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Jahrgang
Fulda, Freitag den 3. September 1909
M 201.
Zweites Wtatt
Lnzrigen: Vie et» fpaltigepktitzeilroder deren Baum 15 Pfg. veklamendiepetttzeile 25 Pfg.. bet Wiederholungen wir- entspr.
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Resolution des westfälischen Handwerker- tag es milgeteilt, in der es heißt:
„Der Handwerkertag warnt die Handwerker vor dem sogenannten Hansabunde und erhebt energischen Protest, wenn der Berliner Ehrenobermeister Richt sich anmaßt, im Namen der Handwerker von Deutschland Erklärungen zu Gunsten des Hanfabundes abzu- qeben. Indem die westfälischen Handwerksmeister feier- lichst erklären, daß sie nicht zu den 800000 Handwerkern gehören, von denen Herr Richt fabelt, fordern sie alle Handwerkerkorporationen (Innungen und Handwerkervereine) sowie jeden selbständigen Handwerker auf, den Werbern dieser Mißgeburt eines Bundes, die uns mit unseren Totengräbern, den Warenhausbesitzern, Börsenjobbern usw. verbinden wollen, energisch die Türe zu zeigen."
leicht Geld zu verdienen ist, wenn man — Dumme findet, die sich's abknöpsen lasten.
* Eltville, 2. Sept. 1909. Die Mehrzahl der hiesigen Vereine hat sich zusam nengetan und ein neues Spar-System eingesührt, das an eine öffentliche Kasse angeschlossen ist. Die Zurücknahme der Beiträge in beliebiger Höhe ist ohne Zinsverlust, ohne Kündigung ermöglicht. Auf die Sparbücher der Kinder können Einzahlungen von 2 Pfg. auswärts, auf die der Erwachsenen von 10 Pfg. aufwärts gemacht werden. Die Anschaf, fung eines Sparbuches kostet 30 Pfg. Zugehörigkeit zu einem Verein ist nicht erforderlich. Auf die Kinder - Sparbücher können bis 700 auf die anderen bis 2000 M eingezahlt werden. Der Zinsfuß ist 3Veo/o. Es sind Bestrebungen im Gange, um dieses System auf den ganzen R^eingau aaszudehnen ______
Erscheint täglich mit
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Ä«. wochendeitare: „Illustrierte Sonntagsjeitung-
Vermischtes.
* Tic liebe Unschuld. Aus Wanzleben bei Magdeburg wird folgendes niedliche Geschichtchen bekannt. Kommt da in diesem Tagen ein Zollbeamter in ein Privathaus der Umgebung von Wanzleben, dessen Haushaltungsnorftand 15 Flaschen Schaumwein zur Rachversteuernng angemcldet hat. Da der Zollbeamte den Bestand nachprüfen will, weist der Haushaltungsvorstand das Dienstmädchen an, den Beamten in den Keller zu führen und ihm den Sektvorrat zu zeigen. Einen Augenblick stutzt die Unschuld vom Lande, dann fragt sie ihren Herrn in Gegenwart des Beamten: „Doch die 35 Flaschen, die im Koks vergraben fin?"
* Eine alte Marketenderin, Frautiuife Schröd er, wurde am Sonntag in Hamm unter Beteiligung zahlreicher Veteranen zur letzten Ruhe bestattet. Die 78 Jahre alte Frau hatte die Feldzüge 1866 und 1870=71 als Marketenderin bei den 4. Kürassieren und bei den 8. Husaren mitgemacht. Im Feldzuge 1870=71 war sie 16 Wochen Kriegsgefangene der Garibaldischen Truppen. Nach dem Kriege begleitete sie über 30 Jahre die genannten Regimenter, zuletzt das 15. Infanterie-Regiment in die Manöver.
* Der Diebstahl von Beweismaterial für den großen Kieler Werftproze-ß hat zu zwei Verhaftungen geführt, denen noch weitere folgen dürften. Verhaftet wurden, als verdächtig dm Diebstahls ausgeführt oder begünstigt zu haben, der 22jährige Gerichtsaktuar Zander und der ehemalige Gefangenenaufseher und jetzige Hilfsgerichtsdiener Halbach.
* Zm hohen Mer von 102 Jahren ist die Alt« sitzeriu Conrad in Zäckericher Loose bei Königsberg in der Neumark gestorben. Die Verstorbene war die älteste Person der Neumark.
* Die Schaulustigen. Als das Luftschiff Z. 3 bei Bülzig lag, war trotz der eingelegten Extrazüge der Verkehr nicht annähernd zu bewältigen. Da die nach Bülzig lautenden Fahrkarten auf allen Stationen der Umgegend längst vergriffen waren, so fuhr das Publikum zum Teil auf Hundekarten, zum Teil auf Karten, die auf ganz andere Stationsnamen lauten. Auf Bahnhof Bülzig waren die Emlaßschranken zersägt und auf diese Weise sechs Noteingänge geschaffen worden.
* Aus dem Pariser Eiffelturm wird eine neue Anlage von drahtloser Telegraphie er- richtet, die Depeschen über eine Entfernung von 7000—8000 Kilometern soll senden können. Man hofft, Verbindung bis San Francisko zu erzielen.
* Zur wirksamen Bekämpfung der Tollwut haben sich die Buudesratsvorschriften von 1895 über die räumliche Ausdehnung der Hundesperre in solchen Gegenden, in denen die Seuche in größerem Umfange auftritt, nicht als ausreichend erwiesen. Der Minister des Innern hat deshalb die Veterinärpolizeibehörden in die Lage versetzt, bei der Anordnung von Hundesperren gegebenen Falles über die bisherigen räumlichen Beschränkungen hinauszugehen. ■
— vielleicht zum ersten Viole in seinem Leben. Und in dieses Mitleiden mischt sich ein bei ihm seltenes Gefühl der Ritterlichkeit des Mannes der Dame gegenüber — einer Dame, der er zu Dank verpflichtet ist, gleichviel wofür.
.Sie haben bereits in der Voruntersuchung ausgesagt, Zeugin," beginnt der Vorsitzende mit befondc- rer Höflichkeit, „daß Ihr verstorbener Herr Gemahl Sie in der fraglichen Nacht geweckt habe, weil er ein verdächtiges Geräusch im Korridor vernahm. Ist es jo?"
„Ja" erwidert Teresita leise.
„Aeußerte Ihr Herr Gemahl die Vermutung, das Geräusch rühre von Dieben her, die in das Haus eingebrochen waren?"
„xlU- er, -c T
.Sagte er Ihnen auch, er wolle au fliehen, um nach- zusehen?"
.Jawohl."
.Gkduben Sie, daß er.dies Vorhaben ausführte?*
„Sicherlich*
„Halten Sie es für wahrscheinlich, daß er dabei mit den Dieben, die er in ihrer Arbeit störte, zusammenprallte?"
„Ich kann es mir nicht anders erklären."
„Haben Sie sonst noch etwas Verdächtiges be*, meckt?"
„Stein. Da ich an das Vorhandensein von Diebe» nicht glaubte, war ich ruhig und schlief sofort wieder ein“
„Wann wachten Sie auf?"
Die Zeugin zögert einige Augenblicke bevor sie erregt herausstößt: „Ms ich einen Schuß fallen hörte/
„Was taten Sie dann zuerst?"
„Ich - ich--'
Sie sucht nach Worten. Dabei ist es, als versagten ihr die Knie den Dienst und sie muffe umsinken .
Orlando eilt herbei, um seine Frau zu stützen.
„Nur noch «ns —" bemerkt der Präsident. „Halten' Sie den Angeklagten für de» Täter?"'
(Fortsetzung folgt.)
56. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands-
Vierter Tag — Mittwoch. (Nachtrag.) X Breslau, 1. Sep. 1909.
Der Mittwoch ist der letzte volle Arbeitstag und also der Ueberlastung sehr ausgesetzt. Was ist heute nicht alles behandelt worden! Ich will nur kurz auf die Hauptpunkte Hinweisen.
Die christliche Charitas tft nicht nur eme Herzenssache, sondern um rege und zweckmäßig zu fein muß ihr Werk vom nüchternen Verstände kunstvoll organisiert sein. Wie ist der örtliche Charitas- ausschuß einzurichten? Wie müssen die katholischen Krankenhäusern und ähnliche Anstalten sich zusammen- Ken zum Austausch von Erfahrungen und zur ndiguna über gewisse Grundsätze sowie zur gemeinsamen Vertretung ihrer Interessen gegenüber Behörden, Aerzten, Kassenvorständen usw. Wie können die Privatwohltätigkeit und Armenpflege zu- fammenarbeiten ? Wie läßt sich das Elberfelder System vervollkommnen im Sinne der Einzelpflegschaft, die auch Frauen als vollwertige Pflegerinnen zuläßt i Ferner erhebt sich die Frage, wie der Segen der Generalvormundschaft gegen gewiffe Gefahren des Diassenbetriebes zu schützen ist durch Angliederung von Einzelpflegschaften, die vor allem die moralischen Interessen des Kindes besorgt. Das dritte Kapitel bildet die Fürsorge für die Jugend beider Geschlechter. Viertes Kapitel: Bonisatius-Verein; daran schließt sich die Betrachtung der Los-von-Rom-Be- w.-gung, der durch den österreichischen Bonifatius- verein entgegengewirkt wird. Ergebnis: mehr als 115 Millionen reichsdeutsche Gelder sind ins Wasser geworfen. Fünftes Kapitel: konfefstonelle Volksschule. Sechstes Kapitel: Kampf gegen die Unsittlichkeit. Siebentes Kapitel: Verbreitung guter Schriften. Achtes Kapitel: Pflege der Kunst. Neuntes Kapitel: Bekämpfung des Alkoholismus.
Alles das wurde in der geschloffenen Sitzung heute behandelt und zwar meist in recht interessanter praktisch-anregender Weise. In manchem Punkte brachten die Abendvorträge Ergänzungen, lieber die Pflege der Kunst sprach Rechtsanwalt Rumps aus München mit einer Fülle von Ratschlägen und Anregungen. Pfarrer Kapitza zeigt sich als ein leidenschaftlicher Gegner des Alkohols. Die nationalliberale „Kölnische Zeitung" empfiehlt die Verbreitung seiner Rede und sagt: er redete so anschaulich, so plastisch und so drastisch, so humorvoll und doch so bitter ernst, daß unaufhörlich Heiterkeits- und Beifallsstürme die weite Halle durchdröhnten. Der Abgeordnete de Witt hat die beweglichste Zunge, die ich kenne. Der schnelle Zungenschlag kam ihm bei der vorgerückten Zeit sehr zustatten. Er beschämt mich und meine Kollegen durch das Lob auf die Presse, die Rede enthält aber vielmehr, als sie andeutet, namentlich eine Fülle von geistreichen Randglossen zu alten und neuen Ereignissen und Persönlichkeiten. Die Versammlung hing an den beweglichen Lippen des geistreichen Redners. Der Vortrag des Schriftstellers Mu mb au er-Rom über die deutschen Katholiken und die Literatur mußte der späten Stunde wegen abgekürzt werden und begegnete nur schwacher Aufmerksamkeit.
* *
Der Priesterverein Pax hielt am Dienstag vormittag seine Generalversammlung ab. Es wurde mit- geteilt, daß an Versicherungen 5500 abgeschlossen sind. Die Mitgliederzahl beträgt 4500, wöchentlich laufen ca. 50 Neuanmeldungen ein. Das Vermögen beträgt 72000 Mark, welches bereits in den zwei Priestererholungsheimen Mergentheim in Württemberg und Unkel am Rhein festgelegt ist. Ein Paxheirn im Osten ist in Aussicht genommen. Ein Antrag betr. Ueber- weisung von 25 Prozent der Einnahmen an die ein-
Deutsches Reich.
— Heber das Zustandekommen der Tabaksteuer. Das Wochenblatt ,Die Arbeit' Nr. 33 erzählt folgendes:
„Jetzt, wo die Sozialdemokraten sich besonders an die Tabakarbeiter heranzuheucheln versuchen, ist es notwendig, daran zu erinnern, daß die offiziellen Vertreter der sozialdemkratischen Fraktion in der Ge- werbeordnungsreichstagskommissiou, die Abgg. Molken- buhr, Schmidt (Berlin), Stadthagen, am 17. März 1909 folgenden Antrag stellten: „Die gewerbliche Herstellung oder Bearbeitung von Nahrungs- und Genußmitteln durch Hausgewerbetreibende oder durch H eimarbeit ist untersagt. Da Zigarren zu den „Genußmltteln* gehören, so hätte dieser menschenfreundliche Antrag der „Genossen" zur Folge gehabt — vorausgesetzt, daß die bürgerlichen Parteien zustimmten —, daß sämtliche Tabak-Heimarbeiter, und solche gibt es in Deutschland zirka 36000, inkl. der 13000 Hausgewerbetreibenden, mit einem Schlage brot- und existenzlos gemacht worden wären. Nicht wahr, das sind recht menschenfreundliche Handlungen, die die Sozialdemokratie im Reichstage vornehmen! Natürlich haben die bürgerlichen Parteien den Antrag einstimmig abgelehnt. Nur die Sozialdemokraten stimmten bafür."
Dieses arbeiterverräterische Verhalten der sogenannten Arbeiterpartei wird die Herren Genossen jreilid) nicht abhalten, auch weiter über Arbeiter- ynd Volksverrat des Zentrums zu zetern! Die Heuchelei sitzt den roten Herrschaften schon so lief in Fleisch und Blut, daß sie dabei nicht mehr röter werden können, als sie schon sind.
)( Das Handwerk wird immer mehr vor dem Hansabund gewarnt. Soeben wird eine sie noch an gegen die furchtbare Gewißheit; vergebens zermartert sie Üjr Hirn, ob Graf TostiS weiteres Schweigen vielleicht durch eine große Summe zu erkaufen wäre. Unmöglich. Der Graf befindet sich bereits in Untersuchungshaft, ist also für sie nicht mehr erreichbar.
Resigniert ergibt sie sich in ihr Schicksal. Mag kommen, was da wolle. Als sie bald danach eine Vorladung vom Gericht erhält, das ftagliche Brillanthalsband zu rekognoszieren, macht sie noch einmal einen krampfhaften Versuch, zu entschlüpfen.
Sie erklärt, sich nicht mehr genau entsinnen zu können, ob der vor ihr liegende Schmuck mit dem ihr gestohlenen identisch sei. Doch wird ihr mitgeteilt, diese unbestimmte Aussage tue nichts mehr zur Sache. Der Gefangene habe bereits gestanden, den Diebstahl damals in der Villa Fortuna ausgeführt zu haben. Dagegen bestreite er auf das entschiedenste, der Mordes John Bartleh zu sein.
Also auch das noch! Immer mehr knickt Teresita zusammen. Ihr unstAer Blick irrt oft hülflos umher, als suche sie irgend wo einen Halt in diesem Seele und Körper gleich aufreibenden Dilemma.
Wohl gewahrt Orlando die aufs neue mit alter Macht hervorbrechende Unruhe seines Weibes; aber er findet dieselbe begreiflich angesichts der immer naher rückenden Gerichtsverhandlung, in welcher alle jene, Teresita so tief berührenden Vorfälle nochmals in allen Einzelheiten aufgerollt werden sollen.
Hätte er mir einmal den Blick tiefster Verzweiflung sehen können, mit dem Teresita während seiner Abwesenheit, zusammengekauert im Lehnstuhl, in die Weite starrt, — vielleicht würde eine Ahnung in ihm auf gehämmert sein von der furchtbaren Wahrheit, die bald nicht nur ihn, sondern ganz Neapel, ja die halbe zivllisierte Well mit Staunen und Entsetzen erfüllen wird. -
14.
VormittchP gegen zehn Uhr. Der große Saal des GertchtsgebäudeS in Neapel vermag kaum die Zahl der Neugierigen zu faffen.
SonnenLeuchten.
20] Roman von Erich Friesen.
Mit einem erneuten Ausruf der Empörung wirst Orlando das Zeitungsblatt auf den Tisch und geht mit großen Schritten im Zimmer auf und ab.
Dieser Schurke! Dieser Hallunke!* preßt er zwischen den Zähnen hervor. „Hast Tu gehört, Teresita? Es muß Dich doch besonders interessieren!"
Totenbleich mit schwankenden Schritten,^ kommt Teresita aus dem Nebenzimmer hervor. Ohne ein Wort zu sagen, nimmt sie die Zeitung vom Tisch. Ihre Augen bohren sich förmlich hinein in die blau angestri- chene Lokalnotiz.
Aller Blicke sind auf sie gerichtet. Was wird sie sagen, daß man endlich dem Mörder ihres ersten Gatten auf der Spur zu fein scheint? Wird sie chre lebhafte Genugtuung äußern? Wird sie aufjubeln, daß der Schuldige endlich dem Gericht überliefert werden soll? . . . Nichts dergleichen. Als Teresita zu Ende gelesen, entsinkt das Zeitungsblatt ihren kraftlosen Händen. Stützesuchend greift sie um sich.
„Annes Kind! Daß die Erinnerung sie noch immer so mächttg angreift!" meint der Oberst mitleidig, während sich seine Frau und Orlando um die ersichtlich mit einer Ohnmacht Kämpfende bemüht sind.
Rur Mirra weiß, weshalb die Erinnerung an jene grauenvolle Nacht in Teresitas Seele nie entschwinden kann. Weshalb sie wachsen und wachsen wird und immer riesigere Dimensionen annehmen, bis das nagende Gewissen es nicht mehr zu ertragen vermag, sodaß die Unglückliche daran zugrunde gehen muß.
Was Teresita zu Anfang brennend gefürchtet, jedoch später als unwahrscheinlich stets in Gedanken zurück- gewiesen hatte — es ist eingetreten: Der einzige Zeuge der Tat ist verhaftet, unter dem dringenden Verdachte, Die Tat selbst begangen zu haben.
Damit ist ihr Schicksal besiegelt. Vergebens kämpft
»einen Diözesen zu Gunsten der besonders Hilfsbedürftigen Mitglieder wurde einstimmig angenommen, die Frage des Rechtsschutzes gegenüber besonderen Angriffen auf den Klerus wurde dem Vorstande über- rcle, @ine Festversammlung kath. Lehrer war für Mittwoch nachmittag einberufen. Die Beteiligung war sehr stark. Von Kardinal Kopp traf ein Glückwunschschreiben ein. Von lebhaftem Beifall begrüßt fprach der Präses des Katholikentages Abg. Herold über die Wichtigkeit des Kath. Lehrerstandes, der , den Mut habe, kath. Grundsätze zu betätigen und gegen die liberalen Strömungen anzukämpfen. Das ganze kath. Volk stehe geschloffen hinter den Lehrern und blicke mit Achtung auf den Stand. Auch die Lehrerinnen hätten unter den gleichen Anfeindungen zu leiden wie die Lehrer. Für beide sei daher Zusammenschluß geboten und er wünsche beiden Verbänden eine gute Weiterentwicklung zum Segen des kath. Volkes. Rektor Brück (Bochum) führt aus, der kath. Lehrerverband habe fich in den 20 Jahren seines Bestehens eine geachtete Stellung selbst bet den Gegnern erworben. Lehrer Quadsling (Aachen) sprach für ein Zusammenarbeiten der Lehrer in Ost und West. Oberlandesgerichtsrat Marx mahnte die Lehrer, ihr einmal ins Auge gefaßtes Ziel weiter zu verfolgen, gerade die Angriffe der Feinde beweisen, daß man auf dem rechten Wege fei. lieber die kath. Volksschule als notwendiges Glied im Organismus des kath. Lebens sprach in längerer RedeRektorOczipka- Breslau. «...
Der Verband katholischer kaufmännischer Vererni- gungen Deutschlands hielt am Mittwoch nachmittag eine geschäftliche Sitzung ab. Herr Dr.Müser-Essen verbreitete sich über den Zweck und die Ziele der kathol. kaufmännischen Vereinigungen und des Verbandes. Die Geschichte des Verbandes, der auf paritätischer Grundlage aufgebaut fei, zeige, daß der Verband wirklich eine Berufsorganisation, eine StandeSvereinigung sei, die mit Erfolo pingetreten sei für die berechtigten Interessen der pale und der Angestellten. Neben den materiellen .teteffen seiner Mitglieder fördere der Verband aber auch die ideellen. Er erstrebe die Betätigung der katholischen Weltanschauung unter den katholischen Kaufleuten. Wenn der Verband an der konfessionellen Grundlage festhalte, so habe er dafür sehr wichtige Gründe. Es gelte die Jugend gegen die Gefahren, die ihrem Glauben und ihrer Sittlichkeit drohen, zu schütz: : und die älteien Kaufleute der ihrem Streben nach materiellen Gütern immer wieder hinzuweisen auf ihre Ideale.
Am dem Nachbargebiele.
* Alsfeld, 1. Sept. 1909. Während eines Gewitters schlug der Blitz in eine Scheune. Das entstehende Feuer vernichtete die Erntevorrate, 3 Stück Vieh und ein Wohnhaus.
* Frankfurt, 1. Sept. 1909. Wie die ,Franks. Ztg/ hört, betragen die Einnahmen an den Fahrkartenschaltern des H aupt bahn Hofs vom 1 April bis Ende August d. I. über 300000 Mk. mehr, als im gleichen Zeitraum des Vorjahrs, obgleich in diese Zeit das Deutsche Turnfest fiel. Ohne Zweifel hat namentlich die „Jla" zu diesem Plus beigetragen. — Der Magistrat der Stadt Frankmn beschloß, die Talonsteuer für die städtischen Obligationen auf die Stadtkasse zu übernehmen. — Zwischen den Arbeitgebern und denKüsern in den Aepfellveinkeltereien in Frankfurt wurde ein Tarif vereinbart, der bis Ende 1912 gelten soll. Die Arbeitszeit wird auf 9’/s Stunden herabgesetzt, mit Ausnahme der Kelterzeit im Herbst. Der Mindestlohn für Küfer beträgt 27 Mk.
♦ Hofgeismar, 2. Sept. 1909. Das königliche Oberbergamt Clausthal bat der Kohlenhandelsgesellschaft m. b. H. „Glückauf" zu Cassel unter dem Namen „Else* das Bergwerkseigentum in einem 2 199 997 Qrradratmtr. umfassenden im Gutsbezirk Gahrenberg (Kreis Hofgeismar) belegenen Felde zur Gewinnung von Braunkohlen verliehen.
♦ Dillenburg, 2. Sept. 1909. Die Stadtverordneten beschlossen einstimmig in ihrer letzten Sitzung die Stadt mit Elektrizität, die vom Hochofen in Oberscheld geliefert werden soll, zu versehen. Für die Versorgung wird Drehstrom gewählt und ein Lieferungsvertrag mit dem Hessen-Nassauischeli Hüttenverein abgeschlossen.
* Ilmenau, 2. Sept. 1909. Aus der Straße von Ilmenau nach Schmiedefeld wurde aus dem Waldesdickicht von einer leider unbekannt gebliebenen Person ein ziemlich schwerer Stein gegen ein Automobil geschleudert. Durch den Wurf wurde der Automobilführer so verletzt, daß er sich in ärztliche Behandlung begeben mußte.
* Hann.=Münden, 1. Sept. 1909. Aus Anlaß der 25 jährigen Tätigkeit des Erfinders der nach ihm benannten „Knorr-Bremse" hat die Knorr- gesellschast dem Lokomotivführer heim eine überlebensgroße, von Professor Martin Götze modellierte Bronzebüste Kaiser Wilhelms II. gestiftet.
* Biebrich, 2. Sept. 1909. Hier übt ein „Naturheilkünstler* seine Praxis aus. Zn dem kam eines Tages eine Frau im Auftrag ihrer Verwandten und verlangte den Herrn „Doktor" zu sprechen. Doch dieser war nicht zuhause, er saß im Wirtshaus und goß sich einen hinter die Binde. Die „Frau Doktor" jedoch wußte sich zu helfen; sie ließ fich von der neuen Kundin die bekannte Flasche geben, hielt sie gegen das Fenster, schüttelte den Kops und meinte: „Das scheint eine schlimme Geschichte zu sein! doch — wir wollen sehen, was zu machen ist!" Sie gab der Frau eine Tüte mit Tee, welche saft alle Patienten bekommen. Als die Frau fragte, was sie schuldig fei, wurden ihr nicht weniger als 3 Mark abverlangt. Man sieht, wie
„Raubmordprozeß!" Dies Wort schon allein elektrisiert die Massen und bringt alles auf die Beine. Um wieviel mehr noch, wenn aus der Anklagebank ein Mann sitzt, der jahrelang in der vornehmsten Gesellschaft Neapels verkehrte, ein Mitglied des Klubs der oberen Zehntausend."
Einige Minuten vor zehn Uhr hält vor dem breiten Portale des Gerichtsgebäudes ein Automobil. Orlando della Rocca steigt mis, in Begleitung zweier tief verschleierter Damen. Zehn Uhr.
Unter Aussicht zweier Karabinieri betritt Gras Tosti den Saal und nimmt auf der Anklagebank Platz. Er macht nicht den Eindruck eines Angeklagtem Kaltblütig lächelnd blickt er sich im Saale um, biefem und jenem zunickend.
Die Verhandlung beginnt. In kurzen Worten werden die dem AngeNagten zur Last gelegten Verbrechen verlesen. Auf die Frage des Präsidenten, ob er sich schuldig fühle, erwidert Graf Tosti mit fester Stimme:
„®e3 Diebstahls — ja. Des Mordes — nein.“
Als Zeugen werden nur wenige Personen vernommen. Schon in der Voruntersuchung hatten sämttiche Bewohner der Villa Fortuna vom Oberst angefan- gen bis herab zum kleinsten Küchenmädchen, ausgesagt, daß sie absolut nichts Näheres über den Mord wüßten.
Die einen batten überhaupt nichts gemerkt, bis sie durch einen Schuß aus dem Schlaf geweckt mürben. Die anderen waren schon etwas vorher durch verdächtige Geräusche, wie Fußtritte im Korridor und leises Oeff- nen und Schließen von Türen aufgewacht. Gesehen hat niemand etwas von dem Mörder. Als einzige wichtige Zeugin wird Frau Teresita della Rocca, die frühere Gattin des Ermordeten, aufgerufen.
Lebhafte Spannung im Zuschauerraum, als die ganz in Schwarz gekleidete Zeugin Vortritt und mit zitternden Händen den Schleier zurückschlögt. Beim Anblick des bleichen Gesichts durchzittert tiefe Teilnahme die Herzen der Menge. Selbst der Mann dort auf der Anklagebank empfindet etwas wie Mltleiden