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Fulda, Mittwoch den 29. September 1909

Jahrgang

Zweites Wtcrtt

Weizen

Roggen

Hafer

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und Feiertage. viertel- jLhrlicher vezugspreir ohne vrlngerlohn und vestellgeld in Zulda so­wie aurtvärtS 1-50 ölt

verantw. Redakteur lv.: 2L wetzlerr

Aus dem Nachbargebiele.

* Borsch, 27. Sept. 1909 Beim Dreschen geriet Herr Bürgerineister Röhr infolge eines Fehl­tritts in das Getriebe der Maschine und zog sich eine schwere Verletzung an einem Fuß zu. Der Verun­glückte wurde ins Landkrankenhaus nach Fulda ge­bracht.

* Frankfurt a. M., 28. Sept 1909. Verschiedene Metzger sind hier zur Anzeigegebracht worden, da sie dem Publikum bei Forderung eines ^-Pfundes nur 120 Gramm Gewicht auf die Wage stellen. Eine Revision hat dies auch bestätigt.

* Gießen, 28. Sept 1909. Vizefeldwebel Debu 8, der Fahnenträger des 3. Bataillons der 116er, der nom Musketier Kreuz im Manöver nachts auf dunkler Dorfstraße niedergestochen wurde, ist, wie schon gemeldet, in Marienberg, wo er sich in Behand- lung befand, gestorben. Der Musketier.Kreuz hat zu­

gegeben, es sei seine Absicht gewesen, seinem Unter­offizier, der ihm vor einem Jahr zu drei Tagen Arrest verhalfen hatte, noch vor seiner Entlassung ins Zivil­leben eins zu versetzen. Debus habe er persönlich nicht näher gekannt; er sei ihm in der Dunkelheit begegnet, und er habe sich in der Person geirrt. Den Zivilrock, den der Soldat anhatte, als er seinem Opfer auflauerte, hatte er sich in Großseiffen geliehen und dabei geäußert, er wolle am Abend „jemand abziehen". Daß er beab­sichtigt habe, jemanden zu töten, bestreitet der Mann.

* Kassel, 28. Sept. 1909. Gestern morgen hat sich der 32jährige Sohn eines Mühlenbesitzers zu Sanders- Hausen erhängt. Das Motiv der Tat ist unbe­kannt.

* Gera, 27. Sept 1909. Hier ist eine Frau, die einen Hund meist aus der Hand fresien ließ, erkrankt. Bei einer vorgenommenen Operation, an der die Frau starb, wurde in der Leber der Verstorbenen ein Hun­de w u r m entdeckt.

* Aschaffenburg, 27. Sept. 1909. Die hiesige fo r st- liche Hochschule wird zum Herbst 1910 nach München verlegt.

* Mainz, 27. Sept. 1909. Die Landwirte Peter Horn V und Eugen Borg, beide in Lörzweiler, sind wegen Weinfälschung zu 200 Mk. und 50 Mk. Geldstrafe verurteilt worden. Dem Horn Iverden vier Stück und 1 Ohm Wein eingezogen, dem Borg wurde sein Faß mit iy2 Stück Wein freigegeben, doch darf er ihn nicht verkaufen, sondern muß ihn s e l b st ver­brauchen.

* Wiesbaden, 27. Sept. 1909. Auch in Nassau scheint.man nun eine Vermehrung der Volksschulrekto­rate und die Aufhebung der geistlichen Ortsschulinspektoren in den größeren Ge­meinden durchführen zu wollen In der Vorortgc- meinde Dotzheim sind die beiden Hauptlehrer Schuler und Weber mit Zustimmung des Ministers zu Rektoren ernannt worden, und man hat ihnen auch die Aufsicht über die ihnen unterstellten Schulen übertragen. Der bisherige geistliche Ortsschulinspektor Pfarrer D. Ei­bach ist seines Amtes als Ortsschulinspektor enthoben worden.

* Meiningen, 26. Sept. 1909. Die Strafkam­mer des hiesigen Landgerichts vemrteilte gestern den 17 Jahre alten Kaufmannslehrling Edelmann aus Oberneubrunn, der kürzlich in Themar den Sattler­lehrling Oertel im Verlaufe einer Neckerei so unglück­lich g e st o ch e n hatte, daß der junge Mann nach eini­gen Stunden st a r b, zu drei Monaten Gefängnis. Der Angeklagte soll der bedingten Begnadigung empfohlen werden.

landwirtschaftlich genutztem Grund und Boden frei, soweit sie 5000 Mk. nicht übersteigen und der Käufer ein Jahreseinkommen von nicht mehr als 2000 Mk. besitzt. Nun sagt der in agrarischen Fragen zweifellos vollkommen fremde Verfasser, der Kleinbauer würde belastet, wenn er eine „Parzelle von ein paar Hektar" im Werte von 5000—10 000 Mk. kaufe. Eine solche Bemerkung kann bloß von einem „roten Agrarier" gemacht werden. Denn wer die Verhältnisse im Bauernstände, besonders bei den Kleinbauern kennt, der weiß, daß „ein paar Hektar" für den Kleinbauem keine Kleinigkeit bedeuten, sondern seinen ganzen Be­sitz ausmachen. Wenn er eine Parzelle zu seinen! Besitz hinzuerwirbt, so beträgt diese vielleicht nicht mehr als Vs bis V4 Hektar; nur in seltenen Fällen wird ein Hektar auf einmal erworben. Einzelkäufe, welche den Wert von 5000 Mk. übersteigen, sind bei Kleinbauem ungeheuer selten. Dabei ist im Gesetz noch ausdrücklich vorgesehen, daß der Bauer, um von dem Grundftück- stcmpel völlig frei zu bleiben, ein Einkommen bis 2000 Mk. haben darf. Ein Landwirt aber, der über 2000 Mk. hat, ist nach der gewöhnlichen Ansicht schon kein Kleinbauer mehr Somit fällt auch dieser Ein­wand von Karski fort.

Im übrigen ist, wie schon gesagt, der ganze Auf- kläricht des „Genosien" Kacski aus dem „Leipziger Volkszeitungs"-Verlag auf denselben Hetz-Ton ge­stimmt wie die Flugblätter der sozialdemokratischen Partei. Wenn wir vielleicht auf diese oder jene Stelle aus der Broschüre noch zurückkommen werden, so wer­den doch die bevorstehenden Darlegungen schon ge­nügen, um mit aller Deutlichkeit die Broschüre als ein Schwindel- und Tendenzwerk er st er Klasse zu kennzeichnen!

* Was an Petroleum verdient wird. Die „Verl. Morgenpost" schreibt: Das deutsche Reich gibt jähr­lich etwa 200 Millionen Mark für Petroleum aus. 75 Millionen werden für Zoll vereinnahmt, und ebenso hoch ist der Gewinn aus dem Verkauf des Petroleums. Der Händlergewinn der Detaillisten beträgt etwa 40 Millionen, 35 Millionen der Gewinn des Großhandels. Da 80 Prozent von dec Standard-Oil-Compagnie ge­deckt werden, so hat diese einen Mindestgewinn von etwa 20—25 Millionen.

— Modern. Bankierstochter: „Mir ist es doch, als hätte ich den Baron hereinkommen sehen. Wo ist er denn?" — Vater: „Er hatte eben eine kleine Unterredung mit mir und sitzt jetzt im Bibliothek­zimmer, um auszurechnen, ob er Dich liebt oder nicht!"

spaUigePetitzelleoder deren »amu 15 ))fgJ keklaweudlepttitzelle 25 pfo, bei Wieder­holungen wird entspr. Labatt gewährt.

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vermischtes.

(*) Vom Bierkrieg. In Köln ließen die Ring- brauereien am Montag den Wirten erklären, daß sie kein Bier mehr liefern würden, wenn nicht ein Aufschlag von 4 Mark pro Hektoliter zugestanden werde. Die Wirte meisterten sich jedoch, worauf die Bierfuhren wieder eingezogen wurden. Unter­dessen treffen zahlreiche Waggonladungen auswär­tiger Biere von solchen Brauereien an, die nicht dem Ringe angehören. Die Kölner Hausbrauereien sind angesichts der Obstruktion der Kölner Bier­trinker fast durchweg zum altem Preise zurück­gekehrt.

** Das Engadin ist bekanntlich immer noch die Hei­mat von Bären. Kürzlich wurden wieder im Scarl- tal bei Trasp die Spuren einer starken Bärin, die von einem Jungen begleitet war, beobachtet. Einige eifrige Jäger machten sich sofort auf und verfolgten die Spu­ren bis tief in den Urwald des schwer zugänglichen Tales hinein. Schließlich glückte es den Nimroden, die Bärin, die ein Prachtexemplar war, am Fuße einer senkrechten Felswand zu entdecken und sie so einzu- kreiscn, daß ein Entrinnen unmöglich schien. Die Bä­rin aber schlug den Jägern doch ein Schnippchen: ihr Junges im Rachen tragend, begann sie alsbald die Felswand hinaufzuklimmen und zwar so geschickt und so rasch, daß, als die Jäger herbeieilten, die Bärin schon hoch oben war, und keine Kugel sie mehr zu er­reichen vermochte Ihr nachzuklettern, verspütte nie­mand Lust.

** Ein Schaufenster-Wettbewerb für G r 0 ß b e r- l i n hat in der vergangenen Woche stattgefunden. Außer der riesigen Reklame, die diese Veranstaltung für die einzelnen Geschäftshäuser bedeutete, wurde auch eine hervorragende Leistung an künstlerischem Geschmacke und an modemer Ausstellungstechnik erzielt. So hatte ein Geschäft für Jagd- und Touristenausrüstung eine ganze Jagd in Lebensgröße in seine Riesenfenster ge­bracht.

* Gespenster. An Nachrichtenmangel scheint der „Daily Mail" zu leiden, indem er seinen Lesern lang und breit beschreibt, wie auf dem alten Schloß Seni- shaw sich — Geister gezeigt hätten! Eine lebhafte Diskussion dieses „Phänomens" ist enfftanden. Und so etwas geschieht im 20. Jahrhundert!

Z.^arzeller"ia Znlda. wocheBÄkart, „Illustrierte Somüagrzektung

. M 223

Deutsches Keich,

-4- Die staatliche Fürsorge für das Handwerk im Reich und in Preußen ist durch Petitionen der ver­einigten Jnnungsverbönde Deutschlands und durch das preußische Abgeordnetenhaus wiederholt angeregt worden. Diesen Anregungen ist, wie man uns schreibt, zunächst der preußische M i n i st e r der öffentli­che Arbeiten für sein Rcssott dadurch gefolgt, daß er für eine Reihe von Regierungsbezirken und Eisen- bahndirettionsbezirken eine Anordnung erließ, nach welcher die zuständigen Handwerkskammern von den Behörden in jedem Jahr vor Beginn der Bauarbcit aufgefordert werden sollen, eine Zusammenstellung von Arbeitslöhnen und Materialpreisen nach bestimmten Grundsätzen anzufertigen. Diese Zusammenstellungen sollen dem Lieferungen ausschreibenden Beamten bei der Vergebung der staatlichen Arbeiten, die sich zur handweicksmäßigen Ausführung eignen ,als Anhalt dienen. Falls sich Herausstellen wird, daß eine solche Maßregel sich für die Förderung des Handwerks als nützlich erweist, dürfte eine allgemeine Einfühmug vom Minister verfügt werden. Den obersten Reichsbeamten ist von diesem Vorgehen des preußischen Ministeriums Kenntnis gegeben mit dem Anheimstellen, auch für ihre Ressotts entsprechende Maßnahmen zu treffen. Hiernach läßt sich annehmen, daß sowohl im Reich wie in Preußen in Zukunft die Organisationen des Hand­werks, soweit sie für fiskalische Lieferungen überhaupt in Frage kommen können, in weitestem Umfang zur Mitwirkung herangezogen werden.

* Jena, 26. Sept. 1909. Die sozialdemokra­tische Partei hat zu den bevorstehenden Land­tagswahlen für sämtliche 23 Wahlkreise eigene Kandidaten aufgestellt. Darunter befinden sich die bis- hettgen Abgeordneten Baudert, Beck und Leber. Die vereinigten rechtsstehenden Patteien präsentieren für den Wahlkreis Weimar-Stadt den Reichstagsabgeord- neteu Amtsgerichtsrat G r a e f - Eisenach, für Jena- Land den Oberlandesgerichtsrat Frhr. v. Richt­hofen

Sunlichr Seife fist für Wollfabrikflte unersetzlich.Gestrickte Wollsachen und Decken schrumpfen in der Wäsche nicht ein .gemusterte und farbechte Stücke verlieren nichtdie frische der färbe,wenn sie mitSunlichtSeife nach Vorschrift gewaschen werden LMMMtz wird yislf nachgeahmtvaber io der Qualität niemals errtiM

Literarisches:

Quentin-Mahlau's grauer Taschenfahrplan für Winter 1909/10 ist soeben im Verlage von Mahlau und Waldschmidt Frankfurt a. M., Gr. Gallusstr. 3, in der bekannten reichhaltigen und gediegenen Aus­stattung zum Preise von 25 Pfg. erschienen.

Lurzrr Getreide-Wochenbericht der Preisberichtsstelle des deutschen LandwrrtschastS- rats vom 21. bis 27. September 1909.

Aus dem Weltmärkte sind nach merhfachen Schwan­kungen besondere Veränderungen der Weltverhältnisse nicht eingetreten, doch blieb die Grundtendenz im all­gemeinen recht fest Rußland hält seine Forderungen aufrecht, zumal sich die Konkurrenz Nordamerikas bis­her kaum sonderlich fühlbar macht. Da Rußland zur Zeit die Hauptmenge zur Versorgung des westeuropä­ischen Einfuhrbedarfs beistellt, so blieben Nachrichten über Transpottschwierigkeiten, die möglicherweise eine Verminderung der russischen Exporttätiakeit nach sich ziehen dursten, nicht ohne Einfluß auf die Stimmung. Auch blieb es nicht unbeachtet, daß die Weltverschif­fungen trotz immer noch starker russischer Ausfuhr in der letzten Woche nur 239 000 To. umfaßten gegen­über 277 000 To. zur gleichen Zeit des Vorjahres und daß die nach Westeuropa schwimmende Weizenmenge um 86 000 To. abgenommen hat, augenblicklich sonach nur 617 009 To. beträgt, während zur gleichen Zeit des Vorjahres 763 000 To. unterwegs waren. In Deutschland hat das Angebot infolge dringender Feld­arbeiten keinen allzu großen Umfang, aber bei vor­sichtiger Kauflust konnten die Preise aus dieser Si­tuation wenig Stutzen ziehen. Ueber bcffere Absatz- Verhältnisse und dementsprechend erzielbare Mehrsor- berungen wird nur aus West- und Süddeutschland be­richtet, wo sich die regere Nachfrage neben Weizen auch auf Roggen und Hafer erstreckt, während Braugerste mich bort noch wenig Beachtung zu finben schien. In Mittel- und Nordbeutschlanb verfehlte bas schwache Angebot dagegen eine ähnliche Wirkung auf bie Preise, die aber andererseits wieder manches Exportgeschäft zu­stande kommen ließen. Immerhin war der Abzug nach der Küste nicht stack genug, um für die mangelnde Auf­nahmefähigkeit im Jnlande Ersatz zu bleien. Bei alle­dem waren in der Provinz vergleichsweise bessere Preise als in Berlin zu erzielen, und da das zur Er- lediglmg von Sevtember-Verbindlichkeiten efforderliche Material ohnehin knapp ist, so ergab sich mehrfach Deckungsbegehr, beffen Befriedigung den September­preis scharf anziehen ließ, während sich die Befferung der späteren Sichten in engeren Grenzen hielt Auch bei Roggen, dessen Andienungen bisher Ausnahme ge­funden haben, fteigerten Deckungen den September- Preis, und auch die durch stärkeres Ablabungsangebot unter Dmck gehaltenen späteren Monate konnten zum Schluß gleichfalls anziehen. Hafer zeigte schwächere Haltung: dem willigeren Angebot stanb keine entspre- chenbe Nachfrage gegenüber. Auch Aber- den Absatz von Braugerste wirb nach wie vor geklagt. In Futter- geffte zeigte sich bränaenbes Angebot von unverkauft herwrschwiminenber Ware bei stark reduzierten Preisen.

Es stellten sich die Preise für inländisches Getreide am letzten Martttage in Mark pro 1000 Kilogr. je nach Qualität, wobei das Mehr ) bezrv. Weniger (—) gegenüber der Vorwoche in Klammern 0 beigefügt ist wie folgt:

Danzig 220 ( ) 167 (— 2 ) 162 ( 1

Berlin 212 (4- 1 ) 172 (4- 1 ) 170 (— 3 )

Frankfurt 222l/i(-j- 1 ) 170 (4- 1 ) 160 ( )

München 224 ( ) 166 (— 2 ) 164 ( )

Weltmarktpreise: Weizen: Berlin Sept. 217.00 (+ 4.25), Dezember 213.25 (+ 1.75), Budapest Oktober 237.40 (-j- 2.05), Paris Sept. 194.75 (4- 2.95), Liver­pool Dezember 167.80, (— 0.90 Chicago Sept. 157.30 (+ 0.30), Roggen: Berlin Sept. 176.25 (4- 2.00), Dez. 172.25 (— 0.25), Hafer: Berlin Dezember 155.00 (— 0.50) Mark per 1000 Kilogramm.

* Die sozialdemokratische Steuer­hetze.

Wenn nun schon, wie wir gestern nachgewiesen haben, in der Schwindelbroschüre des sozialdemokra­tischen Steuer„gelehtten" Genossen Karski die amt­lichen Zahlen einfach fo zurechtgelegt werden, wie es diesem gerade in sein „System" paßt, so ist es bei dem ganzen Charakter der Broschüre nur natürlich, wenn bezüglich der neuen Steuerreform auch die Tatsa­chen geradezu auf den Kopf gestellt werden. Aus bei Fülle bet Verbächtigungen unb Unrichtigkeiten greifen wir nur ein paar beliebige her­aus. Da ist es z. B. bem sozialbemokratifchen Steuer- „gelehrten" gar nicht recht, baß beim Tabak ber Wert­zoll ein geführt worden ist, und baß bamit bie teuren iZigarren entsprechend ihrem Werte scharf herange- !zogen werden. Er will deshalb die Leute glauben Machen, baß die Zigarren im allgemeinen ungeheuer ^verteuert würden. Wörtlich sagt er: „Verteuerte bie bisherige Steuer bie Zigarre um 10 bis 12 Prozent ides Kleinverkaufspreises, fortan finb es 25 bis 32 Prozent." Das ist eine wahrhaft großartige Rcchen- n»rft! sozialdemokratischen Leser werden natürlich dreie Zahlen als unumstößlich richtig hinnehmen. Wie ‘ober verhält es sich in W i r k l i ch k e i t damit? Der ^bisherige Aufwand des rauchenden Publikums in Deutschland betrug jährlich 652 Millionen Mark. Nun ffollen 45 Millionen Mark Jahresertrag aus dem Tabak Mehr gewonnen werden. Nach der Broschüre von Karski wären dies 15 bis 20 Prozent. Ein jeder 'Schulknabe kann ausrechnen, daß nicht ganz 7 Prozent pon 652 Millionen Mk Aufwand genügen, um bie Summe von 45 Millionen Mk. zu ergeben. Wäre bie von Karski angeführte Zahl richtig, würbe tatsächlich der Tabak um 15 bis 20 Prozent verteuert, so müßte die neue Steuer 100 bis 130 Millionen Mk. einbrin- tzen. Dazu kommt noch, baß bei weitem bie Haupt- funtme ber neuen Steuer aufgebracht wird durch den Wettzuschlag auf ausländische Tabake, wel­scher in erster Linie und am nachhaltigsten die Konsu­menten hochwettiger Fabrikate, also bie „Reichen" unter ben „Besitzenden" trifft. An ber Tatsache, daß ■bie Tabaksteuer in ber nunmehrigen Veränderung einen gewaltigen sozialen Fortschritt bedeutet, kann die Sozialdemokratie nichts ändern!

- Die Besteuerung des Lichtes der Besitzenden und -der Reichen (Gas und Elektrizität), die Schaumwein­steuer, der Zoll auf ausländische Weine unb dergleichen 'werden natürlich in echt sozialdemokratischer Weise be­kämpft. Die Tatsache, daß man bie bestehenben Fabriken, besonbers bie Kleinbetriebe des Zünbholz- tzewerbes gegen bie großkapitalistische Konkurrenz zu schützen versucht hat, indem neu entstehende Fabriken eine höhere Steuer bezahlen müssen, wird als Unsinn bezeichnet. Freilich muß eine derartige, den Klein­betrieb schützende Bestimmung einem Sozialdemokra­ten ein Dom im Auge sein!

. Noch großartiger ist die „Weisheit", die in bet Broschüre bezüglich ber neuen Verkehrs steuern verzapft wirb. Das sinb naturgemäß bei „Genossen" Karski keine Besitzsteuern. Es wunbert uns nur noch, baß er nicht zu behaupten wagt, sämtliche neuen Be- ffitzsteuern würben vom „Proletariat" getragen. Da­bei hat Karski, wie sich auch an einigen anbern Stellen des Buches zeigt, cs nicht einmal für ber Mühe wert erachtet, bie neuen Finanzgesetze ü u ch nur anzusehen; benn sonst könnte er be- tzüglich ber Talonsteuer nicht schreiben:

„Es kann ebensogut eine Gesellschaft Talons für 50 ober 100 Jahre ausstellen, dann wird bie Steuer ;nur alle 50 ober 100 Jahre erhoben."

Jrn Gesetz aber steht ausdrücklich vermerkt:

„Für Bogen, die Zinsscheine für einen länger als zehnjährigen Zeitraum enthalten, erhöht sich bie Ab­gabe für jebes fernere Jahr um

Das heißt, es ist ganz unmöglich, daß durch Meh- tung der Couponzahl eine Hintergehung der Steuer ftattfinben könnte.

Von ber Besteuerung ber langfristigen Wechsel sagt chie famose sozialbemokratische „Aufklärungsbroschüre vorsichtigerweise nichts. Auch bei ber Schecksteuer wagt Karski nicht zu behaupten, daß die armen Klassen hier­mit belastet würben. Er schimpft bloß über ihre „Ver- kehrsfeinblichkeit". Dabei verschweigt er, baß ber P 0 stscheck steuerfrei bleibt. Nicht uninter­essant ist auch, was in der Broschüre über ben Grund­stücksstempel gesagt ist. Während sonst die Sozialdemo­kratie sich um das Wohl des Bauernstandes sehr wenig kümmert, wird hier behauptet, daß vor allem der Kleinbauer durch diese Steuer schwer getroffen würde. Nun aber bleiben nach dem Gesetz alle Vcckäufe vor, 5

MaerW Zeitung

Verlag der FuQarr Ld

motofMaie: „ßuldaer Eeschichlrblätter"