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z?parMtt"wFMa. wochenbeilase: „Alustriecke Somtagszeitung"

Fulda, Montag den

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4. Sept. 1909. Nach

Rekameu- nud Anzeigeuteil

Kleines Feuilleton

r,«»r<gen: xnt et» fpaltigepetttzeileoder bereit Raum lö pfg. ReNamendiepetitzeile 25 Pfg^ bei Wieder­holungen wirb entfpr.

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der Bauart vollständig doch die maßgebenden Einhalt gebieten, denn wirklich gute Alle und echte deutsche Art.

* Koburg, 4. Sept. 1909. Ein absonder­licher Fall ereignete sich im Stalle eines Landwirts im benachbarten Rohrbach. Dort zeigte sich plötzlich ein zweijähriger Stier derart unruhig, daß das Stallpcrsonal das Tier um­sonst zum Fressen bewog. Sobald der Stier an die Krippe gedrängt wurde, riß er sich wieder los und würgte sich derart am Gurt, daß er schließlich erstickte. Zu spät sah man, daß in der Krippe eine Kröte saß, vor der sich das Tier rntsetzte.

Fürst Bülow habe erklärt, das Enteignungsgeseh in der Ostmark werde niemals praktisch zur An­wendung kommen. Fürst Bülow hat nun auf Anfrage mitgeteilt: „Ich habe öffentlich und privatim eine verständige und vorsichtige An­wendung des Enteignungsgesehes in Aussicht ge- stellt, aber selbstverständlich seine Nichtanwendung niemals versprochen."

* Germanisierung — Protestantisierung. Im ,Bonifatius-BlatL vom 15. August ist folgendes zu lesen:

„Das von der Anstedelungskommission angekaufte Gut Sarsau wurde unter evangelische Kolonisten aus Rußland parzelliert. Sofort wurde mit Einver­nehmen der königl. Regierung zu Marienwerder eine Schule erbaut und mit einem protestantischen Lehrer besetzt; die katholischen Kinder der anliegenden Dörfer Groß- und Klein-Woyken, die bis dahin die Schule zu Gulbin, wo ein katholischer Lehrer angestellt war, be­sucht haben, wurden der neuen Anstedelungsschule zu­geteilt. 36 katholische und 20 evangelische Kinder find letzt in der Schule, der Lehrer ist evangelisch und seit dem L April 1906 erhalten die katholischen Kinder keinen Religionsunterricht. Die Schule ist mit dem Bilde Dr. Martin Luthers geschmückt.'

Es ist dies einer der vielen Fälle, die so recht deutlich beweisen, was man den Katholiken zu bieten wagt. Die Katholiken sind in der Schule in der Mehrzahl. Fremde, russische Untertanen werden herbeigeholt, um den Prote­stantismus auszubreiten, für die Minderzahl der Protestanten wird eine Schule gegründet und die Katholiken werden gezwungen, diese prote­stantische Schule zu besuchen. Nicht einmal katholischer Religionsunterricht wird erteilt. Da bäumt sich doch in jedem Katholiken das Rechts­gefühl. Auch ein Beispiel der Freiheit, deren sich die preußischen Katholiken erfreuen.

* Die drückende Steuerlast Für die Streiken­den in Schweden hat die Berliner sozialdemokra­tische Gewerkschaftskommission bis jetzt 108,376.94 M. aufgebracht. Diese Summe haben sich die Arbeiter in wenig Wochen abpressen lassen. Wegen der neuen Steuern aber, durch die sie im ganzen Jahre mit ein paar Mark belastet werden, wird ein großes Zetergeschrei erhoben.

♦ Halle a. S. 4. Sept. 1909. Die rechtsstehenden Parteien verzichten auf eine eigene Reichstags­kandidatur und der gleiche Beschluß steht bei den Nationalliberalen bevor, sodaß nur Reimann (Fress. Vollspartei) und K u n e r t (Soz.) einander gegenüberstehen.

Trümbach an. Der älteste Grabstein, deffen In­schrift weniger gut erhalten ist, trägt die Jahres- zahl 1514. Es sind insgesamt 11 Grabdenkmäler vorhanden.

* Bebra, 4. Sept. 1909. In der gestern abend unter Leitung des Herrn Bizebürger- meisters Degenhardt abgehaltenen Sitzung der Gemeindeverordneten wurde u. a. einstimmig die Anstellung eines Berufsbürgermeisters be­schlossen. — Es bestätigt sich, daß der Bürger- meister So pp, der vor einigen Tagen Selbst- mord verübte, sich schwerer Verfehlungen im Amte schuldig gemacht, u. a. eine Quittung über 6000 Mark gefälscht hat. Die Untersuchung ist

sie schützen dadurch das betätigen ihre Liebe für

kein zweitesmal in der Welt wiederfindet Neber da» tägliche Wachstum dieser Sammlung hat der vatt- kani che Korrespondent der Perseveranza feinem Blatte einen interessanten Bericht gesendet, In dem e» heißt- Aus allen Blättern, die im Vatikan emlaufen, werden Auszüge hergestellt, die täglich dem Kardin-ll- staatssekretäc vorzulegen sind, der daraus auswahlt, was für den Papst von Jntereffe sein tonnte. Alle Ausschnitte aber, auch solche, die der Papst nicht sicht, werden sorgsam aufbewahrt und in stacke Bande ge­bunden. Die gleiche Aufmecksamkeit wie der tta- lienischen Prcfle wird auch den Zeitungen des Aus­landes zugewendet. Jedes einlaufende Blcckt der gro- ßen Auslandspresie wird von eigens> dazu bestimmten Beamten durchgesehen, und wenn sich ein Acttkel fin­det, der von Weck zu sein scheint, so wird er ausge­schnitten und mit der genauen Uebersetzung auf einen großen Bogen gellebt. Zeitungen aus uberseet chen Ländern oder solche Blätter, die im Vatckau nicht ge- halten werden, sind von den Diözesanbtschofen durch­zusehen und diese find beauftragt, jeden Aussatz und jede Notiz von Bedeutung für das Zeitungsarchiv deS Vatikans nach Rom einzusenden. Es ist begreiflich, daß sich infolge dieser systematischen Sammeltätigkeit ein geradezu unübersehbares Material ansammelt, und dieses Material würde völlig wecklos sein, wenn nicht auf ein ungemein sorgfältiges Register ein besonderes Augenmeck gerichtet würde. Man kann sagen, daß sich fast jedes Wock in den umfangreichen Registerban­den verzeichnet findet. Für die Polttiker ist diese durch Pius IX. ins Leben gerufene und von seinen Nachfol- gern fockgesetzte Zeitungssammlung von dem glichen Wecke wie für die Histockker kommender Zecken. Zahl- lose Blätter, die der Tag gebracht und der Tag wieder verweht hat, find hier für dauernde Zecken erhalten, und wer sich etwa mit der Geschichte der Einigung Italiens beschäftigt, wird in den mächtigen Folianten, die sich unter den Sttchwocken Cavour, d'Azeglio, Gackbaldi, Cckspi u. a. in den Beständen der Vati- konischen Bibliothek finden, ein Material zur Hand haben, wie es ihm keine andere Bibliothek der Welt bietet.

«rfcheint täglich mit Ausnahme der So-m- ««d Feiertage, viertel­jährlicher vezugspreir ohne vckngerlohn und vefteSgeld in Zulda so­wie auswärts 1.50 Rlk.

Verantto. Redatteuri Lar» Schütter

Monatslxllage: „zuldaer Geschichtsblätter"

Deutsches Reich.

(*) Fürst Bülow und das Enteignuugs- gefetz. In der Preffe war gemeldet worden.

* Bad Nauheim, einem Reser ck des Jnnungs-Obermeisters Jung aus Frankfurt wurde hier die Gründung einer Metzgerinnung beschlossen, zu welcher zahl­reiche Beitrittserklärungen erfolgten.

noch nicht abgeschloffen.

* Treysa, 4. Septbr. 1909. Infolge eines zwischen den hiesigen Metzgern ausgebrochenen Konkurrenzkampfes ist der Preis des Rind­fleisches von 70 Pfg. auf 60 Psg. pro Pfund herabgesetzt worden; ein Metzger verkauft dasselbe sogar noch 5 Pfg. billiger.

Kassel, 5. Sept. Bereits auf dem Siädte- tag in Hersfeld ist von verschiedenen Seilen nach­drücklich darauf hingewiesen worden, wie wichtig es wäre, durch sachgemäße Ortsstatute dafür zu sorgen, daß unserer Väter Werke nicht durch un­vernünftige Neuerungen verunstaltet würden. Die meisten Slädte Hessens werden wohl dies- bezügliche Statute erlassen haben, nur Hessens Hauptstadt kommt damit nicht zu Ende. Zwar ist schon seit Jahr und Tag eine vielgliedrige Kommission zusammengetrelen, um über ent- sprechende Statuten zu beraten. Die Kom­mission scheint indessen schon vor getaner Arbeit gut zu ruhen. Seit der einzigen Sitzung im Februar 1908 hat nämlich noch keine weitere Sitzung der Kommission stattgesunden. Inzwischen gehen die Verunstaltungen aller inter­essanten Häuser lustig weiter. Eine neuer­dings beliebte Art der „Verschönerung" besteht darin, daß man alle Fachwerkshäuser mit Ver­blendplättchen überzieht. Leider macht sich diese greuliche Unsitte auch schon auf dem Lande breit; in Kassel kann man sie jedenfalls bereits an einer ganzen Anzahl Häuser beobachten. Und doch ist diele Verblendung für die Dauerhaftig­keit des Holzes, das dadurch von der Lust av- geschnitten wird, nur, zu nachteilig, ganz ab­gesehen davon, daß ja dadurch der ganze an­heimelnde Reiz und so echt deutsche Charakter verloren geht. Möchten Behörden diesem Unfug

— Ein weiblicher Stadtschulrat in Amerika. Von den 500,000 Lehrkräften in den Vereinigten Staaten kommen etwa 300,000 auf das weibliche Geschlecht. DaS Vorbringen der Frauen in diesem Berufe wird durch die Bundesstatistik schlagend dargetan. 1890 war die Zahl der Männer im Lehrfach 101,000, die der Frauen 246,000, bei der letzten Zählung, 1900, waren die Zahlen 118,000 und 327,000. Es sind namentlich die Volksschulen, in denen weibliche Lehr­kräfte immer mehr das Ueberaewicht erlangen. Richt nur der Zahl nach. Mehr und mehr werden sie zu leckenden Stellungen in der Jugenderziehung berufen, und so kam es nicht gerade als eine besondere Ueber- raschung, als dieser Tage Frau Ella Foung in Chi­cago zum Oberhaupt des gesamten Fceischulsystems, das Elementarschulen und höhere Unterrichtsinsti- tute einschließt, erwählt wurde. Sie trug den Sieg über eine Reihe von männlichen Mitbewerbern aus Chicago und anderen Städten davon. DaS Gehalt beträgt 40,000 Mack.

— Der kälteste Punkt der Erde. Bisher nahm man an, daß sich in der Nähe der Stadt Werscho- jansk im Norden Sibiri.ns unter 69 Grad und 8 Min. n. Br. der Punkt der Erde befinde, an dem die größte Kälte bisher gemeffen worden ist. Der russische Maler Boroffow hat jedoch bei dem Ort Mototchkin auf der Insel Nowaja-Semlja, einen Behälter gesunden, in dem 2 Thermometer lagen, die der österreichische Gelehrte Höffer zurückgelaffen hatte, als er im Jahre 1872 durch diese Gebiete eine Forschungsreise unternahm. Diese beiden Thermo­meter — ein Minimum- und ein' Maximum-Thermo­meter — zeigten eine Temperatur von 15 Grad und — 70 Grad Celsius. Bei einem Temperatur­unterschied von 85 Grad ist dieser Punkt der Erde mithin die Stelle, an der bisher die größte Kälte gemeffen worden ist.

— Das Zeitungsarchiv bei Vatikans. Unter den Päpsten des Vergangenen Jahrhundecks war PiuS IX. der erste, der die gewaltige Macht der Presse erkannte, und seiner Anregung verdankt die vatibmische Bibll»- thek ein Zeitungsarchiv, wie eS sich in diesem Umfang

4. Das Licht ans dem Osten.

Herr Abg. Ad. Hoffmann aus Berlin macht augenblicklich eine „Vortragstournee' durch Rhein­land und Wesffalen, jubelnd gefeiert von feiner roten Leibgarde.

Er predigt Freidenkerttim d. h. et macht eS wie der Grobschmied, der mit Schmiedehammer und Feuer- -ange eine Taschenuhr reparieren wollte. Sein Thema heißt: „Glauben und Wissen'. Er behauptet den Glauben durch das Wissen überwunden zu haben. Uns scheint, daß fein Glaube, d. h. sein christlicher Glaube, schon vorher ziemlich wackelig gewesen ist, sonst würde ihm fein „Wissen' schwerlich als hinrei­chend erschienen fein, ihn zu überwinden. Wit möch­ten ihm dringend empfehlen, fein Wissen durch Stu­dium emfter wissenschaftlicher Wecke noch um ein be­deutendes zu bereichern. Melleicht wäre das Resul­tat, daß er ein wenig bescheidener würde und nicht tzlaubte, daß man den Glauben mit ganz gewöhnlicher Hinteckreppenliteratur ernsthaft bekämpfen kann. Wenn die Berichte der fozialdemokrattschen Blätter über die jHoffmannsche Wissenschaft zuverlässig sind, so hat Hr. iHoffmann feine Freidenkerpauke auf ein geradezu ver­blüffend niedriges Niveau gesttmmt. Nur ein erhei­terndes Beispielchen dafür, welche Ansprüche der Mann, der „den Glauben durch das Wissen' über­wunden' hat, an die Gläubigkeit feiner Zuhörer ge­stellt bat! Nach dem Berichte der sozialdemokratischen ^Volkszeitung' in Düsseldorf hat er gesagt:

„Als bei der Jahrhundertfeier Schillers Werke salsPrämien in den Schulen verteilt werden sollten, wer schuf da die größten Hindernisse, wer machte da gegen Schiller mobil ? Da wußte man aufkatholischerSeite, also streng genommen seitens der Kirche, nichts von der Erhabenheit, nichts von der Wissenschaft eines Schiller". ;

Was war es noch wieder mit diesen Hindernissen? In einet rhein. Stadt beschloß der Kommunalfreisinn, ^Schillers Wecke wahllos an unreife Schulkinder zu ver­teilen. Dagegen haben Katholiken ebensowohl wie vernünftige Andersgläubige protestieck. Warum? — Schillers erstes Drama war „Die Räuber', ein von tzlühender jugendlicher Leidenschaftlichkeit diktiertes Weck. Als Ganzes betrachtet, bekundet dieses Werk eine große dramatische Kraft. Aber es ist wilde, über- schäumende Kraft, und numche Stellen darin sind so jugendlich-roh, daß kein Vernünftiger Vater das Büch­lein einem vierzehnjährigen Kinde in die Hand geben wird, auch kein vernünftiger sozialdemokratischer Vater, der fein Kind nicht verdorben wissen will. Darum haben sich die Katholiken und Protestanten gegen die aller Erziehungskunst hohnsprechende Veckeilung jener Schillerausgabe mit Recht gewehrt.

Gut ist auch der Hinweis der „Volkszeitung' auf die „Volksverdummungszentrale in M.-Gladbach', die „aus dem Hinterhalte ihre vergifteten Pfeile ab- fichießt", dagegen nicht den Mut habe ,bem tapferen Herrn Hoffmann Äug' im Auge entgegenzutreten. Man staun ja den Mut des Herrn Hoffnumn bewundern, #8 gibt eben auch einen Mut der Beschränktheit. Aber ses wäre doch wohl etwas zu viel verlangt, daß sich «in gebildeter Mensch vor der Oeffentlichkeit mit dem hperm Hoffmann in der Straßengosse der „Wiffen- jfchast' herumbalgen sollte. Die „Gladbacher' hoffen, durch ihre apologetische Arbeit im Verein mit opfer­freudigen Vereinsleitern im Lande die katholische Ar- »eiterschast auf eine Stufe der religiös-sittlichen Bil­dung zu heben, daß sie über Freidenker nach der Ack des Hm. Hoffmann nur mitleidig lächelt.

Am dem Nachbargebiete.

* Aus der Rhön, 4. Sept. 1909. Auf der Basaltkuppe „Metternich" bei Mitgenfeld (in der Nähe von Brückenau) wurden unter Leitung des Kgl. Konservators Dr. Hock im Auftrage und mit Mitteln des Kgl. Generalkonservatoriums Ausgrabungen vorgenommen. Es wurden vorgeschichtliche Befestigungen, ähnlich wie bei der Milseburg, festgestellt.

* Burghaun, 3. Sept. 1909. Dieser Tage fand hier eine Versammlung der Schneider des Kreises Hünfeld statt, in welcher die Gründung einer Schneider-Innung für den hiesigen Bezirk beschlossen wurde. Her Schneidermeister Becker wurde mit den weiteren Vorarbeiten be­traut.

» Wehrda (Kreis Hünfeld), 3. Sept. 1909. Beim Umbau der hiesigen Kirche wurden eine ganze Anzahl Gräber bloßgelegt. Die hier Bestatteten, deren Gebeine zum Teil noch gut erhalten sind, gehörten bis auf einen, wie aus den Grabsteinen hervorgeht, der Familie von Polarschiffe angängig ist. Der Mann kann also sehen, wie die Eisverhältnisse in der Ferne sind, und diese Orientierung ist für Polarexpeditionen, insbesondere die bevorstehende „Fram'-Expedckion, die eine Treib- fahck im Polareis auszuführen hat, von größter Wich­tigkeit. Ein Fesselballon wäre für den erwähnten Zweck natürlich besser gewesen, aber die Drachenmis- rüftung stellt sich billiger.

— Amerika und die rauchenden Frauen. Ueble Erfahrungen hat eine Engländerin, die mit dem Damp­fer „Philadelphia" von Southampton in diesen Tagen in Newyock ankam, im Lande der Freiheit gemacht Die Dame, ein sechzigjähriges Fräulein Betsy Hill, die ihre Reisegefährten als eine hochbedeutende Wissen­schaftlerin auf dem Gebiete der Altertumskunde rüh­men, wurde des „Verbrechens' überfühck, auf dem Dampfer Zigaretten geraucht zu haben, ein Verbrechen, auf Grund dessen ihr das Betreten des amerikanischen BodenS untersagt wurde. Die englischen Zigaretten­freundin befindet sich jetzt als Gefangene in Ellis Ei­land, um den Uckeilsspnlch der Einwanderungsbe­hörde abzuwacken. Diese hat sich zur Rechtfertigung ihres Vergehens zu der Erklärung verstiegen, daß „eine Frau, die so raucht, aller Wahrscheinlichkett nach nicht recht bei Verstände ist, und deshalb in Ellis Ei­land interniert werden müßte.'

— Lügen die Kreter »der nicht? Die Aufmeck­samkeit, zu der die Kreter wieder gegenwärtig alle Welt zwingen, ruft auch die Erinnerung wach an ein berühmtes Sophisma (Trugschluß), das sich auf das Wort des Apostels Paulus: „Die Kreter find Lügner und faule Bäuche' stützt. Das Sophisma lautet: „Alle Kreter sind Lügner'. Der das ge­sagt hat, war aber selbst ein Kreter. Sind die Steter wirklich Lügner, so hat jener Kreter au<$ gelogen. Hat er aber gelogen, bann ist sein Wort, daß alle Kre­ter Lügner feien, nicht wahr, fondern fie sind wahr­heitsliebend. Ist aber das der Fall, bann hat jener Kreter also auch recht, als er sagte, bie Steter finb Lügner. Sind fie Lügner, bann sind fie dennoch wahv- heitsliebend, weil der Kreter als Lügner gelogen haben muß' und so fort ohne Ende

— Ein Heilserum gegen die Cholera hat Dr. S a- tamlini vom Pariser Pasteurschen Institut herge­stellt. Er schreibt ihm große Heilioickung zu und be­hauptet, daß es die Sterblichkeit bei Cholera, die bis­her etwa 50 Prozent betrug, um weitere 23 Prozent ‘Verringert. Er hat auch einen Impfstoff erfunden, bet bie Leute gegen bie Cholera immunisieren soll. Die ärztlichen Autoritäten nehmen den Mitteilungen Dr. Salamkinis gegenüber einen durchaus abwartenden Standpunkt ein.

— Der Mensch in der Drachengondel. Der „Voss. Weitung' wird aus Christiania geschrieben: In der Mähe der Kriegswerst Hocken am Chckstianiafiotd Ha­tzen dieser Tage Versuche mit Stadien stattgefunden, die Sn der gegenwärtigen Zeit, wo die Erobemng der Dust durch lenkbare Luftschiffe und Flugmaschinen mehr denn je die Gemüter beschäftigt, von hesonderm Jnter- fesse sind. Zum ersten Male wurden Menschen durch Drachen gehoben. Man koppette sechs Drachen zusam- hnen, und nachdem diese bei dem ersten Versuch außer dem Drachenkabel eine Gondel mit siet Sandsäcken tzon insgesamt 240 Kilogramm Gewicht gehoben hat­ten, bestieg Leutnant Sem-Jacobson, der die Versuche leitet, bie Gondel und ließ die Drachen hochgehen. Er stieg bis zu 100 Meter Höhe. Höher zu gehen hielt ier nicht für geraten ,da die Windstärke zunahm und Sem-Jacobsen nicht sicher war, ob die Verankerung des Drachenkabels in der Erde eine größere Belastung er» tragen würde. Hiernach stiegen Hauptmann Christen- sen und nach einander eine ganze Menge Personen auf, pnr.,a?e, Aufstiege verliefen, obgleich die Sache etwas gefährlich auösah, in glücklichster Weise. Als bet jßhnb etwas abflaute, wurde noch ein siebenter Dra­chen angekoppelt, wobei die gesamten Tragflächen 100 em. umfaßten. — Diese Drachen find für bie Amund- K Nordpolerpedition bestimmt. Sie sollen dazu

, einen Weiteren Ueberblick über das Polacmeer IU ermöglichen, als dies von der Ausgucktonne bet

vermischtes.

* Orville Wright in Berlin. Orville Wright unter­nahm Samstag nachmittag bei herrlichem Wettet und mäßigem Wind auf dem Tempelhof er Felde, wo sich etwa 20 000 Zuschauer eingefunden hatten, feinen ersten Flug. Er umkreiste mehrere Male das Flugterrain in einer Höhe von 15 bis 20 Metern mit ziemlich großer Geschwindigkeit. Der Flug dauerte 19 Minuten.

♦ Eine praktische Neuerung ist versuchsweise auf dem Kölner Hauptbahnhof eingeführt. Sie soll den Reisenden die Möglichkeit geben, ihre auf dem Bahnhof wartenden Angehörigen telegraphisch zu benachrichtt- gen, falls sie aus irgend einem Grunde mit dem ver­abredeten Zug nicht eintreffen können. Zu diesem Zweck hat man an den beiden Kopfseiten des Em­pfangsgebäudes je eine Depeschentafel anbringen las­sen, auf der solche Depeschen zum Aushang kommen. Die Adresse der Depesche muß lauten: „Station Kölo H. B. Aushang."

* Triebwagen auf den Staatsbahnen. Die preuß. Staatsbahnverwaltung hat 3L Akkumulatorentriebwa­gen bestellt, nachdem schon 62 Wagen auf verschie­denen Strecken im Betriebe sind. Beabsichtigt ist die Einrichtung des elettrischen Betriebes im nächsten Jahre u. a. auf den Strecken Gießen—Hungen—Nidda und Hungen—Friedberg.

* Am Gardasee sind den italienischen Uebecpatrio- ten die deutschen Besucher bekanntlich ein Dom im Auge. Die braven Leute gehen in ihrem Deutschen­haß so weit, daß sie jetzt englische Journalisten einge­laden habm, die Reklame in englischen Blättern für den Gardasee machen sollen, um auf solche Weife die deutschen Besucher zu verdrängen. — Nun, man kann ja abwarten, wie der Erfolg fein wird. Vorläufig ist den italienischen Bewohnern der Gardaseeuser deut­sches Geld ebenso lieb wie englisches.

* Die Lähmungserscheinungen bei Kindern treten auch in Haspe auf. Dort find der Krankheit drei Kinder zum Opfer gefallen.

* Der Typhus in Hannover. Acht neue Typhus- eckrankimgen sind zu verzeichnen, die gesamte Zahl der Kranken in Hannover beträgt jetzt 72. Im Kreise Alfeld sind zurzeit 110 Krankheitsfälle gemeldet.

* Die in Rotterdam borge,ommeiten Cholerafälle sind, wie festgestellt worden ist, aus Rußland einge­schleppt worden. Jetzt, wo die Quarantäne streng ge­handhabt wird, ist die Seuche als erloschen zu be­trachten.

* Pommersche Schulzustände. Der Lehrer deS Dorfes F r e e ft (Kreis Lauenburg) ließ sich am 1. Juni d. I. versetzen. Seit der _3eit sind die Kinder ohne Unterricht und genießen ©ommerferien. Die Schulaufsichtsbehörde verhandelte mit dem Schulvor­stande des benachbarten Dorfes zwecks gastweiser Aus­nahme der Schüler, bis jetzt fehlt noch die Erlaubnis der Regierung. In dem in Rentengütern aufgeteil­ten Dorfe T a m u r i n muß der Lehrer des OckeS etwa 160 Kinder allein unterrichten. Vor einiger Zeit ist er infolge der Ueberarbeitung erkrankt. Eis Vertreter ist au chnicht entsandt worden.

— Guter Trost. Ein Pattem, magenleidend, klagt dem Arzte feine Appetitlosigkeit. Dieser tröstet ihn mit den Worten: „Sind Sie froh, jetzt ist ja sowieso alles teuer I"

Pfeildreieck-Setfen