Einzelbild herunterladen
 

uldaer

36. Jahrqansi

Fulda, Samstag den 25. September 1909

JV8 220.

Erstes Mlcrtt

Deutsches Reich.

Finanz resrrm

ist in Mannheim zu seiner 22. Generalversamm­lung zusammengetreten. Das Verzeichnis der Teil- nehnrer weist 376 Namen aus ganz Deutschland auf; darunter allein 198 Pfarrer. Der eigentlichen Generalversammlung gingen Sitzungen des -Zentral- Vorstandes, des Preßausschußes, der Diaspora- Anstalten und eine geschloffene Abgeordneten-Ver- sammlung voraus.

In der Sitzung des Zentralvorstandes am Freitag wurde der Geschäftsbericht erstattet. Danach

m't der Znsanteriebrigade Wedell aus den west­fälischen Regimentern 16 und 57 bestehend.

Don einem sechs Meilen langen Gewaltmärsche sind die braven Truppen erschöpft, von Staub und Schweiß bedeckt, keuchend, mit wogender Brust, stehen sie da aber in ihren Augen leuchtet ungebrochener Mut und der Wunsch, gegen den Feind geführt zu werden.

Em Generalstabsoffizier sprengt über das Feld dem General von Schwarzkoppen zu. Er überbringt einen Befehl des kommandierenden Generals von Voigts-Rhetz und weist mit der Hand nach der An­höhe, auf welcher festungsartig ein Gehöft — die flenne Greyere — sich erhebt — und neben der die dichten Kolonnen de? Gegners hervorguollm.

Der Genial legt die Hand an die Mütze zum Zeichen, daß er verstanden. Dann erteilt er seine Ncsestl/ Die Batterien der Divistonsartillerie geben im Galopp voraus und protzen ab. den oordringenden Feind mit Granaten überschüttend, daß er stutzend in seiner Vorwärtsbewegung innehält.

Jetzt wendet sich der General an die Bataillone, die Hörner ertönen, die Trommel» raffeln, Kom­mandorufe ertönen, in breit entwickelter Front gehen die Bataillone unter dem heftigsten Granat- und Schrapnelffeuer im Sturmschritt zum Angriff vor.

Wr Gardedragoner können diesen Angriff der braven Regimenter genau verfolgen. Ein erhebender, prächtiger Anblick war es und der neben mir haltende Lothar sagt zu mir: In solchen Augenblicken möchte man lieber Infanterist sein — steh nur die braven Kerle/ „, , ,,

Unser Rittmeister wendet sich nach ihm um.

.Warten Sie e? nur ab, DtbenMoe", sagte er lä­chelnd, .wir kommen auch noch dran/

.Wollen es hoffen, Herr Rittmeister", entgegnete Lothar. „

Wetter geht der Sturmschritt der Bataillone. Plötzlich stutzen sie einen Moment. Doch dann ver­schwinden die vordersten Reihen in einer steilwandi­gen Schlucht, welche sich plötzlich vor ihnen aufgetan hat. Die nächsten Reihen folgen, die ganze Brigade vechhwindet in der Schlucht, an bestem gegenseMgem

Ich erinnere an den Todesritt der Brigade Bre­dow, welcher mit goldenen Lettern in -die Geschichis- taseln de: deutschen Reiterei für ewige Zeiten ein­gegraben sein wird, ein Ritt, der durch die ganze Aufstellung des Feindes ging, mehrere Regimenter zerschmetterte, die feindlichen Batterien zum Schwei­gen brachte und den Vormarsch eines ganzen feind­lichen Armeriorps vereitelte. Wie betäubt stand der Feind nach dieser Heldentat der deutschen Reiter; stundenlang schwiegen hier seine Batterien, der Feind wäre zerschmettert, die Entscheidung mit ememmale gefallen, wenn statt der zwei Regimenter zwei Divi­sionen Reiter zur Stelle gewesen wären, in deren immer aufs Neue heranstürmenden Wogen bis feind­liche Armee verschwunden sein würde.

Auch für tmä Gardedragoner sollte die Stunde schlagen, w» »ns die Trompete zum Angriff rief.

Wir hielte« als Bedeckung der Artillerie bet Mars la Tour, aüerdinqs nur eia Regiment, denn das »weite Regiment war zu «deren Zwecken ver- wa«dt worden. Bor Mars la Tror bis Viomnlle hi» bildete die Ackillcrie eine ringt# ronge Feuer­kette, die unaufhörlich ihre Projektile gegen den jen­seits der Büsche von Trvuvill: vordrmqcndea Feind schleuderte, der vergettlch« AnstrenMngen machte, die linke Flanke unserer Arffstellimq zu «nfaffen. Aber immer »twt Raffen quollen hinter den uns gegen- überiiegenden Höhen hervor, Regiment «ms Regiment, Division auf Division, es war das, wie wir später erfuhren, da» ArmeriorpS des Generals LadmirauÜ, welcher mit vier Divisionen die Umfaffung unseres linken Flügels ins Werk setzen wollte.

Bon Moment zu Moment wurde die Lage ge­fahrdrohender. Infanterie, welche der Umfastung ent- gegentreten konnte, wat nicht mehr verfügbar, die Arttllerie allein vermochte den Ansturm der Divisionen nicht mchr «mszuhalten, schon wurden einige Batterien gezwungen, ihre Stellung autzngeben und weiter rück­wärts neue Position zn nehmen - da, im gewahr- drohendstm Augenblick, treffen die Spitzen des zehn- ten Armeekorps auf dem Kampfplatz ein, am äußer­sten linken Flügel der General von Schwarzkoppen

Durch hartnäckiges Schweigen werden die erhobenen Angriffe keineswegs entkräftet.

von einem .Katholiken" stanunt.

)( Bon dem sozialdemokratischen Reichstags- abgeordneten Hengsbach hatte der Vorsitzende des Deutschnationälen Handlungsgehilsen - Ver­bandes in Elberfeld behauptet, er habe ähnliche Dinge begangen wie der antisemitische Abg. Schack. 'Hengsbach bezeichnet nun in einem Telegramm an den .Vorwärts^ diese Ausführungen als vollkommen unwahr. Gleichzeiiig wird er­klärt, daß weder die sozialdemokratische Partei- leitung noch Abg. Bebel irgend etwas von der Affäre wissen. Der Verbreiter dieser Behaup­tungen würde in kürzester Frist Gelegenheit er- halten, sich vor Gericht zu verantworten.

* Eisenach. 24. Sept. 1909. Der frühere freisinnige Reichstagsabgeordneie und Abgeordnete im groß herzoglich-sächsischen Landtage Wilhelm Casselmann ist heute früh gestorben.

* Aus Hannover, 23. Sept. 1909. Die Landtagsersatzwahl im Kreise Hameln hat, nachdem das Mandat des Abg. Haußmann snatl.) für ungültig erklärt worden war, mit der Wiederwahl Haußmanns geendet. Bei der Wabl- männerwahl erhielt Hausmann 118 Stimmen, der konservative Bewerber 105, der Sozial­demokrat 4,

r*i Der Evangelische Bund

Offchelni liqlich mit Aurnahme her So«t= »6 SttteMge. Geriet« Wellch«»«MKprew ohne vringeriohn «ns Bestellgeld in zlUba s o- WleaiMvärtsl.sotNk.

Serantw- Aedattemr Sark Schütter igÄ Illustrierte Souutagrzeitmg"

frühere Mitglied des Bvlksvereins" da verzchfft! Gut daß er jetzt nicht mehr zum Volksverein gehört, er würde den ganzen Volksoerem blamieren. Hat denn dieser nicht „ganz Fromme" auf dem Monde gelebt, oder hat er seit zwei Jahren geschlafen daß er nichts davon weiß, daß Fürst B ü l o w tm Jahre 1907, die damals schon dringende Finanzreform zuruck­te llte mit der ausdrücklichen Begründung, den neuen Block nicht zu sehr belasten zu wollen? Weiß er nicht daß bann 1909 das Zentrum vom Block derart ä u s g e s kh alt et wurde, daß man den An­trag Gerold nicht annahm, um bte Fwcmzreform nicht mit bem Zentrum machen zu muffen? Das hat bet Abg Paasche, bet Vorsitzende der Kommission, mit aller Deutlichkeit im „Tag" ausgesprochen, indem

hmzusügt:

Die angeblichen Enthüllungen sind augen­scheinlich nur eine Wiederauswärmung unwahrer und längst wtverlegter Behauptungen/

Jirposant ist diese Antwort nicht. Wir glauben ja gern, daß Fürst Bülow feine Lust hat, sich an einer Erörterung über die Novemberereigniffe zu beteiligen. Wenn er aber von einer .Wiederaus­wärmung unwahrer und längst widerlegter Behauptungen" spricht, so befindet et sich 'm Ml- recht. Fürst Bülow hat sich bis heute noch nicht der Mühe unterzogen, die Behauptungen, die in Sachen der Novemberereigniffe gegen ihn ausgestellt worden find, zu widerlegen. Insbe­sondere hat er sich noch mit k-lnem Worte zu der Behauptung geäußert, daß die Mitteilungen, die das Interview des,Daily Telegraph enthielt, bereits vier Wochen vorher in einem unbeachtet ge- bitebenen Artikel der Deutschen Revue' enthalten waren, und daß dieser Artikel von dem Auswar- tiaen Amte veranlaßt war.

“ Der sozialdemokratische Abg. Heine hat diese Tarsachen im Reichstage ausdrücklich sestgenagelt, Fürst Bülow aber schweigt. Man hat dem Fürsten Bülow im Anschluß an die Novemberfrffis ben Vorwurf gemacht, daß er durch Jahre hindurch Angriffe gegen die Person des Kaisers wegen des Krüger-Telegramms geduldet hat, obwohl dieses Telegramm kein „Ausfluß des persönlichen Regiments" war, sondern ein ordnungsgemäß zu­stande gekommener Staatsakt. Fürst Bülow schweigt. Fürst Bülow hat weiter nicht aufge­klärt, weshalb die Mitteilung von dem Kriegsplan liegen die Buren nicht sofort, svndem crstnach 14 Tagen dementiert beziehungsweise berichtigt worden. Er schweigt. Jetzt wird dem Fürsten Bülow vorgeworfen, daß das Kaiser-Jrckeroiew un .Daily Telegraph' mit Wissen und Willen des Kanzlers veröffentlicht worden sei, day er bte ganze Aktion des Kaisers, die auf Besserung der Be­ziehungen zu England gewesen sei, von Ansang an in allen ihren Phasen vorher S-fannt und gebilligt habe, daß er dann aber, als die Geschichte schief ging, statt den Kaiser zu decken, sich, h'nter ihn flüchtete und alle Angriffe aus den Kaffer pro ffeln ließ. Fürst Bülow schweigt, wie er bisher ge- schwiegen hat, und wird auch werter schweigen.

Wie war es denn kürzlich: Die Veröffentlichung des Regiermtgsrates Martin, die gegen den Fürsten Bülow schwere und durchaus substanziierte Anktegen erhob, ist auf Weisung des Amtes und der Block- preffe einfach totgeschwiegen worden. So haben Fürst Bülow und das Auswärtige Amt bte schwersten . Angriffe, ohne zu muckfen, auf sich sitzen lassen. Das ist doch sonst nicht die Gepflogenheit unserer Regie- ^^Alles das gibt zu denken. • Fürst Bülow hätte tatsächlich alle Peranlafsung, von den vielen aeaen ihn erhobenen Vorwürfe« sich zu reinigen, wenn er Wert darauf legt, sein Verhalten m den Novembertagen als einwandssret anerkannt zu sehen.

Die weile Km m Slfcesstoe.

13,] Original-Roman von O. Elster.

Diejenigen Männer unb Jünglinge, welche tm jenen Tagen kämpften, bluteten und starben sie warm auk der „alten" Schule — wer weiß, ob die neue Schule noch solche Charaktere erzieht?

Doch genug der Betrachtungen. Ich habe es hier nur mit meinem eigenen kleinen Schicksal zu tun und dieses soll uns hier beschäftigen.

Die Gardedragonerbrigade unter dem Kommando des Generalmajors Grasen Brmidenburg war de« zehnten Armeekorps zugeteilt, das aus hwmöverlchen, braunschweigischen und wesffälifchen Regimenter» zu­sammengesetzt war. Die Infanteriekolonne«, die tot Eilmarsch von Ponta Mouffon heranwarschterte«, konnten erst am Nachmittag m den blutigen Kampf eingreifen, und dem braven deutschen Armeekorps Unterstützung bringen, das seit dem Morgen sich im ^Kampfe mit dem übermütigen Gegner beftmd. Nur die Kavallerie und Artillerie war den Jnsitnterieko- lonnen voransgeeilt, und hatte schon friihet tätigen und ruhmreichen Anteil an dem heldenmütigal Kampfe genommen. Die Batterien hielte« auf bat ' gefährlichsten Posten unter dem Feuer des feuidlichen .Schnellfeuers aus und schlenderten dem anftürmende» Gegner ihre Granaten entgegen und die Kavallerie verschaffte in mehreren heldenmütigen Attacken der schwer bedrängten Infanterie Luft, daß sie eiee Weile aufatmen konnte, um sich dann von neuem in den I Kampf zu stürzen, und im zähen Magen den Segnet Schritt vor Schritt zurückzudrängen.

Ich erinnere nur an die glänzende Attacke der 'Husarenbrigade Rebern,j welche bte brmmschmeigi­schen Husaren bis in baS Zentrum der französischen Stellung führte, so daß der Marschall Bazaine selbst in Gefahr geriet, gefangen genommen zu werde«. Und nur durch schleunige Flucht sich rette« fronte, während feine Stabsfavallerie sich ben Husaren ent= tgegenmarf.

zählt der Bund 2062 Zweigvereine und 583 äuge- 'chlossene Vereine; gegen das Vorjahr mehr 133 Vereine. Gleichzeitig stieg die Mitsliederzahl um 14000 auf 381,535. In der Zentrale ill Hall« arbeiteten insgefamt 18 Angestellte. Die Flugblätter haben die Gesamtauflage von 1 Million weit über- chritten; die 17 Bundesorgaue allein haben eine Gesamtauflage von 423,000. Dazu kommen noch einige Sonntagsblätter, so daß jetzt in einem ^ahre fünf Millionen Bundesblätter ausgehen. Die Flug- chriften haben mit 12 neuen Veröffentlichungen dre Zahl 275, die Wartburghefte die Zahl 42 erreicht. — Wieviel konfessionellen Haß und Unfrieden mit diesen Druckschriften im Deutschen Reiche gesaet worden ist, vermag der Bericht uns allerdings nicht zu sagen; es ist aber unverantwortlich viel. Glück­licher Weise zählen die 381,535 Bundesmitglieder zum größten Teil zu den „mattiuen"; ste stehen zumeist lediglich in der Liste, in die sie sich nach einer Bundesversammlung mit Hetzreden geduldig habe» eintragen lasten. Wären sie alle von dem Fanatismus beseelt, wie die Bundesführer, es gäbe längst Mord und Totschlag in Deutschland und fein Katholik wäre seines Lebens mehr sicher.

Im Anschluß an den Geschäftsbericht chattete bei BunbeZdireklor Liz. Everling em Referat über bie politische Lage. Unter dem betrüblichen Eindrücke des Blockfrachs stimmte er laute Klage­lieder an:

Die ultra montane Vorherrschaft int Reichstage sei leider wieder eingetretm. Die drohende Gefahr habe der Vorstand des Bundes bereits tut Frühjahr bemerkt, und damals jene vielbemerkte Kund- gebung beschlossen, für wekcheder Reichskanzler Bu.ow uns seinen Dank aussprach. Die gewünschte Wirkung habe diese Mahnung an die Regierung unb an. Bte Mehrheilsparteien ebenso wenig gehabt, wie die vielen weiteren Maßnahmen der Bnndesleitung in diesem Sinne. Der Gang der Ereigniste habe bewiesen, daß noch weit kraftvoller aks bisher dem polnischen Stampfe gegen den Ultramontanismus ent protestantischer Abwehrkampf zur Seite treten must Diejenige Partei, die es gewagt hat, dem Zmtrimi zur neuen Herrschaft im Lande der Reformatio» Hilfskräfte zu stellen, wird dann unter der Wucht der protestantischen Abwehr zusammenbrechm. Der ungeheure Stampf, dem Sieaeszuge des Ultramontanismus entgegen- zutreten, soll unsere Spannkraft entfachen zu nnermub« iiger Betätigung.

Am Freitag abend fand im Musensaale des Rosengartens ein Begrüßungsbankett staty zu dem sich etwa 1000 Personen, Damm und Herren der besseren Gesellschaftsklassen, eingefundm batten. In fast allen Begrüßungsreden wurde auf ben „Ultramontanismus" als den gemeinsamen Femd aller Protestanten und Deutschm hingewiesen. Der Bundesvorsttzende v. Lessel machte Mitteilungen von der Absendung von Telegrammen an Kaff« und Großherzog, und hielt sodann unter srenett- schem Beifall eine Brandrede gegen UUramontams- mus". Merkwürdiger Weise lachte keiner der Zu- Hörer ihn aus, als er sagte: Der Geist der Duld- samkeit ist für uns selbstverständlich.

ö Bülows Antwort.

Ein Berliner Blatt hatte an den Fürsten Bülow die telegraphische Anfrage gerichtet ww er sich' zu den Mitteilungen der Mark. Vztg. »der lebte Rolle bei der Novemberkrtsis zu stellen ge- denke. Der Reichskanzler hat darauf geantwortet.

„Dank für Mitteilung. Es ffk nicht merwx Absicht, in eine Polemik ernzutreten. Bülow." , _

Dieselbe Antwort hat Fürst Bülow auch der Neuen Gesellsch. Son.' erteilt, indem er noch

Ausland.

* In Luxemburg hat die Deputiertenkammer nun auch die Vorlage bett, die Besteuerung der Zündwaren und Beleuchtungsmittel nach dem deutschen Gesetze mit 28 gegen 13 Stimmen an­genommen.

* In Serbien soll nach einem neuen Hof- ftatut die Thronfolge in dem Falle, daß Kronprinz Alexander keinm Nachkommen hinter­läßt, auf den Prinzen Georg, den abgedanklen Kronprinzen, übergehen.

* Bei den Kämpfen gegen >ie Rifkabhlm ist ftit bie Spanier keineswegs alles so glatt a6gegangen, wie bie amtlichen Berichte glauben machen wollm. Der „Agence Havas" wird aus Udscha gemeldet^

Raube eine frisch herangezogene französische Division steht unb ununterbrochen in bie Schlucht hineinfeuert. t „Donnerwetter — bte armen Kerle!" ruft unser

Rittmeister, „bas ist ja bie richtige Hölle!"

Aber da tauchen einzelne Schützenlinien der bra- i den Bataillone am jenseitigen Ranb bet Schlucht auf, ein verzweifeltes Ringen erfolgt — zwei feindliche Divisionen konzentrieren ihr verheerendes Feuer auf bie Schlucht — nur wenige Minuten bauert der hel- benmütige Kampf — bann gleiten die Trümmer der braven Bataillone in bie überschrittene Schlucht zu­rück — die Verluste steigern sich säst zur Vernich» tun«*) . m

Unsere Erregung, da wir ben ganzen Vorgang verfolgen konnten, war groß. Die Offiziere hatten sich vor der Front versammelt unb besprachen das furchtbare Ereignis, unter ben Dragonern wurden Aenßermigen laut, daß man den treuen Kameraden von der Infanterie zu Hilfe kommen mußte. In bie- seni Augenblick jagte der kommandierende General Bon Voigts-Rhetz auf unseren General Grafen Bran­denburg zu.

„Greisen Sie an, Graf Brandenburg", ruft er ihm zu. „Greifen Sie rücksichtslos mit Ihrer Brigade an/

„Ich habe nur ein Regiment zur Verfügung, Exzellenz", entgegnete Graf Brandenburg. „Ich werde gegen die geschloffene Masse der völlig intakten femblichen Infanterie kaum einen Erfolg erringen können/

Ein Ausbruck der Ungeduld zuckt über das Ge­sicht bes kommandierenden Generals.

„Das Regiment soll auch nicht reufiteren", sagte er. „Aber wenn es den Feind nur 10 Minuten auf» hält, und fällt biS auf den letzten Mann, bann hat es seinen Auftrag erfüllt."

Graf Brandenburg salutiert fchweigcnb und reitet im Galopp zu unserem Regiment zurück, vor bem regungslos unser braver, alter Oberst von AuerS- wald hüll." k

_________ (Fortsetzung folgt.)

*) Ich will hier nur anführen, daß der Verlust der fünf Bataillone starken Brigade 72 Offiziere und 2542 Mann tot verwundet ober aekanaeu betrua.

er schrieb: . .

Die Schuldigen (an der Verzögerung) sitzen m den Regierungskreisen. Mögen sie endlich Iruge^sche Hoffnungen aufgeben und vor allem nn Reichs,chatz- 5mt das heiße Werben um bte Gunst des Zentrums und bie Spekulation auf wechselnde Majorität fallen lasten, dann kann noch eine Ver- sländiauna im Block erzielt werden. Geschieh! das nicht s? schwindet ben überarbeiteten Mitgliedern der Kommission der letzte Rest von Arbeitsfreudigkeit.

Also das Zentrum war schuld! Jawohl, aber nicht, weil es „negiecenbe Politik" getrieben hatte, Tonbern im Gegenteil, w s-i l cs b en Li 6e ral en viel zu sehr positiv gearbeitet hat, so baß die Liberalen fi-rchtelen, bte Regierung konnte, wie ber Abo. Paasche offen ausgesprochen hat. die Finanz cekrrm mit dem Zentrum machen. Das .frühere Mitglied des kaidolstcheu Polksverems ver­rät allo ein" grenzenlose Unwif fenbeit auf dem Geb-:« der lebest politischen Vorgänge, unb bie IibetnT-n Blätter, die solchen blühenden Un­sinn nachbrucken. beweisen bamit nur, daß ihnen zur Hetze gegen bas Zentrum jebes auch noch so tdridüe Mittel recht ist, besonbers, wenn es angeblich

Ä . e«$$igtn: trtt et»

ÄßE V 1 spalttge Petitzelle oder

* / ▲ JL Em A JL A A bereit Kaum 15 pfg.

TT'»'® «ill »e«amendiepetttze»e

I | II gll E 25 pfg., bet wieder. E M ET ■ ■ IN BH II Holungen wird entspr. M W E l LL | I M Sad-ftgewährt.

W w ▼y Sotattonrdrncknnd

Verlag der Zuldaer AI.

„ ttendruckerei in Fulda

MonairbeNage: „guIbdCT GeschichtZblätter" Fernsprecher Rr.9.

** Berlin, 24. Sept. 1909. Der Kaiser weilt noch in Stemmten zur Jagd. Sein Auf­enthalt dort wird Ende Oktober zur Neige gehen. — Der Reichskanzler wird demnächst auch nach Rom kommen, um sich dem König vm^ustellen.

= Ein preußisches Staatsbeamtengesetz soll, wie die nicht" immer zuverlässige ,Rhein- Westf. Ztg." mitteilt, in der nächsten Tagung vom Lanvtag in Beratung gezogen werden. Das Gesetz soll die Grenzen sestsetzen, innerhalb deren die politische Betätigung der preußischen Staatsbeamten zulässig ist. , r o

)( Die Reform des Mädchenschulwesens begegnet noch großen Schwierigkeiten. Bor allem lasten die einzelnen Bestimmungen keines­wegs klar erkennen, wie sie auszulegen find. Daher kommt es auch, daß bei der Aussührung der Bestimmungen von den einzelnen Behörden in vielen Fällen verschiedenartig vorgegangen wird. Eine Folge davon ist es auch, daß das Kultusministerium in letzter Zeit sich genötigt sah, in mehreren Erlassen die Absicht der Re­gierung in b^ug auf die Reform des Mädchei^ fchulwesens klar darzulegen. So wird jetzt durch den Kultusminister die Giltigkeitsdauer des Ab- gangszeugnistes einer höheren Mädchenschule zum Zwecke des Eintritts in die unterste wissenschaft­liche Fortbildungsriasse eines Lyzeums geregelt. Ein solches Zeugnis behält dauernde Giltigkeit. Den einzelnen Änstaftsleitungen bleibt die Ent- scheidung überlasten, ob in den Fällen, wo eine mehrjährige Unterbrechung des^ Bildungsganges nach dem Abgänge von der höheren Mädchen- schule vorliegt, es einer näheren Feststellung be­darf, daß die betreffende Bewerberin noch m der Lage ist, an dem Unterricht der untersten wissen, schaftlicheu FortbildunqsNafle eines Lyzeums nut Erjolg teilnehmen zu können.

* Der angebliche Kaiserbrief au bie Königin Wil- helmina. Wie sich jetzt herausstellt, ist bas angebliche Schreiben bes benischen- Kaisers an bie Königin von Holland, in dem als Quelle angegebenen 3t Wottetb. Courant gar nicht veröffentlicht worden Die Bnef- oeschichte ist nach der Rh.-W«sts. Ztg. lediglich dem Berliner Tageblatt zu verdanken. Die Sache ichernt so zu liegen: irgend jemand in Berlin, alw wrm em Z ritmigskorresvonbent, hat an bas Rotrerbamer Blatt einen Artikel geschrieben, worin von bem Briese die Rebe ist Gleichzeitig scheint man bem Berl. Tage­blatt von dieser „Sensation" Mtteilung gemacht zu haben Dies Neß sich bann angeblich aus Rotterdam ein Telegramm über bie Veröffentlichung schicken. Zum Unglück für bas Berliner Blatt tarn aber bie Korrespondenz mit bem Kaiserbriefe in Rotterbam gar nicht ans „Licht" ber Druckerschwärze.

* Kräftig auf die Finger klopft bie „Germania einem angeblichen „Postbeamten unb früheren Mit­glied des katholischen VolkSvereins", ber in ber „$r. Ztg." seinem Aerger über das Zentrum folgender­maßen Lust machte:

Unglaubliche Erregung kam in die Beamten­schaft durch die monatelange alles negierende ' Politik des Zentrums. Die Postbeamten w'ffen es aanz genau, ausgenommen die ganz frommen isic!, daß das Zentrum die Schuld tiägt an ber un- । endlich langen Verzögerung der Finanz- uub gleichzeitig der Besolbungsresorrii.

I Das ist ja, bemerkt dazu bas genannte Berliner . Zentrumsblatt, eine fürchterliche Weisheit, bie bas