Einzelbild herunterladen
 

^ahrqang

Fulda, Samstag den 2. Oktober 1^09

JV3 2^6

Zweites Wtatt

* Arbeitslosenbeschäftigung.

Das vielleicht aktuellste Problem in der Stadtver­waltung nennt Dr. Otto Most (Düsseldoff) m Nr. 11 des „Arbeitsmarkt' die Frage der Arbeitslosenfür-

fahrungen ist. „ , _

Obwohl die Art der Beschäftigung der Arbeits­losen sehr mannigfach war, mußte man in Düsseldorf infolge des großen Andranges von Arbeitslosen schließ­lich auch noch zum Steinschlag übergehen, und künftig wird dies nach den dortigen Erfahrungen wobl noch in größerm Maßstab geschehen muffen. Die Lohn- frage wurde folgendermaßen geregelt: Die Arbeits­losen beziehen denselben Lohn, den sic auf ihrer letzten Arbeitsstelle empfangen hatten, vermindert um 5 Pro­zent und mit dec Einschränkung, daß Personen mit glaubhaft nachgewiesener Familienlast höchstens den ortsüblichen Tagelohn von 3,50 Mk. und mindestens 2,50 Mk., andere Personen über 20 Jahre höchstens 3 Mk. und mindestens 2 Mk., Personen unter 20 Jahre aber in jedem Falle nur 2 Mk. erhalten sollen.

Blicken entziehen.

Die Postkarte hat nicht bloß die äußere Form, son­dern auch den Stil der brieflichen Mitteilungen umge­wandelt. Aus früheren Zetten haben wir Briefsamm­lungen die einen überaus wertvollen Beitrag für die Sittengeschichte der Zeit bilden und auch einen her­vorragenden Wett als literattsche Kunstwerke haben. Die damalige Sitte, recht lange und gründliche Briefe zu schreiben, hat aus mancher sonst unbedeutenden Per- sönlichkett einen schätzbaren Schriftsteller gemacht. Die Post ging selten, der Brief war teuer; wenn man nun mal diese B:rtehrscinttchtung benutzte, dann wollte man sie auch gründlich rusnutzm in der Ausschüttung der eigenen Gedanken und Gefühle sowie in der voll­kommenen Befttedigung des Empfängers. Diese geist- und gefühlvollen Bttefe find jetzt aus der Mode gekom­men. Zwischen Verliebten und Verlobten soll aller-

halter sind leider noch nicht so weil verbreitet, wie sie verdienen.) Wenn eine Postkarte mit dem Bleistift ae- schtteben ist, so nimmt das niemand übel — es sei denn eine höchst empfindliche Respektsperson. Es soll alles fix gehen in unserer Zeit, darum ist die Postkatte, ob­schon sie schon 40 Jahr; alt ist, doch ganz modern ge­blieben.

Ich hatte immer das Gefühl, es trete oft auch außerhalb des Hauses das Bedürfnis hervor, ftx einen Bttef zu schreiben, da doch manche Mitteilungen sich weniger für die offene Karte eignen. Deshalb habe ich wiederholt den Fortfall der früheren sogenannten Frei- kuvetts bedauett und schon vor langen Jahren empfoh­len, die Post möge Kartenbttefe verausgaben, haupt­sächlich zu dem Zwecke, daß man auf jeder Postanstalt schnell einen verschloffenen Bttef anfertigen kann, ohne Bttttpapier und Umschlag mit sich führen oder mit be­sonderen Kosten erst kaufen zu niüffen. Die Katten- bttefe sind auch eingefühtt worden, aber ich muß zu meiner Beschänmng gestehen, daß das Bedürfnis sich nicht so groß erwiesen hat, wie ich annahm. Im Ver­gleich zu dem großen Tttumph der Posttattc hat der Kattenbttes-Gedanke eine empfindliche Niederlage er­litten. Dazu mögen wohl Mißgttffe in der Gestaltung der KartenbriHe mitgewirkt haben; aber immerhin be­kräftigt der Vorgang die alte Wahrnehmung, daß das sog Bttefgeheimnis sehr im Kurse zurückgegangm ist. Die Postkatte hat uns an die schriftliche Offenherzigkeit gewöhnt. Wir machen uns sehr wenig daraus, ob rin Dritter das liest, was toii unseren Angehörigen oder Geschäftsfreunden mitzuteilen haben. Meistens wird ja bei der Abfassung der Postkatte wohl Rücksicht ge­nommen auf die fremden Augen; man vermeidet die

dings der umständliche Herzensergup auch heute noch Mode fein; aber sonst ist Kürze des Briefstils Würze geworden, und die Feder wird von der nüchternen Zweckmäßigkeit regiert, nicht mehr von der anmutigen Phantasie. Schade; aber nicht zu ändern.

Sonderbarerweise hat die Postkarte mit chrer Form­losigkeit gerade den kaufmännischen Briefstil noch nicht genügend beeinfluffen können, obschon dort doch die Kürze und trockene Sachlichkeit gerade am Platze ist, die verschnöttelte Ausdrucksweise und inhaltslose Höf­lichkeitsphrase schleppen sich da vielfach noch fort. Neu­lich teilte ein Blatt folgende Probe mit: „Antwortlich Ihres geehrten Gestrigen beehren wir uns mit Heu­tigem Ihnen mitzuteilen, daß Ihnen mit Morgigem eine ausführliche Antwort unterbreitet werden soll, und empfehlen uns Ihnen hochachtungsvoll und et- gebenst."

Auch in sonstigen Kreisen, namentlich bei ßeuter denen das Schreiben etwas schwer wird, findet man noch vielfach die Ansicht, daß in einem „richtigen Brief" gewisse Formeln und Floskeln, namentlich zu Anfang und Ende, unbedingt notwendig seien. Dieser Aber­glaube ist lästig und schädlich; er beeinträchttgt den frischen, freien Herzenserguß, der ja gerade das schöne und erbauliche an einem Briefe bildet. Man kann den Briefschreibem nicht laut und oft genug zurufen: Schreib, wie du sprichst. Was du dem Empfänger sagen würdest, wenn er hier wäre, das bringe zu Pa­pier, und zwar in derselben Natürlichkeit, wie du eS rhm vorplauschen würdest. Alft die stolzbeinigen Re­densarten, die im Gespräch lächerlich wirken müßten, gehören auch nicht auf das Papier.

Früher schrieb man lang und gefühlvoll; wir schrei­ben jetzt in der Regel kurz und sachlich. Schön; dafür sollten wir aber einen Ausgleich schaffen in der Häu- figkett. Eine Posckarte ist schnell und leicht geschrie­ben; eine Ansichtskarte läßt sich noch schneller füllen; Kostenpuntt nur wenige Pfennige. Der Empfänger aber hat viel Freude an jedem herzlichen Wort des Ge­denkens und dcs Grußes. Die Bande der Verwandt­schaft und der Freundschaft werden frisch und toirffam erhalten. — Also nicht schellen über die sogenannte Vielschreiberri! Das Gemüt ist ja heutzutage über­haupt auf schmale Kost gesetzt. Gönnen wir ihm das bischen Nahrung, das es aus dem häufigen Brief­wechsel gewinnt und sogar aus einer inhaltsarmen An­sichtskarte zu ziehen weiß.

scheitert.

In E ng l a n d beansprucht gegenwärtig her Kampf um das Budget, und um das Oberhaus das größte Interesse. Wie dieser auslausen wird, und ob es schon bald deswegen zu Neuwahlen kommen wird, darüber läßt üch noch nichts Bestimmtes sagen. Allge­mein ist man jedoch der Ansicht, daß die Neuwahlen im Januar stattfinden werden.

Die französischen Katholiken scheinen sich endlich zu einem energischeren Kampfe gegen die religionslose Schule aufrasfm zu wollen. Man kann nur im Interesse des französischen Volkes wünschen, daß der dieser Tage seitens des qesamten französischen Epistopates erlassene Hirtenbrief von allen Bevölke- rungsklassen strengstens beachtet ioirb

Spanien hat in den letzten Tagen in Ma­rokko endlich mit größerem Erfolge gekämpft. Die völlige Unterwerfung der Kabylen scheint jetzt nur noch eine Frage der Zeit zu sein, und man kann daher auch die große Begeisterung begreifen, die gegenwärtig in Madrid herrscht. Es ist nunmehr zu erwarten, daß es der spanischen Regierung endlich gelingen wird, wiederum geordnete Zustände im Lande herbei­zuführen.

Die Ruhe in den aufsässischen Provinzen des tür­kischen Reiches läßt noch viel zu wünschen übrig. In Albanien sowohl wie in Arabien denkt man noch keineswegs an unbedingte Unterwerfung. Inzwischen hat die Saloniker Tagung der .Jungtürken gezeiat, daß selbst unter den Jungtürken keine allzu große Neigung besteht, die Christen in staatsrechtlicher Beziehung auf gleiche Stufe mit den Mohammedanern zu stellen. Man hält sie nicht der Ehre für würdig. Heeresdienst zu leisten, dann aber können sie -auch nicht als Beamte zugelassen werden.

Der Versuch, für den Steinschlag eine Entlohnung nach der Leistung eintreten zu lassen, ist nicht gegluckt. Am besten scheint Dr. Most die Frankfurter Methode zu fein, wonach bei gewissen Leistungen, deren Aus­maß über den guten Willen der Arbeitenden keinen Zweifel läßt, ein gewisser Minimallohnsatz garantiert wird, während im übrigen Akkordlöhne Platz greifen. Die Kosten der Düffeldorfer Arbeitslo;enbeschafti- gung bettugen im letzten Winter eine halbe Million Matt und der Reinverlust, d. h. die Differenz zwischen den Kosten, die bei Ausführung der Arbeiten durch Normalarbeiter entstanden wären, und den Kosten, die infolge Ausführung durch Arbeitslose ent­standen find, rund 200 000 Mk. Ein wesentlicher Teil dieses „Reinverliistes" ist durch Inanspruchnahme privater Unternehmer für Unterbringung der Arbeits­losen entstanden, und es wurde daher schon tu der Düsseldorfer Stadtverordnetenversammlung der Wunsch laut, künftig in größerm Maße Regiearbeiten auS- führen zu lassen.

Mag auch die Düsseldorfer Arbeitslosenfürsorge noch das eine oder andere zu wünschen übrig lassen, und für kleinere Städte nur mit statten Modifikationen als Vorbild dienen können, so besitzt sie doch so viele Vorzüge, daß nachdrücklich auf dieses Vorbild hinge- wiesen werden muß. Insbesondere dürften sich, wie schon betont, viele Kommunalverwalttuigen an der frühzeitigen, planmäßigen Vorbereitung der Notstands- aktionen, die eine unabweisbare soziale Pflicht find, ein Beispiel nehmen. _

— Ä । «»zeige« TU e»

W 1 hallige Petitzeile oder

▲ berat Ram» 15 Pfg.

llekl-meudiepetttzrile

I I Hl II i I wieder.

MvllUllU

Verlag der Fuldaer A»

Lendttlckerei bk jsulda

ittatdsMagt! „Klldaer GeschichtLblAter»

Deutsches Keich.

□ Die letzten Steuern traten gestern in Kraft. Wie offiziös ettlärt wird, find nach der Essigsmire- Nachsteuewerordnung Gewerbetreibende, sowie Kon­sumvereine, Kasinos, Logen und ähnliche Vereinigun­gen, die zu Genußzwecken geeignete Essigsäure am 1. Oktober 1909 im Besitz ober Gewahrsam haben, verpflichtet, ihre fämtlichen Bestände, also wich Mengen von nicht mehr als 10 Kilogr. wafferfteier Essigsäure der zuständigen Steuerbehött>e anzumelden. Diese, Vorschrift könnte bei Beteiligten die Besorgnis erwe- ■ den, als sollten auch Mengen von nicht mehr a!3 10 Kilogr. zur Nachsteuer herangezogen werden. Eure solche Besorgnis wäre unbegründet. Am 1. Oktober 1909 im Besitze von Gewerbetreibenden und Haushal- ttlngsvorständen befindliche Essigsäure in Mengen von nicht mehr als 10 Kilogr. wasserfreier Essigsäure ist nach § 1 bet Nachsteuerordnung von der Nachsteuer befreit; die Mengen von 10 Kilogr. wasserfreier Essig­säure bleiben in diesem Falle auch dann noch steuerfrei, wenn größere Vorräte vorhanden sind.

)( Im Kampfe gegen die Schundliteratur greift man erfreulicherweise immer mehr zur Selbsthilfe. Die Berliner städtische Tiefbau­deputation hatte vorgeschlagen, bei der Erlaubnis zur Ausstellung von Trinkhallen in Berlin der Vereinigten Deutschen Kiosk» und Trinkhallen« Gesellschaft die Bedingung aufzuerlegen, an Schulkinder Trinkwaffer unentgeltlich zu verab­reichen. Die städtische Schuldeputation aber hat ein Bedürfnis für eine solche Bedingung nicht anerkannt. Dagegen beschloß sie, bei der Tief- daudeputation anzuregen, daß der genannten Gesellschaft die Bedingung auferlegt werde, in Zukunft keine Schundliteratur mehr in den Kiosken feilzuhalten. Es ist auch nicht daran zu zweifeln, daß die Tiefbaudeputation dieser

nnüat die Verschmelzung „energisch zu betreiben , und zum Schluffe mit schöner Hoffnung wagte man am Schluffe das Sätzchen: Ist so eine Verschmelzung der liberalen Parteien noch nicht so weit erfolgt, daß nur „och die Bestätigung der Parteitage ausstande, so ist aufgeschoben doch nicht ausgehoben!

Oesterreich-Ungarn leidet noch statt unter t hen inneren politischen Krisen. Der böhmische Land­tag hat noch keineswegs seine Arbeitsfähigkeit be­wiesen trotzdem die Obmänner der einzelnen Parteien sich alle Muhe geben, eine Einigung herbeizuführen. Wenn aber der böhmische Landtag keine positive Arbeit leisten kann, so kann es auch als ausgeschlossen gelten, daß das österreichische Abgeordnetenhaus arbeitsfähig wird Somit rechnet man allgemein mit der Auf­lösung des Wiener Parlaments. Auch die u n g a r i= sche Kabinettskrise, die jetzt den Zusammen­bruch der Koalitionspartei verschuldet hat, harrt noch der Lösung. Allem Anschein nach wird dem Kaiser keine andere Aussicht bleiben, als den Chauvinisten Kofluth mit der Kabinettsbildung zu beauftragen.

Rußland erregt im Auslande eigentlich nur durch seine großen Berwaltungsskandale Aufsehen. Gegenwärtig ist man in Petersburg damit beschäftigt, Unterschlagungen im Heere aufzudecken, und es heißt schon, daß ein Derwaltungsskandalprozeß bevorstehe, der seinesgleichen in der russischen Geschichte nicht finden werde. Das besagt schon mehr als genug.

Der schwedische Generalstreik ist noch keineswegs gänzlich beendet. Zwar ist seinerzeit der Streik nur auf die von dem schwedischen Arbeitgeber­verbande Ausgesperrten beschräntt worden, aber die Hoffnung, daß dadurch umso schneller die Friedens­verhandlungen zum Ziele sührten, hat sich bis jetzt noch nicht erfüllt. Die Vermittelungsaktton zwischen den beiden Parteien ist am Dienstag endgültig ge-

Jnttmität und berührt diskrete Punkte in Andeutungen, die nicht jeder versteht. Aber manchmal kommen doch aus Ungeschick ober Uebereiser Dinge auf die offene Karte, die besser unter vier Augen blieben. Zur Be­ruhigung sagt man sich, die Postbeamten hätten keine Zeit und keine Lust, die Karten zu lesen, und von der Post käme sie ja direkt in die Hände des Empfängers. Diese Rechnung sttmmt aber nicht immer. In kleine­ren Orten z. B. gibt es auch neugierige Postbeamte, und überall gibt es sehr neugierige Dienstboten. Im allge­meinen sind wir ja besser gestellt ,als die Pariser, deren Briefsachen sämtlich beim Vsöttner des Hauses corr- Cjerire) abgegeben werden, sodaß er oder seine Frau die Korrespondenz aller Mietsparteien konttollieren und namentlich die Postkarten in Vorhand genießen kön­nen. Der Postbote hat bei uns zu Lande einen viel anstrengenderen Austragedienst, da er alle Zusendungen in der'Wohnung des Adressaten selbst abgibt. Doch gibt dieier Umstand noch keine Gewähr für das Post­kartengeheimnis. Jeder, der zufällig eine fremde Post­karte in die Finger bekommt, hält sich für befugt, sie zu lesen imb geeignetenfalls den Inhalt zum Klatschen zu verwerten. Und jedenfalls hat der Empfänger einer Postkarte, auf der etwas Diskretes steht, ein unange­nehmes Gefühl; er denkt nach, wer wohl das gelesen haben könnte, und möchte dem Absender zurufen, er fette solche Sachen lieber in einem geschlossenen Briefe behandeln. Daher soll man unterscheiden: was man ungeniert auch vor beliebigen dritten Personen sagen kann, darf man ruhig auf eine Postkarte schreiben; aber alles, was Herzensangelegenheiten oder uner- quickliche Dinge betrifft, Zärtlichkeitsergüsse, Vorwürfe, : Mahnungen, Ausgelassenheiten usw. foll man lieber : durch Aufwendung von 5 Pfg Mehrkosten den fremden

'°rSour Begründung weist er mit Recht darauf hin, daß nicht nut seit zwei Jahren die wirtschaftliche Kon- - iunftur leidet und auch in der bevorstehenden kaltem Jahreszeit viele Tausende ohne Arbeit zu lassen droht, sondem daß auch das fich immer mehr verfeinernde soziale Empfinden der öffentlichen Meinung bet mo­dernen Städteverwaltimg mit jedem Jahre dringlicher vor Augen hält, daß sie neben die Fürsorge für Ncch- runas- und Wohnungslose auch eine Fürsorge für Ar­beitslose treten lassen müsse. In Anbetracht dreier Bedeutung des Problems der Arbeitsloiigkeit ist die Nr. 11 der genannten Monatsschrift des Verbandes deutscher Arbeitsnachweise, die als Spezialnummer für Arbeitslosenfürsorge erschienen ist und eine Reihe einschlägiger Abhandlungen enthält, besonders be­achtenswert. Hervorgehoben seien hier die Erfahrun­gen die Dr. Most ans der Praxis der Arbeitslosenbe- cbäftiaitna in Düsseldorf mitteilt.

^Me Düsseldorfer Notstandsaktio.ien in den Wintern 1901=0=» 190^03, 1907-08 und 1908-09 zeichneten fich'durch großen Umfang, sorgfältige Vorbereitung und planmäßige Durchführung aus Die, Zahl der Beschästtgungstage für Arbeitslose betrug im Winter Ä1-Y2 M 400, 1902-03 21 089, 1907-08 27 293, 1908-09 91 045. Im letzten Winter stieg die Zahl der aleicbieitig an einem Tage beschäftigten Arbeuslosen bis zu 1302. Um eine glatte Durchführung einer so imifangreifen Aktion zu ermöglichen, hat die Dussel- dorfer Stadtoerwalttmg seit einer Reihe von Jahren schon im S o m m e r, mochte er sich auch noch so gün­stig anlaffen, einen Plan entworfen für etwaige Beschäftigung von Arbeitslosen. Zum Teil wurden Arbeiten in städtischer Regie vorgesehen, teils wurden in Verträge mit Straßenbauunternehmern Stau i ein aufgenommen, wonach sich jene zur Einstellung einer gewissen Zahl von Arbeitslosen gegen eine nach der Zahl der Arbeitslosentage oder der Gesamtleistung des'Unternehmers bemessene Vergütung verpflichteten. Diese frühzeitige, planmäßige Vorde­re i t un a der Arbeitslofenbeschäftigung dürste andem Stadteverwaltungeu zum Vorbild dienen.

Die Gewährung von Beschäftigung ist ut Düssel­dorf, wie meist auch anderswo, an verschiedene Be­dingungen geknüpft; so werden z. B. zunächst nur Personen mit Familienlast berücksichtigt und erst Wa­ter, wenn deren Unterbringung keine Schwierigkeit wehr macht, auch andere Arbeitslose. Sehr beachtens­wert ist das zweckentsprechende Annahme- und lieber« weisungsverfahren, dessen streng zentralffiette Organi­sation dos Ergebnis mehrjähriger Verftrche und Er-

' ’3 Aj- ’ 53 e 11 ü) ui eia u u g der liberalen Parteien stand wieder auf der politischen Tages- 'nrtmng der Woche. Am Sonntag ist in München der rnusschuß der bürgerlichen Linken zusammenge- tru t, um über die Vereinigung der Freisinnigen Volkspartei, der Freisinnigen Vereinigung und der deutschen Volkspartei Beratungen zu pflegen. Grund­sätzlich haben sich alle drei Parteien vor einiger Zeit für die Vereinigung ausgesprochen, die man als einen Anfang für die Vereinigung sämtlicher Liberaler, also für die Bildung einer großen liberalen Partei herbei- sehnt. Daß es damit noch gute Wege hat, hat man nun erfahren. Die Freisinnige Volkspartei, als die größte der linksliberalen Parteien, wünscht die Ver­schmelzung auf die Weise ins Leben zu rufen, daß die andem Parteien einfach zu ihr übergehen. Das hat sich die Volkspartei ja überaus nett ausgedacht, aber den anderen fällt es im Traume nicht ein, das zu tun. Man hat auch in München die Schwierigkeiten einer Verschmelzung wohl eingesehen, und sich damit be=

ettduHlsIlt nd M

littiMÜmt bet Sovn. Ä W Ä j ■ W A AÄ

« willAAAr ohne vriiwerlohn und THggS H ■ K R n H ■ vesterlgeldtnSuldass. BH H RWUBK ■

wie awwärtS 1-50011 U Ä W

vetantt». Redakteur Sg

Lv.r rl. wetzlerr

L Lulda. WochriibÄtatztt S0itiltd5$3CttU1t5

Unpolitische Schlaufe.

(N.) Berlin, 30. September 1909.

(Nachdruck verboten.)

Die Postkarte ist jetzt gerade 40 Jahre alt. Am 1. Oktober 1869 wurde sie in Oesterreich eingeführt. Ihr dortiger Geburtsname war „Korrespondenzkarte". Ter Norddeutsche Bund folgte neun Monate später dem österreichischen Beispiele. Eine wunderbare Fügung, daß dieses bequeme Briefblättchen just vor dem Aus- bmche des großen Krieges mit Frankreich Angeführt wurde. Ein ungeheuerer Vorteil für die Soldaten, die während des Herbstes und des Winters im Felde standen! Einen richtigen Brief fertigzustellen, erfordert 'viel mehr Zeit, Material und Kraft, als eine Sorte mit 'der Adresse und einem Lebenszeichen auszufüllen. Es "fetten in der Kriegszeit 10 Millionen Postkarten ver­wendet worden sein. Wenn es keine Postkarte gegeben hätte, so würde der schriftliche Vettehr vielleicht auf die Hälfte beschräntt geblieben sein. Das wäre ein gewal­tiger Schaden gewesen. Wer jene Zeit noch miterlebt Hat, der weiß, welch eine Fülle von Freude und Trost eine Postkarte, die vom Kriegsschauplatz kam, über die Ange^rigen und alle Bekannten der Soldaten aus- strömte, und welch eine Erquickung es für die Krieger war, wenn ein Gruß aus dem Elternhaufe ober von der Braut oder Frau anlangte. In der Verpflegung des Feldheeres spielt die Feldpost nicht die letzte Rolle; sie liefert Proviant und Gemüt.

Die Einfachheit und Bequemlichkeit waren es auch, die bet Posckarte im Friedensverkehr den Triumphzug verschafften. Die Billigkeit kommt erst in zweiter Li­nie, im Anfänge kostete die Karte noch 10 Pfg. Porto find verbreitete sich doch überaus schnell und weit. Bei denjenigen Karten, die dem Geschäftsverkehr dienen, jsdllt ja der Kostenpunkt ins Gewicht; aber wenn es sich Jim den Familien- und Freundschaftsvettehr handelt, pei den Gemütlichkeitskarten, nimmt man es mit den ^Pfennigen nicht so genau. Der Beweis dafür ist die mmsienhafte Verwendung von Ansichtskarten. Wäh­lend die gewöhnlichen Postkarten umsonst zu haben -Pnd, müssen die Ansichtskarten erst käuflich erworben d? j ’S; "st werden wucherische Preise genommen jü? Dinger die in Massen billig herzustellen sind. Die Kellner in den Gasthöfen und Wirtschaften sowie die Händler an besuchten Ausflugsorten usw. nehmen tzmen kolossalen Gewinnaufschlag. DaS Publikum, das Iber jede fiskalische Belastung, z. B. auch über den Dtrefchholz-Pfennig, sich grimmig erregt, benutzt mit

Vergnügen Ansichtskarten, die doppelt oder dreimal so teuer kommen wie gewöhnliche Postkarten.

Kann und soll der Portosatz von 5 Pfennig noch ermäßigt werden? Einen Anlauf dazu gab es bis vor wenigen Jahren in der 2 Psennig-Karte für den Ortsverkehr. Das war ein Uebermafj von Verbilli­gung. So eine Karte muß abgestempelt werden von der Äufgabestelle an das Postamt des Adressaten geför­dert. von dort in das betreffende Haus und vielleicht noch drei oder vier Treppen hoch in die Wohnung des Empfängers getragen werden: diese Menge Arbeit kann für zwei Pfennig nicht geleistet werden.

Eine wesentliche Stütze des Poftkartenverkehcs ist der Bleistift. Wer einen Brief schreibt, fühlt sich an­standshalber verpflichtet, Feber und Tinte zu gebrau­chen, und die hat man wohl in seiner Schreibstube, aber nicht immer unterwegs bei sich. (Die Füllfeder-

Wochen-Rund^chau.

- [;] Fulda, 1. Oktober 1909.

Nach dem Ablaufe der G e n e r a l v e r sam m- lung der Katholiken Deutschlands vor etwa vierzehn Tagen konnten wir zu unserer Genug­tuung eine Menge von Preßstimmen zumteil mchtka^ tboftscher zumteil dirett gegnerischer Blatter anfuhren, He bern Tage in Breslau das Zeugnis ausstel.cn muß­ten daß man sich dort überaus mäßig benommen, daß die' Angeftgenhriten des Protestantismus überhaupt nicht zur Sprache gekommen, daß vor allem von irgend welcher * Hetzerei nicht im geringsten die Rede ein könne. Nun hat auch der Protestantismus feine gro­ßen Jahresversammlungen abgehalten. Es wurde uns wohl tun, wenn wir über diese Tagungen ähnlich gün­stig uns aussvrechen könnten, wie protestantische Blat­tes in oben angebeuteter Weise über die Generalver­sammlungen der Katholiken. Aber leider ging es in Bremen auf dem deutschen Protestanteni age und in Mannheim auf der Generalversammlung des evangelischen Bundes ganz anders zu wieman es von christlichen Versammlungen erwarten durste Bremen ist in religiöser Beziehung bekanntlich überhaupt eine eigene Stadt, und es könnte als böses Omen gelten, daß gerade dort jene Tagung ftattfano Em prote­stantisches Pastorenblatt, bet „Reichsbote , konstatiert, daß bas, was in Bremen vettünbet worden sei, weder Protestantismus, noch überhaupt irgend welches Chri­stentum sei, vielmehr eine reine naturalistische Weltanschauung, der direkte Gegensatz zu jeg= lichem Christentum. Von der Generalversammlung des evangelischen Bundes andererseits haben wir wiederum ; dasselbe gehört, was wir alljährlich zu Horen bekom- jmen. Mit Christentuw. hat das absolut nichts zu tun wer in unserer Zeit, wo die Feinde des Christentums 'so zahlreich und so mächtig sind, in einer Weise, wie der evangelische Bund, gegen die christlichen Bruder hetzt wer als das wichtigste den politischen --.amps gegen eine andere christliche Konfession proklamiert, dem muß man vieles, vor allem aber jegliches 5Betftano= nis für die heutige Kulturlage und für die Beburi mste des positiven Christentums absprechen. Was in Mann­heim die Massen einigte, war nicht Christentum ober ■gar evangelisches Christentum, sondern nur der Gegen- sssatz und die Feindschaft gegen Rom. gegen den Katho-