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Fulda, Samstaa den 28. August 1W9

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Verlag berKübaerADl

Feinden ring« umgeben find, vor der Welt darzutun, daß uns noch die alt- Einheit und Geschlossenheit, die aus unserer katholischen Weltanschauung emaniert, in alter Weise eignet Den Ruhmesblättern, welche die Stadt Breslau bisher in die Geschichte der Katholiken- versammlungen geheftet hat, wird sie ein neues htnzu- ügen. Obwohl dem Komitee nur wenige Monate zur Vorbereitung der Katholikenversammlung zur Verfü­gung gestanden haben, hat es mit einer Umsicht, sowohl was die einzelnen Veranstaltungen, wie die Rede­themata als auch die Wahl der Redner betrifft, gearbeitet, die einen vollen Erfolg gewährleistet. In erster Linie gebührt hierfür unser Dank dem ver- dienswollen Führer der preußischen Katholiken, Gehei­men Justizrat Dr. P o r s ch, der an der Spitze des Breslauer Lokalkomitees steht. Einen künstlerischen Geschmack hat die Preßkommisfion in der Ausstattung des Festblattes bekundet. Die Vignette desselben bringt eine nach einer Zeichnung gefertigte Zinkografte, auf welcher links die sogenannte Sandinsrl. die ehe­malige Augustinerniederlaffung, die jetzige Universitäls- bibliothek und rechts die Dominsel mit der Kreuzkirche und dem Dome den Hintergrund bildet. Im Vorder­gründe erblickt man einen Oderdampser. In der Mitte der oberen Seite der Vignette ist der Kopf des hl. Johannes, des Schutzvatrones der Stadt Breslau, ab­gebildet, dessen Namen auch das Breslauer Domka­pitel trägt. Die Mgnette ist verziert mit mehreren Wappen, darunter des fürstbischöflichen und des städ­tischen Die erste Nummer des Feftölattes wud an ihrer Spitz- einen tief empfundenen Willkommensgruß von Fräulein Agnes Uhdolph bringen.

Die von dem Lokalkomitee an den hl. Vater g e r i cht e t e A d r? s s e lautet: .Die treugehorsamen Kinder Deiner Heiligkeit in Breslau finden eine hohe Ehre und den Anlaß zu großer Freude darin, daß eS ihnen vergönnt ist. Dir, Heiliger Vater, mit vorliegen­dem Schreiben kundzutun, daß vom 29. August bis zum 2. September d I. die Generalversammlung der Katholiken Deutschlands und zwar in der Reihe dieser Zusammenkünfte die 56., in den Mauern dieser Bi­schofsstadt tagen werde. Deiner Heiligkeit ist es nicht unbekannt, daß diese Generalversammlungen, die un­ter dem Zusarmnenströmen vieler Tausender von Gläu­bigen alljährlich stattzufinden pflegen, allezeit besonders das Ziel verfolgen, daß im Herzen unseres Volkes der katholische Glaube vermehrt, daß der schuldige Gehor­sam und die Ehrfurcht gegen den Statthalter Jesu Christi und die Nachsolgrr der Apostel befestigt werde, die Einigkeit und Eintracht aller bei Vertretung der Rechte der Kirche beständig zunehme, daß neue Mittel für Heilung der sozialen Schäden unserer Zeit gefun­den und dann durch die Werke der Liebe, welche un- scrn Glauben beleben muß, draußen im Leben heil­bringend angewandt werden, und endlich, was be­sonders wichtig ist, daß die bürgerliche Ordnung, die Grundlage des Staates und das Ansehen der Fürsten gegen törichte Umsturzbestrebungen nachdrücklich ver­teidigt werden möge. Nichts anderes kann und dars auch die bworstehende Versammlung erstreben und sie wird es um so eifriger betreiben, je mehr unversöhn­liche Feinde die Lehren imserer Kirche zu vemnglim- pfen, ihre friedlich; Tätigkeit zurückzudrängm, ihre von Gott empfangenen Rechte zu bestreiten und zu vernich­ten und die Einigkeit der Kacholiken zu sprengen ge­rade jetzt und unermüdlich sich bemühen. Damit aber dieses ihr Bemühen vergeblich sei, wollen wir alle in unentwegter Treue mt dem Hohenpriester der katho­lischen Welt vereinigt bleiben; und eben deslialb ha­ben wir beschlossen, schon die Anfänge unseres Werkes, nachdem wir feierlich Gottes Hilfe angerufen haben, von dieser Qüelle der katholischen Einigkeit und Stärke herzuleiten u. bitten ehrerbietigst, daß Du mit Deinem apostolischen Seyen gütigst unser Unternehmen be­kräftigen wollest. Die Gewährung dieser Bitte erhoffen wir von Deiner Heiligkeit auch deshalb zuversichtlich, weil unser geliebter Bischof Georg, Kardinal Printer der hl. Römischen Kirche, der unser Werk von Anbe­ginn förderte, eS genetgtest übernommen hat, dieses

Schreiben Dir, hl. Vater, zu übermitteln und zu em- pfehlen, nachdem er soeben durch Gottes Gnadeuhrlf« aus schwerer Krankheü und Lebensgefahr errettet imd der Kirche in erwünschtem Wohlsein zurückgegrben worden ist . Auch hoffen wir, daß unserem Werke die Füchitte der hl. Hedwig, der Herzogin imb Patronin Schlesiens, die vor nun fast 700 Jahren in schrecklichen Zeiten wie ein Engel der chrfftlichen Liebe in unserer Stadt und Provinz das Elend der von den Tataren ge­brachten Verwüstungen gelindett und mit ihrem ev- lauchten Gemahl die Wecke des Friedens bei Einfüh­rung der chrisllichen Kultur vollbracht hat, nicht fehlen werde Breslau, 3. Juli 1909. Deiner Helligkeit treu ergebenste Söhne Dr. jur Felix Porsch, Geh. Justiz­rat, Vorsitzender des Lokalkomitees, Wilhelm Vettel, geistlicher Rat, Dr. Richard Croce, Santtätsrat, Ru­dolf Mann, Stadtrat, stellvertretende Vorsitzende des Lokattomttees.

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roo^ntdragt: .Mufkierte SonntagrzektlMg"

Deutsches Reich.

4- Eine vertrauliche „Besprechung hervor­ragender nationalliberaler Parlamentarier" sand in Norderney bei Dr. Basfermann statt. Die ,Berl. Börs. Ztgck schreibt dazu: »Die Be- prechung bezweckte dieFeststelltmg des Programms der Partei zu Wahlsragen und zur Stellung­nahme prinzipieller Art sowohl den konservativen wie den liberalen Parteien gegenüber; namentlich in Betreff der letzteren find Entschlüsse gefaßt worden, die Fragen der Vereinigung der Libe­ralen betreffen."

)( Tie liberalen Einigungsversuche in den Wahlkreisen, in denen demnächst Neuwahlen stattfinden, treiben immer herrlichere Blüten. Da die Herren sich nicht einigen können, welcher Partei der „gemeinsame" Kandidat beitreten soll, so sind sie schließlich auf das recht einfache Mittel gefallen, den Kandidaten im Falle seiner Wahl von jedem Fraktionszwangs zu entbinden. Wenn es also so weitergeht, so werden wir schließlich mehr „fraktionslose" Liberale im Parlamente haben, als die meisten liberalen Frakliönchen an Mitglieder zählen.

)( Die Vertretung des Kleinkaufmanns in den Handelskammern wird zurzeit in der Presse wieder erörtert. Bekanntlich hat die Regierung die Vorlage eines Gesetzes, nach welchem Klein- handelsausschüffe bei den Handelskammern ge­bildet werden sollen, abgelehnt, da es ihr aus­reichend erschien, die Handelskammern zur Bil­dung von Kleinhandelsausschüffen anzuregen. Dieser Anregung seilens der Regierung haben denn auch, wie schon gemeldet, mehrere Kammern entsprochen, indem aus den ihr angehörigen Voll- kansleuten des Detaillistenverbandes besondere Ausschüsse für die Wahrnehmung der Interessen des Kleinhandels gebildet wurden. Andere haben durch die bestehenden freien Organisationen au dem Wege der indirekten Wahl aus den Klein­gewerbetreibenden, die nicht der Handelskammer angehören, Vertreter in die Detaillistenausschüsse gebracht. Angeblich regen aber die in Hamburg und Bremen gemachten Erfahrungen mit der Einrichtung von Detaillistenkammern keineswegs zur Nachahmung an. Es wird auch schon von einer Berliner Korrespondenz gemeldet, eine gesetz­liche Regelung würde, wenn sie je notwendig würde, daher diesen Weg zweifellos nicht wählen. Vielmchr müßte man annehmen, daß es sich dabei nur um ein« gesetzlich festzulegende Voll­macht des Ministers handeln würde, die Ein- richtung von Kleinhandelsausschüssen bei den

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ver-nt».

kenversammlung getroffen hat und noch trifft, mich ein Unterschied zwischen hier und der Heimat, zwischen der gegenwärtigen und den voraufgehenden General­versammlungen nicht empfinden läßt. Aber als Rhein­länder habe ich in Breslau auch noch etwas anderes beobachtet, daß nämlich die Vorstellungen, welche man vielfach im Westen von der Stadt Breslau hat, der eigentümlichen Schönheit derselben nicht gerecht wer­den. Nürnberg, Hildesheim, Braunschweig sind be­kannt durch ihre malerischen Straßenbilder. Breslau pflegt man in der Reihe dieser Städte nicht zu nennen und doch wird der Altertumssreund in Breslau so manches finden,was sein Herz entzückt. Es ist daher verdienstvoll, daß ausAnlaß der Katholikenversamm­lung aus der Feder von Fritz Mielert ein Artikel im Festblatt erscheint, welcher in Kürze die Schönheiten Breslaus an unserem Auge vorüberführt. Wir Wien gewünscht, daß dieser Artikel schon Wochen vorher bekanntgegeben worden wäre, weil wir nicht daran zweifeln, daß er auf viele Personen, die von Bresla eine irrige Vorstellung haben, eine Anziehungskra ausgeübt haben würde. Möge dieser Hinweis ein Ersatz dafür sein .

Zumoierten Male tagt in diesem^Jahre die Generalversammlung in der Hauptstadt Schlesiens. Das erste Mal war es, im Jahre 1849, ein Jahr später nachdem der Bischof Freiherr v. Ketteler die Katholiken zur Sozialpolitik aufgerufen hatte. Die zweite Tagung fand im Jahre 1872 statt, also an der Schwelle des Kulturkampfes. Waren so die deutschen Katholcken in Breslau zu schweren Zeiten versammelt, ,so schien im Jahre 1886 der Ansang einer besseren Zeit gekommen. Windthorst gab dieser Versammlung das Gepräge und das Wott, das er damals ins Bres­lau gesprochen hat: „Halten Sie die Begeisterung sfft, handeln Sie danach und lassen Sie uns nicht im Stich" — dieses Wott sollte heute für alle Katholiken, die dazu in der Lage sind, der Mahnruf fein, nach Breslau zu kommen, um in einer Zeit, wo wir von

. Handelskammern den örtlichen Derhältniffen ent« prechend anzuordnen.

X ^zanz. Als Prinz Ettel Friedrich kürzlich >ei seiner Amvesenhett in Altona die das kleine Landstädtchen Lethmathe durchziehende Landstraße mit dem Automobil entlang gefahren war, leistete ich der Verkehrsverrin zu Letmathe folgenden Erguß seines patriotisch erglühten Herzens, den er in einem gratis verteilten Blättchen den Bürgmr der Stadt überreichte:

„Mit der Schnelligkeit des durcheilenden prinz- lichm Kraftwagens pflanzt» sich das Hoch und Hurrah- rufen fort, und manch Taschentuch, das erst mit Be­geisterung geschwungen wurde, roaia verstohlen benutzt, um Tränen der Rührung wegzuwischen, die die das überschäumende patriotische Gefühl den Augen entlockte. In die uuaufhöttichen donnernden Grüß« aus den Steinvrücheu her — eine Ovation, di« Lethmathe allem in dieser Großartigkeit ausführen kann — mischte sich der eherne Klang der Kirchengkocken und das Helle Bimmeln des Krankenhansglöckleins. Schon morgens, als der Pttirz mit dem Achtuhrzuge dnrchkam und am Bahnhose einige Minuten Aufenthalt hatte, wurde er mit einer Kanonade begrüßt, die ihm unvergeßlich sein wird. Es sollen über 1C00 Dynamitpatronen verschossen worden fein. Auch uns i t seine Durchfahrt unvergeß­lich. Die Kinder werden einst ihren Kindern erzählen, daß auch sie haben jubeln und grüßen dürfen und daß die sreundUchen Wiedergrüße des jn-endlichen männ- lich-hübscheu Kaisersohnes ihnen ir.S Herz gedrungen find."

Das »Berliner Tageblatt" bemerkt daz« mit treffenden Spotte: „Prinzenbesuche pflegen^ ja auf einigermaßen byzantinisch veranlagte Köpfe meistens verwirrend zn wirken. Aber in Leth­mathe scheint es in jenen Tagen außerdem noch ziemlich heiß gewesen zu fein."

4- Der Posener Akademie sind vom neuen Kultusminister wichtige Berichtigungen verliehen worden. Es dürftn die Studien jetzt mit einer Diplomprüfung abgeschloffen werden. Em» gerichtet find Pröftmgen für zukünftige Beamte von Handelskammern und ähnlichen Verwal­tungen, für Handelskehrer, sowie eine besondere staatswiffenschaflliche Prüfung, ferner als voll­ständiges Novum eine Prüfung der Volks­schullehrer, dir in den Seminardienst oder in denKreisinspektionsdkenp treten wollen, ferner eine allgemeine Prüfung unter besonderer Berücksichtigung der LandeSgeschichte und Heimat­kunde der Provinz.

V Ausaleichende Gerechtigkeit? Dem ,Pielgrzym' wird aus Schwarzenau (Westpreußm) getrieben :

„Das von der Ansiedelmigskommissiov angetaufte Gut Sarsau wurde unter evangelische Kolonisten aus Rußland parzelliert. Sofort wurde auch mit Sinti et* ständms der König!. Regierung in Marienwerder eine Schule «baut und mit einem protestantischen Lehrer besetzt; die tatholischen Kinder der anliegenden Dörfer Groß- und Klein-Woyken, die bis dahin die Schule zu Gukbm, wo ein katholischer Lehrer angestellt wat, be­sucht haben, wurden der neuen e«mgelifch« An- fledelungsfchule jugeteüt 86 tatholische und 20 evan­gelische Kinder sind jetzt in dieser Schule, der Lehrer ist evangelisch, und feit dem 1. April 1908 er­halten die tatholijcheie Kinder keinen Religions» unterrtcht. Die Schule ist mit dem Bildnisse Dr. Martin Luthers geschmückt."

Alle Toleranz in Ehren! Aber das ist doch kein Zustand mehr, daß m einer zum größten Teil katholischen Schule ein evangelischer Lehrer angefiellt ist, ohne daß sür den Rekigionsunter- richt der katholischen Schüler auch nur tm ge­ringsten Sorge getragen wird. Im umgekehrten Falle würde unser Urteil genau so anssalleu. Die Regierung sollte doch mehr für ausgleichend» Gerechtigkeit sorgen.

56. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands.

C Breslau, 27 Aug. 1909.

Es war im Jahre 1899, als die Geueralversamm- luna der Katholiken Deutschlands zum letzten Male m Schlesien tagte. Wer dieser Tagung m bem Heinen freundlichen Neisse beiwohnte und wahrend ^de- Jahr­zehntes unsere Generalversammlungen alliahttich be­sucht hat, der hat beobachten können, wie die General- lerfammiung der Katholiken Deutschlands mcht nur an Ausbau ihres Programmes und durch innere Ver- tiefung von Fahr zu Jahr zugenommen hat, sondern auch hinsichtlich der Zahl ihrer katholischen^Besucher und der Bewettung von gegnerischer eeite. Glanzende Städtenamen sind es, welche Neisse wahrend dieser 10 Jahre in der Beherbergung der Kathollkenversamm- lunq abgelöst haben, Städte von gutem altem Slang, Städte in dichten Bevölkerungszentren gelegen, ötabte, welche sich alljährlich eines reichen Fremdenzuflusses erfreuen. Diesmal tagt die Generalversammlung fern­ab von dem Fremdrnstcom, in einer minder volksdich- ten Gegenb, aber bet Name ber Stadt, die die dies- fghrige Katholikenversammlung in ihren Mauern steht, reiht sich ebenbüttig an Städte wie Köln, Straßburg, Essen, Bonn und wie sie weiter heißen, und was die Begeisterung, welche die katholische Bevölkerung Bres­laus der Generalversammlung entgegenbttngt, an­langt, so hat sie in den Herzen der Rheinländer und süddeutschen nicht Heller und freudiger lodern kön- nen Ich selbst bin Rheinländer und in meinem Her­zen lebt noch der Enthusiasmus fort, den unsere Gene­ralversammlung im Westen und Süden Deutschlands Io mäcbtg geweckt haben, aber ich muß gestehen, daß ier Eifer, die Freudigkeit und die Opferwilligkeit, mtt der man in Breslau die Vorbereitungen zur Katholt-

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S onnenLeuchten.

16] Roman von Erich Friesen.

11

Seit Wochen liegt Orlando della Rocca schwerver­wundet und größtenteils ohne Bewußtsein im Kran­kenhaus. Doch mettwürdig: die Schatten des To­des, welche das bleiche Haupt beretts umschwebten — sie zögern, sich herabzusenken. Ganz gegen die Be­fürchtungen der Aerzte, welche den Patienten bereits aufgegeben hatten, bessett sich der Zustand nach und nach. Orlandos zähe Lebenskraft trägt den Sieg da­von. Tagelang noch dämmert er in halber Bewußt­losigkeit dahin — die Erschöpstmg nach dem zehrenden Wundsieber. Dann öffnet er eines Morgens bei klarer Besinnung die Augen.

„Wo bin ich? ... Wo ist meine Frau?*

Ratlos stehen die Pflegerinnen. Darf man dem kaum erst vom Tode Erstandenen sagen, daß seine Frau ebenfalls schwer krank barnieberliegt? Daß sie sogar---? So schonenb wie möglich toitb ihm bei­

gebracht, er befinde sich im Krankenhause. Seine Frau sei selbst etwas leidend; sie sei bei ihren Eltern auf Capri. Aber Fräulein San Mattino werd« heute, wie schon oft, heckommen, um sich nach seinem Be­finden zu eckundigen

Erst nach und nach begreift Orlando. Er entfumt sich, daß er in der Rennbahn vom Pferde gestürzt. Was danach mit ihm vorging, ist in seinem Gedächtnis in Dunkel gehüllt.

Das ungewohnte Sprechen hat den Patienten auf­geregt. Unruhig wirst er sich in dm Kissen hin und her.

Als Mirra nachmittags in J>a3 Krankenzimmer tritt, einen Strauß herrlicher Rosen in dm Händen, I)at das Fieber bereits wieder eine bedenkliche Höhe erreicht. Doch Orlando erkennt die schlanke weiße 'Gestalt.

z „Mirra!" haucht er, in die Kissen zurückfallend, «uS denen er sich ein wenio erhoben

Und wieder leuchtet der wonnige südliche Himmel über dem Paradieseserland Capri. Sein VÄllchen trübt seine klare Bläue Die Vöglein jubilieren, die Blumm hauchen ihren berauschenden Dust, die gut­gelaunte Sonne lächelt ihr strahlendstes Sonnmlä- cheln. . . Alles wie vor einem Vierteljahr, als Or­lando in wilder Verzweiflung feiner jungen Schwäge­rin fein Leid geklagt. Auch heule schreitet er — ganz wie damals — rasch dm zur Billa Fortuna füh- lenben Weg bergan Nur, bah er sich heute so ge­sund, so frMch sühltk Die neu erwachte Lebens­freude nach langer schwerer Krankhett. Jetzt ist er am Tor an gelangt. Seine Augen spähen erwartungs­voll nach dem Hause.

Man hat ihm gesagt, seine Fron fei noch immer etwas leibenb und bedürfe der Schonung. Gewiß ist dies auch der Grund, daß sie ihn nicht besuchte währmd feiner Leidenszeit, indes Mirra und der Oberst bei öfteren kamen. Ein wärmeres Gefühl, denn feit langem ,durchztttett fein Herz. Die lange Trennung, die schweren körperlichen Selben — sie haben all die Reinen Mißverständnisse, welche feine Ehe zuletzt getrübt, verwischt

Seine Spur von Groll mehr gegen Terestta R«r Verzeihen ihrer Schwächm und der ehrliche Wunsch, sein Weib nach Kräften glücklich zu machen. Doch warum ist sie auch jetzt noch nicht sichtbar? . . tte6a> hanpt niemand auS der Familie? Warum nicht we­nigsten» »Irra, die ihn doch sonst so gut verstand? .. Doch richtig — dort hiutm fchinunett ein weiße»

Sttll reicht sie ihm die Hand. Er umklammett ihre kühlm Finger mit feinen fieberheißen und schließt die Augm. Und wie schon früher oft, so wirtt auch heute die Nähe des füllen, ernsten Mädchens beruhi­gend auf dm Kranken. Die Fleberröte auf feinem Gesicht weicht. Der Atem geht ruhiger Er schW: dm tiefen, kräftigen Schlaf der Genesung.

„Willkommen, Orlando! Terestta ist vorbereitet", sagt sie leise, und es ist, als hauche ein Schatten von Wehmut über ihre stillen Züge. „Wer — ich muß Sie darauf ausmeckfam machen — meine Schwester hat sich fchr verändert."

Ein erkältendes Gefühl schleicht durch OrlmrboS Herz. Ihm erscheint hier auf einmal alles f» ver­ändert, so seltsam! Selbst Mirrak Schweigmd folgt er seiner jungen Schwägerin ins Hans. Sofort ge­leitet sie ihn in das allgemeine Wohnzimmer.

Bei ihrem Eintritt wendet die dunkelgefleidtte Frauengestalt, welche dort am Fenster lehnt, den Kopf. Ein hereinsallender Sonnenstrahl fpiell mtt dem schwarzen Lockmgettngel und beleuchtet voll daS schmal geworbene blasse Gesicht. Und der Mann, der einen Augenblick zögernd auf bet Schwelle ge­standen — et vergißt bei diesem Anblick, daß er vor Monaten in Unfrieden von Terestta gegangen. Er fühlt nur, daß er sein Weib liebt

„Terestta!" bebt es über seine Lippen.

Doch die dunkle Frauengestakt eilt ihm nicht voller Freude entgegen. Gleichgültig bricht sie eine Blüte vmn Rosenstock am Fenster und steckt sie in dm Gürtel.

OrlandoS fragen ber Blick richtet sich auf Mit«. Ein trauriges Kopffchütteln als Antwort.

Nun kommt bie dunkle Gestatt langsam, mit ttwas wiegenden Schritten, auf Orlando zu.

Gute» Tag, Signore! Gedmkm Sie lange auf Capri zu Heißen?" fragt sie mtt fellsam eintöniger

Stimme. , „ t _

Entsetzt, von einer bangen Ahmmg durchzuck», weicht Orlando zurück Jetzt erst bemerkt er die eigen- tümliche Veränderung in dem Ausdruck des anhaltend lächelnden Gesichtes.

„Liebe, teure Terestta!" ruft er mit vor Bewegung zitternder Stimme. „Kennst Du mich nicht? Ich bin Orlando, Dein Gatte, der Dich heimholen will in unser schönes Schloß drunten am Posilipo!"

Leise lacht sie auf — ein glockenheller, seelenloser Lachen, dar Ottaudo in die Seele schneidet.

„Sie irren, Signor. Mein Gatte ist tot. Ich selbst

Kleid.

Orlando beschleunigt seine Schritte. Jetzt steht. „---- . ----- .

ihn Mirra. Mit auSgrstreckter Hand ae$ Re ans i habe die Totenglockm gehört. Horchen Sie iturl Da ifo " • läute» Re wieder . . . »im — bim — bim! .. . .

Immer vkemnddrrißigmall . . . So alt war nämlich mein Gatte, als er vom Pferde stürzte und —M

Sie bricht plötzlich ab imb starrt m bie Ferne.

„Schm Sie dort! ... We die Pferde dahm- jagen!" ruft sie erregt, mit dem wisgestreökeu Finger ms Weite beutend. „„Hellblau" ist voran. „Goid- geld" hintennach. Mach doch vorwärts, „Goldgelb"! . . . Vorwärts! Vorwärts . . „Pluto" muh gewin­nen! . . . Hörst Du? Er muß!"

Eistgkalt überläuft es Orlando. Er will fein Weib umfassen, es berußt gen. Doch Terestta steht ihn gar nicht mehr. Heftig stampfen die kleinen Füße dm Boden, während die Augen immer größer werde» und bie steinen Fäuste sich stallen. . . Und jetzt — ein geSenbei Aufschrei. Die Hande vors Gesicht schlagend, stuft fie aufftöhnend in den Sessel

„Terrßta!" ruft er nochmals mit all bei Innig­keit und Wärme, deren er fähig ist.

Und plötzlich sinken die Hände von dem Gericht der unglücklichen Frau. Es ist, als ost eine tret’ wandte Saite in ihrer kranken Seele erklinge. For­schend, zweifelnd ruhen ihre schworen Augen auf Orlando. Dann sagt fie langsam, sich besinnend:

„Sir haben Aehnttckkeit mtt meinem toten Gat­ten, Signor. Rur tft Ihr Gesicht schmäler, und Ihre Augen find trauriger. Leben Sie wohl!"

Flüchtig reicht sie ihm zum Abschied bie Hand und fit gleich darauf im Nebenzimmer verschwunden. Wie erstarrt blickt Orlando bet dunklen, leicht dahin­schwebenden Gestatt nach.

Dann sieht er Mirra an, die still der merkwürdigen Szene bergekvohnt.

Em trauriges Nicken als Antwort. In Mrrra» blauen Augen stehen dicke Tränen.

„Ein Nervenchok!" So nennen es die Aerzte und zucken zweifelnd die Achseln, wenn Orlando sie wegen deS Zustandes seiner Frau um ihre Meinung fragt.

„Rur Ruhe!" Größte Ruhek" lautet ihr Aus­spruch. „vermeiden jeder feelifchen Erregung! Viel­leicht, baß bie Zeit Besserung bringt!"

(%ortfe6una folat)