Maer W Zeitung
s.wiÄS«. wochenbettage:.Illustrierte Sonntagrzeitung"
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Fulda, Montag den 13. September 1909.
36. Iahrgang^
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Airzrtgrn: Vie eia. spaltigepetttzeileoder der«« Sau« lS pfg. Reklamen diepeiitz eile 25 Pfe., bei wieder- Holungen wird eutspr. Rabatt gewährt.
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vrrautr». Redakteurr Sarl SchNtte;
Grfies Matt.
X Das Kaisermanöver.
Die bevorstehenden großen Uebungen erhalten ihre besondere Wichtigkeit dadurch, daß das Truppenausgo» bot der drei großen süddeutschen Bundesstaaten aus dem Plan erscheinen wird.
Die eigentliche Bestchtigung gilt dem württember- gischen und dem badischen Armeekorps, über die schon am vorigen Dienstag und am Samstag Parade abgehalten wurde. Außerdem werden sich noch die ganzen bayerischen Korps rechts des Rheins und bayerische Truppenteile aus Lothringen und der Pfalz, ferner Truppen aus Hessen und vom Straßburger (15.) Korps an den Manövern beteiligen.
Das Kaisermanöver selbst wird sich in der Hauptsache auf der Hohenloher Ebene (300—500 Meter Höhenlage) d. h. dem fruchtbaren Muschelkalkgebiet zwischen Kocher, Jagst und Tauber abspielen, wo die fürstlichen Familien Hohenlohe seit Jahrhunderten ihre großen Besitze haben, und wo neben großen landwirtschaftlichen Gebieten auch Weinbaugebiete, wie der T a u b e r g r u n d, vorhanden sind.
Das Hauptquartier des Kaisers wird sich während der vom 13.—17. September stattfindenden Manöver in M e r g e n t h e i m, der alten Deutsch- Ordensstadt mit ihrem berühmten Karlsbade, befinden. Während bei den letzten Kaisermanövern des württembergischen und badischen Korps im Jahre 1899, wo erstmals im Verband mit anderen Armeekorps manövriert wurde, 91% Bataillone Infanterie, 92 Eskadronen Kavallerie, 70 Batterien Feldartillerie und 4 Pionierbataillone mit zusammen 75 000 Mann Teilnahmen, werden es diesmal 10 Infanterie- und 2 Kavallerie-Divisionen mit 126 Bataillonen Infante- M (einschließlich 3 Jägerbataillonen), 119 Eskadro- «en Kavallerie, 106 Batterien Feldartillerie und 5 Pionierbataillone sein, neben 5 Fußartillerie- und 5 Trainbataillonen. Mit den Reservisten werden zirka 110000 Mann im Manöver st ehe n.
Die blaue Partei mit der verstärkten bayerischen Kavalleriedioision wird der Generalinspektor Generalfeldmarschall Prinz Leopold von Bay-, e r n (einer der noch wenigen aktiven Offiziere mit dem Eisemen Kreuz 1. Klaffe) führen. Hier ist die Zusammensetzung folgende: Das 13. Korps (2 Divisionen), des 1. daher Korps (2 Divisionen) 4. daher. Division (also Würzburger und Metzer Brigade) und eine verstärkte Kavalleriedivision. Letztere wird um- faffen: Die württembergischen Dragoner-Regtr. 25 und 26, das 1. und 2 daher, schwere Reiterregt., das 1. und 2. daher. Ulanen-Rgt., das 1. und 6. daher. Chevaulegersregt., das Jägerregt. zu Pferde Nr. 3 aus Kolmar, 1 reitende Abteilung (2 Batterien des bayerischen Feldartillerie-Regts. Nr. 5 in Landau), 1 Kavallerie-Pionier-Abteilung (Stab, 1., 2. und 3. Komp, des 2. daher. Pionier.-Bat. in Speyer) und die Maschinengewehrabteilung Nr. 3 aus Straßburg.
Die rote Partei führt der Generalinspekteur Generaloberst v. Bock und P o l a ch, der frühere Kommandeur des badischen Korps. Ihr werden zugeteilt sein: Das 14. Korps (3 Divisionen), das 3. bayerische Korps (2 Divisionen) und die Kavalleriedivision A. Letztere umfaßt: Die badischen Dragonerregimenter 20 und 21, die hessischen Dragoner-Regt. 23 und 24, die Muß. Ulanen-Regt. 11 und 25 aus Saarburg, die reitende Abteilung des 1. Oberelsässischen Feldartillerie-Regts. 15, die Kavallerie-Pionierabteilung vom 14. Korps und die Maschinengewehrabteilung Nr. 2 aus Bitsch .
Bei jeder Infanterie-Division verbleibt noch ein Kavallerie-Regiment und zu diesem Zwecke wird auch das in Saargemünd und Zweibrücken liegende 5. bayer. Chevaulegerregt. herangezogen. Für das Ka- valleriekorps ist ein großes Kavallerienacht. Manöver vorgesehen, das der Kaiser selbst leiten wird.
Hinsichtlich der Verpflegung der Tmppen ist — wie erstmals im Vorjahre in Lothringen bei den Kaisermanövern — vorgesehen, sie durch ausgedehnten freihändigen Ankauf bet Lebensmittel (wo geschlachtetes Fleisch nicht zu haben ist, wird lebendes Vieh gekauft und geschlachtet) zu bewerkstelligen.
Das Kaisetmanöver wird nicht nur wegen der in gleichem Umfange nie dagewesenen Konzentrierung von Truppenmaffen, sondern auch hauptsächlich deswegen Jntereffe erregen, weil der Militärballon „Groß 2* zum erstenmale als neuestes Kampfesmit- tcl auf dem Schlachtfelde erscheinen wird. Die Aufgaben, die dem Luftkreuzer während der ersten Tage zufallen, find rein strategischer Natur. Der Generalstabsoffizier an Bord wird in der Lage sein, die Meldungen der Kavalleriedivisionen zu ergänzen vielleicht sogar, wenn die drahtlose Telegraphie zur Zufriedenheit funktioniert, wichtige Meldungen der Heeresleitung so frühzeitig zuzusenden, wie es die Kavallerie unmöglich kann. Sobald sich der Abstand der roten und blauen Partei im Verlauf der Ausklärungstage immer mehr und mehr verringert hat, wird der Motorballon, nachdem die Flügel des Gegners festgesiellt sind, die Aufstellung der Reserven zu ermitteln haben.
Bei den geringen Erfahrungen, die bis jetzt mit den Schießerfolgen gegen Ballons gemacht worden sind, werden die Schiedsrichter hierbei recht viel Arbeit haben. Auch die letzten Resultate auf dem Griesheimer Schißplatz haben ergeben, daß ein Ballon, selbst wenn mehrere Jnfanteriegeschoffe ihn verletzt haben, dennoch längere Zeit gebrauchsfähig bleibt, weil das spitze Jnfanteriegeschoß nur eine verhältnismäßig kleine Oeffnung verseht, die sich aber durch den gegenseitigen Druck des Gases und der Luft zugleich wieder zusammenschließt. Gegen einen Artillerievolltreffer natürlich ist man machtlos.
Deutsches Keich.
X Der Kaiser itt Karlsruhe.
Der Kaiser ist, aus dem Mährischen Manöver» gelände kommend, Samstag vormittag in Forch. beim bei Karlsruhe im Sonderzuge eingetroffen. Nach Begrüßung durch die anwesenden Fürstlichkeiten begab er sich zum Parade-Exerzierplatz bei Forchheim, wo um Va 10 Uhr die große Parade des 14. Armeekorps begann. Bald nach 12 Uhr hielt der Kaiser mit dem Großherzog an der Spitze der Fahnen und Standarten des 14. Armeekorps, festlich empfangen, seinen Einzug in Karlsruhe. Vor dem Rathause hielt Oberbürgermeister Sigrist eine Ansprache an den Kaiser, worauf der Monarch mit einer Rede erwiderte, worin er u. a. sagte;
Wir Deutsche sind ein waffenfreudiges Volk und tragen unsere Rüstung leicht und gern, weil wir wissen, daß sie uns den Frieden bewahrt und eihält, in dem allein unsere Arbeit gedeihen kann. Die Heerschau, von der ich soeben kcmme, zeigte mir die waffenfähigen Söhne aus dem Lande Baden, die unter ihrem erlauchten Landesherrn meine vollste Zufriedenheit gefunden haben. Solange es Kriege gibt, bildet unser Herr den roch er de bronca, auf dem sich der Friede gründet. Um ihn uns zu erhalten und um die Stellung in der Welt zu wahren, die uns zukommt, dazu dient unser Heer, dazu dienen auch dir Tage der Anstrengung, die ihm zugemutet werden. Daß es seine Probe im Falle der Not mit Gottes Hilfe und unter Gottes Schutz gut bestehen wird, davon bin ich überzeugt.
Es fällt auf, daß die Rede des Kaisers wesentlich «waffenfreudiger" gestimmt ist, als jene, die er vor einigen Tagen in Stuttgart gehalten hat. Darin eine Absicht zu suchen, liegt aber wohl kein Anlaß vor.
Der Kaiser nahm in Karlsruhe Wohnung im Großherzoglichen Resrdenzschloß. Abends fand im Residenzschloß Galatafel statt. Im Verlaufe des Mahles wechselten der Großherzog und
der Kaiser Trinksprüche. Der Kaiser sprach dabei seine Freude aus über den Patriotismus des badischen Volkes und rühmte das XIV. badische Korps.
Es sei gut und fertig, ein würdiges Glied in der Reihe der Armeekorps des deutschen Heeres, die bereit stehen für die Ehre und Sicherheit unseres Vaterlandes und für den Frieden desselben, wenn es nötig ist, einzutreten, die ihre Waffenrüstung tragen niemand zulieb und niemand zuleide.
Den Sonntag verbrachte der Kaiser als Gast in der Familie des Großherzogs von Baden. Montag morgen erfolgt die Abreise von Karlsruhe nach Bad Mergentheim, das bekanntlich das kaiserliche Hauptquartier bilden wird.
Der jüngste Feldmarschall.
Der Kaiser ernannte den Großherzog von Baden zum Generalfeldmarschall und teilte ihm die Ernennung in folgendem Handschreiben mit:
„Ich benutze den heutigen Tag der Parade, an welchem ich die badischen Truppen in so vortrefflicher Verfassung gesunden habe, um Euerer königlichen Hoheit einen erneuten Beweis meiner besonderen Wertschätzung und herzlichen Zuneigung zu geben, indem ich Euerer königlichen Hoheit hiermit den Rang als Generalseldmarfchall verleihe. Es ist mir eine besondere Freude, Euere königliche Hoheit hiervon in Kenntnis zu setzen, gez. Wilhelm."
5 Berlin, 12. Sept. 1909. Der Reichskanzler hatte in Hohenfinow in den letzten Tagen mehrfache Gespräche mit hohen Reichsbeamten u. a. mit den Staatssekretären Dern- burg und Delbrück. Am Mittwoch traf der Statthalter von Elsaß-Lothrlgen, Graf Wedel, zum Besuch dort ein. — Zahlreiche Ordensverleihungen veröffentlicht der .Reichs- und Staatsanzeiger'', die in der Mehrzahl Angehörigen der Marine vom Kaiser erteilt wurden. Unter anderm haben die Admirale v. Fische! und Graf v. Baudissin die königliche Krone zum Roten Adlerorden mit Eichenlaub erhalten. — Bekanntlich befinden sich eine Reihe von Zollfragen zwischen Deutschland und Oesterreich- Ungarn in der Schwebe. Es handelt sich einmal um einzelne Fragen, die mit der Auslegung des österreichischen Zolltarifs zusammenhängen und die der Klärung bedürfen In Oesterreich- Ungarrr bestehen ferner bestimmte Wünsche, die sich auf die Handhabung der veterinärpolizeilichen Bestiminungen beziehen. Wie die,Nationalztg/ erfährt, ist eine Konferenz von Vertretern beider Staaten für diesen Herbst geplant.
X Den ungünstigen Abschluß der Reichs- hauptkaffe für 1908 nimmt das Regierungsorgan, die,Rordd. Allg. Ztgck in ihrem üblichen Wochenrückblick in der Sonntagsausgabe zum Ausgangspunkte einer längeren Betrachtung über unsere Reichsfinanzen. Darin wird erklärt:
Der ungünstige Abschluß biete einen neuen kräftigen Beweis dafür, wie notwendig es war, daß die Neuordnung der Reichsfinanzen im vergangenen Sommer zum Abschlüsse gebracht und damit dem Reiche eine Einnahmeverstärkung ohne Verzug zuleil wurde. Wäre die Abfertigung der Steuergesetze in's unbestimmte hinausgezogen worden, so hätte sich nicht absehen kaffen, in welcher Weise die Finanzierung der nächstjährigen Etats zu bewerkstelligen war.
Ganz unsere Meinung. Um so weniger aber ist zu verstehen, daß das Regierungsblatt sich nach der Finanzreform ganz unzweideutig auf die Seite der Nörgler gestellt Hal, die der neuen Mehrheit des Reichstages wegen der Finanzreform so große Vorwürfe gemacht hat.
Sie weißt Fran von Sitelot.
?] Original-Roman von O. Elster.
Mein Vater war fast zwanzig Jahre älter als meine Mutter, die von einer zarten, lieblichen Schönheit war, welche das Herz des so viel älteren Mannes in Flammen gesetzt hatte, als er so einsam und allein in dem alten Jagdhause wohnte. Wie ein Sonnenstrahl war das junge Frauchen, die Tochter eines Försters ,in das dunkle, einsame Waldhaus geschlüpft und damals soll der finstere Mann ordentlich aufgelebt fein und alle die trüben, traurigen, auälenden Gedanken vergessen haben, sich der sonnigen Gegenwart freuend.
Und damals war es noch einsam in dem Jagdhaus, denn auf Schloß Oldensloe wohnte kein Herr und es fanden keine Jagden statt. Nur die Gräfin- Witwe Amalgunde, die Mutter des Grafen Lothar, verbrachte dort einige Sommermonate, während der Graf Lothar als junger Offizier in der Residenz lebte. Erst als sich Graf Lothar vermählt und den Abschied genommen hatte, wurde es wieder lebhaft auf dem Schlosse, denn alle Jahre zur Herbstzeit kam der Graf mit einer großen Gesellschaft und Jagden und glänzende Gastereien fanden statt.
Von diesem Zeitpuntt ab wurde die Laune meines Vaters von Jahr zu Jahr schlechter, bis et schließlich der finstere, schweigsame, mürrische rauhe Mann wurde, wie er in meiner Erinnerung steht.
Es schien, als nage ein quälender Gedanke an seiner Seele, ein rasender Reid, ein wilder Haß dem Grafen gegenüber, dessen Befehle et doch mit voll- kommenster Pünktlichkeit erfüllte. Rur an jene Höf- Mhkett, welche sonst die Dienet einem vornehmen Herrn gegenüber zu zeigen pflegen, vermochte er sich nicht zu gewöhnen. Mtt finsterem Gesicht und fast drohend blickenden Augen nahm et die Befehle seines Herrn in Empfang, ging ihm aber sonst so viel wie Möglich aus dem Wege. Auch der Graf schien in der Gegenwart meines Vaters eine gewisse Befangenheit -u fühlen, die jedoch mit der Zeit in völlige Gleich
gültigkeit überging. Er sprach nur die nötigsten Worte mit meinem Vater, den er, trotzdem eine offenbare Antipathie zwischen ihnen herrschte, dennoch in feinet Stellung beließ, da mein Vater ein tüchtiger, waidgerchiet Jäger war und seine Strenge gegen Waldfrevler und Wilddiebe dem Revier nur zu Gate kommen konnte.
Ich war zehn Jahre all geworden. Ich hatte nichts gesehen von der Welt als den Wald und das nächste, armselige Gebirgsdorf, in dessen Schule ich notdürftig lesen, schreiben und rechnen, sowie die Gmndbegriffe unserer christlichen Religion gelernt hatte. Mein Vater hatte sich in den letzten Jahren immer weniger um mich bekümmert, wenn er nicht im Walde wat, saß er an seinem Schreibtisch oder in feiner düsteren Ecke, rauchte feine Pfeife und stierte schweigend vor sich irieber, von Zeit zu Zeit das Glas Grog an die Lippen führend, das meine Mutter ihm immer aufs neue füllen mußte.
Meine Mutter konnte mir auch keine großen Kenntnisse Beibringen, denn sie besaß deren selbst nur wenige und hatte auch keine Zeit, sich mit mir eingehend zu beschäftigen.
So wuchs ich denn wie in der Wildnis auf. Der Wald, die Berge lvaren meine Heimat, die ich nach allen Richtungen mit dem Waldhüter und seinen Hun- dm durchstreifte :md eben so gut konnte, wie das alte Jägerhaus und unseren Gatten.
Mir gefiel dieses Leben sehr gut. Nur zuweilen erfaßte mich eine Sehnsucht nach der Welt, wenn ich von einem Bergesgipfel hmabsah auf die weithin sich brettende Ebene oder die Türme und Zinnen des Schlosses Oldensloe erblnfte, das ich nach dem ftrengen Befehl meines Vaters niemals besuchen durfte.
Der alte Waldhüter lachte dann so recht behaglich und meinten »Möchtest auch wohl de« großen Herrn da im Schloß spielen, mein Söhnchen? Aber, das laß dir nur vergehen, ein wildes Reis treibt keine Rosen.'
Ich sah ihn verständnislos an.
„JffS wahr, Peter*, fragte ich, .daß eS im Schlosse spuken soll?*
„Wer hat dir das erzählt?*
„Nun, unsere Magd, die Karoline.*
.Das ist eine dumme Gans. Aber was hak ste dir erzählt?*
„Im Schlosse soll ein Gespenst als weiße Frau, in der Mitternachtsstunde umgehen und gräuliche Klagetöne ausstoßen.*
„Das mag wohl wahr sein*, entgegnete Peter ernst.
Ich war neugierig geworden.
„Erzählt mir mehr davon, Peter*, bat ich.
Der alte Mann zündete sich eine frische Pfeife an. Dann sagte er: „Es werden da viele Märchen von dem alten Schlosse erzählt. Ob sie wahr find, kann ich nicht sagen. Aber eines ist wahr, und das sollst du erfahren. Hör nur zu und vergiß es nicht, wenn du auch noch so alt wirst. Vor langen Jahren lebte ein Graf Oldensloe, der ein wilder, toller Geselle war. Hier war ihm das Leben zu zahm, deshalb nahm er Kriegsdienste und zog hinaus in Kampf und Krieg. Wo er überall gewesen, ich weiß es nicht. Man sagt, er sei fast in ganz Europa herumgewesen, in Italien, in Spanien ,in Rußland, in England — was weiß ich. Und nach zehn J,h«n kam er zurück, aber nickst allein, sondern er brachte aus der Fremde ein junges, schönes, blasses Weib, dessen Sprache keine Ehtistenseele verstehen konnte. Die junge Frau spertte er in den alten Turm seines Schlosses und kein Mensch durfte fie sehen. Der Graf selbst aber zog wieder in die Welt, und die junge Frau schenkte in ihrer Einsamkeit einem Söhnchen das Leben. Die Fran fiihlte sich schon vocher tief unglücklich, aber das größte Unglück traf ste, als man ihr nach kurzer Zeit plötzlich ihren Sohn gewaltsam wegnahm. Der Knabe wurde in dem wilden Walde ausgesetzt und keines weiß, wo er geblieben ist. Aber die frembe Frau starb nach kurzer Zett, man sagt aus Schmerz über den Verlust ihres Knaben, doch kann sie keine Ruhe im Grabe fisten, sie wandert als weihe Frau im Schloß umher und sucht ihren Shtaben und erst, wenn fie diesen wiedergefunden hat, ist fie erlöst und findet Ruhe und ^rieben im Grabe.*
Auch darin stimmen wir mit der offiziösen Wochenrundschau überein,
baß auch nach Abschluß der Gesetzgebungsarbeit, eine ernste und schwierige Aufgabe verbleibt. Die strengste Sparsamkeit wird empfohlen, um das dauernde Gleichmaß zwischen den Einnahmen und Ausgaben des Reiches zn bewirken. In ganz besonders hohem Maße gelte das für die Etats der nächsten Jahre, durch die, um nur den Ausgangspunkt für die Gesundung der Reichsfinanzen zu erreichen, erst die Rückstände' aus vier vergangenen Etatsjahren getilgt werden müßten. Schon die Etatsfeststellung bei kommenden Winter werde also ein Feld der Wirksamkeit eröffnen, auf dem sich die Parteien zu einer für die Wohlfahrt des Reiches höchst bedeutungsvollen Arbeit untereinander und mit den verbündeten Regierungen znsammenfinden könnten.
Hoffentlich wird nun auch die hier gepredigt« „strenge Sparsamkeit" in der Tat angewandt. Zwar wird dies einigen überpatriotischen Kreisen, die nur Flotten- und Heerespläne im Kopfe haben, wider den Strich gehen. Aber die weitaus größte Mehrheit des deutschen Volkes dürfte darin einig sein, daß die größte Sparsamkeit angewandt werden muß, damit man endlich aus der Finanznot herauskommt.
* „Ein Zentrumsabgeordneter in Nöten." Unter diesem Stichworte berichten liberale und sozialdemokratische Blätter frohlockend, daß in einer Versammlung, die am 6. Sept, in Reichenbach in Schlesien tagte, der Zentrumsabg. Dr. Fleischer bei einem Referate über die Reichsfinanzreform „bös in die Klemme gekommen" fei, weil sogar eine Mißbilligungsresolution gegen Fleischer beantragt worden sei. Ursprünglich wurde die Sache so dargestellt, als sei . diese Mißbilligungsresolution von Zentrumswählern ausgegangen. Nun erfährt man die näheren Umstände, und da wird der ganze Rummel begreiflich. In der Diskussion sprach zunächst ein Sozialdemokrat Kühn, dann folgte ein frei-, sinniger Gasthofsbesitzer. Hierauf kam,der, ;wohl ebenfalls freisinnige Cohn, und dieser war es auch, der die Mißbilligungsresolution gegen Fleischer und das Zentrum beantragte. Es wird doch kein vernünftiger Mensch erwart^ haben, daß die Freisinnigen und Sozialdemokraten dem Zentrum ein Vertrauensvotum ausstellen würden.
-#-i Ein Ge gen stück zum Wagen des Drzy- mala. Eine Maffenexmiffion polnischer Villen«, besitzer, das ist die neueste Phase im ostmärki-, schen Nationalitätenkampfe. In dem nahe bei Posen gelegenen Ausflugsorte Unter berg ist eine ziemlich umfangreiche Villenkolonie im Entstehen. Der Aufbau villenartiger Gebäude ist bisher nur Deutschen unter der Bedingung gestattet worden, daß sie sich durch Eintragung einer Kautionshypothek im Betrage von mehreren tausend Mark Konventionalstrafe verpflichteten, die Gebäude an keinen Polen zu verkaufen. Einer größeren Anzahl von Polen, die in Unkenntnis dieser Bestimmungen des Regierungspräsidenten in der Villenkolonie Parzellen erworben hatten, wurde von dem zuständigen Distriktsamtskommissar Keller in Moschin gestattet, aus Fachwerk bestehende „Gartenhäuser^ auf dem von ihnen erworbenen Terrain zu erbauen. Jetzt nachdem eine große, Anzahl dieser Gartenhäuser von den Eigentümern zwei und drei Jahre während der Sommermonate bewohnt wurden, erhielten sie zu ihrer Ueberraschung folgende Verfügung mit dem Datum vom 3. Sept, zugestellt:
„So*, endigte der alte Mann imb klopfte feine Pfeife aus, „jetzt weißt du die Geschichte, und mm frage mich nicht wieder nach solchen alten Märchen, sie sind zu traurig für ein junges Gemüt, wje ba3 deinige. Komm, ich will dir einen Fuchsbau zeigen.*
Mir ging die Geschichte der weißen Frau im Kopf herum. Ms ich einst des Abends mit meiner Mutter vor der Tür unseres Hauses faß, schmiegte ich mich zärtlich an sie und fragte:
„Mutter, erzähl mir von der weißen Frau im Schloß . . .*
Da erschrak meine Mutter auf das heftigste und stieß mich fort und starrte mich an, als sähe sie ein Gespenst.
„Junge*, sagte fie mit bebender Stimme, „wer hat dir von der weißen Frau erzählt?*
„Der alte Peter.*
„Er sollte etwas besseres tun', murmelte meLte Mutter, sich scheu umsehenb, als fürchte sie eitlen Lauscher. „Sprich du aber niemals von der weißen Frau*, fuhr sie flüsternd fort, „mtt keinem Menschen und namenüich nickst mit dem Vater, wenn du nicht willst, daß ein großes Unglück über ims alle kommt*
Ich fühlte, wie meine Mutter zitterte und ich zitterte mtt ihr, denn ich glaubte an die gespenstige Macht der weißen 9tau, um Uebles zufügen zu können. Ich befolgte auch den Befehl meiner Mutter aus abergläubischer Furcht, wenn mich auch die Reugier quälte, mehr von der weißen Frau zu hören.
Doch andere Ereignisse traten ein und ich vergaß bas Märchen von bet weißen Frau, an das ich mich erst lange Jahre nachher erinnerte.
ES war ein stürmischer Winterabend. Der Wall» derfchnett und die Bäume beugten sich tief unter der Last beS Schnees. Wenn ein Windstoß durch den Wald sauste, bann krachte und splitterte e3 an allen Enden, fünfzigjährige Tannen wurden abgeknickt, als wären sie dünne Stangen, die die Hand eines Knaben zerbreche« konnte.
KForksetzung folgt.)