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JW 217. Fulda, Mittwoch den 22. September 1909. 36. Jahrgang.
Erstes Matt
reiherrn aufgreift und so tut, als fei damit der c^fuiten und Mtramontanen nur munter los! Es iewerS gelresert, daß die Konservativen den doch nichts über die Noblesse solcher antikatho«
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lischen Fanatiker.
holländischen Ministerpräsidenten Kuyper ge» wesen ist. Trotzdem deckt ein Rotterdamer Blatt diese Briefgeschichte jetzt wieder aus. Während die vorjährigen Enthüllungen sich gegen Dr. Kuyper richteten, scheinen die dies;ährigen Ent. hüllungen den Zweck zu haben, Deutschland und die Niederlande gegeneinander zu verhetzen zugunsten Englands. Der Trick ist aber zu plump, als daß er seinen Zweck erreichen könnte.
* Mit der Sparsamkeit soll, wie die „Köln. Ztg." behauptet, schon bei den vorbereitenden Arbeiten zum N e i ch s e t a t ein ganz tüchtiger Anfang gemacht worden sein. .Aus dem Stöhnen der verschiedenen Res- sorts kann man entnehmen, daß sämtliche Arten von Buntstiften in Tätigkeit gesetzt werden und daß das Reichsschahamt sehr energisch den Versuch macht, neue Ausgaben nach Möglichkeit zu verhindern und alte zu beschneiden . . . Alle Ressorts find davon betroffen worden, und wenn die Zahlen, die man nennt, richtig find, in sehr eingreifender Weise."
)( Der Sprachenparagraph des Vereins- gesetzes, der mit rücksichtsloser Schärfe auch gegen die Polen im Ruhrrevier angewandt wird, zeitigt Früchte, die die Regierung und die- jenigen, die das Gesetz gemacht haben, sich wohl nicht hätten träumen lassen. Weil man den Leuten das Sprechen verbietet, suchen sie einen anderen Ausweg, und den finden fie in der Presse. Die polnische Presse hat im Westen während des letzten Jahres eine riesige Wer. breitung gefunden, und jetzt ist wieder eine neue polnische Tageszeitung unter dem Titel ,Narodowiec' in der westfälischen Industriestadt Herne gegründet worden. Neben die Arbeit der Prefie treten dann die sogenannten „stummen Versammlungen", in denen Flugblätter verteilt und gelesen werden, eine Resolution auf die Tafel geschrieben und in e.net Abstimmung ohne Worte angenommen wird. Die Hakatisten haben sich mit dem grausamen Sprachenparagraphen gründlich verrechnet.
4- „Die Fahnenflucht aus dem konservativen Lager" ist in der liberalen Prefie eine ständige Rubrik geworden, worin getreulich ausgezeichnet wird, wo irgend welche Unzufriedenheit mit der Haltung der Konservativen bei der Reichssinanzreform zutage getreten fit. Heute werden zwei „besonders eklatante" Fälle mitgeteilt, der Austritt des bisherigen konservativen Generalsekretärs für Vorpommern Brehm aus der konservativen Partei und eine Resolution des Nemn Wahlvereins in Potsd am, die flch mit der Stellungnahme und Tätigkeit der konservativen Partei in der Reichsfinanzreform nicht einverstanden erklärt. — Wenn man das Wirken der liberalen Hetzpresse und bekannter mittelparteilicher Blätter, die bekanntermaßen in konservativen Kreisen einen zahlreichen Leserkreis besitzen, erwägt, und hinzunimmt, welche Bedeutung die der konservattven Polttik nicht eben günstig gewesene Haltung der Regierung für gouveme- mcntal gesimtte Kreise besitzt, so erscheint es nicht eben verwunderlich, daß sich für die konservative Pattei einige Schwiettgkeiten ergeben haben. Zu bemecken ist auch, daß der Potsdamer Reue Wahlverein mehr der freikonservattven als der deutschkonservativen Partei angehött. Die Konservativen können sich übrigens mit dem Schicksal ihrer liberalen Gegner trösten. Daß zwei führende Persönlichkeiten der Partei den Rücken gekehtt haben, wie dies den Rattonal- liberalen geschah, haben sie nicht zu beklagen gehabt.
(*) Wichtige Aenderungen in den Gehaits- bezügen der Lehrer an Seminar-Präparandeu- Anstaltm werden von einer Berliner Korrespondenz angekündigt. I« der Unterrichtskommisston des Landtages wurde die Absicht kundgegeben, eine Gleichstellung der Gehaltsbezüge dieser
bedenkliches Gesicht. Ihr Husten wurde immer stärker und der Auswurf desselben war mtt Blut untermischt.
Zu Neujahr hatte mein Stiefvater eine lange Un- terredung mit dem Arzte. Dann sagte er zu meiner Mutter:
»Ich muß aus einige Tage verreisen. Ich werde auch aus Schloß Oldensloe vorspreche« und die An- gelegenhett ins Reine bringen."
„Ich bitte Dich", flehte meine Mutter mtt lesser schwacher Stimme, „btt Angelegenheit ruhen zu las- sen. v ' ■ <■■■
„Du bist eine Törin", fuhr er auf. „Mit Deinem Tode erlischt die Rente und dann ist Dein Sohn auf die lumpigen zweihundert Taler angewiesen, deren Zahlung mtt feinem fünfimdzwanzigsten Jahre ebenfalls aufhört. Nach meinem Plane bleibt Dir und nach Deinem Tode ihm die ganze Rente erhalten."
„Ab« die gmye unglückselige Geschichte muß noch einmal aufgerollt werd«. Dar ist nicht edel gehandelt nachdem die gräflich« Familie so großmütig au uns gehandelt hat."
„Edel — großmütig?!' lachte mein Sttefvat«, „das find Begriffe, die bet einem Geschäft nicht gelten. Wir könnte» »och viel mehr herausschlagen, wenn ich handeln könnte, wie ich will. Aber Du bist ja nicht dazu zu bewegen."
„Nein, ich will eS imfet keinen Umständen."
„Run, so laß mich wenigsten» diese« Geschäft abmachen."
„In Gotte» »am«, wenn Da glaubst, daß es zum Best« meines SohneS ist."
Erschöpft fimk st« tu di« Kissen zurück. Mein Sttefvat« reiste aber noch an demselben Tage fort.
Ich wollte meine Mutt« fragen, welcher Art das Geschäft sei, da» zu meinen Gunsten gemacht werd« sollt«. Ich war ja fast neunzehn Jahre und besaß doch schon Verständnis genug, um die Geschäfte meine- DttefvaterS berrttttlen zu können. Ab« meine Mutter wurde so schwach und geriet in solche Aufregung, glich davon anftng, daß ich eS nicht wagte, darauf zu
„Was verstehst Du von Geschäften! Ab« ich bin jetzt müde und will mich schlaf« legen. Morgen fpr« chen wir mehr von der Sache. Gute Rächt!"
Er schwankte hinaus, ohne mich bem«kt zu habe«. Ich eckte auf meine Mutt« zu.
„Mutter, was war das für ein Geschäft?" fragt« ich hastig, „welches der Stiefvat« mit der Gräfin Oldensloe abgeschlossen?"
„Ach, lieber Sohn, ich kann es Dir nicht erklären! Jetzt nicht — quäle mich nicht damit, ich bitte Dich ... ich bin so matt, so müde ... Du kannst ja Dein« Stieftat« fragen."
Ein Hustmmrfall erschüttette ihre Brust und einige Blutstropfen traten ihr auf die Lippen. Erschreckt hob ich sie empor und flößte ihr von d« Medizin ein. Der Anfall gmg vorüb«, ab« zn Tode erschuft lag sie in den Kiffen, ich konnte sie um nichts mehr fragen.
Bon diesem Tage an ging es rasch mtt ihr W End«. Ls waren fürchterliche Wochen für mich, Einerseits muhte ich meine ganze Arbettskrast zusammennehmen, um in dem Examen gut zu bestehen, andererseits drohte jeder Tag, mir meine arme Mutter zu nehmen
Die letzte Freude, welch« ich ihr bereit« konnte, war die Nachttcht, daß ich da- Examen mit „ausgezeichnet" bestanden hatte. Ueb« ihr blaffe-, eingefallen«» Gesicht glitt ein freudiger Schimmer, fie fegte dir magere, fiebecheiße Hand auf mein Haupt und»
voll anfahen und di« daun durch folche Stellung auch zu einer abfällig« Beurteilung der Haltung Bülows in den Novembertagen bewegen worden find.
Nun ist ja alle- „llärlich erwiesen". „Katholiken", „Ultamontane", Zentrumsfreunde in fürstlich« Kreisen stecken dahinter; sie tottben auch dm Konservativ« eingeflüstert haben, daß der Kaffer ben Sturz Bülows wünsche. Was brauchen wir weiter Zeugnis? Wmn gewisse Leute das Wort „Katholiken" und „Ultramontane" nur hören, so wird ihnen aus einmal alle- klar. Unbegreiflich nur, sagt dazu die„Germania', daß d« „Gewährsmann" des Hamwvaschen Courters, d« so auf ben „Urquell" des ganzen Vorstoßes hiuweist, hinzufügt: „Die seelischen Vorgänge im einzelnen werden sich ja da kaum festftellrn lass«." Indes redet er ja bloS von den „seelischen" Vorgängen, und der glaubenSeisrige Les« rottb es garnicht merken, daß et von den Vorgängen überhaupt nichts weiß, sondern a wird sich durch die gleich folgende Behomptung imponieren lassen, nirgends anders als im Zentrum oder „Ultramoutanismus" sei die furchtbare Jutrigue geführt worden, und die Konservativen hättm sich mißbrauchen lassen. Wie gesagt, das Wort „Ultramontanismus" ersetzt alle Beweise.
Dem braven Reichs bot« hat die Erzählung des ,Hann. Cour.' über „ultramontane" Intrigen gegen den Fürsten Bülow offmbar sehr behagt. Er schreibt dazu:
Wem» der Harm. Eour/ dazu bemerkt: „Hier haben sich die Konservativ en als Helfer mißbrauche« lasse»" — so tut er denselben damit unrecht; denn fie hatten bei ihrem Zusammengehen mit dem Zentrum lediglich die Absicht, die Finanzreform zustande zu bringen, nachdem die Liberalen versagt bart«; die Absicht den Fürsten Bülow zu stürz«, lag ihn« fern, wie Herr v. Heydebrand versichert hat. Von dem hier behaupteten lesuitijchen Intrigenspiel haben sie offmbar keine Ahnung gehabt.
^Fürsten Bülow hätten stürzen weiten in der liebet» »eugung, damit einen Wunsch des Kaisers zu 'erfüll«. kraucht nur recht keck im Behaupten t»u sein; w..u. es den Liberalen in dm Kram paßt, jso ist es auch bewiesen.
Im Hann. Cour.', der schon vor einigen Wochen in dunklen Andeutungen so etwa? hatte durchblickm klaffen, als ob die Konservativen geglaubt hätten, (einem höheren" mit dem Sturze des Fürsten Bülow 'einen Gefall« zu tun, bestätigt jetzt die neueren Mitteilungen oes Adg. v. Zedlitz, bemertt ab«, die volle .Lösung des Rätsels werde erst die Zukunft bringen. Daun redet das Blatt von Namen, die bekannt werd« würden, nennt aber fürsichtlich selbst keine. 'Nun muß man die „DiSkretton" der liberalen Presse kennen, um das vollauf zu würdig«. Wird es jemand glauben, daß fie, wenn es gilt, einem verhaßt« Gegner zu schad«, nicht alsbald mit ihrer ganz« Wfffenschaft herausplatzen würde? Die Erfahrung weiß nichts von zartfühlender liberaler Verschwiegenheit in solchem Falle. Um indes die Reugier und Sensationslust nicht ganz uudefriedigt zu taffen, «zählt der „gelegentliche Mttarbetter" des ,Hann. Cour.':
'Ar weifte Frau mu Mnsloe.
,10] Original-Roman von D. Elfter.
Meinen Stiefvater sah ich selten. Bon Anfang <ton hatte ich eine Antipathie gegm ihn gefühlt, welche sfiach und nach zu einem förmlichen Haß heranwuchs. Seit sein« Verhettatrmg mtt meiner Mutter hatte « 'mich schlecht, entweder grob oder spöttisch, behandelt. .Er hatte sogar versucht, mich zu schlag«, und als ich mich dagegen auflehnte, well ich mich schuldlos wußte, geriet er in furchtbaren Zorn und beschimpfte mich auf- gröblichste. Meine Mutter bat ihn, sich zu mäßigen, 'aber er beschimpfte auch sie, und meine Mutter sah zu spät ein, daß sie fich in dem Chanckter ihres jetzig« Motten vollständig geirrt hatte.
Seine Zärtlichkeit fa der elften Zeit ihrer Ehe mar Aue widerliche. Bald war ihm seine Frau auch über« jbrüffig; er wandte sich wieder den Vergnügung« aufier bem Hause zu, saß mtt fein« Zechkumpanen -bi» in di« Nacht hinein in dm Gasthäusern, die nicht die allerfeinsten waren und kam ost schwer betrunken -nach Hause, in welchem Zustand er skan datierte und seine arme Frau peinigte. Auch über die ost recht zweifelhaft« Geschäfte, welche er machte, mürbe meine -Wnttter setzt unterrichtet, und sie lebte in ein« fortwährenden Angst vor einer Katastrophe.
Mein Stiefvater verlachte und verhöhnte fie. Ein MdereS Mal wurde er grob und schimpfte wie ein Ktraßenkehrer. Und noch ein anber« Punkt ber i^r^^verschiedenheit bestand zwischen ihn«, dm k r verstehen lernte. Er Betraf, tote ich aber "Lue au8 gelegentlich« Andeutung« erfuhr, welche mein« Mutter und mir von d« G1 Äwen Familie ausgesetzt war.
. «u- alledem konnte ich wohl entnehmen, daß meine il in ihr« Ehst tief unglücklich geworden war, haßte jetzt meinen Stiefvater und Vormund «u^Sanzer Seele.
Weihnachten vor dem Zeitpunkt meine- Abi- wnmtenexcnnens wurde meine Mutter ernstlich krank. &te Mßte daS Bett hüten und der Arzt mochte ein
X Hinter den Kulissen.
, Der freikonservatwe Abg. Frhr. v. Zedlitz veröffentlicht im ,Tag' ein« Artikel, worin er „Ent- 'Büßungen' über die Vorgänge hinter ben Kulifi« hei der Reichsfinanzreform machte. Er «zählle:
, Auf eine Verständigung zwischen Konservativen und Zentrum über Me Reichsfinanzreform ist h ingewirkt worden, indem man führenden Mitglie- ’bern beider Parteien die Ueberzengung beiznbring« gesucht hat, daß Fürst Bülow infolge der Rovemba- ereiguisse das Vertrauen des Kaisers un» 'wiederbringlich verloren habe und eS dessen Wünschen entsprechen würde, wenn ber Reichskanzler über die Reichsfinanzreform stürze. Das lann kaum noch bezweifelt werden.
Acht Tage warm verflossen. Ich saß am Abmb neben dem Bett meiner Mutter und las ihr vor, als heftig an ber Korridortür geklingelt wurde. Das Dienstmädchen öffnete, mein Stiefvater war zurückgekehrt, entledigte sich feines Mantels und kam mit schweren Schickt« auf das Schlafzimmer meiner Mutter zu. Ich wollte mich in mein Schlafzimmer zurückziehen, aber meine Mutter bat mich zitternd, zu bleiben, sie merkte an ben unsicheren Schritten meines Äiefvaters, in welchem Zustande er sich befand.
Rücksichtslos die Tür öffnmd und fie wieder zu- werfmd, ttat er ein. Sein Gesicht war vom Wein gerötet, seine Augen verglast, seine Stimme lallte und sein Lachen klang roh und prahlerisch.
„Gut, baß Du noch wach bist, Mma", lallte er, ohne mich zu bemerk«, ber ich mich in eine Ecke des Zimmers zurückgezog« hatte. „Ich bin heute mittag schon zurückgekehrt, habe ab« im „Weiß« Roß" einige Freunde getroffen, mit denen ich bas gute Geschäft gefeiert habe, das ich in Oldensloe abgeschlossen habe."
„So warst Du bei der Frau Gräfin?"
„Ja", lachte mein Sttefvat«. „Die Alle sträubte fich zuerst etwa-, als ich ihr ab« schärfer auf ben Leib rückte und einen hübsch« Prozeß In Aussicht stellte, da gab fie klein Bei und rückte die Papiere heraus — d. h. sie stellte mir elneAnweisung auf ihren Bankt« au» und ich habe fchon die 20 000 Taler tn gut« öprozentig« Papier« «hob«. Da- macht pro Jahr 800 Tal« Rente für Dich und 200 Taler Rente für Dein« Schlingel von Sohn. Jetzt seid Ihr für Euer ganzes LeBen gesichert."
„Ach, ich werde die R«te nicht lange mehr brauchen."
„Dummes Z«gl Wenn bet Frühling kommt, wirft Du wieder gesund werd«. Ich w«de da- Geld sich« auf Dein« Namm anleg«, Du kannst Dich darüber beruhigen, und Dein Sohu wird e- mir »sch einmal banlen, daß ich so enerAsch für ihn eingetreten Bin.*
„9hm, ich danke Dir auch, Kaxl. ab« »Stig war
a wohl nicht. . f
Die November-Ereignisse wirken in ein« der Position Bülows ungünstig en Weife fort. D« Gedanke, daß er fein« Schild nicht «ergisch genug vor ben Kaiser gehalten habe, roerbe in den höfischen Sphären immer von neuem behandelt, und zwar am wirksamst« gerade dem Kaiser gegenüber von einig« katholische n Fürstlichkeiten, gegenwärtig oder zukünftig regierend« Herren, den« der Kamps Bülows gegen das Zentrum teils unbequem, teil- unsympathisch war, die dies« Kampf auch wohl, fei es ans Eigenem [Ob« infolge ein« geschickt« Suggerierung als unheil-
Sohn. Jetzt kann ich ruhig sterb«, ich weiß, baß Dn Deinen Weg schon machen wirst. Du bist fleißig nab Brav unb mein Segen wirb Dich stets Begleiten."
Ich küßte weinend die Hand meiner MM« unb Bat fie, nicht vom SterBm zu sprech«. Dabei wollte mir ab« selbst da» Herz vor Leid ueb Kummer fich brech», denn ich wußte wohl, daß d« Tod schon za Häupten des Lagers mein« atm« Mutter stand.
„Wo» willst Du den« ftubieren, mein Beb« Junge?" fragte die Kranke. „Ich denke, Da wirst, tote Dein Onkel — Lei» Sttefvat« wollte ich fegen, Jurist werden."
Gorisetzustü folgt.)
Lehrer mit denen an den königlichen Anstalten wenigstens für die d ersten Dienstjahre herbei» zusühren. Diese Absicht wird nunmehr verwirklicht woben. AuS dem zu diesem Zweck durch den StaatshaushaltSetat zur Verfügung geftellteu Fonds von 50000 M. werden die betreffende« Lehr« jetzt für das Jahr 1909 die Aufbesserung« nachgezahlt «halten. Außerdem ist durch einen soeben ergangenen Erlaß des Kultur« Ministeriums verschtedenen Petitionen d« beteiligten Kresse und wiederholten Wünschen des Landtage- Rechnung getragen worden, in ben« verfügt ist, daß die Dienstjahre als Präparanden« und Seminar-Hilfslehrer auch den vor dem L April 1908 angestellten Senrinarlehreru auf daS 93e* soldungSdienstalter in Anrechnung gebracht werden,
4* Eigenartige Mittel werden von liberale« Blättern imKampfe gegen da« Zentrum ob« gewandt, vielleicht weil mau beff«e nicht mehr hat. Nm das Zentrum und seine Politik in Mißkredit zu bringen, kolportiert man angebliche Aenßerungen von Zentrums-Abgeordnete^ denen dann das Mißgeschick passiert, daß sie als un« wahr bezeichnet werden müssen. So war eS mit ein« angeblichen Aeußerung des Abg. Irl, dem sälschlich nachgesagt war, eS sei bedauerlich, daß Bayern sich dem deutschen Reiche angeschlossen habe, so ist es auch mit ein« angeblichen Aeußv« rung deS würtlemb«gischen Landtags-Abgeordn. Andre. D« Stuttgart« .Beobachter" erzählte. Andre habe im Prioatgespräche offen zu gegeben: die ErbfchaftS-Steuer müßte ganj einfach fallen. Für uns (also für das Zentrum) war die Sache eine Kraftprob e. Mit der Ablehnung der Erb» schasts • Steuer mußten wir unsere Macht zum Ausdruck bringen. Herr Andre «klärt im,Deut«, scheu VolkSbl.', daß die ganze Leistung des ,Beob.', eine unwahre Geschichte sei. — Man darf wohl fragen: „Wie kommen die lib«alen Blätt« zu diesen Schwindel-Nachrichten? Etwas mehr Vorsicht oder Gewiflenhaftigkeit währe ihnen dringend zu empfehl«."
** Ter Fall Schücking. Das Oberoerwal» tungsgericht verhandette gestern über die Beschwerde des früheren Bürgermeisters von Husum, des jetzigen Rechtsanwalts in Dortmund, Dr. Schücking, üb« ben vom Oberpräfidenten von Schleswig-Holstein ihm erteilten Verweis. ES wurde auf Antrag d« Verteidigung beschlossen, die Sache auszusetzen bis nach der Entscheidung des Disziplinarverfahrens, üb« das gestern eben« falls unter Ausschluß der Oeffenllichkeit vor dem Oberverwaltungsgericht verhandelt, aber noch nicht entschied« wurde.
X Eine Richtbrftätigmrg in der Ostmark. Unt« dies« Ueberschrift bringt die .Täglich« Rundschau', das Hetzorgan des Evangelischen Bundes, folgende Zuschrift auS Schwetz a. W.r
„Dem auf fernere 12 Jahre mit einer Stimm« Majorität wiedergewähtten Bürgermeister Geißler ist vom Regirrungspräfidentm in Marienwerd« die Bestätigung versagt worden. Bekannttich ist Herr Geifiter, wie er selbst öffentlich zugegeben hatte, mit Unterstützung des dortig« polnische» Pfarradministrators Cakrys gewählt worden. Es ist erfreulich und befriedigt hi« allgemein, daß die Regierung in diesem Falle zugunsten des Deutschtum» dmchgegrfffen hat."
Kommentar überflüssig k
X Wieder eine Absage hat d« Hansa» 6unb und zwar diesmal vom Verein Deutscher Ingenieure, an den er sich mit heißem Liebes» werb« h«angemacht hatte, erhalten. D« Verein
Deutsches Reich.
* Nach Schluß der sächsischen Manöver und herzlich« Bnabschiedung vorn König begab sich der Kaiser gestern im Automobil nach Freiburg, von wo « mn 11 Uhr 30 Min. nach Rominten zum Jagdausenthalt abreiste. Die Ankunft dort «folgte heute früh. Unt«wegs traf der Kais«l. Soul>«zug mit bem ber Kaiserin zusammen.
----- Holländische „Kaiserenthüüungen". Im November vorigen Jahres hatte das holländische Blatt ,$abetianb' einen Brief veröffentlicht, den Kais« Wilhelm im Wnter 1903/1904 während des russisch-japanischen Krieges an die Königin Wikhelmina geschrieben haben soll. Der Kaiser soll gedwht haben, Holland besetzen zu wollen, falls die Nnderlande nicht Verteidi- guugsmaßregel» gegen eine damals befürchtete englische Blokade niederländischer Häfen ergriffe. Diese „Enthüllung" fiel in die Zeit des Daily- Telegraph-Jnlervtews und ähnlicher Affären, unb hat nicht wenig Staub aufgewirbeft. Es wurde allerdings bald festgestellt, daß sich diese Brtefgeschichte wesentlich anders — in günstigerem Sinne für Deuffchland — und erst im Jahre 1906 abgespielt hat, unb daß die entstellte Veröffentlichung eine Jutrigue gegen den früheren
Offenbar, bemalt dazu die ,®erm.', will das biedere Pastorenblatt sagen: mit dem jesuitischen Intrigenspiel wird es wohl seine Richtigkeit hab«, ab« unsere Konservativ« sind ganz unschuldig daran; man haue also auf diese niederträchtigen
Herr v. Zedlitz führt dann des näher« aus, daß hint« den Kulissen eine ganz systematische Minierarbeit stattgefundeu habe, die von ein« Gruppe ausgegang« sei, die man weder als „Hof- Tlique* noch als „Kamarilla" bezeichnen könne.
„Die Bedenk« — so heißt es in dem Artikel — Ilche die Konservativen, so wenig viel« von ihn«
Wirklichkeit am Block lag, trug«, dies« zu engen, mufiten leichter überwunden werden, roeim : Sturz seine- Schöpfers ohnehin in Aussicht stand, : Bekämpfung der Regierungspolitik ihnen beträchtlich eichtert werden, wen« sie sicher zu sein glaubten, es Durch mit dem Kaiser nicht zu verderb«. Die Toga i parlamentarischen OppositionsinauneS mtt gut fetlichem Futter ist em Gewand nach dem Her,« mches von ihn«. Das Zentrum aber konnte nem Haffe gegen den Fürsten Bülow und ben Block bedenklich die Zügel schießen laffen, wmn es von ; Besorgnis befreit war, dadurch bet dem Kaiser . zustoßen unb sich so um die Wiederarrerkermung als Regierungsfähige Partei zu bringen."
Irgendwelche Beweise für diese phantastischen Geschichten bringt Har von Zedlitz nicht bei. Er Hütet sich sogar sorgsältig. auch nur einen einzigen Namen zu nennen. Das hindat ab« nicht, daß bie liberale Presse die „romantische Erzählung" des