Zuldaer W Zeitung
Z.^arzeLer^L»lda w-chEaxn „Illustrierte SonntagrzMng«
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Fulda, Freitaq den 1. Oktober 1909.
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Literarisches.
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(*) Die Nichtbegrüßung des Katholikentages in Breslau durch die dortige Stadtverwaltung wurde bekanntlich damit zu entschuldigen bezw. zu rechtfertigen gesucht, daß der Vorstand des Städtetags beschlossen habe, von allen Begrüßungen konfessioneller oder politischer Versammlungen durch die Stadtvertre- hingen abzusehen. Nun lesen wir aber, daß der Gustav-Adolf-Verein bei seiner gegenwärtigen Hauptversammlung in Bielefeld nicht nur von dem Vertreter des Oberprästdenten von Westfalen, sondern auch „int Namen der Stadt" von dem Bürgermeister Bunnemann in der ersten Versammlung begrüßt worden ist. Gegen eine solche Begrüßung ist an und für sich nichts einzuwenden, aber im Hinblick auf Breslau würde doch wohl die Frage am Platze fein, ob es mit dem angeblichen Beschlüsse des preußischen Städtetags seine Richtigkeit hat.
Aus dem ttachbargebiete.
* Frankfurt, 29. Sept. 1909. Die Oberlehrer an den städtischen Lehranstalten sind nicht zufrieden da
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mit, daß ihnen die Gehaltsaufbesserungen erst ab 1. April 1909 zuteil werden sollen. Auf Grund pon Bestimmungen in einem früheren Regulativ glauben sie Anspmch auf Nachzahlung ab 1. April 1908 erheben zu dürfen. Ihre Auffassung wird bestärkt durch ein Rechtsgutachten von Professor Walter Schücking, das ihren Anspmch für berechtigt und klagbar erklärt. Nun soll der Stadtverordneten-Verfammlung vorgeschlagen werden, städtischerseits ein Rechtsgutachten des eine andere Auffassung vertretenden Professors La- band in Straßburg einzuholen.
♦ Homburg v d. H., 29. Sept. 1909. Am Vorabend der Entlassung von Reservisten des 3. Bataillons des Füstlierregiments 80 kam es hier zu t u r b u l e n- ten Szenen. Nachdem im Laufe des Nachmittags die Montierungsstücke ab geliefert waren, nahmen die angehenden Reservisten der 12. Kompagnie einen Abschiedstrunk in der Kantine. Hierbei kam es zu Streitigkeiten, die sich in den Kasernenzimmem fortsetzten. Es wurden eine Anzahl Einrichtungsstücke zerschlagen und den Unteroffizieren und den herbeieilenden Feldwebeln der Gehorsam verweigert. Erst als der Bataillonskommandeur persönlich cinschritt, gelang es, die Ruhe wieder herzustellen und die Rädelsführer, acht Mann, festzunehmen. Die Reservisten mußten sofort auf der Kammer wieder ihre Ausrüstung in Empfang nehmen. Während die anderen Kompagnien ihre Reservisten am nächsten Morgen entließen ,mußte die 12. Kompagnie bis zum späten Nachmittag in der Kaserne bleiben, worauf die Entlassung der Nichtbeteiligten erfolgte.
* Wiesbaden, 29. Sept. 1909. Im Lagerkeller der Drogerie Kirchgasse 6 wollte der Hausdiener Junker heute nachmittag Terpentin abfüllen. Als er das elektrische Licht andrehte, erfolgte Kurzschluß und die Gase der in dem Keller befindlichen Erplosttivstoffe entzündeten sich. Junker erlitt schwere Brandwunden im Gesicht. Auch der Schaden am Haus ist bedeutend. — Gegen den wegen seiner alles Maß überschreitenden beschimpfenden Ausfälle wider die katholische Kirche berüchtigten freireligiösen P re d i g e r W e l k e r ist auf Antrag des Bischöflichen Ordinariats in Limburg infolge eines im Juli erschienenen, vor Gemeinheit strotzenden Artikels Anklage erhoben worden. Gleichzeitig hat das Bischöfl. Ordinariat Beleidigungsklage gegen Welker angestrengt, weil W. die Julinummer der Monatsschrift, in welcher der oben erwähnte Artikel erschien, in höhnender Weise dem Ordinariat mit einer Einladung zum Abonnement und zur Mitarbeiterschaft zugehen ließ.
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Aus Kirche und Schule.
* Aachen, 28. Sept. 1909. Die sechs ersten Ober- primanerinnen der von den hiesigen Ursulinen gefetteten Studienanstalt haben die R e i fe p rü fu n g am Realgymnasium zu Krefeld bestanden. Von den Abiturientinnen wollen vier Philologie, eine Medizin studieren, eine ergreift den zahnärztlichen Beruf. Zwei Schülerinnen der Anstalt, die sich dem Apothekerinnenberuf widmen wollen, bestanden am Realgymnasi-lm das Examen für Prima.
berg trafen vor einigen Tagen in zwei Sonderwagen der bayerische Verkehrsminifter Dr. von Frauendorfer und eine Anzahl Vertreter der Münchener Presse ein, um das Verkehrsmuseum und nachmittags die Wohlfahrtseinrichtungen im neuen Rangierbahnhofe zu besichtigen. An letzterem Besuche nahm auch die Nürnberger Presse, sowie Vertreter der Stadt teil Der Minister übernahm vielfach die Führung selbst.
* Zu der Beisehungsfeierlichkeik für die vier Opfer der Katastrophe der Republique" wird der „Voss. Ztg.' noch gemeldet: Es braucht kaum erwäh.it zu werden, daß der Kranz von Orchideen, den Kaiser Wilhelm am Sarge der Opfer des verunglückten Lenkballons niederlegen ließ, der m e i st bemerkte war. Die Blätter rügen es scharf, daß der Präsident Fallisres, wie es scheint, aus Beguemlichkeitsrückflchten, der Beisetzungsfeierlichkeit nicht beiwohnte. Sa schreibt das Echo de Paris: „Der Herr Präsident der Republik hat es offenbar darum nicht für nötig gehalten, sich vor dem Grab der Helden zu verneigen, um die wir weinen, weil ihm daran lag, zu seiner gewohnten Stunde und in aller Bequemlichkeit zu Mittag zu essen. Herr Falliöres hat nicht nur vergessen, sich als Präsident der Republik zu benehmen, er hat sich auch nicht als Franzose benommen. Die Franzosen werden sich mit Betrübnis und nicht ohne einige Beschämung erinnern, daß ein Kranz hinter den Särgen zuerft auf- fiel, und daß dieser Kranz, die Huldigung eines Staatsoberhauptes, nicht vom Präsidenten der Republik gestiftet war, sondem vom deutschen Kaiser."
— Zm Weinrestaurant, Kellner: „Bei uns ist heute Taufe!" — Gast: „Bitte, erklären Sie sich deutlicher: Wein» oder Kindtaufe?"
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Ausland.
* In Frankreich soll die S t r a f v e r s ch i ck u n g abgeschafst werden In Paris ist im Justizministerium ein Ausschuß zusammengetreten, der über diese Abschaffung und die sie ersetzenden Strafen berät.
*♦ Die Verschwörungen gegen das serbische KS- nigshaus wollen anscheinend kein Ende nehmen. Jetzt heißt es, daß in den letzten Tagen eine Verschwörung gegen die Dynastie Karageorgevic entdeckt worden sei. In ben amtlichen Kreisen suchte man die Sache so lange als möglich zu verheimlichen, da sie die schwache Stellung der Dynastie deutlich beleuchtet und um so peinlicher wirkt, als der Verschwörungsplan von einem jener Männer gefaßt und ausgearbeitet worden ist, welche die Ermordung König Mexanders und der Königin Traga angestiftet und König Peter auf den Thron gebracht haben. Kein geringerer nämlich als der E x- m i n i st e r G e n c i c, einer der Leiter der Verschwörung von 1902. ist die Seele dieser Verschwörung gegen das serbffche Königshaus.
** Die Selbständigkeit Finlands bedroht? Die scheinbare Schwache des Senats hat zur Folge gehabt, daß die Reaktion immer dreister geworden ist; sie hat nunmehr den Augenblick für günstig angesehen, einen entscheidenden Schlag gegen das autonome Finland zu richten: sie hat einen kaiserlichen Erlaß erwirkt, durch den der finländische Senat ganz einfach verständigt wird, der Kaiser habe beschlossen, Finland solle künftighin, bis zur endgiltigen Regelung der „Reichsgesetzgebung", während der ersten 10 Jahre 10, 11 usw. bis zu 20 Millionen jährlich für die Reichsverteidigung entrichten. Dieser Befehl bedeutet nichts anderes, als eine offene Verletzung der finländischen Verfassung und des Bewilligungsrechtes des Landtages. Der Serat wird demzufolge an einem der nächsten Tuge seine Entlassung einreichen und es wird sich als ganz unmöglich erweisen, einen neuen Senat zu bilden — her Konflikt ist dann da.
vermischtes.
* Das Automobil der Prinzessin Luise von Ko- burg, in dem diese nach ihrem neuen Aufenthaltsort Budapest fuhr, stieß bei Wien mit dem vor- ausfahrenden Automobil, das die Dienerschaft beförderte, zusammen. Beide Kraftwagen stürzten um und gingen in Trümmer. Verletzt wurde jedoch niemand.
* Eine landwirtschaftliche Jubiläums-Ausstellung soll zur 100jährigen Wiederkehr des Jahrestages der ZentrallandwirtschaftSfestes im nächsten Jahre in München veranstaltet werden. Der bayerische Landwirtschaftsrat hat beschlossen, daß die Ausstellung, die ich auf die gesamten landwirtschaftlichen Erzeugnisse und die gesamte Tierzucht erstrecken soll, in den herrlichen Ausstellungsräumen am Bavariaringe statt- inbet.
♦♦ Perlenfischerei wird in Deutschland in mehreren Bächen des bayerischen Waldes betrieben. Diese Bäche gehören meistens dem Staat, welcher die Fischerei und die Perlenfischereirechte verpachtet. So gelangte am 21. September eine größere Anzahl von Fischerei- und Perlenfischereirechten auf die Dauer von 10 Jahren zur Verpachtung.
* Verständnis für die Bedeutung der Presse hat der bayerische Verkehrsminister behmbet. In Nürn
======== 3. bis 10. Oktober 1909. — ■■■■........ ...
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Deutsches Reich.
Ein Erfolg Schückings gegenüber dem Militärfiskus. Der frühere Bürgermeister Dr. Schücking hat gegen den Milttärfiskus einen vorläufigen Erfolg erzielt. Nachdem ihm unter dem 18. Oktober 1908 der Abschied aus dem Militärdienst als Offizier des Beurlaubtenstandes bewilligt war, wurde ihm die Pensionierung auf grunb einer während einer militärischen Hebung im Sommer 1905 erlittenen Dienstbeschädigung verweigert, obwohl schon früher Ermittelungen angestellt und er vorläufig als Ganz- invalide erklärt wurde. Nachträglich verweigerte der Militärfiskus aber jede Pensionszahlung, indem er sich merkwürdigerweise auf Verjährung berief. Schücking sah sich daher genötigt, zu klagen. Durch Urteil des Königl. Landgerichts I, Zivilkammer 19 in Berlin vom 28. Sept. 1909 ist der Fiskus kostenpflichtig verurteilt worden, an den Kläger 753 Mk. jährlich zu zahlen, und zwar die rückständigen Beträge feit dem 1. November 1908 sofort, die künftigen Beiträge in monatlichen Vorausraten von 62,75 Mk.
[] Pfarrer als Ortsschulinspeftoren abgesetzt! Vor etlichen Tagen meldeten die Zeitungen, daß im Regie- mngsbezirke Arnsberg in den Orten, in welchen an den Schulen sog Schulreftoren angestellt sind, die Pfarrer ihre? Amtes als Ortsschulinspektoren enthoben worden seien. Die Könial. Regiemng in Minden ist nunmehr nach gefolgt. Prälat Racke und Pfarrer Wiet- m a n n — dem neuen Dompfarrer war die Ortsschul- inspeMon nicht übertragen worden — sind als Oris- schulinspeftoren vor etlichen Tagen durch Regierungs- Verfügung abgeseht. Damit ist die geifiliche Schulaufsicht auch tu Paderborn zu Grabe getragen Zwar bleibt den Pfarrern das Recht, den Religionsunterricht zu erteilen und zu überwachen: aber es läßt sich nicht bestreiten, daß ihnen der Einfluß auf die Schule in hohem Maße genommen worden ist. Es scheinen noch weitere Maßregeln geplant zu fein. So werden der katholischen Kirche ihre R ech t e auf die Schule in Preußen i m m e r m e h r g e k ü r z t. Das katholische Voll darf sich daS nicht gefallen lassen, sondern es ist ^jetzt fürwahr die höchste Zeit, daß es gegen derartige Maßnahmen der Regierung laut Protest erhebt.
O Die nationalliberale Partei Pommerns trifft "bereite die ersten Vorbereitungen zur nächsten Reichstagswahl. Außer mit einer intensiven Agitation in verschiedenen Wahlkreisen befaßt man sich auch schon mit der Auswahl der Kandidaten. Die -Nationalliberalen des Kreises Saatzig-Pyritz, die bei den letzten Wahlen für die Konservativen eingetreten sind, beschlossen, das Mandat dem früheren Bürgermeister von Stargard (jetzt ersten Bürgermeister in Prenzlau) anzubieten.
--- Urteil eines Franzosen über die deutschen Manöver. Der Militärschriftsteller Rouffot .der den deutschen Manövern beigewohnt hat, zieht im „(Saulois* einen Vergleich zwischen den französischen und deutschen Manövern. Er hält die deutsche Methode der rücksichtslosen Offensive, ohne auf die Entwicklung der gegnerischen Streitkräfte Rücksicht zu nehmen, für ein Manöverschauspiel, das im Ernstfälle nicht so glatt gehen würde. Auch die ftanzösische Art des Schieds- rtchterspruchs, die mehr den sich ergebenden Umständen Rechnung trägt, scheint ihm der deutschen Methode überlegen. Von allen diesen Einwendungen jedoch abgesehen, bleibt aber die deutsche Armee auch nach ihm das stärkste Kriegsinstrument derGegen- wart. Namentlich die vollendete Präzision in der Anwendung der technischen Neuerungen, aber auch die Ausdauer und Widerstandsfähigkeit der Truppen nötigen dem ftanzösischen Beobachter die größte Ach- btng ab.
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8. Heft, August 1909. Von den interessanten Originalaufsätzen heben wir hervor: Die natürliche Nahrung der jungen Wildfische in Binnenseen, von Prof. Dr. Otto Zacharias; Energieumwandlungen, von Dr. Haller; Darwin als Zoologe, von Dr. Karl Hauser; Monismus und Naturwissenschaft, von Dr. I. Goldstein. Dieser letzgenannte Aufsatz zeigt durch Tatsachen und Autoritäten, daß man heute sehr weit von einem monistischen Abschluß der Naturwissenschaft entfernt ist und den Monisten etwas weniger Lärm besser stehen würde. — Streifzüge durch die freie Natur im August (Pflanzenwelt, Tierwelt, Sternhimmel), eine kleine „Umschau" und „Auskunststelle' ergänzen dieses Heft, das sich würdig an die Seite der vorhergehenden stellen darf und den Naturfreunden gewiß recht willkommen sein wird.
Das 9. Heft, September 1909, enthält besonders einen sehr lehrreichen Artikel über die künstliche Herstellung von Pflanzen- und Tierstoffen, von Dr. Beruh. Bavink; ebenso über künstliche Zellen, von Prof. Dr. Dennert; in beiden wird dargetan, daß die Wissenschaft keine genügenden Gründe hat, den wesentlichen Unterschied zwischen lebenden und nicht lebenden Wesen fallen zu lassen, daß die „Urzeugung" unmöglich und ausgeschlossen ist. Interesse erwecken auch die Aufsätze über den Kugelblitz, von Dr. Albert Wigand, „Aus der Zeitschrift »Der Monismus-', von Prof. Dr. Ad. Wagner, und „Mystisch', von A. Bärthold. Streiszüge durch die freie Natur im September, eine lebhafte Schilderung eines Ausfluges nach dem Oybin, schließen dieses Heft. Beigegeben ist Nr. 10 des „Keplerbund', ein Referat Über den dritten naturwissenschaftlichen Kursus vom 7.—14. August 1909. Dr. St.
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