MMnr ngim « «Mlchme der Sen» Süd fitieriage. Viertel« jährlicher vezugrprei, ohne Vringerlohn und vestellgeld in §ulda so- wie aurwSrtS isourt
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NotatisvrdrnSmkd, Verlag der Fuldaer N»^ tieodnlSerei te Fülbr LenrIpkecherRr.L
Fulda, Freitag den 8. Oktober 1909.
M 281.
36. Jahrgang.
Zweites Wttttt.
!!! Haftpftichtverficherung für die Landwirtschaft.
1.
,, Vor mehreren Jahren ist für unseren RegiemngS-
Wende Abhandlung:
Mas verstehtman unter Haftpflichtund Ko a I bezweckt die Haftpflicht-Versicherung?
Unter Haftpflicht versteht man die gesetzliche ^Verpflichtung, einem Dritten den Schaden zu Ersetzen, den man ihm verursacht hat.
Das ist im Wesentlichen dann der Fall, wenn man Arch fahrlässiges Verhalten (z. B. durch Ntichtstreuen bei Glatteis, durch Fahren in der Dunkelheit ohne Lateme, durch mangelhafte Betriebseinrich- stungen, Nichtbeachtung der bestehenden Polizeiverord- ätungen und Unfallverhütungsoorschristen) die Verletzung (Tötung) eines Menschen oder die Beschädi- tzung fremder Sachen herbeigeführt hat. Auch die von A n g e ft e l l te n und Kindern vemrsachten Schäden sind unter Umständen zu ersetzen, nämlich dann, wenn man es an der erforderlichen Beauflichtigung hat ffehlen lassen oder wenn man unzuverlässiges Personal Inn genommen hat Besonders bedrohlich aber ist für den Landwirt die durch § 833 des Bürgerlichen Gesetzbuches eingeführte Haftpflicht des Tierhalters, weil Der Tierhalter in zahlreichen Fällen für den durch seine Miere angerichteten Schaden hostet, selbst ohne Daß ein Verschulden v0rliegt. Nun ist allerdings der § 833 des Bürgerlichen Gesetzbuches inzwischen infofecn abgeändert, als bei Haustieren, Die dem Beruf, der Erwerbstätigkeit oder dem Unterhalte des Tierhalters zu dienen bestimmt sind, die Haf- Uung erleichtert und an ein Verschuld en geknüpft !ist. Aber auch in diesen Fällen muß der Tierhalter, itvenn er von der Haftpflicht frei werden will, seiner- e i t s beweisen, daß er die im Verkehr erforderliche Sorgfalt beobachtet hat, ein Beweis, der unter Umständen nicht leicht zu erbringen ist.
Die Haftpflicht hat zweifellos etwas Beunruhigendes, namentlich aus dem Grunde, weil sie in allen sthren Möglichkeiten nicht zu übersehen ist. und weil so 'Kroße Schäden denkbar sind und nicht selten vorkom- mcn, daß ein einziger Fall auch einen wohlsituierten Mann wirtschaftlich vernichten kann.
Was die Haftpflichtversicherung bezweckt, ist nach diesen Ausführungen klar. Sie will den Versicherungsnehmer von den S ch ad e n e r s a tz- ä»sprächen befreien, die gegen ihn erhoben werden. Hält die Versicherungsanstalt diese Ansprüche für begründet, so befreit sie den Versicherungsnehmer dadurch, daß sie für ihn in sotzungsmäßigem Umfang Bit den Beschädigten Zahlung leistet. Hält sie die Ansprüche für unbegründet ober übertrieben, fo führt sie für den Versicherungsnehmer den Prozeß, übemimmt die Prozeßkosten und zahlt im Falle der Verurteilung die Urteilssumme.
Es ist ein großer, aber weitverbreiteter Irrtum, Die Haftpflichtversicherungsanstalt habe den Zweck, den ^Versicherungsnehmer selbst für allerlei Unglücksfälle ru entschädigen, die ibn selbst betroffen haben und nicht unter die. Unfallversicherung fallen. Nach dem Gesagten ist es klar, daß dies gar nicht die Aufgabe der Anstalt ist.
hezirk im Anschluß an die Hessen-Nassauische landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft eine Haftpflicht- versicherungs-Anstalt errichtet worden. Sie hat ersteulicherweise bereits 19 000 Mitglieder. Wir chatten diese Einrichtung für unsere Landwitte, besonders für die mit kleinerem Betrieb, für überaus nichtig und möchten nicht unterlassen, den Beitritt zu Dieser Anstatt sehr zu empfehlen. Zur Belehrung über Diesen Gegenstand brachte das Amtsblatt der Land- Avittschaftskammer in einer seiner letzten Nummern sol-
Kleines Feuilleton.
f- Deutsche Intelligenz und Tüchtigkeit hat nach der, Wochenschrift ,Zement und Beton" auch in China aus dem Gebiet der Zement-Erzeugung einen guten Erfolg zu verzeichnen, indem in Tang-schau (Kanton) eine leistungsfähige Fabrik von deutschen Ingenieuren und deutschen Maschinen im Auftrag der chinesischen Regierung eingerichtet ist und in Hankon eine solche fetzt gebaut wird. Gelingt es den Erzeugnissen dieser Fabriken jener der in Hongkong befindlichen Fabrik der Grm-Jsland- Zement-Company, — die jetzt fast ein Monopol in China hat — zu schlagen, so werden sicher weitere .Neuanlagen errichtet, bei denen deutsche Maschinen rmd deutsche Ingenieure den Vorzug erhalten Werden. Zu befürchten ist nur, daß durch die guten deutschen Lehrmeister die Chinesen selbst in den Dtand gesetzt werden, die erforderlichen Maschinen zu erzeugen Strebt doch das heutige China mit »ller Macht nach wirtschaftlicher Unabhängigkeit vom Ausland, und starke chinesische Kapitalisten- flenoffen sind dabei, riesige Maschinenwerkstätten in's Leben zu rufen, so daß schließlich wie in Japan iftatt eines neuen Absatzgebietes neue Konkurrenz ^geschaffen wird. k.
te — Sprachliches über die Lnstschiffahrt. "(Aus der Sprachecke des Sprachvereins.) Ueberblicken wir die ^verschiedenen Ausdrücke, mit denen die Deutschen das Luftschiff im Laufe der Zeiten bezeichnet halben, so können wir uns über den Eifer freuen, mit dem unsere Landsleute sich bemüht haben, diesem wunderlichen Dinge deutsche Namen zu geben. Als 1783 feer Luftballon in Frankreich erfunden worden war, sträubten sich manche Schriftsteller wider diesen iFremdling. Der preußische Ingenieur Hahne gekraucht 1784 dafür das Wort Luft maschine, Und in demselben Jahre redet der Abt Uebelacker von Ker L u s t k u a e l. 1823 verfaßt der Mathematiker
Es ist selbstverständlich, daß der Vetsichemngsneh- mer die Erhebung unbegründeter oder übertriebener Ansprüche seitens dritter Personen nicht fördern darf, daß er im Gegenteil die Pflicht hat, solchen Ansprüchen energisch entgegen zu treten. Er muß sich stets als Verbündeter der ihn schützenden Anstatt betrachten, darf sich niemals auf die andere Seite schlagen und soll stets daran denken, daß seine Berufsgenoffen sämtliche Entschädigungen aüfbringen müssen, daß also kein Bettag ohne gesetzliche Verpflichtung, etwa aus Wohlwollen oder anderen Gründen gezahlt werden darf
Gegen den Mißbrauch geistiger Getränke.
Auf der Hauptversammlung des Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke, die in diesen Tagen in Nürnberg tagte, hat der Staatsminister Graf v. Posadowsky bekanntlich einen bemerkenswerten Vortrag gehalten. Der Redner führte über die Bewegung gegen den Mißbrauch geistiger Getränke folgendes aus: Sie haben sich hier in der zweitgrößten Stadt Bayems versammelt, in einem Bundesstaat, wo Bierbrauerei und Landwirtschaft eine große Rolle spielen. Streiten Sie denn hier nicht gegen das Staatsinteresse? Gewiß nicht; ganz abgesehen von allen anderen naheliegenden Gesichtspunkten; selbst wenn eine größere Mäßigkeit der lebenden Bevölkerung erzielt wird, so wird durch die starke Bevölkerungszunahme ein Ausgleich herbeigeführt. Wenn dasselbe Quantum Alkohol wie jetzt in 10 bis 15 Jahren noch getrunken wird, so würde doch unser Volk bann eines der mäßigsten Völker der Erde fein, weil zu jener Zeit sich diese Menge auf eine viel größere Anzahl von Menschen verteilte. Zu wünschen wäre im öffentlichen Interesse eine stärkere Abnahme des Alkoholkonsums, aber eine solche ist leider nicht zu erhoffen. — Daß die Behörden aller Bundesstaaten der Bekämpfung des Alkoholmißbrauches freundlich gegenüberstehen, ist oft bezeugt und gezeigt. Mehr wert als gesetzliche und polizeiliche Maßnahmen dürften aber Aufklärung, persönliches Beispiel und Veredlung der Sitten fein „Stil", das ist eine Losung unserer Zeit: in Wohnung und Hausgerät, in der Kleidung soll alles stilgemäß sein. Warum nicht in der Lebensführung im Punkt Alkohol? Ueberlegte, bedachtsame, zweckmäßige Haltung gegenüber den geiftigen Getränken — das liegt auf der Linie der Bestrebungen des Vereins. Andererseits kann der Staat nicht anders: nach seiner Idee muß er ein Förderer aller idealen Besttebungen sein, daher auch der Nüchternheitsbeweguiig. Die Antialkoholbeweg- ung hat sich bereits Beachtung erzwungen. Auch in der Alkoholfrage trifft die Inschrift zu, die in Wernigerode an einem Hause zu lesen ist:
Der eine betrachts, Der andre verachts, Der britte verlachts — Was wachts?!
Die Gleichgültigen gilts auszurütteln. Es gilt barauf hinzuweisen, daß unsere Arbeit ein Glied ist der ganzen großen sozialen Wohlfahrtsbesttebungen. Die Opposition der Gastwittekteise geht zum Teil auf das Mißverständnis zurück, als ob wir gegen ben Wirtestand als solchen kämpften. Es handelt sich um eine nationale Not. Hat der Alkoholismus nicht feinen großen Anteil an der auffallenden notorischen Abnahme der Wehrfähigkeit vor allem in den Städten unb der Zunahme der Neurasthenie? Wir wollen nicht ein Volk non Philistern, wir wollen für unser Volk Lebenskraft und Lebenslust; es unterliegt keinem Zweifel, daß der Enthaltsame und Mäßige mehr Lebenslust und Kraft besitzt als der Unmäßige.
Zachariä eine Geschichte der Luftschwimm- kunst und ersetzt da das Wort Luftballon durch Luftkugel und Gaskugel, je nachdem es sich um eine mit Luft ober um eine mit Gas gefüllte Kugel hanbelt. Auch das Wort Suftball verbreitete sich; es hatte aber schließlich weniger Gluck als das entsprechende Wort „luchtbal" in Holland, wie ja überhaupt das Holländische eine Menge glücklicher Ersatzwörter für Fremdwörter hat, die bei uns vielen Leuten noch unentbehrlich vockommen. Das Wort „Luftballon" drang schließlich in Deutschland durch 1884 wurde in Berlin sogar eine „Versuchsstation für ballons captifs" gebildet, aber schon zwei Jahre später ersetzte das preußische Kriegsministerium' dieses häßliche Fremdwott durch Fesselballon. Das älteste deutsche Wort in ber Lustschiffahrt ist Luftschiff, das schon 1682 belegt ist. Jetzt drängen sich auf btefem Gebiete eine Menge Frembwörter heran. Hoffen wir, baff ber Wsunbe deutsche Sinn unserer Luftschiffer die Aviatik, bie, Aviatiker, die Motorballons, die Aeronauten nicht aufkommen läßt, hat doch auch ihr Herr unb Meister, unser Graf Zeppelin, ben deutschen Ausdruck Flugschiff eingeführt.
— Kindermund. Papa soll früh aus den Federn, so schwer es ihm fällt. Er nimmt einen Anlauf und zähll: „Eins. . . zwei.. . drei", da ertönt aus dem Bett seines vierjährigen Söhnchens, das sich im gleichen Zimmer befindet, die Stimme des hoffnungsvollen Sprößlings: „Gsuffa!"
— Wie überall. Einwanderer: „Endlich bin ich im freien Amerikas Hier kann doch ein Mann tun und lassen was ihm beliebt. Nicht wahr?" — Eingeborener: „O . .. ja .. , außer ... wenn er verheiratet ist."
— Im Gamsgebirge. „Hären Se mal, mei kutester Herr Ekonom, gehn denn bei Eich de Leite nich mehr in den scheenen ächten Nationalgostieme?* — „Mir Hamm kons mehr. Mir Hamms alle an die Fremden verkässt." Z
Deutsches Reich.
+ Die Aufstellung des neuen Reichsetats für 1910 ist im wesentlichen beendet. Das Reichsschatzamt hat die Beanstandungen in den
letzten Tagen nochmals geprüft, sodaß die Verhandlungen zwischen den Refforts als beendet gelten können. Die Ausstellung des neuen Etats soll sparsamer als je erfolgt sein, zumal die künftigen Einnahmen aus den neuen Reichssteuern noch nicht nach den bisherigen Ergebnissen zuverläffig veranschlagt werden konnten und das Reichsschahamt zur Verhütung größerer Fehlbeträge für die nächsten Etatsjahre die Einnahmen für das Rechnungsjahr 1910 verhältnismäßig niedrig angesetzt hat. Der neue Etat wird dem Bundesrat in, Spezialetats in etwa zwei Wochen zugehen.
O Keine Veränderungen in der Preffe-Abteilung des Auswärtigen Amtes. Die Meldungen von bevorstehenden Veränderungen in der Preffeabteilung des Auswärtigen Amts wird von der Abteilung als unrichtig bezeichnet. In der Leitung der Abteilung scheint aber doch ein Personalwechsel bevorzustehen.
(*) Antireligiöser Fanatismus. Ein Berliner Mittagsblatt brachte nach Feststellung der Deutschen Tagesztg/ einen Aussatz über den Lustflieger Latham, der mit folgenden Sätzen schloß:
„Unb eines vor allem! Solange der Mensch die Erde nur als Vorschule für den Himmel betrachtet, findet er nicht die Energie, hier nach dem Himmel auf Erben zu greifen. Das heutige Frankreich, das ben Mut hatte, den Staat völlig von ber Kirche zu trennen, keimt nur das Ideal des Fortschrittes auf dieser Welt. Dafür wird gekämpft, der wird erreicht. Wenn wir fottfahren, alle unsere Wege Gott zu befehlen, müssen wir schließlich zurückbleiben oder Heuchler werden, wie die Engländer. Der Laiendemokratie gehört die Zukunft. Sie beherrscht Amerika. Sie erzieht in Europa Männer wie Bleriot und Latham — Führer der Menschheit!"
Wie groß muß der antireligiöse Fanatismus sein, der in den Herzen gewisser Leute lodert, die selbst die Errungenschaften moderner Technik nur unter dem bornierten Gesichtswinkel der Kullnr- kämpferei und des Gotteshasses zu betrachten vermögen! Liberale Blätter haben unlängst des Grafen Zeppelins geniale Erfindung als Frucht des Protestantismus und des Liberalismus gerühmt. Was über die „Vorschule für den Himmel" und über Gott gesagt wird, darüber möchten wir schweigen. Das ist, sagt mit Recht die (nichtkatholische) ,Deutsche Tageszeitung', frivole Blasphemie. UebrigenS vergißt der im Luftkoller befangene Herr vollständig, daß gerade die meisten, mindestens sehr viele, w c- liche Pfadfinder und Führer der Menschheit, t ihrer Vervollkommnung energisch gearbeitet ha.cn, die Erde nur als Vorschule für den Himmel be- trachten. Aber ernstlich mit einem Manne zu diskutieren, der es fertig bringt, derartige Sätze zu schreiben, ist nicht möglich.
Ausland.
* Ein Attentat soll wieder einmal auf den Zaren geplant gewesen sein. Gegenwärtig werden im Petersburger Winterpalais wegen der bevorstehenden Ankunft des Zaren Reparaturen vorgenommen. Der älteste Sohn des Hoftischlers Michalow, welcher bei diesen Arbeiten beschäftigt war, wurde verhaftet. Man sand bei ihm kompromittierende Schriftstücke vor.
* China. Der in den letzten Tagen erfolgte Tod des Großsekretärs Tschang-Tschi-tung, der im amtlichen Leben Chinas die hervorragendste Stellung bekleidete, hat den Thron vor die Notwendigkeit gestellt, nunmehr selbständig wichtige Entschlüffe zu fassen. Seit der Demission Juan- schikaiS war Tschang-Tschi-tung der mächtigste Faktor der chinesischen Politik und das Haupt der Regierung. Er war der einzige Führer, der wirklich eine Partei hinter sich hatte. Von der Ernennung des Nachfolgers für den Verstorbenen wird es jetzt abhängen, ob die Fortschrittspartei oder die Konservativen im Großen Rate die Herrschaft ausüben werden.
volkswirtschaftliches und Soziales.
c. Münster, 6. Oft. 1909. In der vorgestrigen Tagung bet Generalversammlung des Zentralverba n b e s christl. Vauhandwerker befaßte sich Herr Gewerkschaftssekretär S t e g e r wa l b-Köln auch mit ber Reichsfinanzreform: Es sei ber Vorwurf erhoben worben, baß bet Gesamtverbanb sowohl wie der Bauarbeitecverbanb nicht früh genug bie Offensive ergriffen hätten. Demgegenüber weift Redner darauf hin, daß die Frage der Reichsfinanzreform gar nicht aufgeklärt werden kann, ohne die parteipolitischen Konstellationen in Bettacht zu ziehen. Das aber kann in der Gewerkschastspresse nicht geschehen, weil bie parteipolitischen Elemente auch für alle Zukunft aus der Gewerkschastspresse ferngehatten werden müssen. Die soziademokratische Geweckschasts- preffe brauchte das nicht zu tun unb hat dadurch natürlich einen Vorsprung vor uns gewonnen. Von ben Mitgliedern, die wir heute haben, springen keine zwei Prozent ab. Unsere Taktik wat die: Wir müssen erst eine Zeitlang bie sozialdemokratische Presse kräftig schimpfen und sich festlügen lassen, und bann muß sie angepackt werben! Unb jetzt ist bie Stunbe gekommen, wo wir einzusehen haben. Das wird in den nächsten Monaten geschehen. Die alte Mehrheit hätte die Steuern mindestens nicht besser gemacht als die neue Mehrheit. Lediglich agitatorische Interessen biöierten das Verhalten der Sozialdemokraten bei bet Finanzreform. Eine Reichstagsauflösung, wie sie die Sozialdemokratie wünschte, hätte die schlimmsten wirtschaftlichen Folgen nach sich gezogen und die Lohnarbeiterklasse würde das am meisten verspürt haben. Das ganze Reichsfinanzteform- wetk gibt uns eine wichtige Nutzanwendung:! Wit müssen die Massen sammeln, um als praktischer, starker Gefetzgebungssaktor gelten zu können! Mr brauchen nicht trübe in die Zukunft zu sehen. Für uns
ist die Situation nicht ungünstig, wenn wir sie recht ausnutzenI Dann wird auch die Reichsfinanzreform ein Teil dessen werden, der, während er das Böse will, das Gute schafft! Lebhafter Beifall folgte der vorzüglichen und klaren Rede des Herrn Stegerwald. —. Heute morgen wurden die Verhandlungen fortgesetzt Zur Debatte stand bie Frage: Lohnbewegung unb Tarifverträge. Die Verhandlungen dir- über waren nicht öffentlich.
Heute brachte die Verhandlung zunächst ein Referat des Arbeitersekretärs B r ü ck n e r-München über die Rechtsschutzerteilung ber Gewerkschaften. Der Referent zeigte die aus dem Anwachsen ber sozialen Gesetzgebung entspringende Notwendigkeit eines billigen Rechtsschutzes für die Arbeiterschaft unb legte bann die von ben katholischen Volksbureaus ausgehende Entwickelung bar. In den letzten Jahren sind sogar politische Parteien dazu über« gegangen, sich ben unentgeltlichen Rechtsschutz nutzbar zu machen. Sogar ber Reichsverband gegen bie So-^ zialbemokratie sucht auf diese Weise das Vertrauen der Arbeiterschaft zu gewinnen. Diesen Erscheinungen' wünschte ber Redner ein gut ausgebautes System des Rechtsschutzes der Geweckschasten entgegengesetzt zu sehen. Die Besprechung dieses Gegenstandes ließ Einmütigkeit in ber Richtung erkennen, daß bet Rechtsschutz mit ben wichtigsten aller Unterstützungs-' zweige darstelle unb daß sein Ausbau daher geboten' sei. Das soll, wie seitens des Zentralvorstandes in' Aussicht gestellt wurde, durch Zuweisung einschlägiger' Lektüre unb Gesetzesmaterialien an bie Bezirksvov-! sitzenden usw. sowie möglichst auch durch Anstellung' eines in dieser Richtung besonders geschulten Beam-' ten bei ber Zentrale geschehen. Es fehlt andererseits aber auch nicht an Stimmen, bie aus einer allzu in-' tensiven Beschäftigung ber Bezirksleiter und Lokal-, Beamten mit dem Rechtsschutz eine Schädigung bet' Agitation befürchten. Der Ausbau des Rechtsschutzes' ist in ber Richtung gebucht, baß man mit möglichst vielen Arbeitersekretariaten usw. bezügliche Verträge abschließen will. Aehnliches strebt auch ber Gesamt- Verband ber christlichen Gewerkschaften an.
vermischtes.
** Wegen Landfriedensbrnchs wurde vom Schwur- geeicht in Kiel ein Arbeiter zu einem Jahre Zuchthaus verurteilt. Zwei mitangeklagte Arbeiter wurden freigesprochen. Es handelt sich um einen lieber« fall aus Arbeitswillige während des Streikes der städtifchen Arbeiter in Kiel am 3. Juli. ■
* Ein Geschenk für Kaiser Wilhelm. In Gegenwart der Admirale Schröder und Wainwright über< reichte der deutsche Kriegerbund in New-Aork an' Bord der „Viktoria-Luise" dem Großadmiral v. Köster ein silbernes Tafelfervice für ben deutschen Kaiser.
* Ein Torfarmer verstarb jüngst in dem schlest" schen Dorfe Langwasser. Er hatte auf dem Auszug bei einem Bäckermeister höchst kümmerlich gelebt. Nach seinem Tode aberfanden sich in einer alten Kiste unter dem Bett über 190000 Mk. in serbischen, bulgarischen und englischen Papieren vor.
* Durch Gasvergiftung fanden in ihrer Wohnung im Portierhäuschen der Franziskaner-Brauerei in München der Portier und seine Frau den Tod.' In der Wohnung selbst befand sich keine Gas- beleuchtung, das tödliche Gas entströmte vielmehr durch eine schadhafte Stelle in der Rohrleitung.
* Ein choleraverseuchtes Restaurant wurde in Petersburg entdeckt. Es erkrankten dort elf Angestellte an Cholera, darunter fünf Köche. DaS Restaurant wurde geschlossen und weitere 43 Bedienstete zur Beobachtung in einer Jsolierstation untergebracht.
* Der Untergang des deutschen Negierungsdam» pfers „Seestern" scheint jetzt sicher festzustehen. Alle Ansttengungen, Spuren des verschollenen Dampfers aufzufinben, sinb vergeblich gewesen. Vor kurzer Zett ist erst toteber ein Dampfer nach langem vergeblichem Suchen zurückgekehrt. Er hatte am Metlish-Riff Schiffstrümmer angetroffen, die aber nicht vom „Seestern" herrühtten. Auf ber Saumarezinsel würben Bootsplanken gefunben, beten Herkunft nicht festzu-' stellen war. Man glaubt, baß der schmucke Dampfer, von dem man seit seiner Abfahrt von Brisbane (am 23. Juni) nach Samarari auf Neuguinea nichts mehr gehött hat, mit Mann unb Maus untergegangen fei
* Der deutsche Polizeihund wird jetzt auch in Japan eing es ührt. Einige japanische Beamten haben sich auf ihrer europäischen Studienreise auch Über die verschiedenen Systeme der Polizeihund« Dreffur in Frankreich, Belgien und Deutschland unterrichtet. Daraus hat man sich jetzt entschlossen, die japanischen Polizeihunde nach dem deutschen System auszubilden. Zu diesem Zweck übersetzt ein Rat am Appasentionsgericht zu Sendai das deutsche Poftzeihund-Dreffurbuch von Direktor Ro« bett Getstbach ins Japanische.
Literarisches:
Wille und Erfolg. (Pushing to the front or SuccesS under' difficulties.) Von Swett M 0 rd en. In bas Deutsche übertragen von Elise Bake. (Stuttgart, Kohlhammer. Preis 1,50 Mk. 8", 168 S.
Die in Amerika unb Japan schon in vielen Auflagen erschienene Schttst zeigt mehr an kleinen Geschichten unb Beispielen großer Männer als durch eigentliche Belehrung unb Theorie, wie man in ber Welt auch unter mißlichen Verhältnissen vorwärts kommen kann, wie man durch festen Willen und günstiges Ergreifen ber Gelegenheiten den Erfolg sich erringt Sehr packend und interessant geschrieben, kann dieses Buch allen empfohlen werden unb bet eifrigen Jugend wirb es ein Stachel fein im eifrigen Streben nach Erfolg, den Mutlosen wirb es heben und ihm neuen Mut Anstößen, da es immer darauf feinarbeitet, den Willen zu stählen unb zu reget Tatkraft anzutreiben. N. St