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JW 230.
Fulda, Donnerstag den 7. Oktober 1909.
36. Jahrgang.
ä Das „Programm" der Hansa.
Die Werbetätigkeit des Hansabundes scheint doch nicht den Erfolg gehabt zu haben, dm bte Herren Börseaner erwartet hatten. Hier und da werden ja noch vereinzelte Fehltritte von kleineren Vereinen berichtet, währmd aber auf der anderm Seite die Austritte aus dem Bunde bereits begonnen habm; natürlich kein gutes Zeichen. Man kann eS daher wohl verstehen, daß die Leitung des Hansabundes recht trübe in die Zukunft blickt. Um offenbar eine beffere Anziehungskraft zu erzielm, hat sie sich entschloffm, mtt einer größeren Aktion die Aufmerksamkeit der breiteten Oeffentlichkeit wieder auf sich zu lenken; und zwar will man dem deutschen Volke mit dm nunmehr aufgestellten „Richtlinen" der Hansa imponieren. Die dem Bunde ergebene Presse gibt dieses Programm, welches daS Präsidium und Direktorium der Hansa in ihrer gemeinsamen Sitzung beschloffen hat, in ausführlicher Weise wieder. Wer sich aber die Mühe gibt, den ganzen Wortschwall durchzulesen, wird nachher ebenso klug darüber sein, wie vorher, was der Hansabund eigmtlich will. Nur soviel steht fest und wird auch ausdrücklich zugegeben, daß die Hansa eine Gegenorganisation gegen den Bund der Landwirte sein soll.
DaS spricht sich bereits in dm erstm Sätzen aus, in denen es heißt: „Der Hansabund ist davon durchdrungen, daß der moderne Staat nur gedeihen kann, wenn der Grundsatz der Gleichberechtigung aller Erwerbsstände den leitenden Gedanken und die unverrückbare Grundlage auch seiner Wirtschaftspolttik bildet. Er wird daher dahin wirkm,
daß Deutschlands Gewerbe, Handel und Industrie die ihnen auf Grund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung zukommende Gleichberechtigung sowohl in der Gesetzgebung wie in der BerwaUung und Leitung des Staates eingeräumt werde und daß der für eine gesunde wirtschaftliche Entwickelung der Nation wie für unser Verhältnis mit dem Ausland gleichermaßen nnheilvolle Einfluß jener einseitigm agrar-demagogischen Richtung gebrochen werde, deren ganzes bisheriges Wirken von entgegengesetzten Grundanschauungen getragen war."
Der Bund will also die einseitige agrar- demagogische Richtung, wie sie beim Bunde der Landwirte zu verzeichnen ist, bekämpfen, indem er diese Richtung eine weit demagogischere Rich- hing der Börseaner entgegenstellt. DaS hat die bisherige Tätigkeit der Hansa genügend bewiesen, das wird man auch trotz der aufgestelltm Richtlinien des Bundes m Zukunft hinreichend genug erfahren müffm. Es ist ja ganz schön, wenn der Grundsatz der Gleichberechtigung aller Er- werbsstände proklamiert wird; aber was ver- ftehm denn die Herren, die im Vorstände sitzen, unter der Gleichberechtigung? Schon der Um- stand, daß nicht mit einem Worte der deutschen Landwirtschaft gedacht wird, beweist das zur Genüge. Oder gehört die Landwirtschaft nicht zu den Erwerbsständm? Was die Erklärung betrifft, der Hansabund fei selbst keine politische und werde daher, ohne Rücksicht auf polttifche Gegensätze Fühlung mit allm Parteim unter- hallen, die sich zu feinen Grundgedanken und Zielen bekennen, so ist damit klipp und klar gefegt, daß die Hansa eine Hilfstruppe des Liberalismus fein will. Denn dieser allein bekennt sich zu den Grundgedcmkm und Zielen des Hansabundes. Von chm ist auch der Bund ins Leden gerufen worden, damit er den arg
Die weiße Km mu Lldeisloe.
23] Original-Roman von O. Elster.
Du kannst dir vielleicht nicht vorstellen, in welche Gemütsverfassung diese Mitteilungen meiner Pflegemutter mich versetzten. Du weißt ja nicht, baß ich von jeher von einem zügellosen falschen Ehrgeiz beseelt war, daß ich alle im Rang über mir stehenden Menschen, alle, die in Glanz und Reichtum toten, beneidete, ja fast haßte. Anstatt meinen Ehrgeiz zu befriedigen, und mir durch Fleiß und fortwährendes Streben eine höhere Stellung im Leben zu verschaffen, hatte ich das Erbteil, welches Franz Decker mir hin- ierlaffen, durch törichte Prahlereien, auch Großtun und ileußerlichketten verschwendet, so daß ich jetzt fast nichts mehr besaß als meinen Gehalt.
Und jetzt mußte ich erfahren, daß ich der Sohn des Grafen Oldensloe war, vielleicht, ja ganz gewiß der rechtmäßige Erbe seines Namens und seiner Reichtümer, denn ich war überzeugt, daß meine unglückliche Mutter das Opfer eines schändlichen Betruges geworden und ich der legitime Sohn des Grafen war. Mein Ehrgeiz, meine Phantasie verführte mich, die Vermutung meiner Pflegemutter und die Behauptung einer Wahnsinnigen für Wahrheit zu nehmen und darauf meine Zukunstspläne zu bauen.
Ich bestürmte den folgenden Tag meine Pflege- vmtter mit Fragen, doch die alte Frau wurde immer schwächer, so daß sie mir keine Auskunft mehr geben romtte, und nach drei Tagen starb sie.
. .iet ,e’nä’fie Mund, der von dem Verbrechen, das gegen mich und meine Mutter begangen war, Zeugnis ablegen konnte, war für immer verstummt.
„ no5$ kbte ein Mensch, der sogar noch
mUne: “tS meine Pflegemutter: der Parkwächter Martin!
. hm damalS ein etwa 45jähriger Mann,
dem bu Schlauheit und Keckheit aus den kleinen üei> schwitzten Augen leuchtete Er bewohnte damals wie jetzt noch dm alten Teil des Schlosses. Kurz'nach keiner Ankunft auf Schloß Oldensloe hatte er sich mit
zerzausten liberalen Gruppen wieder auf die Berne verhelfen soll.
Aber da der Liberalismus beim deutschm Volke so ziemlich abgewirtschaftet hat, so mußte die Leitung deS Bundes sich auch auf den Mit- telfland werfen, um einigermaßen eine Macht präsentieren zu können, die sich sehen lassen könnte. Freilich hat der Mittelstand in über- wiegender Majorität ein Zusammengehen mit dem Hansabunde verschmäht, da der Wolf in den Schafskleidern doch zu leicht zu erkennen war. Trotzdem scheinen die Herren die Agitation im Mittelstände doch nicht aufgeben zu wollen. Mft Emphase wird in dem veröffentlichten Programm erklärt, daß der Bund insbesondere für alle positiven Maßnahmen eintteten wolle, die erforderlich wären,
„um den gewerblichen Mittelstand, sowie das Kleingewerbe, den Detailhandel und das Handwerk in ihrer LeiüuugS- und Konkurrenzfähigkeit zu erhallen und zu heben. In der Sozialpolitik sollen alle den berechtigten Interessen der Arbeitgeber und Arbeit- n«inner dienenden gemeinsamen (y Angelegenheiten ge» fördert werden."
Aber der Pferdefuß kommt gleich nach. Im Anschluß an die Zusicherung des Eintretens des Bundes für die Forderungen der gewerblichen Mittelstandes heißt eS:
„Dagegen will sich der Bund, unter Wahrung strikter Neutralität, jeder Tätigkeit da enthalten, wo sich entgegengesetzte Interessen und Forderungen der te ihm vertretenen Erwerbsgruppen und deren Angehörigen gegenüberstehen. Dies gilt insbesondere von entgegengesetzten fozialpolttssche» Forderungen und Interessen des Großhandels und der Großindustrie einerseits «nd des Mittel- und Kleingewerbes oder Handwerks anderjells, und von denen der Arbeitgeber auf der einen und der Arbeitnehmer auf der anderen Seite. Der Hansabund vertritt nur die gemeinsamen Interessen von Gewerbe, Handel und Industrie; die Vertretung von sozialpolittschen Sonderforderungen einzelner Erwerbsgruppen, insbesondere der Unternehmer und Angestellten, muß er ihren Eon- derverbände» überlassen.'
Also zuerst macht man den Handwerkern und Kaufleuten großartige Versprechungen, und dann heißt es, daß man in erster Linie für die Interessen des Großhandels und der Großindustrie eintteten wolle. Denn daß die Herren im Vor- stände eine neutrale Stellung einnähmen, wenn es fich um den Kampf der Börseaner und In- dustriellen mit dem Mittel» und Kleingewerbe handelt, werden sie doch wohl niemand ernst- hast glauben machen wollen. Mag auch ein sogenannter Ehrenobermeister nach bekanntem Berliner Muster mit im Vorstande sitzen, die .Handwerker und Kaufleute werden jetzt nach dieser Aufstellung der Richtlinien noch mehr als vorher die Neberzeugung gewinnen, daß es sich beim Hansabunde nur um die Vertretung der Börsen- und Jndnstrieintereffen handelt. Noch mehr aber werden sich die Angestellten, die durch die verschiedensten Machinationen der Arbettgeber zum Bettritt zum Hansabunde genötigt sahen, vor die Notwendigkett gestellt sehen, mit allen Mitteln danach zu trachten, daß ihre Gelder nicht in einet ihren Interessen zuwiderlausenden Wesse verwendet werden.
Deutsches Reich.
Q Das Bündnis zwischen Deutschland und Oesterteich-Ungarn
kann heute auf em 30jähriges Bestehen zurückbkicken. Aus diesem Anlaß bringt das
einem Mädchen, welches aus Frankreich stammen sollte, verheiratet. Seine Söhne besuchten Gymnasium und Universität, seine Tochter heiratete einen Kaufmann in Hamburg. Er lebte in sehr günstigen Verhältnissen, was sich kein Mensch erllären konnte. Jetzt wußte ich den Grund seiner Wohlhabenheit.
Mit bat Menschen verkehrte er wenig, ebenso seine Fran, die der deutschen Sprache kaum mächtig war. Wie ein Cerberus beobachtete er den Pack, zu dem er niemanden Zutritt gewährte.
Als ich unvorsichtig genug, ihn geradezu nach den Umständen meiner Gebutt fragte, geriet er in furchtbaren Zorn und schalt mich einen Narren und einen Dummkopf. Dann wies er mir die Tür und drohte, wenn ich nicht gehen würde, den Obessörster und den Oekonomiedircktor herbeizurufen, die mir den Weg schon weisen sollten.
Zähnekittrschend entfernte ich mich. Tagelang ging ich mit mir zn Rate, was ich beginnen sollte. Da ließ mich der Oberförster Dickeck, den du ja auch noch gekannt hast, rufen und sagte mir folgendes:
„Durch den Martin haben die Frau Gräfin erfahren, daß ich von meiner wahren Herkunft durch meine Pflegemutter unterckchtet sei. Es sei richtig, ich sei der illegitime Sohn des verstorbenen Gmfen und jener unglücklichen Engländeckn, die jetzt wahnsinnig im Schlosse lebe. Ich solle mich jedoch wegen des Schicksals meiner Mutter nicht sorgen, die Gräfin lasse ihr nichts abgehen und trage selbst die beste Sorge für die Unglückliche. Man habe mich nach meiner Gebuck den Förstersleuteu m der besten Absicht übergeben. Meine Mutter sei damals schon wahnsinnig gewesen, ich hätte doch nicht bei ihr bleiben können. Das Vergehen deS Grafen solle nicht beschönigt werden; es bereite der GrPn selbst den schwersten Kummer. Sie wolle gern gut machen^ was ihr Gemahl verbrochen, aber Geschehenes könne sie nicht ungeschehen machen. Sie Wolfe ferner für mich, und wenn ich eine Familie gründete, für diese tn der wohlwollendsten Weise sorgen. Sollte ich indessen töricht genug fein, die Geschichte verlautbaren zu lassen oder erst gar gertchüiche Schritte anstreben, dann würde sie der Sache ihrm
RegienmgSotgan, die ,Nordd. Allg. Ztg/, in ihrer DonnetStagsausgabe einen kürzeren, zweifellos hochosfiziösen Arttkel, worin auf die großen Dienste hingewiesen wird, die der Dreibund im europäischen Frieden geleistet habe. Es heißt bann wetter:
Wenn eine so enge Verbinbung zwischen Großmächten ein Menschenalter überdauert und in un- geschwächter Kraft fortbesteht, so ist damit die Richtig- teit der staatsmännischen Voraussicht, die das Bündnis zur Abwehr gemeinsamer Gefahren schuf, erwiesen. Die unverminderte Gettung des Bundesverhältnifles drei Jahrzehnte nach seinem Abschluß ist ein beredtes Zeugnis dafür, daß eS den Lebensbedürfnissen der in ihm geeinten Völker tot vollen Umfang gerecht wird. Men gegnerischen Unterstellungen zum Trotz hat die Bundesgenoffenschaft zu keiner ärttbie Grundlage einer angreifenden, auf dre Beemträchttgung der Rechte Dritter abzielenden Politik gebildet, — ein festes Bollwerk deS Fried-ens, hinter dem die verbündeten Mächte sich ungestört der Pflege ihrer eigenen An Gelegenheiten widmen konnten. Seinem friedlichen Charakter gemäß hat das Bündnis die Herstellung freuribschaftncher Berhältnifle zu ben außenstehenden Staaten nicht nur geförbert, es ist geradezu daS fruchtbringende Erdreich geworden, aus dem dre Friedens- gedanken neue Nahrung gezogen habe». So hat m steter ruhiger Entwickelung das zum Dreibund mit Italien erweiterte Bundesverhältnis Deutschlands und Oesterreich-Ungarns eine segensreiche Wirkung wert über sein ursprüngliches Geltungsgebiet hinaus geübt und in der seit seinem Abschluß verflossenen Zell wiederholt in ernsten Lagen seine Festigkett und seinen hohen Wert für Europa erwiesen.
In der Wiener .Neuen Freien Presse' wird anläßlich deS 30jährigen Bestehens des Bündnisses ein angeblich bisher unveröffentlichter Brief Bismarcks an seinen Wiener Kollegen, den Grafen Andtaffy, veröffenllicht, zum Beweis, daß dem Fürsten Bismarck es nur mit großer Mühe gelang, den alten Kaiser zum Bündnis mit Oesterreich zu bewegen.
** Der Kaiser empfing am Mittwoch in Kabinen den neuen ermländischen Bischof Dr. Bludan.
X Der Bundesrat soll am 14. Oktober zum ersten Male nach der Sommerpause zusammentreteu, um vor allem di« von den Ausschüssen während der Vertagung des Plenums beschlossenen zahlreichen Ausführungsbestimmungen zu den neuen Steuergesetzen nachträglich zu genehmigen. Ferner sollen in dieser ersten Sitzung di« Ausschüsse neu gebildet werden.
4- Die amtliche Beteiligung Preußens an der internationalen Ausstellung zu Brüssel im Jahre 1910. Bekanntlich hat das Deutsche Reich die Einladung Belgiens zur Beschickung der Brüsseler Ausstellung angenommen. Um die Bedeutung der deutschen Abteilung im Interesse des Reiches noch zu heben, werden auch preußischerseits die Eisenbahn- und Bauverwaltung fich an der Ausstellung beteiligen. Namentlich wird die Eisenbahngruppe recht anschaulich wirken, da die preußische Eisenbahnverwaltung fich entschlossen hat, die Ausstellung im Interesse einer würdigen Vertretung des deutschen' Eisenbahn- wesenS mit einer Anzahl von auSerwahlten Schaubildern, Photographien, Modellen sowie mit verschiedenen Eisenbahnbetriebsmiteln und Sicherungsanlagen neuester Bauart zu beschicken. Die preußische Abteilung wird 150000 Mark Kosten verursachen.
X Tie preußischen Banknoten in Taler* Währung haben, wie ein Berliner Blatt aus- führt, noch Geltung. Es handelt sich dabei um Noten der vormaligen Preußischen Bank, feie im
Laus lassen, aber die Hand gänzlich von mir abziehen und mich ihres Dienstes entlassen. Der Oberförster setzte wohlmeinend hinzu, daß mir ein Prozeß nichts helfen könnt«.
Ich erbat mir einige Tage Bedenkzeit. Ruhelos ging ich umher, aber ich wußte mir keinen Rat. Als dann der Öberförfter nochmals auf mich embrang und mir die Vorteile miseinandersetzte, welche mir aus meiner Fügsamkeit in dem Willen der Gräfin entstehen sollten, da toiffigte ich ein, denn ich sah, baß ich gegen bie Umftänbe nichts ausrichten konnte.
Die Folge war, daß ich einen bedeutend höheren Gehalt al» die anderen Förster bezog.
Um jene Zeit lernte ich deine Mutter kennen. Ich war, wie du weißt, bedeutend älter, aber deine Mutter war eine so liebliche Erscheinung, baß ich mich lei- benschastlich to sie verliebte. Ein Leben mtt ihr schien mir jetzt bas größte Glück, alles anbere versank dagegen, so auch der Gedanke an meine Abkunft. Wir heirateten und genossen einige Jahre des ungeübtesten Glückes. Freilich, in meiner Seele lebte bet Gedanke an meine vornehme Abstammung insgeheim weiter unb verstimmte mich ost unb machte mich launisch. In einer unbedachten Stunde gestand ich deiner Mutter das Geheimnis meines Lebens unb fragte sie um Rat, was ich tun sollte. Sie aber lachte mich aus unb meinte, wir könnten auch ohne ben Grasentitel glAklich sein.
Ihre leichtherzige, aber im Grunde genommen ganz richtige Auffassung ärgerte und verstimmte mich noch mehr. Ich lebte mich wieder mehr unb mehr in den Gedanken hinein, durch einen Prozeß meine legitime Abkunft von dem Gmfen beweisen zu wollen unb ich beging bie Torheit, einen Vetter meiner Frau, ben Advokaten Kack Lippold, in bas Geheimnis zu ziehen unb ihn um Rat zu fragen.
Lippolb ging mit einem wahren Feuereifer auf die Sache ein, wofür ich ihm bebeutenbe Summen zahlen mußte. Deine Mutter erfuhr es unb wurde unwillig; ich entgegnete ihr heftig, zum ersten Male kam es zwischen uns zu einem emMfften Streit.
Jahre 1875 in die Reichsbank umgewandell wurde. In dem Bankgesetze vom gleichen Jahre ist eine Einlöseftist für die Noten der Preußischen Bank überhaupt nicht festgesetzt worden, sodaß diese heute noch jederzeit bei allen Reichsbankstellen in Gold um getauscht werden können. Im Jahre 1899 belief sich der buchmäßige Wert der noch im Umlauf befindlichen alten Noten auf 1,2 Millionen mit Talerwährung und 900000 Mark mit Markwährung. Diese Beträge wurden damals auf Grund einer Novelle im Bankgesehe von der Reichsbank an die Reichskaffe gezahlt, wogegen das Reich alljährlich der Reichsbank den Betrag zurück vergütet, der zur Einlösung der präsentierten Noten erforderlich ist.
+ 1027751,16 Mark sind von den deutschen Sozialdemokraten als Unterstützung an die schwedischen Ausständigen nach dort abgesandt worden. Man kann es ja verstehen, wenn die deutschen Sozialdemokrale ihren schwedischen Genoffen im im Falle der Not beispringen, aber man ersieht hieraus doch auch, daß es den Sozialdemokraten, die soviel Geld für ausländische Zwecke übrig haben, gar nicht so schlecht gehen kann.
(*) „Freiheit, die ich meine!" Auf Montag abend hatte die Zentrumspartei von Mülheim a. Rhein eine öffentliche Versammlung ihrer Wähler einberusen, in der der Reichstags- abgeordnete de Witt und Parteisekretär Scola zu den Zentrumswählern über die politischen Vorgänge der letzten Wochen und die Reichsfinanzreform sprechen sollten. Der Saal deS Magdeburger HoseS war um die Zeit, da die Versammlung beginnen sollte, um Vt 9 Uhr, bereits über die Hälfte von Sozialdemokraten besetzt. Als Herr Feinhals die Versammlung eröffnete, war nrehr als die üblichen Begrüßungsworte nicht zu verstehen. Denn nach den ersten Sätzen erhoben die Sozialdemokraten einen ohrenbetäubenden Lärm, aus denen man nur die Worte Verräter, Betrüger, Lumpen usw. entnehmen konnte. Die Zentrumswähler erhoben natürlich sofort energisch Protest gegen diesen schamlosen Mißbrauch des Gastrechts — eS war vergebens. Der Redner konnte nicht zu Ende sprechen, da infolge des Lärmes ihm unmöglich war, durchzudringen. Es setzte ein Geheul der „Freiheitsmänner" ein, wie es eine Schar Betrunkener schlimmer nicht vollführen kann. Nach einer Pause von etwa einer Viertelstunde erhob sich der Polizeibeamte, setzte den Helm auf und rief mit scharfer Stimme der Versammlung die Aufforderung zu, „das Lokal zu verlaffm und zwar auf der Stelle". In wenigen Minuten war der Saal geräumt. Wenn etwas geeignet ist, den letzten Rest von Achtung zu nehmen gegenüber dieser Partei, die die Freiheit im Munde führt und die rohe Gewalt gegen Andersdenkende tätigt, dann ist es dieses Vorkommnis in Mülheim. Alles hat sich vollzogen nach einem vorher genau in allen Einzelheiten festgelegten Plan; die Sozialdemokraten gingen jystematisch vor. Die Schuld an den Vorkommnissen in Mülheim trifft hie Parteileitung. Daß System in der Sache liegt, ist auch daraus zu ersehen, daß in Breslau und Gleiwitz die Sozialdemokraten genau so verfahren sind, und in Mainz sie den Versuch machten, die Zentrumsversammlung zu sprengen.
X Selbst die Revisionisten in der sozialdemokratischen Partei wollen jetzt immer weniger
Nach einem Jahre erklärte mir Lippolb, baß ein Prozeß zu keinem Resultat sühren könne, wenn ich nicht noch' mehr Argumente anführen könnte. Auch kostete der Prozeß eine große Summe Geldes, bie ich wohl kaum ,rufzubrmgen vermöchte. Dann machte er mir ben Vorschlag, durch bie Drohung, bie ganze Geschichte zu veröffentlichen, von bei Gräfin eine große« Geldsumme zu erpressen.
Mtt Verachtung wies ich seinen Vorschlag zurück. Ich war kein Erpresser unb Schwinbler, konnte ich nicht auf rechtmäßige Weise in ben Besitz des mir gebührenden Namens gelangen, so lag mir an dem Gelbe gar nichts.
Ich entzweite mich mit Lippolb, ber mich verächtlich unb über meine Dummhell lachenb verließ.
Ich habe ihn seitdem nicht wieder gesehen. Der Gedanke an das mir unb meiner Mutter zugefügte Unrecht verließ mich aber von ba an nicht wieder. Ich fand keine Ruhe mehr, ich suchte auf alle mögliche Weise den Schleier des Geheimnisses zu lüften, ich wurde ber finstere, launische Mann, als welchen bu mich kennen gelernt hast, ich opferte das stille Glück unb ben Frieben meiner Familie ber Idee, wie ich wohl zu meinem Recht gelangen könnte.
Bislang ist es mir nicht gelungen, eine neue Spur auszufinden. Vielleicht glückt es mir noch, bann sind diese Aufzeichnungen überflüssig. Ich habe aber dieses für dich, mein Sohn niedergeschcieben, denn seitdem vor einigen Tagen bie Kugel bes Wilbbiebes meinen Hut durchlöcherte — ber Wilddieb bekam dafür eine Kugel In die Brust — weiß ich, baß ich im Walbe meine- Lebens nicht mehr sicher bin. Man lauert mir auf, ich weiß es, unb eines Tages wirb man mich erschossen im Walde finden.
Deshalb schreibe ich dies für btch nieder. Der Tob soll mich nicht überraschen unb nicht zugleich baS Geheimnis meines Lebens mtt in bas Grab versenken.
Lebe wohl, mein Sohn, unb denke tn Liebe deine- durch die ünge«chttgkeit der Welt unglücklich geworbenen Datei-, ber sich vor ber Welt nennen mußte
Gunbokar Decker."
Fortsetzung foIafcA