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§Maer W Zeitung

Fulda, Samstag den 28. August U09

M 196.

Drittes W^crtt

Stojttgew Vie em» fpEgePetttzeUeoder deren Raum 15 Pfg. KMamendiepetitzeile 25 Pfg., bei Wieder­holungen wird entspr.

LabattgewShrt.

UotationsdruSund Verlag der Fuldaer M» üendruckerel fo Fulda Fernsprecher Rr.s.

Außer der Familienbezeichnung von Personen, deren eine von der anberu abstammt, gibt es noch eine Form der Verwandtschaft im juristischen Sinne; sie wird durch die gemeinsame Abstammung von einer dritten Person begründet. Personen, die von densel­ben Vorfahren abstammen, sind miteinander in der Seitenlinie verwandt. Auch hier bestimmt sich der Grad der Verwandtschaft nach der oben angeführten Regel des Bürgerlichen Gesetzbuches. So sind Ge­schwister im zweiten Grad-, Onkel und Neffe im drit­ten, Vettern im vierten Grade verwandt. In der Seitenlinie im ersten Grade verwandte Personen kann es naturgemäß nicht geben. Bei dieser Gelegenheit sei noch auf einen Gesichtspunkt für die Gradberech­nung aufmerksam gemacht. Man könnte auf die Idee kommen, auf Grund jener Regel anzunehmen, daß z. B. Brüder miteinander im dritten Grade verwandt seien, da ja, um ihre Verwandtschaft zu vermitteln, nicht sie allein geboren werden mußten, sondem auch die Geburt des gemeinsamen Vaters notwendig war. Es sei deshalb im allgemeinen darauf hingewiesen^ daß die Geburt des gemeinsamen Vorfahren" bei der Berechnung nicht in Betracht gezogen wird, ebenso wie ja bei gradlinig Verwandten die Person des Va­ters oder Großvaters als vorhanden angenommen und bei der Ermittelung des Verwandtschaftsgrades seine Gebuft nicht in Rechnung gestellt wird.

Wenn gesagt worden ist, daß jede Verwandtschaft im juristischen Sinne sich auf die Abstammung gründet, so läßt sich dieser Satz nicht in der Weise umkehren, als ob durch die Abstammung stets auch Verwandt-

wMdtschast auch vom Rechte insofern anerkannt, als die Ehe zwischen einem unehelichen Kinde (und seinen Abkömmlingen) und den Verwandten des Vaters in gleicher Weise verboten ist, wie wenn das Kind ehelich

wäre.

Alle Verwandten des einen Ehegatten sind mit dem andem Ehegatten verschwägert. Und zwar sind die in gerader Linie Verwandten in gerader, die in der Seitenlinie Verwandten in der Seitenlinie mit

* Neber Verwandtschaft

Es ist eine heutzutage jedem Laien bekannte Tat­sache, daß von seiner Redeweise sich der Sprachge­brauch des Juristen wesentlich unterscheidet. Und dennoch wird der Laie häufig genug durch neue Bei­spiele für diese alte Erfahrung in Erstaunen gesetzt.

So nennt dieser alle diejenigen Personen verwandt, die durch irgend welche Familienbande miteinander verknüpft sind. Den meisten Nichtjuristen ist jedoch bekannt und gegenwärtig, daß der Richter vor der Vereidigung eines Zeugen an ihn die Frage richtet, ob er mit den Angeklagten oder mit den Patteien „verwandt oder verschwägert" sei, und so sagt sich der denkende Laie: der Jurist scheidet streng zwischen verwandten und verschwägetten Personen im Gegen­sätze zum täglichen Leben, das den Schwager unbe­denklich unter die Zahl der Verwandten rechnet.

Während aber diese Abweichung des juristischen vom allgemeinen Sprachgebrauch, eben weil sie aus einer bekannten Tatsache zu folgern ist, kaum besonders Erstaunen erregt, kann sich der Jurist auf ein bedenk­liches Schütteln des schönen Kopfes gefaßt machen, wenn er einer Frau erklärt, sie sei mit ihrem Ehemann nicht „verwandt".

Für das Verhältnis, das der Laie als „Ver­wandtschaft" bezeichnet, hat je nach der Art seiner Entstehung die Sprache des Juristen verschiedene Be- nenmmgen.

dem Gatten ihres Verwandten verschwägett. Demnach sind z. B. die Eltem des Mannes mit seiner Frau in gerader Linie und im ersten Grade verschwägett. Mit der Schwester seiner Frau ist der Mann im zweiten

Monakbellager „$uIbQCt SeschlchtMAter"

bedarf, habe aber dem Deinigen nicht verbergen kön­nen, daß der Meinige eines Tages Deinem Sohne untertan sein muß." Dieses kurze Beispiel läßt er­kennen, wie schwer die Erziehung und Ausbildung eines jungen Pttnzen selbst für einen weisen Lehrer sein kann Die Erziehung eines Prinzen aber ist von eminenter Wichtigkeit für den Staat

P. Prinzenerziehnnq.

Ein Perserkönig, der seinem Thronfolger eine gute Erziehung zuteil werden lassen wollte, be­fahl einem Weisen des Landes,.der einen Sohn glei­chen Alters hatte, zu sich und sagte ihm: „Ich ver-

=s=—5=s===ssa.

36. Iahrgau.;.

Allerlei.

— Wieviel Millionen werden durch Zeppelin ver­dient? Zeppelins Erfolge sind heute beiläufig 62 Jndustrieen zugute gekommen. Zunächst wäre da der Buchhandel zu nennen. Jedermann weiß, daß täglich neue Zeppelinbücher geschrieben und gekauft werden. Hierdurch verdienen Papierfabriken, Druckereien, Buch­bindereien und Buchhandlungen. Die Spielzeugin- dusttte hat sich gleichfalls den „Zeppelin" mit großem Erfolge nutzbar zu machen verstanden. Jnteregant dürste es sein, daß die Zeppelin-Ballons für das Ausland einen sehr guten Exportartikel abgeben. Auch die Ansichtskattenindusttte hat mit Zeppelin keine schlechten Geschäfte gemacht. Eine Katte mit dem vernichteten Ballon von Echterdingen wurde fast in einer Million Exemplaren vettauft. Gegenwärtig sind alle damit beschäftigt, sich Zeppelins Ankunft in Berlin möglichst nutzbar zu machen. Hieraus erhellt, daß Zeppelin mit seinen Luftschiffen nicht nur der nationalen Vetteidigung einen großen Dienst geleistet hat, sondem daß auch Tausende von Arbeitern in­folge seiner Erfindung lohnenden Verdienst gefunden haben. =p

— Der brotlose Scharfrichter. In einem Berliner Morgenblatt vom letzten Dienstag findet sich folgende immerhin nicht alltägliche Anzeige: „Scharfttchter a. D. Alwin Engelhardt, seit dem Amtsantritt des Justizministers Dr. Beseler ohne jeglichen Grund brot­los gemacht, sucht wieder Stellung als Büffetier oder Rechnungskellner. Ja. Zeugnisse seiner früheren Tä- ttgkett stehen ihm zur Seite. Gefl. Offerten erbeten Magdeburg, Apfelstraße 3, I." Vielleicht hat das Königsberger „Blutgericht" Verwendung ober bie „Elf Scharfttchter", benn das Berliner „Cafee Lebens­länglich", Unter den Linden, hat seine Pforten ge- schloflen.

Ville und Vionville dahin nach Mars-la-Tour, an Gräbern, Kreuzen und Denkmälern vorbei. Mars-la- Tour ist ein schlichtes Dors, das nur der Schlacht feine Berühmtheit verdankt. Sehenswett ist bcrt zunächst das außerhalb des Dorfes stehende, von der ftanzö- sischen Nation seinen gefallenen Söhnen errichtete herr­liche Denkmal. Außerdem wäre noch zu nennen die dortige katholische Kirche, in deren Innerem auf mar- momen Tafeln die Namen der gefallenen Helden ver­zeichnet stehen. Am 16 .August findet auch in Mars-la- Tour eine Gedächtnisfeier statt, die an äußerem Ge­pränge und Eleganz die schlichte deutsche bei weitem überragt. Aus diesem Gmnde wird es verständlich, daß an diesem Tage die Deutschen zu Tausenden nach Mars-la-Tour strömen, um an dem farbenprächtigen Spiel der zahlreich vertretenen Uniformen das Auge zu weiden Das ganze Dorf prangt au diesem Tage im Schmuck der Tttkolore und das Denkmal selbst ist mit Kränzen, Fähnchen, Emblemen usw. förmlich überla­den. Die Feier nimmt ihren Anfang mit einem Le­vitenamt in der Dorfkirche, dann strömt alles hinaus zum Denkmal, wo hervorragende Redner das Andenken der Söhne Frankreichs feiern, die in heldenhaftem Kampfe ehrenvoll unterlegen sind.

Von Mars-la-Tour nehmen wir den Weg zurück bis Gravelotte und biegen dann links ab nach Vernü- ville, kommen ein Stück über fianzösischen Boden an den Dörfchen Habonville und St. Ail vorbei und er­reichen bei St. Matte-aux-Chtznes wieder deutschen Boden. Auf unserer Wanderung begegnen wir auch hie und da einem jener Schlachtfeldbesucher, über dessen Kopf bereits der Schnee des Alters lagert, während das eiserne Kreuz seine Brust ziert. Es sind alte Krie- ger, welche hier mitgekämpft haben. Ihre Zahl ist nicht mehr groß, denn viele hat der Herr der Heerscharen unterbeffen zur ewigen Armee abbemsen. Da begeg­nen wir einem von ihnen, ber mit gefalteten Händen vor einem Kreuzlein steht und in stilles Sinnen ver­sunken ist. „Hier unten," sagte er uns. „ruht em Ta­pferer, den ich gekannt; er fiel an meiner Seite." Und dicke Tränen rollen dem alten Krtegersmann über die gefurchten Wangen. „Ich batst einen Kameraden . . . ’' Auf unserer Wanderung begegnen wir noch mehreren von ihnen. Ihr Blick gleitet suchend über die mit weißen Kreuzen besäeten Felder dahi n. 39 Jahre ist eine lange Zeit und vieles ist unterbeffen ihrer Erin­nerung entschwunden. Deshalb fällt es manchem von ihnen schwer, unter den Taufenden jenen Grabhügel wieder herauszufinden, wo sie einen teuren Freund be­graben wissen.

Von St. Matte-aux-Chtznes sühtt uns die Straße immer an Grabern und Denkmälem vorbei, nach St. > Privat. Schon von weitem tointt der auf lichter Höhe stehende Gardeturm seinen Gruß herüber und bald darauf erblicken wir auch das herrliche, am Eingang von St. Privat stehende Löwendenkmal, ferner den Erzengel Michael, das Sachsendenkmal usw.

Auch auf ber anderen Seite von Metz hat es blutige i Kämpfe gegeben. Die zahlreichen Gräber und Denk- mäler auch aus dieser Seite legen Zeugnis davon ab. j Leider ist es mir nicht möglich, noch ausführlicher zu; werden und den Leser auch auf diese Gefilde zu füh­ren, ba ich den mir zur Verfügung stehenden Raum bereits überschtttten habe. Ich will aber nicht schlie­ßen. ohne ber Hoffnung Ausomck gegeben zu haben, daß uns Gott in Zukunft vor solch furchtbarem Kriege verschonen möge.

Philipp von Mazedonien ivar sich ganz genau seiner Wotte bewußt, als er eines Tages an den Philosophen Staaire schrieb: „Die Götter haben mich zum Later gemacht; ich bin ihnen jedoch weni­ger dankbar, daß sie mir einen Sohn geschenkt haben sondern mein Dank gilt Ihnen in erster Linie weil Sie meinem Sohne Attstoteles zum Lehrer gegeben haben." Der Schüler Attstoteles war Alexander der Große.

Karl V-, deutscher Kaiser, war der be­deutendste Herrscher seines Zeitalters; trotz verschie­dener Fehler, die ihm anhafteten, stand er unvergleich- lich höher inbezug auf seine Geistes- und Eharakter- eigenfchasten wie seine Zeitgenoffen Franz I., Hein­rich II. von Frankreich, Heinrich VIII. von England, Christian von Dänematt. Gustav Wasa von Schwedens Philipp von Hessen usw. Seine Superiotttät nei> dankte Karl V. zum nicht geringen Teile seinem be­scheidenen, jedoch entschlossenen und charakterfesten Lehrer Adrian von Utrecht.

Ludwig XIV. war oon ber Natur mit Geistesgaben reichlich ausgestattet: mißerdem war er von einer Zahl hervorragenber Männer umgeben, wie kein anderes Jahrhundert solche hervorgebracht hatte. Trotzbem be­klagte man in seinem Leben Mängel unb dunkle Punkte; „der große König kannte seine Pflicht nicht", schtteb eines Tages der katholische Priester Ftznelon, nachmaliger Erzbischof von Umbrai, an Madame de Maintenon. Die Charakterfehler des Königs waren dem Umstande, zuzuschreiben, daß ber Inspirator bet Königin Mutter, Minister Mazattn, sich nicht ernstlich mit ber Ausbildung des Königs befaßt hatte Ms Ludwig der XIV. Vater wurde, begriff er die Frage

p. Ein Gang über die Schlachtfelder nm Metz

39 Jahre sind es her, seitdem östlich und Westlich von Metz die Kugeln pfiffen, Granaten und Mttrail- leusen platzten, Tausende von Verwundeten am Boden lagen und flehentlich um Hilfe riefen oder mit dem Tode rangen, dem Hunderte von neben ihnen liegen­den Kameraden beretts das Opfer ihres Lebens ge­bracht hatten. Und vom tiefblauen Himmel strählte golden die warme Augustfonne Hemieder, als wußte sie nichts von den Kämpfen, die sich da unten zu ihren Füßen abspielten.

Alljährlich um die Augustmitte strömen aus allen Teilen des Deutschen Reiches Tausende der Grenz- feste Metz zu, um von dort aus ihren Weg auf bie Schlachtfelder zu nehmen. Eine geheimnisvolle Macht zieht sie hin zu jenen Gefilden, wo fo viel deutsches Blut geflossen ist, und wer diese Stätten des Todes einmal gesehen, wird sich nimmer wieder dahin sehnen. Es ist nun einmal ein Zug im Menschenherzen, bet die mit dem Tode besiegelte Treue nie vergißt.

Wir glauben allgemeiner Zustimmung zu begeg­nen, wenn wir heute versuchen, in nachfolgendem Teile unsere Leser über jene Gefilde zu führen, wo vor 39 Jahren bie Söhne zweier großen Nationen in rit- ■ terlirbcm Kampfe einander gegenüberstanden.

Morgens gegen 8 Uhr rollt der Zug zur Metzer Bahnhofshalle hinaus, an herrlichen Weinbergen, voll- behangrnen Obstbäumen, rot aufgeworfener Ackererde, grünen Wiesen und reizenden, wie Schwalbennester an den Hügeln klebenden Dörfern vorbei. „Chatel-St. c u iiitoin'* ruft der Schaffner. Das Ziel der Bahn- fcrt . ist erreicht. Fünf Minuten später haben wir das friedliche Dörfchen passiert, dessen gasffreundliche Ein­wohner den Fremden neugierig nachblicken, bann stehen wir vor einem recht respektablen bewaldeten Hügel, den zu ettlimmen nicht zu den Annehmlichkeiten des Le­bens gehört. Mancher Schweißtropfen muß bei der drückenden Augustfonne vergossen werden, bis man auf schmalem, steinigem Pfad sich emporgearbeitet hat. Sofort nach Verlassen des niedrigen Gehölzes, das uns bisher umgab, erscheinen mehrere weiße Kreuzlein, bie ersten Vorboten jener blutigen Tage. „Hier ruhen tapfere bentsche unb französische Krieger, gestorben den Heldentod am 18. August 1870", lautet die Inschrift. Auch bie ersten Denkmäler winken vom Hochplateau grüßend herüber. Wir verlassen den Wald und suchen die auf etwa 500 Meter entfernt liegende Straße nach Gravelotte zu erreichen. Zu unserer Linken erhebt sich dränend das „Fort Kaiserin". Drei Minuten später breitet sich vor den Augen des Wanderers ein steil ab­fallendes, tiefes Tal ans: die Schlucht von Grave­lotte. Hier unten hat es heiße Kämpfe gegeben unb das Ange manch braven Reitersmannes unb Jägers brach hier im Strahl der untergehenden Abendsonne. „Tritt nicht herzu! Ziehe Deine Schuhe aus von Deinen Füßen, denn der Ott, darauf Du stehest, ist heiliges Land!" Jeden, der diese uralte Mahnung hört, durchzuckt das Gefühl: wenn sie wo gilt, so gilt sie hier. Es ist geweihter Boden, auf dem Du stehst — heiliges Land! Die Ströme tapferen Blutes, die diese Erde getrunken hat, all die letzten Seufzer, die über ihr verhallt, die Taulende von jungen Leibern, bie in sie gebettet sind, morgens noch fttfch unb rot, abenb§ schon bleich und tot — sie machen diese Felder so teuer unserem Herzen. Und es nötigen uns die einsamen Hügel unwillkürlich zu ernstem Sinnen, wir ehren schweigend des Todes stille Majestät. Wo Schlucht hier und Hohe zum ttesigen Massengrab wur­den, ergreift es uns wie Ehrfurcht unb heilige Scheu.

Im Geist sehen wir ben großen Schnitter mit der gewaltigen Senfe bah.inschreiten. Seine Hand ist so knöchem, fein Ange so starr, seine Wange so hohl,'unb schwarz weht fein Gewand. Mächtige Schwaden mäht er mit einem Streich. Um die heiße Mittagszeit geht er seine grausige Arbeit an; unb erst, als die Sonne zur Ruhe ging, macht er Feierabend. Manch junges Weib hüllte den Witwenschleier ums Haupt. Er war nicht mehr, an den sie so hoffnungsvoll ihr Leben ge­knüpft; unb bas Herz wollte ihr brechen, wenn sie ihr Kinb ansah Manch hold träumendes Mädchen stand jäh am Grabe ihres Glückes. Ihr hatte der letzte Ge­danke und Gruß des Geliebten gegolten. „Unser ein­ziger Sohn tot, unseres Alters Stütze!" klagten ver­einsamte Eltern.

Auf dem Hochplateau, zu dessen Füssen sich gäh­nend die Schlucht ausbreitet, findet alljährlich an Mariä Himmelfahrt (15. August) eine erhebende unb ergreifende Erinnerungsfeier statt. Kathol. unb evan­gelische Militärgeistliche halten jedes Jahr abwechselnd am Denkmal des 67. Infanterieregiments, das sich am Abhänge zum Tal erhebt, eine feierliche Gedächtnis­rede, und Tausende stehen ringsum unb lauschen still der Schilderung all der Heldentaten jener Braven, die hier ihr Leben gelassen haben. Nach ber Rebe bes Geistlichen spielt die Musik einen ernsten Choral, Metzer Gesangvereine tragen ein oder mehrere Lieder vor, unb damit hat bann bie Feier ihr Enbe erreicht.

Gehen wir weiter. Drunten im Tale erblickt ber Wanderer ein prächtiges Jägerdenkmal, eines der schon- ften Erinnerungszeichen, bie das Schlachtfeld über­haupt aufzuioeifen hat. Auf dem Sockel steht, den Kör­per vorwärts gebeugt, bie das Gewehr haltende Hand ausgestreckt, ein Jäger, ber zum Sturme gegen ben Keinb vorzugehen scheint. Wir steigen nun bie Straße hinan unb erreichen halb barauf Gravelotte. Viel Sehenswertes gibt es außer dem Kriegsmuseum unb bet vor einigen Jahren in Anwesenheit bes Kaisers kingeweihten Gedenkhalle in Gravelotte eigentlich nicht. Auf prächtiger Lanbstraße schreiten wir burch Rezon-

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lin, Urenkel unb Urenkelin unb so fort. Auch Grabe ber Verwanbischast Werben unterschieden Im ersten Grade sind miteinander verwandt Vater (Mutter) und Sohn (Tochter), im zweiten Grabe Großvater unb Enkel, im britten Grabe Urgroßvater unb Ur­enkel. Das Bürgerliche Gesetzbuch drückt dies (im 8 1589) folgendermaßen aus: „Der Grad der Ver­wandtschaft bestimmt sich nach ber Zahl der sie ver­mittelnden Geburten."

ihr diese ins Gesicht: „Mademoiselle, Sie vergessen, daß ich die Tochter des Königs bin", worauf die Leh­rerin sagte: „Unb Sie vergessen, baß ich bie Tochter Ihres Gottes bin". Das überraschte und besiegte Kinb antwortete gelassen: „Sie haben recht". Die Prinzessin änberte ihr Wesen unb würbe später eine ber schönsten Zierben ber katholischen Kirche Frank­reichs. (Madame Luise de France, um die es sich hier handelt, trat später in die Kongregation der Car- meliterinnen ein und führte ein heiligmäßiges Leben)

Diese wenigen Beispiele lehren, wie sehr es gerade bei Königskindern darauf ankommt, ihren Charakter in der Jugend zu bilden.

Klaffen trennen, in die „ursprünglichen", wenn man sie so nennen darf, und bie „angeheirateten". Den meisten Menschen stehen Onkel unb Tante, bie als Ehegatten zusammenleben, gleich nahe, unb es fällt ihnen gar nicht ein, baß der eine oon ihnen „ver­wandt", der andere aber nur „verschwägert" ist. Und doch ist diese Unterscheidung keine bloße Spielerei, ja, sie kann von höchster Bedeutung werden. Nicht nur dadurch, daß auf Grund der gesetzlichen Erbfolge nur ber urfprüngliche, nicht aber ber angeheiratete Onkel als Erbonkel eine Rolle zu spielen berufen ift Auch im Zivil- und Strafprozeß, also unter Umstän­den auch in Situationen, in denen es sich um bie Ent­scheidung über bie wichtigsten Fragen eines Lebens hanbelt, wird unsere Unterscheidung von Wichtigkeit. Die Zivilprozeßordnung (§ 383) unb die Straf Pro­zeßordnung (§ 51) bestimmen gleichlautend: Zur Verweigerung des Zeugnisses find berechtigt diejeni­gen, welche mit einer Partei (bezw. mit dem Beschul­digten) in gerader Linie verwandt, verschwägert ober in der Seitenlinie bis zum dritten Grade verwandt ober bis zum zweiten Grade verschwägert sind. Wäh­rend also der verwandte Neffe feine Aussage zu ver­weigern berechtigt ist, kann ber verschwägerte Neffe von der oft sehr drückenden Pflicht, gegen feinen „Ver­wandten" Zeugnis abzulegen, nicht entbunden werden.

Noch ein Beispiel für die genauere Begriffsbestim­mung des Juristen fei angeführt. Elli und Klara sind Schwestern, beide jung, schon, reich. Sie finden daher auch schnell einen Gatten. • Elli heiratet den Emst, Klaras Gatte heißt Georg. Wie sind Ernst unb Georg miteinander verwandt? Der aufmerksame Leser hat sofort die Antwort bereit: „Sie sind über­haupt • nicht verwandt, sondem verschwägert." Mit Verlaub, verehrter Leser, sie sind weder verwandt noch verschwägert. Der Beweis ist leicht erbracht. „Die Verwandten eines Ehegatten sind mit dem ande­ren Ehegatten verschwägert", also Elli mit Georg, Klara mit Ernst. Daß aber die Verschwägerten des einen Ehegatten mit dem andem Ehegatten verschwä­gert Wären, davon sagt unser Gesetzbuch nichts.

Vielleicht meint ber geneigte Leser: O, diese Juristen!

, „ icc m rrx.: VerWanbtschaft ist ihm nur die Familienbeziehimg,

traue Dir meinen Sohn an, erzvche ihn mit dcmDei bur$ Abstammung begründet ist. In geraber nigenunb wie ben Deinigen Wenn die Ausbildung £inle ift man mit demjenigen verwandt? von dem beendet ist werde ich vergleichem^ 308 bie Cr- man abstammt, also mit bem Vater, Großvater, Ur- ziehung ocendet war, wollte ber König beide junge großvater, mit ber Mutter, der Großmutter, Urgroß- Leute scheu. Er konstatierte mit Bedauern, daß fein | mutter usw. Nur anders ausgebrückt wirb berfelbe oT’6"- Utr& tc^r'-TC i Gedanke, wenn man sagt, man sei auch mit dentieni-

ornahTnft^' ?et q°c 10 oetIanäte ^balb hierüber gen jn gerader Linie verwandt, ber von einem' ab- Auskunst von dem Lehrer, der ihm antwortete: „Ich , r l 5nL ,

habe meinen Sohn immer fühlen lassen, daß er meiner i “ ? Urmtrfhf

bedarf, habe aber hem Tieintnen ' !OT' Urenkel und Urenkelin und so fort. Auch Grabe

verantw. «edaktem

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z.'vaÄl«"!« Ä'da rvochenbellagtt „Illustrierte Sonntagrzeltung"

Fürst seines Zeitalters.

Lubwig ber- XV. hatte eine ebenso impulsive wie hochmütige Tochter, bie Königin vertraute sie einer - - , . . ~ ,, .. ,

bewährten Lehrerin an, ber sie den strengen Befehl er- Grabe unb in ber Seitenlinie verschwägert. Die eben teilte, bem Willen bes Kindes niemals stattzugeben, genannten Fälle sind Fälle von Schwagerschast, bei Als eines Tages bie Lehrerin ben Wünschen ber auf- denen sich der Sprachgebrauch des Juristen mit dem brausenden Schülerin Widerstand entgegensetzte, schrie des Laien deckt. Auch dieser nennt die bezeichneten - - - - - ----- — - - " — ~ Personen „verschwägert"; er spricht hier von Schwie-

gereliern und Schwiegertochter, von Schwager unb Schwägerin. Welche Laie ist. sich aber besten bewußt, daß bie „Stiefmutter" mit ihren „Stiefkindern" „ver­schwägert" ist, und zwar gradlinig im ersten Grade? Doch wenn hier auch noch bie Volksstimmung nicht Wiberspricht, bie — leiber — jenes Verhältnis in bet Regel als kein „verwanbtschaftliches" ansieht, so bürste eine andere Unterscheidung, bie ber Jurist zu machen genötigt ist, dem Laien etwas fonberbar erscheinen Man muß nämlich die Onkel unb Tanten in zwei

ber Erziehung besser; er vertraute bie Ausbildung sei-1 schäft begründet würde. Denn es ist ein Grundsatz «es Sohnes des Thronfolgers, bem berühmten Km- > des geltenden Rechtes, daß uneheliche Kinder mit „lredner Boffuet an, während er mit der Erziehung 1 ihrem Vater und seinen Angehörigen nicht in Vec- beS Herzogs von Bourgogne Fönelon beauftragte. Der wandtsschaftsbeziehungen treten Dagegen stehen sie iunge Herzog von Bourgogne war, Wie man heute zu der Mutter und zu ihren Angehörigen in genau zu sagen pflegt, von lebhaftem, impulsivem Tempera- i demselben Verhältnis wie eheliche Kinder. Die ment Er fand seinen Lehrer nicht unterwürfig genug > Hauptbedeutung der Leugnung einer Verwandtschaft unb schleuderte ihm daher eines Tages die Worte ins zwischen den unehelichen Kindern unb der Familie Gesicht- „Monsieur, Sie vrrgeffen, wer ich bin unb des Vaters zeigt sich im Erbrecht, da das uneheliche wer Sie sind " Fönelon antwortete nicht, sondem ver- Kind seinen Vater unb dessen Verwandte weder beerbt brachte den Tag, ohne weiter ein Wort zu »einem noch von ihnen beerbt wird. Außerdem erlangt der Schüler zu sagen Am anderen Tage jedoch, als die Vater über seine unehelichen Kinder nicht die „elter- Jmpulsivität" des jungen Prinzen sich etwas gelegt i liche Gewalt". Dagegen wird die „natürliche" Ver­härte, antwortete er demselben: „Heute will ich Ihnen —------ ~'3

sagen, wer ich bin und wer Sie sind. Ich werde mich an den König, Ihren Vater, wenden und denselben bitten, Mich von Ihrer Erziehung zu entbinden." Der junge Prinz, der ben Sinn ber Worte ganz genau verstanden harte, war über fein impulsives Wesen am Tage vorher zerknirscht und bat seinenLehrer flehentlich um Verzeihung. Er arbeitete mit Energie an ber Verebelung seiner Charaktereigenschaften unb würbe später ber an Geist unb Charakterstärke hervorragendste