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uldaer W Zeitung

M 218,

Fulda, Donnerstag den 23. September 1909.

^ahrgan

es sind fünftausend Taler — bei der

A«rrigen: vir ete ‘ fpaltigePetitzeUeodtr

deren Kaum fs pfg. SeKaniendrepetitzeile 25 Pfg., bet Wieder­holungen wird entfpr.

Rabatt gewährt.

LotationrdruSnnr Verlag der LuIdaer Af- üendruckerei in Lulda Zernfprecher Nr. S.

Monatsbellage: „Sulbaer Geschichtsblätter"

des Reichs-Kolonialamtes leitet inzwischen Untet» staatssekrelär Dr. v. Lindequist. Die Reise hängt, wie die ,Nordd. Allgem. Ztg/ mitteilt, mit der Absicht des Staatssekretärs zusanimen, dem An­bau vonBaumwolle in den deutschen Schutz­gebieten einen größeren Umsang zu geben.

)(Die Konferenz der deutschen Versicherungs- anstalten in Dresden hat am Dienstag eine Anzahl non Abänderungsvorschlägen zur Reichs­versicherungsordnung beschlossen und sich dahin ausgesprochen, daß durch die Neuorgani­sation der Versicherungsämler die Selbständigkeit und Selbstverwaltung der Versicherungsanstalten in keiner Weise beeinträchtigt werden dürfe.

** Eine Nachversteuerung des Branntweins und der Branntweinsabrikate, die sich am 1. Oktober 19C9 im freien Verkehr befinden, ist bekanntlich durch das neue Branntweinsteuer­gesetz vorgesehen. Zu diesem Zwecke sind die steuerpflichtigen Bestände der zuständigen Steuer­behörde anzumelden. Offiziös wird darüber mit« geteilt:-

Gewerbetreibende sind zur Anmeldung von Be­ständen von mehr als 20 Litern Alkohol, Haushaltungs- vorstände von mehr als 10 Liter Alkohol vervflichtet. Die Anmeldungen haben bis spätestens 5. Ok­tober zu erfolgen. Unterlassung der Anmeldung wird mit Geldstrafe in vierfacher Höhe des hinter­zogenen Betrages belegt. Nach tz 110 desselben Gesetzes unterliegen auch die zu Genußzwecken geeigneten Essigsäuren einer Nachueuer. Anmeldepflicht, An- meldesrist und die Strasbestimmungen sind die gleichen wie bei der Nachversteuerung der Branntweinbestände.

* Zm Prozeß Schiicking beantragte vor dem Ober-'

Staatsbank in guten fünfprozentigen Papieren hinter­legt; sieh hier eine Quittung der Bank. DaZ Kapi­tal steht auf Deinem Namen, kann Dir also nicht ver­loren gehen. Ich werde Dir bis zu Deiner Volljährig­keit die Zinsen pünktlich alle Vierteljahr auszahlen. Nachher kannst Du dieselben selbst bei der Bank er«

Fällen auch dem Gegner Ächtung abringt und uamentlich gegen so manche nationalliberale Politiker vorteilhaft absticht, die in grundsätz­lichen Fragen so oft den Mantel nach dem Winde drehen.

* Aus dem Regierungsbezirk Arnsberg, 22. Sept. 1909 schreibt man der „Köln. Vztg.": Bekanntlich hat die Kgl. Regierung in Arnsberg kurzerhand alle geistlichen katholischen Ortsschulin­spektoren ihres Amtes enthoben. Nebenbei sei bemerkt, daß der e v a n g e l i s ch e Pfarrer von Arns­berg vor kurzem zum Kreisschulinspektor ernannt ioorden ist. Das ist ein neuer Beitrag zur Charakteristik der Arnsberger Regierung, deren kirchenpolitische und schulpolitische Haltung bereits seit längerer Zeit in weiten katholischen Kreisen leb­hafte Unruhe hervocgerufen hat. Nun hat auf einer am Sonntag vor acht Tagen stattgefundenen Zen- trumsversammlung in Attendorn der sozialdemokra­tische Diskussionsredner Max König (Dortmund) er­klärt, jene obengenannte Verfügung des Regierungs­präsidenten zu Arnsberg sei lebhaft zu begrüßen, sie sei „ein Schritt Weiler auf dem Wege der Trennung von Kirche und Staat". Cs mag Hrn. Regierungs- prägdent v. Bake überlassen bleiben, ob und in welcher Form er dem Sozialdemokraten Max König seinen Dank für die in diesen Worten ausgesprochene Aner­kennung abznstatten gedenkt. Man darf aber wohl annehmen, daß jene Verfügung nicht in dem Sinne gemeint gewesen ist, den Max König hineinzulegen be­liebt. Richt um das große Problem der Trennung von Kirche und Staat, sondern nur um eine syste- rnatifdje Zurückdrängung des Katho­lizismus handelt es sich.

J. Köln, 22. Sept. lr09. Der Provinzial- ausschuß der Rheinischen Zentrums- i art ei nahm in seiner Herbstsitzung nach ein­gehender Besprechung der Bewegung Bitter» Roer en mit allen gegen 4 Stimmen folgende Resolution an:

perantw Redakteur: ckarr «Hütter

I. parzeller in Fnlda. wochenbettage: „Illustrierte Zonntagszeitung"

Es braust ein Ruf wie Donnerhall, Wie Schwertgeklirr und Wogenprall: Zum Rhein, zum Rhein, zum deutschen

Rhein,

Wer will des Stromes Hüter sein?

Lieb Vaterland, kannst ruhig sein. Fest steht und treu die Wacht, — die

Wacht am Rhein!

Es war in meinem dritten Studienjahre, während ich als Einjährig-Freiwilliger bei den Garde-Drago- nem in Berlin diente, als dieses Lied di- Herzen des deutschen Volkes entflammte und eine Begeisterung hervorrief, die an die Erhebung des Volkes von 1813 erinnerte. 1

heben. Bist Du zufrieden damit?"

„Ja .aber Du sprachest doch von einet größeren Summe."

„Das ist eine andere Sache", unterbrach er mir barsch. „Darüber werden ivir später einmal sprechen, wenn der Nachlaß Deiner Mutter gerichtlich geordnet ist. Für jetzt ist das alles, was ich Dir zu sagen habe. Welche Universität willst Du beziehen? Ich lasse Dir völlig freie Wahl."

„So möchte ich nach Heidelberg."

„Gut, Du kannst tun und lassen was Du willst, Du bist ja ein verständiger Mensch. Lebe wohl, ich habe noch andere Geschäfte . .

Er reichte mir die Hand achtlos hin. Ich berührte sie kaum und entfernte mich rasch, froh, einer längeren Auseinandersetzung überhoben zu fein.

Nach acht Tagen reiste ich nach Heidelberg ab, ein freier Mensch, aber auch -in einsamer Mensch, den keine Liebe und Sorge auf den Weg in das Leben begleitete.-----------

Scherbengericht über die Abgg. v. Heyl und Oriola wegen ihrer Haltung in der Erb an­fall st euer-Frage abgehalten. Sie beschloß, der Reichstagssraktion ihr Vertrauen auszusprechen, und brachte ferner zum Aus­druck, daß der Austritt des Frhrn. v. Heyl und des Grafen Oriola aus der Fraktion auch den Austritt aus der Partei zur selbst­verständlichen Folge habe. Der politische Ein­fluß des Herrn v. Oriola reicht nicht an den des Frhrn. v. Heyl heran; aber umsomehr fällt bei ihm ins Gewicht, daß der durchweg ländliche Wahlkreis in der Frage der Erbansallsteuer zweifellos hinter feinem Abgeordneten steht. Auch Herr v. Heyl genießt in feinem Kreise das uneingeschränkte Vertrauen seiner liberalen Wähler, da muß man riskieren, daß bei der nächsten Reichstagswahl die Wormser Liberalen sich keinen Deut um die Beschlüsse des Landesausschusses kümmern und ihren langjährigen Vertreter wieder in den Reichstag entsenden werden. Das Zen- trnist sieht dem Verlauf der Krisis im hefsifchen Nationalliberalismus mit allem Gleichmut ent­gegen. Herr v. Heyl hat in der Vergangenheit sich sehr häufig als fanatischen Zentrumsgegner betätigt, namentlich seitdem zum erstenmal ein Zentrumsmann und obendrein ein katholischer Pfarrer mit ihm in die Stichwahl gekommen ist; auch hat er in vielen Fällen durch feinen Wider­stand gegen volkstümliche Reformen wie Wahl­recht, Gemeindesteuer-Gesetzgebung, sich als rück­schrittliches Element in Hessen erwiesen. Aner­kannt aber muß werden, daß es sich bei ihm um eine starke politische Persönlichkeit von eisernem Fleiße und ernstem Willen handelt, der in vielen

Daß man ir.it 200 Talern jährlich tn Heidelberg und Berlin studieren kann, erscheint unmöglich, zumal bei einem junger, lebensdurstigen, und durch den Umgang mit der gräflichen Familie an einen gewissen Komfort gewöhnten Jüngling, wie ich es war. Ich vernachlässigte meine Studien nicht, und ich stürzte mich auch nicht in den Strudel des wilden Studenten- lebens, aber nach den letzten so traurig und einsam verlebten Jahren im Hause meines Onkels verlangten .zügendlust und Ueöermut ihr Recht und ich genoß m vollen durstigen Zügen die akademische Freiheit. Ich schwärmte mit gleichgesinnten Freunden in schö­nen Mondfcheinnächten an den sagenumwobenen Ufem des herrlichen Rheins, ich trank patriotische Be­geisterung im duftenden Rheinwein, ich träumte von Liebe, Freiheit und Glück — kurz, ich genoß eine Jstgend, ohne deshalb in Ausschweifung zu verfallen. Ein gewisser ernster Zug in meinem Kharakter, eine ideale Anschauung der Welt und de? Menschen, ein stark entwickeltes Gefühl für Schönheit und ein Ab- icheu an allem, was häßlich war, schützte mich vor den Gefahren, im Gemeinen, im Niedrigen, im Häßlichen zu versinken.

r Miner kleinen Rente hätte ich natürlich ein solches Leben nicht bestreiten können, aber Onkel Karl zahlte mir im ersten und zweiten Jahr meines Stu­diums mehrere hundett Taler aus, die aus dem Nach­laß meiner Mutter herrührten, und im dritten Jahr mnrb ich mündig und erhielt die freie Disposition über mein kleines Kapital, das ich, zu meiner Schande mufe ich es gestehen, anzugreifen mich nicht scheute.

Erstaunt wird man auch wohl fragen, wie ich in meinen beschränkten Verhältnissen dazu kam, bei einem so teuren Regiment, wie die Garde-Dragoner, mein einjährig-freiwilliges Jahr zu dienen. Tas kam aber auf folgende Weise.

Als ich an einem schönen Herbsttage unter den Linden auf und ab ging und mit mir zu Rate ging, wohin ich meine Schutte lenken sollte, begegnete mir ein junger Garde-Dragoneroffizier, der mit einem Ausruf der Überraschung vor mir stehen blieb.

(Fortsetzung folgt.)

krschekrt täglich mtt Ausnahme der $o.m= U,rh Feiertage vtertel- j<Miche?Ye.vMprek ohne Vrinqerlohn und Bestellgeld in Mlda so- Vtt auswärts 1-50 Hit

Verwaltungsgericht am Mittwoch der Vertreter der Regierung, auf Verlust des Titels und des Pen­sionsansprue! es zu erkennen.

* Neue Bstlmmungen über die Beförderung der llnteroifiziere hat der Kaiser genehmigt. Tie Be- flimmungen schließen sich an die des Besoldungs­gesetzes und der Befoldungsvorschrift für das preuß. Heer über die Gcldgebnhrnisfe der Unteroffiziere an. Ist für die Beförderung oder die Gewährung höherer Gebührnisse die Zurücklegung einer bestimmten Zahl von Dienstjahren Bedingung, so ist nur die allive Dienstzeit zu rechnen. Dee Dienstzeit muß voll zu­rückgelegt fein und ist nach dem rvirklich erfolgten Diensteintrktt zu berechnen ; Kriegsjahre zählen" da­bei nicht doppelt. Beim Vortrag des Kriegsministers hat der Karjer dabei befohlen, daß jede dem An­sehen des Standes nicht entsprechende Verwendung von Unteroffizieren zn vermeiden ist.

(*) Der bayerische Zentrumsabg. Irl sendet der.Germania] eine Zuschrift, die sich auf seine angeblichen reichsverdrossenen Aeußerungen in einer Versammlung bezieht. Er behauptet, er habe wörtlich folgendes gesagt:

..Wir in Bayern sind manchmal der Meinung, wenn wir für uns allein wären wenn wir mit den 3reu§ui nichts zn tun batien, dann wären wir ei ient= iich besser daran. Ich will nicht daraus eingehen, alles hat zwei Seiten, wir haben setzt einmal ein einiges Deutschland, und kein v ern ü n s I ig er De u i s ch er wird jetzt sagen, man solle das Deutsche Reich wieder auflösen. Das ginne auch gar nicht; es kann kein einzelner Bundesstaat tun, was er will, er muß sich dem ganzen fügen."

Im Anschluß daran bezeichnet Abg. Irl es als eine „platte Verleumdung", wenn behauptet weide, er hätte für feine Person erklärt, daß er es lieber gesehen hätte, wenn Bayern al lein geblieben sei. Im Gegen eil freue er sich für eine Person, daß w r ein einiges Deutschland gaben.

Mainz, 20. Sevt. 1009. <r-ine national- liberale Vertrauensmänner - $etiannnlung des Wahlkreises Mainz-Oppenheim hat heute das schon lange und immer wieder verschobene

-s- Gimpelfang.

Auf dem sozialdemokratischen Parteitag in Leipzig stand bekanntlich ein Antrag Breslau zur Beratung:

„Um so bald als möglich die Einführung von Disstdendenschulen zu ermöglichen und dadurch die Jugend dem verderblichen Einfluß des dogmatischen Religionsunterrichtes zu entziehen, empfiehlt der Partei­tag den Parteigenossen dringend den Austritt aus der Landeskirche."

Im Laufe der Beratung wurde ein ab» schwächender Zusatzantrag gestellt, wonach nur die Parteigenossen zum Austritt aufgefordert werden, die innerlich mit den Kirchenlehren ge­brochen haben.

Nach dem Begräbnis meiner Mutter ließ mich mem Onkel — ihn Vater zu nennen, konnte ich mich nicht überwinden — in sein Zimmer rufen.

®r faß vor seinem Schreibtisch mit einer AbrM» nung in der Hand.

"Fetze Dich daher" sagte er, indem er auf «den Stuhl neben dem Schreibtisch wies. Ich habe mit Dir zu sprechen."

Ich gehorchte.

„Du weißt", fuhr er fort, „daß die gräfliche Fa­milie Oldensloe Dir eine Rente von 200 Talern zu Deiner Ausbildung überwiesen hat."

„Ja, ich weiß es."

„Bis zu Deinem fünfundzwanzigsten Lebensjahre"

„Meine Mutter sagte mir, daß ich diese Rente auch später noch beziehen würde", unterbrach ich ihn lei­der, denn hätte ich ihn vollenden lassen, so wäre mir seine Schurkerei schon damals klar geworden

Er sah erstaunt auf. Eine leichte Röte überflammte sein Gesicht. Aber er faßte sich rasch.

„Ach, Du weißt", sagte er. „Was hat Dir Deine Mutter sonst noch gesagt?" setzte er mit einem lauern­den Seitenblick hinzu.

„Nichts. Sie hat mich an Dich verwiesen."

Mein Onkel schien aufzuatmen. Ein spöttisches Lächeln zuckte um seine Lippen.

.Gut, gut, so werde ich Dir alles ecklären", sprach et hastig. „Ich habe mit der gräflichen Familie ver­handelt, um statt einer Rente für Dich ein Kapital zu erhallen, toomit diese Rente bestritten werden soll. Das Kapital soll bei Deinem fünfundzwanzigsten Lebensjahre Dein Eigentum werden. Ich habe das

11] Original-Roman von O. Elster.

„Nein, Mutter" entgegnete ich, „an der Juristerei hat mir der Onkel den Geschmack verdorben."

Ich Bereute das Wort, das meine Mutter verletzen mußte. Aber es entsprang meiner innersten Ueber- zeugung.

„Ich passe nicht zum Juristen", fuhr ich fort. „Ich habe mehr Interesse an den alten Sprachen, an Ge­schichte, Literatur nud Kunst, und so will ich denn Philosophie und alte Sprachen studieren."

„Ich verstehe nicht viel davon, Gundokar", ent­gegnete meine Mutter. „Aber Du bist verständig ge­nug, zu wissen, was Du tust. Du wirst ja auch keine Not leiden, Du weißt .daß Dir eine Rente zusteht . ."

„Ja ,bis zu meinem fünfundzwanzigsten Jahre."

„O, auch noch weiter, frage nur Deinen Stief­vater."

Ich kam jedoch in den nächsten Tagen nicht dazu, hatte auch keine Lust, denn meine arme Mutter wurde schwacher und am ersten Ostertage, als die Glocken seierllch zur Kirche einluden, um das Fest der Auf­erstehung zu feiern, entschlummerte meine arme, liebe, gute Mutter in meinen Armen.

So war ich denn Vater- und mutterlos, ein Jüng- Itng von 19 Jahren, der das Leben noch nicht kannte, unerfahren in allem, was Bezug auf das praktische Leben besitzt. Ich mußte schon dem Stiefvater und Vormund die Ordnung unserer Angelegenheiten über- lafsen, aber der Beschluß stand bei mir fest, daß ich mich sobald es das Gesetz gestattete, von der Bevor­mundung dieses Mannes frei machen wollte. In mei- nem ersten Schmerz klagte ich ihn an, daß er durch einA k i J ken stützen Tod meiner armen Mutter verschuldet hatte.

, ®8 ^r auch etwas Wahres dran. Denn eine fünfte, gute Behandlung, eine liebevolle Pflege, würde Has Leben meiner Mutter sicherlich Verlängert haben.

Ihr erster Gatte, mein Vater, war wohl recht rauh und mürrisch gewesen; aber im Grunde hatte ft meine Mutter von Herzen lieb und seine Zärllich-

Beide Anträge wurden abgelehnt, aber mit welcher Begründung? Wir haben in unserem Bericht über die Verhandlungen des Parteitages einiges aus der Diskussion mitgekeilt. Da wehrten sich verschiedene Redner mit Händen und Füßen gegen den Antrag, er sei ein „ge­fundenes Fressen gegen das Zentrum" die „Agi­tation würde burd) den Antrag geschädigt", der „Aufklärungsarbeit in katholischen Gebieten würden Knüppel zwischen die Beine geworfen llsw. Ein prinzipieller Widerspruch wurde sticht erhoben, vielmehr wurden allein taktische Erwägungen ins Feld geführt. Im Herzen war der ganze Parteitag mit dem Antrag ein­verstanden, aber man befürchtete Schwierig- ,ketten für die Agitation, wenn man parteiosfiziel erklären wollte, daß ein glaubenstreuer Chris in der Sozialdemokratie keinen Play hat.

Wie die Sozialdemokratie in Wahrheit zur Religion steht und über sie denkt, das läßt sich aus massenhaften Aeußerungen, die sich fast Mich in sozialdemokratischen Blättern finden, tzenugsam deutlich ersehen. In dem Protokoll des Parteitages zu Halle Seite 175 hieß es: »Die Schule muß gegen die Kirche mobilisiert wer­den. Und wie soll das geschehen? Natür- ,lich durch Ausschluß des Religions- Unterrichts aus den öffentlichen Schulen, -sobald einmal die Sozialdemokratie das Heft in die Hand bekäme." Hier würde sich dann zeigen, wie dieser Grundsatz auch direkt gegen die Kirche ausgenützt werden kann. Solche Zu­kunstsmöglichkeit dauert aber den Breslauer Ge- ’ »offen noch zu lange, darum stellten sie ihren Antrag, damit infolge des Massenaustrittes aus der Landeskirche sobald als möglich Dissidenten­schulen eingeführt würden und dadurch hie Ju­gend dem Einflüsse des ReligionsunterriW ent« zogen werden könnte. Bebel bekannte am 31. März 1881 im Reichstag: „Auf religiösem Ge­biete erstrebt die Sozialdemokratie den Atheis­mus". Schon am 9. März 1874 hat der »Volksstaatt erklärt, Christentum und Sozialis- mus ständen einander gegenüber „wie Feuer und Wasser". In seiner Schrift „Christen- lum und Sozialismus" hat Bebel das Christen­tum als „freiheit- und kulturfeindlich" bezeichnet. Das besagt deutlich genug, wie ihm dann die sozialdemokratische „Freiheit- und Kultur­pariei" gegenübetlteten muß. Im Protokoll des Parteitages zu Halle heißt es Seite 194: „Wenn wir einmal den sozialistischen Staat haben, wer- den wir sehr leicht mit der Religion Jertig werden." Das stimmt ganz mit dem RibWein, was Liebknecht am 11. Januar 1883 in seiner Gedächtnisrede auf Marx sagte: „Zu der ' Zeit, wo die Sozialdemokratie herrschen wird, :

wird die katholische Kirche ein Märchen der Vergangenheit sein." Der sozialdemo- kratische Stadtverordnete Vogtherr hat in Berlin am 7. September 1890 in einer Versammlung bemerkt, es sei aus taktischen Gründen nicht an­gebracht, den Austritt aus der Landeskirche als stillschweigendes oder ausgesprochenes Parteigebo anzusehen. Er setzte aber gleich hinzu, es wär ebenso falsch, wollten die Genossen über diese Frage einfach zur Tagesordnung übergeben, denn das hieße die schädlichen Einflüsse der Religionspflege auf das Geistes- und Bil­dungsleben des Volkes" außer Acht lassen. In der Tat, ausschließlich taktische Gründe sind es, weshalb die Sozialdemokratie den Programmsatz „Religion ist Privatsache" aufgestellt und daran festgehalten hat, wie auch Liebknecht auf dem Parteitage zu Halle (Protokollfeite 185) bekannte, »weil dieser Satz der Partei sehr gute Dienste geleistet hat."

Angesichts so klarer Zeugnisse behaupten wollen, daß die Sozialdemokratie der Religion nicht feindlich gegenüberstehe, ist in Wahrheit nichts anderes als Gimpelfang.

kett ihr gegenüber zeigte sich oft in der liebenswürdig-1 Kapital — iten Weise, wenn er in ihr blasses, trauriges Gesicht-1 Staatsbank chen sah. Nur die eigenartigen Verhältnisse seines Lebens hatten schwer auf ihm gelastet und ihn ernst und mürrisch gemacht.

Mein Sttefvater aber quälte und peinigte meine Mutter mit hinterlistigem Hohn und feiger Brutalität Meine Mutter ahnte, daß er sie nicht aus Liebe gehei­ratet hatte, sondern aus einer niedrigen Geldweku- lation. Wie recht ich hatte, das sollte ich erst später erfahren 1

Deutsches Reich.

** Berlin, 22. Sept. 1909. Der Kaiser hat den König von Sachsen zum General- Obersten ernannt. — Die Handelskammer zu Bochum hat die Auslegung oder Ausreichung von Kursbüchern in Eisenbahnzügen angeregt.

* Der Kaiser und der Herzog von Cumber­land. Bei der Anwesenheit des Kaisers in München ist dort der junge Herzog Ernst August von Cumberland, der sür die braun­schweigische Thronfolge zunächst in , Betracht kommt, dem Kaiser vorgestellt worden und dieser hat ihn freundlich begrüßt. In Braunschweig wird diesem Vorgang große Bedeutung' bei­gelegt. Die .Braunschweigische Lande-zeitung' schreibt u. a.:

Die Begegnung des Kaisers mit einem Prinzen des Hauses, und zwar mit demjenigen, der die An­wartschaft auf den Braunschweigischen Thron hat, cheint eine verheißungsvolle Vorbedeutung für die Zukunft in fich zu bergen. Es darf wohl als gewiß angesehen werden, daß sie nicht erfolgt sein würde, wenn sich der Kaiser nicht unter der bekannten, wv ihm und dem Bundesräte sestgesehten Bedingung eines Verzichts des Gesamthauses auf Hannover einer end­lichen Beilegung der bestehenden Differenzen geneigt zeigen wollte. Somit wohnt dem Vorgänge nicht bloß eine höfische, sondern auch eine politische Bedeutung bei".

Es wäre im Interesse des ganzen Reiches dringend wünschenswert, daß den Cumberländern endlich der allein ihnen gebührende braunschwet- fische Thron zurückgegeben würde, nachdem be- anntlich Prinz Ernst August auf Hannover ver- ichtet hat. Hoffentlich darf man au? dem llünchener Vorgang schließen, daß der Wider- tanb am Berliner Hofe allmählich schwindel.

(*) Heber die preußische Wahlrechtsreform bringt eine Berliner Korrespondenz allerhand nicht weiter kontrollierbare Mitteilungen, deren wichtigste wohl die ist, daß eine Vorlage rühestens in der Session 1911 zu erwarten ei. Was sonst erzählt wird, scheint uns nichts weiter als mehr oder weniger naheliegende Ver­mutung.

(*) Staatssekretär Tenrburg hat eine etwa ebenwöchige Jnformalions- Reise in die Baumwoll-Gebiete d.r Vereinigten Staaten von Nordamerika angetreten. Die Geschäfte