Jahrgang
Fulda, Mittwoch den 15. September 1909
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a*5ttgen: me et* fpaM-epetllzeilrod« derer Roum iS pfg. RevamendiePetitzekle 25 Pfg., bei Meder- Holungen wird entspr. Rabatt gewährt.
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kommen der deutschen Regierung gegenüber den Bereinigten Staaten vorbereitet wird. Wenn freilich unsere Diplomaten schon jetzt die Flinte ins Korn werfen, dann können sich die Amerikaner Glück wünschen. ____________________________
in wesentlichen Punkten die Auffassung deS Abg. Böhme nicht teile“. Jedenfalls hat Dr. Böhme durch seine neuerliche Wandlung seine Wiederwahl nicht gefördert. Die Links- liberalen rechnen bereits bestimmt darauf, daß Herr v. Gerlach bei der nächsten Wahl den so viel umstrittenen Wahlkreis zurückerobert.
* Darmstadt, 13. Sept 1909. Der Landesaus- schuß der nationalliberalen Partei im Großherzogtum Hessen wurde auf Sonntag, den 26. d. M., durch seinen Vorsitzenden, den Abg. Dr. Osann zusammengerufen.
• München, 12. Sept. 1909. Der sog. Klee- samenprozeß ist nun in allen Instanzen zu Ende. Der bündlerisch-liberale ,Nie^erbayerische Anzeiger' in Straubing hatte einen Artikel gegen das Zentrum gebracht und darin gesagt, Dr. Heim werde sortjahren, die Bauern „mit Kleesamen zu beschummeln." Der Redakteur des Blattes wurde deswegen zu 30 Mark Geldstrafe und zu den Kosten verurteilt. In der Berufungsinstanz vor dem Landgericht Straubing erklärte der Redakteur, er habe aus dem Gang der Verhandlung die Ueberzeugung gewonnen, daß sein gegen Dr. Heim erhobener Vorwurf jeder Grundlage entbehre. Der Prozeß end'.gte mit einem Vergleich, der Beklagte übernimmt alle Kosten.
volkswirtschaftlicher und Soziales.
* Der Riesenarbeitskampf in Schweden geht seinem Ende entgegen. Der eigentliche Generalstreik ist bekanntlich seit der am 6. September erfolgten Wiederaufnahme der Arbeit durch mehr als hunderttausend Arbeiter, die nicht in dem „Schwedischen Arbeitgeber- Verbünde" angeschloffenen Betrieben beschäftigt sind, tatsächlich beendet. Jetzt hat sich die R e g t e r u n g, die bisher eine abwartende Stellung eingenommen hatte, zu einer Vermittlung entschlossen Ihr Vertrauensmann ist Cederborg, dessen Bemühungen auch die Einschränkung des Arbeitsstreiks auf die 140 000 Arbeiter der „Svenska Arbetsgifvareföreningen" zu verdanken ist.
Erscheint täglich mit Ausnahme bet $oä= tntb Feiertage, viertel- WrlicherveMgrprek ohne vrtngerlohn und prftellgeld in Fulda sowie auswärts 1.5« Mk.
verantw. Redakteur: «ar» Schütte;
Ausland.
* Lord Roseberys Rede in Glasgow beschäftigt fortdauernd die englische Preffe. Am bezeichnendsten für die große Bedeutung dieser Rede ist aber die Tatsache, daß nicht weniger als sechs Minister es sür nötig gehalten haben, die Ausfälle des -Lords noch am selben Abend zurückzuweisen. Der britische Schahkanzler Lloyd George erklärte, der Angriff Lord Roseberys gegen das Budget sei dem Angriff eines weichnasigen Torpedos vergleichbar, das bei der Berührung mit einem Panzerschiffe untergehe, ohne Schaden zu stiften. Ob der Finanz- mann seiner Sache wirklich so sicher ist, wie er hier glauben machen will, kann man nur bezweifeln. — Wie jetzt bekannt wi.d, hat Lord Rosebery bevor er seine Glasgower Rede hielt, eine Lossage von der Liberalen Liga, die vor 8 Jahren gegründet wurde und der die Minister Asquith, Grey, Haldane und Lood Wolverhamp-- lon angehören, niedergelegt.
* Sämtliche griechischen Prinzen sind nunmehr wegen der durch die Militär - Revolte gezeitigten schwierigen innerpolitischen Lage in Griechenland außer Landes gegangen. Der Kronprinz ist mit seiner Familie und seinen Brüdern, dem Prinzen Georg, dem ehemaligen General- Kommissar der Großmächte auf Kreta, dem Prinzen Nikolaus, dem dritten Sohne König Georgs, und dem jüngsten Prinzen Christoph, in Cronberg
[] Die deutsche Industrie und der amerikanische Zolltarif.
Der neue amerikanische Zolltarif stellt nicht nur die deutsche Regierung, sondern auch die deutsche Industrie vor eine schwierige Aufgabe. Sie muß zu- sehen, wie sie am besten den Nachteil wieder wett machen kann, den sie nach dem Inkrafttreten des neuen Tarifs gegenüber der amerikanischen Industrie erleiden wird
Die Mittel dazu sind freilich beschränkt, und man kann es der deutschen Jndusttte keineswegs verdenken, wenn sie danach trachtet, die Produttionskosten zu ver- ttngern, um so den Preis der Ware aus der alten Höhe zu erhalten. Daß die Herabsetzung der Löhne ein brauchbares Mittel hierfür ist, glauben wir nicht. Der Bund der Jndustttellen läßt allerdings durch die Preffe eine solche Ansicht vertreten. In der Berliner Presse liest man folgende Notiz ans dem Büro des Bundes der Industriellen:
„Zum neuen amerikanischen Zolltarif erklärt der Bund der Industriellen, daß die einzige Möglichkeit, dem ;,um größten Teil erhöhten Zolltattf der Bereinigten Staaten, der namentlich die deutsche Kleineisen- und Textilindustrie schwer treffe, wirksam zu be- aegnen, darin zu erblicken sei, daß die Gestehungskosten auf Grund der bei uns bislang noch billigeren Lebenshaltung wesentlich geringer bleiben müßten. Es erweise sich die Entschließung aller beteiligten Kreise in Deutschland, die Erzeugungskosten weder Streit noch indirekt zu erhöhen, als die beste Abwehr der amerikanischen Einfuhrerschwerungen. Diese Entschließung müsse nicht nur bei der deutschen Regierung und beim Reichstag, sondern auch bei den deutschen Arbeitern Platz fiten n."
Wir wollen dahingestellt sein lassen, ob bei uns Wittlich die Lebenshaltung so billig ist, wie es hier dargestellt wird Jedenfalls wird dieser versteckte Vorstoß zur Verringerung der Arbeitslöhne seinen Zweck verfehlen. Die Arbeiter, die in jahrelangen Kämpfen sich einen Lohn verschafft haben, der ihnen ein Auskommen ermöglicht, würden sich mit aller Energie einer Lohnkürzung widersetzen. Und wenn sie doch durchgedrückt würde! Glaubt man denn, die Amerikaner würden nicht in wenigen Jahren mit neuen Zollerhöhungen kommen, um ihre Industrie vor den fremden „Eindringlingen" zu schützen.
Unserer Ansicht nach gibt es nur e i n Mittel, um den amerikanischen Zollchikcmen wittsam entgegentreten zu können, und dieses liegt bei der deutschen Regierung. Sie hat es in der Hand, die demnächst beginnenden .Handelsvertragsverhandlungen so zu gestalten, daß der deutschen Industrie auch die weitere Konkurrenz ermöglicht wird. Von manchen der Jndustriewelt angehörenden Kreisen wird die angebliche Notwendigkeit eines bedingungslosen Entgegenkommens gegen Amerika begründet mit dem Hinweis darauf, daß Deutschland beim Bezug von Baum- w ol l e und Kupfer auf Amerika angewiesen sei. Amerika habe also, wenn es uns in einem Zollkriege den Vettauf dieser beiden Rohstoffe verweigere, ein Machtmittel, das uns unter allen Umständen nötigen würde, klein beizugeben. Dies mag noch vor einem Jahrzehnt der Wahrheit entsprochen haben; aber heute sind wir schon nicht mehr so abhängig von Amerika auf dem Baumwollen- und Kupfermarkte. Außerdem wird sich Amerika schwer hüten, einen, Zollkrieg mit Deutschland zu wagen. Die Vereinigten Staaten verkaufen uns jährlich für 1300 Millionen Mark und kaufen von uns jährlich nur für 600 Mill Matt bar; also gerade Amerika wäre bei einem Zollkriege in äußerst großem Nachteile.
Angesichts dieser Tatsachen ist es auch höchst befremdlich, daß sogar in der offiziösen Preffe die Oeffentlichkeit schon auf ein großes Entgegen-
a FamUienheimstätten.
Während man in Deutschland dabei war, mit der Nachlaßsteuer und mit der Erbanfallsteuer das Familienleben des bodenansässigen Mittelstandes zu zerstören, arbeitete das liberal-sozialistisch regierte Frankreich an einer Vorlage, die das Gegenteil bezweckte, deren Ziel die Festigung gerade des ansässigen B a u e r n st a n d es ist.
Vielleicht ist die Debatte über die Erbanfallsteuer im Reichstage nicht ohne Einfluß auf den Gang der Dinge dort gewesen. Die betreffende Vorlage hat das ehrwürdige Alter von 15 Jahren. Schon seit Anfang Februar steckte sie im Senat, dem französischen Ober- Hause. Erst vor kurzem ist sie vom Senat angenommen und wird in Bälde zur Geltung kommen.
Worum handelt es sich? Um Aehnliches wie es seinerzeit der Zentrumsabgeordnete Dr. Karl Bachem und der konservative Herforder Bürgermeister im preußischen Abgeordnetenhause beantragt haben, um die Schaffung von H e i m st ä t t e n für kleine Leute. Von jetzt ab hat jeder Franzose das Recht, für sich und feine Familie ein unverpfändbares und unverkäufliches Familiengut, eine Art Fideikommiß, zu gründen. Ein solches Familiengut darf aber den Wert von 8000 Franks nicht überfteigen, da nur der Kleinbürger ober Kleinbauer gegen den Wucher in Schutz genommen werden soll. Das Gut kann sich aus einem Haus und dem dazu gehörigen Garten und auch Ackerland zusammensetzen. Nach dem Tode des Fa- milienoberhauvtes bleibt das Gut bis zur Großjährigkeit seiner Familie im Besitz der Familie. Erft dann bestimmt ein Familienrat, wer von seinen Hinterbliebenen als weiterer Besitzer des Gutes zu gelten hot. Ein derartiges Gut kann in keinem Falle verkauft, verpfändet oder hypothekarisch belastet werden. Es kann selbst vom Staate wegen rückständiger Steuern nicht gepfändet werden. Auch das Erträgnis aus einem Familiengut ist bis zu einer bestimmten Grenze gesetzlich geschützt. Es kann nur für die Bezahlung von Gerichtskosten, für die Tilgung von Steuer-, Ver- sicherungs- und Alimentationsschulden beschlagnahmt werden.
Es liegt auf der Hand, was das bedeutet. Hier schafft zum ersten Male in aller Welt ein moderner, von liberalen Ideen beherrschter Großstaat die Möglichkeit, feinen Familien für alle Zeiten eine Heimstätte zu schaffen, die durch niemanden zerstört, genommen werden kann, auch nicht durch eigenen Leichtsinn, eigenen Unverstand, nicht durch ungünstige Schicksale. Es wird der schweren, aufopfernden Arbeit des Kleinbauern, dessen Existenz im Staate unbedingt nötig ist, derselbe Schutz zuteil, den in Deutschland nur der in den Augen der weitaus meisten Franzosen gänzlich überflüssige Großgrundbesitz durch die Gesetze über das Fideikommiß vom Staate erhält. Daß dieser Schutz beim Kleinbauern eher angebracht ist, als beim Großgrundbesitzer, das hat man in Frankreich zuerst ein- gefehen
Die Motive, auf die diese Ansicht zurückzusühren ist, liegen natürlich wie bei allen Tciebfedem der Sozialpolitik in Frankreich, auf dem Gebiete der Heeres- verteidigung. Sichert man so dem kleinen Bauer seine Heimstätten für alle Zeiten gegen alle Gefahren, dann bleibt er von der Versuchung der Abwanderung in die Städte länger, sicherer verschönt, und da die Landbe- völkemng einen ganz bedeutend größeren Nachwuchs hat als die städtische Bevölkerung, darf man von diesem Gesetze einen günstigen Einfluß auf den militärischen Nachwuchs erwarten. Das ändert natürlich an der überaus großen sozialen Tragweite dieses Gesetzes nicht das geringste.
Deutsches Reich.
= Der Evangelische Bund hält bekanntlich vom 23.-27. September in Mannheim seine 22. Generalversammlung ab. Schon die Einladung, welche die Martburg' in Nr. 37 veröffentlicht, läßt einen Schluß auf die Gesinnung zu, welche die Tagung beherrschen wird. Wie immer, wird sie den Kampf gegen den „Ultra- montanismus", d. h. die katholische Kirche, mit Nachdruck betreiben und sich im ausgesprochensten politischen Fahrwasser bewegen. In der Einladung zur Tagung heißt es:
„Unerfreuliche Wandlungen im öffentlichen Leben drohen hohe nationale Hoffnungen zu vernichten! Berechnende Herrschsucht (!) einer ultramontanen Minderheit will wiederum die bedauerliche Partei- zerspitterung zur politischen Vorherrschasl ausnutzen. Eine erneute klerikale Minderheitsherrschaft tut Mutter- lande der Reformation bedeutet den konfessionellen Krieg (!) und die Gefährdung der wertvollsten Grundlagen der deutschen Kultur! Gegen diese Gefahr ruft deshalb der Evangelische Bund zu deutsch- protesta irischer Abwehr auf!....
So wird offen und frei der konfessionelle Krieg prokiamiert. Und warum? — Weil das Zentrum als streng national gesinnte Partei gewissenhaft miigeholfen hat, dem Deutschen Reiche die so dringend nötigen neuen Mittel zu beschaffen! Schon die bloße Mitwirkung des Zentrums bei eine, solch nationalen Tat genügt, um den Evanaeli hen Bund in Hellem Zorne auslodern und ihn zum Krieg gegen diese „Gefahr" ausrufen zu lassen. Arbeitet das Zentrum im Reichstage in treunationalem Sinne mit, so zetert der Evangelische Bund über eine eingebildete „römische Gefahr". Hätte das Zentrum seine Mitarbeit abgelehnt, so hätte der Bund weidlich über die „reichsseindlichen Ultramontanen" geschimpft, die dem Reiche die zu seiner Existenz nötigen Mittel verweigert hätten. Recht machen kann es das Zentrum dem Evangelischen Bund nun einmal auf keinen Fall: gehetzt muß werden — so oder so! Besonders interessant wird die diesmalige Tagung deshalb werden, weil Zentrum und Konservative bei der Finanzreform Hand in Hand gingen. Die Konservativen werden also voraussichtlich bei der Mannheimer Tagung auch nicht ungeschoren bleiben.
)( Die süddeutschen Demokraten sind keineswegs aewillt, sich mit dem verworrenen preußischen Freisinn zu verschmelzen. Der am Sonntag in Ansbach tagende wettere Landesausschuß der Volkspartei Bayerns nahm folgenden Antrag Quidde an: „Der Landesausichnß hält die Vorbedingungen sür eine gedeihliche Verschmelzung der drei links- Ikberalen Parteien noch nicht für erfüllt." Es wird noch lange dauern, bis sich diese „Vorbedingungen" erfüllt haben werden.
A Marburg, 13. Sept. 1909. Der Reichs- tagsabgeordnete sür den hiesigen Wahlkreis, Dr. Böhme, hat sich bekanntlich infolge feiner Haltung bei der Steuerresorm mit dem Bund der Landwirte überworfen und ist infolge der Uebernahme der Führerrolle bei dem neuen liberalen Bauernbund auch aus der Wirtschaftlichen Vereinigung ausgetreten. Er erläßt jetzt an seine Wähler eine 4 Quartdruckseiten umfassende Erklärung, worin er seine Stellungnahme zu rechtfertigen versucht. Dabei beschränkt er sich saft ganz darauf, heftige Angriffe gegen den Bund der Landwirte zu richten. Großen Ein- druck macht er mit dieser Selbstverteidigung nicht. Selbst die ihm nahestehende ,Oberhessische Ztg/ erklärt, daß sie „bei mancher Uebereinstimmung
Maer W Zeitung
ÄÄ wochenbMge: „illustrierte Sonntagrzeitmg" Norat-dMage- „Kildaer SeschichtrblAter"
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„Soviel ist gewiß, Pferdehändler Hansen kommt nicht wieder auf den Schulzenhof, um dort Pferde zu verkaufen." — Was ist denn eigentlich zwischen ihm und dem Schulzen passiert?"
„Weiter nichts, als daß er beim Schulzen noch einen gehörigen Schinken im Salz hat. Sehen Sie, Hansen hatte dem Schulzen sechs Arbeitspferde abgeliefert und sich dafür bare zweitausend Matt bezahlen lassen. Als das Geschäft geordnet war, hatten sie zusammen Abendbrot gegessen und Hansen hatte dann noch ein Viertelstündchen geschlafen, um zu feiner Nachtreife nach Berlin Kräfte zu sammeln. Unterdessen geht der Schulze in den Stall und spricht mit dem Borknecht über die Pferde und dabei dämmert es ihm, daß er nicht nur den höchsten Preis, sondern noch zweihundert Matt mehr bezahlt hat. Aber sehen Sie, der Schulze ist nun nicht der Mann, der gleich zu Hansen hineingeht und Spektakel macht, o nein! Er sagte nur ganz ruhig zu dem Knecht: „Ich fahre den Pferdehändler selbst zur Station. Um ’ne Stunde kannst Du die Pferde Vorspannen."
Eine Stunde später fuhren also der Schulze und Hansen fort. Die Uhr war gegen zwölf, es war stockfinster und es mußte vorsichtig gefahren werden. Genug, das Ende vom Liede war, daß sie gerade zehn Minuten nach dem Abgänge des Nachtzuges auf dem Bahnhofe ankamen Na, das war ja schlimm, denn der nächste Zug ging erst am nächsten Morgen um sechs Uhr ab. Der Schulze wußte guten Rat und sagte: »Es tft ja gar nicht der Mühe wert, für die paar Stunden noch zu Bette zu gehen. Wir fahren lieber nach dem „Goldenen Stern" und laffen uns dort etwas zu eifen geben."
nr, Hausen ist ja nicht der Mann, der einem guten Abendbrot und einem Glase Vier au8 dem Wege gebt unb so antwortete er denn: „Na, meinetwegen'. Sie fuhren also nach dem „Goldenen Stem", stellten die Pferde in den Stall und verzehrten ein tüchtiges Abendbrot mit unzähligen Seideln Bier und ebenso Dielen Schnäpsen. So wurde es 1 Uhr.
„Nun spielen wir noch eine Partie Sechsundsechzig", sagte der Schulze. „Meinetwegen," antwortete Hansen wieder. Und nun spielten sie bis fünf Uhr. Da sagte Hansen: „Nun spiele ich nicht mehr mit, ich habe schon über zweihundert Matt verloren." — »Nun, dann stimmt es", sagte der Schulze. „Den Teufel stimmt es", sagte Hansen.
„Ich meine bloß", sagte der Schulze und sah ganz listig drein, „daß nun, da ich die zweihundert Matt habe, der Preis für die Pferde stimmt." — „Na, es hilft ja nicht", sagte Hänfen gleichmütig Es war ihm nun gleich klar, warum sie zu spät zum Zuge gekommen waren und er schimpfte inwendig so arg er konnte. Da sagte der Schulze:
„Es ist wahrhaftig kein Vergnügen für Sie, Hansen, nun den ganzen ausgeschlagenen Tag auf" bet Eisenbahn zu raffeln."
„Nee", sagte Hansen, „aber Sie müssen auch wohl nach Hause und Ihre Geschäfte besorgen?"
„Ich?" sagte der Schulze. „Nein, ich nehme mir ein Zimmer, krieche gleich in die Koje und schlafe bis mittag und wenn mit Kanonen geschossen wird."
Na genug, sie drücken sich die Hände und der Schulze geht nach Nr. fünf und wirft sich ins Bett. Hansen geht in ein Zimmer, zieht den Rock und Weste aus und steckt den Kopf in dieWaschschüffel. Als eine Viertelstunde vergangen ist, geht er hin und klopft an die Tür von Nr. fünf.
„Wer ist da?" fragt der Schulze. — „Der Barbier' sagt Hansen. „Ich will nicht rasiert sein." — „Sie wollen nicht rasiert sein?" — „Nein." — „Dann bitte ich um Entschuldigung"
Hansen ging wieder in seine Stube, kämmte sich das Haar und frisierte seinen Schnurrbart und als eine Viertelstunde vergangen war und er wohl denken konnte, der Schulze wäre wieder eingeschlafen, klopfte er aus» neue an die Tür von Nummer fünf. „WaS ist denn nun wieder los?" brüllte der Schuhe. „Der Barbier ist hier". — „Ich will ja aber nicht rasiert werden.' SDagn bitte ich vielmals um Enffchuldi- flUttfl*
Als die Uhr kurz vor sechs war und Hansen sich bereits fertig gemacht hatte, um nach dem Zuge zu gehen, klopfte er noch an die Tür von Nummer fünf und sagte, der Barbier wäre da. Jetzt wurde der Schulze böse und sagte, mm solle er sich noch ein einziges Mal unterstehen, bei ihm anzuklopfen, dann würde er ihm mal was anderes zeigen.
Hansen ging also nach dem Bahnhofe, aber unterwegs klopfte er einen Barbier heraus, drückte ihm ein Zweimarkstück in die Hand und sagte, in Nummer fünf im „Goldenen Stern" wäre ein Herr, der gleich rasiert fein wollte. Der Barbier fuhr also Hals über Kopf in fein Zeug, lief schnurstraks nach dem „Goldenen Stem" und klopfte beim Schulzen an Er mußte eine ganze Zeit klopfen, denn der Bewohner von Nummer fünf war jetzt erst fest eingeschlafen. Endlich wachte er auf. Wer, zum Donnerwetter, drischt da an die Tür?" — „Es ist der Barbier" — „So, ist es der Barbier?" — „Jawohl"
Der Schulze fuhr mit einem Wutgebrüll aus dem Bett, riß die Tür auf und goß dem Barbier die ganze Waschkanne voll Waffer mitten auf den Planeten. Der Ritter des Barbiermeffers fiel um und schrie, als steckte er am Spieß und eh zwei Minuten vergangen waren, hatten sich wenigstens zwanzig Personen in Nummer fünf versammelt. Der Gendarm, der gerade einen Bittern in der Schenkstube trank, als der Barbier zu schreien anfing, kam auch herbei und nahm den Schulzen mit auf die Wache. Es war eine schreckliche Geschichte und Sie können sich wohl denken, daß der Schulze an diesem Tage nicht viel Schlaf kriegte
Na, Hansen kommt sicher für Erste nicht wieder zum Pferdehandel auf den Schulzenhof.
— Trinkgläser auS Eis. Wieder hat die Technik auf einfache Weife die Lösung eines Problems gefunden, nämlich einen unbedingten Schutz gegen die Ansteckungsgefahr durch Trinkgläser Während man sich bisher lediglich daraus beschränkte, die Reinigung der Gefäße möalrchst streng zu Überwachen, was in absolut eintoanbfreier Weise doch nie ausgeführt werden kann, ist «in -Modischer Ingenieur = Huker ist fein N«ve
— auf den Gedanken gekommen, das klare Wasser zur Herstellung der Trinkgefäße zu benutzen. In sinnreicher Weise hat er einen Gefrierapparat ersonnen, der binnen ganz kurzer Zeit eine große Anzahl von Gefäßen liefert, die lediglich aus gefrorenem Waffer bestehen, und die neben absoluter Reinlichkeit noch den angenehmen Vorzug haben, daß die darin bargebotenen Getränke sich äußerst frisch erhalten. Die Formen, in denen die einzelnen Becher hergestellt werden, bestehen aus einem äußeren Mantel und einem inneren Kem, zwischen beide Wandungen wird Waffer ein gefüllt, das nach dem Gefrieren eben den Eisbecher bildet. Damit nicht ein Zerspringen des Mantels stattfindet, ist ein besonderer Raum am Boden des inneren Kerns ausgespart Die Herstellung der Gesäße funktioniert tadellos, und zwar nicht etwa nur in der Theorie. Seit einiger Zeit gibt es im Haag einen Laden, wo Getränke nur aus solchen Eisbechern gereicht werden, und es hat sich bereits eine Gesellschaft gebildet, die den Vertrieb dieser neuen Gefäße im Großen betreiben will. Die Gefahr eines allzufrühen Verschmelzens der „Gläser" besteht nicht, denn einmal werden sie bis zum jeweiligen Gebrauch in einem kalten Schranke aufbewahrt, zum anderen ist die Temperatur bei ihrer Herstellung so überfältet, daß die Becher eine volle halbe Stunde ihre Konstrstenz behalten, so daß die Benutzer ihre Geiränke in aller Ruhe einnehmen können.
— Eine Hochzeit mit Hindernissen. Ein Fräulein aus Regensburg sollte am Samstag an einem an der Nürnberger Bahnstrecke gelegenen Ort getraut werden, und bestieg den Schnellzug, um das Ziel zu erreichen. Da aber Schnellzüge bekanntlich nicht überall halten, ging die Reise über das Ziel hinaus und erst in Neu- mattt winkte Erlösung Inzwischen hatte der Bräutigam fast die Kurbel des Telephons abgedreht in fortwährendem bangem Fragen, wo denn die von der Hochzeitsgesellschaft sehnlichst erwartete Braut bleibe Eine Depesche au8 Neumarkt wandelte dann endlich die ängstliche Spannung in allgemeine Heiterkeit um. Um einige Stunden verspätet konnte die Heirat vor sich gehen.