Fulda, Samstaq den 9. Oktober 1909
Jahrgang
JV3 232
Drittes Wlcrtt
München!
die wirksamste Waffe im Kampfe gegen die Schmutzliteratur sein. t .
War helfen alle Vorträge und Belehrungen über die Schädlichkeit der unsittlichen Literatur, wenn nach wie vor durch AuSlegen von Bildern und Schriften gemeinster Art in den Schaufenstern das SenfationgbedürfniS geweckt und die Jugend nur zu leicht versteck wird, den Schmutz zu taufen? Mrd aber den Geschäftsinhabern von dm Eltem klar gemacht, daß sie auf ihre Kundschaft verzichten müssen, wenn sie solcher Schundzmg feilbieten, so werden diese sich wohlweislich hütm, die Kundschaft weiterhin in dieser Weise vor den Kopf zu stoßen. Die Erfolge, die man besonders auf katholischer Seite mit einem solchen Druck auf die Geschäfte erzielt hat, könnm nur zu einer wetteren Anwmdung dieser radikalen Mtt- tcls ermutigen.
Leider handelt e» sich bei dm meistm Vereinm, die zum Kampfe gegen die verderbendringende Lektüre auffordem, fast nur um den Schmutz in Wort und Bild der niedrigstm Art. Die SensationS- presse kann ebenfalls großes Unheil anrichten, ohne daß ein allgemeiner Kampf gegen sie ausgenommen wird. Und daß gerade die Sensationspresse nicht genug im Schmutz herumwühlen kann, zeigt der Berliner Erprefferprozeß, der gegenwärtig zur Verhandlung steht. Was Hilst eS, wmn nur die katholischen Vereine den Kampf gegen diese Sorte von Blättem predigen? Wmn nicht das ganze Volk sich aufrafft und gegen sie Stellung nimmt, so wird man lange warten können, 618 die Jugend vor dem Gifte dieser Schmutz- Presse bewahrt bleibt.
Ausland.
* 1200 Prozesse haben, wie der,Petit Parisien' aus Barcelona meldet, die dortigen Kriegsgerichte durchzusühren; man hofft sie bis Dezember erledigt zu haben.
* Die neueste türkische Anleihe. Finanzminister Dschawid Bei erklärte auf Befragen, daß ver Türkei von der Ottoman-Bank eine Anleihe von 7 Millionen Pfund gegen 4»/e Verzinsung nunmehr besorgt werde. Die Verhandlungen seien zum Abschluß gelangt.
UÄatt ßcs>S5d^"' kolatlonrrruSE Verlag der Luldarr Ak
kommenden Sonntag von Frankfurt aus eine Fahrt über Oberheffm unternimmt und gegen Mittag 12 Uhr auf dem Exerzierplatz (Trieb) zu Gießen landen wird.
Deutsches Reich.
— Der Hansabimd hat sich mit feinem „Programm", wie wir voraussagten, sich zwischen zwei Stühle gesetzt. Während die einen noch eine radikalere Stellungnahme des Bundes zu den schwebenden Tagesfragen wünschen, geht den anderen der Bund mit seinen Forderungen viel zu weit. Besonders die sozialpolitischen „Grundsätze" finden auf keiner Seite Billigung. Das Berliner Scharfmacherorgan, die steikonservative „Post" will dem Bund; die Gefolgschaft versagen, wenn er in sozialpolitischen Fragen einen größeren Eifer an den Tag legen sollte. Sie erklärt kategorisch:
„Wenn auch die Bedeutung eines arbeitsfreudigen sozialpolitisch mehr oder weniger gesicherten Arbeitnehmerstandes für die gewerbliche Leistungsfähigkeit der Nation keineswegs unterschätzt werden darf, so muß doch unbedingt vorausgesetzt werden, daß die sozialpolitisch vermittelnde Tätigkeit des Hansabundes in jedem Falle da eine Grenze finden muß, wo sozialpolitischer Uebereifet einen oder den anderen Industriezweig oder gar die gesamte Jndustrieleistung so belastet, daß ihre Konkurrenzsähigkest auf dem Weltmarke bedroht wird. In solchen Fällen muß vom Hansabunde bestimmt erwartet werben, daß er aus seiner sozialpolitischen Reserve heraustrilt und Stellung nimmt gegen jeden sozialpolitischen Nebereifer."
Was die Scharfmacher unter sozialpolitischem Ucbereifer verstehen, weiß man nur zu genau, und wenn der Hansabund nach dem Rezept der „Post" verfährt, so hat er es mit dem ganzen Liberalismus verdorben. Tut er diesem aber den Wllen, so kann er toieberum vergeblich warten, bis ihm die industriellen Kreise durch Dick und Dünn folgen. Also er kann sich drehen und wenden wie er will, er wird es keinem recht machen, und das Ende vom Lied wird fein, daß er bald, von keiner Seite allzusehr beweint, begraben wird.
* Lex Axmann. Die Regierung hat den Vertrauensmännern der Christlichsozialen und der Deutschnationalen mitgeteilt, daß sie die Lex Kolisko-Axmann, welche die deutsche Sprache als alleinige Unterrichtssprache für die niederöster-
Aus dem Nachbargebiete.
♦ Aus dem Kreise Frankenberg, 8. Oktober 1909. Einen empfindlichen Schaden erlitt, ein Budenbesitzer in Höringhausen. Von einem Unbekannten wurde Karbid in die Bude gebracht und Wasser darüber geschüttet, sodaß sich das Karbid entzündete und die ganze Bude ein Raub der Flammen rourbe. Man hat Verdacht aus Kroaten.
♦ Gießen, 8. Ott 1909. Dem Vorsitzenden der hiesigen Ortsgruppe des Deutschen Lustflottenvereins, Herrn Professor Dr. Biermann ist die offizielle Nachricht zugegangen, daß das Luftschiff Parseval
reichffchen Schulen fordert, nicht zur Sank- tion vorlegen könne. Gegen die Sanktionierung spricht der § 19 des Staatsgrundgesetzes; auch würden durch di« Sanktionierung die na- iionalen Gegensätze nur noch verschärft werden. Die Tschechen müßten die Sanktionierung als eine offene Kriegserklärung auffaffen.
V Der neue liberale Bauernbund hat selbst in der Ofimatck, in der seine Wiege stand, keinen großen Anhang aufzuweisen. GS werden zwar mit großer Reklame angekündigte Versammlungen abgehalten, aber deren Besuch ist ganz minimal. Es muß schon gutgehen, wmn 20 Teilnehmer sich einfinden; und dann sind die meistm An- wesenden noch Gegner deS neuen Bundes. Aber trotzdem wird in der Preffe von dem großm „Siegeszuge" des neuen Bauernbundes gefabelt.
n Die Differenzen im bayerischen Liberalismus dürfen zu einem vollständigen Bruch zwischen den gemäßigteren Liberalen und den radikalm Jungliberalen führen. Wie eS hecht, wird der nächstm Sitzung des LandeSauSschuffeS der bayerischen Liberalm der Antrag auf sofortigen Austritt auS dem Blocke vorliegen. Die Parteileitung glaubt, nach allem, was geschehen ist, nicht mehr mit den radikalen Jungliberalen zusammenarbeiten zu können, wenn die Partei es mit den mehr konservativ gerichteten Wählern auf dem Lande nicht vollends verderben wolle. Der Landesausschuß der Liberalen bedenkt dabei aber wohl kaum, daß die Jungliberalen keinen geringen Anhang hinter sich haben.
Zs Bei den bevorstehenden Landtagswahlen des Königreichs Sachsen dürfte der Kampf um die Mandate ziemlich scharf vor sich gehen. Das zeigt schon die große Zahl der ausgestellten Kandidaten. In den 91 Landtagswahlkreisen sind insgesamt 287 Kandidaten aufgestellt worden. Davon entfallen 89 auf die Konservativen, den Bund der Landwirte, die Mittelständler und die Reformer. Ferner hat die Reformpartei 5 eigene Kandidaten ausgestellt. 68 Kandidaten gehören der nationalliberalen, 84 den beiden freisinnigen Parteien und 91 der Sozialdemokratie an.
** Das sogenannte „Pulver B", das eine franzvst- che Erfindung ist, scheint ein gefährlicher Stoff zu ein. Die Katastrophe des Panzers „Sena" routbe, einerzeit auf die Selbstentzündung dieses Pulvers
zurückgeführt. Jetzt erfolgte in den Herstellung-« räumen des L-Pulvers in der staatlichen Pulverfabrik Bouchet bei Paris eine folgenschwer« Explosion. Ein Arbeiter wurde getötet, eie« schwer verletzt. — Im selben Etablissement hat schon vorher einmal eine Exploston fünf Opfer ge-, fordert. Der Kriegsminister beorderte eine Kommission zur Erforschung der Ursachm dieses neuen, Unglückfalles. Es ist wahrscheinlich, daß der Einfluß der Feuchtigkeit auf gewisse Bestandteile deS 8-Pulvers die Explosion herbeigeführt hat.
** Eine schwere Eisenbahnkatastrophe ereignete sich auf der Strecke Halifax-Montreal (Kanada). Zwei Zuge stießen zusammen. Die beiden Zugführer und Heizer warm auf der Stelle tot. Ebenso wurdm die Begleitbeamten der Gepäckwagen getötet, di« Wagen gerieten in Brand. Zwanzig Passagier« haben schwere Brandwunden erlitten. Man furchtet, daß dreißig bis vierzig Passagiere verbrannt sind.
— Empfindlich. „Ja warum wollen Sie denn dem Herrn eine runterhauen? Er hat doch nichts gesagt als: „Ich versichere Sie! Das ist doch leine Beleidigung!" So, wo er Schweineversicherungsagent ist!"
Recht «nd Gerechtigkeit in Marokko.
Eine zeitgemäße Betrachtung.
Von Franz Wichmann.
Wiederholt gingen in letzter Zeit durch die Blätter haarsträubende Mitteilungen über die von dem Sultan Marokkos an seinen Gefangenen verübten Grausamkeiten. Manches davon mag übertrieben sein, i wie es ja auch die Engländer früher je nach Bedarf i liebten, die Türken bulgarische oder armenische Gteuel- taten begehen zu lassen, an denen diese entweder ganz Unschuldig ober die überhaupt rein erfunden waren. Do haben auch Spanier und Franzosen zur Zett ge- Joifc ein Interesse daran, Muley Haftd als blutigen Wauwau hinzustellen und chm allerlei abscheuliche» anzudichten, was man chm in Wahrheit nicht toirb 8um Vorwuss machen können. Indessen dürfte immer och genug übrig bleiben, woran weniger der einzebre ann, der nur den Traditionen seines Landes folgt, s vielmehr das zurzeit noch immer in tieffte Backa- i versunkene Volk Marokkos die Schuld trägt. Und »enn es wahr ist, daß sich die europäischen Groß- nachte jüngst zu einer gemeinsamen Vorstellung ent- cplojfen haben, um den Sultan an «eiteren grausamen xekutionen zu hindern, so wird das zwar wenig nü- ist aber immerhin als ein lobenswerter Schritt begrüßen, da er die Richtung weist, in der die fortschreitende Kultivierung der Menschheit in; diesem ^ande zmmchst einmal vorzugehen hätte. Seit Spa- lenS Kriegsmacht Bei Melilla den Riffkabhlen gegen- versteht, ist Marokko wieder in aller Munde, und im- E drängt sich die Ueberzeugung auf, daß die- sS-Jzf” 1? von den Armen der Zivilisation 2!ierte Barbarenstaat sich nicht dauernd wird i roäf°?^"- Um ihn aber erfolgreich zu «formte- Stelle eine gründliche Umgestaltung W reSS? .»onnäte« betttt au» dessen" Brutale? steareiflick erster Linie alle jene un» so un-
Ö» aBerÄtnben' öon ben Bewohnern des Ktt des SSÄrfSiP'S fanatischen Gleichgültig-
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Tiefstand der Kultur eines Volkes Bildet seine Rechtspflege den klarsten Spiegel, und wie es damit in Marokko bestellt ist, muß umso schlimmer erscheinen, wmn man bedenkt, daß eS sich um ein Land von der Größe Spaniens und Italiens zusammengenommen handelt. Der Koran ist bei gewöhnlichen Rechtsfällen noch heute das einzige Gesetzbuch, und in den Städten und Provinzen find die Kadi mtt Bechiffe ihrer Ka- liben (Schreiber) und Adullen (öffenlliche Notare) eingesetzt, ihm Geltung zu verschaffen. Aber dieselben Gesetze, die der Religionsstifter im 6. Jahrhundert auf die wilden Stämme Arabiens zuschnitt und deren Kempuntt der Grundsatz: „Auge um Auge, Zahn um Zahn' ist, mußten, nach 12 Jahrhunderten unverändert angewandt, einen Zustand herbeiführen, der die Bevölkerung nur mehr in Diebe und Bestohlene zerfallm läßt. Die Regierung ist nur ein raffinierte» Erpressungssystem von Stufe zu Stufe. Die auf der letzten stehen und nicht» mehr unter sich haben, saugen sich gegenseitig au». Alle Aemter werden vom Sultan verduft, um die Käufer, sobald sie das Ihrige eingeheimst, desto erfolgreicher auSziehen zu könnm. Das alle- geschieht unter dem Deckmantel des Rechts, und die Gefängnisse find da» bequemste Mittel, um bas beiseite zu schaffen, au» dem sich nichts mehr herauS- quesschm läßt. Sie find Gräber für Lebendige. Einen maroflantfäen Kecker könnte man ohne weiteres al» Illustration zu Dantes Hölle verwenden.
Betret« wir einen solchen unterirdischen Raum, so sehm wir einen engen, in Schmutz versunkenen Hof. Ring» an den gewaltig hohen Mauern entlang zieht sich eine Ack mit kleinen Oeffnungen versehener Hundeställe, in denen die Gefangenen schlafen. Eine Reinigung findet niemal» statt, die elenden, halbnack- tm Gefangenen, die schwere Ketten und Eisenkugeln nachschleppm, vegetieren in einer buchstäblichen Kloake. Aber daS sinh noch die toegen guter Führung Bevorzugten, die sich frei im Hofe bewegm düssen, die übrigen find in ben von Ungeziefer wimmelnden Reinen Hütftn in HalSeifen gesteckt oder an die Wand gefettet Dem Staate fällt e» nicht ein. für die Beköstigung der ©efangenen zu sorgen. DaS liegt dm Angehörigen derselben ob. Wer keine hat der muß Verhungern, wmn «t sich nicht .durch Herstellung mm FS-
Bei bet europäischen Damenwelt würbe die Anwendung solch drastischer Mittel wohl in kurzem alle angeborene Klatschsucht unterdrücken. In Marokko aber scheinen sie noch nicht zu genügen, denn böse Mäuler werden dort noch besonders behandelt. Wer seinen Nächsten verleumdet, dem werden die Lippm mit einer Lösung des schärfsten Pfeffers eingeriebm, was stundenlang einen unerträglichen Schmerz berur- sacht. Während die Bastonade schon für das kleinst« Vergehen, ein unrechtes Wort, einen ungeziemenden Blick zuerkannt und, wenn ein Richter zugegen, gleich an Ort und Stelle, auf offener Straße vollzogen wirb, habm schwere Verbrechen bie grausamsten Strafen zuft Folge. Ein Dieb kommt noch am besten davon, wen», man ihn auf einen Esel binbet und mit entblößten f Rücken durch die Straßen zum Gefängnis peitscht, seh s ost aber wird ihm eine Hand oder ein Fuß abg«: haum und der Stumpf zur Stillung der Blutung U siedendes Pech gesteckt. Die Todesstrafe wird stet» durch Köpfen vollzogen, der Hmker jeweilig gebungei L | Er erhält die Kleider des Gerichteten und ein Heini • Honorar für seine Mühe. Auch eine Art eifern e Jungfrau kennt die marokkanische Justiz. Es ist en hölzerner Kasten, in dem der Delinqumt nur gebütt sitzen kann, und der inwendig mtt den Spitzen scharst« Nägel gespickt ist. Das Geständnis verborgener Schätze wird gern durch diese Marter erzielt, wenn der Ge- guälte überhaupt mtt dem Leben davonkommt. Ebenso werden die Gesangmen in einem eisernen Halsband mtt ausgespannten Armen an der Mauer befestigt, indem sie, um nicht zu ersticken, den Boden nur eben mit den Fußspitzen berühren können. Mit jeder Strafe ist außerdem der Verlust von Geld oder Eigentum verbunden. Um dieses dreht sich alles. Reiche allein könnm durch Geld sühnen. Sonst ist der Untertan in allem der reinen Willkür preisgegeben. Jeder höhere Gerichtshof fehlt, ein Appellieren ist unmöglich. Dagegen findet sich fast in jeder Stadt eine „Zaouia*, ein Heiligtum, und wer sich in deffm Inneres flüchteti darf darin nicht angetastet werden. Dadurch wird roenigftenS die Ausführung summarischer Befehle und Hinrichtungen vechindert und Zett gegeben, der Sache auf ben Gmnb zu gehen. DaS ist der einzige, freilich nur vorübergehmbe Schutz, der auch in Marofto dem schuldig pber unschuldig Verfolgten gewährt wird.
△ Der Schutz der Jugend.
Erfreulicherweise »erben sich auch die weitest« PolkSkreise immer mehr ihrer Aufgabe bewußt, die sie in Interesse eine» charakterfesten h-ranwachsendenGe- Mechts zu erfüllen schuldig sind Wer sich die Mühe $bt, die Verhandlungen der zahlreichen Kongresse zu •erfolgen, wird wahrnehmen, daß fast alle Vereine, die sich mehr ober weniger intensiv mit der Jugendfrage kräftigen, auf ihren Tagungen nicht genug ben Schutz der Jugend ptoKamteten könnm. Roch vor Einigen Jahren beschäftigte man sich mtt dieser hochwichtigen Frage nur in engsten kirchlichen Kreisen, Während gegenwärtig die verschiedensten Geister und Karteien aus allen Sagem mit aller Kraft dem her- ianwachsenden Geschlecht die Hand reichen wollen, damit eS durch die Stürme der Jugmd umso gesahr- fofer sich zu charaktervollen Menschen Heranbiiben
vermischter.
r Durchgebramlt ist der Ballon „See den Francs", der sich rühmlich an dem Bmnet-Fliegen beteiligt hatte. Als die Passagiere nach der Landung der Gondel entstiegen waren, flog der Ballon davon und entführte auch alle Dokumente über die vollbrachte Fahrt.
r eine Familieutragödie ereignete sich in Nürnberg. Die Frau einer Mechanikers stürzte sich aus Gram darüber, daß ihr Mann sie der Untreue bezichtigt hatte, mit ihrem 3jährigen Kinde und ihrem 4jährigen Neffen in den LudwigSkanal. Als der Mann im Leichenhause an die Bahre seiner Angehörigen geführt, wurde schoß er sich in Verzweiflung eine Kugel in den Kopf und war auf der Stelle tot.
; Ein weiblicher Einbrecher wurde in Berlin verhaftet. Die Kühne öffnete mir vielem Geschicke mittelft Dittriche ein Zimmer, erbrach die Schränke und entwendete Kleider, Wäsche und bares Geld.
; 6m Treitschke-Denkmal wird heute im Vorgarten der Berliner Universität enthüllt. Der große Hiftoriker ist dargestellt im malerischen Pro« fessorentalar mit der Geste deS begeisterten Redners. An der Wand lieft man über dem Haupte des Gelehrten ht Goldschrist sein geflügeltes Wort: „Männer machen die Geschichte!"
♦ Fleischvergiftungen werden au8 Berlin gemeldet. Nach dem Genüsse von Schabefleisch er« kauften 10 Personen. Drei mußten in Krankenanstalten gebracht werden. Die Ursache für bie Vergiftung des amtlich untersuchten Fleisches ist noch nicht festgestellt.
Das Münchener Hosbränhaus schenkt nach wie vor in seinen unteren Lokalitäten daS Winterbier um den Preis von 22 Pfg. pro Liter auS und bestätigt so aufs Neue die bereits geäußerte Ansicht, daß bie Hofbräuhausbirektion die von ben Münchener Bierbrauereien infolge bet Malzaufschlags« erhöhung abermals geplante BierpreiSerhöhung vor»' erst nicht mitzumachen gewillt ist. — Glücklich«»
chern oder Körben ein Geringes verdienen kann. Das meiste der so angefertigten Waren wird freilich von den Aufsehern unterschlagen und die Rahmng besteht nur auS Brot. Stirbt ein Gefangener, so erfahren die Seinen nichts davon, damit der Gefängnisdirektor die weiter zufließenden Gaben siir sich einstecken kann. In allen Gefängnissen befindet sich eine Moschee und eine Zisterne. Das Licht fällt nur durch Keine Oeffnungen in den Raum, in dem ost bie angesehensten Leute, meistens Opfer der Habsucht und Rache von Vorgesetzten, in Hunger und Elend langsam verfaulen. Die Juden befinden sich abgesondert, und in der Kasbah werden gewöhnlich die Staatsgefangenen auf- bewcchrt. Ein eigenes Gebäude haben auch die Geisteskranken. Man befestigt sie einfach mit Ketten stehend an der Wand, nur nachts können sie sich mühsam eben nicberfegen.
Da» Gefängnis ist aber keineswegs das einzige Strafmittel der marokkanischen Justiz. Ihr einfachstes ist die Prügelsttafe, die hier noch in üppiger Blüte steht. Vor ihr ist keiner sicher, sie wird an hoch und niedrig vollzogen. Jeder Gouverneur und Kadi kann sie ohne weiteres vechängen, aber sie ebenso auch selbst vom Sultan zueckannt erhalten. Die Bastonade sst so allgemein, daß sie nicht einmal für entehrend gilt. Im Gegensatz zu Tunis und Persien, sowie zur Tückei, wo sie indessen schon vor hundert Jahren, offiziell wenigsten«, abgeschafst wurde, wird sie hier bei den Männern stets auf den Rücken erteilt. Eine Ausnahme macht nur das zarte Geschlecht. Bei den Frauen und Mädchen müssen die bloßen Fußsohlen die zuer- tannten Hiebe aushalten. Die Verurteilte wird dabei in eine Art von großem Kock gelegt, aus dem die Füße mtt bi die Höhe gekehrten Sohlen hervotstehen. Die Sckläge .deren Zahl je nach der Schwere des Verbrechen» in die Hunderte wächst, werden mit einer drei Schuh langen, geflochtenen Lederpettsche von der Dicke eine» Keinen Fingers erteilt Die Strafe wird stet» öffentlich vollzogen, an jedem Gerichtstage kann der Fremde in der Kasbah vor dem Kadi dem grausamen Schauspiel beiwohnen. Die Gezüchtigten läßt man einfach liegen. Wenn sie nicht mehr davongehen oder richtiger kriechen können, müffen sich die Angehörigen ihrer annehmen und sie auf «inet Bahre nach Haufe schaffen.
deren Saum 15 psg. Ueklamen dwpetitzeS» » Pf-, del MedM
Wer hätte gedacht, daß der Kampf gegen die Schmutzliteratur schon in so kurzer Zett selbst von ben Kreisen aufgenommen würde, die sie vor noch nicht allzu langer Zeit mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln förderten? Wenn jetzt sogar die ^fortschrittlichen" Frauen auf ihrem in diesen Tagen Abgehaltenen Kongreß in der Reichshauptstadt sich mit dem Jugendschutze beschäftigten, so kann man dies nur Äs ein gutes Zeichen betrackten, da gerade ihre Führerinnen einst nickt -'?nug das Recht der „Freien Entwickelung" des 5' de? fordern konnten. Auch die Gesellschaft für Seraceitung von Volksbildung hat sich eingehend mit ter Frage beschäftigt, wie der Schmutzend Schundliteratur wirksam entgegengetreten werden , könnte, und sie hat gleich dem allgemeinen deutschen Frauentag, der gegenwärtig in ® arm- iftab t tagt, die Forderung ausgestellt, daß dem Sen- ssationsbedürfnis, von welchem in höchst bedenKichem Maße unsere Jugend bereits ergriffen worden ist, aufs schärfste entgegen zu treten wäre. Die Lektüre der ; Kinder müsse sorgsam geprüft und überwacht werden. t®egen bie Schmutz- und Schundlitteratur roenbet Sck auch ein vom Kultusbepartement des öeimarischen Staatsministeriums an bie Bezirksschulinspektoren bes Laubes ergangener Erlaß, worin diese Aufstchtsbeamten angehalten werden, daraus zu sehen, baß die Lehrer alles täten, diese Gefahr für bie Jugend im Einvernehmen mit den Eltern der Kinder zu bekämpfen. Es wird den Lehrern zur Pflicht gemacht, ihr Augenmerk auf die Läden und Schaufenster der Buchhändler und Buchbinder, bei denen die Schulkinder ihren Bedarf in Schulutensilien entnehmen, zu richten. Setzen vlche Geschäfte trotz Ermahnungen der Schule den Handel mit derartigen Waren fort, so sollen die Eltern der Kinder ersucht werden, den Kindern das Kaufen in diesen Läden zu untersagen.
An ber Tatsache, baß bie Schmutzliteratur sn weiten Schichten unseres Volkes eine erschreckende Verbreitung gesunden hat, wirb nirgends mehr gezweifelt. Man sst sich auch allenthalben bewußt, daß . bet Kampf gegen den Schmutz in Wort und Bild nicht tiur tote bisher von den Fachvereinen, tote pädagogischen und Sittlichkeitsvereinen geführt werden muß, sondern daß das ganze Volk sich aufraffen p u ß, um diesen Kampf gegen die Jugendverderbet tit Erfolg führen zu können. Mann kann es daher ur begrüßen, daß gerade der allgemeine deutsche IFrauentag es als die Pflicht aller Frauen bezeichnet hat, sich an diesem Kampfe zu beteiligen, und zwar picht nur durch einfache Belehrung ihrer Kinder, son- tern auch durch einen Druck auf Geschäfte, die mit Schmutzliteratur handeln. Gerade dieser Druck dürfte
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