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jährlicher Vezugsprels ohne Bringttio^t wb MtclgdbinSuIbaf»* wie auswärts 1.50 inf.

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sSrdie»«rdaen. z. par^ller tx Lutda.

MaerW Zeitung

w°chmbe!tae«: „Quittierte Sonntagszeitung" MMakbeNagi! „Sulbaer EeschichkblStter"

»w$8tgtfc: Vie er» fpattige Petitzelle »der deren Baum 15 Pfg. Befiamex diepetitzelle 25 pfg., bei wieder- holuRge« wird eutspr. Habatt gewährt.

KotationsdruSuul Verlag der Fuldaer Ak- tiendruckerei ht Fulda Zerxfprecher«r.y.

36. Jahrgang

Fulda, Samstag dm 4, September 1909.

J» 202.

Kopfe auf einen Stein und erlitt einen SchLd el

Uns Mrch« und Schule.

Drittes Matt.

sich nicht weniger als 149 Bewerber gemeldet.

vermischtes

dem

(Fortsetzung folgt.)

richtung der „Blockherrlichkeit* erst recht vergebliche Liebesmühe fein.

Aus dem Nachbargebiete.

♦ Dermbach, 2. Sept. 1909. Die für An. sang Oktober geplante Landesobftaus- stellung im hiesigen Orte wird nicht statt- finden, weil die Aussichten auf die diesjährige Obsternte zumeist schlecht sind.

* Kirchhain, 3. September 1909. Die Obst­ernte in den städtischen Anlagen, die im ver­gangenen Jahre für die städtische Sparkasie einen Ertrag von 27ä0 Mk. brachte, fällt in diesem Jahre nicht so reichlich aus. Namentlich die Apfelernte bleibt hinter den Erwartungen zurück.

* Fritzlar, 3. Sept. 1909. In Geismar glitt der Landwirt Paul im Stalle aus, fiel mit dem

* Das Ende Ziegenhains? DaS durch sein Weiße hier und durch die aus dem Holze der Kornelkirsche ......Spazierstöcke weit« ' 1 in Jena eiuge«

n Fulda, 1. Sept. 1909. Von den wenigen Orten des Regierungsbezirks Raffel, die nach § 20 des Lehrerbesoldungsgesetzes vom 26. Mar d I. ihren Lehrern und Lehrerinnen Ortszu­lagen gewähren können, habm bereits die beiden größten, Kassel und Hanau, desimtlve Beschlüsse gefaßt. Kassel gibt-die erste Ortszu­lage von 200 Mark gleich auf das gesetzlich vorgeschriebene Grundgehalt und zahlt dann auf die 1. Alterszulage (vom 7. Dienstjahre an) in

Mag sich auch allenfalls der zurückgebliebene Aev- n e r überwinden lassen, so ist doch das Mißtrauen sticht auszurotten. Und jeder unparteiische Beobachter Muß gestehen, daß das Mißtrauen auf der konservativen Seite nur zu berechtigt ist. In Wort und Tat haben . die Liberalen bekundet, daß sie den Block nicht als ein »Hilfsmittel für die vielgepriesene „nationale* Politck . betrachteten, sondern als ein Mittel, um den l i b e r a- jlen Gedanken und den liberalen Interessen die Vormacht zu verschaffen. Das konnten sich die Kon­servativen ohne politischen Selbstmord nicht andauernd , gefallen lassen. Und wenn sie neuerdings etwa fragen sollten, ob nicht die Rückkehr in die liberalen Arme - angezeigt wäre, so muß doch die rücksichtslose Hetze, s welche die liberalen Redner und Zeitungen gegen alles Konservative entwickeln, geradezu abschreckend । wirken.

| Auf der liberalen Seite, mit Einschluß der Nationalliberalen, herrscht ersichllich nicht die mindeste Neigung zur Versöhnung, sondern nur das Streben inach völliger Niederkämpfun g der Konser- batiäen.

I Daraus ist zu entnehmen, daß es in den letzten zwei Jahren dieser Wahlperiode aller Wahrscheinlichkeit (nach nicht gelingen wird, die Blockmehrheit zusammen­zukitten. Und bei den Wahlen wird die Wiederer-

s. Der Verband der Windthorstbimde Deutschlands, der heute 161 Bunde zählt, hält seinen Vertretertag in den Tagen vom 18. bis 21 September in 33 o n n ab.

(*) Oldenburg, 2. Sept. 1909. Auf dem Jahres- :eft des Oldenburgifchen Hauptvereins des E v a n g. Bundes sagte nach der „Köln. Vztg." Pastor Pleus in der Festpredigt u. a.:

Eine Ewigkeit nach dem Muster Roms wünschen wir nicht, aber ein Zusammenstehen aller — trotz Meinungsverschiedenheilen — gegen den gemein­samen Feind tut not. Denn der Feind des evan­gelischen Glaubens, der Katholizismus, ist nicht mehr vor den Toren, er ist schon in unserem eigenen Lager. Im evangelischen Nordwestdeulschland treibt er streng organisierte Arbeit, während in ka'holischen Ländern, besonders den romanischen, der Rus „Los von Rom!- ertönt. Der Evangelische Bund in Ge- meinschast mit dem Gustav-Adolf-Verein Helfer diesen Bedrängten, soviel es geht, um ihnen die evan­gelische Freiheit zu bringen.

Der Festprediger hat schon Schmerzen, wenn er daran denkt, daß in dem lutherischen Nord-Oldenburg einige wenige Katholiken, nur ein paar Tausend woh­nen, meist Arbeiter, die um des Broterwerbes dahin gezogen sind. Und er schreit, da „treibe der Katholi­zismus streng organisierte Arbeit*. Jedenfalls aber doch nur Arbeit an den Katholiken und nicht wie die Agitatoren des Evangelischen Bundes an den Ange­hörigen einer ihnen ganz fremden Neligionsgenossen- fchast. Pastor Pleus ist insofern ein ehrlicher Mann, als er nicht den „Ultramontanismus* als Gegner be­zeichnet, er gesteht geradezu, daß er es auf den ganzen Katholizismus abgefchen hat. Nur diejenigen Katholiken, welche der Bund protestantisch machen möchte, bezeichnet er als „Bedrängte*, denen er die „evangelische Freiheit* bringen will. — Dann sprach noch Hr. Pfannkuche, freilich nicht ganz so ge­schmackvoll, wie fein Name vermuten laßt. Er be­tonte, daß über die Meinungsverschiedenheiten das Ge­meinsame der Evangelischen zu stellen sei, weil dem Protestantismus Gefahren drohten. Das hätten die jüngsten Ereignisie im Reichstage abermals ge­zeigt. Ach so! Da hätte am Ende eine „konfessionell- evangelische* Reichsfinanzreform gemacht werden müs­sen.

* Paderborn, 2. Sept. 1909. Das Dom­kapitel wählte zum Kapitels-Vikar, der während der Vakanz des Bischossstuhles mit der Leitung der Diözese vertraut ist, Herrn General­vikar Schnitz.

Kahn ...

,3a, H habe Hn gettotl jSchll Mt len«

sich ganz anders verhalten haben!* ruft er im Tone heiligster Ueberzeuyung. „Er würde dann auch den Diebstahl geleugnet und erklärt haben, er fei zur Zeit bet Tat hundert Meilen entfernt gewesen vom Tatort. Daß er den Diebstahl ohne weiteres zugibt, ist ein un- unfftößlicher Beweis für feine Unschuld an dem Mord. Kein Mensch hat ihn die Tat begehen sehen. Nur, weil er zufällig in der fraglichen Nacht in dem Hause anwesend war, soll er durchaus auch der Mörder sein. Warm nicht außer ihm noch eine Masse anderer Per­sonen im Hause? Sie werden mir entgegnen, meine Herren, die anderen sind alle unbescholtene Personen, die dem Gemordeten in irgend einer Weise nahe stan­den — bet Angeklagte ober ist ein notorischer Dieb und Hochstapler! Ader, meine Herren, es kann jemand ein Dieb, ein Hochstapler, ein Abenteurer schlimmster Sorte sein, ohne daß er deshalb ein Mörder ist!! ... Dem Angeklagten kann nichts weiter bewiesen werden, als daß et zufällig in jener Nacht nm Tatorte des Mor­des eingebrochen wat, um zu stehlen! Aber ich bin der unumstößlichen Ueberzeugung, daß lein Richtet bet Welt bei einem solchen schwachen Indizienbeweis einen Menschen beS Mordes schuldig sprechen kann!*

Tiefe Bewegung im Zuschauertaum. Die Hälfte des Publikums ist jetzt ebenso fest von der Unschuld des Angeklagten überzeugt, wie sie eS vor kurzem von dessen Schuld war. —

„Wollen wir nicht lieber gehen?* fragt Orlando seine Frau, als bet Gerichtshof sich bald darnach zu- Beratung zurückgezogen hat. „Es ist hier zum Er­sticken schwül.*

Doch Teresito schüttelt den Kopf. In sieberhastet Erregung hängen ihre Blicke an bet Tüt, durch welche der Gerichtshof wieder eintreten muß.

Rach kurzer Zeit schon wird das Urteil verkündet: „Schuldig des Mordes. Lebenslänglich Zucht­haus.*

„Habm Sie noch etwa» zu sagen?* toenbet bet Präsident sich kurz zu bem Angeklagten.

Mit verblüffender Ruhe erhebt sich Graf Losti von der Anklagebank.

„Ja, ich habe noch etwa» zu sagen — jetzt, nach- bem ein ganze» Richterkollegim» mich für schuldig er- klärt hat,' «widert « spöttisch. >3$ wiederhole:, ich

Mann dort!* zitterte es wie eine Geisterstimme au» fernen, fernen Regionen durch den Saal. „WaS ich vorhin aussagte, ist Lüge. Die Wahrheit ist: t ch bin die Mörderin! Ich! Ich!!*

„Teresital* schreit Orlando, zu ihr hinstürzend, auf. „Du redest irre. Hören Sie nicht auf ste, meine Her­ren! Ihr Geist ist umnaStet; sie weiß nicht, waS ste

OCNESTI.E

Altbewährte Nahrung f ü rKind e r und Kran Ke,

macht glücklich? . . . Orlando, Orlando, wo bist du? Komm doch näher! Ich — eifersüchtig? Auf Mitra? Hahaha .... Diebe, meinst Du, John? Unsinn .... Doch, da steht einer! Rasch den Revolverraus! .... Knacks .... Großer Gott, John, John! ... *5°) — Mörderin? Ha, mitten ins Herz getroffen! .... Orlando komm! . ... Du willst »ich ? Du mußt! Hörst Du: Du mußt! ! ! . . Qualen wich nicht lang«. Sie Schurke! Ich ertrage -»nicht! ... — Wettrennen ... Pluto gewinnt. Wo ist Orlando? .... Ha, da unten. Goldgelb! .... Goldgelb stutzt! ,.,. Blut, Blut! Barmherzigkeit!*

5 hrp'iiäbtiaen Stufen 300, 400, 450, 500 und 9 am Hauptbahuhof vorgefunden. Das Geld fehlt. - .. «n—e a.—.... «»mshri mtf | * Offenbach, 1. Sept. 1909. FürdieRechts-

als könne Zereftta den drohenden Blick nicht ertragen. Doch bet Wut ber Verzweiflung gibt ihr Kraft.

' „Zeugin halten Sie ben Angeklagten für den Tä- ^er?* fragt bet Präsident nochmals.

,3a."

Laut, Kar, überdeutlich schrillt das Wort durch den Saal. Eine entlaffenbe Handbewegung des Präsiden­ten — die Zeugin tritt zurück. Doch macht sie einen wetten Bogen um den Angeklagten. Ihre Lider sind gesentt, und auf ihren vorher so bleichen Wangen -brennen zwei rote Flecke.

^^a, die In der ersten Reihe neben ben Eltern sitzt, und, Todesangst im Herzen, dem Lause der Ver­handlung folgt, war bei Teresitas Aussage fteubig zu- ffammengezuckt. Ist es möglich? Sollte Terefita wirt- iich unschuldig sein? Sie faltet die Hände. Leise be- meßen sich ihre Lippen in stillem Gebet. Die Beweis- -Ausnahme ist geschloffen. Das Plaidoyet beginnt nv, Anklagerede des Staatsanwalts ist ein kleine- dHr,l!terc:Uk an juristischer Auslegekunst Sie verfehlt fctm „■ln?ni£ ?us die Geschworenen und das Publi- -Mlnt Jedermann im Zuschauerraum ist über- bn Angeklagte der Mörder ist - obgleich ' lXWX K-weiz dafür erbracht wurde

Arteidiger das Wort. In einer sch°rsp°intierten und von Begeiste- Rede führt er aus, daß auf einen liodj baju schwachen Indizienbeweis kein Mensch a!8 1h» Mordes ubFührt erklärt werden tot” jfe, .Ware bet Angeklagte bet Mörder, so würde er

Deutsches Reich.

„:* In der Deutschen Kolomalzeitung vom 7. August findet sich eine interessante Zusammenstellung der Einnahmen und Ausgaben unserer Kolonien für das Etatsjahr 1909. Aus den Angaben der Zeitung ergibt sich, daß die Ausgaben für Togo fast das Dreifache der Einnahmen, für Ostafrika und Kamerun etwas mehr als das Dreifache, für die Musterkolonien Deutsch-Südwestafrika und Kiautschou sogar fast das Vierfache der Einnahmen betragen! — Hieraus erhellt, daß es wohl noch eine ziemliche Zeit dauern wird, dis unsere Kolonien sich selbst unterhalten können, geschweige denn dem Heimat­land noch eine Reute bringen. Und weiter muß auch dem größten Kolonienschwärmer einleuchten, daß das Zentrum mit Recht bei der Bewilligung von Ausgaben für die Kolonien den Finger auf den Beutel gehalten hat. Tie deutschen Diamanten sind bislang noch arg teuer! — Weiter enthält dasselbe Blatt eine bemerkenswerte Angabe über die Strafen, die in den Kolonien Ost« und West­afrika gegen Weiße erkannt worden sind. Während in Ostafrika auf 2 845 Weiße 63 Bestrafte kommen, kommen auf 8 213 Weiße in Deutsch-Südwestasrika deren 745, also nahezu 9%. Hiernach scheinen unsere weißen Brüder in den Kolonien zum Groß­teil nichts weniger als Kulturträger zu fein.

zuletzt 600 Mark. Hanau dagegen gewährt mit * Offenbach, 1. Sept. 1909. Für die Rechts- dem Beginn des 5. Dienstjahres 6 Jahre lang auskunftSstelle, die die Stadt errichtet, haben 200 Mark (nicht, wie schon gemeldet, 100 M.), sich nicht weniger als 149 Bewerber gemeldet, dann 6 Jahre lang 300 M., 6 Jahre lang 400 Darunter befinden sich auch Juristen und Der- Mk 6 ^abre lang 500 Mark und sodann 600 waltungsbeamte. —Um die Stelle als städtischer Mark Da in Kassel die erhöhten Ortszulage- Kassenbote haben sich 270 Personen beworben, täte nack dreijährigen Perioden gezahlt werden, — Die Stadtverordneten änderten ihren früheren -komm-» di- K°- bereits mit dem 20. veschtuß. eine Anleihe °°"d Millionen M Dienstjahre in den Genuß des Höchstsatzes von aufzunehmen um, und s chlossen d,e Anleihe 600 Mark, während das gleiche Maximum der auf 6 Millionen zu beschränken — Die Be- Ortszulagen in Hanau erst mit dem 29. Dienst- triebSerÖffnung der Lime Klemstemherm und jähre erreicht wird. — Aus Westfalen, wo seit- Großsteinheim der Hanauer Straßenbah.n her die höchsten Lehrergehäller gezahlt wurden, erfolgt am 1 -Oktober. -Di-^Ham-uerZtg ro'rb berichtet von einer Vereinbarung mreherer ging durch Kauf tn den Besitz des Buchdruckerel- Städte, dahingehend, den Lehrern nirgends mehr besitzers Werse aus Oels m Schlesien über als der höchstzuläjsigen Ortszulagen zu ge- * Brngen, 2. Sept. 1909. Der Asitzer des währen. Die betreffenden Städte sollen zu diesem zweitgrößten Wein gut es am Rhein, der merkwürdigen Beschlüsse gekommen sein, weil Kommerzinrat Julius Espenschied m Brngen, ist ihnen nach § 50 des Lehrerbesoldungsgesetzes gestern im Alter von 81 Jahren gestorben.

die seitherigen gesetzlichen Staatsbeiträge und ----—------■

Zuschüsse entzogen werden. Die erwähnte Ver- einbarung wird aber kaum durchführbar sein, einmal, weil für jene Städte bei so geringen Ortszulagen keine Lehrer zu haben sein werden । ^fertigten sog. „Ziegenhainer"- Sp und dann, weil die kleineren Jni.us.neorte, bekannte Dors Ziegenhain soll denen die gesetzlichen Zuschüsse geblieben sind,1 - ■ • höhere Ortszulagen zu gewähren imstande sind.

So bewilligte Ihmert bei Iserlohn am 2a. August seinen Lehrern Ortszulagen, die schon nach 16 Tienstjahieu bis zu 600 Mark ansteigen. Auch in ber Rheinprovinz haben selbst Landge­meinden, wie Katernberg, Frillendorf, Stoppen­berg und Schonnebeck an Ortszulagen für die Lehrer folgende Sätze bewilligt: vom 5.—10. Dienstjahre 100 M., vom 11.—16. Dienstjahre 200 M. und vom 16. Dienstjahre ab 300 Mk.

• Ein Block ist aber ohne Mehrheit nicht denkbar. <Gin gesundes Bündnis von zwei oder mehreren 'Parteien kann freilich auch bann bestehen und wir­

ken, wenn bie gesamten Bundesgenossen nicht die Hälfte des Reichstages aufbringen. Eine solche Bun- desgenoffenschaft wirft bann ebenso, wie eine einzelne Minderhettspartei, indem sie bie nötige Unterstützung dort sucht, wo ste zu haben ist. Der B l o ck aber be­ruht auf bem Anspruch ber Alleinherrschaft und schaltet grundsätzlich alle außer feinem Ringe stehenden Parteien aus. Er muß also über die abso­lute Mehrheit verfügen. Das tat ber Biilowblock, so ! lange er zusammenbielt. Es gab freilich manchmal

Ach und Krach, aber es ging doch, — bis die Erban- /fallsteuer der erkünstelten Eintracht ein Ende machte.

Nun ist ftellich vor ber Hand nur bie Eintracht der Linken und der Rechten zerstört, nicht aber schon die ziffermäßige M e h r h e i t der zusammengezählten Konservativen und Liberalen . Wenn es möglich wäre, die Ereigniffe der letzten Monate einfach aus- zustreichen, so könnte man die alte Blockpolitik wieder von vorne anfangen. Aber die Erfahrungen und deren iparteipshchologische Nachwirkungen lassen sich nicht be­seitigen. Auch dann nicht, wenn bei den beidersei­tigen Führern der Wille zur Wiederverständigung vor- handen wäre.

{ Sonnenleuchten.

20] Roman von Erich Friesen.

' Zum ersten Male hebt Terefita ben Blick zu

\ Manne, der dort vor der Anklagebank steht—die Hände [in ben Hosentaschen, ein höhnisches Lächeln um bie schmalen Lippen. Die Blicke beider treffen sich — flam- tmenb, drohend, ihre Kräfte einander abmeffend. Jedes von beiden — der struppellose Abenteurer dort auf bet ^Anklagebank unb bie bleiche, verängstigte grau, bie gegen ihn zeugen soll — jeder von beiden weiß: die ^nächsten Stunden entscheiden über Leben und Tod;

eines von beiden bleibt auf bet Strecke. Zuerst ist eS,

bruch.

* Carlshasen, 1. Sept. 1909. Die Fahrten der Salondampfer der Oberweser-Personen- damsschiffahrts-Gesellschast werden in diesem Jahre bis zum 26. September ausgedehnt.

* Frankfurt a. M., 3. September 1909. Am Montag vormittag verlor ein hiesiger Bankbe­amter im Westend ein Ledermäppchen mit fünf Tausendmarkscheinen und 40 Hundertmarkscheinen, zusammen 9000 Mark. Das Ledermäppchen wurde später in einem Briefkasten des Postamts

meinbet werden.

* Ein Grotzstuer äscherte den Piomerponton- schuppen in Deutz bei Köln ein. Die Flammen waten weit übet den Rhein sichtbar. Der Brand fand in den aufgestappelten Holzvorräten reichliche Nahrung. Da starker Nordwind herrschte, griff ba8 Feuer auch über die benachbarten Häuser über. Drei Personen erlitten Verletzungen. Der Schaden be­läuft sich auf P/2 Millionen Mark. .

— Der Herr Bürgermeister. Im Dienstbuch der Amety findet sich zum Schluß gedruckt: „Dient nicht als Legitimation.* „Sondern als Stallmagd, schreibt der Dorfgewattige dahinter.

— Nene Anwendung. „Warum hast Du Dich denn krank gestellt, Kärtchen?* — „Damit mir der Herr Doktor wieder die Pillen verschreibt, d,e so schön in mein Blasrohr passen!*

\ Läßt der Block sich reparieren?

Es gibt noch Leute, bie auf bie Wiederauftichtung des gefallenen Blocks hoffen. Was man wünscht, ba8 glaubt man leicht. Auch bet kürzlich h er wieder er­wähnte Dr. Friedrich Lange phantasiert sehr ausgiebig von bet Reparatur ber alten Blockherrlichkeit, er hofft, die Konservativen würden sich zu eenem „Bußakte verstehen, und bann will er nebst seinen paar „natio­nalen" Freunden bie Wiederverfohnung mit ben Stibe» raten vennitteln, - als „Schiedsrichter unb ehrlicher Makler*. , „

Wir möchten die Blockflicker darauf aufmerksam machen, baß sie sich mit ihren versöhnungsfestlichen Bestrebungen etwas beeilen müssen. Denn bis zu ben regelmäßigen Neuwahlen sind noch kaum zwei Sabre Wenn bis dahin nicht bie Wiederherstellung I gelungen ist, so braucht man sich fernerhin keine Mühe imehr zu geben. Denn bie Neuwahlen werben die «knappe Mehrheit, auf welche die Bülowsche Blockpolitik sich stützt, aller Wahrscheinlichkeit nach v e r-

bin unschuldig. Unb ich füge noch hinzu: ich weiß,

wer bet Schuldige ist* c. ,

Tumult im ganzen Saal. Kaum vermag die Glocke

des Präsidenten Ruhe zu schaffen.

„Wamm kommen Sie mit diesem Einwand erst

jetzt?* ruft ber Präsident ungeduldig. „Sie werden

selbst nicht glauben, daß jemand Ihnen ben alten

Kniff mit bem „großen Unbekannten* glaubt!* I spricht!'* , ,

Spöttisches Lächeln umspielt Gras Tostis Lippen. Ein tobeStrauriger Blick trifft ihn — ein Blick „Sdj wollte die betreffende Person schonen; denn ber ihm in bie Seele schneidet.

ich rechnete auf Freisprechung. Da aber —* mit einer i »Nein, ich rede nicht Irre, Orlando,* sagte ste lany

ironische» Verbeugung — „ber hohe Gerichtshof ande- fattl/ fast tonlos. „Ich bin bie Mörderin!*

rer Meinung ist, habe ich keine Veranlassung mehr zu Plötzlich verlasen sie ihre Kräfte. Laut aufschluch- schweigen.* zend bricht sie in den Armen ihres Gatten zufam-

„Machen Sie rafch!* drang der Präsident, nach der meiL

Reklamen- und Anzeigenteil.

iSi^Jhr Kind | munter und geistig frisch sich ent- ■ wickeln sehen wollen, so geben Sie ihm Dr. | Hommel's Haematogen. Warnung! Man ■ verlange ausorücklich den Namen Dr. Hommel. U

Uhr blickend. 15.

Gern Ick erkläre hiermit, der Mörder oder viel- _

mehr die Mörderin des John Bartleh ist in diesem des Arztes . Namenlose

^><IU*e Die letzten, mit erhobener Stimme herauSge- ErregungenKörtrer ^der^ungliM^

schleuderten Worte übten eine elektrisierende Wirkung $fn watbern halb

°us. Aller Augen d-m -msg^Men Fing« ^umh^E Zustand wurde T?refit^ della Rocr'a au8

tita sitzt «tÄÄ ’ÄS Ä S äannti niem^

einer Stdtue. bie Außen fifltt Giif ben AngeliUHlen Qe® IP’ - .*• ifitrAtfvir Eet der Plötze »um Ankläger wird unb dessen d-n und ihre bantaüen ftnb su^rr «M- Bücke sich Hineinvohren in bie ihren - wie der hyp- twn Stöbnen.

notisterenbe Blick ber Schlange, welcher fein Opfer ©tonnen,

beklemmende Stille . . . Jedermann weiß, in diesem I macht glücklich? ... Orlando, Orlando, wo bch du? Augenblick spielt sich eine furchtbare Tragödie ab — eine Tragödie, die übet Menschenschicksale entscheidet.

Und nun erhebt sich Terefita.

Ein SonnenstiM fällt durch da» breite Sogenfen» fter direkt auf daS tobesbleiche Frauenanllitz, aus wel­chem nur bie Anaen unheimlich hervorglühen. Langsam gleich einer Schlafwandelnden, bewegt sich Terefita vorwärts, wie getrieben von einer unwiderstehlichen Macht, hin zu dem Angeklagten. Fetzt stehen sie ein- ander gegenüber; Ang' ta Auge . . , Zahn um