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JV5 217.

Fulda, Mittwoch den 22. September 1909.

36. Jahrgang.

Zweites Wtatt.

* Ter Bolksverein auf dem Leipziger sozialdemokratischen Parteitage.

Auf dem in der vergangenen Woche in Leipzig ab­gehaltenen sozialdemokratischen Parteitag hat der Polksverein für das katholische Deutschland wieder­holt „lobende Erwähnung" gefunden.

Die mannigfachen Einrichtungen, die der Volksver­ein im Dienste seiner sozialen Volksaufklärungsarbeit sowie zur Abwehr sozialdemokratischer Angriffe auf das religiöse Leben sowie die Sozialpolitik der Katholiken Deutschland getroffen hat, wurden den „Genossen" als ^mustergültig zur Nachahmung empfohlen. Vor allem kam mehrfach zum Ausdruck, als ein wie gewaltiges zahlenmäßiges und moralisches Gegengeivicht die Or­ganisation des Volksvereins sowie seine Arbeit na­mentlich von den „Genoffen" empfunden wird, in de- .rcn Agitationsbezirken der Verein am stärksten ver­breitet ist.

„Groß ist", so äußerte sich z. B. nach dem Partei- »bericht in der „Leipziger Volkszeitung" der Delegierte Meerfeld-Köln, „die Bedeutung des Volksvereins. In mancher Weise könnte sich unsere Parteileitung den Volksverein zum Vorbilde nehmen. Wir muffen noch ganz andere Waffen schmieden, um an die Zentmmswähler heranzukommen." Die literarischen Einrichtungen und Erscheinungen des Dolksvereins, feine ZeitringSkorrespondenzen usw. hob mit anerken­nenden Worten vornehmlich der Dortmunder Delegierte tNottebohm hervor, worauf das Mitglied des Partei- stwrstandes Müller-Berlin zugeben mußte: „Ich muß gestehen, daß wir in verschiedener Richtung von diesem Wolksverein noch lernen können, und daß wir seit Jahren uns bestrebt haben, in der Beschaffung von Ägitationsmaterial möglichst auf die Höhe zu kommen, die der Volksverein für das katholische Deutschland seit Jahren schon inne hat."

Ueber diese vielfache Beachtung, die dem Volks- derein auf dem Parteitage zuteil geworden ist, werden ;bte Katholiken Deutschlands, vor allem aber die Mit- itzlieder des Volksvereins und hier besonders wieder die .Geschäftsführer und Vertrauensmänner hohe G e- n u g t u u n g empfinden. Mas der Voksverein ge- .worden ist, ist ja auch in erster Linie mit das Werk fbc8 katholischen Volkes. Auf diese Freude und Ge- rmgtuung fällt aber ein Schatten, und das ist die Fest­stellung der Tatsache in dem Berichte des Parteivor­standes, daß die sozialdemokratische Parteiorganisation itr.it 633 000 Mitgliedern die Mitgliederzahl des Volksvereins mit 625 000 überflügelt hat. 41nb es steht noch zu erwarten, daß die Sozialdernokra- tie rastlos bestrebt sein wird, diese Mitgliederziffer noch weiter zu steigern.

Angesichts dieser Situation noch einen besonderen Appell an die Katholiken Deutschlands zu richten, d i e Mitgliederreihen des Volksvereins zu stärken und die Volksvereiusarbeit noch intensiver zu gestalten, dürste über- flüffig sein. Die Situation redet eine derartige Sprache, daß es völlig genügen wird, auf sie hinzuweisen, um bie Katholiken in Deutschland im Hinblick auf den Volksverein zur höchsten Pflichterfüllung zu veranlas­sen. Hierzu bietet die einsetzende Wintersaison die denkbar beste Gelegenheit!

Deutsches Reich.

) ( Das neue Bolksschulunterhaltungsgesetz wird in keiner Anwendung allem Anschein nach immer mehr dazu benutzt, um dir g e i st l i ch e O r t s s ch u l a u f- s i ch t aufzuheben. .So wurde bekanntlich kürzlich ge­meldet; daß auf Verfügung des Regierungspräsidenten

von Arnsberg in diesem Regiecungsbezick sämt­liche geistliche Ortsschulinspektoren an Schulen mit einem Rektor ihrer Aemier enthoben worden sind. Die Erregung darüber ist in der katholischen Bevölke­rung natürlich groß. Die katholischen Geistlichen des Bezirks beschlossen, wie die Blätter melden, in einer Konferenz gegen das Vorgehen des Regierungspräsi­denten Protest zu erheben. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die Mehrheit des preußischen Landtages eine solche Auslegung des Gesetzes miß­billigt. Die ganze Frage dürfte beim Zusammentritt des Landtages ausführlich zur Sprache kommen.

* Wie das Volk angelogen wird. Im ,Fränk. Volksfr/ sprach nach dem Berichte der Nummer vom 26. August der Genosse Höllermcnn von 420 Millionen Mark neuer indirekter Steuern, die dem Volke auserlegt woroen sind (Versamm- lungs-Bericht Rechtenbach). Im gleichen Blatte, aber in der Nummer vom 6. September, wird berichtet, daß Genosse Soldmann in Oberbach ebenfalls von 420 Millionen neuer indirekter Steuern sprach. Nach dem .VolkssreunlL vom 18. August machte der Genosse Simon in Aschaffen­burg dem Zentrum den Vorwurf, daß es 340 Millionen indirekter Steuern, und ein Flug­blatt der Münchener Genossen nur von 305 Mil­lionen neuer indirekter Stenern. Die Münchener .Flugblatt - Schreiber getrauten sich nämlich die 5 Millionen, welche für „Schaumiveinsteuer" ein­gehen sollen, im besagten Flugblatts auch nicht mit einer Silbe zu erwähnen. Nun betrachie man, sagt das .Fränk. Volksbl/ mit Recht, den gewaltigen Unterschied zwischen 3 5 Millionen und 420 Millionen und sehe, nm das Volk ungelogen wird! Jede Zeitung, sedes Flug­blatt zeigt ein anderes Gesicht, tischt andere Zahlen auf, und den großen und kleinen Schwarmgeistern der Genossen, die in den Versammln'gen da§ Volk „ausklären", kommt es ans einen Unterschied om 115 Millionen überhaupt nicht mehr an! Da begreift man allerdings, wenn bie toten Agitatoren ihren Leuten ausbinden körnen: „Der Betrag von 500 Millionen häkle allein durch die Erbschafts-Steuer aufgebracht werden kön­nen, ohne daß man Erbschaften unter 20,000 Mk dazu hätte heranzuziehen brauchen."

Ausland

** Ein internationaler Altkatholikenkongreß hat in der vergangenen Woche in Wien getagt. Ein recht rnteressantes Urteil über d-esen Kongreß fällt der satt­sam bekannte Freimaurer mrd Eheresormer Zenker in der jüoischen „Reichenberger Zeitung", indem er be­hauptet, „daß die Art, wie die von dem Komitee (des Kongreffes) aufyestellten Thesen diskutiert wurden, viel mehr an einen Freidenkerkongreß als an eine Kirchenversammlung erinnerte".

** Die englischen Armeemanöver, die am Montag begannen, weisen gegen früher eine bedeutende Ver­änderung auf. Sie werden in diesem Jahre in so großem Stile abgehalten, wie es bisher noch nicht der Fall war. In sieben englischen Grafschaf­ten, auf einer Strecke von 100 Kilometer, beginnt der Krieg zwischen der roten und blauen Armee; die rote bedeutet den eingefallenen Feind und die blaue die Landesverteidiger. Nicht weniger als 50 000 Mann mit 20 000 Pferden und 300 Geschützen werden an dem Manöver teilnehmen. Der Kampf soll unter vol­len Kriegsbedingungen stattfinden. Alles, was die moberna. Kriegsführung an technischen Hilfsmitteln besitzt, soll, wie die Blätter hervorheben, der britischen Armee bei dieser Probe zur Verfügung stehen. Mit einziger Ausnahme eines Lenkballons!

Aus dem Nachbargebiele.

* Gersfeld, 21. Sept. 1909. In bet letzten Stadt­verordnetensitzung teilte Herr Bürgermeister Fasold mit, daß täglich Klagen über Wassermangel ein gehen; 28 Fälle von Wasserverschwendung seien durch den Polizeidiener festgestellt, er habe aber mangels einer bezüglichen Polizeiverordnung nicht strafen können. Die Versammlung beschloß einstimmig die Einführung einer solchen Polizewerordnung, bis dahin aber auf Grund des Wafferverbrauchs-Orts- statuts in nachgewiesenen Wasserverschwendungsfällen die betreffenden Leitungen zu sperren.

* Gießen, 21. Sept. 1909. Ein Landmann aus der Umgegend zog mit seiner Rosiuante nach Gießen zum Markte, um sie zu verkaufen. Er fand dort auch einen Liebhaber, dem zwar die Forderung von SO Mk. bei weitem zu hoch war und der einen Handel nach Gewicht verschlug; er wollte für das Pfund Lebendgewicht so und so viel zahlen. Der Landmann aeht darauf ein und erzielt, nachdem das Pferd ge­wogen, sogar einen Preis von 83 Mark. Das war ein feines Geschäft und mußte natürlich in einer Wirt­schaft mit etlichen Grogs begossen werden. Das ge­schah denn auch in längerer Sitzung so gründlich, daß bet (tun folgcnbc ßinfouf eines neuen Pset^es 10 schnell oon statten ging, wie selten ein solches Geschäft. Mit seinem dabei für 100 Mark erstandenen neuen Gaul zog der Männ in später Stunde seelenvergnügt den heimischen Penaten zu. Freilich war Vie Stim­mung im Nu verflogen, als er am anderen Morgen die Entdeckung machte, daß er sein altes Pferd wieder ge- kauft hatte. Das Ende vom Lied war, daß er die nächste Gelegenheit benutzte, das Unglückstier für 60 Mark loSzuschlageu.

* Diez, 21. Sept. 1909. In einer Tiefe von etwa acht bis neun Metern stieß man im „-Schläfer" auf zwei stark kohle nfäurehaltige Quellen, welche in der Minute zirka 30 Liter Waffer lieferten. Die Bohrungen sollen noch fortgesetzt werden. Rach einer Analyse enthält das Wasser dieselben Vorzüge wie das weltberühmte Jachinger Waffer.

* Aus Rheinhessen, 21. Sept. 1909. Dem G r u p- Pen-Elektrizitätswerk haben sich bis jetzt 70 Gemeinden mit rund 80 000 Einwohnern ange­schlossen. Von diesen Gemeinden entfallen 89 auf den Kreis Worms, 13 auf bett Kreis Alzey, 16 auf den Kreis Oppenheim und 2 auf den Kreis Mainz.

vermischtes.

** Ueber den Umtausch von Kirchenpatronen war dieser Tage in kirchenfeindlichen Blättern folgendes aus der Schweiz zu lesen:

„Wenn es sich crwayren sollte, daß geacnivätlig ll lervandlungen belieb n sollen mit der Kirchen- gemeinve Adltgenswil behufs Um t au jd) des Kirchen- Patrons, so sei zum voraus darauf ausinrrlsam ne­inacht, daß cs in 'AQligeniwU doch noch eine benäcki- tiche Zahl Bürger hat, die damit nicht ein”erRaut*en sind. Wir lassen uns unfern lieben Martinas nicht so ohne weiteres gegen den heiligen Oswald wegnehmen. Es ist zwar n chtzn teugneu, oaß letzterer seit einiger Zett nicht unbeoeutenb an Setrain ge­wonnen hat. Ader es wird auch mit n e u e n P a t r o n e n sein wie mit anderen Leuten, man weiß noch nicht, was man an ihnen hat. '-Beim heiligen Martinas tut);cn wir es, wir hadert seit Jahrhunderten Vertrauen zu ihm gehabt, und es wäre undankbar, ihn jetzt auf einmal weg zu dekretieren. Einer, ter 6em hl. Mar tinas treu blei t.‘

Die kirchenfeindlichen Blätter entnahmen diesen Heiligentausch dem katholisch-konservativen „Luzerner Vaterland" und fügten aus eigener Weisheit hinzu:

„Und der beuige O s ro a l oV Wird er sich diese geringschätzige Behandlung gefallen lassen- Wird er zuf reden fein, als Heiliger zweien Ranges airgesprochen zu werdens"

O, der hl. Oswald wird freilich zufrieden fein! Denn er ist ja gar kein „Heiliger", sondern — der

radikale Redakteur Oswald eines kirchen- feindlichen Blättchens in Luzern, der in letzter Zeit mehrere Liegenschaften in der Gewinde Adligenswil antaufte, um die bisher konservative Gemeinde zu radi­kalisieren. Bei der ganzen Geschichte handelt es sich lediglich um einen schlechten Witz, offenbar darauf berechnet, eine gewisse Presse mal ordentlich hereinzu- legen. "

i Beim Ukberfchreiien des Theodulpaffes stürzte ein Deutscher, der von Italien tarn, der Sohn eines Görlitzer Schreinermeisters, ab. Die Leiche wurde geborgen.

Kurzer Getreide-Wochenbericht der Preisberichtsstelle des deutschen Landwirtschasts- rats vom 14. bis 20. September 1909.

Auch während bet letzten acht Tage ist die Stim- mung für Weizen auf dem Weltmärkte fest geblieben. Rußland findet für seinen Weizen in Westeuropa guten Absatz und hat umsoweniger Anlaß, seine Forderungen zu ermäßigen, als von anderer Seite keineswegs vor­teilhafter zu kaufen ist. Auch wird der Eindruck inn- fangreicher russischer Verfchiffungen durch den Umstand abgeschwächt, daß sich die Leistungen der übrigen Aus­fuhrländer in sehr mäßigen Grenzen halten. Deutsch­land zeigte in letzter Zeit gleichfalls vermehrtes Inter­esse für Bezüge von russischem Weizen; Auch die fe­sten Roggen-Offerten Rußlands ftihrten mehrfach zu Abschlüssen. Vom Jnlande lag, wie stets zur Zeit der Herbstbestellung und Hackfruchternte, nur wenig Ange­bot vor, was im Zusammenhang mit anregenden Mel­dungen vom Auslande im Lieferungsgeschäft Deckungs- begeht und ein weiteres Anziehen der Preise veran­laßte. Mäßige Andienungen, die zwar Aufnahme^fan- den, hatten im Verlaufe eine Abschwächung des Sep­tember-Preises zur Folge, von der auch die übrigen Ternune nicht unbeeinflußt blieben, doch zeigte sich zu den ermäßigten Preisen erneute Kauflust, wobei die Erwägung miisprach, daß auf Basis der Berliner Lie- ferungsprelse weder vom Auslande noch vom Jnlande Ware heranzuziehen ist. Auf den inländischen Markten fanden die mäßigen Zufuhren zu teilweise merklich er­höhten Preisen willige Ausnahme. Auch bietet sich so­wohl seewärts als auch nach Oesterreich andauernd Ge­legenheit zum Export; so wurden in den ersten zehn Septembertagen ca. 6600 to Weizen und ra. 13 700 to Roggen ausgeführt. Hafer hat feinen Preisstand in der letzten Wocbe nicht sonderlich verändert; das Inter­esse erstreckte sich meist nur auf feine Qualitäten, doch war auch Mittelware trotz mangelnder Kauflust nicht billiger erhältlich. Lieferung durch ermäßigtes russi­sches Angebot zum Schluß abgeschwächt. Etwas mehr Interesse schien sich in letzter Zeit für Braugerste zu entwickeln, ohne daß bie Umsätze bisher größeren Um­fang anzunehmen vermochten; namentlich Mittelquali­täten finb nach wie vor schwer unterzubringen. Rus­sische Futtergerste war in greifbarer und bald liefer­barer Ware mecklich billiger erhältlich. Mais ist infolge ungünstiger Emteaussichten fest geblieben; angeblich soll ein großer Teil früherer Januar/März-Abschlüsst von Amerika zurückgehandelt worden fein.

Es fteUte.i sich Dte Preye |iir uUänvnches Getreide am letzten Marktlage in Mark pro lOOOStilogr. je nach Qualität, wobei daS Mehr (-j-) dezw. Weniger (—) gegenüber der Borwoche in Klammern () beigefügt ist wie folgt:

Weizen Roggen Hafer

Danzig 220 <-ft 1 ) 169 (— 1 ) 161 ( ) .

Berlin 211 (— 3 ) 171 ( ) 173 ( )

Frankfurt 221'/,(-4- 6'/.) 169 (+ l1/,) 160 (- 2'/,)

München 224 ( ) 166 (— 2 ) 164 (— 4 )

Weltmarktpreise: Weizen: Berlin Sept. 212.75 (— 0.75), Dezember 211.50 (— 0.80), Budapest Oktober 235.35 (-j- 5.30), Paris Sept. 19 i .80 (— 2.10), Liver­pool Dezember 16870, (— 1.45 Chicago Sept. 157 (— 0.50), Roggen: Berlin Sept. 174.25 i-|- 1.25), Dez. 172 (— 1.00), Hafer: Berlin September 156.75 (— 2.00', Dezember 155.50 (— 1.00) Mark per 1000 Kilogramm.

Mettemichscher Verwalter und Organist am Orte blei­ben. Er versah mit großer Selbstaufopferung die dor­tige Seelsorge und erhielt den Gottesdienst während des ganzen Kulturkampfes auftecht.

Im Jahre 1888 konnten die Franziskaner der Thüringischen Ordensprovinz wiederum in Ma­rienthal einziehen. Von da an verbreitete sich die Wall- sahtt zum Gnadenorte bis weit in die Diözesen Mainz, Fulda, Ttter und bis tief nach Süd- und Westdeutfch- lanb. Eine besondere Liebe haben die Bewohner der Stadt Mainz der hl. Stätte bewahrt.

Mit der Krönung des Gnadenbildes war der Wunsch vieler Tausettder erfüllt. Die Wallfahrt nach Marien­thal hat die Stürme der Zeiten überstanden, möge sie sich <k»ch in der fernen Zukunft behaupten und den frommen Pilgern des Himmels reichste Segnungen er­wirken.

'wegen der großen Zahl der Pilger der Gottesdienst sim Freien auf einem von Linden umsäumten Platze vor der Kirche statt. Diesmal wurden die täglichen ^Predigten abwechselnd von PP. Bernardi» Jakobi, Guardian des Klosters auf dem Frauenberge und Maulus Wolfesberger, Missionar im Kloster Gorheim

-m- Marienthal im Rhcingan wurde in der diesjährigen Festoktav von Mariä Ge­burt durch größere kirchliche Feiern ausgezeichnet.

Alljährlich wird dort die genannte Oktav festlich .begangen. Bei günstiger Witterung findet alsdann

Leben flihtten und sich um die Wiederbelebung der Wallsahtt große Verdienste erworben. Am 13. Juni 1870 wurde Marienthal den Jesuiten übergeben.

seinen Wohnsitz in Boppard hatte, schentte zur Wieder- herstellung der Kirche eine große Summe. Reichliche Beisteuer gab auch Fürst Klemens Lothar von Metter­nich. Am 8. September 1858 wurde dieneueWa11- s ahriskirche eingeweiht. Eine Prozession von vielen Tausend brachte jubelnden Herzens das Gna­denbild von Geisenheim nach Marienthal zurück. Spä-

Als Erstlingsopfer des Kulturkampfes mußten ste 1872 ihr trautes Heim und teures Vaterland verlassen. DaS nassauische Volk geriet in arge Verbitterung. Sechs große Volksversammlungen wurden zugunsten der Or­densleute ab gehalten. Am dritten Sonntag nach Ostern zogen drei Franziskaner vom Frauenberg in Fulda in Marienthal ein. Doch auch sie wurden durch die Kulturkampfgefetze aus Kloster und Heimat

— Ein dritter Pol. Aus Thüringen wird der „Norddeutschen Allgem. Zig." geschrieben: „Vielleicht intereffiert es Ihre Redaktion, daß ich neben Nord- unb Südpol noch einen dritten entdeckt habe Unter dem 29 Grad 10 Min. östlicher Länge und 51 Grad 1—2 Min. nördlicher Breite, das heißt ungefähr 15 ostnordöstlich von Weimar und nordnord- wesilich von Jena ist nämlich immer noch „a Pol d a". Sogar schon mit Postamt versehen, und auch Ihre Zeitung wird dort bereits bezogen. (A—pol—da.) — Das genannte Blatt bemerkt hierzu launig: Hof­fentlich gibt diese Entdeckung nicht Veranlassung zu einem so leidigen Streit, wie die Erreichung des Nordpols. Wir wollen das Unfrige tun, um das zu verhindern, und gratulieren dem Entdecker.

— In einem Jünglingsverein erklärte ein Redner, daß kein junger Mann irgend einen Ort besuchen dürfe, wohin er nicht auch unbedenklich seine Schwester füh­ren könnte. — „Ober kennt jemand von Ihnen einen Ort, wo diese weise Regel nicht zuträfe?" fragte er. — „Jawohl", klang eine ©üauw aus dem Publikum, „dec Barbierladen".

lein.

Ein großer Verehrer Mariens nahm sich späterhin der Wallfahrtsstätte mit Tatkraft an. Es war der gctt= selige Peter Joseph Blum, Bischof von Simburg, ein Kind Geisenheims. Ein Baron v. Maliiz, der

gen regten den Gedanken der Krönung des ehr­würdigen, beinahe sechshundert Jahre alten Gna­ben b il d es an.

Die Verwirklichung desselben stieß auf keine weite- ren Schwierigkeiten. Das hochw. Kapitel von St. Peter in Rom beauftragte mit der Krönung des viel verehrten Bildes den zuständigen Bischof Dr. Willi von Limburg. Eine große, einzig schöne Lichterprozes- sion zu einer auf der bewaldeten Anhöhe stehenden Marienstatue verherrlichte den Vorabend des Krö­nungstages. Bischof Willi zelebriette Sonntag den i 12. d. Mts. an der Gnadenstätte ein Pontifikalamt und nahm am Nachmittag den erhebenden Akt der Krönung vor. Die Festpredigt hielt der Hochw. Herr Mschof Komm von Trier. Seine inhaltsvollen, ^beredten Worte entfachten in den Herzen der tempa- jtomentboffen Rheingauer das Feuer Heller Begeiste- irung. Es waren ihrer an die zwanzig Tausend in Mm idyllischen Tale zusammengeströmt. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend hallten bort herzig- innige affektvolle Marienlieder wider. Die goldenen Strahlen der milden Herbstsonne erhöhten den Fest- Schmuck, den tausendfarbigen Schimmer von Wiese und Walo. Gewalttger Kanonendonner verkündete dem Rheingaue des Tages hohe Bedeutung.

t Auch der Hochw. Herr Bischof von Fulda hat gpt Wallfahrtsort mit seinem hohen Besuche beehrt.

Am Feste Maria Geburt hielt er daselbst ein feier-' sahttsort folgende Angaben: „Bereits im 14. Jahr-j verbannt. ?. Guido Keller durfte als Weltpttester, als liches Pontifikalamt. ! hundert (1326—1330) wurde zu Marienthal eine

Mancher Leser der Fuldaer Zeitung Hai schon selbst Kirche an der Stelle eines Kapellchens, welches seit an dem schönen und heiligen Fleckchen Erde die Got- 1313 aber einem Bildstock mit einem wundertätigen tesmutter verehrt und wird sich deshalb für die Ge- Bilde der schmerzhaften Mutter Gottes errichtet war, schichte des berühmten Wallfahttsortes intereffieren. ■ erbaut und am 8. September 1330 oon Kurfürst Erz- Eine Stunde von Rüdesheim landeinwärts liegt ■ bischof Balduin von Trier, damals auch Administra- wie in einem Paradies Kirche und Kloster Marien-! tor des Erzbistums Mainz, eingeweiht — wird aller- thal. Die Schttststellerin Adelheid von Stoltersoth,' dings bestritten — und zuerst von Weltpriestern, welche spätere Gräfin v. Zwierlein zu Geisenheim, schildert' ein gemeinsames Leben führten, v on1463 an von den . uns die Lage und den Zustand des idyllischen hl.' Brüdern vom gemeinsamen Leben, auch Fraterherren . „ . . , j Ottes vor siebzig Jahren: „Das von der klaren! und Kogelherren genannt, von 1558—1585 von den

^Sigmaringen), gehalten. Im nötigen Jahre konnte ; Klingelbach durchrmffchte Wiesental, durch welches sich 1 Augustinern und von 1612—1773 von den Jesuiten das fünfzigjährige Jubiläum der Wiedereröffnung der ; bet nur für Müllerwagen fahrbare Weg schlängelt,! bedient." Die Vertreibung der Jesuiten hatte, wie ge- Wallsahtt begangen werden. Dieser Umstand und die ' 11 ‘-1- ------<- c - • 1 ~ - - --- Z' J1"-----s— at—

Menge der alljährlichen wunderbaren Gebetserhörun-

das Geklapper einer Mühle unterbrochen, und im Frühling begleiten die Gesänge von Hundetten von Nachtigallen die Schritte des Wanderers bis ans Ziel feiner Wallsahtt, jene kleine, aber höchst malerische Ruine. Wo sich das Tälchen verengt, da erhebt sich diese von dem schmalen, fttschgrünen Wiesengrunde, ein ernstes Bild längst vorübergegangener Zeiten. Noch steht baS mtt seltsamen Figuren und gottschen Zier­raten geschmückte Portal und die vier Seitenwände der Kirche, aber ihr Dach ist der Hinrmel und ihre Wände sind bis auf einen Heiligenschrein und dem einst wundettätigen Marienbild jedes Schmuckes be­raubt. Aus dem Chor erhebt sich ein Lindenbaum, die?.............

wenigen Pilger beschattend, welche sich noch zuweilen | ter wurde für dasselbe an der Südseite der Kirche eine in füllet Andacht vor dem Bilde der Gottesmutter kleine Kapelle errichtet. Die Seelsorge besorgten zu- zum Gebet versammeln. An bem ehemaligen Altar : nächst einige W el t p t i e st e t, die nach der Regel des sind einige Gräber mit schwarzen Kreuzen, wo frühere! gottseligen Bartholomäus Holzhäuser ein gemeinsames Bewohner dieses einsamen Ottes so sanft und tief ~ ~ ruhen wie die Habsburger in ihrer stolzen Kaifer- grust"

Der Kurfürst von Mainz hatte, nachdem er vor­her die Jesuiten bertrieben, die alte Kirche nebst Klo­ster verwüstet und am 12. Januar 1774 dm Be­fehl erlassen, bie Kirche von Mattenthal nteber« zureißen und die Wallfahrt dahin ttnzustellm. Die Pfamckirche nahm den kostbaren Schatz des Rhein- gaues, das Gnadenbild, an sich. Der Limburger Diö- zefan-Schematismus von 1863 macht über den Wall-

atmet die tiefste Ruhe. Hier und da wird sie durch ' sagt, die Zerstörung der Kirche im Gefolge. Die Ver- s«a auMnhhPr oinor SHiüM» ' Wüstung am hl. Orte schildert oben Gräfin v. Zwier-