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Maer W Zeitung

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Fulda, Freitag den 10. September 1909.

36. Jahrgang

Hweites Wbcrtt

Kleines Feuilleton

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Anjrigen: Vie et» spalttgepetitrelleoder deren Sau« <5 pfg. ReNamendiePetitzeile 25 Pfg., bet wieder. Holungen wird entfpr.

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Moaatrbellage: „Fuldaer Geschichtsblätter"

volkswirtschaftlicher und Sozialer.

Die Bautätigkeit hat nach der ,Westd. Bauzeitung' in Rheinland und Westfalen vor allem durch das Inkrafttreten deS ersten Teiles des Bauschutzgesetzes jetzt wieder eine Belebung erfahren. Zwar sind alle Materialien noch billig, aber langfristige Abschlüffe werden nicht mehr betätigt. Die Bestände der Ziegeleien sind ge- räumt und in Düsseldorf setzte das Ziegelei, yndikat die Preise schon vor einigen Wochen höher. — Auch in Kassel sind die Backsteine

ten. Die schwierige Arbeit verlief ohne jeden Unfall und in drei Stunden waren die vier Glocken an ihren Bestimmungsort befördert, worauf die Pilgerschar ohne Unterschied der Konfession das Lied .Großer Gott, wir loben Md)!* anstimmte und mit Rührung und'Be­geisterung zu Ende sang. Wohl am meisten überrascht und zugleich erfreut waren die Patres, als sie die schwierige Aufgabe in so einfacher Weise gelöst sahen Die Tücken und besonders die Derwische waren natür­lich über diesen gelungenen Schwabenstreich nicht wenig erstaunt und ärgerten sich darüber weidlich. Die übn- gen Bewohner Jerusalems aber bezeigten den Deutschen ausnahmslos ihre Zusttmmung und ihre freudige Ge­nugtuung über diesen wohlgelungenen Spaß. Wie ein Lauffeuer hatte die Kunde davon sich durch die Heilige Stadt, von Sttaße zu Straße, von Haus zu Haus verbreitet. Wohl erhob der Pascha von Jerusalem Einspruch beim deutschen Konsul, doch blieb diese Beschwerde auf dem Papier. Man darf also hoffen, daß die deutschen Glocken bald ungestöck vom Berge Sion ecklingen und wetthin Gottes Ehre verkünden werden.

— Die vernachlässigten Frauen von Rummelsburg! Auf einfache Ack haben einige Frauen aus Rummels­burg, deren Männer bei Bier und Kackenspiel ihre Frauen vergessen hatten, sich zu rachen gewußt. Besagte Frauen, die zu ihrem Leidwesen erleben mußten, daß sich die respektiven Gatten lieber in der Kneipe auf- hielten und dock bis zum frühen Morgen .mauschelten* als daheim zu bleiben, wurde die Geschichte zu bunt, und sie zeigten den Restaurateur bei der Polizei an. Die Klage lautete dahin, daß dem Inhaber des Lo­kals verboten werde, weiterhin das Glücksspiel zu dulden, weil die Männer dadurch ihren Pflichten ent­zogen würden. Selbstverständlich hatte die Anzeige Erfolg, und ein hochnotpeinliches Verfahren wurde gegen den .Verführer* eingeleitet. Zu der Verhand­lung, die vor dem Schöffen geckcht in Lichtenberg statt­fand, erschienen als Zeugen all die vernachlässigten Frauen Ws Rummelsburg, und es wurde in der Tat festgestelü, daß die Männer durch das Spiel mehr ge­fesselt als durch ihre Frauen, den heimischen Penaten andauernd nächllicherwckle ferngeblieben waren. Der Restaurateur wurde zu 10 Mk. Geldstrafe verurteilt.

△ Die nationale Rot in Oesterreich.

Die nationalen Gegensätze zwischen den Deutschen und Tschechen haben in der letzten Zett einen derartigen Umfang angenommen, daß die ganze österreichische Monarchie darunter äußerst schwer zu leiden hat. Wenn das Parlament trotz dringender Vorlagen vor mehreren Wochen nach Hause geschickt werden mußte, so tat die Regierung dies nur in der Hoffnung, daß die Zeit auch die große gegenwäckig herrschende Kluft zwischen den einzelnen Nationali­täten wieder wenigstens einigermaßen überbrücken werde, und daß dann mit desto größerer Schnelligkeit die nötige Finanzreform erledigt werden könnte. Daran ist aber einstweilen nicht zu denken. Ministerpräsident B i e n e r t h hält jetzt täglich Konferenzen mit den Packeiführern ab. Man Höck nicht, daß es ihm ge­lungen wäre, die Gegner unter einen Hut zu bringen. Vielleicht wird sich also die Wiener Regiemng ge- nöttgt sehen, das österreichische Parlament und auch den böhmischen Landtag wegen Arbeitsunfähigkeit a u f 3 u I 6 f e n. Damit würde aber auch mit großer 'Wahrscheinlichkeit ein Kabinettswechsel eintreten. ' Warum es sich wenigstens nach außen bei diesem Kampfe zwischen den Deutschen und den Tschechen handelt, sst hinlänglich bekannt. Wer die innerpoli­tische Entwickelung der habsburgischen Monarchie seit ihrem Ausscheiden aus dem deutschen Bunde etwas

seit 1. August um rund 3,0 M. für das Tausend gestiegen; ein Beweis der Besserung im Bau- geschäft.

* Zum Kapitel Submissionsblüten lieferte die Vergebung der Arbeiten für Erbauung eines Gleises von Opladen nach Wermelskirchen einen hübschen Beitrag. Von dreißig submittierten Firmen forderte die billigste 13 180 Mk., die teuerste 36,400 Mk.

Aus Kirche und 5chule.

* Paderborn, 9. Sept. 1909. Als Personen, die bei der Besetzung des erledigten Bischofsstuhles in Betracht kommen, nennt ein in der Diözese erscheinen­des Blatt die Herren Professor Mausbach-Münster, Generalvikar Schnitz, Dompfarrer Backrls, Konvitts- direttor Funke-Paderborn und Prinz Max zu Sach­sen, Professor zu Freiburg in der Schweiz. — Prinz Max hat bekanntlich seit Jahren das Schicksal gehabt, bei jeder Vakanz eines Bischofsstuhls als Kandidat genannt zu werden. Auch die übrigen Namensnen­nungen beruhen schwerlich auf mehr als auf nahe liegenden Vermutungen.

erscheint täglich mit Auruahm» der Soä« und Feiertage.viertel- jährlicherveMspreir ohne vckngerlohn und Bestellgeld in Fulda so­wie auswärts 1.50 Ulk.

verantw. Redakteur!

Lark Schütte;

z ParzeLer in Znlda. w°che«bMg«:„Flluftriette Sonntagszeitung

Aus dem Nachbargebiete.

* Zella, 7. Sept. 1909. Bei der am Samstag vorgenommenenWahl eines Bürgermeisters wurde mit großer Majorität Herr Protzmann auf 6 Jahre wiedergewävlt.

* Frankfurt a. M., 9. Sept. 1909. Vorgestern be­ehrte ein Afrikakrieger, die Brust mit Ordens­auszeichnungen geschmückt, die „Jia" mit seinem Be­suche. Stolzen Schrittes durchmaß er das Festgelände, und manch bewundernder Blick blieb an der schmucken Gestalt haften. Ein Polizeicommissar, dem die unvor­schriftsmäßige Uniformierung des wackeren Kämpfers auffiel, verwickelte ihn in ein Gespräch und überzeugte sich schnell, daß er es mit einem falschen Kriegersmann M hm hatte, der, unauffällig zur Wache geleitet, sich dort als Kaufmann aus Offenbach entpuppte. Der .Scherz" dürfte dem Herrchen teuer zu stehen kommen. — Der aus Wien stammende Erfinder eines lenk­baren Luftschiffes, dessen Modell hier ausgestellt ist, befindet sich hier in d r ü ck e n d st e r N o t l a g e. Der Mann, ein Mechaniker, hat nicht einmal ein Nachtquar­tier. Er hat, wie jetzt entdeckt wurde, seit etwa 14 Tagen hinter einem Ausst-llungSschrank auf einem La­ger von Papier geschlafen. Den Weg von Wien nach Franffuck hat er seinerzeit zu Fuß gemacht.

* Kirchhain, 9. Sept. 1909. Gegenwärtig wird auf dem hiesigen Bahnhof elektrische Beleuch­tung angelegt.

* Wanfried, 9. Sept. 1909. Herrn Gutspächter Wehr auf Kalkhof sind innerhalb zwei Tagen eine große Anzahl Schafe verendet. Wie der Kreis- lrerarzt aus Eschwege feststellte, waren die Lungen von Würmern zerfressen.

* Kassel, 9. Sept. 1909. An der Kirchtür hat sich in der Nacht zum Dienstag ein Unternehmer in Rothenditmold, ein Mann von 64 Jahren er­hängt. Er hatte die Straßenbauten auf dem Rothenberge ausgeführt, soll sich aber bei Aufstellung der Voranschläge empfindlich zu seinem Nachteile geirrt haben.

* Wiesbaden, 8. Sept. 1909. Die Be­strebungen der hiesigen Regierung zur Bekämpfung der Tollwut der Hunde und Katzen sind von Erfolg begleitet gewesen, leider ober ist in diesem Jahre die Krankheit mit besonderer Heftigkeit wieder ausgetreten. Ueber die Mehr­zahl der nassauischen Kreise hat die Hundesperre verhängt werden müssen. Es ist eine auffallende ! Erscheinung, die in der Natur der Landschaft

vermischtes.

** Das Luftschiff Z. 3 wird nach einer Mitteilung der Luftschiffbaugffellschast in Friedrichshafen voraus­sichtlich in zweiter Hälfte nächster Woche auch nach Düsseldorf, Essen, Barmen und Elber­feld kommen. j

* Ein Schaufenster-Wettbewerb für das Fleischer­und Wurstmacher-Gewerbe wird von der „Allgemeinen Fleischer-Zeitung, Aktien-Gesellschaftt' in den Haupt­städten Deutschlands ins Leben gerufen. Zunächst wird in Groß-Berlin am 16. und 17. Dezember d. I. ein solcher Wettbewerb stattfinden.

* ^schossen hat sich In Cuxhaven der Unter-1 offner Lemcke. Er lud sein Gewehr mit Wasser und Pulverpftopfen und brachte es mit dem Fuß zur Ent- ladung. Seine Kameraden schliefen in derselben Stube; als sie von dem Schuß erschreckt aufsprangen, lag Lemcke schon mit zerschmetteckem Schädel am Boden.

* Drei Prisen Schnupftabak vemrsachten in Lon­don den Tod einer alten Frau. Weil sie ihre Kopf­schmerzen durch Niesen zu vertreiben hoffte, bat sie ihre Freundin um etwas Schnupftabak. Nachdem st, einige Male heftig genießt hatte, wurde fle plötzlich bewußtlos. Kurze Zett darauf starb sie im Kranken- hause, wohin sie sofort überfiihck worden war Die Untersuchung ergab, daß der Tod durch Platzen eine? Blutgefäßes erfolgt war.

Deutsches Reich.

) ( Auf dem Alldeutschen Kongreß konnte es auch in diesem Jahre ohne Krach nicht abgehen. Am Dienstag unternahmen die Teilnehmer des Verbands­tages einen Ausflug nach Böhmen, wo sie auch mit den alldeuffchen Radaubrüdern in Oesterreich zu­sammenkamen. Beim Feflkommers betonte der Vor­sitzende des Verbandes, daß in Oesterreich das Volk und das Herrscherhaus Hand in Hand gingen und es nicht heiße: Hie Habsburg, hie Hohenzollern, son­dern hie Habsburg und Hohenzollern. Er schloß mtt einem Hoch auf beide Herrscher. Diese Parole war natürlich den österreichischen Alldeutschen, die ihre Lebensaufgabe in der Bekämpfung der habsburgischen Dhnastte erblicken, keineswegs angenehm, und der be- kmmte alldeutsche Reichstagsabgeordnete Wolf er- flärie denn auch, daß die ungebetenen Rat­schläge, die nur auf Unkenntnis der Verhältnisse beruhten, zurückzuweisen seien. Man habe gesehen Ms welcher Sette der österreichische Staat stehe, die Deutschösterreicher hatten es genügend erfahren. Diese Erklärungen Wolffs wurden von der Versammlung mit stürmischem Beifall ausgenommen.

)( Zur Frage der hypothekarischen Be­leihung der Erbbaurechte wird jetzt mitgeteilt, daß dem Reichstage nach seinem Wiederzusammen- trttt eine Denkschrift der Reichsregierung über das Erbbaurecht unterbreitet werden soll, in der auch das Material verwertet wird, das aus einer bei den Bundesstaaten und Elsaß-Lothringen veranstalteten Umfrage über die bisherigen Er­fahrungen mit der Anwendbarkeit und der Be- leihung des Erbbaurechts gewonnen ist. Be­kanntlich hat der preußffche Landtag seinerzeit die Regierung um eine gesetzliche Regelung der Beleihungsfähigkeit von Erbbaurechten ersucht, nm eine Anwendung der Rechte auch für kleinste Rentengüter zu ermöglichen.

verfolgt hat, wird wissen, daß die Tschechen die .Niederlage bei Königgrätz durch neue Vorstöße gegen das übriggebliebene Deutschtum in der Donaumonar­chie zu benutzen zu können glaubten. Die für Oester­reich unglückselige Aera des Deutsch-Liberalismus trug dann das Ihrige dazu bei, daß die Wünsche der flavischen Stämme zum Teil auch verwicklicht wur­den. Die Tschechisierung drang immer weiter vor, und selbst das deutsche Nieder-Oesterreich ist davon gegenwärtig stark bedroht. Nach amtlichen Berichten gab es im Jahre 1880 in ganz Nieder-Oesterreich tunb 61 300 Tschechen gegenüber 2 101 000 Deutschen, Und 20 Jahre später war die Zahl der Tschechen in j diesem Kronlande bereits auf 142 000 Köpfe gestiegen. Diese große Vermehrung ist freilich zum größ­ten Teile auf den Umschwung der wirtschaftlichen Verhältnisse zurückzuführen. Me in Deutschland, so hat auch in Oesterreich die Zunahme der Industrie zum größten Teile die starke Vermehmng der flavi- schen Bevölkerung, die ja an das Leben viel geringere Anforderungen stellen, als die Deutschen, verursacht; und wenn schon in den übrigen Ländern gerade die Slaven an ihren nationalen Gewohnheiten aufs strengste festhalten, so mußte dies noch mehr in Oester­reich der Fall fein, da der Zusammenhang daselbst wett eher begründet war.

Zurückdrängen läßt sich diese große Masse der tschechischen Arbeiter aus den früheren kerndeutschen Gebietsteilen der österreichischen Monarchie keines­wegs, abgesehen davon, daß dadurch die österreichische Industrie an manchen Stellen ganz lahm gelegt würde. Ebensowenig würde man etwas erreichen kön­nen durch eine Einschränkung der Binnenwanderung/ wie sie soeben noch von den politischen Kindsköpfen auf iem Dresdener Alldeutschen Verbandstage gefor­dert wird. Ueberhaupt dürfte der Staat hier nur sehr wenig machen können. Er ist, wenn die Gesetzgebungsmaschine nicht ganz zum Stillstand ge­bracht werden soll, auch auf die Mitarbeit der flavi- fchen Völker angrwirfen. Eher ist schon etwas zu er­warten von einer tatfräftigcn Selbsthilfe der Deutschen. Freilich daff sich diese nicht geltend ma­chen m «traßentämpfen, wie sie leider in den letzten Tagen keine Seltenheit waren. Wenn die Tschechen «u blesem traurigen und stets verwerflichen Kampf- s^n seit zwei Jahrzehnten gegriffen haben, so mutz es doch ganz und gar verurteilt werden, daß Me Deutschen gleichfalls in die Arena der

Die Teilnehmer einer Mittelmeeffahrt besuchten wäh- rend ihres Aufenthalts in Jerusalem auch die Dor- . auf dem Berge Sion, den Platz, den einst Kai­ser Wilhelm für 80 000 Franken von der türkischen Re- ' 8wnmg gekaust und den deutschen Katholiken geschenkt > Krt, ?nr^tf^-^erein ?om HEgen Lande er- baute an dieser Statte eme herrliche Kirche nebst ÄIf5fteDrJm? übergab sie den Beuroner Be- neMftmem, die sich dort häuslich einrichteten. Nur ne ® e 1 a u 1 e für die schöne Kirche.

^^ ^föeJKegterung verwehrte nämlich auf das Ererben der Derwische des nahegelegenen Cönacu- lums das Aufhangen und Läuten der von Deutschen gestifteten und in Deutschland gegossenen vier Glocken Jene Derwische zeigen dort außer dem Abendmahls­saal auch den Sarg Davids, dessen Grab sich tatsächlich ganz wo anders befindet behaupteten dann, der Pro- phet David den auch fie verehren, würde sich vom Grabe erheben und schwere Heimsuchungen über Land und Volk bringen wenn die Christen nebenan ihre Glocken lauteten. So mußten auf Befehl des Vakckas die schönen Glocken mehrere Monate lang wohlverpM unten im Freien auf ihre Aufgabe warten. Als „M die deutsche Reisegesellschaft eintraf, entwarf der lei­tende Architckt, Baurat Sandel, ein geborener Schwabe, einen kühnen, aber schlau ausgedachten Plan Die R e i s e n d e n sollten die Glocken auf den Turm hinaufziehen, die Pattes und Laienbrüder aber sollten von der ganzen Sache nichts wissen, damtt sie mit den türkischen Behörden nicht in Streit gerieten. Gedacht getan: An einem schönen Augusttage fand eine Probe' statt, die der Baurat Sandel leitete. Um 8% Uhr begann das merkwürdige Schauspiel. Hoch oben auf dem Turme wehte die deutsche Flagge stolz im Winde; mehr als fünfzig Herren, Aerzte, Beamte, Geistliche Professoren, Gymnasial-, Real- und Volksschullehrer' Kaufleute, Abgeordnete und Private, legten mit Hand an und beförderten mit Flaschenzügen die Glocken auf die stolze Höhe, während die Damen einen Schutzkreis um die im Schweiße ihres Angesichts Arbeitenden zo­gen, sodaß die türkischen Behörden, selbst die Kawaf- sm bei ihrer großen Hochachtung vor dem weiblichen Geschlecht diese Postenkette nicht zu durchbrechen wag-

begründek ist, daß nach den Beobachtungen deS Veterinärrats Peters nirgends so viel wildernde Hunde und Katzen angetroffen werden wie in Hessen-Nassau und er empfiehlt als das wichtigste Moment in der Bekämpfung der Tollwut das sofortige Erschießen dieser wildernden Tiere ohne jede Beobachtungs­zeit.

u. Heiligenstadt, 6. Sept. 1909. Der Verein für eichsfeldische Heimatkunde, der in den drei Jahren feines Bestehens über 600 Mitglieder erworben hat, hielt am Sonn­tag seine gutbesuchte Hauptversammlung in Geismar am Fuße des Hülsenberges ab. Di« beiden Vorträge, die dort gehalten wurden, be­zogen sich auf die Ortsgeschichte. Besonders die Ausführungen des hochw. Herrn Pfarrers Os- burg-Bickenriede über die Beziehungen des hl. Bonifatius zum Hülfensbergs fanden ungeteiltes Interesse, umsomehr, als in wissen­schaftlichen Kreisen des Eichsseldes gerade in der letzten Zeit die alte Streitfrage, ob der hl. Boni­fatius die Donareiche bei" Geismar auf dem Hülfensbergs gefällt habe, durch verschiedene Publikationen aufgerollt worden ist und lebhaft diskutiert wird. Der Vortrag stützte sich auf so reichhaltiges und beweiskräftiges Material, daß die Majorität der Versammlung dm Aus­führungen aus voller Ueberzeugung zustimmte. Mit großer Berechtigung können deshalb die Eichsfelder ihr altes Nationalheiligtum als di« Stätte proklamieren, wo der Apostel Deutsch­lands mit größter Wahrscheinlichkeit die dem Donar geweihte Eiche fällte, von der Willibald, des hl. Bonifatius Biograph, spricht. Auch der zweite Vortrag, den Herr Hauptlehrer Gold­mann -Bickenriede über die Erlebnisse des Ortes Geismar in Kriegsjahren hielt, erhielt den warmen Beifall der Versammlung.

* Wnrzbnrg, 6. Sept. 1909. Eine Festungs­beleuchtung mit großem Feuerwerk findet zu Ehren der bei den Kaisermanövern anwesenden Fürstlichkriten am 15. d. M. hier statt.

aber in dem Erkenntnis steht nicht drin, ob auch die Männer fürder zu Hause bleiben müssen ober nur iq Begleitung ihrer Frauen „mauscheln" gehen dürfen.

— Die Lebensdauer der Tiere. Der deuffchs Zoologe Dr. Kortscheit hat sich der nicht leichten Aufgabe unterzogen, die Lebensdauer einer Anzahl von Tiergattungen zu messen. Danach lebt der Wurm etwa 10 Jahre. Die Ameisen, besonders die Weibchen, können ein Alter bis zu 15 Jahren erreichen. Die Königin eines Bienenstocks wird nicht über 5 Jahre alt. Unter den Säugetieren erreicht der Elefant mit 150 bis 200 Jahren das höchste Alter. Unter der Gattung der Vögel schlagen die großen Adler, die bis zu 100 Jahren alt werden können, den Rekord. Es scheint, daß em Frosch zehn und ein Alpensalamander 15 Jahre auf der Eide herumkriechen kann. Bei der Kröte soll ein Alter von 40 Jahren nichts Seltenes sein. Allen voran aber ist die Schildkröte. Eines dieser Tiere kroch langsam aber sicher durch drei Jahrhunderte hindurch. Von Rindern, Kühen, Ochsen, Schafen, Schweinm und anderen Schlachttieren wollen wir hier nicht reden, da ihnen der Mensch keine allzu­lange Lebensdauer läßt. .p.

, — Das neue Glaubensbekenntnis. Schallende Hei- teckeit rief in einer Sitzung des Altonaer Schöffenge- nchts die Antwort eines als Zeuge vernommenen 73- jagngen Mannes hervor, als er nach seiner Konfession gefragt wurde. Zuerst schien er die Frage nicht zu verstehen, und erst, als der Vorsitzende sie dahin prä­zisierte, ob er Christ, ob Jude ober Hottentott sei, rief er: »Jawohl, ich bin Christ!" Auf die weitere Frage, welchem christlichen Glaubensbekenntnis er angehöre, meinte er treuherzig: „Ich bün Mecklenborger!" =p.

— Eine Tänzerin als Rechtsanwalt. Die ehe­malige russische Tänzerin Maria Rudkowska hat der Muse Lebewohl gesagt, um sich fürderhin der — Juris­prudenz zu widmen. Nach einem glänzend bestande­nen Examen will die Dame nunmehr in der Schweiz die etwa» nüchterne Tätigkeit eines Rechtsanwalts ausübeu. .r_

Straßenkämpfe hinabsteigen, tschechischen National- häusern die Fenster einzuschlagen und auf die tschechi­schen Herausforderungen mit Steinwüffen und Stock- schlägeu antworten. Wir hatten geglaubt, daß die Zeit der rauflustigen Schöneraner vorüber sei. Aber der furor teutonicuS, der am letzten Sonntag in dem Bummel der Deutschen in Men wieder mtt seinen Auswüchsen zutage trat, zeigte, daß die Herren All­deutschen ihre Zeit ivieber für gekommen erachten.

Es ist keineswegs zu verkennen, daß die immer weiter vordringende Slavisierung Oesterreichs eine große Gefahr nicht nur für die Donaumonarchie, son­dern auch für Deutschland bildet. Aber ge­rade im Interesse des Deutschtums wäre es zu wün­schen, daß die Deutschen bei dem Kampfe, der gegen­wärtig ausgekochten wirdr, nicht zu Radaumitteln und Straßenkämpfen griffen. Dadurch muß die Erbitte­rung auf beiden Seiten nur noch in bedenklicher Weife zunehmen und der Regiemng die Versöhnung zwischen den einzelnen Nationalitäten, auf die man in Oester­reich unbedingt angewiesen ist, nur noch erschwert werden.

— Ein Kukturdokumeut ist ein Brief, der einem Seefischveffandgeschäft am ©eeftemünber Fischerei­hafen zugegangen ist. Er lautet in der ursprünglichen Orthographie des Schreibers folgendermaßen: „Ich deihle den (Namen der Firma) mit, daß Ich Nach Westfahlen Verzogen Bin warum Weihl miehr Meine Frau Fori gelaufen ist. Nun Habe Ick Hier Angefan- tzen mit Arbeiten unt Habe eine Nachtschicht da Habe zeit genuch zu Handeln mit Fisch dämm Möchte Ich Mahl anfragen Beim Herrn . . . Wen Er Mochte So gut Sein unt Miehr Einwahl Möchte Eine Sedunk Franko Senden. Es ist alle Woche 3 Mahl ujtt Keine gereugerte Fische Sint Nicht am Matze, Also wen Herr . . . Möchte So gut Sein unt miegr Etwas Schicken Ich Sente Ihnen Sofort das Md zu JEen Ich die Wahre Verkauft Habe. Also Können ©ie 5 Kisten Bücklinge Eine Kiste Ahle Groß- binoeben , des Brieses mag noch

Schreibers Verwirrung des

in dttiem ? A ” em und dasselbe Wort aberniemaS^riÄÄ'^rT ^aIe verschieden schreibt, das nächste f£retbLct einmaI -®dt" und lenbs te ne Siebe8 Ra Interpunktionen ist vol- diesem Bttes ware falsch, wollte man au«

Kenten Mann her^btt durchaus nicht unintellt- seres Schulwegs' schließt bder^s'^^iskeit un- lerer mit allerlei unnützem in,sun"

pmchsvollen Crt&onraE S? BcI“btrnen' wider- fere Kinder k°stbare »ei n^ ^ r^ ^letnung - werden wir zu einer Wann endlich

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