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BotaHontbrutfutib Verlag der Fuldaer 2t. Leudmckrrei tu Zvlda LenikoreLer Rr.L
sssssssssssessa.
M 237.
Fulda, Freitag den 15. Oktober 1909.
36. Jahrgang.
Kr-Kes WlcltL.
- i*i Schutz dem Revolutionär.
Die ffunbgebungen der revolutionär und anarchi- X frisch gesinnten Kreise gegen die Hinrichtung des spani- , schen Anarchisten Ferrer haben einen Umfang angenommen, der sehr zu denken gibt. Fast in allen großen Städten aller romanischen Staaten Europas wird gegen Spaniens Regierung ivegen des Todesurteils demonstriert, und häusig ist es bis jetzt dabet zu blutigen Zusammenstößen mit dm bewaffneten Hütern der gesetzlichen Ordnung gekommen. Am schlimmsten scheint es in der französischen und in der belgischen Hauptstadt hcrgegangen zu sein. Der niedere Pöbel in Paris hat sich in einer Weise an den Demonstrationen beteiligt, daß sie geradezu revolutionären Cha- Totter trugen. Die Demonstranten scheutm sich nicht, } auf die Polizei, die die Ordnung aufrecht halten wollte, l Schüsse abzugeben, sodaß mehrere Schutzlmte tödlich ' getroffen wurden. Apachenbanden warfm den Poli- j fisten Pfeffer In die Augen und richteten einen Hage ^ von Steinwürfen auf sie Nicht in wmtgen Straßen kam es zwischen der Polizei und dem Mob zu erbitterten Kämpfen ,bei denm die Polizei hart bedrängt wurde, sodaß sie schließlich blank ziehen mußte. Kurzum, man glaubte sich wieder in die Zeit der Kommune traurigen Angedenkens versetzt zu sehen. Auch in Brüssel kam es aus Anlaß der öffentlichen Protestkundgebung gegen die Hinrichtung Ferrers zu blutigen Zusammenstößen zwischen dem Pöbel und der Polizei, in den italienischen Städten dagegen scheinen die blu- tigm Exzesse oermieden tootben zu sein. Indes wurde in mehreren Städten zum Protest st reit aufgefordert, der jedoch nirgends großen Anllang fand. In den übrigen Säubern Europas begnügt man sich mit spaltmlangen Artikeln über die angeblich neueste '„Schande Spaniens", die durch die .Pfaffenwirtschast" herursacht worden sei.
Man schaudert davor zurück, wenn man genaueres über die Ausschreitungen liest, zu denen die ^freiheitlichen" Blätter den Päriserund anderen Pöbel aufgereizt haben. Da aber von der liberalen Presse alles totgeschwiegen wird, was auf ein wenig andere Gedanken über die Sache bringen könnte, so stellen wir hier einige ruhigere und objektive Aeuße« frungen zusammen. Der Militäratachee der Wimer spanischen Gesandtschaft Major Roig de Cluis äußerte sich in einem Interview wie folgt:
„Ferrer ist ein Demagoge. Er verfügte über eine seltene Beredtsamkeit. Von einer übermäßig frommen Dame mit einem sehr großen Legate bedacht, benützte er fein Vermögen ausschließlich für anarchistische Zwecke. Er stiftete Schulen, in denen der Königsmord gepredigt wurde. Er war der verbittertste Antimilitarist und predigte daS Recht des Ungehorsams gegen jedwede Obrigkeit. Bei dem Bombenattentat gelegentlich der Heirat deS Königs Alfons wiesen alle Fäden auf ihn, er war stark verdächtigt, das Attentat verübt zu haben. Es konnten aber strikte Beweise nicht erbracht werden, weshalb die Untersuchung damals resultatlos verlief. Der Gegenstand der jetzigen Anklage war die Teilnahme an den revolutionären Umtrieben in Barzelona. Die Untersuchung seiner Korrespondenz genügte, um feuie Schuld zu erhärten. Dazu kamen die zahirächen Zeugenausgaben. Er flüchtete kur; nach Einleitung des Verfahrens in ein Bergwerk. In einte Höhle wurde er aufgegriffen. Es ist nicht wahr, daß daS Verfahren gegen ihn auffallend summarisch durchgeführt wurde. Der Prozeß währte länger als einen Monat, und vorher gab es lange Untersuchungen."
Die .Deutsche Tageszeitung' meldet unter der lleberschrift: „Ein liebevoller Vater" folgendes aus Paris:
Wie bekannt wird, lebt noch eine Tochter Ferrers, Trinidad Ferrer, in Paris. (Die Frau Ferrers hatte sich wegen Ehebruchs von ihm scheiden taffen.) Sie befindet sich in ärmlich st enBerhält »issen, hat drei Kinder und arbeitet gegen eiitej
Tagelohn von zwei Franken in einer Biskuitfabrik. Man wundert sich allgemein, daß der reiche FerrerS diese Tochter so verkommen ließ."
Wenn man die Kundgebungen gegen Ferrers Hinrichtung etwas näher betrachtet, so muß einem vor allem die große Geschlossenheit auffal- lm, mit der die religionsfeindlich gesinnten Kreise hier auftreten. Bei den gegenwärtigen Kundgebungen handelt eS sich offenbar weniger um den Revolutionär Ferrer, als um die katholische Kirche. Leute wie Ferrer,deffm einzige „Heldentat" darin bestand, Gesinnungsgenossen zu Attentaten aufzuhetzen, während er selbst bei der ersten besten Gelegenheit Fersengeld gab, haben die Anarchisten mehr als genug. Aber von Anbeginn der Verfolgung Ferrers, den die spanischen Behörden als den Urheber der letzten blusigen Kravalle in Katalonien bezeichneten, ging die Hetze der religionsfeindlich gesinnten Presse los.
Ohne Zweifel war sich die spanische Regicmng der Tragweite des Prozesses wohl bewußt, und man kann daher auch von vomherein annehmen, daß sie recht vor? sichtig in der Beutteilung der Verbrechen Ferrers vorging.
Mer das angeblich ungerechte Urteil, das jeder Justiz spotte, muß der liberalen und revoluttonär gesinnten Presse zum Ausgangspunkte eines neuen Kampfes gegen Staat und Kirche dienen. Man braucht nur die Ueberschttsten zu lesen, die den ganzen fanatischen Haß gegen den Staat und die Kirchs deutlich genug zum Ausdruck bringen, von dem die betreffenden spaltenlangen Attikel nur so triefen. Gerade in Spanien ist das Verhältnis zwischen Kirche und Staat noch ziemlich eng. Hier greift das polittsche Leben noch vieffach in das religiöse über, wenngleich die Mißwittfchaft so mancher liberaler Kabinette im vorigen Jahrhundett alles versucht hatte ,die Kluft zwischen Kirche und Staat zu vergrößern. Auch der gegenwättige Ministerpräsident Maura galt von jeher als ein liberaler Mann, der der Kirche schon zeigen'werde, wo ihre Macht aufhöre. Man hat denn auch früher nie genug Maura loben können, und doch ist er es gerade gewesen, der sich weigerte, daS Begnadigungsgesuch Ferrers beim Könige zu befürwotten.
Wenn sonst.nichts, so müßte doch diese eine Tatsache d:n liberalen ff reifen, die noch etwas auf staatliche Ordnung halten, zu bedenken geben. Daraus geht doch genügend hervor, daß die Verurteilung Ferrers keineswegs als ein der katholischen Kirche geleffte- ier Liebesdienst hin gestellt werden kann. Schon der Umstand, daß der heilige Vater Papst Pius X. die Hinrichtung Ferrers verhindern wollte, spttcht dagegen. Es müssen also hier rein politische Gründe maßgebend gewesen fein, die die Verurteilung des Anarchisten het- beifühtten, und es ist daher völlig unangebracht, daß jetzt die Kundgebungen im Gmnde genommen sich ge- g'n den spamscheu Klerus sichten, der wegen seines Einflusses auf die Regierung der eigentliche Urheber der Verurteilung wäre. Man steht aber, wie gefchlos- cn die religionsseindlich gesinnten Kreise vorgehen, wenn es sich um den Kampf gegen die Kirche handelt; und vor allem die liberale und mit ihr die arblose Presse kann bann nicht genug in der Bekämpfung der Kirche tt n.
Deutsches Reich.
** Berlin, 14. Oft. 1909. Ein Institut ür Jagdkunde das auch der fortgesetzten Beobachtung und Bekämpfung von Wildfeuchen )ienen soll, soll demnächst errichtet werden. DaS Institut wird dem preußischen Landwirt- chaftsministerium angegliedert werden, man hofft aber, daß das Reich das Institut finanziell unterstützen werde.
+ Der Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg wird, soweit bisher darüber Entschließungen vorliegen, im Reichstage anläßlich der ersten Beratung des neuen Etats sein Regierungs
programm entwickeln und feine Stellung zu den Parteien kennzeichnen. Der ersten Lesung des Etats wird man daher ein größeres Jnterefle als sonst entgegenbringen.
-fc Fürst und Fürstin Bülow beim Kaiserpaare. Die Deutsche Tageszeitung^ meldet, daß Fürst und Fürstin Bülow am 22. Oktober an der Feier des GebuMtages der Kaiserin und der Konfirmation der Prinzessin Viktoria Luise als Gäste des Kaiserpaares teilnehmen werden. — Von anderer Seite wird berichtet, daß die Einladung an den Fürsten Bülow noch aus der Zeit vor seinem Rücktritt datiert. — Man brauchte sich über eine solche Einladung nicht zu wundern, zumal man weiß, wie sehr die Kaiserin für Bülow eingenommen war. Jeden- falls aber ist es verfehlt, aus dieser Einladung irgend welche Schlüsse, betreffend den Streit um die Novembereriegniffe, zu ziehen.
-l. Das Arbeitskammergesetz, das im letzten Tagungsabschnitt vom Reichstage nicht mehr erledigt worden ist, wird, wie eine Berliner Korrespondenz wissen will, entgegen anderslautenden Nachsichten, dem Reichstage erneut vorgelegt werden, und zwar werden die Abändemngen, die die 34. Reichstagskommission am Entwürfe getroffen, im allgemeinen im neuen Entwurf Berücksichtigung finden. Gegen die Uebemahme der Vorschrift, daß Vorsitzende und Beamte Beruflicher Organisationen Walhrecht zu den At- beitskammem erhalten sollen, hat die Regierung nach wie vor Bedenken itnb wird diese Bestimmung, die dem Geiste der Vorlage entgegensteht, nicht in den neuen Entwurf aufnehmen. Der ausgesprochene Zweck der Vorlage soll fein, Arbeitgeber und Arbeitnehmer in persönlicher Fühlung zu einander zu bsingen. Die Tättgkeit von Gewerkschaftsbeamten aber könnte leicht diese Fühlungnahme erschweren. Die übrigen Ab- änderungsvorschläge der Kommiffion haben zu Bedenken keinen Anlaß gegeben. Die Regierung legt Wett barauf, den Entwurf noch im Winter 1910 erledigt zu sehen und wird ihn dementsprechend dem Reichstage zeitig unterbreiten. Die Vorbereitung von Entwürfen betreffs Standesvettretung der Han d- lungsgehilfen und der technischen Beamten ist noch zurückgestellt worden. — Es wäre sehr et- steulich, wenn sich diese Mitteilung bestätigen würde, nach allem, was jedoch bisher verlautete, wird man gut tun, die Nachsicht mit einiger Vorsicht aufzunehmen.
(*) DaS Ergebnis der ReichStagsersatzwrhl in Koburg, wo die Liberalen einige Tausend Stimmen verloren, die den Sozialdemokraten zugute kamen, hat wieder gezeigt, daß die liberale Taktik bei der letzten Reichsfinanzreform und ihr heftiges Schelten auf den „schwarzen Block" den Liberalen nichts genützt hat. Den Profit heimsen die Roten ein. Und dabei kann man fast alle Tage in liberalen Blättern von einer mächtigen Welle des Liberalismus, die durch das Land gehen soll, Wunderdinge lesen! Die ,Köln. Ztgck schreibt:
„Für die Liberalen gilt es jetzt, jede Stimme bei der Stichwahl heranzuziehen; nur fo läßt sich das liberale Mandat für Koburg behaupten; nur so wird es vermieden, daß die Sozialdemokratie ihren letzten Siegen einen neuen anreiht."
Das wird sich nicht leicht vermeiden laffen, denn die Sozialdemokraten können ja darauf hin- weisen, daß die Liberalen an allen Ecken und Enden gerade gegenwärtig mit der Sozialdemokratie paktieren, diese könne alfo doch wohl nicht so gefährlich sein. So be- richtet die ,Frkf. Ztg/ über die reichsländischen BezirkstagSwahlen. Zwischen Liberal-Demokraten und Sozialisten war für den zweiten Gang eine
Vereinbarung zustande gekommen, derzufolge für die zur Nachwahl in Frage stehenden Kantone gegenseitige Wahlhilfe geleistet werden sollte. Diese Vereinbarung sei nur einseitig prak- tisch geworden, da überall die Liberalen di« höhere Stimmenzahl aus sich vereinigen; die Sozialdemokratie habe die versprochene Wahlhilfe glänzend geleistet:
„Soweit die Zahlen es bis jetzt übersehen laffen, find auf die Aufforderung des Parteivorstandes hin die Sozialdemokraten der Wahlparole bis auf den letzten Mann gefolgt, und mit sozialisti- scher Unterstützung ist es dann noch möglich gewesen, zwei Zentrumssitze im Unterelsaß zu holen, zwei im Oberland auf das ernstlichste zu gefährden. Das Wahlabkommen zwischen Liberalen und Sozialdemokraten ist der Abschluß einer bei den vorjährigen Gemeinderatswahlen begonnenen Politik der Sammlung der bürgerlichen Parteien gegen das Zentrum, und es stellt den Beginn einer neuen politischen Orientierung dar, die für das Reichsland, dem ständig die Gefahr einer klerikalen Herrschaft droht, auch das Natürlichste ist. Wir zweifeln nicht, dass das so begonnene Werk auch bei künftigen Wahlen, insbesondere denen zum Landesausschuß und Reichstag, seine Fottsetzung finden muß. . . . Liberale und Demokraten haben gegenüber dem Zentrum gute Fortschritt« gemacht, die Sozialdemokratie hat. obwohl sie nur ein Mandat erobert hat, im ganzen Lande in beinahe ungeahnter Weise zugenommen."
Also auf der einen liberalen Seile Freude über sozialdemokratische Erfolge, auf der anderen Jammer und Besorgnis, daß die Sozialdemokratie wettere Fortschritte mache. Wenn man di« Wähler selbst der Sozialdemokratie näher bringt, dann hat man keine Berechtigung, sich über die Folgen dieser Vorschubleistung zu beklagen.
-T- Voruntersuchung gegen den Abg. Bruhn. Di« Staatsanwaltschaft hat, wie bereits mitgeteilt, di« Eröffnung der Voruntersuchung gegen den Reichs- tagSabgeorbneten und Verleger der „Wahrheit" Wilh Bruhn beantragt, nachdem das Ermittelungsoerfahren genügend SDlaterial ergeben hatte. Dem Antrag« ist nunmehr stattgegeben worben. Mit der Führung der Voruntersuchung ist der Landgesichtsrat Schmidt beauftragt worden, der auch in den Prozessen Eulenburg und Dahsel die Voruntersuchung in Händen hatte. Es sollen alle Zeugen, die sich bisher bei der Staatsanwaltschaft und bei den Vetteidigern Dahsels gemeldet haben und sich noch melden werden, und auch die Verteidiger selbst in der Voruntersuchung vernommen werden. Es ist wahrscheinlich, daß auch die Rechtsanwälte Dr. Werthauer und Dr. Poppe Strafantrag gegen Wilhelm Bmhn wegen Beleidigung stellen werden. Die Verteidiger führen zurzeit noch Verhand- ümgen mit angesehenen Juristen darüber, ob es im Interesse des Rechtsanwaltsstandes notwendig ist, einen Antrag auf Bestrafung wegen Beleidigung zu stellen. — Weiter wirb gemelbet, baß der Abg. Bruhn seinen Vettrauten mitgeteili habe, daß er sich nicht veranlaßt sehe, sein Reichstagsmandat niederzulegen.
W Bon dem Plane einer Tendenzproseffur in Leipzig wurde auf dem Leipziger Hochschullehrertag Mitteilung gemacht. Der Heidelberger Professor Max Weber deutete an,' daß der Zentralverband deutscher Industrieller durch ein Geldangebot den sächsischen Kultusminister zu bestimmen versucht habe, eine von dem Verband begünstigte Persönlichkeit, allem Anschein nach einen Nationalökonomen, an der Leipziger Universität als Honorarproseffor unterzubringen. Der Rektor der Leipziger Universität, Pros. Binding, sah sich darauf ''zu der Feststellung veranlaßt: „Der Vorrechner hat den. Versuch erwähnt, uns in Leipzig einen Tendenz- Professor aufzuhängen. Es war eine bestimmte Jnteressentengruppe an das Kultusministerium herangetreten und hatte ihm 30 000 Mark zur
Iie weiße Fran van SMoe.
(80] Original-Roman von O. Elster.
„Sehr einfach! Ich gehe zum Grafen und lege 'ihm dieses Dokument vor. Wie viel bieten Sie für dieses Dokument und für unser Schweigen, Exzellenz?" würde ich fragen. Unter fünfzigtaufend Talern ist es nicht zu haben — breifjigtaufenb für meinen Reffen und zwanzigcausend für mich .. " r „Du würdest also aus der Geschichte einen Vorteil ffeon fünfunddreißigtausend Talern ziehen."
„Wieso? Ich sagte zwanzigtausend . . ."
„Ja .und die fünfzehntausend Taler, welche Du !von der Gräfin-Witwe erpreßt hast, machen fünfund- idreißigtausend . . ."
1 Er sah mich entsetzt an. Sein aufgedunsenes Gesicht überzog eine fahle Kläffe.
„Woher weißt Du . . ."
Einerlei, woher ich es weiß. Tatsache ist, daß Du kurz vor dem Tode meiner Mutter von der Gräfin zwanzigtaufend Taler erpreßt hast, um dadurch Die meiner Mutter und mir zugesicherte Rente zu kapitalisieren. Daß die Rente mir nur bis zum fimf- undzwanzigsien Lebensjahre, meiner Mutter nur bis gu ihrem Tode zustand, darüber gingst Du hinweg. Du wußtest, daß meine Mutter nicht mehr lange le- «en würde Du wolltest aber noch länger in dem Ge-
?. Jenet Vente bleiben, das alles verschwiegst Du der ^ n^'/benso zeigtest Du ihr den Tod meiner Mut-
an Mir zahltest Du das kleine Kapital aus, ter entnLhpr^ nach dem Tode meiner Mut-
menn S l™ Gräfin zurückfallen mußte, ober ""sichtete, mir zukam, hast Du ein- Bntertoraounn^f"" ^^halb sagte ich vorhin, eine rinMrineid ' Cbfnfo h’enifl eine Kleinigkeit als
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l"Das ist meine Sache - genug, daß ich es weiß Wd daß Du nicht zu leugnen wagst."
„Dir gegenüber wäre es ja nutzlos. Aber höre mich an, Gundokar! Ich will auf jeden Vorteil weiterhin verzichten, wenn Du die alte Geschichte ruhen läßt. Du sollst die fünfzigtausend Taler ganz allein erhalten."
Ich edjo6 mich. „Unsere Unterredung ist zu End;, sagte ich kurz. „Nur das eine muß ich Dir noch sagen. Tust Du irgend welche Schritte in dieser Angelegenheit, versuchst Du die gräfliche Familie in irgend welcher Weise zu beunruhigen, sei eS direkt ober indirekt — läßt Du auch nut ein Wort, eine Andeutung verlautbaren, so zeige ich Dich der Staatsanwaltschaft wegen Erpreffimg und Unterschlagung meines mütterlichen ErbtttlS an. Ich glaube, Du kannst als Jurist beurteilen, welches die Folgen davon sein würden."
„Aber ich bitte Dich, Du willst auf Dein Recht, auf Deinen Namen, auf Dein Vermögen verzichten! I"'
„Ich habe kein Recht — ich habe keinen anderen Namen als den, der mir von meinen Eltern überkommen ist — und nach einem fremden Vermögen strecke ich die Hand nicht au8."
„Du bist ein Narr", kreischte mein Onkel wütend.
„Es mag fein', entgegnete ich ruhig, .daß ich fti den Augen von Beuten Deines Schlages als solcher erfAchte. Aber ich gebe auf das Urteil solcher Leute nichts. Haft Du mir sonst noch etwas mitzuteilen?"
„Willst Du diese Papiere nicht durchgehen?"
„Sie haben fein Interesse für mich . . . doch halt, ich werde sie lieber an mich nehmen, damit sie nicht in' falsche Hande geraten. Du könntest weiteren Unfug damit treiben. Also gib mir die Papiere. "
„Da hast Du sie. Du Narr", schrie mein Onkel wütend und warf mir die Papiere zu, die ich unbesehen in meine Brieftasche steckte.
„Wir verstehen uns also, Onkel", sagte ich bann nochmals. „Ein Wort von Dir über diese Angelegenheit, die ich als Nachstbeteiligter der Vergessenheit anheimgeben will,- zieht Dir eine Linklage auf Unterschlagung zu. Du hast mich doch verstanden?"
„Ja, Du Dummkopf. Soll ich Dir etwa auch die fünfzehntaufend Taler herauszahlen?"
„Nein, behalte sie. Ich nehme kein unrechtes Gut. Ich habe nichts mehr mit Dir zu schaffen, lebe wohl!" Ich wandte mich zur Tür. Wie ein Rasender sprang er auf.
„Und für meine Mühe, für meine Arbeit erhalte ich nichts?" schtte er, außer sich vor Wut, daß sein Plan nicht gelungen war.
„Du hast Dich schon vorher bezahlt gemacht", entgegnete ich, schloß die Tur auf und entfernte mich rasch, ohne auf das Schimpfen meines liebenswürdigen Onkels acht zu geben.
Auf der Straße atmete ich auf, als ob ich einer Höhle, angefüllt mit giftigen, ekelhaften Dünsten entronnen wäre. Noch an demselben Tage reiste ich nach Berlin ab, um dort meine Studien fortzusetzen und mich auf das Examen vorzubereiten.
Es stand bei mir fest, daß ich von den Entdeckungen, die ich selbst gemacht, und welche durch die Wühlarbeit meines Onkels Bestätigung gefunden hatten, keinen Gebrauch machen wollte. Ich hätte ja dadurch nur. eine hochangefehene Familie, in der ich fo viel Freundschaft erfahren, in das tiefste Unglück gestürzt, ohne Geschehenes ungeschehen machen zu können und ohne mir selbst Nutzen, Freude und Genugtuung zu verschaffen. Die äußerlichen Vorteile, welche mein sauberer Oheim erstrebte, galten mir nichts gegenüber der Ruhe meines Gewissens, das mir sagte, daß ich den rechten Weg gefunden habe, gegenüber meiner persön- lichen Ehre, die ich mir nur auf diesem Wege rein und unbefleckt erhalten konnte, gegenüber dem Gefühl der Liebe, da« ich für Amalgunde in tiefstem Herzensgrund hegte und pflegte.
Aber trotz alledem konnte ich mich nicht entschließen, noch Schloß Oldensloe zurüctzukehren, um weitere Freundschaftsbeweise zu erhalten von der Familie, welche, wenn auch unbewußt, eine Stelle einnahm, die eigentlich meinem Vater und mir rechtlich zu- stand!
Ich schtteb an Lothar und enffchuldigte mein Fernbleiben mit den unaufschiebbaren Vorbereitungen zu dem Examen, das ich jetzt so bald wie möglich machen wollte, um mir eine unabhängige Stellung zu erringen.
An die Gräfin-Witwe schrieb ich jedoch den wahren Gmnd, versichette ihr aber nochmals, daß ich ohne ■ jeden Groll und ohne jede Bitterkett an das meinem Vater zugefügte Unrecht zurückdenke, daß ich diese- , Unrecht der Vergessenheit anbeimgebe und das es mit niemals einfallen würde, die Gespenster der Vergangenheit aus ihrem Grabe hervorzubeschwören. Ich bat sie,1 für meine unglückliche Großmutter wie bisher Sorge, zu tragen, bis ich bereit fei, diese Sorge selbst übernehmen- zu können.
Tief gerührt dankte mir die Gräfin, mit der Ich fortan im Briefwechsel blieb. Als sie mir mitteilte, daß die gräfliche Familie mi tLothar auf längere Zett nach dem Süden gereift sei, und sie jetzt allein im Schloß Oldensloe fei, besuchte ich sie einigetnale und sah dann auch meine arme Großmutter wieder, die mich stets mit großer Freude als ihren wiedergewonnenen Sohn begrüßte. Zwischen ihr und der Gräfin Witwe henffchte jetzt ein wahrhaft schwesterliches Verhältnis, soweit dies bei dem Zustand meinet Großmutter möglich war.
Im übrigen arbeitete ich sehr fleißig und bestand im Frühjahr mein Staatsexamen. Ich hoffte bald eine Anstellung zu finden ,als ein Ereignis eintrat, welches meinem Leben eine ganz veränderte Richtung geben sollte.
Es war im Anfang des Sommers, als ich folgenden Brief deS Grafen Oldensloe erhielt:
Mein lieber, junger Freund!
Sie werden schon erfahren haben, daß wir wieder nach Schloß Oldensloe zurückgekehrt sind. Unser ar«1 wer Lothar hat im Süden leider keine Heilung gefun» ’ den, ja, ich muß mir gestehen, daß fein Leiden schlim- ■ mer geworden ist und mit tiefer Trauer im Herzen sehe ich dm Tag nahen ,wo er, mein einziger Sohn und Erbe meines Namens mir entrissen wird. Die Gräfin weiß nicht, wie schlimm es um unseren armen Jungen steht, aber meine Mutter, meine Tochter und Ich, wit wissm es und mein armer Junge weiß es auch. Et hegte den Wunsch, in die Heimat zurückzu- kehren, um dort zu sterben, wie er sagte. Ich konnte ihm blefen Wunsch nicht abschlagen, ich sah ja schon