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Fulda, Mittwoch den 1. September 1909.

199.

36. Jahrgang

«weites Wtatt

Landsiilann-

Protestanten, liberale Preffe kath oltsche

ziemlich rei. e Erfahrung. Ist es mir doch, von manchem anderen abgesehen, vor vier oder fünf Jahren

X KoufeMonelte Absperrung.

Für die liberale Presse gibt es kein größeres Vergnügen, als nach konfessionellen Zusammenkünflen der Katholiken an den verschiedensten Kur- und Bade­orten zu schnüffeln und chre hännschen Bemerkungen zu diesem Kapitel zu mach n. Bekanntlich bestehen

Burschenschaftler, Eorpfiers und schastter ujw.

(Kegen Verewigungen von Juden und Freimaurern hat die nichts, gar nichts, nur gegen

D« katholische, «kahemische Abstinenteuverband hielt am Montag seine Generalversammlung ab, die auch von beroorragenben Persönlichkeiten be­sucht war. Stach SSetfefwug zahlreicher Begrüßungs­schreiben hielt Präfekt Da Stehler-Neisse einen Vor­trag über: „Ein Appell an die Studenten.' Nach dem Bericht des Borsitzenden zählt der 1907 gegründete j Verband setzt in Deutschland 130 aktive Mitglieder- in Oesterreich 110, in der Schwei; 20.

Der 8ereilt abstinenter Katholiken hielt im alkohol- frefen Restaurant .Quisisaua" eine Mitgliederversamm­lung ab. Bus dem Jahresbericht ergab sich, daß Der Verein nach einem Jahr »en 400 Mitglieder» auf 1300 gewachsen ist. Der Delegierten lag wird für 23., 24. u. 25. Oktober in Münster festgesetzt. Der Beitrag soll auf 1 Mk. festgesetzt werden uns es sollen Schritte zur Verschmelzung mit dem Kreuzbimdnis getan werden.

Der deutsche Verein vorn hl. Lande hielt am Mon ­tag im St. Vinzenzhanse seine Versammlung ab. Ver­schiedene Redner richteten Mahmvorke an die Ver­sammlung, für die große Pilgerfahrt des Vereins zu weiden. Generalsekretär Mich en (Köln) machte nähere Mitteilungen über die ptejetterie Steife, die an Oster, dienstag an getreten werben und sich auf 31h Wochen ^erstrecken soll Die Koste» schwanken zwischen 360 M. und 600 Start Redner verbreitet sich dann über den

guter Katholik ist mir schließlich gerade so lieb, wie ein schlechter Protestant." Da ergriff Staunen und Grauen die Frauen und Herren über den Heldenmut des tapferen Protestanten, der sogar mit Katholiken an einem Tische gesessen hat, ohne daß ihm „etwas passiert' ist. Heute noch klagte eine Dame, daß ein protestantischer Pastor auf der Veranda ihrer Wohnung öffentlich in verletzender Weis« geredet hab« übet Zölli- bat und Ohrenbeichte, wahrlich ein Diener des Friedens. Bei allen diesen Aurempelungen, die wohl täglich zu verzeichnen sind, können wir nur sagen: Dank den Männern, die den StrandNub gegründet haben.

Wenn die religiöse Neberzeugung der Katholiken ununterbrochen in der liberalen Presse mit Hohn und Spott überschüttet wird, braucht man sich nicht zu wundern, wenn weite Kreise unseres Volkes, die ihre Weisheit aus diesen Organen beziehen, mit ver­ächtlichem Achsetzuchen aus die „Katholischen" her­abblicken. Es ist nicht jedermanns Geschmack, sich gegen Vorurteile und Rücksichtslosigkeiten, wie sie gegen Katholiken leider überall genug gang imb gäbe sind, zu wehren. Wenn aus diesem Grunde die Katholiken sich abschließeu, dann haben die am wenigsten Grund, darüber entrüstet zu sein, die diese Verhetzung seit Jahren genährt haben.

feebabe, sondern im katholischen Lande Tirol — von Vrote lanten derartige Takilosigkeilen in der unange« nehmsten Weif« habe empfinden müssen. Ich geriet iufällig in eine Gesellschaft protestantischer Württem­berger. Am ersten Tage ging's recht gut und die Herren schienen sehr nette Leute zu fein. Als sie er­fuhren, daß ich Katholik sei, und sagte, ohne daß ich Die gering1'« Veranlassung dazu gegeben hatte, einer Der Herren bei einer glatt vom Zaune gebrochenen Veranlassung mir wörtlich ins Gesicht: „Ja, ich hab« la immer gesagt, die katholisch« Kirche ist die dümmste und bonie'rtefte Religion der Welt." Der Herr, der mir das sagte, war ein sehr eleganter Stuttgarter Fabrikbesitzer, der sich selbst sürchöchst gebildet, tolerant und vornehm hielt. Selbstredend sagte ich dem Heim kräftig meine Meinung, hatte dann aber auch nicht weiter Lust, in dieser Gesellschaft zu verkehren.

Und der .Germania' wird au3 dem Nordseebad Borkum geschrieben:

„Es ist unglaublich, wie weit gebildete Menschen sich wegwersen können, wenn es gilt, auf die Katho­liken loezuschlageu. Schreiber dieser Zellen las in einer Badezelle als Wuterguß einer zornigen Ameise: „Ihr Zentrumsschweine, heraus aus dem Meere." In einer anderen Zelle war ein Geistlicher an die Wand gemalt, tute Darstellung so gemein, daß sie hier nicht beschrieben und der betgefügte Vers nicht nieder­geschrieben werden kann. Dazu wäre der Simplizissi- mus kaum fähig. So gehchfig sein kann uur ein Pro­testant, dem von Jugend auf der große Haß gegen alles Katholik e «ingeimpit ist, und der üi den An­schauungen lebt, wie jene protestantischen Kurgäste, die auf der Terrasse des ÄestnurarUs Eltze in Borkum am 25. August, abends zwei katholisch« Geistliche belästigten mit spöttischem Höhnischen, als diese sich von der Terrasse entfernten. Einer der Herren war so wohl­wollend, den katholischen Geistliche« den Aufenthalt in Borkum gmiDigft zu gestatten, und hielt bann an feine Tischgesellschaft folgende Redet „Ach, laßt sie laufen. Es gibt auch gute Katholiken. Ich war 6 Jahre in Hagen in entern Geschäfte inu Katholiken zu ammen, ja, id) hab« sogar an einem Tische mit ihnenge- feifen, ur.b «s ist mir nie etwas paffierL Ein

Tag um Tag vergeht . . und Woche um Woche ... Die Ruhr, welche über Att Billa Fortuna schwebt, tut Teresitas gestörtem Geist wohl. Es ist, als sei seit jener Nacht, welche Mirra in solchen Schrecken versetzte, eine Befferung m dem Befinden der Kranken eingetreten, als begänne der Schleier, der ihre Sinne Mim Teil noch verhüllt, nach uud nach zu schwin­den.

Mrrra selbst hat sich in den letzten Wochen sehr vev- änbert. Das harmlose Sind, das nichts von dem Leid, von den Schmerzen und der Süchtigkeit die­ser Welt wußte — es ist W Weibe gereist, zum dul­denden, alles begreifenden und alles verzeihenden Weibe. Lurze Zeit muh jener Nacht schreckte fie stets noch zurück beim Anblick der Schwester Dann verklärt« sich dieser erste Entsetzen In Mitleiden. Und auS dem Müleiden sproßt austz neue die bereits halb verwelkte Blume der Schwesterliebe hervor.

Ob Terestta eine Berbrrcherin ist oder nicht — fie ist ihre Schwester, fft Orlandos Frau. Richt Mirra steht es zu, den Stein auf fie «, Werfen. Rur eines beunruhigt Mir«. Sie ist sich nicht klar, ob ße die

Ein Snacks--

Mirra atmet auf. Der Revolver war nicht ge­laden. Terefita iedoch scheint zu glaube«, daß ein Schuß gefallen und jemand getroffen ist.

„Tot? . . Totgeschoffen?" entringt es sich ängst­lich chren Lippen. „Wer? . . . Wer?"

Sie bückt sich zur Erde und lauscht. Dann stößt fie einen Schreckensruf aus.

^Allmächtiger Satt!*

Scheu blickt sie sich um, ohne Mirra zu bemerken die entsetzt auf derselben Stelle verharrt, die Schwcher wie ein Gespenst anstarrend. Und jetzt lacht Terefita leis« auf.

„Htchahaha — niemand Hofs gesehen! . . . Nie­mand weiß, daß ich de« Schuß---1 Die Diebe

waren's ... die Diebe — hahahaha!"

Und. das Nachtgewand mit beiden Hände« zu- sammenrafstnd, huscht fie in fliegender Hast den Gang zurück in ihr Zimmer. Allmächtiger Gott! Was war das? . . . Mirra saßt sich an den Kopf, um sich zu vergewissern, daß sie nicht träumt . . . Diese furchtba­ren Worte ... das ganze Gebühren der Schwester — — was bedeutet cs? ... Ist es Wahnsinn, voll zum Ausbruch gekommener Wahnsinn? Oder.. .

Mir« wagt kaum weitet zu denken. Es fällt ihrer rei­nen Seele schwer, sich das Entsetzliche auch nur auszu- intiaL Sie harcht <m Teresitas Türe. Drinnen alles ruhig. Auch daS Licht ist oerlöscht. DaZ Herz voll banger Zweifel geht Mirra ta ihr Schlafgrnmch zurück . ; . Doch schlafen . . ? Rein. Ihr Herz pocht zum Zerspringe«. Boll Ungeduld erwartet sie den Morgen.

Als sie zu früher Stunde Teresitas Zimmer betritt, findet fie die Schwester «o chtm Bett liegend. Beim Anblick des bleichen, starren Gesichter krampst sich ihr Herz zusammen.

„Hast du gut geschlafen, Terefita?" fragt fie mit leise Mernder Stimme.

„Ja, ich schlafe immer gut,' lautete die monotone Antwort.

„Bist 5Dn während der Nacht nicht einmal ausge- wesen?*

.Nein.'

Bereinigungen und gegen katholische Strcmr- Klubs. Zu welchen Gehässigkeiten die Wut über die „katholische Absonderung" manche liberale Blatter bringe« kann, zeigt das Beispiel der „Bad. Lanbes- zeitung". Sie kommt in einem unverständlichen Saltomorkale vom katholischen Strandtiub auf das Zentrum, als die „Partei der Widrr prnche" zu Iprecheu und schreibt:

„So ist ba8 Zentrum die Partei aller Wider­sprüche, geistig gebunden und flügellahm, erfüllt von GötterhämmerungSgraueu, der bangen, lichtscheuen Sorge um den Sturz des Alten

bäber sind fast durchweg protestantisch, so daß für die religiösen Bedürfnisse der katholischen Badegäste nicht gesorgt ist, soweit nicht Katholiken dafür Interesse zeigen. Schließen sich aber nun einzelur Katholiken zu diesem Zwecke zusammen, bann ist die liberal-protestantische Preffe da und schimpft über katholische Absonderung rc. Diese Presse zei 1 da­durch nur, wie gehässig, frech, und unverschämt si gegen jede katholische Betätigung ist. Das tritt um so mehr hervor, wenn man sieht, wie in mittel »rutschen Bädern, z. B. in Kiss in gen, ein „Logenkränzchcn" und eine israelitische gesellige Vereinigung besteht, die zu ihren Zusammenkünften einlaben. In Reichenhall in Oderbaynm werden während der Saison protestantische Kurgäste zu geselligen Zu- fammentünften in ein bestimmtes Lokal eingeladen. In Mera« ist es ebenso. Speziell in Borkum gibt es neben dem katholischen Klub auch ein« evan- geli sche Bereinigung, einen Kind der Freimaurer, ferner Klubs des alldeutschen Verbandes, bet alten

und Heberlebten, uud unfähig, mitzuhelfen am Aufbau des Neuen, mit jenem zuversichtlichen Hoffen, das ein charakteristisches Merkmal von Weisheit, Kraft und Herzensgute ist."

Mit dem Druck einer großen Hitze läßt sich, da es heuer nicht heiß ist, ein derartig dummes Ge­schreibsel nicht erklären. Wo hat, so bemerkt tref- fenb bet „Badische Beobachter*, die Redaktion der „Landeszeitung" diese schöne Phrasen her, mit denen man jeden Gaul scheu machen ionnte? Es ist un­glaublich, was für Wirrköpfe auf politischen Redak­tionen manchmal tätig sein können. Zur selbett Zeit, wo der Liberalismus im Parlament und sonst Niederlagen aus Niederlagen erleidet, wo speziell der nationaüiberale Führer Bassermann nicht weiß, wo er sein Haupt Niederlegen soll, wo hervorragende nationalliberale Abgeordnete von der nationalliberalen Partei abfallen, weil sie „un­fähig* war, „mitzuhelfen am Aufbau des Neuen*, und in der nationalsten Frage der Gegenwart versagte, zur selben Zeit, wo es von badischen liberalen und sozialistischen Blättern ausgesprochen wird, daß das Heil des Nationalliberalismu- nur im Bund mit der Sozialdemokatie liegt, zur selben Zeit schreibt die „Bad. Landesztg." ihre Götterdämmerung^Phrasen über das Zentrum. Daß die «.konfessionelle Absperrung" für Katholiken mitunter eine dringende Notwendigkeit ist, erhellt klar ans dem nicht selten beobachteten Mangel an Tatgefühl Andersgläubiger den Katho­liken gegenüber. Die Vorurteile, die der Protestant nn Verkehr mit Katholiken an den Tag legt, sind unbeschreiblich. So schreibt z. B. ein katholischer Kurgast über seine Erfahrungen:

„Ein Katholik, bet viel unter Protestanten hat ver­kehren muffen, wird im allgemeinen nicht sehr geneigt sein, abzuwarten, bis er durch protestantische Taktlofig- reiten erst gelungen wird, tatyolijche Geftllschatt au;- zufuchen. Schreibet dieses hat auf diesem Gebiete

SonnenLeucHten.

18] Roman von E rieh Friesen.

Nur röte flieht der erquickende Schlummer — Mirra. Mit elementarer Gewalt drängt sich ihr im Startet der heutigen Nacht die Erinnerung an jene furchtbare Nacht vor zwei Jahren auf. Sie öffnet das Fenster.

Gespenstisch ragen die dunklen Zypressen z«m Him­mel empor Drunten kocht und zerfchellt die Flut an gtaeftgen FelSriffen. Wettklafternd schwebt ein schwar­zer Nachlvozrt daher, leise klagende Laute ausstoßend . . . Alles wie damals. Und auch wie damals hört fie leise Fußtritte den Gang entlang husche«. Sind es Wieher Diebe?

Jede Spur von Furcht ist Mirras durch und durch gesunder Natur fremd. Rasch macht sie Licht wirst ein loses Gewand über und öffnet die Tür Nicht». Wrra schüttelt den Kopf. Leidet auch sie bereits an Wahnvorstellungen? Nochmals horcht sie angestrengt . . . Und jetzt — richtig. Huschende Fußtritte. Und hort hinten ent schwacher Lichtschimmer.

Mirra blickt genauer hm.

Die Tür zu Teresitas Schlafzimmer ist n«r «nge- lehnt. Der Lichtschimmer scheint von Horcher zu kom­men. Man hat die Kranke bisher nie brömcht. Ste erscheint durchaus harmlos und schlaft sonst die ganze Rächt hindurch. Warum heute nicht? Eine plötzliche AnM durchzuckt Mirra. Angst, nicht für sich selbst, sondern für die Schwester. Kurz entschloßen geht fie auf da« Licht zu. Dach erschrocken prallt sie zurück.

Sir gewahrt, wie Terefita, die nut mit ihrem lan­gen, weißen Nachtgewand bekleidet ist, soeben der Treppe zueilt,, in der hocherhobenen Hand einen kleinen Revolver Einen Augenblick ist es Mirra, al» stockte ihr der Atem Großer Götti Was hat die Unglückliche vor? Weshalb huscht ste mitte« bt der Nacht tote ei« Gespenst durchs Hans? Und war will fi« mit dem Revolver--?

r Scho« will Mitra ihr nach, ihr die Waffe ent» reiften. Da ficht sie, wie Terefita den Hahn spamck und oBbdMt

Sv. Generalversammlung der Katho­liken Deutschlands.

Dritter Tag — Dienstag.

ns. Breslau, 31. Ang. 1909.

Die zweite geschlossene Versammlung, die um IVk Uhr begann, wies trotz des inzwischen ent« getretenen Regenwetters einen womöglich noch stärkeren Besuch auf als die erste. Vizepräsident Valenttn Graf Ballestrem leitete sie.

In den Ausschüssen tft am Montag schon fleißig gearbeitet worden. ES liegen zunächst An­träge vor, die auf eine tatkräftige Förderung des Missionswesens hinauslaufen. Amtsgerichts- Mektor G i« ß l e r - Mannheim begründete in warmen Worten diesen Beschluß.

Abg. Dr. Karl Bachem-Steglitz sprach ebenfalls für eine stack TLtigkett der deutschen Katholckn stm Misfionswesen. Der Islam bedroht nicht nur jn unseren Kolonien die Ausbreitung der Mission. «Wenn wir nicht im Missionswesen energisch arbeiten, -dann werden uns andere Nationen, namentlich -Frankreich, in der Saat zuvorkonnnen. Die Reso- Tutton des Ausschusses rotU auch die fremden Kolo- ftiien m das Bereich der deutschen Mission einbezvgen wissen. Zu diesem Zweck muffen alte Missions- Vereine systematisch unterstützt werden. Nachdem Abg. Erzberger und der Provinzial der Weißen Brüder, Pater Froh berg, die Resolution des Ausschusses warm empfohlen hatten, nahm das Wort cher hochwürdigste Missionsbischof Gießen aus jCsfina. I« zu Herzen gehenden Worten schilderte rer die Not der Missionen rat fernen Osten, be­sonders auch die Schwierigkeiten, die den Mis- isionen aus .der Polttik erwachsen sind. Pater »Acker aus der Gesellschaft der Väter rwm 'Heiligen Geist, Knechtsteden sagt, der Afrika- Verein bringt etwa 60 000 Mack jährlich ein, das /fei eine winzige Summe angesichts der Anforder­ungen, die an das Missionswesen gestellt werden. -T« Antrag de» Ausschusses wurde schließlich ein- ^tirnmia anaenommeu.

Der folgende Antrag des Ausschusses betraf die n ächstjährige Versammlung. Der Ausschuß ffäflug Augsburg vor. In der Diskussion traten die Vertreter von Aachen dafür ein, daß die nächste ' Generalversammlung in Aachen tage. Schließlich lwirrde Augsburg einstimmig als Tag- /uugsort für 1910 bestimmt. Damit wurde !bie Versammlung geschlossen.

Eltern oder wenigstens Orlando in das Geheimnis je­ner Rächt einweihen soll.

Immer wieder schreckt fie davor zurück. — Alle paar Tage kommt Orlando nach Capti. Mit rührender Ge­duld bemüht er sich um sein unglückliches Weib, versucht er stets aufs neue, ihr beizubringen, daß ihr Gatte lebe, daß er dieser Gatte ist, der sehnltchst wünscht, fie mit sich zu nehmen in sein neapolitanisches Heim.

Bisher vergebens. Stets lacht fie überlegen bei feinen Vorstellungen. Oder sie rangelt die Stirn und verbittet sich decket „Späße*. Oder sie Höck Lbechaupt nicht darauf.

Heute ein besonders hertticher Capri-Tag. In strahlender Pracht leuchtet die Königin Sonne am tief­blauen Himmel. Da« ganze Zaubereiland ein wild- wuchernder Mumenrausch. Stab haucht der Meer­wind durch das verworrene silbergraue Geäst der Oli­venbäume, säuselt in den malerische« Schirmtronsa der Pinien, spielt mit den breitgezackten Blattern der schlanken Palmen, und tändelt in dem dunkele« Ge- zweige der Zypressen, als wollt«« Re sich träumerisch herabneigen zu dem Lorbeer- und Myrtengebüsch da unten, zu den vollerblühten Orchideen und Tuberosen, die ihre berauschenden Aiste hinaufhauchen zu den hohen Gefährten.

Wieder ist Orlando gekommen ,um sein unglück­liches Weib za befuchm. An ihrer Seite steigt er den schmalen Felspsad zu deu Fawglioni hinab. Rings­um kolossales aufdüstemdes Gestein. Steil ins Meer abfallende Felswände — ein« gvaudtose Felsensym- phouie, von wllbstürmender Brandung durchrauscht. Dazu aüerhand riesenhaftes G-klipp — gleich gewal­tigen, ins Meer hinausklingende« Leitmo-twen . . . Ein erhebendes Weihefestspiel der Natur.

Auf einer Fellrbank, dicht über dem Wassergewoge, läßt Orlando fich neben Trresita nieder. Und wie schon oft, faßt er auch heute ihre Hand mtt warmem Druck, ihr tief in die flackernden Augen blickend.

Doch nicht wie sonst entzieht fie ihm unwillig die Hand. Ihm ist, al« blitze ein Strahl des Erkennen« in den unruhigen Augen auf.

„Teresitas Weißt Du noch immer nicht, wer ich tetr (Fortsetzung folgt.)

Deutscher Reich.

* Wie die neuen Stempelsteuern auf einen kleinen Geschäftsbetrieb wirken, darüber lagt eine durch die liberale Presse gehende Zu­schrift einer süddeutschen Firma:

Wir arbeiten mit 20000 M. Nettovermögen, brauchen an fremdem Gels 5000 M. fest verzinslich« Hypotheken und 6000 M. durchschnittlich aus unserer Bankver­bindung. Zusammen sind 37000 M. Aktiva und 20000 M. Papiere vorhanden. Bei großem Fleiß und eingeschränkter Lebmshaltung war es uns möglich, während der letzten fünf Jahre um jährlich 1000 bis 1500 M. vorwärts zu kommen. Wir zahle« an Steuern für Staat und Gemeinde jährlich 250 M. Die Kund­schaft bezahlt durchweg mit Wechseln und größtenteils mit einer Laufzeit von mehr al« 3 Monaten. Die Wechselstempelsteuer-Erhöhung bringt ttn5 eine Neu­belastung von jährlich 30 M. Unseren Lieferanten zahlen wir meistens durch Scheck. Im Jahre 1908 haben wir 275 Schecks ausgestellt. Das würde uns 27,50 M. Steuer gekostet haben. Die beiden Steuern bringen also einem ganz winzigen Geschäft ein« jähr­liche Effektivbetastung von 60 M., und das soll eine Besitzsteuer sein! Wir möchten nur wissen, ob die Uv- heber dieser Steuern ans dem Zentrum und den Kon­servativen eine Ahnung von den Sorge«, Mühe« und Aufregungen eines kleinen Geschäftes haben. Wenn das der Fall wäre, dann müßte es doch geradezu ruch­los genannt werden, wenn solche gerade die Leinen Leute treffenden Verkehrssteuern ziel- und planlos in vir Welt gesetzt werden.

In einer Zuschrift von fachkundiger Seite an die ,flöht Volkszlg.' wird darauf entg'gnet:

Zunächst muß an ff allen, daß der angebliche Brief« schleiber, di« „süddeutsche Firma", von einer Wechsel- stempelbelastung von 30 M. spricht, wo doch ihre Kundschaft „mit Wechseln bezahlt*. Mit Wech­seln bezahlen kann man nur, wenn die Wechsel schon geitempelt sind, die süddeutsche Firma kann also gar nicht in die Lag« kommen, Wechselstempel aus Rimessen üinr Kundschaft zahlen zu müssen und die angebliche Belastung mit 30 M. ist einfach Phantafie. Aber auch die 27,50 Schcckstempel kann sich die Firma ganz ober größtenteils ersparen, wenn sie sich des fieuev- ircten Postschecks bedient. Der größte Unsinn in dem Schreiben, man könnte sagen die frechste Unwahr­heit ist jedoch die Behauptung, „daß die litt)ehrt dieser Steuern Zentrum und Konservative seien". Be­kanntlich sind fswohl der Scheckstempel als auch die Erhöhung des Wechselstempels Vortagen deS Bundes­rats und verdanken ihr« Entstehung der Anregua- eines liberalen Berliner Großdanliers (Mitglied deS Hansabundesl. Auch ein der Finanzkommission angehöriger freifinntgtr Berliner Bankdirektor ist für den Scheckstempel ausdrücklich eingetreten und hat sich gegen den Zentnmisantrag erklärt, welcher die kleinen Schecks bis 150 oder 300 M. von dem Stempel frei lassen wollte. Wir sind überzeugt, daß es einer ge

Doppelzweck des Vereins: Das hl. Land dem chnstlichen Glaub«« und bet christlichen Kultur zurückzugewOnen und insbesondere btt Interessen der katholischen Deut­schen in Palästina zu schützen und zu fördern. Ober­pfarrer Dr. Dram mer (Aachen) wies auf die großen Leistungen des Vereins hin. Wenn nichts anderes als nur die Sionskirche vom Verein gebaut würde, so würbe er sich bannt ein Denkmal für Jahchunderte ge­setzt haben.

Um einen Serbanb katholischer Meisterbereine in ganz Deutschland anzubahnen, hielt am Montag abend der Verband bet schlesischen Vereine eine Agitations­versammlung ab, bie von über 1500 Meistern besucht war. Siadtpfarrer Reichel-Trachenberg sprach in einstündiger Rede über die Notwendigkeit der Organi- sation der katholischen Handwerksmeister in katholischen Urbeitervereinen. Redner glaubt in diesen Vereinen das beste Mittel zur Schulung der katholischen Meister für den Kampf im Erwerbsleben und gegen die An­feindungen des Unglaubens fehen zu dürfen. Reich?- tagsabgeordneter Erzberger führte in einer Rede aus, daß die Versammluug einen Markstein in der katholischen Handwerkerbewegung bedeute. Es sei durchaus nicht das Handwerk im Aussterben, wie bie Sozialdemokratie behaupt«, sondern es wachse und blüh« neu auf, wie bie letzte Berufszählung erweise. Aber es gelte die Forderungen des Standes energisch gellend zu machen und deshalb sei Orgauisation nötig, in der der Klerus die Schulung der jungen Meister übernehmen werde. Nach dieser Rede wurde unter großem Beifall eine Resolution angenommen, die die Gründung eines Verbandes katholischer Meislervereme über das ganze deutsche Reich verlangt.

Mirra zögert. Sie weiß nicht recht, ob sie weiter sprechen oder die ganze grausige Sache ignorieren soll. Doch nein. Gewißheit ist das beste.

„Mir war'S, Äs sah ich Dich in der Nacht nach der Trevpe gehen, mit einem Revolver in der Hand . . " sagte fie sanft.

Mit einem Ruck richtet Terefita fich im Bett auf. Entsetzt starren bie schwarzen lluge« Mirra an. Dann locht sie leis« auf, ähnlich wie in der Rächt, und roenbet dea Kopf nach der Wand. SM wie fi« gekommen, verläßt Mirra wieder das Zimmer der Schwester.

Sie ist jetzt f4 überzeugt daß nicht nur Orlandos vermeintlicher Tod die Sinne der bedauernswerten Frau verwirrte. Nein — etwas viel Schrecklicheres hat sie hi bie Nacht des Irrsinns getrieben. Das Ge­wissen läßt ihr keine Ruhe. Und weffen Sagt dieses nagend« Gewissen sie an? Eines — Mordes? . . . Und gar des Mordes an —--

Barmherzigkeit!

in verschiedenen norddeutschen Seebädern katholische Stranoklubs, so in Borkum uns Juist. Sie haben weist den Zweck, für die Bestreitung der kirchlichen paisiert, daß ich — nicht in einem protestantischen Nord- Bedürfnisse der Katholiken zu sorgen und dienen ' * - — - - ■ - ■ ■

auch gesellschaftlichen Zwecken. Die deutttt.cu See-