36. Jahrgang
Fulda, Samstag den 4. September 1909
M 202.
Zweites Ntcrtt
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LotationrdrnSund Verlag der Fuldaer Ak- tlendruckerei in Fulda Fernsprecher Ur. 9.
zs Zur Handwerkerfrage.
Die Verhältnisse des Handwerkes haben sich, seit auf Betreiben des Zentrums in den Parlamenten an Handwerkerschutz wenigstens das durchgeführt worden ist, was zu erreichen war, im letzten Jahrzehnt wesentlich gebessert. Jetzt aber, in der wirtschaftlich schlechten Zeit, tauchen wieder vielfache Klagen auf, die sich besonders auf die schlechten Zahlungs-Sitten der Käufer und auf die Konkurrenz der Ramsch- und Schleuder- Geschäfte, nicht minder auch auf die Kontur- ren z der Warenhäuser und Spezial - Geschäfte, des Handels überhaupt, beziehen. Da ist es nicht ohne Interesse, einmal aus den Kreisen der Be- teiligten selbst, aus der Feder eines Kleingewerbetreibenden, einiges über die Gründe dieser
Erscheinungen zu hören.
Eine uns zugehende Zuschrift, die sich mit dem Borgunwesen beschäftigt, führt aus: „Wenn ein Vierteljahr abgelaufen ist, tauchen in der,Fuld. Zig/ öfters dringende Mahnungen an das Publikum auf, die Handwerker-Rechnungen zu bezahlen. Das soll das gute Herz der — Schuldner rühren. Ist es
Köpfe blutig zu schlagen, dazu ist es allerdings nicht gekommen, vielmehr haben einfach die Offiziere eine große Demonstration in Szene gesetzt, auf Entlastung der Prinzen aus dem Heere gedrängt und eine Reform des griechischen Heer- und Flottenwesens gefordert. Im wesentlichen ist ihnen das schon zugestanden worden. Der bisherige Ministerpräsident Rallis ist allerdings dabei auf der Strecke geblieben, aber es hat sich schon ein regierungsfähiger Nachfolger gefunden. Den auf die Prinzen bezüglichen Wünschen der Offiziere ist man dadurch entgegen gekommen, daß der Kronprinz von der Kommandostelle stetwillig zurücktritt, die übrigen Prinzen einen Auslandsurlaub antreten.
In S ch w e d e n hat der Ausstand immer noch kein Ende genommen. Znmteil dürste das darauf zurückzuführen sein, daß die Regiemng sich weigert, die Vermittlerrolle zu übernehmen, da sie den Streik nicht als einen Zwist zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, sondern als gegen die Gesellschaft gerichteten Krieg ansieht.
In N o r d m a r o k k o ist der entscheidende Schlag noch immer nicht gefallen. Arich die Unruhen im in- nern Spanien sind noch nicht unterdrückt, doch I glaubt die Regierung, den Urspmng und die Fäden I der revolutionären Bewegung in Barzelona entdeckt zu I haben. __________________________
„Der Entwurf stellt als Norm den Gebrauch der deutschen Sprache auf. Er erkennt die Notwendigkeit von Ausnahmen dadurch an, daß er ihre Bewilligung den Landesbehörden überträgt. Diese Ausnahmen sollen generell und speziell überall da einlreten, wo die Notwendigkeit dazu vorliegt, bei Veranstaltungen internationaler Art, überall da, wo der Gebrauch des fremden Idioms nicht Bestrebungen unterstützen soll, welche dem deutschen Reiche feindlich sind."
Der Oberpräsident verbot im Einverständnis mit dem Kanzler dir polnische Versammlung. Soll man da den Rückschluß ziehen, daß diese Versammlung „dem deutschen Reiche feindliche Bestrebungen unterstütze"? Dann wäre diese Auffassung der Regierung vom Katholikentag sehr bezeichnend.
(*) Drahtlos von Nauen nach Kamerun. Behufs Herstellung einer drahtlosen Verbindung Berlins mit den deutschen Kolonien unterhandelt, >vie nach der „Franks. Ztg." verlautet, das Kolonalamt mit der deutschen Telefunkengesellschast. Zunächst ist eine wesentliche Erhöhung dec Fttnkenstation in Nauen — um etwa 50 Meter — geplant. Mit einem nach Ka-
Auntahme der Somt= u»dF«ieriage.viertel- iährNch«v«r»grvreis ohne vringerlohn und vefieLgeldinZuldaf».
Vrrantro. Redakteur r
Lari schütter far6te»e$dgtn:
I.parzeüer in Mda.
merun fahrenden Schiff sollen noch in diesem Jahre Versuche mit drahtloser Telegraphie angestellt verden. Ergibt sich, daß eine Verbindung zwischen der Kamerunküste und Nauen möglich ist, so werden auch di- übrigen Kolonien Afrikas itntereinander drahtlos verbunden, so daß sie über Kamerun mit dem Mutterland- Verkehren können.
□ Karlsruhe, 3. Sept. 1909. Im badischen Staatshaushalt ist bedenkliche Ebbe; an allen Ecken und Enden wird darüber geklagt. Der Finanzminister hat jetzt einen offiziösen Appell an die Volksvertretung gerichtet, um dem Uebel abzuhelfen. Es wird zugegeben, daß die Steuerzahler schwer belastet sind. Es läßt sich ferner nicht verbergen, daß die vorhandenen Quellen zur Speisung der Staatskaste nicht genügen. Der Bedarf wächst unaufhaltsam. Der Finanzminister ist überzeugt, daß eine Erhöhung der Steuerlast in keinem Falle vermieden werden kann. Vermehrung der Einnahmen aus Steuern, tunlichste Einschränkung der Bedürfnisse in der Staatsverwaltung und möglichste Sparsamkeit in den Aitsgaben für die unabweisbaren Bedürfnisse sollen mit Hilfe der Volksvertretung Platzgreifen und die Finanznot des Staates heben. Dieser Ruf um Hilfe an die Volksvertretung ist nach Lage der Dinge in der Hauptsache ein Ruf an das Zentrum, da dieses, obwohl vom Großblock „ausgeschaltet", die Hauptlast auf sich nehinen mußte, wenn die Staatsmaschine nicht stillstehen sollte. Die Regiemng möge dämm, wenn sie solche Bitten an die Parteien richtet, vor allem selber auf eine korrekte Stellungnahme gegenüber den Parteien sich besinnen. Möge sie endlich aufhören, dem Liberalismus eine be- vorzugte Stellung einzuräumen, die mit gar nichts begründet ist. Möge sie die nationalliberale Partei genau so wie das Zentrum nach seiner Stärke im Parlamente bewerten! Möge sie der Sozialdemokratie gegenüber die Haltung sich zu eigen machen, die man von einer starken Negierung eines monarchischen Staates erwarten muß! Dieser Appell an die Regierung ist nicht weniger gerechffertigt rind zeitgemäß, als der Appell der Regierung an die Volksvertretung.
Deutsches Keich
* Zum Verbot der polnischen Arbeiterver- sammlung auf dem Katholikentag. Das Verbot des Oberpräsidenten von Schlesien, auf dem Katholikentag eine Versammlung oberschlesischer polnischer Arbeiter abzuhallen, kann nur rm Einvernehmen mit einer höheren Stelle, nämlich dem Reichskanzler v. Beihmann-Hollweg, erfolgt sein. Damit stellt sich der neue Reichskanzler .n Widerspruch mit seinem eigenen Versprechen einer verständigen Handhabung des Vereins- gesetzes. Als Staatssekretär des Inneren führte er am 9. Dezember 1907 im Reichstage aus:
Ausland.
r Oesterreich-Ungarn. Das Wiener Kabinett hat offenbar alle Hoffnungen ausgegeben, daß mit dem alten Parlament die wichtigsten Vorlagen durchzubringen seien. Wie aus offiziöser Quelle verlautet, ist denn auch die Regierung gewillt, das Haus aufzulösen und ihr Glück mit einem neuen Parlament zu versuchen. Die tschechischen Radikalen sind noch keineswegs gesonnen, ihre Obstruktion aufzugeben.
* Gegen die aufständischen Albaner bereitet General'Dschavid eine neue Expedition vor. In Ipek und Nugowo sind bereits große Truppenmassen versammelt. Der Albanesensührer Isa Poletin soll nach Montenegro geflüchtet sein. Auch sonst ist die Türkei bestrebt, ihre milr- tärischen Rüstungen sür alle vorkommenden Fälle zu vervollständigen. So hat das Kriegs« Ministerium bei den Orientbahnen 600 Eisenbahnwagen für Pferde und Munitionstransport nach Adrianopel bestellt. 130 Waggons sollten Mitt- woch nacht abgehen. Die Sendungen sollen zur Vervollständigung des Kriegsmaterials des zweiten Korps bestimmt sein.
*» Die Spionenriecherei und das gestohlene Maschinengewehr fahren fort, in Frankreich aufs lebhafteste die öffentliche Meinung zu beschäftigen. Der „Gaulois" bringt einen längeren Auffatz über di« Ausdehnung der deutschen Sptonage im Osten und fordert zur Wiederherstellung der „Gegenspionage" auf, deffen Abschaffung viel geschadet habe.
wochen-Rundschau.
stj Fulda, 2. September 1909. r Das große Ereignis dieser Woche ist der Katho- jllenlag in Breslau. Freund wie Gegner schenken ihm die größte Beachtung; letztere nennen ihn auch Heuer wieder „Zentrumsparaden, obschon der Pra sident ausdrücklich den n u r katholischen Chamtter der Veranstaltung betont hat. Darin sind bie ®egncr eben unverbesserlich, und wir gehen über diese krankhaften Bestrebungen am besten zur Tagesordnung über Auch Breslau ist wieder'ein Ruhmesblatt in der Geschichte der deutschen Katholikentage, ein voller Erfolg, ein I Zeichen katholischer Begeisterung, die hoffentlich nach- mirkt und reiche Früchte tragt. Einen Schatten auf die | Festfreude warf der Entscheid der Regierung, daß in einer Polen-Versammlung des Katholikentages nicht! polnisch gesprochen werden dürfe. Damit treibt die Regierung nur wieder Wasser auf die Mühle der-1 fertigen Polen, die radikaler Gesinnung sind. Anderer-1 seits aber werden auch diejenigen Katholiken, welche I in der Polenfrage bisher der Meinung der Regierung waren, sehen, was alles unter die Polenpolitik I der Reg'erunz fällt: selbst der Katholikentag.
Eine Demonstration gegen den Katholiken-1 tag führten am Sonntag in Breslau die dortigen S o- zialdcmokraten auf. Während 20 000 katholische Arbeiter in festlichem Zuge vor dem Kardinal- Fürstbischof Dr. Kopp vorbeidefilierten, zogen die Sozialdemokraten in Massen zum jüdischen Friedhof, wo Ferdinand Loffale begraben liegt. Der jüdische So- gialistenführer ift am 31. August 1864 an einer Wunde gestorben, die ihm in einem Pistolenduell der Bojare Racowitza beigebracht hatte. Das Objekt des Streites war eine Dame Helene v. Dönniges, die Geliebte Lassalles. Nachdem am Grabe zahlreiche Kränze nieder- tzelegt worden waren, hielten die Sozialisten eine Demonstrationsversammlung ab, in der Bernstein über „Ferdinand Lassalle und Bischof Kettelet" sprach. Der Fall zeigt wieder die ganze Unduldsamkeit der Sozialdemokratie. Weil die Katholiken von ihrem Versamm- "ungstecht Gebrauch machen, veranstalten die Sozial- oemokraten Demonstrationen! Mit Recht betonte bei der Begrüßungsfeier des Katholikentages Justizcat Dr. Porsch, es fei ganz unverständlich, wie gerade jene Partei, der angeblich die Religion Privaffache ist, gegen die Katholiken demonstrieren mag, wenn sich dieselben auch wieder einmal versammeln. Auch eine
freisinnig-demokratische Versammlung zu vas guteHerz ver — S-cymouer ruyreu. es Demonstrationszwecken fand statt. In dieser sprach der! aber nicht komisch, daß man die Schuldner bittet, frühere Oberst Gaedtke, der als Allerweltskritiker ein I doch so gut zu sein, ihre Schulden zu bezahlen gewisses Renomee genießt. Es wurde in einer Reso-1 und das Geld nicht erst anderSwo auszugeben? lutton ein Zusammengehen von Bürgertum und So-! Schon das ist ein Mißstand, daß der Handwerker zialdemokratie empfohlen als einziges Mittel, „bie um fein gutes Recht bitten muß. Aber wer hat Herrschaft der Reaktion abzuschütteln". Man ersieht das Publikum zu solchen Geschäfts-Gewohnheiten daraus, wie die ganze liberale Gesellschaft einschließlich krackt? Doch nur der Handwerter selber L (was übrigens in der ,Fuld. Ztg/ schon mehr- ÄSM ausgesprochen ist. Die Red? Und warum Traten, Freisinnioen und Demokraten das Bedürfnis I konnte es soweit kommen - Weil der Handwerker empfunden hätten, Gegendemonstrationen abzuhalten, nicht peinlich sür schnelles Rechnungswesen sorgte. Das Wott „katholisch* aber genügt, um die Gegner I Der Handwerker hatte keine Buchführung, und auf der ganzen Linie mobil zu machen. Die Katholiken I wenn er sie heute hat, so wirkt sie meistens nicht, mögen daraus erneut ersehen, daß in dem Kampfe ge-1 Noch kürzlich veröffentlichte ein Fabrikant in gen sie alles zusammensteht, „von Bassermann bis Be- einem sächsischen Blatte folgenden „Notschrei": bel". Die vollste Geschlossenheit und Einigkeit der Die Handwerker müssen sich angewöhnen, bei jeder Katholiken ist angesichts solcher Vorgänge ein umso I Lieferung die Rechnung beizufügen, was eben bis jetzt dringenderes Gebot. I zum großen Teil nicht geschieht. Ja, noch mehr; mir
Die K r e t a f r o n e ift ein wenia Mtrilrfni-trptpn I und vielen meinen Bekannten sind schon oft, wenn wir «Denn hie rin* Lieferung gleich Rechnung mitverlangten, gesagt
™ L $artcte"' Grie- rootben,' fo Lgstlich sei es doch nicht mit dem Bezahlen,
^aben jetzt wichtigeres zu tun, als sich mit der I und eine Beigabe der Rechnung unterblieb meistens, hurtet hemmzuzanken, sie haben im eigenen Lande ein Ja, in einigen Fällen konnte man später nicht mal bet Revoluttönchen angestiftet. Sich ordentlich die | mehrfachem Verlangen Rechnung bekommen. Wenn
man z. B. einige Wochen nach Lieferung den Lieferanten persönlich aufsuchte und Rechnung verlangte, hieß es oftmals: „Ich bin zum Ausschreiben von Rechnungen noch nicht gekommen", und das Geld, welches man doch schon in der Tasche hatte, mußte eben wieder nach Hause genommen werden. Das Ausschreiben einer Keinen Nota ist eben vielen solchen K emgewerbe- treibenben eint Arbeit, vor der sie sehr viel Abneigung haben. Nur wenn es dann bei ihnen auf den Nägeln brennt, dann kommen sie gelaufen und mochten dann das Geld zur selben Minute haben. Gewöhnlich ist dann aber durch das fortwährende Hinaus chteben der Rechnungsvorlage ein Bär (d. h. mehrere Posten) geworden, und es fällt dann vielen Leuten das Bezahlen schwer. Können bann die Gewerbetreibenden das Geld nicht sofort erhalten, wird geklagt, daß sie t^:e Außenstände nicht hereinbekommen können, die Schuld liegt aber nur an ihnen. Wenn sie etwas kaufmännischer handelten, wäre bas Borgwesen mcht so groß, und die vielen Lamentationen über die Zahlungsweise würden zum großen Teil verschwinden."
Das trifft den Nagel auf den Kopf. Das Publikum gewöhnt sich das schlechte Zahlen an, weil die Handwerker zu viel „auf den Hauen lassen", die Rechnungen zu hoch werden lassen. Wer immer nur dann mit der Rechnung angelaufen kommt, wenn er das Geld dringend nötig hat, der darf sich nicht wundern, wenn er nach- her schlecht abschneidet. Es ist auf allen Ge- bieten sofortige oder baldige Bezahlung durchzusetzen; das Vorgehen der großen Geschäfte beweist das. Das Publikum läuft nicht bloß deshalb in die großen Geschäfte und läßt den Handwerker sitzen, weil es dort angeblich billiger ist. Es läuft vielfach auch deshalb dahin, weil das unerbittliche Barzahlungschstem einen reellen Eindruck aus die Käufer macht. Man denle nur einmal darüber nach.
Huldaer W Zeitung
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weiter Meter foriträgt. Natürlich ist es vorläufig noch eine Zukunftsphantasie; doch darf man im Zeitalter bet Elektrizität und Luftschiffahrt nichts für unmöglich erklären.
Rühmenb will ich hervorheben, baß auch bie Breslauer Tagung uns wieder wahrhaft großartige Blüten ber Berebtsamkeit geboten hat. Am Dienstag abend sah ich Tränen in graue Bärte rinnen, als Prof. Meyers aus Luxemburg in so ergreifender Weise die Wunder der christlichen Charitas schilderte, die herrlichen Segnungen ber Liebe unb Güte, was wir nicht uns selbst antun, sondern bem hilssbebürftigen Nächsten. Wir können nicht alle Barmherzige Brüber ober Schwestern werden, aber wir können alle in unserem engeren Kreise gelegentlich den barmherzigen Sa- maritM nachahmen und auf Wunden des Leibes ober ber Seele linbenibeS Oel gießen, das Del ber Hilfeleistung ober wenigstens des herzlichen Trostwortes. Die Liebe ist und bleibt doch das höchste, und der ganze" Katholikentag steht unter dem Zeichen der Liebe.
Es ist nicht das Gehör allein, das hier bie Erquickung bes Geistes unb Herzens vermittelt. Auch bas Gesicht schöpft Freude und Erbauung, wenn es rinas um sich bie vielen Tausende von Gesinnungsgenossen wahrnimnä. Dafür habe ich einmal daS Bild angewendet: jeder warmherzige Versammlungstefl- nehmet ist eine Zelle in dem großen elektrischen Akkumulator/ Je zahlreicher die Zellen, dcho stärker wird der Strom der Gefühle, die Energie des Wollens.
Und wie kommt das Gesicht zu seinem Rechte bei dem Festzuge der 600 Vereine deS werktätigen Volkes und seines'Nachwuchses, der am Sonntag durch die dichtbesetzten Straßen zog, sowie bet ber großen Ausfahrt der Studenten zu Pferd und zu Wagen, ber am Montag sich zum Denkmal bes alten Kaisers bewegte, um dort einen Kranz niederzulegen. Solche Kunb- gebungen des katholischen Lebens und Strebens sind ebenso wichtig und fruchtbar, tote die Versammlungen mit ihren lehrreichen Reden. Der gute Eindruck wird wesentlich dadurch verstärkt, baß alle Stände und Schichten sich harmonisch beteiligen, -- die kleinen Leute und die feinen Leute, bie „gewöhnlichen und
ist der richttge Wesffale wie er im Buche steht. Oder besser gesagt: Der richttge Westfale, wie er in den Kämpen und unter den Eichen steht, wo vor 1900 Jahren die römischen Soldaten deutsche Hiebe kriegten.
In Essen wurde f, Z der Präsident Gröber bald nach Antritt seines Amtes heiser. Auch der alte Recke Herold büßte schnell den Wohlklang seiner tiefen Stimme ein. Glücklicherweise gibt sich das bald wieder, sodaß ber Präsibent die wichtige Schlußrede am Donnerstag selbst halten konnte. Aber in den Vorfällen steckt doch die Mahnung, daß der Präsident des Katholikentages etwas mehr geschont werden muß. Das Herumfahren im offenen Wagen bei schwankender Witterung von einer Veranstaltung zur anderen, nachdem man in einem heißen Lokal den Kehlkopf angestrengt hat, kann auch für jüngere Hälfe gefährlich werden, unb unsere Präsidenten sind doch meist schon etwas angejahrt.
Die Herren, welche in den öffentlichen Versammlungen die großen Reden halten, haben es infofem besser, als sie ihre ganze Kraft auf den einen Vortrag konzentrieren unb bis zu diese Srtunde sich schonen können. Die Stimmbänder werden freilich immer noch auf eine scharfe Probe gestellt, wenn der gewaltige Raum bet Festhalle eine ganze Stunde lang beherrscht werden soll. Ich möchte den Helden ber Rednertribüne immer von neuem den Rat geben: Kürzt bie Reden, aber nicht auf Kosten der Gedanken, sondern durch Stteichung des einleitenden und verbrämenden Zierrats, und dann ruft die vereinfachten Sätze mit voller Kraft ber Stimmbänder bei möglichst scharfer Aussprache in bie Ohren unb Herzen bet Menge. Das sage ich im Interesse derjenigen Zuhörer die auf einem entfernteren Platze an der Sette des Riefensaales sitzen. Da ich den Vorzug eines Preßplatzes vor der Tribüne genieße, so kann ich für meinen Teil auch immer bie feinsten Ausführungen des Redners vollständig genießen, ohne bie Hand ans Ohr zu legen. Es ist leider nicht allen so bequem zu machen.
Jedenfalls dürfen wir die Festhallen nicht noch weiter ausdehnen. Es sei denn, daß eine neue Erfindung gemacht würde, welche die Stimme des Redners ohne Beeinträchtigung der Klangstärke auf 50, 100 und so
des Guten werden kann.
Wahrlich, wir können uns den Luxus von häuslichen Auseinandersetzungen nicht leisten. Wir müssen alle Kräfte voll und fest zusammenhalten, nicht bloß der zahlreichen und unermüdlichen Gegner wegen, sondern auch deshalb, weil uns von Tag zu Tag neue Ausgaben erwachsen. Das mertt man so recht auf den Katholikentagen. Wenn eine Frage voriges Jahr als gelöst erschien, so haben sich inzwischen neue Verhältnisse, neue Forderungen des Tages herausgebildet. Was gestern organisiert wurde, muß heute ergänzt, verbessert, um- unb ausgestaltet werden. Immer neue Sorgen unb neue Arbeit! So wird es auch wohl bis zum jüngsten Tage weiter gehen. An „aktuellem Stoff würde es auf dem Katholikentage auch bann nicht fehlen, wenn wir jeden Monat einen abhalten könnten. Da es nur alle Jahre einen gibt ,fo muß vle Zwischenzeit von zwölf Monaten benutzt werden, um die Ergebnisse allgemein durchzudenken und in allen beteiligten Kreisen praktisch nutzbar zu machen.
Jeder Katholikentag bildet eine Sprosse in ber Jakobsleiter, bie das katholische Deutschland aufwart» führen soll, immer aufwärts zu den Höhen unserer hehren unb heiligen Ideale.
Unpolitische Zeitläuse.
N. Breslau, 2. September 1909.
(Nachdruck verboten.)
Die schönen Tage von Breslau sind vorüber.
Wer regelmäßig die Katholttentage besucht, macht einen praktischen Kursus in ber Geographie Deutschlands durch. Es geht ihm, wie dem alten OdhsseuS bei Homer: Vieler Leute Städte kriegt er zu sehen unb lernt ihren Geist erkennen! Salb im Westen, bald im Osten, unb auch in dem eigenartigen Süben. Nächstes Jahr werbe ich, wenn kein Sttich burch bie Rechnung kommt, bis nach Augsburg pilgern, wo neben den Bayern sich auch bie benachbarten Württemberger studieren lassen werden. Der Katholikentag von 1911 Ivird dann vermutlich in der nordwestlichen Grenz- Mack, am Grabe Karls des Großen, in Aachen statt- finben. Es lebe bie Generalversammlung im Umherziehen! Das ist ein wertvolles Hilfsmittel der Ver- hrüderung. Schade, daß nicht auch ber beutsche Reichstag sich einen Hausterschein lösen kann. Die Volksvertretung würde an Volkstümlichkeit unb vielleicht oud) an gesundem Menschenverstand profitieren, wenn sie nicht ewig an bem Berliner Asphalt unb den Berliner Aktenschränken klebte. Die früheren Reichstage im alten deutschen Reich hatten mehr Freizügigkeit, obschon es damals noch keine Eisenbahn gab unb Lust- ichiffe erst recht nicht.
Also diesmal lernten wir Breslau und die Schle- jter näher kennen, lieber das Ergebnis tonn ich selbst «men Bericht erstatten, da bet Abg. Trimborn von im'".?11' baö Thema fortgeschnappt hat. In der tos85»TbeilammIun6 hat er darüber eine wunder- ^halten voll prasselnden Witz unb feinen -SÄ"“?86"' foba& ich nichts besseres ober gleich-
WM« mS£n tierma8- Er machte die Schlesier zu Swischm den beweglichen Rhein- bCn schwerbedächtigen Westfalen.
1CnU K d/n vierschrötigen Sprösslingen ber Uf? ÄS deshalb besonders gefreut be8 Ab« Herold zum PrSflden- Aen des Katholikentages. Unser greifet Führet Herold
gebildeten Kreise, wie man sich sonst auszudrücken pflegt. Wit wollen in unserem Kreise solche „Klassen"- Ausdrücke nicht gebrauchen. Aber viele Andersgläubige haben die Meinung ererbt, namentlich im Osten, daß die Katholiken durchgehends auf einer niedrigeren sozialen unb Bildungsstufe stünden. Es ist seht gut, wenn bie Katholiken ben handgreiflichen Beweis liefern, daß der feinere Rock, die reicheren Mittel und die höhere Bildung die Glaubenstreue und den Bekennt- niseifet und die Brüderlichkeit unter den Katholiken nicht beeinträchtigen. „Seht, wie sie sich lieben."
Liebe, Frieden, Eintracht. Diese Ideale hat nie» mand eindrucksvoller gepriesen und empfohlen, als der Fürstbischof Kardinal Kopp, dessen Wiedergenesung der Breslauer Tagung den besonderen Charakter eine» Dank- und FteudeMstes der katholischen Familie gab. „Seid einig, einig, einig". Wenn das doch alle beherzigen wollten, auch diejenigen, die in persönlichem Eiset manchmal vergessen, daß das Bessere ber Feind