicht oder wollte mich nicht bemerken; vielleicht erfannte er mich auch nicht, da ich in Uniform — ich war mittlerweile zum Reserveoffizier er= nannt — erschien und mich der Deputation des Gardedragoner-Regiments angefchloffen hatte.
Ich beschloß jedoch, auf meinen Onkel ein wachsames Auge zu haben, da ich ihm keine guten Absichten zutraute.
Mit Amalgunde zu sprechen, sand sich in diesen Tagen keine Gelegenheit. Jin Uebrigen ging die Feierlichkeit der Beisetzung ohne Störung vor sich. Ich hatte der Gräfin-Witwe von dem plötzlichen Erscheinen Ediths in der Kapelle Mitteilung gemacht und die Gräfin trug Sorge, daß Edith an diesem Tage ihre Zimmer nichr verlassen konnte.
Auch die folgenben Tage verlebte die trauernde Familie in größter Zurückgezogenheit. Ich bemerke jedoch, daß der Graf einige längere Unterredungen mit feiner Mutter hatte und daß Amalgunde mehrere Male den alten Park durchstteifte, der jetzt nicht mehr so streng abgeschlossen gehalten wurde. Vergeblich aber versuchte ich eine vertraute Unterredung mit Amalgunde herbeizufübren; sie schien mir absichtlich auszuweichen, ein Benehmen, welches mir ganz unverständlich war, da sie doch nach dem Erlebnis in der Kapelle eine nähere Aufklärung wünschen mußte. Ihr Benehmen erfuffte mich mit tiefem Schmerz. Da alle meine Versuche einer Annäherung scheiterten und ich mich auch sonst für überflüssig in Schloß Oldensloe Ijielt, beschloß ich abzureisen und teilte dies dem Grafen mit. In herzlicher Weife streckte er mir die Hand entgegen.
§ta-tveror-neten-versammlurrg.
D Fulda, 19. Oft. 1909.
An der gestrigen Sitzung der Stadtverord- neten-Versammlung nahmen 20 Mitglieder des Kollegiums teil. Der Magistrat war durch Herrn Oberbürgermeister Dr. Antoni vertreten. Den Vorsitz führte der stellvertretende Stadtverord- neten-Vorsteher, Herr Fritz.
Der Vorsitzende gab vor Eintritt in die Tagesordnung zwei Einladungen bekannt. Die Krieger-Sanilätskolonne ladet das Kollegium zu der von ihr veranstalteten Geburtstagsfeier der Kaiserin am 24. Oktober, und der Haus- und Grundbesitzerverein zu seiner außerordentlichen Generalversammlung auf heute abend ein. DaS Wort erhielt sodann
der Herr Oberbürgermeister, der etwa folgendes ausführte: Es gehen in der Stadt eine ganze Reihe Gerüchte um bezüglich der (Übertragung der Polizeiverwaltung auf die Stadt. Ich halte es daher für richtig, nachdem die Angelegenheit in den Zeitungen öffentlich besprochen worden ist, in öffentlicher Sitzung den falschen Gerüchten entgegenzutreten und den Sachverhalt selbst klarzustellen: Am 29. Juli ging dem Magistrat unter „Geheim" ein Schreiben des Regierungspräsidenten zu (der Herr Oberbürgermeister zeigt das bett. Schreiben dem Vorsitzenden), worin dieser mitteilt , daß seitens des Ministers des Innern die Aufhebung der Polizei - Direktion Fulda in Erwägung genommen würde. Die Stadt würde also selbst die Polizei zu übernehmen haben. Der Regierungspräsident ersucht« Öen Magistrat, sich zu der Sache zu äußern. Ich habe nunmehr im Magistrat beantragt, daß wir gegen die Absicht des Ministers Stellung nehmen sollen. Der Herr Oberbürgermeister verliest hierauf ein vom 4. August datiertes, zahlenmäßig begründetes Schreiben, worin der Magistrat bittet, zu befürworten, daß die Polizei nicht auf die Stadt übertragen werde, weil di< durch vom Staate veranlaßte Auslagen schon schwer belastete Stadt durch die Ueberweisung der Polizei noch eine erhebliche Mehrbelastung erfahren würde. Die Polizeikosten belaufen sich auf 53000 Mark, wovon die Stadt 20000 Mk. trägt. Im Falle der Aushebung der Polizeidirektion würde die Stadt die 53 000 Mk. allein aufzubringen haben. Unter diesen Umständen und mit Rücksicht auf die bedeutende Belastung der Stadt, sowie die erhebliche Erhöhung der Steuersätze in diesem Jahre, würde, so hat der Oberbürgermeister dem Regierungspräsidenten geschrieben, der gegenwärtige Zeitpunkt der ungünstigste für die Stadt sein, um neue Lasten zu übernehmen. Ich habe, so führte der Herr Oberbürgermeister nach der -Verlesung des Schreibens weiter au8, dann in Kassel mit dem Regierungs-Präsidenten gesprochen, der mir gesagt hat, daß er sich auf denselben Standpunkt wie die Stadt stellt und daß er bei dem Herrn Oberpräfidenten beantragen wolle, daß die Polizei nicht übertragen werde. Der Oberpräsident hat dann noch weitere Erhebungen bei dem Herrn Landrat in der Angelegenheit angestellt. Dem Herrn Oberpräsidenten
Ausland.
* Zum Zusammentritt des österreichischen Neichsrats. Gestern abend fanden in Wien 22 christlich-soziale Wählerverfammlungen statt, in denen der Handelsminister Weißkirchner, Präsident Pattai, Bürgermeister Lueger, Landmarschall Prinz Liechtenstein und andere über den bevorstehenden Zusammentritt des ReichSrates sprachen. In allen Versammlungen wurden Resolutionen für die Arbeitsfähigkeit des Reichsrates hinsichtlich der Notwendigkeit nationaler Schutzgesetze für die Deuischen in Oesterreich und des Verhältnisses Ungarns zu Oesterreich sowie der bosnischen Frage befchlosfen.
* Die Jtalienreise des Zaren soll heute mgetreten werden. Die Reiseroute ist bis zum letzten Augenblick geheim gehalten worden Wie der „Berl. Lok.-Anz." jetzt aus offizieller Quelle enfährt, wird die Reife Über Warschau, Alexandrowa, Pofen, Frankfurt, Be- fancon bei Lyon nach Raccaoniai bei Turin führen.
* Der dänische Kriegsminister Christensen hat nun dach gehen müssen, obwahl ihn der König zu halten suchte. Am Montag Hot der König das Abschiedsgesuch des Landesverteidigungsministers Christensen angenommen und dem Präsidenten des Ministerrats, Grasen Holstein, die interimistische Leitung des Landesverteidigungsministeriums über- tiagen.
** Die Präsidenten Taft und Diaz hatten in El Zaso, an der Grenze der Bereinigten Staaten und Mexikos, eine Zusammenkunft. Aus Besorgnis vor anarchistischen Kundgebungen waren große militärische Vorsichtsmaßregeln getroffen worden. Die beiden Staatsoberhäupter verliehen den Wünschen für den gegenseitigen guten Willen und für die Freundschaft beider Länder Ausdruck.
tet von den Mitgliedern des Zentralverbandes, daß sie „die Steuer für den Wahlfonds auf sich nehmen werden, um Weiteren, viel schwereren Schädigungen und Belastungen durch die Gesetzgebung vorzubeugen". Wer die Kreise kennt, die im Zentralverband Deutscher Industrieller tonangebend find, kann keinen Augenblick darüber im Zweffel fein, was mit diesen „Schädigungen und Belastungen" gemeint ist: es find vorwiegend die sozialpolitischen Gesetze. Unter diesen Umständen bedarf es auch keines weiteren Nachdenkens, um zu begreifen, wie die Versicherung zu verstehen ist, aus diesem Fonds solle den Wahlkandidaten aller bürgerlichen Parteien Unterstützung zuteil werden — vorausgesetzt, daß von ihnen die Vertretung der Interessen der Industrie „int Sinne der Stellungnahme des Zentralvecbandes" sicher zu erwarten sei. Für die Zent rum Spart ei, die zwar gewillt ist, im Rahmen ihrer Gesamtpolitik die Interessen der deutschen Industrie nach Kräften zu fördern, sich aber, insbesondere in ihrer Sozialpolittk, vom Zentralverband keine Vorschriften machen lassen kann, kommt der Wahlfonds dieses Verbandes also von vornherein nur insoweit in Betracht, als er eine Verstärkung der Hilfsquellen ihrer G eg n e r bedeutet. Rach Sage der Tinge werden es vorzugsweise nationalliberale und stellenweise auch freikonservative Kandidaten fein, die, weil sie eine Tätigkeit „im Sinne des Zentralverbandes" sicher erwarten lassen, aus diesem Fonds Unterstützung finden.
(*) Der Gotteslästerungsparagraph soll in dem Entwurf des neuen Strafgesetzbuches, das <5nbe dieses Monats veröffentlicht werden wird, eine Aenderung dahin erhalten haben, daß die Strafbarkeit von öffentlichen Gotteslästerungen oder öffentlichen Beschimpfungen einer mit Korporationsrechten aus- gestattete Kirche oder Religionsgemeinschaft an den Nachweis der Böswilligkeit geknüpft wird, indem es heißt: „Wer öffentlich und böswillig Gott lästett usw" Die Worte in dem bisherigen § 165 „Einrichtungen und Gebräuche" sind in dem netten Entwurf gestrichen, auch sind die Strafen gemildert. — In dem Entwurf handelt es sich noch nicht um eine Vorlage der verbündeten Regierungen, vielmehr wird das Reichsjustizantt die Vorlage für den Bundesrat erst feststellen, nachdem die öffentliche Kritik vorliegen wird.
„ * Oberpräfident v. Hegel sollte rote der frühere Bürgermeister Schütting behauptet hatte, als Regierungspräsident in Gumbinnen von den Referendaren eine Erklärung über ihre Be- reitroilligkeit, Satisfaktion zu geben, gefordert haben. Die „Magd. Ztg." erfährt nun hierzu aus bester Quelle, daß in Gumbinnen ebensowenig rote anderwärts von den Referendaren solche Erklärung erfordert ist.
* Vacha, 18. Oft. 1909. Als Kandidat für die bevorstehende Landtagswahl im Wahlbezftk Vacha- Tiefenort-Stadtlengsfeld wurde Rektor Henschel- Stadtlengsfeld von den Vereinigten Liberalen aufgestellt.
* Hanau, 18. Ott 1909. Der ehemalige national- liberale Abgeordnete Oberlandgerichtsrat Dr. Lucas vom Oberlandesgericht Frankfurt a. M. wurde, roie man dem „Hanauer Anzeiger" mitteilt, als Hilfsarbeiter auf die Dauer von sechs Monaten in das Reichsjustizamt berufen.
* Schwerin, 18. Okt. 1909. König Friedrich August von Sachsen traf heute zum Besuche ocS Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin in Schwerin ein.
** Braunschweig und die Welfen.
25 Jahre sind es jetzt her, seitdem Braunschweig mtt der Regentschaft „beglückt" wurde. Am 18. Oktober 1884 starb Herzog Wilhelm von Braunschweig, der letzte Sprosse der älteren braunschweigisch-wolfen- büttschen Linie des Welsenhauses, und damals war eS vor allem Fürst Bismarck, der einen Nachfolger aus dem Hause Cumberland ablehnte, da es noch an feinen
— glücklicher als die arme Edith — lebt wohl — lebt wohl meinen Segen — meinen Segen . . .'
Mit erhobenen Armen rückwärts schreitend verschwand sie durch die kleine Seitenttir in dem dunklen Gange.
Bebend hing Amalgunde an meinem Arm. Ich legte meine Rechte um ihre zitternde Gestalt und versuchte, sie fottzusühren.
„Erklären Sie mir", bat sie.
„Kommen Sie nur! Ich will Ihnen später alles erklären. Sie hörten ja, die Irrsinnige hält mich für ihren Sohn. Achten Sie doch nicht auf ihre Worte — sie weiß nicht, was sie spricht."
„Es lag ein geheimer Sinn in ihren Worten, den ich mir nicht enträtseln kann. Ein Geheimnis bergen btefe alten Mauern, das wußte ich, das ahnte ich schon lange. Sie kennen das Geheimnis?"
„Jck> hüte Sie Amalgunde, ist hier Zett und Ott, ubcr den Wahn einer unglücklichen Geisteskranken zu sprechen?
„Sie wollm mir ausweichen, ich fühle es", sagte sie traurig. Wer Sie haben recht, hier ist nicht der geeignete Ott am sarge meines armen Bruders. Lassen Sie uns gehen?"
„GestattenSie mir nur, jene Seiten tür zu schließen, die Jrrstmiige konnte sonst wieder kommen und neue Störungen veranlassen."
„Sie haben recht!"
Ich verschloß rasch die Tür, in deren Schloß der Schlüssel steckte. Dann bot ich Amalgunde den Arm und führte sie fort.
Schweigend legten wir den Weg durch den dunklen Patt zurück.
Die Beisetzungsfeierlichkeiten am folgenden Tage hatten eine große Menschenmenge nach Schloß Oldensloe gesühtt. Nicht nur das eigentliche Trauergefolge, die militärische Ehreneskotte, die Beamten der
„Sie wollen abreisen, Gundokar?" fragte er.
„Ja, Herr Graf. Ich glaube, daß ich Sie und die Ihrigen in dem Schmerz um den Verstorbenen störe. Ich würde schon früher abgereist fein, wenn ich nicht noch eine Unterredung mit Ihnen gewünscht hätte, um die ich Sie in den ersten Tagen nach der Beisetzung nicht ersuchen wollte "
„Diese Unterredung betrifft wohl Ihre unglücklich Großmutter?"
»Ja. Ich wollte Ihnen und der Frau Gräfin- Witwe noch einmal danken für die Sorgfalt in der Pflege der Unglücklichen, zugleich aber auch Sie bitten, mir zu erlauben, diese Pflege selbst zu übernehmen, wenn ich eine auskömmliche Stellung gefunden habe."
„Und haben Sie eine solche in Aussicht?"
»Ja. Ich hoffe, binnen Jahresfrist eine Oberlehrerstelle an einem Berliner Gymnasium zu erhalten."
„Und von Ihrem Oberlehrergehalt wollen Sie Ihre Großmutter noch unterhalten. Das wird schwierig sein. Die Kranke bedarf einer ständigen Pflege, die nicht billig ist."
»Ich werde mir durch Privatstunden, die ich jetzt schon gebe, einen Zuschuß zu meinem Gehalt erwerben. 2tud) durch literarische Arbeiten hoffe ich einen Sieben» erroerb zu gewinnen. Ich hatte es für meine Pflicht, für die Mutter meines Vaters zu sorgen, zumal sie mit großer Liebe an mir hängt. Sie hält mich irrtümlich für ihren Sohn . . ."
»Ich weiß", unterbrach mich der Graf. „Meine Mutter hat mich von allem unterrichtet. Abett, und der Graf erhob sich und legte mir die Hand auf die schütter, „ich habe Jbnen einen anderen Vorschlag ZU machen. Bleiben Sie bei uns!"
Mir stockte fast der Schlag des Herzens. Ich legte seinen Wotten einen ganz anderen Sinn unter unb dachte unwillkürlich an Amalgunde.
„Wie soll ich Sie verstehen, Herr Graf?" fragte ich verwirrt.
't6orffefcuno folo*x
Die misst ßm M MnÄoe.
43 Original-Roman von v. Elfter.
„Jetzt ober komm mit mir", fuhr sie fort
»Rein", entgegnete ich, „ich kann dich nicht be- tzleiten, du mußt allein in dein Zimmer zurückkehren "
„Wer ist das?" rief plötzlich die Irrsinnige und Seigte auf die Gestalt Amalgnudens, welche ttwas aus em schützenden Dunkel hervorgetreten war.
„Kommen Sie, Amalgunde", sprach ich beruhigend, ,die weiße Frau tut Ihnen nichts zu Leide."
Amalgunde hatte chren Mut und ihre Fassung toiebergefunben. Sie wußte ja, daß in diesem Teile des Schlosses eine irrsinnige alte Frau lebte und hielt Edith für die Frau des alten Martin.
i' „Ich fürchte mich nicht mehr", sagte sie gefaßt, obgleich ihre Stimme noch etwas bebte.
I Ich erfaßte ihre Hand. Mit Erstaunen sah die ßrre in das blaffe Gesicht Amalgundens.
„Wer bist du?" fragte sie.
„Die Tochter dieses Hauses. .
Die Irrsinnige lachte. „Die Tochter dieses Hauses? Du lügst k Ich hatte keine Tochter — nur einen Sohn unb der steht neben dir ... hüte dich, hüte dich!"
„Hören Sie nicht auf ihre Worte, Amalgunde", unterbrach ich sie. „Und du Mutter", wandte ich mich «N diese, „fei freundlich gegen dieses Mädchen hier, sie ist die Tochter dieses Hauses, sage ich bitt"
„So ift sie deine Braut? Ja, ja, so ist es. Sie .ist deine Braut — bald deine Frau und mein Segen wird Euch begleiten, mein Segen wird auf Euch , ruhen, aus Euch und Euren Söhnen und Enkeln bis ms zehnte Glied. Kniet nieder meine Kinder °ch' daß ich diese Stunde erleöte! Jetzt finde ich Ruhe, jetzt finde ich Frieden. Mein Sohn — meine Tochter — meinen Segen über Euch, meinen Segen!"
Sie erhob mit feierlicher Geberde beide Arme und Unwillkürlich beugten wir unser Haupt.
L .Jetzt will ich mheu, — jetzt kann ich ruhen" Mir Edith fort. „Ich weiß, ibr werdet glücklich sein
Deutsches Reich.
** Berlin, 18. Ott. 1909. Die Angabe, Preußen mußte 150 n e u e 3 o H ä m t e r an ber holländischen Grenze errichten, um den überhand nehmenden Schmuggel von Tabak und Kaffee nach dem Jnkrast- breten der Steuergesetze zu verhindern, ist laut „Rordd. Allg. Ztg." in jeder Beziehung unzutreffend. Eine erhebliche Zunahme des Schmuggels sei nicht be- mettt worden. — Zur Einführung eines internationalen P oft sch eckv e rk ehr s finden in der nächsten Woche Beratungen zwischen den beteiligten Staaten im Reichspostamt in Berlin statt. Es soll ein internationaler Postgiroverkehr Deutschlands mtt Oesterreich-Ungam und der Schweiz eingeführt werden.
(*) Konferenzen des Reichskanzlers mit den Parteiführern. Nach einer Berliner Korrespondenz soll der Reichskanzler beabsichtigen, zu Anfang des nächsten Monats die Führer der bürgerlichen Parteien zu Konferenzen über die politische Lage und das Arbettspro- ;gramm des Reichstages einzuladen. Daß der Reichskanzler mit den Führern der Parteien gelegenllich Msicksprache nehmen wird, ist möglich, vielleicht wahr- {cheinlich. Ob aber formelle Konferenzen beabsichtigt eien, erscheint der „Deutschen Tageszeitung" zweifelhaft.
5 Der frühere Reichskanzler Fürst Bülow ift am Sonntag abend mit seiner Gemahlin aus Hamburg in Berlin eingetroffen. Das geschah genau an 'demselben Tage, an dem er fein neunjähriges Jubiläum als Reichskanzler hätte feiern, können, wenn er noch im Amte wäre. Fürst Bülow roiib an der Geburtstag sf eier der Kaiserin teilnehmen. Sein Aufenthalt in Berlin wird etwa eine Woche dauern und von dort wird Fürst Bülow sich nach Rom begeben.
— Einschränkung des militärische« Frontmachens. Wie die „Köln. Ztg." mitteitt. besagt eine Aendenmg ber Garnisondienstvorschrist, daß nach einer Bestimmung des Kaisers die Ehrenbezeugung des Front- m a ch e n s vor allen militärischen Vorgesetzten sür den Salbaten in Wegfall gekommen ist. Diese Ehren- bezeugung wird fernerhin nur erwiesen tot dem Kaiser und der Kaiserin, sowie vor den regierenden Fürsten und üjren Gemahlinnen innerhalb ihrer Landesgrenze. — Sind das Zeiten! Was wird aus der Disziplin des preußischen Heeres werden, wenn der Mann vor seinem Leutnant nicht mehr Front machen muß?
% Die Erhöhung der Arzneitaxe wird Tat- fache. I« der letzten Sitzung beS preußischen Apothekerkammerausschusses gab der Vertreter des Kultusministers bekannt, daß dieser einer Erhöhung der Arzneitoxe zustimme mit Rücksicht auf die in den letzten Jahren eingeirrtene Gelb- en:Wertung. Auch das Krankwerden wird also 1 teurer.
)( Ein Kirchengesetz über die Beanstandung der Lehre von protestantische« Geistlichen wird gegenwärtig in der Bettiner Presse veröffentlicht. Das Gesetz will ein Spruchkollegium einführen, das darüber zu entscheiden hat, ob die weitere Wirksamkeit eines Gesir- ttchen, dessen Lehre wegen der darin bekundeten Stellung zum Bekenntnisse ber Kirche Anlaß zur Beanstandung gibt, innerhalb der Landeskirche möglich sei. — Die liberale Presse sieht natürlich in dem Entwurf wieder eine „Ketzereiecherei". Die gläubig gesinnte protestantische Presse bngegen ist mit bem Ziele und dem wesenllichen Inhalte des Gesetzentwurfs einverstanden.
(*) Die Bildung eines industriellen Wahlfonds hat der Zentralöe t b anb deutscher Indu - ftrieller in einer Ausschußfitzung am Freitag zu Berlin beschlossen. Die Entschließung spricht von ^ungenügender Berücksichtigung der Industrie und Mißachtung ihrer berechtigten Interessen" und erwar-
Herrschaft füflten die Räume und Höfe des Schlosses an, sondern auch die Bevölkerung der umliegenden Ortschaften hatten sich in großer Anzahl eingefunben, um ber gräflichen Familie ihr Beileid zu bezeugen. >»<. utp inuy uurauf in ietn Erregte doch das tragische Schicksal deS jungen Gra-'und Bat mich, Platz zu nehm--»