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36. Jahrgang

Fulda, Donnerstag den 2. September 1909

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Programms.

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abend muß man ein glänzendes Zeugnis au°stellen. Sie war wiederum überfüllt. Erst appellierte ein hoffnungsreicher Neuling auf unserer Tribüne an die religiös-konfessionelle Pflicht des Bonisatius- vereins, dann der bereits mehrfach bewährte Abg. Dr. Bell an die sozialwirtschaftlichen Pflichten und schließlich der berühmte Meister der Beredsamkeit, Professor Meyers-Luxemburg, an die Herzens­pflicht der christlichen Charitas. Das hohe Lied von der werktägigen Liebe bildete einen ergreifenden Abschluß der Zusammenkunft. Meyers ist ein gott­begnadeter Redner. Seine Sprache klingt wie Musik; die Gedanken sind vielfach in poetische Form gekleidet. Wer Professor Meyers schon aus einer der früheren Tagungen gehört hat, der wird der Versicherung glauben, daß bei seiner Apotheose der christlichen Charitas kein Auge im Saale trocken, kein Herz in der Versammlung ungerührt blieb. Es wär eine wahre Weihestunde. Der gewaltige Redner feierte die Charitas nicht nur als Apostolat, sondern auch als Kulturfaktor, als die friedliche Eroberung der Welt in Christus und seiner Liebe, — als das erste und das letzte Wort unseres Kultur-

Die katholischen Gesellenvereine hielten am Sonn­tag eine Versammlung ab, die von etwa 2000 Mit­gliedern besucht war. Präfekt B e u k e l sprach über das alte Kolpingswort „Religion und Tugend, Arbeitsamkeit und Fleiß". Kardinal Kopp erteilte der Versammlung nach einer Ansprache den bischöflichen Segen. Missions­bischof Giesen-Nord-Schantung (China) mahnt die Versammlung von ihrem religiösen Eifer niemals ab- znlassen und in allen Lebenslagen zu unserer heiligen Mutter in Treue zu halten. Pfarrer Dr. C h r z o n s z c z- Pliskretscham verbreitete sich in bedeutsamer Rede über die neuzeitliche Aufgaben der kaihol. Gesellenvereine.

Zu der Festversammlung der Gesellenvereine am Montag abend im Konzerlhause war der Saal überfüllt. Kaplan Graf Galen aus Berlin, der den Vorsitz führte, sprach über die Prinzipien der kathol. Gesellenvereine. Der inzwischen eingelroffene 1. Vize­präsident der Katholilenversammlung, Graf Valentin Ballestrem, überbrachte die Grüße des cesamten Präsidiums. Man werfe den Katholiken so oft vor, daß sie sich absondern; demgegenüber müsse man ein anderes Schlagwort aufwerfen: wir werden ab­gesondert. Enger und fester Zusammenschluß aller katholischen Streife ist dadurch notwendig geworden, ein besonderes Bollwerk bilden die katholischen Gefellen- vereine. Redner mahnte zum festen Zusammenhalten zu Kirche und Reich, zu Papst und Kaiser. Pfarrer Dr. Otte-Greiffenberg hielt die Festrede. Er schil­derte den katholischen Gesellenverein als Patriarchen unter den katholischen sozialen Vereinen und verbreitete sich des weiteren über die religiöse und wirtschaftliche Bedeutung der Gesellenvereine. Die herrliche Rede lohnt stürmischer Beifall. Musikvorträge und ein histo­risches Schauspiel füllte die Pausen zwischen den zahl­reichen weiteren Ansprachen au§.

Die katholische Abstinenzbewegung hat einen auf­fallend starken Anteil an den diesjährigen Nebenver­sammlungen. Ein halbes Dutzend von Versammlungen sind dieser Bewegung gewidmet. Außer den schon er­wähnten Versammlungen fand am Montag s eine öffentliche Versammlung des katholischen Mäßig- keitsbundes, am Dienstag die Generalversammlung des Priester-Abstinentenbundes statt.

Auf der Generalversammlung der Cäcilienvereine sprach u. a. Seminar-Musiklehrer Osburg vom Lehrerinnenfeminar zu Breslau über die Zwecke und Ziele des Cäcilienvereins. Wollen wir mit Klugheit das Volk für unsere liturgische Musik gewinnen, so muffen wir es zur Beteiligung an dem liturgischen Gr- sang erziehen. Es ist zum Heile der katholischen Kirchenmusik dringend zu wünsche, daß wir uns ein unbefangenes empfängliches Publikum erhalten bezw. erziehen, das durch seine gesunde Naivstät, die sich auch

wirb die Krise wieder akut werden. In Griechen­land bekämpfen sich die Parteien mit Fanatis­mus. Ein kleiner Anlaß genügt, um angesichts der herrschenden Erregung schwere Unruhen zu entfachen. Es ist sehr fraglich, ob die Kammer die Wünsche der Offiziere annimmt. Allerdings muß damit gerechnet werden, daß das Offizier- korps auf die Kammer einen schwerwiegenden Druck ausüben wird. Es ist aber nicht an­zunehmen, daß die beiden großen Parteien das Programm des Ministerpäsidenten Mauromichalis annehmen. Ein Mißerfolg des neuen Kabinetts ist höchst wahrscheinlich. Dann muß der König entweder Theotokis berufen oder die Kammer auflösen.

„Wie kann ich daS wissen, Schwiegerpapa? haben keine Verbindung mtt derlei ©entfernen!'

„Doch, doch!' ruft der Oberst lebhaft. „DaS ist e« ja gerade! Nie hätte ich geglaubt, daß ich einen noto­rischen Meb in meinem Hause empfangen würdet'

„Me —?' macht Orlando, jetzt wiMch interes­siert. „Wer ist er detm,?' - " x

„Graf Tosti!' "

den Verdacht des wiederholten Diebstahls und dez Hochstapelei steht. Die Sache trug sich folgender- "Bereits'v'orgestern abend beobachtete die Kriminal­polizei einen schäbig gekleideten Burschen, der län­gere Zeit vor dem kleinen Juweliergeschäft des M. Simoni in der inneren Stadt stand, sich häufig Vev dächtig umsah und dann in den Laden eintrat — unauffällig gefolgt von einem Kriminalschutzmann. Der Polizist bemerkte, wie der Bursche einen Bril- lantschmuck aus der Tasche zog, ihn dem Juwelier übergab, dafür eine bestimmte, augenscheinlich schon vorher vereinbarte Summe in Banknoten erhielt uni rasch den Laden wieder verließ.

Da der Polizei die Sache verdächtig vorkam, be­hielt sie den Burschen im Auge, der sich erst stunden­lang am Kai hennntrieb, bann, als es dunkel ge­worden, nach einer der verrufensten Straßen am Ha­sen einbog und dort in einem Kellerlokal verschwand Die Polizei drang in den Keller ein, gerade in den. Augenblicke, als der Bursche einem anderen Jndivi- duum eine Anzahl Hundertlirescheine zusteckte.

Da beide sich nicht ausweisen konnten, wurden sie verhaftet und auf die Wache geschafft. Hier stellte sich heraus, daß der eine ein bekannter und bereits vorbestrafter Taschendieb namens Beppo ist, der andere aber der in den besten neapolitanischen Krei­sen deckehren.de Graf Riccardo Tosti,

Cs ist nun abzuwarten, ob die Vermutung der Kriminalpolizei, welche das in Betracht kommende BrillanthalSband sofort beschlagnahmte, richtig ist. Der Schmuck deckt sich nämlich aufs Haar mit der Be­schreibung des vor beinahe zwei Jahren in der Vllla Fortuna auf Capri gestohlenen der damaligen Frau Teresita Bartleh, jetzigen Signora della Rocca, ge­hörigen Brillanthalsband, dessen Haupterkennungs­zeichen ein großer schwarzer Diamant inmitten einer Reihe kleinerer wasserheller Brillanten bildet.

Wenn diese Vermutung sich bestätigt so hat die Polizei nicht nur einen notorischen internationalen Hochstapler und Meb, sondern einen Mörder er­wischt; denn man weiß, daß mit dem damaligen Raub in der Mlla Fortuna auf Capri ein Mord Land i» H«rd ging.' .

(Fortsetzung folgt.) .

Deutsches Reich-

)( Zur Frage der Schiffahrtsabgaben nimmt die preukische Äegierung wieder einmal Stellung. Kürzlich hat kein geringerer als Herr Ballin, der Direktor der Hamburg-Amerika-Linie, den bekannten Gesetzentwurf entschieden verworfen, und die abgabescheuen Schiffahrtskreise haben dessen ablehnende Aeußerungen nach Möglichkeft verbreitet, um gegen die Abgaben zu protestieren. Ballins Hauptargument bestand darin, daß ab­gabepflichtige Wafferstraßen ihren Zweck verfehlt hätten. Die Erfahrungen mit den Gebühren beim Dortmund-Ems-Kanal hätten gezeigt, daß man den Verkehr auf allen Wafferstraßen, wie überhaupt auf allen Verkehrswegen, so billig wie möglich machen müsse. — Demgegenüber erklärt die Regierung in der ,Nordd. Allg. Ztg/,

man dürfe nicht verkennen, daß die deutschen Bun­desstaaten nicht lediglich für Verkehrsinteressen ihre immerhin begrenzten finanziellen Kräfte einsetzen, son­dern die Gesamtheit der in Betracht kommenden wirt­schaftlichen Faktoren ausgleichend berücksichtigen müßten. Gerade Preußen mit seinen bedeutenden industriellen und agrarischen Interessen, mit seinen weiten Gebiets­teilen ohne wesentliche Beziehungen zur See- und Binnenschiffahrt, könne nicht gut auf gebührenmäßige Gegenleistungen für Schiffahrtsverbesserungen verzichte». Das Programm der allgemeinen Verkehrsverbilligung sei äußerst nützlich und seine Verwirklichung höchst wünschenswert, aber selbst ein kaufmännisch regierter Staat wie Hamburg stelle seine Hafenbauten und Fahr- wafferverbefferungen an der Unterelbe dem Verkehr nicht gebührenfrei zur Verfügung.

Wirklich scheint jetzt das Glück in dem meerum- rauschten Schlößchen drunten am Posilipo eingezogen zu sein. Nur manchmal kommt es Orlando vor, als zucke Teresita zusammen, sobald sie die elektrische Glocke am Gartentor vernimmt oder die wuchtigen Schritte des Gärtners draußen vor dem Hause. Augenschein­lich ängftigt noch etwas ihr kaum genesener Gemüt.

Doch Orlando fragt nicht. Die Zeit wird auch diese kleine Wolke hinwegwischen. So glaubt er we­nigstens. Meder vergehen Tage . . . Wochen . . . Und nichts ändert sich in dem Schlößchen am Po- filipo. Nur, daß TeresitaS körperlicher Gesundheits­zustand nachläßt.

Sie, die früher vor Kraft strotzte, deren Lebenslust nichts eindämmen konnte, die wie ein Wichelwind durch Haus und Garten sagte und plauderte und lachte bis zum Uebermaß ... sie schleicht jetzt müde daher, ftoh, wenn man sie in Ruhe läßt. Die San Martinos haben Oriando und Teresita seit deren Rückkehr nach Neapel noch nicht besucht. Allein sollen die beiden das Glück ihres gegenfeitigen Wiederfindens genie­ßen.

Heute zum ersten Male hat der Oberst seine An­kunft angemeldet. Sein Vaterherz hält es nicht mehr aus. Er muß selbst sehen, wie es der Tochter geht. Nach der überaus herzlichen Begrüßung poltert er so­gleich mit einer Neuigkeit heraus, die ihm schier das Herz «chzudrücken scheint.

„Wißt was passiert ist? Unglaublich!'

„Ra? RauS damit!' lacht Orlando, amüsiert durch den @tfer seines Schwiegervaters.

„Die Polizei hat einen Dieb erwischt!'

„Kommt hier in Neapel fast alle Tage vor. Ist doch nichts Besonderes!'

„Aber — wer der Dieb ist, mein Junge!'

Wieder lacht Orlando.

: Lächeln.

„Ich kenne doch diese Stimme!' murmelt sie nach einer Weile betroffen, ihn forschend anblickend. „Und mich diese Züge! . . . Mein Gott, wie ist mir denn?'

Tief aufseufzend streicht sie sich über die Stirn. Dann bohren sich ihre Augen hinein in die seinen — „Orlando! Orlando!' schreit sie plötzlich auf. Sie schlingt die Arme nm seinen Hals: sie küßt sein sanft zu ihr herabgeneigteS Gesicht; sie lacht und Weint in einem Atem . . .

1 „Mir träumte. Du Wärest tot!* schluchzt sie unter i hervorbrechenden Tränen. „Ich hörte im Traum schon idle Totenglocken — bim, bim, bim — aber Du lebst! Du lebst! Nun ist alles gut.'

Und Hand in Hand, glücklich wie zwei harmlose Kinder, steigen sie den Felspfad hinauf, zurück nach der Billa Fortuna.

i Am Tor steht Mirra, nach den beiden Ausschau haltend. Beim Anblick des glückselig sich umschlungen haltenden Paares wird ihr ohnehin jetzt stets bleiches Gesicht noch um einen Schatten bleicher. Unwillkür­lich preßt sie die Hand auf das wildklopfende Herz. Doch sofort beherrscht sie sich wieder mtt aller Macht zurückdämmend, was in ihrem Wunden (Semitte brennt. Mit einem himmlischen Lächeln in den reinen Zügen geht sie der Schwester entgegen und küßt sie voll tief­ster Innigkeit.

i O erhabene Selbstlosigkeit einer reinen, aufopse- ^rungsfreudigen Mädchenseele!

Am folgenden Morgen nimmt Orlando sein Weib Mit sich nach Neapel.

> Wie glücklich ist der alte Oberst, als er, an der Seite seiner braven Frau, dem Dampfer, welcher das Maar nach dem Festland tragen soll,das letzte Lebe- pehl zuwinkt. ,,. .. .

i .Addis! Addis!' rU

i Und der gute Oberst wischt sich eine Träne au» dem struppigen arauen Bart,. - — - J

vermischtes.

* Ein Bahnranb, der den gestern gemeldetem amerikanischen an Ruchlosigkeit noch übertrtfft, wurde in Sibirien verübt. Bei Krasnojarsk über­fielen Räuber einen Personenzug, nachdem sie chn mit Gewehrfeuer beschossen hatten. Dabei wurden mehrere Passagiere verletzt und getötet. Die Räuber trennten die Lokomotive von dem Güter­wagen, aus dem sie die Po st sä cke mit 50,000 Rubeln raubten, dann ließen sie die führerlose Lokomotive in voller Fahrt gegen einen nahenden Güterzug fahren, und brachten so den Zug zur Entgleisung. Achten Wagen wurden zerschmettert und acht Personen kamen ums Leden. Dann plünderten die Räuber auch den Güterzug.

Sonnenleuchten.

*9] Roman von Erich Friesen.

Sie lauscht. Ihre Lippen teilen sich zu

Aus -em Nachbargebiete.

* Lauterbach, 1. Sept. 1909. Typhus iss in Uetzhaufen festgestellt worden. Da man annimmt, daß die Schätz verseucht ist, wurbl durch das Kreisgesundheitsamt das Baden ver­boten. „

* Frankfurt a. M., 1. Sept. 1909. Em« 50jährige unverheiratete Frau aus Groß- Gerau spazierte am Sonntag in Herren­kleidung in der Kaiserstraßeherum. In ihrer auffallenden Kleidung lockte sie ein zahlreiches Publikum an, weshalb sie von einem Schutz­mann aus das Revier gebracht wurde. Di« Person, die in die Irrenanstalt kam, gab an, in Frankfurt spiritistischen Sitzungen beiwohnen zu wollen. _ , L _ ■

* Bebra, 1. Sept. 1909. Durch den Tod des Bürgermeisters Sopp stehl die Bürgerschaft wieder einmal vor einer Bürgermeisterwahl. In weiten Kreisen der Einwohnerschaft ist man der Meinung, daß infolge des stetig wachsenden Gemeindewesens die ganze Kraft eines Manne- erforderlich ist, um den erhöhten Ansprüchen zu genügen, daß also dieser Posten nicht mehr als Nebenamt ausgefüllt wird.

* Mühlhausen i. Th., 1. Sept. 1909. Eme öffentliche Versammlung beschloß, während de- Bierkrieges alle Vereinsfestlichkeiten einzu­stellen. Die Versammlung bestand aus etwa 1100 Personen, darunter auch eine Anzahl Gast­wirte, die sich jetzt auf die Seite der Konsu­menten gestellt haben. Der streng durchgeführte Bierboykott zwang den Wirt des Schützenberg, restaurants, Otto Zwang, seinen Konkurs anzu­melden.

durch den Terrorismus einer musikalischen Autorität mcht beirren läßt. Wenn dem Künstler hie und da Opfer auferlegt werden, fo darf er nicht vergessen, daß er als Diener der Kirche sein Interesse dem Wohle seiner Herrin unterzuordnen hat.

Die katholischen Studentenverbände, farbentragende wie nicht farbentragende, hielten am Montag abend ihre Festkommerse ab, wozu sich in den Riesensälen Tausende Aktiver und Alter Herren eingefunden hatten.- Auf beiden Kommersen erschien der Präsident des Katholikentages Abg. Herold und richtete an die Ak- tivitas die Mahnung neben Frohsinn und Freudigkeit nicht die ernste Arbeit zu vergessen. Nicht eine an­gesehene Lebensstellung zu erreichen und viel Geld zu verdienen sei der Antrieb zum Studium, sondern der Allgemeinheit zu dienen und den Katholizismus zu stärken. Auf dem Kommerse der Verbindungen (farben­tragend) konnte der Vorortspräsident mitteilen, daß der Verband jetzt 67 Verbindungen zähle. Hoffentlich geht das Wachstum der katholischen Studentenschaft nicht blos in die Höhe und Breite, sondern auch in die Tiefe. Diese Hoffnung gewinnt ihre Berechtigung in der fröhlich wachsenden sozialstudentischen Bewegung, als deren Triebkraft sich die begeisterungsfähige Person des Herrn Dr. Karl Sonnenschein betätigt Das Ziel der sozialstudentischen Bewegung ist, unfern akademischen Beruf in nähere Beziehungen zum arbeitenden Volke zu bringen, dadurch das gegenseitide Verständnis zu fördern und für einander fruchtbringend zu machen.

56. Generalversammlung der Katho­liken Deutschlands.

Dritter Tag — DiensEÄH. Mrchtrag.) X Breslau, 31. Aug. 1909.

Der diesjährige Katholikentag hat einen neuen Gegenstand aufgeriomme» ** dsr Frage des M i s s i o n s w e r k e s. Nachdem tm Ausschuß am Montag eine gründliche Aussprache über bte Schwächen und Mängel unserer Emnchtnngen zur Unterstützung der Missionen ststtgefunden yatte, hielt am selben Abend Fürst Löwenstein eine flam­mende Rede über unsere Pflicht der Missions- förberung. Heute beschäftigte sich die zweite ge­schlossene Versammlung abermals ausführlich mit der Frage, und am Abend half dann in der zweiten öffentlichen Versammlung der Apostolische Vikar von Südschantung in China das Interesse für bte Heidenmission in das Volk tragen.

Alle Kenner der Sache sind einig darin, daß /die katholische Missionsarbeit auf einem kritischen iPunkt steht. Wir müssen einen Aufschwung her- heisühren ober wir geraten unter bie Füße ber Gegner ober ber Wettbewerber. Der Islam dringt m Afrika stetig vor, in Ostasien wird bas Helbentum mit Hilfe ber Staatsgewalt bem 1 Christentum Riegel vorschieben, wenn nicht mit ver- / hoppeltet Kraft tmb Schnelligkeit zugegriffen wirb. ^Frankreich, bas die Hauptttägerin des katho- lischen Missionswesens war, ist durch die dortige Kirchenverfolgung fast ohnmächtig geworden. Das protestantische Missionswesen hat sich groß­artig entwickelt und das unsrige an Ausdehnung Und materiellen Mitteln überflügelt.

Mit der Sammlung von Geldmitteln ist es noch nicht getan: auch sür Nachwuchs an opfer­willigen Missionaren muß besser gesorgt wer­den. Es handelt sich jetzt um die Teilung der Welt unter die verschiedenen Religionen: Um keinen Preis darf der Katholizismus hier zu spät kommen. Eine .systematische Zusammenfassung und Ausbildung der .'Organisationen ift dringendst geboten. Die Bahn­brecher für diesen Aufschwung wollen sich nicht mit 'allgemeinen Aufrufen begnügen, sondern sogleich .die praktische Arbeit einleiten, wozu eine besondere / Besprechung im kleineren Kreise von Fachmännern am Dienstag nachmittag stattfand. Wir möchten alle Leser bitten, diese außerordentlich wichtige Be­wegung nicht blos mit Aufmerksamkeit, sondern auch mit tätiger Hand zu verfolgen.

Natürlich darf über die äußere Mission nicht die innere Mission vernachlässigt werden. Daran mahnte heute abend recht eindringlich die treffliche Rebe des Rechtsanwalts Herschel über den Boni- fatiusverein. — Wieviel unsterbliche Seelen könnten gerettet werben, wenn alle Katholiken ihrer Pflicht gegenüber bem Reiche Gottes auf Erben sich stets bewußt wären!

j Die Generalverfammlung bes Bolks- Vereins erhielt ihre befonbere Bebeutung burch tbie offene Aussprache über bie neuerbings viel er­wähnten Beziehungen bes Bvlksvereins zu ber kirch- ! liehen Autorität. Der anwefenbe Kardmalfürstbifchof /Kopp gab fein Urteil über bie Satzungen, Ein­richtungen unb Arbeiten bes Volksvereins ab unb erklärte bann förmlich unb feierlich: „Der Episkopat /hat kein Mißtrauen gegen den Volksverein, fonbern lex hat volles Vertrauen.' DerKirchensürst roieber« I holte dann die Worte, die er am Sarge Windthorsts ' gesprochen: „Seid einig, einig, einig!' Die außer- / ordentlich zahlreichen Teilnehmer der Versammlung / waren alle in freudiger Bewegung Zeuge bet

glänjenben Ehrenrettung, bie Kardinal Kopp in gleicher Weise wie Kardinal Fischer bas früher getan hatte, bem Volksverein aussprach.

Der öffentlichen Versammlung am ‘ glänzendes Zeugnis ausstellen.

überfüllt. Erst appellierte ein

Ausland.

* In Griechenland ist zur Zeit alles ruhig, doch ist es nicht ausgeschlossen, daß die Krisis von neuem zum Ausbruch komme. Ein in hoher Stellung befindlicher griechischer Staatsbeamter, der auf der Durchreise in Wien Aufenthalt ge­nommen hat, äußerte sich folgendermaßen: „Die Ruhe ist vorläufig wieder hergestellt. Die re­voltierenden Offiziere und Mannschaften sind wieder in die Kasernen zurückgekehrt, aber die große Krise ist damit nur aufgeschoben. Im Augenblick des Zusammentritts der Kammer

Niemand beachtet den leisen Schreckensruf vom Ne­benzimmer her, in welchem Teresita sich gerade auf- hält.

„Graf Tostil' ruft Orlando empört vom Stuhl aufspringend. „Ich habe bem Menschen nie getraut! Aber daß er ein notorischer Dieb ist, das hätte ich doch nicht gedacht. Und dieser Lump wagt es, die Schwelle meines Hauses zu betreten!"

Zornig kracht eine Faust auf den Tisch.

„Gemach gemach?' begütigt der Oberst. Wir find alle hereingefallen — die ganze vomehme Gesellschaft Neapels . . . Aber dar Schönste weißt Du noch nicht, mein Junge?'

„Noch waS?'

„Weshalb man den Kerl dingfest gemacht hat?' „Ist mir egal!' knurrt Orlando.

„Das glaub ich kaum. Hör nur zu! Man hat ihn erwischt, als er das Geld für ein gestohlenes kost­bares Brillanthalsband einstecken tooCte!'

„Meinethalben!'

Der Oberst ist augenscheinlich wenig erbaut über die kühle Aufnahme seiner interessanten Neuigkett.

„Willst Du nicht wissen, wem das Brillanthals­band gehört, das der Brave sich ungeeignet hat?'

„Was geht das mich an, Schwiegerpapa! Meinet­halben ber Kaiserin von Japan!'

Der Oberst macht eine ärgerlich abwehrende Be­wegung.

Jpdj! Deiner Frau!'

Jetzt endlich ist Orlandos Interesse erregt.

„Wa—8?' ruft er mit allen Zeichen höchsten Er­staunens.

„Hier! . . . Lies mein Junge!'

Und der Oberst zieht eine Zeitung au8 der Tasche und reicht sie seinem Schwiegersohn. Mit einer ihn selbst überraschenden Erregung entfaltet Orlando das Blatt.

„Dal Das blau Angestrichenel' hilft der Oberst eifrig nach. Lies laut, bamit Teresita ef auch gleich mit hört!' j * \ ä

Und Orlando liest:/

„Verhaftung eine» notorischen Diebe» und Hoch­stapler». Gestern wurde von der Geheimpolizei «in Individuum fesiaenommen, da» unter dem britm*-^