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«rschrdtt »glich mk Ausnahm« der §o.m- N»dZeiertage.viertel- fShrlicher Berugspreir ohne vrkngerlohn und vesteLgeld in Zulda so­wie auswärts l-Svwk.

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votationrdruckund Verlag der Fuldaer At- tiendruckerei in Fulda Fernsprecher «r. 9.

36. Jahrgang.

Fulda, Montag den 6. September 1909.

JV8 203.

Erstes Matt.

q Die Kritik des Katholikentages m der nichtkatholischen Presse ist Heuer erheblich un­freundlicher als im vorigen Jahre.

Wie das kommt, erkennt man leicht, wenn man .sieht, daß es gerade die Presse des verewigten Block- .ist, die in abfälliger Nörgelei sich am meisten hervor­tut Die Wut über die Blockniederlage läßt diese Blätter, von der Frankfurter Zeitung an- gesangen bis zur Täglichen Rundschau, zu einer ge­rechten Würdigung des Katholikentages nicht kommen.

In fast allen Artikel« dieser Blätter ist die Rede von der „Z entrumsp arad e", dem ,3 en» irumsparteitag*. Tas hat nMrlich seinen guten Zweck, denn man kann ja die evangelische Be- völkemng nicht beffer vor dem Zentrum graulich ma­chen, als wenn man sie mit der katholisch-konfessionel­len Patter" schreckt, die der evangelischen Kirche Tod und Verderben ungesagt habe. Daß die in Breslau anwesenden Patteiführec laut ettlätt haben, es han­del« sich um keinen Parteitag, das kümmett die Herr­schaften natürlich nicht. Die „Berliner Neuesten Nach- ttchten" gehen in ihrer bekannten frechen Anmaßung, die in umgekehrtem Verhästnis steht zu der Bedeutung dieses Blattes, soweit, diese Erklärungen einfach als „Unwahrheit" zu bezeichnen. Es kümmett die Herr­schaften auch weiter nicht, daß die wichtigsten volitt- schen Fragen in Breslau nicht einmal genannt, ge­schweige denn verhandelt worden sind, wie es sich doch für einen wirklichen Parteitag geziemt Auch das küm­mett fie nicht, daß unter den Teilnehmern der Ver­sammlung auch Nicht-Zentnimsleute in nicht geringer Zahl sich befanden, wir brauchen nur zu nennen den Fürsten Hatzfeld, den Vorsitzenden der Frattion der Reichspattei, von den Mitgliedern der polnischen Par­tei ganz zu schweigen. Das einzige, was man als angeblichen Beweis anführt, ist die Tatsache, daß eine Reihe von Zentrumsführern auch Führer des katholischen Volkes sind — mit dein gleichen Rechte darf inan z. B. den Eüangelischcn Bund als nationallibecale Vereinigung ansprechen — und daß auf dem Katholckentoge auf dem Gebiete der Kir­chen» und Schulpolitik Forderungen erhoben werden, die auch die Zentrumspattei erhebt. Aber diese Forderungen sind solche, die jeder überzeugungs­treue Katholik — gleich welcher Pattei er zuneigt — ja auch jeder ehrliche Christ unterschreiben muß; sie sind so wenig eine Eigentümlichkeit des Zemrums, als wie etwa die Erhaltung der Macht des deutschen Reiche- eine Eigentümlichkeit unseres politischen Pro­grammes ist. Unsere kirchen- und schulpolitischen For­derungen werden wir immer erheben, und dazu brau­chen wir nicht Zentrumsleute zu fein, sondern nur treue Söhne unserer Kirche.

ES wird mich wieder der Vorwurf erhoben, daß die Katholikentage den konfessionellen Frie­den beeinträchtigen. Wodurch, wird nicht gesagt, sodaß man auf den Gedanken kommen muß, allein schon die Tatsache, daß ein Katholikentag, wie über­haupt Kcttholiken emittieren, fei in sich schon eine Ver­letzung dieses Friedens. Soweit wir schm, ist es nur die »Köln. Ztg.", die bemüht ist, auch der sachlichen Bedeutung des Katholikentages wenigstens einiger­maßen gerecht zu werden. Vemeckenswett ist zunächst die Aneckennung, welche fie den katholischen Arbettern zu spenden sich gezwungen sieht. Ihre aneckennen- den Bemerkungen über den gewaltigen Arbeiterfestzug haben wir bereits mitgeteilt (vergleiche Rr. 198, II). Wenn sie auch in der weiteren Würdigung des Katholikentages manches schiefe Urteil abgibt, so kann sie doch nicht seiner sozialpolitischen Betätigung die Hochachtung versagen. Sie schreibt:

„DaS Aufgebot an Ideen und Kräften im Dienste der sozialen Bersöhnnng und des glücklichen Ausgleichs 'st staunenswert. Der Bolksverein, die Vinzenz-

vereine, der Verband für sozialen Studienzirkel, dazu die zahlreichen Einrichtmigen für ausgiebigste Pflege der christlichen Charitas: alles das stellt ein so eng­maschiges Netz von Hllfsanstalten für alle Verhältnisse und Lebenslagen der unteren Klaffen dar, daß kaum eine Stelle freibleibt, wo nicht rasche und durch­greifende Handreichungen geboten werden können.

Dieses Lob ist für die deutschen Katholiken ebenso ehrend wie verdient. Daß das Blatt sein Lob hinterher wieder einschränken muß durch die Klage, daß das, was geleistet werde, im einfeitigften konfessionellen Sinne geschehe, ist bei ihm nicht weiter verwunderlich, über die Berechtigung ka-holischer — wir sagen ausdrücklich nicht: kon­fessionellen, denn auf der Gegenseite schaut bei ihm alles anders aus — Vereinigungen werden wir uns mit ihm niemals verständigen können.

Eine Stimme, die ehrlich genug ist, anzu­erkennen, was der Kacholikentag in Wahrheit ist und sein will, und die nicht der beliebten Manier folgt, ihm unterznl-gen, was den Wünschen der Segnet gerade paßt," finden wir in der ,Deutschen Tagesztg/ (Nr. 411 vom 2. September). Sie ur­teilt über die Breslauer Katholikenversammlung:

„War ihr Verlauf äußerlich auch nicht so impo­sant, wie der mancher früheren Katholikentage, die in den Städten des Westens abgehalten wurden, so trug doch auch der diesjähttge Katholikentag das Gepräge einmütiger, begeisterter Geschlossenheit. Wenn zum Beginne der Tagung von verschiedenen Rednern betont wurde, daß kein Wort fallen werde, wodurch die Andersgläubigen sich verletzt fühlen könnten, so hat die Tagung diese Vorhersage bestätigt. Soweit wir nach den uns zugegangenen Bettchten ur­teilen können, hat man in Breslau sich aller An­griffe gegen die anderen christlichen Konfessionen enthalten. Stai£t Aeußerungen des Reichstagsabg. de Witt könnten vielleicht mißverstanden werden; aber eigentliche Angriffe gegen die anderen Konfessionen ent­hielten auch sie nicht. Mit politischen Fragen im engeren Sinne hat sich der Katholikentag nicht besaßt, man müßte denn die Schulfrage und die soziale Frage zu den politischen rechnen. Daß sich ein Katho- Ukentag grundsätzlich und entschieden zur Konfessions­schule bekennt, ist eigentlich selbstverständlich. Und wir sehen nicht ein, wie ein Teil der liberalen Preffe die entschiedenen und unzweideutigen Aeußerungen über die Schulsrage als etwas ganz besonderes behandelt. In der Hauptsache hat man sich in Breslau mit den' inneren Fragen der katholischen Kirche und mit ihrem Verhältnisse zur gesamten Kultur beschäftigt. . . . Nur das eine möge noch heroorgehoben werden, daß wir uns der großen Entschiedenheit mit der der Kampf gegen den Schmutz in Wort und Bild wiederum verkündigt wurde, austtchtig freuen. In diesem Kampfe sollte es keine Verschiedenheit der Konfessionen geben. Hier braucht es nichi zu heißen: .Getrennt marschieren und vereint schlagen", sondern hier ist ein vereintes Marschieren nicht nur möglich, sondern geboten. Was uns anbelangt, so werden wir St diesen notwendigen Kulturkampf Schuller an

ultet mit unseren katholischen Mitbürgern führen."

Auch die ,Nordd. Allg. Ztg/ widmet dem Katholikentag in ihren „Rückbltcken" eine Be­sprechung. Sie sagt da:

In bett Reden und Beschlüssen, die in den öffent­lichen und geschloffenen Sitzungen gehalten und gefaßt wurden, berühtte man alle dringlichen Fragen aus sozialem, wirtschaftlichem, künstlerischem und literarischem Gebiete. Wenn der Vorsitzende Abg. Herold im Ein­gänge betonte, daß der Katholikentag nur dem Ftteden dienen solle, (und Kardinal-Fürstbischof Kopp bemerkte, daß die Generalversammlung der Katholiken noch niemals den konfessionellen oder bürgerlichen Frieden gestört hätten, so darf festgestellt werden, daß die fünftägige Versammlung diesen Leitsätzen im all­gemeinen treu blieb. Manches von dem, was über die Berhältniffe der Arbeiter, über Missionen, (über christliche Chatttas, über Frauensrage, über allgemeine Lebenshaltung, über moderne Strebungen in Kunst und Ltteratur gesckgt wurde, wird, über jede kon- fefliouelle Schranke hinaus, der Billigung aller Ver­ständigen gewiß fein dürfen. Anderes gehört zum dauernden Bestände aller Katholikentage, so die Klage, daß die Freiheit der katholischen Kirche noch nicht ge­währleistet sei, und der Ruf nach völliger Freiheit der

Ordenstätigkeit, nach Rückkehr der Orden, insbeson- dere der Jesuiten. Man wird darüber, wie stets, zur Tagesordnung übergehen könne«.

Wirklich? Weiter verteidigt die ,Nordd. Allg. 8tg/ das Verbot des Gebrauchs der polnischen prache, das dem § 12 des Reichsvereinsgesetzes entspreche. Die Regierung habe lediglich eine vor­handene und im nationalen Interesse notwendige Existenz in Anwendung gebracht. Wenn den Polen das unbequem fei, könnten sie ja die deutsche Sprache lernen. — Sehr wohlwollend klingt das nicht. Es wird auch verschwiegen, daß die Regie­rung auf Grund des Vereinsgesetzes berechtigt war, die Versammlung zu genehmigen. Im übrigen wird über diese Angelegenheit noch an anderer Stelle zu sprechen sein.__

Deutsches Reich.

: Berlin, 4. Sept. 1909. Der Kaiser hat den Prinzen Heinrich von Preußen zum Großadmiral befördert. — Reichskanzler von Bethmann-Hollweg wird am 20.Sept, in Wien eintreffen und vom Kaiser in Audienz empfangen werden. Zu Ehren des Kanzlers findet beim Kaiser ein Diner statt. — Den Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben hat der Kaiser zu seinem zehnjährigen Ministerjubiläum in einem Handschreiben beglückwünscht und ihm sein Bildnis verliehen.

** Der Reichskanzler an den Ostmarken­verein. v. Belhmann - Hollweg sandte dem deutschen Ostmarkenverein auf dessen Telegramm folgende Antwort: „Dem Ostmarkenoerein danke ich aufrichtig für die freundliche telegraphische Begrüßung. Das Deutschtum unserer Ostmarken wird seinen Kampf um die Erhaltung und Festigung seiner Stellung mit Ehren nur bestehen können, wenn nationales Pflichtgefühl ihm unter Ueberwindung aller parteipolitischen und konfessionellen Sonderbestrebungen zur Einigkeit verhilft. Die auf dieses Ziel gerichtete Arbeit des Vereins kann meiner För­derung immer gewiß sein."

ö Der Polizeipräsident von Berlin, Wirtl. Geh. Oberregierungsrat v. Stubenrauch ist am Samstag gestorben. Seine Ernennung war erst vor IVe Jahren erfolgt, jedoch war fein Regiment in Berlin sehr anerkannt und seine Persönlichkeit allgemein geachtet. Er galt als einer der befähigst«« Verwaltungsbeamten.

* Beseitigung der Ortsschulinspektion. Die tönigliche Regierung zu Arnsberg hat mit einem Federstrich alle Ortsschulinspektoren an den Orten, wo Rektoren sind, ihres Amtes enthoben. Das betreffende, an die bisherigen Ortsschulinspektoren gerichtete Schreiben hat der ,@ermania' zufolge folgenden Wortlaut:

In Ausführung des Ministerial-Erlasses vom 19. November J908 ü. III B. 3169 ü. III J. haben wir die Relloren an den Volksschulen unseres Bezirkes durch die von uns heute erlaffene Dienstanweisung den Kreis- schulinspektoren unmittelbar unterstellt. Wir haben die Kreisschulinspektoren allgemein beauftragt, die Orts­schulinspektoren, denen bisher Rektoren unterstellt waren, hiervon in Kenntnis zu setzen, nehmen aber gern noch besondere Vcranlaffung, Ihnen unter Ent­bindung von unserem Auftrage zur Wahrnehmung der Ortsschulaussicht bezüglich der von Rektoren geleiteten Schulen für Ihre bisherige Mitwirkung bei der Schul­aufsicht über sie unseren Dank auszusprechen.

sUnterschrift unleserlich.)

Der angezogene Ministerialerlaß war wohl als Geschenk für die Liberalen bestimmt, die ja im November 1908 noch die Schoßkinder der Regierung waren. Ob die Arnsberger Regierung

sich mit der Ausführung deshalb so beeilt hat, um den neuen Kultusminister festzulegen? Jeden« falls ist es ein Schritt vorwärts auf das libe­rale Ziel hin: Loslösung der Schule von der Kirche. Die Katholiken werden hieraus aufs neue ersehen, daß auf dem Gebiete der Schule nur das allergrößte Mißtrauen am Platze ist.

* Eine Meuterei unter den farbigen Sol« baten der Schutztruppe. Die ,9lotbb. Allg. Ztg/ schreibt: Nach soeben aus Swakopmund eingetroffener Meldung hatten etwa 60 farbige Soldaten der in Banjo stehenden 4. Kompag­nie der Schutztruppe am 14. Juli ihre Station bewaffnet in der Richtung nach der Küste verlassen, um in Seppa, dem Sitz des Kom­mandos der Schutztruppe, wegen verschiedener Kompetenzfragen Beschwerde zu führen. Es handelte sich in erster Linie anscheinend um das für die farbigen Soldaten schon seit mehreren Jahren im Interesse der Schlagfertigkeit der Truppe erlaffene Verbot, mehr als ein Weib und einen Boy zu halten, während bei dieser Kom­pagnie manche Leute bis fünf Weiber und drei Boys hatten. Es gelang, die farbigen Soldaten ohne Waffengewalt zur Rückkehr und Abgabe der Waffen zu bewegen. Die Rädelsführer wurden in strengen Gewahrsam genommen und barten ihrer Bestrafung.

)( Zu dem Zündwarensteuergesetz und dem Leuchtmittelsteuergesetz werden die vor einigen Tagen vom Bundesrate befchlossenen Aus­führungsbestimmungen nunmehr veröffent­licht. Danach wird die Nachsteuer nicht erhoben ron Zündwaren in angebrochenen Einzel- packungen (Schachteln usw.) und von Zünd­waren, die unter Steueraufsicht ausgeführt oder auf ein Zoll- oder Sieuerlager gebracht werden. Von Zündkerzchen im Besitze von Hausierern oder ähnlichen Kleinhändlern ohne festen Ver­kaufs stand, bleibt ein Vorrat bis zu 200 Stuck von der Nachsteuer frei. Die Nachver« fteuerung muß bis spätestens 5. Oktober bei der Steuerhebestelle des einzelnen Bezirks schriftlich unter Angabe der Art der Zündwaren, der An­zahl der Einzelpackungen und der in jeder Einzel­packung enthaltenen Stückzahl, sowie des Auf­bewahrungsraumes angemeldet werden. Aehn- liche Bestimmungen sind zum Leuchtmittel­ste uerge sehe erlaflen worden, nur ist der letzte Anmeldetermin auf den 7. Oktober ange­setzt worden. Ausgeschlossen von der Nachsteuer sind die bereits eingesetzten oder bereits in regel­mäßiger Benutzung gewesenen Leuchtkörper. Di« Unterlaffung der Nachbesteuerung wird mit Strafen geahndet. Beide Steuern treten be­kanntlich am 1. Oktober dieses Jahres in Kraft.

+ Weshalb dis Sozialdemokratie die Ein­führung des Reichstagswahlrechts zum Abgeordneten Hause fordert, verrät mit bemerkens­werter Offenheit eine Auslastung der Effener /Arbeiterzeitung'.

„Wenn wir das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht für alle gewählten Körperschaften verlange», so lun wir es nicht deshalb, weil dieses Wahlrecht allein Her Gerechtigkeit entspttcht, sondern weil es den Klaffenkampf der Arbeiter zu fördern ge­eignet ist, und weil schon der Kampf um dieses Wahl­recht ungemein aufrüttelnd und aufklärend wttkt, also wiederum ein HUfsmittel im Klaffenkampf ist.... Es existiert eben kern gemeinsames „Wohl der Gesamtheit", Die Gesanilhest besteht aus einer Anzahl verschiedener Wirtschastsgruppen mit gegensätzlichen Interessen. Des­halb gibt es auch keine für alle herrschende Gerechtig­keit in polstischen Dingen. Denn was der einen Grupp« nützt, schadet notwendig der anderen."

Sonnenleuchten.

U] Roman von Erich Friesen.

Mit aufopfernder Hingebung wacht Mirra am Krankenlager der Schwester. Aus den Fieberphaitta- sien bekommt fie ein klares Bild all dessen, was au die unglückliche Frau eingestürntt war. Arme, arme Terchtal

Orlando meidet die Kmnke, soviel eS geht. Sein Anblick erregt fie, ohne daß fie ihn erkennt. Doch ein Tag dämmett auf, da öffnet Teresita bei vollem Be­wußtsein die Augen.

„Wo bin ich? . . . Was ist mtt mir geschehen?"

Sofort ist Mirra an ihrer Seite.

„Du warst sehr krank, Teresita." »

„Sehr krank?"

Verwundert schüttelt fie den Kopf. Dann scheint sie sich zu besinnen. Ein Schauer überfliegt ihren Körper.

»Ja — ich weiß!"

(Eine Welle liegt sie ruhig da. Dann fragt fie

„Mirra, wo ist Orlando?"

. „Drunten in seinem Zimmer."

„Ich möchte chn sprechen."

„Ja, Liebste."

Schon nach wenigen Minuten tritt Orlando ein. ®ro6«t Gott, wie furchtbar hat Terestta sich in den wenigen Wochen vemndettl Eingesunken die sonst so

Wangen. Der Mund bleich und schmerprer- zevtt Das üppige Locknhaar von silbernen Strähnen dnrchzogm Tieferschüttett beugt er sich über sie. War 77 Unglückliche auch verbrochen haben mag — sie ist fein Werb!

»Orlando, Du mein einzig Geliebter, verzeihe mir!" nüstett fie, mtt der durchsichtigen zarten Hand über fei« Haar streichend. „Ich hätte Dir längst meine Schuld bekennen muffen; aber — ich fürchtete. Deine Liebe zu »ediert«. Und Deine Liebe war der Son­nenstrahl meines Lebens!"

Erschöpft hält sie inne. Das Sprechen wird ihr ersichtlich schwer. Dann zieht sie seinen Kopf zu sich beton und flüstert in fiebernder Angst:

„Orlando, glaube mir, ich habe es nicht absichllich getan — bei Gott, nein! Ich wachte auf und hätte Schritt« auf dem Korridor. Ich ergriff den Revolver, der auf dem Nachttisch lag, und schlich hinaus . . Da sah ich in der Finsternis an der Treppe eine dunkle Gestalt ... ich hielt sie für den Dieb und ich weiß selbst nicht, wie es geschah — in einem Anfall von Furcht spannte ich den Hahn. Der Schuß ging los. Großer Gott — ich hatte John getroffen! John! Ich war eine Mörderin! Die Mörderin des eigenen Gatten!"

Leise stöhnt sie auf und sinkt zurück in die Kiffen „Du glaubst mir doch?" zittert es über ihre Lippen. „ES war ein unglückseliger Zufall, nicht Absicht! Du glaubst mir, Orlando?!"

In wahnsinniger AnK hängen ihre Micke an sei­nem Munde.

„Ich Staube Dir, mein armes Weib ' erwidett er fest, ihre beißen Hände streichelnd.

„Gott sei Dank!" Ein befreiender Seufzer bebt ihre gequälte Brust.

„Du weißt ja nicht, wie es dir ganze Zeit über in meinem Herzen aussah' Welch unglückliches Ge­schöpf ich bin! Sieh — mein ganzes Leben lang habe ich »ach Liebe gelechzt. Von frühester Kindheit an wurde ich bewundert. Schon im Elternhaus verhät­schelte man mich, well ich schön und lebhaft ivar Aber gelebt, wirklich geliebt, hat man nur Mirra die sanfte, gute Mirra. Da trat ich hinaus ins Le-' bett. Man umschwärmte mich, machte mir den Hof Aber Liebe? Nein, die fand ich nirgends. Und doch schrie mein Herz nach Liebe — nach wirklicher beseli­gender Liebe ... Da lernte ich Dich kennen Ich liebte Dich vom ersten Augenblick an — mit meinem ganzen, leidenschaftlichen Herzen . . .

„Du verschmähtest meine Liebe; Du gingst sott Und ich — heiratete. Mein Gatte gab mit unermeß­lichen Reichtum. Aber Liebe? Nein. Ich mar Puppe, ein Schaustück in seinen eleganten Salons - der glitzernde Stein in seinem Ä'wel-nsckcank — nicht«

weiter . . . Dann kehrtest Du zurück von Deinen Reisen. Du rettetest mir das 2eben. Von neuem flammte die halb erloschene Liebe zu Dir in mir auf. Ich glaubte, auch in Deinen Augen einen Schimmer von Liebe zu sehen. Aber — zu spät! Ich war nicht mehr frei. Ich stürzte mich in einen Strudel von Vergnügungen, um mich zu betäuben, um die entsetz­liche Leere in meinem Innern auszufüllen. Vergebens. Der Schrei nach Liebe in mir war mächtiger . . . Da kam jene furtfitbare Nacht, die mich zur Verbrecherin machte, die mich dem Wahnsinn entgegentrieb. Aber ich war frei — frei für Dich . . . Ich wurde Dein Weib. Ich liebte Dich, Orlando — liebte Dich so heiß, wie niemand wieder Dich lieben wird auf dieser Welt!"

Leidenschaftlich, sich überstürzend fließen die Wotte von den Lippen des furchtbar erregten Weibes. Wie­derholt versucht Orlando, sie zu unterbrechen. Ver­gebens.

„Vergib mir, daß ich soviel Leid über Dich ge­bracht," schluchzt sie leise auf. „Vergib mir!"

Und er bettet den müden Kopf seines Weibes cm seiner Brust und erwidett voll tieffter Innigkeit:

„Von ganzem Herzen, meine arme Teresita!"

Ein Abend kommt, da fühlt Teresita sich besonders schwach. Sie legt sich nieder auf die Chaiselongue, es ist, als ahne sie, daß ihre Todesstunde naht. Sie läßt den Priester rufen. Ms er sie wieder verläßt, ist sie ruhig, fast heiter.

Sie ist so müde — ach, so todmüde! Orlando fitzt still neben der Chaiselongue. In seinen Augen schim- mem Tränen.

„Mirra!" ruft die Sterbend« plötzlich nach dem Nebenzimmer hin, wo die Schwester mit ihren Eltern weilt. „Komm her! ®ib mit Deine Hand!"

Und es schließen sich Die beiden Frauenhände um­einander. die bleiche, abgezehtte, noch jetzt kurz vor dem Tode nervös zucknde Hand, die mit dem Leben abgeschlossen — und die kühle, feste, ruhige Hand, die vom Leben noch alles zu erhoffen hat. Ein kurzer Kampf malt sich in Terefitos Zügen. Dann winkt sie Orlando heran und legt Mirras Hand in die seine.

„Hier, mein Vermächtnis, Geliebter. Sie wird Dich glücklicher machen, als ich es konnte!"

Einige Augenblick liegt die Sterbende still da.

„Denn alle Schuld rächt sich auf Erden —' mur­meln ihre Lippen wie geistesabwesend. „Ich büße meine Schuld mit dem Tode."

Und wieder tiefe Stille . . . Plötzlich — ein tiefer Seufzer, ein Schwächeanfall.

Orlando eilt zu ihr und fängt die hintenüber fln» kende weiße Gestalt in seinen Annen auf. — Ein letz­ter Blick ... ein wehmütiges Lächeln . . .

Ein irrendes, müdegehetztes Frauenherz hat auf» gehött zu schlagen. Auf den stillen Zügen aber et» strahlt zum ersten Male das Sonnenleuchten ewigen Friedens.

16.

Schon seit Wochen niht Teresita della Rocca unter den Zypressen des flehten Friedhofs auf Capri. Lev­kojen und Tuberosen bereiten ihren duftigen Teppich über das Grab, das von Mirra aufs sorgsamste ge­pflegt wird.

Zuerst nach jenem Aufsehen erregenden Geständnis der unglücklichen Frau wußte man nicht: Ist ihre Aussage Wahrheit? Oder handelt sie unter dem Ein. flvffe kmnkhaftet Wahnvorstellungen? Nachdem jedoch Orlando erflärte, daß feine Frau kurz vor ihrem Tode bei vollem Bewußtsein ihm gegenüber ihr Geständnis wiederholt habe; nachdem er alle Einzelheiten der Tat so, wie Teresita fie ihm geschildert, mitgeteilt — da konnte man nicht mehr an der Wahrheit zweifeln.

So ist für Graf Tosti die beste Ausstcht vorhanden, daß er nur wegen „schweren Diebstahls" ein paar Jahre im Zuchthaus wird übet die Verschiedenheit der Menschenschicksale nachgrübeln können. —

Orlando hat sich seit dem Tode seiner Frau fast ganz von der Gesellschaft zurückgezogen. Die Neu­gierde, die aufdringliche Teilnahme verletzen ihn. Wie­der wie früher fähtt er ost auf einen Tag nach Capri hinüber, um in dem stillen Frieden der Villa Fortum» das Gleichgewicht seiner Seele wiedetzuMde«.

(Fortsetzung folgt.)