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Lazrtgen: Vie et» fpMgePetitzeileoder beten Kaum 15 psg. Rerramenbrepetitzeile 25 Pfg., der Wieder­holungen wird enlspr.

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Rotationrdruckund Verlag der Fuldaer Ak- tiendruckerei in Fulda Fernsprecher Vr. 9.

M 221.

Fulda, Montag den 27. September 1909.

36. Jahrgang.

O Bülow u»v kein Ende.

Fürst Bülow hat die Erzählungen der „Mark. VolkSzig." über die November-Vorgänge, die mit dem berühmten Kaiser-Interview zusammenhängen, als wieder aufgewärmten unwahren Klatsch bezeichnet. Daß sie nicht in allem neu sind, ist rich­tig. Aehnliche Mitteilungen sind schon vor Monaten durch die Presse gegangen. Ob sie aber „unwahrer Klatsch" sind, wird noch erst erwiesen werden müflen.

In dem Hauptocgan der Konservativen, der „Kreuzztg.", nimmt jetzt eine wohlvertraute Persön­lichkeit zu sachlich besonnener Darstellung das Wort. Die Kreuzzeitung behauptet ,ihr sei schon vor länge­rer Zeit glaubhaft mitgeteilt worden, daß die amt­liche Da r st e l l u n g des Herganges bei der Daily Telegraph-Veröffentlichung der Wirklichkeit durchaus zuwiderlaufe. Sie habe bisher von dieser Mitteilung keinen Gebrauch gemacht. Das sei, so lange Fürst Bülow im Amt war, weder mit dem Wohl des Reichs, noch mit der damaligen Stel­lung der Konservativen zum Kanzler vereinbar ge­wesen. Jetzt aber müsse geredet werden

Das Blatt b e st ä t i g t dann im wesentlichen die von der Märkischen Volksztg. gemachten Angaben, daß also die Unterredungen, die der Kaiser während seines letzten Aufenchalts in Higcliffe gehabt, ganz im Sinne einer vorher mit dem Reichskanzler gehabten Rücksprache gehalten waren, daß der Kaiser den Reichskanzler durch Briefe über die Unterredungen verständigt und Fürst Bülow sich brieflich dankbar und einverstanden ausgesprochen hat, daß der gute Erfolg der Aussprache des Kaisers in England die Regiemng ermutigt hat. die Mitteilungen des Kai­sers einer größeren Oeffentlichkeit zu­gänglich zu machen, zuerst in der „Deutschen Re­vue", und da der beabsichtigte Zweck nicht voll erreicht wurde, durch eine für die englische Preffe bestimmte Publikation; daß diese später im „Daily Tele­graph" erschienene Publikation also v o m R e i ch s- kanzler veranlaßt, und das in mehreren Ab­zügen übersandte, mit Schreibmaschine deutlich gedruckte Manuskript im Auswärtigen Amt vom Un­terstaatssekretär Stemrich und dem Geheimrat Kleh- met gelesen sei und darauf der Reichskanzler in Nor­derney die Veröffentlichung genehmigt habe. Hierzu schreibt das konservative Organ wörtlich:

„Diese Darstellung deckt sich im wesentlichen mit den uns seit eini­gen Monaten gewordenen Infor­mationen."

Was nun von verschiedenen mit einander nicht in Berührung stehenden Seiten über die Geschichte des Kaiserinterviews mitgeteilt worden ist, wider­spricht vollständig den offiziösen und offi­ziellen Auslassungen vom vorigen Herbst. Es fei kurz daran erinnert, daß die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" am 3L Oktober 1908 eine Mit­teilung folgenden Inhalts brachte:

Der Kaiser habe das Manuskript eines von einem englischen Privatmanne verfaßten Artikels, in dem eine Reihe von Gesprächen de» Monarchen mit verschiedenen englischen Persönlichketten und zu verschiedenen Zeiten zujammengefaßt war, dem Reichskanzler übermitteln lassen, dieser habe es ungelesen dem Auswärtigen Amt zur sorgfältigen Prüfung überwiesen, und das Manuskript sei dann veröffentlicht worden, nachdem das Auswärtige Amt keine Bedenken dagegen er­hoben habe. Als nunmehr aber der Reichskanzler von dem Artikel Kenntnis erhielt, habe er dem Kaiser er­klärt, er hätte den Entwurf des Arttkels nicht selbst gelesen, andernfalls würde er Bedenken dagegen erhoben und der Veröffentlichung widerraten haben. Gleichzeitig unterbreitete er dem Kaiser sein Abschieds­gesuch, das aber abgelehnt wurde.

Soweit damals die Nordd Allgem. Zeitung". Fürst Bülow selbst hat in der Reichstagssitzung vom 10. November persönlich und offiziell die Richtigkeit der halbamtliche nAn- gaben, die von ihm herrührten, noch bekräftigt.

M weiße Frm von MenÄoe.

14] Original-Roman von O. Elster.

„Die Herren Offizierek"

'Die Offiziere versammeln sich um den General, der mit kurzen, klaren Worten seine Befehle gibt. Dann reicht er dem Oberst die Hand und sagt: „Rei­ten Sie mit Gott, Auerswald, ich komme auch mit."

Die Trompeten schmettern. Die Eskadronen setzen sich in Bewegung. An dem in Flammen stehen­den Mars la Tour vorüber, über Hecken und.Gräben geht der Ritt, ein Bach muß durchritten werden, drohend ballen sich auf den Höhen im Norden die französischen Truppenmassen zusammen, Granaten und Schrappnells schlugen in unsere Reihen, schon hören wir das unheimliche Saufen und Knattern der Mitrailleusen — Gottlob, das schwierige Hecken- und Grabenterrain ist überwunden, freies Feld liegt vor uns — da ertönt auch schon das Signal-Galopp — dann Front und wieder Galopp — wir sind in der Flanke der feindlichen Infanterie angelangt.

Die Verluste mehren sich jetzt von Augenblick zu Augenblick. Unaufhörlich raffelt das Schnellfeuer der Infanterie; knattern die Mitrailleusen, krachen die Geschütze.

Jetzt schwenken die Schwadronen ein. Zwei Schwadronen Küraffiere schließen sich uns an, kön­nen aber wegen des heftigen Mtmilleuscn- und Chas- sepoffeuers den Angriff nicht durchführen. Wir aber tagen weiter, am rechten Flügel begleitet uns der General Graf Brandenburg. Oberst von Auerswald mit seinem Stabe wett voraus, die Rittmeister vor ihren Schwadronen, die Leutnants vor ihren Zügen T" so jagen wir mit geschwungenen Säbeln auf den Feind.

Das Geraffel der Mitrailleusen, das Knattern der Gewehre, das Brüllen der Geschütze, das Hurra der Reiter — rascher und rascher wird der Galopp, da erhebt der Oberst den Säbel — kaum hundert Schritt Vorn Feinde entfernt — das Signal „Manchs Marsch!" ertönt, von allen Trompeten aufgenommen,

Jetzt wird also umgekehrt behauptet, daß Fürst Bülow der eigentliche Veranlasser der Publikation, mit deren Inhalt er durchaus ein­verstanden war, gewesen ist. Dir genannten Be­amten des Auswärtigen Amts hätten ihre Pflicht ge­tan, und während die Oeffentlichkett annahm, daß Fürst Bülow ritterlich die Herren Stemrich und Kietz- mei deckte, habe er es in Wirklichkeit zugelaffen, daß zwei Unschuldige der Pflichwerlctzung beschul­digt worden seien, und sei gerade der Reichskanzler von dem Kaiser gedeckt worden

Wie es zu der vollkommen abweichenden Darstel­lung der „Nordd. Allg. Ztg" gekommen ist, darüber wird in der „Kreuzzeitung" folgende Erklärung ge­geben :

„Daß der Reichskanzler sich in der Vor­aussicht über die politische Wirkung der ,Daily Telegraph'-Beröffentlichung völlig geirrt hat, oder vielleicht richtiger gesagt, daß er durch das unmittelbar einsetzende Geschrei der liberalen, mittel- patteilichen und alldeutschen Presse sich hat kopfscheu machen lasten, und da der Kaiser ihm die Entlassung nichl erteilen wollte, keinen anderen Ausweg zu haben glaubte, als sich selbst und seine Behörde zu unrecht einer Pflichtverletzung, nämlich des Nichtlesens des vom Kaiser zur Prüfung' übersandten Manuskripts zu be­schuldigen."

Diese Aufklärung klingt glaubhaft und würde die Darstellung der „Nordd. Allg. Ztg", an die bis heute kein Mensch recht hat glauben wollen und glauben können, in ein neues Licht rücken.

Aber damit ist die Sache noch nicht zu Ende. Wir halten es zunächst mit der „Kreuzztg." für un­erläßlich, daß die Regierung zu den neuen Mitteilun gen Stellung nimmt, schon mit Rücksicht auf die noch amtierenden beiden Beamten, die bei dem obigen Sachverhalte von dem schweren Vorwurfe, die ihnen obliegende Prüfung des Manuskriptes unterlassen zu haben, entlastet werden würden. Noch mehr aber halten wir eine authentische Aufklärung für notwendig mit Rücksicht auf di e Person des Kaisers. Die „Kreuzztg." glaubt den Fürsten Bülow gegen den Vorwurf der „Illoyali­tät gegen den Kaiser" in Schutz nehmen zu müssen, und führt dafür an:

„An dem Samstagabend, wo die Aussehen er­regende Mitteilung der ,Nordd. Allg. Ztg? erschien, überbrachte sie uns ein Vertreter des Auswärtigen AmteS in sorgenvoller Stimmung, indem er als einzige Bitte des Fürsten Bülow zum Ausdruck brachte, die Person des Kaisers, wenn irgend möglich, ganz aus der Debatte zu lassen und die Kritik allein gegen die verantwortlichen Schuldigen, den Reichskanzler und das Auswärtige Amt zu richten.

Wenn dem Fürsten Bülow daran lag, die Person des Kaisers zu schützen, weshalb hat et denn nicht offen erklärt, daß die Unterredungen, die dem In­terview des „Daily Telegraph" zu Grunde lagen, mit seinem Votwissen und unter sei­ner Billigung geschehen sind? Dann würde die peinliche, und wie sich jetzt herausstellt, ganz nn- berechttgte Kritik an dem „persönlichen Regiment" jeden Anlaß verloren haben Nicht daß die Ver­öffentlichung erfolgt ift, hat man dem Kai­ser zum Vorwurf gemacht — daß er in diesem Punkte vollständig korrekt gehandelt Hai, ist ja schon'im No­vember festgestellt worden, -■ aber daß er so wichtige politische Gespräche auf eigene Verantwor­tung geführt habe, das ist ihm »erdacht worden. Fürst Bülow konnte diese Kritik verhindern, indem er der Wahrheit gemäß erklärte, daß es sich nicht im geringsten um einen Ausfluß des „persönlichen Regi­ments" gehandelt habe. Er konnte es nicht nur, er mußte e3 tun Dadurch, daß er es nicht tat, hat er — ganz ebenso wie in dem Falle des Krüger- Telegramms — verschuldet, daß schwere Angriffe gegen die Person des Kai­sers gerichtet wurden, die rechtmäßig ihn selbst hätten treffen muffen.

Von dieser Schuld wird ihn niemand freisprechen können, sie wird auch niemand entschuldigen können.

und wie ein Sturmwind geht es hinein in den in Staub und Pulverdampf gehüllten Feind — Geschrei, Geheul, Hurrarufen, Schuß auf Schuß Hieb auf Hieb — was nicht fallt, jagt weiter und verschwindet in dem blutigen Kampfgetümmel.

Es fällt der Oberst von Auerswald, es fällt der Major von Kleist, es fallen sämlliche Rittmeister, und mancher junge Sproß der alten berühmten Geschlech­ter, deren Namen in Preußens Kriegsgeschichte vol- len Klang haben — ein Schwerin, ein Flemming, ein Treskow, ein Kröchcr, ein Bismarck — und wie sie alle heißen die Helden von Mars la Tour.

Ich hatte mich während des Kampfgetümmels möglichst naye an Lothar gehalten, der mit glühenden Wangen und leuchtenden Augen sich in den ritter­lichen Kampf stürzte.

„Gundokar", jetzt gilts", rjef er mir lachend zu Und ich winkte ihm einen Gruß mit meinem Säbel zu, und folgte ihm begeistert, hingerissen in den Kampf.

Währmd des Getümmels loderten sich die Ver­bände, die geschloffene Attacke wurde in hunderte von Einzelkämpfe aufgelöst Ich blieb mit Lothar Seite an Seite. Unsere Hiebe fielen gemeinsam, einer deckte den anderen gegen Sttch und Hieb der Feinde.

Wie lange das Getümmel gedauert, vermag ich nicht zu sagen — wer benft in solcher Lage an die Zett? Plötzlich sahen wir uns von einem dichten Knäuel feindlicher Infanteristen umringt, die wütend mit ihren Bajonetten auf uns einstachen. Ich parierte mehrere Stiche und hieb zwei Gegner nieder; da sah ich, wie das Pferd Lothars in die Knie sank, ein Bajonettstich hatte sich tief in seine Brust gebohrt. Lothar verschwand in dem Hausen der Feinde. Ich stieß meinem Pferde die Sporen in die Seite, daß es mit einem gewaltigen Satz in die Feinde sprang. Ich drängte und schob, hieb und stach um mich wie ein Rasmder, da hatte ich Lothar erreicht, der über seinem Pferde stehend, sich mit erlahmender Kraft gegen mehrere Gegner wehrte.

„Hierher, Lothar!" rief ich und mein Pallasch sauste auf dm Kopf eines französischen Offiziers nie­der, daß er mit einem Aufschrei zusammensank.

Möglich, daß Fürst Bülow sich scheute, einzugestehen, einen schweren politischen Fehler begangen zu haben, den auch die „Kreuzztg." zugeben muß, aber er hätte diesen Fehler eingestehen müssen, nachdem er sah, daß ein anderer für ihn verantwortlich gemacht wurde.

Mit erhöhter Berechtigung müssen wir darum heute wiederum betonen; Wenn Fürst Bülow Wert darauf legt, fein Verhalten in den N ov e mb ertag en als einwan dsf r ei anerkannt zu sehen, so hat er alle Ver­anlassung, fick zu rechtfertigen.

Deutsches Reich.

♦♦ Berlin, 23. Sept. 1909. Den Prinzen Karl, Franz und Konrad von Bayern, sowie dem Grafen Wilhelm von Württemberg ist der SchwarzeAdlerorden, dem Erzherzog Eugen von Oesterreich die Kette zum Schwarzen Adler­orden verliehen worden. — Die eidliche Verneh­mung von Zeugen und Sachverständigen in förm­lichen Diszipliar-Verfahren ist nach neuerer Entscheidung des preußischen Staatsministeriums nur durch den Untersuchungsrichter gesetzlich zu­lässig. Andere, also nichtrichterliche Beamte, haben sie nicht vorzunehmen. — In Deutsch - Süd­westafrika schreitet die Selbstverwaltung weiter fort. Es sollen drei neue Bctriebsämter errichtet werden, für ire im nächsten Etat die Mittel vom Reichstage verlangt werden. Es handelt sich um die Distriktsämter Gobenis, Warmbad und Nehobo.

△ Die Einnahmen des Deutschen Reiches an Zöllen und Steuern betrugen für die Zeit vom 1. April 1909 bis zum Schluffe des Monats August 1909 rund 80 Millionen Mark mehr als in dem gleichen Zeitraum des Vor­jahres. In den Ziffern von 80 Millionen Mark tritt sür einen Monat auch die Wirkung der neuen, bereits in Kraft gesetzten Zölle und Steuern in tue Erscheinung. Zn den Steuern gehören die neuen Reichsstempelabgaben mit Ausnahme des Scheckstempels, die neue Brau­steuer, der erhöhte Wechselstempe', die neue Schaumweinsteuer und seit dem 15. August auch die Tabaksteuer. Von neuen Zöllen kommen seit dem 1. August die Erträge des erhöhten Kaffee-, Tee-, Bier- und Branntweinzolles in Betracht.

--- Liberale Ministerstiirzerei. Von Gegen- iätzen zwischen dem Kolonialstaatssekretär Dern- b n rg und seinem Unterstaatsselretärv. Liud e q u i st hatte die ,Rheinisch-Westf. Ztg.- allerlei erzählt, und mitgeteilt, daß Dernburg durch den Unter­staatssekretär Stemrich, und der Unterstaats­sekretär v. Lindequist durch den Gouverneur von Deutsch-Ostasrika, von Rechenberg, ersetzt werden solle. Die ,Nordd. Allg. Ztg.' ist ermächtigt, alle diese Angaben in das Reich der Fabel zu verweisen. — Es ist nicht uninteressant, daß gerade die ,Rhemisch-Westf. Ztg.' gegen Herrn Dernburg Minen legt. Ist sie es doch auch ge­wesen, die den Anlaß zum Sturze Posadowsky gegeben hat. Auch sonst haben die der ,Rhein.« Wests. Ztg/ nahestehenden Kreise sich bereits des öfteren zum Teil mit, zum Teil ohne Erfolg — in Ministerstürzereien versucht. Das sind die­selben Leute, die jetzt den Konservativen den Vor­wurf der Kanzlerstürzereien machen. Daß Herr Dernburg in gewissen Kreisen wenig beliebt ist, ist bekannt. Vor allem können sie ihm seine Eingeborenenpolitik nicht verzeihen.

* Zur Gründung eines Erholungsheims für Handwerker kann der Staat reine Sei»

„Faß meinen Steigbügel!" schrie ich Lothar zu. Er ergriff mit der linken Hand den Steigbügel und schlug mit dem Säbel um sich, daß die Franzosen et­was zurückwichen. Ich half nach, wir fochten wie zwei Wahnsinnige. Wir wußten nichts mehr von uns, blutig rot war die Luft um uns, unsere Brust keuchte, unser Atem flog, in Fetzen hing die Uniform von unserem Leibe — aber wir kamen durch und er­reichten das freie Feld, über das jetzt auch die Trüm­mer unseres wackeren Regiments nach Mars la Tour zurückeilten, während der Feind uns nicht zu folgen wagte

Lothar sank jetzt ermattet zusammen.

„Ich kann nicht mehr", seufzte er, „laß mich hier liegen . ."

Ich sprang aus dem Sattel. Zu meinem Schrecken sah ich, daß et blutete

„Du bist verwundet?"

„Ja. ein Bajonettstich — hier in der Brust — laß mich — mit mir ists aus — ach, der herrliche Ritt."

„Kannst Du in den Sattel kommen?" fragte ich Lothar.

„Werds versuchen."

Mit meiner Unterstützung gelang es ihm. Aber er wankte, so daß ich ihn halten mußte. So ging es langsam zurück nach Mars la Tour, wo der selbst schwer verwundete Oberst von Auerswald die Trüm­mer seines Regiments Rammelte

Die Trompete blies zum Sammeln — und von allen Seiten kamen sie, die braven Reiter auf er­müdeten, tobmatten, blutenden Pferden, selbst tod­matt, selbst blutend und mit Wunden bedeckt.

Und reiterlofe Pferde tarnen auf das ihnen be­kannte Signal und wieherten einander zu, und sanken verblutend in die Knie, sterbend den Kopf noch ein­mal hebend, als suchten sie ihre Herren, die draußen auf blutgetränktem Vlachfeld den ewigen Schlaf schlummetten.

Der alte Oberst reckt sich im Sattel empor, er hebt den blutigen Säbel:

Hilfe leisten. So entschied auf eine Eingabe der Handwerkskammer der Rheinprovinz der Handelsminifter, indem er zur Begründung be­merkte: Bei dem Erholungsheim handele es sich nicht um eine Veranstaltung zur Förderung der gewerblichen Ausbildung der Handwerker, son- dern um eine gemeinnützige Einrichtung zur ge­sundheitlichen Wiederherstellung. — In Baden haben die Gewerbevereine ein Erholungsheim gegründet; vielleicht entschließen sich die Hand­werker in Preußen, diesem Beispiel zu folgen.

(*) Kiel, 25. Sept. 1909. Aus den Howald» werken erfolgte heute mittag der Stapellauf des Linienschiffes „Ersah Siegfried". An der Feier nahmen auch Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen teil. Der Oberpräsident der Provinz Schleswig-Holstein, v. Bülow, hielt die Tauf­rede, und die Herzogin Ernst Günther zu Schleswig-Holstein lauste das Schiff auf den Namen „Helgoland".

d* München, 26. Septbr. 1909. Die pro­testantische Generalsynode Bayerns hat es ab­gelehnt, sich mit der Frage der Beteiligung der Geistlichkeit bei der Leichenverbrennung zu befassen, da diese dem bestehenden Recht zuwider­läuft. Auch irgend eine kirchliche Funktion bei Beisetzung der Urne billigt sie nicht. Dagegen soll ausnahmsweise mit Zustimmung des Kirchen­vorstandes eine kirchliche Feier bei der lieber« sührung von Leichen zur Verbrennung gestattet werden können.

— Vom Evangelischen Bunde.

Den Hmipwortrag in der Versammlung vom Sams­tag hielt dec Direktor des Bundes, Liz. E v e r I i n g, über „Zeitlage und Jahresarbeit". Er erklärte, die Protestanten wünschen nicht eine zweite Auflage des Kulturkampfes Sie hätten Zuversicht zur Macht der evangelischen Kirche im geistigen Kampfe mit der katholischen Kirche. Dakni dürfe indes nicht über­setzen werden, daß es heute bei dem geistigen Kampfe der Konfession nicht bleibe, durch die Zentrums­partei seien die W e 11 a n s ch a u u n g s k ä m p f e zwischen Rom und Wittenberg auf den Schauplatz des politischen Machtkampfes verlegt worden. Das Zentrum benutze politi­sche Macht, um die kirchenpolitischen Ansprüche des unduldsamen Ultramontanismus auf allen Le­bensgebieten durchzusetzen. Die katholische Weltan­schauung solle, so habe der Vertreter eines überwiegend protestantischen Reichstagswahlkreiscs, Abg. Dr. B i t- t e r neulich verkündet, der maßgebende Faktor im Mutterlande der Reformation werden. (Da steht man wieder, wie die Ofterdienstagsverfammlung von un­seren Gegnem zur Hetze benutzt wird. Wer die Macht des Z e n t r u m s st ä r k e, der s ch ä d i gt d i e evangelische Kirche. Und eine politische Vor­herrschaft des Ultramontanismus fei für den deutschen Protestantismus geradezu unerträglich. Im letzten Jahre ist der Evang. Bund feinem Ziel nicht näher gekommen, denn wehe, wehe, ivehe: „Der Block ist zertrümmert, beS Zentrums Rachefeld­zug gegen den Kanzler ist gelungen, die Autorität der Reichsregierung geschwächt, die Stoßkraft der Ver­neinungspolitik gemehrt, der Ultramontanismus auf dem Wege zur erneuten Vorherrschaft und mit dem Nimbus umgeben, daß er jeden Staatsmann zum Ka- nossagang oder zum Heimgang zwingt, der cs wagt, sich dem SiegeSzuge des machthungrigen Kle- rikalisnius entgegen zu stellen." Ganz hat der Redner die Hoffnung indes noch nicht aufgegeben. Noch besteht ja, erklärte er, die alte Block­mehrheit im Reichstag; zu Bülows Nach­folger ist ein Reichskanzler erkoren, dessen Vergan­genheit und Persönlichkeit uns die Zuversicht gibt, daß er unter eine neue Vw rherrschast

„Gardedragoner", ruft er mit hallender Stimme, „ich danke euch, ihr habt eure Pflicht getan — stimmt mit mir ein: „Es lebe der König!"

Der Rus verhallt, dann sinkt der Brave aus dem Sattel — sein letzter Gruß galt seinem König.

Das Regiment hatte seine Pflicht erfüllt — 16 Offiziere, 122 Mann hatte es verloren — aber das Blut war nicht vergebens geflossen — der Feind gab seine Verfolgung der Brigade Wedell auf, die so vor gänzlicher Vernichtung gerettet wurde — unsere At­tacke hatte den Vormarsch von zwei intakten Jnfan- terieregimentem in der Stärke von 5000 Mann end­gültig aufgehalten.

ES grenzte an ein Wunder, daß ich, von einigen Heinen Riffen abgesehen, keine Verwundung davon­getragen hatte. Dagegen stellte sich die Verwundung dcS armen Lothar als ziemlich schwer heraus, ein Bajonettstich hatte die Lunge durchbohrt, und als wir wieder bet dem Regimente anlangten, sank er be­wußtlos in meine Arme.

Krankenträger brachten ihn in das Feldhospital, das hinter Mars la Tour aufgeschlagen war, ich konnte ihn nicht begleiten, ich mußte beim Regiment bleiben. Als ich am Tage nach der Schlacht nach ihm fragte ,war er bereits mit einem Verwundeten- tronSport nach Pont a Mouffon geschafft, ich^ah ihn während des Krieges nicht wieder.

Der Krieg war zu Ende, die siegreichen Truppen waren in die heimatlichen Garnisonen wieder einge­rückt, empfangen von dem Jubel des Volkes, den Ehrenpforten und den offiziellen Dankreden.

Auch mein Regiment war in Berlin wieder ein­gezogen und mtt Ehren förmlich überschüttet worden. Einige Tage der Aufregung, bet tauschenden Festlich­keiten folgten, bann trat Stille ein, die Wirklichkeit, die Arbeit des Tages forderte wieder ihr Recht, das Regiment wurde wieder auf FtiedenSfuß gesetzt, die Reservisten wurden entlaffen und auch ich zog wieder den unscheinbaren Rock des Zivilisten an, den ich aber stolz mit der Kriegsdenkmünze und dem tifernen Kreuz »wettet Klaffe schmucken konnte.

(Fortfeduna foIaU