erscheint täglich mit Amnahme der So.m- «sd Feiertage-viertel- jätzrlich«Ver»-5pr«ir ohne vringerlohn und veßelgeldinFuldasb' wie aurwärtrl^oM.
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3S«"S«. woch-nbettaze:„Illustrierte Zonntagrzeitung" Msnatsbellagc „Fuldaer GeschichteblAter"
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tigen, die alle Städte gleichmäßig angehen, vor allem z. 8., um nur Eins zu nennen, mit Festsetzung eines einheitlichen Vehaltsregulativs für die städtischen Beamten, Bediensteten und Arbeiter.
Hierhin gehört auch das Kapitel von den Kongressen, die fich manche festgebende Stadt viel Geld kosten läßt. Auf dem Münchener Städtetag führte Herr Oberbürgermeister Borscht von München aus, daß die Begrüßung der Kongreffe durch die Städte einmal auf den Städtetagen ernstlich besprochen werden müfle. Gemeint waren selbstredend die Un- ko st r n, die dem Stadtsäckel hierdurch erwachsen. Vielleicht gehen die Städte bei ihren eigenen Tagungen einmal mit gutem Beispiel voran und überlassen es ihren Vertretern, ganz nach Belieben auf eigene Kosten, d. h. durch Inanspruchnahme ihrer Diäten, sich selbst zu bewirten. Daß dann auch die verschiedenen Vereinigungen dazu übergehen, von den Städten, in denen fie ihre Kongresse abhalten wollen, fernerhin keine Mittel zur Begrüßung und Bewirtung der Kongreßbesuchec zu beanspnichen, daran ist nicht zu denken, so lange einzelne Städte das Bestteben haben, möglichst viel« Kongresse in ihren Mauem zu beherbergen. Das wird erst aufhören, wenn die Städte auf bestimmte Richtlinien sich geeinigt haben und an dieselben sich gebunden erachten.
Deutsches Reich.
♦ Berlin, 16. Sept. 1909.Der Reichskanzler wird an diesem Freitag nach München abreisen, woselbst er Gast des königlichen Hofes sein wird. Sonntag abend wird er in 38 i e n zum Besuch des österreichischen Monarchen eintreffen. — Die deutsche Küstenbefestigung erfährt durch die neuen ftrti- fikatorischen Anlagen auf der Insel Borkum, die im Sommer sehr gefördert werden konnten, eine wesentliche Ausgestaltung. Borkum ist von höchster Bedeutung für die Emsmündung mit dem Ems-Jadekanal.
* Staatssekretär Dernburg ist, wie der ,Deutsch. Tagesztg.' mitgeteilt wird, nicht nur einmal, sondern zweimal beim Reichskanzler in Hohenfinow gewesen. Das eine Mal soll es sich um einen etwas seltsamen Brief gehandelt haben, den Herr Dernburg an eine Eisenbahn- firma geschrieben hat, das andere Mal um die Verstaatlichung der Otavibahn, gegen die das Reichsschatzamt den entschiedensten Widerspruch eingelegt haben soll.
t- Die liberale ,Tägl. Rundschau'. Die ,Tägl. Rundschau' gibt den Deutschsozialen den Rat, im Wahlkreise Eisena ch-Dermb ach aus eine eigene Kandidatur zu verzichten und sich mit dem „gesamten Bürgertume" auf einen liberalen Kandidaten zu einigen. Als em solcher gemeinsamer liberaler Kandidat wird ein bekannter jungliberaler Führer genannt. Diese Stellungnahme des genannten Blattes findet die .Deutsche Tagesztg.' mit Recht interessant. Sie schreibt:
Es gibt immer noch viele Leute, die in der ,Tägl. Rundschau' ein gemäßigt konservatives oder doch rechtsstehendes milteiparteiliches Blatt sehen zu dürfen meinen. Tatsächlich hat sich aber die ,Tägl. Rundschau' in den letzten Jahren und insbesondere in den Kämpfen um die Reichsfinanzreform immer weiter nach links hin entwickelt. Diese Entwickelung nach links hin wird durch die Empfehlung einer liberalen Kandidatur in Essenach-Dermbach wiederum so deutlich bekundet, daß nunmehr ein Zweifel daran nicht mehr möglich ist."
Es ist hinzuzusügen, daß auch die Haltung der ,Täglichen Rundschau' in kirchenpolitischen Fragen, die ihr den Beinamen eines freiwilligen Organs des Evangelischen Bundes verschafft hat, vollständig der von den Liberalen insbesondere Naüvnalliberalen geübten Praxis entspricht.
+ In dem Wahlergebnis von Koblenz- St. Goar erblickt der „Vorwärts" eine Antwort auf „die vom blau - schwarzen Block verübte schamlose Steuerausplünderung." Dieses Urteil dürfte doch etwas gewagt sein. Wenn die Zentrumswähler eine solche Antwort hätten geben wollen, so hätten sie doch ihre Stimmen dem Gegenkandidaten geben müssen. Die Sozialdemokratie aber brachte es trotz intensivster Agitation und trotz liberaler Unterstützung nur auf ein Mehr von 672 Stimmen. Das bedeutet, daß die Zentrumswähler nicht wie die Liberalen in anderen Wahlkreisen in daS gegnerische Lager abgeschwenkt sind. Wenn die Slimmenzahl des Zentrums erheblich geringer ist gegenüber 1907, so dürfte dies in der Hauptsache darauf zurück- zusühren sein, daß viele Wähler bei dem Fehlen eines ernsthaften Gegenkandidaten es nicht für nötig gehalten haben, zur Wahlurne zu schretten, ein Verhallen übrigens, das Mißbill gung verdient.
(*) Um den Eingeborenen Samoas ihren Grund und Boden zur Bearbeitung für sich und ihre Nachkommen zu erhalten, hat der Gouverneur von Samoa das Versügungsrecht der Samoaner über ihre Ländereien eingeschränkt und den Uebergang samoanischen Landes an Nichteingeborene — mit einigen Ausnahmen — verboten.
* Aus Oberhessen, 16. Sept. 1909. In verschiedenen oberhessischen Gemeinden, in denen sozialdemokratische Beigeordnete gewählt, aber von der Regierung nicht bestätigt worden waren, haben in der vergangenen Woche Neuwahlen stattgesunden. Während in Vilbel der auch von den Linksliberalen unterstützte sozialdemokratische Kandidat gegen den bündlerischen Kandidaten unterlag, wurde in Rödgen bei Bad Nauheim der Sozialdemokrat Stock wiedergewählt. Bei der Bürgermeisterwahl in Butzbach wurde der Landtags - Abg. Joutz, der von den Sozialdemokraten unterstützt wurde, mit 247 gegen 212 Stimmen, die auf den bisherigen Bürgermeister Küchel fielen, gewählt.
(*) Weimar, 16. Sept. 1909. Den bevorstehenden L an d ta gs w ahle n in Sachsen-Weimar wird diesmal anscheinend ein besonders heftiger Wahlkampf vorausgehen. Es wird das erstemal sein, daß nach dem neuen Wahlgesetz gewählt wird. Wahlmänner gibt es nicht mehr, die Wähler treten wie bei der Reichstagswahl direkt an die Urne, wodurch natürlich das Interesse der breitesten Volksschichten für den Akt selbst wie die Sache ungleich lebhafter ist als früher. Tatsächlich haben benn auch die Liberalen, die Konservativen (beziehungsweise Mittelständler, Antisemiten und Vündler) und Sozialdemokraten — in allen Wahlbezirken eigene Kandidaturen aufgestellt. Daß die Sozialdemokraten eines oder vielleicht auch mehrere Dlandate aus der Wahlschlacht nach Hause tragen werden, ist wahrscheinlich.
* Essen, 16. Sept. 1909. lieber eine Essener Zentrumsversammlung, in der die Sozialdemokraten Gaflrecht und freie Diskussion unter bestimmten Bedingungen genossen, bringt der /Vorwärts' einen vollständig entstellten Bericht, demzufolge in der Versammlung „mit dem Zentrum" „abgerechnet" worden sei.
Das Kunststück, die Debatte auf das religiöse Gebiet zn lenken, schlug natürlich fehl und von unfern Rednern Limberts, Weyers und Becker wurde die Verrätertaktik des Zenirrms im Reichstage und Landtage unter stürm schem Beifall gebührend gebrandmarkt. Wir glaub: n nicht, daß sich Giesberls nach einer weiteren derartigen Versammlung sehnen wird.
Just umgekehrt war die Geschichte: Abg. GiesbertS setzte die sozialdemokratischen Redner glänzend aufs Trockene. Die Art und Weise wie die sozialdemokratische Presse den Versammlungsbericht frisiert, beweist übrigens wieder die Unfruchtbarkeit derartiger Rededuelle.
(*) Karlsruhe, 16. Sept. 1909. Eines der ältesten liberalen Blätter in Baden, der .Hegauer Erzähler', wird nun Zentrums- otgan; als liberales Blatt konnte es sich nicht mehr halten und ■ wurde deshalb an ein Konsortium verkauft, das aus Zentrumsleuten besteht. Auch ein Beweis des „Aufschwunges" der badischen Liberalen!
4- Zum Thema der freisinnigen Steuerhetze.
Nach Deutschland und England ist nun auch In Frankreich eine Steuerreform notwendig geworden und zwar ist ein Frhlbettag von rund 200 Mill. Franks zu decken. Die „Voss. Ztg." schildert (Nr. 431) die Vorschläge, die der französische Minister zur Deckung dieses Fehlbetrages macht. Das Blatt schreibt wörtlich:
«Die Deckung des Fehlbetrages erwartet er (der Minister) von Abgaben, die so erdacht und berechnet sind, daß sie von der großen Menge der Steuerzahler möglichst wenig peinlich gefühlt werden. Der Tabak muß 65 Millionen mehr liefern. Der Preis der Päckchen, die der Raucher gewohnt ist, in den Tabaksladen um 50 Centimes zu kaufen, wird nicht erhöht; nur ihr Gewicht wird vermindert. So blutet der Raucher stärker, ohne daß es ihm weh tut, fast ohne daß er es mertt. Der Alkohol soll 24 Millionen Mehrertrag dringen. Dem gesundheitsschädlichen und zur Ernährung unnötigen Getränk gegenüber braucht der Fiskus sich keinen Zwang anzutun. Bon den Etiketten, die aus den Weinflaschen die Herkunft des edlen Nasses staatlich verbürgen — diese Neuerung haben bekanntlich die Winzer und Weinhändler der Gironde angeregt — erwarte! der Finanzminister 38 Millionen. Andere Steuern, die auf Automobile, Benzin für Kraftwagen, Bergwerke, Schankgewerbekonzesfionen gelegt werden, treffen entweder reiche Leute in ihren Luxusbedürfnissen ober wenig mleressante Gewerbe."
Unter den weiteren Vorschlägen wird bann noch die Erhöhung der Nachlaßsteuer erwähnt. Interessant sind die Zugeständnisse, die das freisinnige Blatt hinsichtlich der indirekten Steuern macht. ES erkennt an, „daß sie von der großen Menge der Steuerzahler möglichst wenig peinlich g esühlt werden". Von den Steuern, die auf Automobile, Benzin für Kraftwagen, Bergwecke, Schankgewerbekonzessio- nen gelegt werden sollen, wird gesagt, daß ste entweder reiche Leute in ihren Luxusbedürfnissen oder wenig interessante Gewerbe treffen. Zum Schluffe werden die Steuervorschläge des französischen Ministers sehr gelobt:
„Herr Cochery kann mit der Aufnahme seiner Pläne keilens der öffentlichen Meinung zufrieden fein. . . . Die Aussicht, 200 Millionen mehr zu bezahlen, macht keinem Volke Freude; man sieht jedoch ein, daß Herrn Cocherys Vorschläge die besten sind, die unter den gegebenen Verhältnissen gemacht werben können."
Mr waren ganz überrascht, als wir in der „Voss. Ztg." diese Ausführungen lasen. Dasselbe Blatt, das bislang mit größtem Eiser die Hetze gegen die neuen Verbrauchssteuern mitgemacht hat, ein Blatt der Pnckei, die im deutschen Reiche stets de« entschiedensten Widerstand gegen Automobilsteuern und Bergwecksabgaben geleistet hat, lobt ganz offen diese Steuern und rechtfertigt die Einführung neuer Verbrauchssteuern Freilich, fie sollen in Frankreich eingefühtt werden, und deshalb darf das frei» sinnige Blatt ein sachliches Urteil wagen. Für die Verhältnisse im eigenen Lande darf das Blatt kein Verständnis haben; da schimpft es noch in der gleichen Nummer über die „öde Gesetzmacherei des schwarzen Blocks, mit der einseitigen Belastung der ärmeren Bevölkerung und des gewerblichen Mittelstandes."
M 213. Fulda, Freitag den 17. September 1909. 36. Jahrgang.
X Städtetage, ihr Wert Uttd ihre Kosten.
Die Etats der Städte wachsen fockgesetzt und die Steuersätze klettern mit affenartiger Geschwindigkeit Oie Prozentenleiter herauf. Händeringend sehens die Steuerzahler, achselzuckend die Stadtverwaltungen. Da jinb alle Erörterungen von Interesse, die auf eine Eindämmung der den Städten erwachsenden Kosten hiuzielen. Wir geben dämm folgende Betrachtung wieder, die im „Bert. Tageblatt" ein Bürgermeister 0. D. veröffentlicht:
Die Schöneberger Stadtverordneten hatten ein wenig schmeichelhaftes Urteil über die Bedeutung des Stäbtetaaes gefällt, die weiter nichts sein sollen, als „Zusammenkünfte, um gut zu frühstücken und angenehme Konzertmusik zu hören". Liegt in diesem Urteil auch ein wenig Uebertreibuug, so kann man doch im allgemeinen sagen, daß es richtig ist. Man muß solche Skädtekage mikerlebt haben, um zu einem ähnlichen Urteil zu gelangen. Gewiß wird an zwei Vor- fnittagen mehrere Stunden gearbeitet, und manche Anregung davon geht mit heim in die Provinz. Aber daß man dem Vergnügungsteil, zumeist auf Kosten der Städte, etne große Ausdehnung gibt, daran ist schon vielseitig Anstoß genommen worden. Wie es nicht fein soll, belehrt uns das Programm des nächsten Brandenburger Städtetages, der am 27. September in Rixdorf abgehallen werden soll. Ueblich waren bisher Wagenfahrten auf Kosten der Städte; Rixdorf schließt sich davon nicht aus, aber es gibt außerdem auf Kosten der Stadt noch ein Frühstück in der Neuen Welt, eine Dampferfahrt und Kaffee im Gasthof zur Machnower Schleuse. Alles das kostet der „Feststabt", die sich natürlich nicht lumpen lassen kann, viel Geld, das die beneidenswerten Steuerzahler aufbringen müssen. Eine Stadt sucht immer die andere in kostspieligen Veranstaltungen zu Übertreffen, so daß mancher Bürgermeister den Stävtelag nur deshalb Nicht nach seiner Stadt einladet, weil ihm der Spaß zu teuer wirb. Daß es oft genug für jede Provinz mehrere Skädtekage gibt, durfte bekannt fein. Wer die Zahl der Provinzen kennt, weiß auch, wie oft getagt mird. Alle diese Vertreter aus den Orten über 25 000 Einwohnern kommen dann noch einmal zum Deutschen Städketag zusammen. Da der Bürgermeister meist nicht allem kommt, sondern noch den Siadtverordneten- vorsteher und mehrere Stadtverordnete „mitbringt", kann man die Höhe der Reisekosten leicht berechnen. Gebucht werden diese Kosten unter Repräsentationen. Und der erzielte Erfolg? Wie die Zeitschrift ,Der Stadtverordnete' nachweist, haben die Städtetage im Kampfe um die Verteidigung der Gemeindeautonomie so gut wie versagt! Sie sind, wie ansgefnhrt wird, zu Diskussionsstellen sür die Entwickelung der Berw al tun g stechnik herabgesunken.
Es kann nicht schaden, wenn auch auf diese Munde Stelle im gemeindlichen Leben einmal hingewiesen wird. Wir die „Augsb Postztg." (Nr. 206) betont, ist es auch in Bayern nicht viel besser, habe doch der Gemeindebevollmächtigte Stolz in Augsburg, der auch einmal das „Vergnügen" hatte, eine solche Tagung mitzumachen, öffentlich im Gemeindekollegium er- kläck, er habe sich geschämt über die Art und Weise, wie bei dieser Gelegenheit gearbeitet wurde. Das genannte Zentrumsblatt beklagt die Großmannssucht, die zu gegenseitiger Ueberbietung führe; gegen ein gemütliches Zusammensein nach getaner Arbeit sei nichts einzuwenden, aber städtischeMittel sollten dafür überhaupt nicht in Anspruch genommen werden, sondern jeder Teilnehmer sollte seinen Teil aus seiner Tasche bezahlen; dann Hütten die grotz- attlgen Veranstaltungen bald ganz auf. Weiter wird bemerkt:
Zum Zweiten scheint uns die Organisation des Städtetages verfehlt. Zu Wort kommen in den Referaten wie in der Diskussion zumeist doch nur Juristen — dafür sorgt meist schon die Auswahl der Referenten. Dadurch roiib eine gewisse Einseitigkeit großgezogen, und so hat das ,SBerL Tageblatt' nicht unredjt, wenn es jagt, die Skädtekage würden zu Diskussionsstellen für die Entwickelung der Berwaltungs- technik. Was not täte, des wäre vor allem, daß die Städtetage sich mit den großen Fragen beschäf
Iie weitze Fm non MiM.
6] Original-Roman von O. Elster.
„Ist das der Gundokar?" fragte der fremde Herr.
„Ja, das ist mein Sohn," entgegnete meine Mutter. „Komm her, Gundokar, und gib dem Onkel Karl die Hand. Der Onkel ist so freundlich gewesen, die Vormundschaft für dich zu übernehmen."
„Ich hatte von diesem Onkel Karl schon oft gehött. Er war dec Stolz der Familie meiner Mutter, denn er hatte die Rechte studiert und lebte jetzt als Advokat — wie damals die Rechtsanwälte noch hießen, — in der Residenz. Mein Vater hatte eine Zeitlang eifrig mit ihm lcrrespondiert, sich aber dann mit ihm aus einem mir unbekannten Grunde überworfen. Damals war mein Vater auf Onkel Karl fehr schlecht zu sprechen. Er nannte ihn einen schlauen Fuchs, ja in zomi- gen Momenten wohl gar einen Schwindler.
Auf mich machte Onkel Karl auch nicht den besten Eindruck. Er hatte ein glattrastertes, fettglänzendes t:>auVet:! b?. kleinen Augen listig und schlau ■ ?ein dichtes, schwarzes Haar stand ”Ve purste in die Höhe. Um die Lippen schwebte f.1?, aUo-Ä!r eni sE^des, fn Wahrheit aber sehr rnali- tioses Lächeln.
ßi nahm mich zwischen seine Knie und bettachtete mich aufmerksam.
^^»Eine fabelhafte Aehnlichkeit," sagte er dann la-
V!uncm ^er, ja", entgegnete meine Mutter.
^er auch mit einem anderen — Du weißt ja, Mina . .
ferbr^h^T^,0^ Een Geschichten ruhen, Karl," un- tiirfO hastig. „Setze dem Jungen
mcht dieselben Dummheiten in den Kopf, die seinen Vater unglücklich gemacht haben."
„Hast Recht, Mina! Habs Deinem Mann auch gesagt, der durchaus einen Prozeß haben wollte. Ich riet ihm ao, denn ein, solcher Prozeß kostet sehr viel Geld, sollte die Alte lieber auf andere Weise zwicken, bann hatte man auch ein gutes Stück Geld hcrausschla-
gen können. Darüber sind wir dann auseinander gekommen — Dein Mann und ich."
„Ich kann meinem Manne nur zustimmen. Und was die Frau Gräfin anbetrffst, so hat ste sich sehr gnädig gegen uns gezeigt. Ich bin ihr von ganzem Herzen dankbar "
„Ja, ich weiß, wegen der Pension und des Erziehungsgeldes. Na, es war das Wenigste, was ste tun konnte. Wenn man bedenkt . .
„Laß uns nicht mehr davon sprechen, Karl. Ich will nichts mehr davon hören, es hat mir fast mein ganzes Leben vergällt. Da ist der Kaffee und der Kuchen! Laß eS Dir gut schmecken!"
„Danke, liebe Mina! Daran soll'S schon nicht fehlen. Nachher wollen wir dann über unsere Geschäfte sprechen."
Onkel Karl blieb Bis zum Abend. Dann fuhr er zur nächsten Bahnstation, um nach der Residenz zurückzukehren.
Vor dem Abschiede sagte et:
„Also, eS bleibt dabei, liebe Mina. Zu Ostern beziehst Du die kleine Wohnung im ersten Stock meines HauseS und führst mir die Wittschast. Ich freue mich sehr darauf. DaS ewige Wittshausessen bekommt mir nicht mehr, und eine fremde Wirtschafterin mag ich nicht nehmen. Die Personen betrügen einen doch nur. Also, auf Wiedersehen — adieu, mein Junge, und sei hübsch fleißig. Dann sollst Du auch mal Dottor und Advokat werden und wir machen ein Kompagniege- schäst."
Er lachte in seiner malitiöS-gutmütigen Weise, tätschelte mir auf den Kopf, küßte meine Mutter auf die Wange und kletterte in den Wagen, der eilig auf dem schmutzigen Waldwege davonholpette .—--
Das Haus meines Onkels Katt, Advokaten Dr. jur. Lippvld, lag an einer Ecke des Marttplatzes, der namentlich an den Tagen des Wochenmarttes durch Händler und die umwohnenden Landleute, welche ihr Getreide, ihr Gemüse, ihr Vieh tmb sonstige Erzeugnisse zum Verkaufe brachten, außerordentlich belebt war. Da reihte sich Bude an Bude, Stand an Stand und vor dem Gasthaus zum weißen Roß hielten wohl an die Hundett ländliche Fuhrwerke. Auf dem Mactte
\ selbst und in der langgestreckten, niedttgen Gaststube ’ des „Weißen Roß" drängte sich eine lärmende, schwa- tzende und feilschende Menge, während in der Herrenstube die reichen Bauern saßen und prahlerisch ihren „Rotspon" tranken oder nach einem guten Geschäft auch wohl die Champagnerpfropfen knallen ließen.
Der Wirt zum „Weißen Roß" machte ein gutes Geschäft, aber mein Onkel, der Advokat und Dr. jut. ein noch bes'eres, denn alle pcozeßlustigen Bauern lamm zu ihm und bekannllich sind recht viele Sauern prozeßlustig. Em jeder will auch md seinen Prozeß haben, und sollte eS ihm auch seinen Acker, seinm Hof, seine letzte Kvh kosten. Mein Onkel Karl wußte diese Neigung der Bauern klug zu benutzen. War einmal ein Bäuerlein mit einer Anfrage zu ihm gekommen, dann ging es nicht wieder fort, ohne den schönsten Prozeß von der Welt am Hals zu haben, und hatte der Bauer erst einmal die Vollmacht für meinen Onkel Karl unterschrieben, dann half ihm nichts, der Prozeß wurde durch alle Instanzen getrieben, wenn auch das Unrecht sonnenklar auf seiner Seite war. Abraten von einem schlechten Prozeß, wie das wohl ehrenhafte Advokaten tun sollen, ober gar einen Prozeß ablehnen, weil die S-ache denn dock, gar zu „faul" war, das tat mein Onkel Karl niemals. Er hätte selbst für den Teufel einen Prozeß geführt, vorausgesetzt, daß der Teufel euren höllischen Vorschuß zahlte und für baS Honorar Sicherheit bot.
Mem Onkel Karl war daburch bei bet ländlichen Bevölkerung zu hohem Ruf gekommen. Wenn die Bauer» zuin Martt fuhren ,mußten sie auch bei dem „Herrn Dottor" vorsprechen, und fetten verließ einer den „Henn Dottor", daß er nickt seinm ledernen Zuz- beutel um tm oder mehrere Goldstücke erleichtett hätte.
Die Kollegen meines Onkels warm nicht gut auf ihn zu sprechen, sie behaupteten, er führe mit Vorliebe sog. „faule Prozesse", und stände mit anrüchigen Personen, die z. B. Geld auf Wucher liehen, in steter Verbindung Er selbst sollte auch schon öfter einige bedenkliche Geschäfte gemacht haben, und den Besitz seines Hauses am Martt habe er auch einem solchen Geschäft zu verdanken.
Dieses Haus war früher eine Gastwirtschaft gerne« sm, worauf noch jetzt die große Einfahrt und die weitläufigen Hintergebäude hinwiesen. Sein früherer Besitzer war vollständig verarmt, und unterhielt jetzt eine kleine schmutzige Schnapsbude an der Ecke des Marktes.
Mein Onkel Karl vermied, wenn irgend möglich, an dieser Ecke vorüberzugehen. Nicht, als ob er Ge- wissenSbiffr spütte — hatte er fich doch das Haus tm Wege beS Prozesses erftritten — sondern weil er die Invektiven des fast stets betrunkenm SchnapSwirteS scheute. Mtt Jnjuttmprozessm, soweit sie sich auf seine Person bezogen, gab er sich nicht gern ab. Es kam bei solchcn Prozessen allzuviel zur Sprache.
Im übrigen war das Haus jetzt sehr hübsch hecge- richtet. Rechis vom Eingang befanben sich bie Büroraume meines Onkels, links ein kleines Bank-Geschäft, bas dm Bauern die Wechsel gegen einen hohen Diskont abkaoste und in dem namentlich viel Vieh- und Getreidchändler verkehrten. In den Dännnersiundm sah man auch ab und zu einen eleganten jungen Herrn vom Zivil ober Militär bei bem Bankier vorsprechen, Leutchen, die ebenfalls Wechsel zu bisloniieren hatten.
Mein Onkrl uub ber Bankier Bernstein arbeiteten Hand in Hand.
Eine breite herrschaftliche Treppe führte in den elften Stock, dm Se. Exzellenz der Hofmarschall Graf Lothar von Oldensloe bewohnte. Der große Hof und die guten Stallungen mochten den Grafen wohl bewogen haben, diese Wohnung zu mieten, zumal solche große Wohnungen in der kleinen Residenz selten waren. Auch schloß sich an den Hof ein hübscher ©arten an, der der gräflichen Familie allein überlassen war.
Dec zweite Stock war in mehrere Wohnungen geteilt. Die eine bewohnte der Bantter Bernstein, eine zweite mein Onkel, andere Wohnungen in den Seitenflügeln waren an kleinere Lmte vermietet, die sich aber alle der fiten gen Hausordnung meines Onkels fügen mußtm, wollen sie nicht erbarmungslos zum uächftm Ouattal gekündigt oder wohl gar noch mft einem Prozeß beglückt werden. Dafür gen offen fie den Vorteil, bi einem „ruhigen, anständigen Hause zu wohnen, unter einem Dache mit Sr. Excellenz dem Hostnarschall