Einzelbild herunterladen
 

W Zuldaer

wetzten

5,fpatySittn$Ä^ DochellMage: M3flllffrferfc SOttltfßßSjCßUltß“

Zeitung rnonatsbellage: „Fuldaer EeschichtzbMer"^

SB8SSB8BSBss8sessssseeeeesssssssssas5asssBsesB8esss

3htjtt5«rr Wt» Wattige pekttzette oder der« Baum 15 Pf 3; BtHateen diepeützelle ZS Pfg^ bet Meder» Holungen wird entfpe

Sabati gewährt.

R»tattottrdri>S«ti Verlag derFuldaerr^ Lev-rmkerei to Ktida

Eerufjyecher Nr.jd

bbssbssä—s*

JV3 231.

Fulda, Freitag den 8. Oktober 1909.

36. Jahrgang.

Erstes Matt

zu geschchen. Sollte für die Reichshauptkaffe ein Post­scheckkonto eröffnet werden, worüber Verhandlungen schweben, dann habe die Ueberweisung nach § 7 der Postscheckordnung zu erfolgen. Hierbei könnm die Gutschriften für mehrere Empfänger in einer Ueber­weisung zusammengefaßt werden. Der preußische Fi­nanzminister hat die Verfügung den Königlichen Re- giemngen zur entsprechenden weiteren Veranlassung wegen der von den Nachgeordneten Kaffen für Rech­nung des Reiches zu leistenden Zahlungen übennit- telt und zugleich genehmigt, daß auch bei den für preußische Rechnung erfolgenden Zahlungen von Diensteinkünsten der aktiven Beamten, Ruhegehalts­und Hinterbliebenenbezügen in gleicher Weise ver­fahren wird.

_|_ Bebel an Haußmann. Der .Vorwärts" ver­öffentlicht di- Antwott Bebels auf den offenen Brief des Abg. Haußmann. Bebel erklätt darin, daß er dem von Haußmann in ihn gesetzten Vettrauen nicht ge­recht werden könne; vielmehr ersehe er erneut, daß die Differenzen in der Auffassung von der Na­tur des Staates und der Gesellschaft und der Stellung, die die beiderseitigen Parteien in den politischen und sozialen Kämpfen einnehmen, unüberbrückbar seien. Der Handlungsprozeß, den die deutsche Demo­kratie und der Liberalismus seit fast 5 Jahrzehnten vollzogen habe, habe sie und die Sozialdemokratie im­mer mehr auseinander gebracht. So sei es natürlich, daß kein gemeinsamer Weg inehr bestehe. Selbstver- ständlich aber werde die Sozialdemokratie jede ehr­lich libemle Forderung, die die Vertreter des Bürger­tums an den Staat stellen, kräftigst unterstützen und es werde ihr nur angenehm sein, wenn sie recht oft in die Lage käme, die Forderungen der bürgerlichen Par­teien unterstützen zu können — Also eine höfliche, aber deutliche Absage.

[] Das Hoch auf das allgemeine Wahlrecht ist also doch kein „grober Unfug". Um zu die­ser Erkenntnis zu kommen, mußte die preußische Staatsanwaltschaft zunächst die Entscheidung des Ge­richts anrufen. Ein Tapezierer namens Dittmann war während der Berliner Wahlrechtsdemonstrationen am 24. Januar dieses Jahres verhaftet worden, weil er vor dem Hause eines Berliner Reichstagsabgeordne­ten ein Hoch auf das allgemeine, gleiche, geheime und birette Wahlrecht ausgebracht hatte. Das Aintsgericht Schöneberg verhängte über Dittmann eine Haftstrafe von vier Wochen. Dittmann erhob Einspruch und wurde vom Schöffengericht am 30. April freige­sprochen. Die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein. Die 2. Strafkammer des Landgerichts II verur­teilte am 5. Juli den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 10 Mark. Gegen dieses Urteil legte Dittmann Revision ein. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft beantragte die Aufrechterhaltung des Urteils des Landgerichts, indem er auf die Rechtsprechung hin­wies, nach welcher schon das Tragen eines roten Ab­zeichens ausreiche, um den Tatbestand des groben Un­fugs zu erfüllen. Das Kammergericht hob das Urteil des Landgerichts auf und sprach den Angeklagten frei. In der Begründung heißt, es u. a.: „Durch die er­wiesene Aeußerung des Angeklagten war die öffent­liche Ordnung nicht gestött, nicht einmal gefährdet, und darum fei sofort auf Freisprechung erkannt wor­den."

+ Ersparnisse im Postdienst. Die Frage, ob eine Verminderung des Beamtenstabes bei der Reichspost und eine anderweite Regelung der Dienstgeschäfte zur Verminderung der fort­dauernden Ausgaben dieses Refforts tunlich erscheine, ist anläßlich der Vorarbeiten zum Postetat für 1910 im Reichspostamt erörtert worden. Hauptsächlich handelte es sich darum, ob es an­gebracht sei, gehobene Unterbeamte als Schalter­beamte für einfachere Dienstgeschäfte zu ver­wenden. Man ist aber zu der Ueberzeugung gekommen, daß am bestehenden Zustande nichts

Deutsches Reich.

** Berlin, 7. Okt. 1909. Der italienische Botschafter Herr v. Pansa ist am Mittwoch vom Reichskanzler v. Bethmann - Hollweg empfangen worden. — Der schlesische Provinzial-Verband des deutschen Flottenvereins hatte beschlossen, das Amt des Vorsitzenden, das der zum Unter» staalssekretär im Finanzministerium ernannte Ober­präsidialrat Dr. Michaelis inne halte, dem Prin­zen Friedrich Wilhelm von Preußen an» zutragen. Der Prinz hat die Wahl angenommen.

$ Der Kaiser hörte am Mittwoch in (Sabinen den Vortrag des Chess des Zivilkabinetts von Valentins.

Q Zu den angeblichen Aeußenmgen des Frhrn. v, Hehl veröffentlicht die nationalliberale Presse fol­gende patteiamtliche Ettlärung: „In einem Teile der Presse wird man nicht müde, eine angebliche Aeußerung des Herrn v. Hehl über die Aufsichtsrats­politik im Reichstage gegen die nationalliberale Pattei auszubeuten. Wir haben von unserer Erklärung, daß sich diese Aeußerung nicht auf Mitglieder der national- liberalen Pattei bezieht, da sie auf Aeußerungen ein­wandsfreier Ohrenzeugen beruht, nichts zurückzuneh- men. Wenn trotzdem das Stöckettsche „Reich" an der Richtigkett unserer Darstellung Zweifel äußert und auf Grund unwahrer Behauptungen von neuem die natio­nalliberale Partei der Hinneigung zu einseitigem Ka­pitalismus beschuldigt, so liegt das eben in der Ten­denz dieses Blattes, dem es dabei auf die Wahrheit wenig ankommt. Wenn aber auch das „B. T." in dieselbe Kerbe haut, so möchten wir ihm anheimge­ben, sich an zuständiger Stelle darüber zu erkundigen, ob unsere Erklärung den Tatsachen entspricht oder nicht. Der berufenste Interpret feiner Aeußerungen ist jedenfalls Herr v. Hehl selbst, an den wir das „B. T." hiermit verweisen." — Jetzt haben das „Reich" und das „B. T " das Wort.

+ Zahlung der Gehälter, Pensionen und Hinter- bliebenenbezüge auf Postscheckkonto. Das Reichsschatz­amt hat die Reichshauptkasse benachrichtigt, daß die Zahlung der Gehälter, der Pensionen unb der Hin­terbliebenenbezüge fortan auch auf Postscheckkonto er­folgen darf. Da indessen die Postscheckämter nicht in gleicher Weise wie die Bankhäuser die Verpflichtung übernehmen könnten, der Reichskasse die überwiesenen erhaltenen Beträge wieder zuzuführen, falls der Be­zugsberechtigte den Fälligkeitstag nicht erlebt habe, so werde diese Art de: Ueberweisung bloß für die im Dienste beftndlichen Bezugsberechtigten ohne weiteres, für andere aber nur nach vorheriger Einsendung der vorschriftsmäßigen Empfangsbescheinigung zugelaffen. Die Ueberweisung der Beträge habe durch Zahlkarte

was nicht weiter wundernehmen kann, da erfah­rungsgemäß die Nationalliberalen in der Wahl­kreisgeometrie eine besondere Kunstfertigkeit gezeigt und aus ihr stets ihre größten Erfolge gezogen haben. In diesem Punkte sind dagegen bte Kon­servativen etwas kitzlich, was aber nicht ausschließt, daß sie eventuell bereit wären, aus der Haut an­derer Leute für die Nationalliberalen Riemen schneiden zu lassen. Jedenfalls werden die Na­tionalliberalen, wenn sie mit den Konser­vativen die Wahlreform machen wollen, ihre jetzigen hochtragenden Forderungen recht stark beschneiden müssen.

Immerhin muß man mtt der Möglichkeit einer solchen Verständigung rechnen. ^Denn den Natio­nalliberalm kommt es ja keineswegs darauf an, wirklich ein gerechtes Wahlrecht zu schaffen, das in der Form des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkte» Wahlrechts möglich ist, sondern allein darauf, das bestehende Wahlrecht dahin zu ändern, daß eS ihrer Partei mehr Mandate und damit größere Macht zumeist. Danach wird sich auch die Haltung der anderen Parteim zu richten haben.

„Sei der heutigen Volksstimmung bedürfte es nur seiner Berfügung des preußischen Minister- IPräsidenten, daß jede amtliche Korrigierung der Volks st immung zügunsten der Konservativen bei Strafe der sofortigen Dienstenllassung verboten sei, es bedürfte nur einer wirklichen Neutralität der Staats- i organe, um die konservative Mehrheit aus dem Land­tage herauszubringen und ihn mit 200 Liberalen jzu ! besetzen."

Fürwahr ein schöner Traum, uns scheint er ^allerdings zu schön zu sein, als daß er sich verwirk- slichen konnte. Daß damtt aber die Sache nicht ab- !getan ist, daß auch das Herrenhaus ein Wörtlein ^mitzureden hat, davon spricht Herr Boettger leider nicht. Aber wir glauben wohl in seinem Gedanken- tzange zu bleiben, wenn wir ihn ergangen: die preußische Regierung braucht nur durch einen Pairsschub 200 waschechte Liberale in das Herren­haus zu bringen und alle Schwierigkeiten sind be­seitigt. Daß ein Realpolititer mit solchen Phanta- iften nicht arbeiten sollte, brauchen wir wohl nicht /besonders zu betonen. Und ob die preußische Re- . gierung nach den letztm Erfahrungen im Reiche besondere Veranlassung oder besondere Luft hat, im /Abgeordnetenhause oder im Herrmhause eine liberale § Mehrheit zu sehen, erscheint uns doch nicht ausge­macht. Näher liegt doch wohl der Gedanke, daß sie imit den Konservativen, die ihr im allgemeinen doch ,die geringstm Schwiettgkeitm machen, weiter zu­sammen arbeiten möchte. Und wen» die National- j liberalen eine Aenderung des Wahlrechts erreichen J wollen, dürfte ihnen doch wohl nichts anderes übrig •^leiben, als mit den Konservativen eine Verständi­gung zu suchen.

Die Wünsche der Nationalliberalen gehen be» kanntlich auf eine Ersetzung des Dreiklaffenwahl- ,Rechts durch ein Pluralwahlrecht und besonders auf eine Neueinteilung der Wahlkreise. Die letztere Forderung scheint chnen die Hauptsache zu sein.

mullich haben sie das Bedürfnis, jetzt wieder einmal positiv tätig zu werden, nachdem ihre Tätigkeit in der letzten Zeit sich auf bloße Negation beschränkt Hatte. Mtt bloßer Negation ist aber bekanntlich leine politische Macht zu gewinnen. Sie suchen der Krone und der Regierung die Durchführung einer grundlegenden Reform damit schmackhaft zu machen, daß sie ihr in Aussicht stellen, auf diesem Wege die „unerträgliche" Macht der Konservativen brechen zu s können. Herr Dr. Boettger meint im ,Tag':

Von letzterer Ankündigung hat inan bislang nicht sehr viel gehört, dagegen scheint es richtig zu sein, oaß die Vorarbeiten recht „umfassender" Natur sind. Die preußische Regierung hat dis heute noch kein Wort verlauten lassen, wann und in welcher Form die Aenderung des Wahlrechts von ihr geplant ist. Vielleicht aber erfahren wir etwas bei den kommen­den Etatsverhandlungen, bei denen an den Herrn Ministerpräsidenten die Frage gerichtet werden soll, wie es mit der Reform denn stehe. Besonders un­geduldig sind die Nationalliberalen. Ver-

® Die preußische Wahlrechtsreform.

Als der preußische Landtag am 20. Okt. 1908 ' eröffnet wurde, stellte die Thronrede eine Reform des Wahlrechts im Abgeordnetenhause in Aussicht. Sie lsagte:

„Es ist mein Wille, daß die auf ihrer (der Ver- 'fafiung) ruhenden Grundlage erlassenen Borschrfften Über das Wahlrecht zum Hause der Abgeordneten eine organische Fortentwicklung erfahren, welche der wirtschaftlichen Entwicklung, der Ausbreitung derMldung und des politischen Verständnisses sowie 'der Erstarkung staatlichen Berantwortlichkeitsgefühls entspricht. Ich erblicke darin eine der wichtigsten Aufgaben der Gegenwart. Ihre Bedeutung für das gesamte Staatsleben erfordert umfassende Vorarbeiten, die von meiner Regierung mit allem Nachdruck betrieben werden."

geändert werden solle und die Schalter nur mit mittleren Beamten zu besetzen sind. Dagegen sollen Versuche mit der Verwendung von Unter­beamten im Telegraphendlenst gemacht werden. Auf den größeren Stadtpostämtern soll das Markenkioskwesen und die Ausstellung von Markenautomaten weiter gefördert werden, da sich durch diese Hilfsmittel eine starke Entlastung des Schalterdienstes bemerkbar gemacht hat. Unf die immer mehr anwachsende Schreibarbeit auf den Aemiern besser bewältigen zu könnest namentlich die Bearbeitung der Beschwerdesachet und Anfragen, soll die Zahl der Postgeh il« sinnen mit der Befähigung zur Stenotypist« vermehrt werden und vorzugsweise die Schreib­maschine Verwendung finden. Dadurch wird eine große Zahl von Beamten zu anderer Dienst­verwendung frei. Im allgemeinen lassen sich größere Ersparnisse aber nur unter Beein­trächtigung der Interessen des Publi­kums herbeiführen, sodaß man dem Wunsche, die Verwaltung ertragsreicher zu gestalten, nur nach und nach nachkommen kann.

)( Viel Aufhebens wird in den liberalen Blättern wiederum von der bevorstehenden, Agitation der Freisinnigen für die Reform des preußischen Wahlrechts gemacht. Die libe-, raten Vereine sollen zur energischen Bekämpfung! des DreiklaffenwahlrechtS erneut aufgefordert wer­den, es sollen Flugblätter und Broschüren ver­breitet werden, in denen die letzten parlamen­tarischen Vorgänge und der Stand der Wahl-' rechtssrage beleuchtet würden. Viel Geschrei wird, man ohne Zweifel wiederum im Lande machen. Wenn es aber heißt, im Parlamente die Wahl­rechtsreform energisch zu verlangen, dann werden die Freisinnigen Abgeordneten auch demnächst wiederum versagen, wie es ja bisher stets der Fall war. >

— lieber die künftige Gestaltung deH Generalkommissionen schreibt man dem,Berv Tageblatt:

Abgesehen von der inzwischen durch Gesetz anfgv lösten Generalkommiffion in Bromberg hatte der Land- . Wirtschaftsminister im Landtage voraussichtlich für bte nächste Tagung einen Gesetzentwurf zur Aushebung einzelner Generalkommissionen in Aussicht gestellt Hierbei konnte es sich in erster Linie nur um Königs­berg und Breslau handeln, wo die alten Aufgaben der Gemeinheitsteilmig, Zusammenlegung, Separation und Ablösung der Reallasten im wesentlichen erfüllt sind. Da aber inzwischen di» Kommission in Königs­berg neu besetzt ist, so dürste die Auflösung einstweilen verlagt sein. Vielleicht darf man annehmen, daß durch die geplante umfassende Kolonisation der ostpreußsschert Landgesellschast der Generalkommiffion neue Aufgaben in der Beschaffung von Staatskrediten erwachsen werden. Die Geschäftsverteilung der aufzulösenden Kommssionen wird sich so gestalten, daß ihre Arbeiten teils auf die ordentlichen Gerichte und teils auf die Behörden der allgemeinen Landesverwaltung über­gehen, wobei die Spezialkommissare als örtliche Organe beibehalten werden. Gleichzeitig ist beabsichtigt, bei den Regierungen eine besondere dem Regierungs« präfidenten unterstellte Abtettung zur Bearbettung alle» landwirtschaftlichen und landeskulturellen Angäegen- heiten zu errichlen. Eine Anzahl von Geueralkom» Missionen, besonders im Westen, wird aber mit der Erledigung ihrer Aufgaben noch lange Zett beschäftigt sein, nnd aus diesem Grunde ist vielleicht schon in der kommenden Tagung des Landtags etn Gesetzentwurf zu erwarten, der für eine innere Reorganisation der Kommissionen Vorschläge unterbreiten roirb. Dabei wird eiue Beschleunigung des Verfahrens uud des Spruchverjahrens sowie eine Verbilligung und Verein­fachung der Verwaltung angestrebt werden. Hierzu soll bei gewissen Spruchsachen der Spezialkommiffar alS erste Instanz fungieren. Auch die Heranziehung des Laienelements dürste der Gesetzentwurf bringen.

i Die misst Fm son MMoe.

^24] Original-Roman von O. Elster.

i Ich war betäubt unb verwirrt von den Enthüll- ' ungen. Die Stirn in bte Hand begraben, saß ich da unb suchte mir klar zu werden, tote ich mich nach die­sen Mitteilungen weiter zu verhalten haben würde. Die Enthüllung war so einschneidend, daß sie meinem Leben eine ganz andere Richtung geben mußte. Jetzt verstand ich meinen unglücklichen Vater! Jetzt ver­stand ich die mancherlei Andetttnngen, die mir dunkel 'geblieben und fast schon aus dem Gedächtnis ent- Ifchwunden waren. Jetzt verstand ich das Wesen mei- i ries Oheims und die Gespräche zwischen ihm und meiner armen Mutter. Ich erinnerte mich, wie diese stets einen bestimmten Platt meines Oheims unb Stiefvaters bekämpft hatte, worauf anders konnte die­ser Plan hinauslaufen als mittelst des Geheimnisses der Geburt meines Vaters von der Gräfin Witwe Geld zu erpressen? Das paßte ganz zu dem Cha- ratter meines Onkels. Und dann dachte ich an die unglücklich« Mutter meines Vaters, jetzt meine einzig -lebende nahe Blutsverwandte, die ein ganzes langes -Leben lang in dem alten Gemäuer eingeschlossen war, bewacht von den mißtrauischen Blicken eines scheinbar rohen und habsüchtigen Menschen und beobachtet -durch die scharfen, strengen Augen der Gräfin, die - *^n*n Flecken auf dem Namen ihres Gatten, chrer 'Srtnber dulden wollte und deshalb die unglückliche 'Pr(Ju urt& sich selbst zu einem Leben der Abgeschlos- e*Lun? tiefiten Einsamkeit verurteilte. DwS Blut H1!® ,m“ heiß in die Schläfen empor unb unwillkür- licp bauten sich meine Hände zur Faust.

' hörte ich wieder das Knarren und Raffeln, womtt bte geheime Tür sich öffnete. Sollte meine .Großmutter noch einmal zurückkehren?

Ich sprang, auf — da trat auch schon eine hohe Frauen gestalt runter der Schranke hew or, eS war nicht die Irrsinnige, es war di« Gräfin-Witwe in schwar­zem Gewände, einen schwarzen Schleier um das rLaupt geschlungen,Jnchex Handchielt ß^etn Paket j

Papiere, das ich sofort als dasjenige mit dem Brief ihres Gatten an Edith erkannte.

„Frau Gräfin, Sie hier?" stieß ich erstaunt her­vor.

Mtt einem ernsten, traurigen Blick sah sie mich an und trat einen Schritt näher, sich mtt einer Hand auf den Tisch stützend, mit der anderen Hand das Paket Briefe an bte Brust drückend.

„Ich glaube wohl," sprach sie mit ernster, leicht bebender Stimme, „daß meine Anwesenhett Sie Über­rascht. Schon lange wartete ich auf diese Stunde — die Stunde der Sühne für ein Verbrechen, dessen Täter der irdischen Gerechtigkeit entzogen ist — wohl­an, ich bin bereit, die Sühne für ihn auf mich zu nehmen."

„Ich verstehe Sie nicht, Fratt Gräfin..."

Sie erhob die Hand, wie um mir Schweigen zu gebieten.

„Ich sehe die Papiere, welche die Aufzeichnungen Ihres Vaters enthalten, vor Ihnen liegen — Sie haben sie gelesen. Sie können also nicht mehr im Unklaren fein, welches Verbrechen ich meine."

„Ich weiß allerdings jetzt, daß an der Mutter meines Vaters gefrevelt worden ift"

„Sie wissen aber noch nicht alles. Hören Sie mich an. Zuerst die Erklärung meines plötzlichen Er­scheinens. Martin, der den Auftrag hat, mir so­gleich jeden Vorfall in jenem Teile des Schlosses, wo die Unglückliche wohnt, zu melden, zeigte mir an, daß er gehört habe, wie die Irrsinnige sich mtt jemand bi dem alten Archiv unterhalten habe. Da wußte ich, daß die Stunde der Vergeltung gekommen. Ich klei­det« mich rafch an unb begab mich durch den Park in das alte Schloß und in das Archiv. Ich sah meine Papiere durch und fand, daß die Aufzeichnungen Ihres Vaters fehlten. Ich ahnte, daß Sie btefelben genommen und trat auch durch jene geheime Türe bei Ihnen ein — meine Ahnung hatte mich nicht be­trogen. Dort liegen die Aufzeichnungen Ihres Vaters und Sie wissen nun, daß das gleiche Blut m Ihren Adern fließt, wie in den Adem meiner Kinder. Und nun frage ich Sie:- welche Kühne her-

„Sie sind schuldlos, Frau Gräfin, der, von dem ich Sühne verlangen könnte, weilt nicht mehr unter den Lebenden."

„Ich habe feine Schuld auf mich genommen," sagte sie stolz. „Und vergessen Sie nicht, daß ich es war, welche die Mutter Ihres Vaters hier in ewiger Gefangenschaft hielt, daß ich es war, welche die Auf­zeichnungen Ihres Vaters Ihnen oorenthielt. Ich bin also die Schuldige und beuge mich Ihrem Urteil."

„Ich maße mir kein Urteil über Sie und Ihre Schuld an, Frau Gräfin," entgegnete ich bewegt von ihrer stolzen Selbstanklage.

„Wollen Sie Geld?"

„grau Gräfin!" rief ich empört.

„Verzechen Sie, wenn ich diesen Gedanken hegte. Aber schon einmal ist ein Verwandter von Ihnen, Ihr Stiefvater, zu mir gekommen, um in Ihrem und Ihrer Mutter Namen Geld von mir unter der Droh­ung zu fordern, wenn ich das Geld nicht zahle, das Geheimnis unserer Familie der Oeffentltchkeit zu unterbreiten."

Mann kam mehr Oheim zu Ihnen?"

Die Gräfin nannte den Winter, in dem meine Mutier gestorben war und erinnerte mich jetzt deutlich der Szene am Krankenbette meiner Mutter, als mein Onkel von der Reis« zurückkehrte. Ich wußte jetzt, daß mein sauberer Onkel Unseren Namen mißbraucht hatte, um für sich Vorteile herauszuschlagen.

„Seien Sie versichert, Frau Gräfin," entgegnete ich mit einem Gefühl der Beschämung, „daß sowohl meine Mutter wie auch ich von der Handlungsweise meines OheimS nichts wußten. Ich hab« allerdings von chm nach dem Tode meiner Mutter ein kleines Kapital erhalten, welches die Rente repräsentieren sollte, welche mir Ihre Güte gewährt hatte. Ich habe davon meine Studien bestritten und habe Ihrer stets in Dankbarkeit gedacht."

„Und das Geld, welches ich Ihrem Oheim für Ihre Mutter gegeben?"

„Ich habe eS nicht erhalten und weiß nichts da­von."

„So hat Ihr das Geld unterschlagen — es mußte nach dem Tode Ihrer Mutter Ihne« zufallen.

| ES ist gut, sprechen wir nicht mehr davon. Ich freue ’ mich, daß mein Verdacht gegen Sie unbegründet war.

Aber was wollen Sie jetzt tun?"

„Ich weiß eS nicht."

„Wollen Sie bte Ansprüche gegen unS geltend machen?"

„Ich habe keine Ansprüche gegen Ihre Familie, die ich verehre und liebe. Ich bitte überhaupt, von mir abzusehen, nur das Schicksal meiner unglückli­chen, noch lebenden Großmutter liegt mir am Her­zen."

„Ich kann Sie versichern, daß Ihr« Großmuttee hier am besten aufgehoben ist. Ich selbst sorge für alle ihre Bedürfnisse, eS geht ihr nichts ab, keine Pflege, kein ärztlicher Beistand, wenn ein solcher nötig ist, Seit die alte Frau Martin nicht mehr imstande ist, sie zu pflegen, habe ich selbst bte Pfleg« übernommen."

„Ich danke Ihnen von ganzem Herzen dafür, Frau- Gräfin."

„Ich verdiene keinen Dank, «s war meine Schul­digkeit und sollte meine Sühne sein."

„Sie haben nichts zu sühnen, Sie waren nicht bit Schuldige!" ,i

Sie richtete sich stolz empor, aber der Ausdruck eines tiefen SeelenschmcrzeS zuckte über ihr schöne- Gesicht

„Ich war schuldig, mehr als Sie glauben — mein ganjeS Leben war eine einzige Lüge, und ich besaß nicht die Kraft, die Lüge von mir zu werfen."

„Frau Gräfin!"

„Ja, mein Leben war eine Lüge — denn ich wußte, daß ich nicht die rechtmäßige Gattin beS Gra­fen Oldensloe war, sondern die Mutter JhreS Vaters — jenes unglückliche Wesen, das Sie vor kurzer Zett als Ihre Großmutter kennen gelernt haben."

Ich war sprachlos. Ich rang nach Worten. Ich war auf bas Tiesste erschüttert. Nicht eine leichtsin­nige Handlungsweise, sondern ein Verbrechen war cm der Mutter meines Vaters, an diesem selbst, an mit begangen worden, das zwei Menschenleben vernichtet' und jetzt auch seine düsteren Schäften auf mein Le­ben werfen sollte.

GorLletzuriü MM " " ' 5 w