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Vrrantw. Redatteurr «ark Schütte;

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üotationsdruckun» Verlag der Fuldaer Ak- üendr«Serei in Fulda Fernsprecher Rr. 9.

J® 202.

Fulda, Samstaci den i. September 1909.

36. Jahrgang

Krstes Matt

es

wiegend im Sammeln von Geldbeiträgen liege, sondern darin zu suchen sei, mit der Zeit die gesamte katholische Studentenschaft in einer fruchtbaren Einheit zusammen­zuschließen zur Förderung aller geistigen Bestrebungen und des Verständnisses für die großen Zettaufgaben im Sinne der katholischen Weltanschauung.

überraschen. Unsere Regierungen laden eine ver« »ängnisvolle Schuld auf sich, wenn sie die Zeichen >er Zeit übersehen.

Verfassung folge der Flagge, das soll heißen, die Vereinigten Staaten würden auf das von Dr. Cook entdeckte Land Anspruch erheben, wenn sich dieses als wertvoll erweise!

volkswirtschaftliches und Soziales.

)( Gegen die drohende Arbeitslosigkeit, die im nächsten Winter allem Anschein nach besonders groß sein wird, will man im rheinisch-westfälischen Industriegebiet schon bei Zeiten die nötigen Maß­nahmen treffen, um ihre Wirkungen im wirt­schaftlichen Leben der Arbeiterkreise nach Mög­lichkeit abzuschwächen. Am Donnerstag teilte in der Sitzung der Kölner Stadtverordneten die Verwaltung mit, daß für den kommenden Winter eine ungewöhnlich große Arbeitslosigkeit zu er­warten sei, gegen die besondere Maßnahmen er­forderlich sein würden, mit deren Ausarbeitung die Verwaltung der Stadt Köln beschäftigt ist. Heute wird in Köln eine Kommission der größeren Städte Westdeutschlands zu- sammentreten, um gemeinsame Maßnahmen gegen die drohende Arbeitslosigkeit zu treffen und ins­besondere gemeinsam den Arbeitsnachweis zu regeln.

* Eine Einigung im schwedischen General­streik. Durch Vermittelung der staatlichen Unter­händler zwischen dem Landessekretariat und den Unternehmerverbänden außerhalb des Arbeit­geberverbands wurde ein Vergleich geschlossen: Die Aufnahme der Arbeit erfolgt am Montag, alle Maßregelungen unterbleiben, alle Konflikte werden einem Schiedsgericht unterworfen. Der Arbeitgeberverband bleibt vom Streik betroffen.

totales.

Fulda, den 4. September 1909.

K. Die Neuwahlen der Beisitzer für die Verwaltungsbehörden der Landesverstcherungs- Anstalten finden voraussichtlich im Monat Sep­tember, spätestens im Oktober d. I. statt, nach­dem die Wahlperiode Ende dieses Jahres ab- läuft. Die Wahlkörper sind die Vorstände der Orts-, Betriebs-, Jnnungs-, KnappschastS-, See­manns- 2C. Eingeschriebenen Hilfsklaffen, welche dem § 75 d. K.-Vers.-Ges. genügen. Die Wahl- bezirke sind die Bezirke der unteren Verwaltungs- behörden, also in Städten die Gemeinden, auf dem Lande die Landrats- bezw. Kreisämter. Das Stimmenverhältnis der Wahlkörper richtet sich nach der Zahl der Mitglieder und zwar solche Vorstände, die nicht mehr als 50 Mitglieder vertreten, haben eine Stimme. Bei mehr als 50, aber nicht mehr als 100 Mitgliedern beträgt die Stimmenzahl 2, bei mehr als 100 aber nicht mehr als 200 Versicherten 3, sür je weitere 100 Versicherte kommt je 1 Stimme hinzu. Diese Wahlen sind sür die Arbeiterschaft von großer Bedeutung, indem die gewählten Beisitzer der unteren Verwaltungsbehörden die Ausschußmitglieder der Landesverficherungs - An­stalten wählen, diese wieder wählen den Vorstand der Versicherungsanstalt, sowie die Arbeiter­beisitzer der Schiedsgerichte die Arbeiterbeisitzer zu den Landesversicherungsämtern und dem Reichs- versicheruugsamt. Ferner bestimmt der Ausschuß die Arbeitervertreter, die von den Berufsgenossen« schasten bei Erlaß der UnfallverhütungSvorschristm hinzugezogen werden. Diese kurze Darstellung der Wahlordnung ergibt schon die Bedeutung der Wahl der Vertreter zur unteren Verwaltungs­behörde. Die Vertreter dieser Behörde bilden die erste Körperschaft, auf die sich die folgenden aufbauen. Für Sonntag den 5. September ist nun eine Einladung an alle Arbeitnehmer- Vorstandsmitglieder der hiesigen Kassen sowie der Ortskrankenkaffe Fulda Land auf Mittag 1 Uhr ins Gasthaus zur Hinterburg ergangen. Diese Sitzung soll den Zweck haben, Klarheit über die bevorstehenden Wahlen zu schaffen. Es dürfte sich ein vollzähliges Erscheinen aller Arbeit­nehmer-Vorstandsmitglieder der hiesigen Kassen empfehlen.

4- Die Handelskammer zu Hanau wendet sich in einem Rundschreiben an die beitrags­pflichtigen Firmen des Bezirks mit der Mitteilung, daß sie zwecks Wahrung der Gesamtintereffen der Handels- und Gewerbetreibenden ihres Bezirks in möglichst nmfaffender Weise, insbesondere aber um noch weitere Gelegenheit zur Aeußer- ung von Wünschen und Meinungen zu geben, künftighin halbjährlich Rundschreiben er­gehen laffen werde, die den beteiligten Firmen Veranlassung und Anhaltpunkte bieten sollen sür spezielle Anregungen und sür Mitteilungen darüber, zu welchen Fragen bezw. auf welchen Gebieten eine Stellungnahme oder ein Vorgehen der Han­delskammer erwünscht erscheint.

(*) Fräulein G. Andriefsens ist aus ihrer Tätigkeit als Hülfsarbeiterin der Landes- bibliothek ausgeschieden. Die Stelle bleibt vorläufig unbesetzt.

= Tabakarveiter, die infolge des neuen Tabaksteuer-Gesetzes in ihrem Erwerb ge- schädigt werden sollten, haben bekanntlich nach einem auf Antrag des Zentrums gefaßten Be- schluffe des Reichstages Anspruch euf Unter­stützung. Der ßert Finamminitter bat auf

Deutsches Reich.

t Berlin, 3. Sept. 1909. Das Ergebnis des Reichshaushalts für 1908 zeigt, wie chon milgeteilt, ein trostloses Resultat. Das Defizit beträgt rund 122 Millionen Mark. Im anzen sind 66 778000 Mark Minderausgaben und 3659000 Mark Mehrausgaben eingetreten, odaß eine Minderausgabe von 63119000 Mk. verbleiben. Man hat also offenbar in allen Refforts versucht, nach allen Regeln der Kunst zu sparen, aber es hat wenig geholfen, da an ordentlichen Einnahmen, soweit sie dem Reiche verbleiben, 185115000 Mark weniger einge- ommen find.

4- Der frühere Reichstagspräsident Graf Ballestrem, Wirklicher Geheimer Rat und päpst­licher Geh. Kämmerer, feiert am Sonntag seinen 75. Geburtstag. Er ist auf dem oberschlesi- chen Gute Plawniowitz geboren, das er heute wch bewohnt. Seine Universitätsstudien machte er 1853—1855 in Lüttich. Dann trat er in die preußische Armee und machte die Feldzüge 1866 und 1870/71 mit. Als Rittmeister nahm er nach dem Kriege seinen Abschied. Damals begann seine politische Laufbahn. 1872 wurde er für Oppeln in den deutschen Reichstag gewählt und bald gehörte er zu den angesehensten Vertretern der Zentrumspartei. 1890 wurde er erster Vor­sitzender der Zentrumsfraktion und bekleidete von da ab drei Jahre hindurch die Stelle des ersten Vizepräsidenten. Als er aber im März 1893 in der Frage der Heeresverstärkung dem Antrag Huene zustimmte, trat er aus dem Fraktions­vorstande aus und kandidierte bei der nächsten Reichstagsneuwahl nicht mehr. Doch gehörte er auch fernerhin dem preußischen Abgeordnetenhause an, bis er 1903 zum erblichen Mitglieds des Herrenhauses ernannt wurde. 1898 trat er dann wieder als Vertreter des Wahlkreises Lublinitz in den Reichstag und war bis zur Auflösung des Jahres 1906 als sein Präsident tätig.

* Bülow-Verherrlichung. Dir.Nationalzeitung' veröffentlicht ein Gedicht:

„Sie waren beid' gegangen. Der General, der Greis, — Du stilltest das Verlangen Des Volks, so glühend heiß!

Du gingst im Parlamente Wie eine Sonne auf. Banntest der Elemente Verworr'nen wilden Lauf."

In diesem Stile wird dem Fürsten Bülow durch weitere viele Strophen gehuldigt, und dann heißt

Ausland.

♦ König Eduard ist von Marienbad, wo er 3 Wochen zur Kur weilte, wieder in der englischen Heimat eingetroffen. Weder auf der Hin- noch ans der Herreffe hatte er eine Begegnung mit unserem Kaiser.

t Gegen den Sultan von Marokko waren seit langem Klagen laut geworden, daß er seine Feinde mit allzugroßer Grausamkeit behandelte Beispielsweise ließ er ihnen ein Bein abschlagen, die Zunge ausschneiden usw. Dagegen wurde nicht nur in Marokko selbst protestiert und dem Sultan viel Sympathien entwendet, sondern auch daS Ausland erhob gegen solch unmenschliche Be­handlung Gefangener Protest. Diesem Proteste nachgebend, hat Muley Hasid die formelle Zu- ficherung erteilt, daß Züchtigungen in der von den Konsuln beanstandeten Art nicht mehr vor- kommen würden.

; Der Nordpol! Der Nordpol! Kaum hecht eS, der Nordpol sei entdeckt, so erhebt sich schon die - i schwierige Frage: wem gehört et? Man könnte an diese Frage ja die wunderlichsten Betrachtungen anknüpfen, könnte darauf Hinweisen, daß der Nordpol doch ein mathematischer Punkt ist und als solcher keine Ausdehnung hat, also etwas ungreifbares uod unbesitzbares ist. Aber durch solche richtigen und theoretischen lieber» legungen laffen sich die realistischen Amerikaner nicht abfüttern, sie wollen ihn haben .General- staatSanwalt Wickersham hat nach einem Kabel­telegramm aus Washington erklärt, die amerikanische

zum Schluß:

.Erhebe die zürnende Rechte, Gewaltiger Kaiser, greif rin! Serstör die erdrosselnden Mächte, en vötkererhaltenden Schein! —

Stürmt an und schmettert sie nieder — Der Kanzler ist Deutschlands Geschick! Du deutscher Kanzler kehr wieder. Das Volk holt dich wieder zurück.

Das „B. T.' bemerkt: Wir glauben, der Autor täuscht sich doch sehr über die Stimmung des Vol­kes, und wir finden seine Aufforderung zur Rück­kehr sehr unliebenswürdig gegenüber dem neuen Kanzler, von dem wir nun doch erst einmal sehen wollen, was er leistet, bevor wir uns wieder ver­ändern. Das Gedicht gibt an sich Grund zu scherz­haften Betrachtungen, aber wir möchten eS doch ernster nehmen, weil es mit zu den bereits beginnen­den Versuchen gehört, einen Nimbus von Liberalis­mus und Volksrettertum um den verfloffeneu Kanzler zu spinnen, der ihm nicht zukommt.'

* Mönchen, 3. Sept. 1909. Der bayerische Landtag ist aus Dienstag den 28. September ein- betufen. _____

wechsel vom Regen in die Traufe."

Allerdings ein schöner Dank! Daß Herr v. Bethmann-Hollweg ein „bewährter" Vertreter der grenßischen Polenpolitik ist, wiffen wir, und wir halten eS auch nicht für ausgeschlossen, daß er neue Autipolengestze in Vorschlag bringen wird. Denn jeder Schritt auf dem abschüssigen Pfade zieht naturnotwendig weitere Schritte nach sich. Sollte aber nach dem Mißlingen aller bereits getroffenen Maßnahmen gegen die Polen nicht endlich auch ihm die Erkenntnis kommen, daß er sich auf dem falschen Wege befindet?

Es ist nicht zu leugnen, daß in der Bevölke- rung Elemente ihr Wesen treiben, deren Bestre- bungen auf die Loslösung der polnffchen Gebiets­teile und die Errichtung eines polnischen । Nationalstaates abzielen. Aber wenn diese Ele­mente heute einen gewissen Einfluß erlangt haben, i ist die- dann nicht in erster Linie zu verdanken den unglückseligen Bedrückungsmaß­nahmen, die dar Volk verbittern und in die Arme der Hetzer geradezu hinein- treiben müssen?

Wäre es nicht ein Gebot verständiger Staats- kunst, gegenüber den gefährlichen Elementen den Männern zu Hilfe zu kommen, die flaatstren und reichstreu gesinnt sind und ihre Stammes« genoflen in dieser Treue erhalten und bestärken wollen? DaS tut man aber gewiß nicht dadurch daß man Versammlungen staatstreuer Polen au dem Katholikentag verbietet, daß man die Mit­wirkung der Polen an der Reichsfinanzreform mit neuen Ausnahmegesetzen lohnt. Wmn so die wohlwollende Staatsfürsorge für die Polen aussieht, dann muß es ben gutgesinnten Ele­menten in der polnischen Bevölkerung immer schwerer werden, die staatstreue Gesinnung bei ihren StammeSgenoffen zu pflegen und zu fördem.

Mit banger Befürchtung sehen mir dem ent­gegen, daß durch die verfehlte Polenpolüik immer weitere Kreise der polnischen Bevölkerung dem Staatsgedanken entfremdet werden. Dann werden wir eine wirkliche polnische Ge- fahr vor uns haben. Es ist höchste Zett zur I Umkehr, soll nicht ein Ende mit Schrecken unS

56. Generalversammlung derKatho- liken Deutschlands.

X Breslau, 2. September 1909.

Die sozialen Leitsätze, die die letzte ge­schloffene Versammlung deschloffen hat, waren tm Ausschuß mehrere Tage hindurch vorbereitet worden. I Das schon läßt ihre Wichtigkett erkennen, lieber die gewöhnliche Länge von Resolutionen gehen diese Anträge weit hinaus, jedoch mit Recht: denn es sollten neue Richtlinien gegeben werden für unsere sozialen Arbeiten im großen und im klemm. Die zwei Riesenresolutionen wollm einerseits der ozialen Verstimmung und Entftemdung der ver- chiedenm Staffen und Stände vorbeugen, anderer­seits die Veredelung der Lebenshaltung, die zweck­mäßige Verwendung des Einkommens fördem — ein volkserzieherisches Programm großen Stiles.

Die bedeutendste Rede in der geschlossenen Ver­sammlung hielt Dr. Sonnenschein (M.-Gladbach). /Die Müdigkett und Gereiztheit auf dem sozialen gebiete will er bekämpfen einerseits durch Erweite- rung des Begriffs und der Formen der sozialen Arbeit, andererseits durch die wettere Aufklärung und Anregung in den Kreisen der Gebildeten und Besitzenden, ganz besonders aber durch die Schaffung 'von Kontaktverbindungen zwischm den verschiedenen Klaffen und Ständen: studentische Arbetterkurse, Vinzenzvereine, Aufenthalt in Gesellenhäusern usw. An dieser Stelle kann auf die bedeutsame Erörtemng 'nur kurz hingewiesen werdm. Da ist wirklich etwas 'zu Urnen, auch über den anderen Punkt, daß man Die übliche Sparsamkeitspredigt erweitem soll zu einer umfassenden Anleitung: wie der einzelne und 'die Familie sich mit dem Einkommen die meisten ^Vorteile für Leib und Seele, den höchsten Grad am wahren Glück erwerben können.

Die letzte öffentliche Versammlung bil- bete mit ihren frischen, aus dem Herzen gesprochenen Reden einen würdigm Abschluß der Tagung. Der Präsident prägte zum Abschied ein schönes Wort: Katholisch wollen wir sein nicht bloß im Sterben, sondern in erster Linie im Leben.

Es war schön in Breslau! Der Katholikentag hat alle Hoffnungen übertroffen, und alle Be­fürchtungen der Gegner gründlich erfüllt. Die entfernte Lage Breslaus im Osten ließ das Bedenken iauftommen, der Besuch werde stark zurückgehen. Nun, er war und blieb vom ersten bis zum letzten Tage imposant. Sowohl die Fefthalle als auch die zahlreichen Nebenveranstaltungen hatten allesamt eine erdrückende Fülle von Besuchern. Breslau, die i Halbmillionenstadt, die überwiegend protestantisch fft, stand völlig unter dem Zeichen des Katholiken­tages.

Was der Katholikentag an kirchlicher, sozialer, pädagogischer, ltterarischer und künstlerischer Arbeit i geleistet hat, davon geben die Berichte nur einen 'schwachen Begriff Er wird vielleicht manchen seiner Vorgänger übertreffen, wenn erst die Früchte seiner ^Verhandlungen gereift sein werden. Was hier auf dem Gebiete des Glaubenstebens, der Charttas und der sozialen Versöhnung beschlossen wurde, das wird mtt scharfen Lettern in die Blätter der Geschichte der deutschen Katholiken eingezeichnet fein.

Der Breslauer Katholikentag war eine herrliche Demonstration für die katholische Einheit und Einigkeit. Es befreite ihn die Stimmung: bleiben wir einig, denn es tut not: in der Einigkett liegt unsere Stärke, mit ihr wollen wir auch sürder bestehen, dabei stets gewillt und berett, mtt unseren andersgläubigen Mttbürgern in Frieden zu leben und gemeinsam zu arbeiten an der Wohlfahrt unseres 'Vaterlandes! Einigkeit im Innern, Fried­fertigkeit nach außen, das war das Wahr- szeichen der Breslauer Generalversammlung.

+ Der Fluch der böse« Tat.

Durch die Presse geht eine Korrespondenz aus der Ostmark über „®te polnischen Stipendien und Stipendienvereine." Die Auslassung schließt:

„Dieses national-polnische Stipendienwesen züchtet so fett Jahrzehnten eine ausgesprochen deutsch- und staatsfeindliche Bevölkerungsklasse syste­matisch heran. Die Wirksamkeit dieser Stipendienver­eine muß daher als eine in hohem Maße für die Staatsraison gefährliche bezeichnet werden, und es ist hohe Zeit, daß die Staatsregieruug dieser Tätigkeit Einhaltgebietet. Jeder in den Ostmarken Wohnende weiß, daß die Agitatoren und politischen Führer des Polentums aus den Reihen der Stipendiaten dieser Vereine, insbesondere des Mareinkowski-Bereins, her­vorgegangen find und täglich hervorgehen."

Auch die,Nordd. Allg. Zig/ hat die Sorte« spoudenz zum Abdruck gebracht unter Ausschaltung indessen des einen Satzes, in welchem die Re- gierung zu Maßnahmen gegen die Stipendien- vereine aufgesordert wirb. Die Tendenz des Artikels spricht ohnehin schon deutlich genug. Unsere Hakatisten hegen jedenfalls frohe Hoff­nung, daß in nächster Zeit neue Vorstöße der Regierung gegen die angebliche polnische Gefahr i zu erwarten sind. Zu ihrem Sprachrohr haben sich die Münchener 9teuefien Nachrichten^ gemacht, die in ihrer Nummer 402 schreiben:

„In der Mehrheit des Reichstags für die neuen Steuern gaben die Polen den Ausschlag. Kaum etwas hat einen schmerzlicheren Eindruck im Volke gemacht als diese Tatsache... Die Polen werden vermuttich dieses Sieges nicht froh werden. Wenn nicht alle Zeichen trügen, wird der neue Reichskanzler sie mit Skorpionen züchtigen, wo Fürst Bülow sie mit Stuten gegeißelt hat. Es war längst bekannt, daß Herr v. Bethmann-Hollweg überzeugter Anhänger einer kräftigen Abwehr der Polen ist... Schon heißt es, daß der preußische Landtag sich mit neuen For­derungen für die Anfiedelungspolitik zu beschäftigen haben wird. Zwar ist das Enteignungsgesetz noch nicht angewendet worden. Man weiß, daß Fürst Bülow in ihm mehr ein Damoklesschwert sah, das er über die Häupter der Polen aufhängte. Ob der neue Reichs­kanzler und Attnisterpräsident dieses Schwert nicht zum Fallen bringt, muß man abroarten. Wir halten es für recht wahrscheinlich. Jedenfalls hat Herr v. Bethmann- Hollweg hierbei ganz freie Hand, und diese Hand weiß zuzuschlagen. In den sechs Wochen, seitdem der neue Reichskanzler sein Amt sührtz haben die Polen einige recht empfindliche Streiche erhalten. Für die lieber« wachung der Polenbewegung im rheinisch-westfälischen Industriegebiet, wo etwa eine Biertelmillion Arbeiter polnischer Zunge, außer Preußen auch Galizier und Rufleu beschäftigt sind, ist bei der Polizeidirettio» in Bochum eine Zentralstelle eingerichtet worden, wo alle Fäden der Beobachtung zusammenlaufen und ein gründlicher Ueberblick über die ganze Bewegung ge­schaffen wird. Als der polnisch-katholische Ar- I beiterein in Berlin jüngst sein Stiftungsfest feiern wollte, wurde der Gebrauch der polnischen Sprache in den öffentlichen Versammlungen untersagt, und das I gleiche ist geschehen für den in diesenTagen stattgefundenen Katholikentag in Breslau.... Es weht zur I Zeit ein scharfer Wind gegen die Polen. Sie haben dem deutschen Reich 500 Millionen Mark neue Steuern bewilligt. Aber die Regierung ist ihnen dafür gar nicht dankbar. Und die Polen kommen nach dem Kanzler-

Die Versammlung des BorromänSverein» zur Ber- orettung guter Bücher am Mittwoch war von über ,400 Personen besucht. Lehrer Sonntag schilderte in bewegten Worten den verderblichen Einfluß der Schund­literatur auf die Jugend sowie die der Eensationspreffe nach Art der Generalanzeiger auf die Bevöllernng. Vor allem fei es notwendig, daß der Borromäusverein finanziell unterstützt werde; wer ein Opfer diesem। Verein bringe, unterstütze gleichfalls die Zwecke der christlichen CharitaS. Generalsekretär Herz-Bonn behandelte eingehend das Thema: „Welche Bücher stellen wir in unsere Bolksbibliotheken." Nicht einseitig konfessionell wollen wir unsere katholischen Bolksbiblio- theken ansstatten, alle Schriftsteller und Dichter sollen berücksichtigt werden, aber der religiöse und pädagogische Standpunkt muß entscheid» nd sein. Der Verein zählt gegenwärtig über 170000 Mitglieder und zwar 40000 mit einem jährlichen Beitrag von 6 Mark, 65000 mit •« Mk. und 65000 mit 1,50 Mk.

Sefwerfammlung deS Vereins katholischer Kaufleute Breslaus. Am Mittwoch sand hn Vinzenzhanse eine große Festversammlung statt. Prof. Buchwald hiell die :Webe auf Kaiser und Papst. Präsident Abg. Hero ld ^würdigte die Bedeutung des Kausmaunstandes und ifklUlerte kurz die Ausgaben des katholischen Kansmannes in der Gegenwart. Tüchtiges Steeden bringe den Stand materiell vorwärts und befähige ihn, daS kath. Volk zn unterstützen. Justizrat Porfch bemerkte, daß er gerade im Kaufmannsstand« immer tüchtige Männer bereit zur Unterstützung der katholischen Sache gefunden habe. Kommerzienrat Cahensly überbrachte die Glückwünsche des Kardinals Kopp. Die Festrede hielt Dr. Müller-Effen 0.RH.

... Die akademischen BonifatiuSvereine wähllen in ihrer Generalversammlung am Montag zum Vororte lu£ "te nächsten drei Jahre den akademischen Boni» b* Münster. Zur Hebung des LebenS intensiverer Propagandatäligkeit in den öfter« Lenhischen Vereinen schloffen sich diese zn einer de- bektion innerhalb der Einigung zusammen.

>ww oer Generalversammlung zur Verfügung stehenden weiver wurden der katholischen Gemeinde Rostock zu- gewteseu. Zur Beschaffung eines katholischen Lesezimmers jn Halle wurden 100 M. bewilligt. Die ganze Set« samnuung legte sich einmütig darauf fest, daß der joweck der akademischen Bonifatiusvereine nicht vor«