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verantw. Redakteur z, V.r L. kvetzler; tor die Hnjtigert:

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Fulda, Montag den 23. August 1909

JV5 191.

□ Es ist wieder mal nichts mit der libe­ralen Einigung. Schon freuten sich die Herren, daß man wenigstens in Landsberg-Soldin für die bevorstehende Reichstagsersahwahl einen gemeinsamen liberalen Kandidaten aufstellen konnte, und zwar war dazu der Gutsbesitzer Schöpp ausersehen. Doch die Freude hat nicht lange gedauert. Wie die ,Natlb. Korr/ mitteilt, sind nachträglich der Aufstellung einer gemein­samen Kandidatur allerlei Schwierigkeiten er­wachsen. Unter diesen spielt begreiflicherweise die Erbitterung der Nationalliberalen über die Vorgänge in Koburg keine ganz geringe Rolle.

r. Durchsichtige Männer. Die ,PosL läßt sich aus Rom schreiben, daß die Aktion der Abgg. Dr. Bitter und Roeren bei der Mehrheit der vatikanischen Kreise Mißfallen errege. Man betrachtet diesen Plan als durchaus unzeit­gemäß und als geeignet, unter die deutschen Katholiken ein Element der Spaltung zu bringen. Der Vatikan werde indessen in diese Angelegen- hest nicht eingreisen und den führenden Miiglie- dern des deutschen Episkopates volle Aktionsfrei­heit lassen. — Wir zweifeln, ob die Zuschrift der ,Poftt wirklich in Rom versaßt ist, noch mehr aber, daß der Herr Berichterstatter in der Lage ist, über die Ansichten und Pläne im Vatikan Auskunft zu erteilen. Nachdem die gegnerische Preffe aus dm Blüten der Bitter-Roecen-Aklion keinen Honig zu saugen weiß, will sie wenigstens die Vorstellung ausrecht erhalten, daß die Zentrums­partei Beeinflussungen von Rom aus ausgesetzt sei. Immer das gleiche Manöver.

* Kaffeezoll und Kaffeepreis. Im Statt, garter ,De«tsch. Volksbl/ finden wir folgende Mitteilung. Ein Kaffeegroßhändler hat an seine Abnehmer, die Kleinhändler, ein Rundschreiben gesandt, in dem es u. a. heißt:

„Bezüglich der Verkaufspreise im Ladengeschäft mache ich Eie darauf aufmerksam, daß es sich für Sie empfiehlt, die bisherigen Preise für gebrannten Kaffee um 20 Pfg pro Pfund zu erhöhen. Die Zollerhödung beträgt allerdings nur 13 Pfg. für Sie, Sie wollen aber bedenken, daß Sie bei einer Preiserhöhung von 10 Psg. Geld zusetzen, falls Sie bei den bisherigen Sorten bleiben wollen. Eine Erhöhung um 15 Pfg. empfiehlt sich deshalb nicht, weil sich alsdann der Preis für das halbe Pfund in einen Bruchteil teilt.“

Tatsächlich beträgt die Zollerhöhung nur 10 Pfennig für das Pfund. Die Konsu­menten sollen also das Doppelte bezahlen! So will es die obige famose Begründung, zu der man nichts hinzuzufügen braucht.

+ Die Auszahlung der Lehrerbesoldungs­erhöhungen betreffend teilt die ,Nordd. Allg. Ztg/ mit:

Nachdem bereits Ende Juni ds. Js. der Minister der geistlichen rc. -Angelegenheiten im Einverständnis mit dem Finanzminister genehmigt hat, daß in den Fällen, in denen es keinem Zweifel unterliegt, daß der Lehrer (die Lehrerin) sich den Bestimmungen des neuen

Lehrerbesoldungsgesetzes unterwerfen 'wird, sogleich die erhöhten Alterszulagen für das Rechnungszahr 1908 — vorbehaltlich der demnächstrgen endgilttgen Regelung des Diensteinkommens — aus der Alterszulagekasfe ge­zahlt und die erforderlichen Mittel aus der Staats­kasse vorgeschofsen werden, sind nunmehr die Regie- rungen ermächtigt worden, in den gedachten Fällen auch die erhöhten Alterszulagen für das Rechnungs- fahr 1909, soweit sie fällig sind, alsbald zur Aus- »abluna zu bringen. Die Lehrer und Lehrerinnen werden also demnächst einen wesentlichen Teil der ihnen durch das Lehrerbesoldungsgesetz bereinigten Gehaltsaufbesserung erhalten haben. Die Regierungen sind ferner angewiesen worden, dahin zu wirken, daß den Lehrern und Lehrerinnen, die sich bereits für die neue Besoldungsordnung erklärt haben, die ihnen zu- stehenden erhöhten Bezüge an Grundgehalt, Amtszu- läge und Mietsentschädigung von den Schulverbänden, soweit diese nach ihrer finanziellen Lage dazu fähig sind, tunlichst bald gezahlt werden.

)(Der Zentralverband deutscher Industrieller will also doch trotz allen Entgegenkommens der nationalliberalen Partei bei den zukünftigen Wahlen selbständig vorgehen. Eine Aus- schußsitzung des Verbandes soll am 15. Oktober ds. Js. über die Bildung eines Wahlfonds der im Zentralverbande vereinigten Industrie Be­schluß fassen. Dadurch würde, wenn der Wahl­fond tatsächlich zustande käme, die nationalliberale Partei materiell stark geschädigt werden. Gerade die Jndustriewelt hatte der Partei bisher die so einflußreichen Wahlgelder gegeben. Entweder müssen sie nun ganz nach der Pfeife der Herren Schlotbarone tanzen oder sich darauf gefaßt machen, daß ihr Einfluß im politischen Leben so ziemlich auf den Gefrierpunkt sinkt.

)( Den Duellunfug scheint man endlich von oben herab etwas eindämmen zu wollen. Nach einer Berliner Korrespondenz ist nämlich eine kaiserliche Kabinettsordre, die neue Bestim­mungen über die Ehrengerichte der Offiziere, be- sonders erweiterte Vorschriften wegen Verhütung von Zweikämpfen bringen soll, in Vorbereitung, und wird demnächst bekanntgegeben werden. Vielfach hervorgetretene Zweifel in der Behand­lung ehrengerichtlicher Fragen, u. a. auch die bekannte Blankenburger Duellaffäre, bei der ein Oberleutnant fiel, Haden den Anlaß zur Neu- bearbeitung und Ergänzung von Teilen der alten Verordnung vom 2. Mai 1874 gegeben. — Das beste wäre, wenn jeder an einem Zweikampf be­teiligte Offizier ohne Gnade und Erbarmen aus dem Heere gestoßen würde. Dann würde der Duellunsug schon von selber aushören.

△ Durch eine Hungerkur wollen offenbar die „roten“ Genossen den „Revisionisten" Bernstein gefügig machen. Ein offizielles Ver­bot gegen die Au nähme Bernstein'scher Beiträge in die Parteipresse existiert zwar nicht, aber der Schriftsteller Eduard Bernstein wird so be­handelt, als ob, wie ein Berliner Blatt bemerkt, ein solches Verbot, mit der Todesstrafe für die Zuwiderhandelnden, erlaffen worden wäre. Bern- steins Bücher werden von der Parteipresse so gut wie totgeschwiegen, und dabei besteht das Hauptverbrechen Bernsteins nur darin, daß er im .Berliner Tageblatt' einen Artikel über den Mißbrauch des Sprachenparagraphen des Ver­einsgesetzes veröffentlicht hat. UebrigenS hat Bernstein angekündigt, daß er auf dem Leipziger Parteitage mit seinen Gegnern abrechnen werde. — Das kann wieder sehr nett werden.

□ Eine Gegendemonstration gegen den Katholikentag in Breslau planen nicht nur, wie alljährlich, die Sozialdemokraten, sondern auch

Deutsches Reich.

§ Zum Rücktritt Bülows.

Die ..Franks. Zig" bezw ihr Berliner Mitarbeiter nufffpn fick Taa für Tag mit neuen Nachweisen ao, daß Fürst Bülow von den Konservativen gestürzt wor­den fei Wir können nicht finden^ daß der Nachweis gelungen sei. Neuestens beruft sich das Bulow-Blatt auf die Autorität „der 90 Proz. der poliM Urtesi^ fähigen aller Parteirichtungen, auf die Mißtrauens Vota ansehnlicher Bruchteile der konservativen Partei gegen die Reichstagsfraktion und drittens — nmS ba8 Wichtigste sei —auf daS eigene Bekenntnis deS Fachen Bülow durch fein Interview im „Hamb. Kon DaS find aber in Wahrheit keine Beweise, denn hier ban­delt es sich um das einseitige ZeugnlS des Fürsten Bülow und seiner Freunde. Noch viel weniger ist als Beweis die beliebte Ausführung anzusehen, daß die Monservativen gewußt hätten, Füch Bülow werde :jbei der Ablehnung der Erbansallsteuer seine Entlassung 'einreichen, und daß sie trotzdem gegen die Steuer ge­stimmt hätten. Wenn daS als richtig unterfteBt wird, ist die Haltung der Konsewatwen zweifellos die nähere Ursache für Bülows Rücktritt gewesen. Mein ist diese Ursache als Verschulden anzusehen? Wie lag denn die Sache? Füch Bülow machte das Verhalten der Konservativen zur Voraussetzung für sein eigenes Ver­halten, ohne daß er es irgendwie notwendig gehabt hätte, diese Bedingung zu setzen. Der Jurist würde den Mann auslachen, der etwa feinem Nachbar er­klärte: Du mußt mir 1000 Mark leihen, sonst zünde ich mein Haus an, und nun den Nachbar aus Scha­denersatz verklagen wollte, weil er an der Schädigung ursächlich mitgewirkt hätte Ganz die gleiche Logik be­weisen Bülow und seine Trabanten, wenn sie den Sturz des Kanzlers den Konservativen als Schuld xnrechnen wollen. Die Liberalen aber bedenken dabei >td)t einmal, daß man ganz genau mit der gleichen Begründung auch sie für den Rücktritt Bülows ver- «ntworllich machen kann. Fürst Bülow hatte int Reichstage erklärt: er könne sein Amt nicht weiter führen, wenn der Liberalismus nicht mehr mittue. Die Liberalen traten in Opposition, und Bülow mußte also gehen, weil er fein Wort gegeben hatte, ohne den Liberalismus nicht zu regieren. Die Li­beralen tragen zweifellos an dem Rücktritt Bülows erheblich mehr Schuld, denn was Fürst Bülow von den Konservativen verlangte, konnte er mit keinem Recht beanspruchen, während er von den Liberalen nach ihren Versprechungen mit Recht hätte beanspruchen können, daß sie sich von der Mitarbeit nicht aus nichtigen Grün­den zurückzögen. Wir wollen auch den Liberalen nicht die Schuld geben, sondern sie allein dem geben, der sie in Wahrheit trägt Und das ist Fürst Bülow selber bezw. fein teils unkluges, teils sein nicht verfaffungs- gemäßes Verhalten. Irgend eine Partei ober Parla­mentsmehrheit ist cn dem Sturz des bierten Kanzlers unschuldig Sein Rücktritt ist vielmehr nach Ansicht der „Hamburger Nachrichten" daraus zurückzuführen, „daß er über das volle Vertrauen des Kai­sers, das er bis in die kritischen Novembertage des vorigen Jabres bejessen hat, nicht mehr zu ver­fügen hatte. Die Kanzlerstürzerei durch die Konser­vativen oder durch eine Parlamentsmehrheit ist eine Fiktion, die erst konstruiert worden ist, nachdem zu er­warten war, daß ein Bülow'sches Entlassungsgesuch bei der einzig und allein maßgebenden Stelle auf un­überwindliche Hindernisse nicht mehr stoßen würde; eine Fiktion, die die Tatsache verschleiern soll, daß dem Fürsten Bülore nach der Novemberkrisis das Vertrauen . und der Wille des Kaisers nicht mehr in ungeminderter Stärke zur Seite gestanden haben."

Die „Hamb. Nachr." erinnern ferner an die beiden letzten Reden, die Fürst Bülow im Reichstage ge- haüen hat. Am 26. Juni führte er über die Möglich­keit eines Kanzlerwechsels folgendes aus:

„Seit Wochen regen sich die Zeitungen darüber auf, ob ich gehe oder bleibe. Das hängt nicht von den Zeitungen ab, das hängt nicht von den Par- .teien ab, das hängt nicht ab von den Wünschen

meiner Gegner. Ich bleibe, solange Se. Majestät der Kaiser und König glaubt, daß meme Mttarbett an der auswärtigen und inneren Politik nützlich ist für das Reich."

Denselben Gedanken hat Fürst Bülow auch in sei­ner vorletzten Reichstagsrede vom SO. März ausgespro­chen, in der er sagte:

„Ich bleibe solange, als mir das Vertrauen Sr. Majestät des Kaisers zur Seite steht . . . Parlamen­tarische Schwierigkeiten können mir meine Ausgabe er­schweren ; sie entbinden mich aber nicht von der Pflicht, solange mein schweres Amt zu verwalten, als dies der Wille des Kaisers ist."

36. Jahrgang.

die freireligiöse Gemeinde und die Breslauer Gruppe der demokratischen Vereinigung. Daß gerade die letztere sich durch den Katholikentag zu einer katholikenfeindlichen Kundgebung veranlaßt sieht, ist bezeichnend für den Geist, der in dem „unentwegten" Flügel des Liberalismus herrscht. Auf den „Massenandrang" zu diesen Versamm­lungen dürften die Herren übrigens lange warten.

<£> Darmstadt, 20. Aug. 1909. Bekanntlich nahm die nationalliberale Preffe nach dem Aus. tritt der Abgg. Graf Oriola und Freiherr von Heyl aus der Reichsfraktion den Muni recht voll, indem sie diesen langjährigen Führern des hessischen Liberalismus ein furchtbares Scherbengericht durch den Landesausschuß an­drohte. Nach den damaligen Ausführungen auch der hessischen liberalen Preffe hätte man annehmen sollen, das Volk in Stadt und Land habe die Erbansallsteuer mit großer Begeiste­rung begrüßt und verurteilte es auf das schärfste, daß sie mit Hilfe der liberalen Outsiders ge- fallen ist. Wir haben schon damals, als das Kesseltreiben gegen daS Zentrum wegen seiner ablehnenden Haltung zur Erbschaftssteuer seinen Höhepunkt erreichte, darauf aufmerksam gemacht, daß von einer Begeisterung für diese zu Gunsten des mobilen Kapitals das immobile Kapital und den Mittelstand in hervorragendem Maße treffende Steuer in den breiten Maßen des Volkes nicht das Geringste zu verspüren ist, und daß die gegenteiligen Behauptungen der liberalen Presse nichts weiter als Humbug und Schwindel sind. Inzwischen hat diese Er­kenntnis solche Fortschritte gemacht, daß man nicht gerne die Probe auf das Exempel machen möchte und das Scherbengericht gegen den Wormser Freiherrn vorerst aufgeschoben hat. Zwar hat noch vor kurzem ein liberales Organ, das Mainzer Tageblattt, gewaltig mit dem Säbel geraffelt und gemeint, wer solche Diszi­plinlosigkeiten im liberalen Lager begehe, müsse aus der Partei nach sozialdemokratischem Muster hinausfliegen — aber man wird es wohl bei diesem Zornesausbruch bewenden lassen, denn es könnte zu leicht das Geschoß auf den Schützen zurückprallen. Die Wormser Vertrauens­kundgebung sür Herrn von Heyl liegt ohne­hin den liberalen Führern Hessens schwer im Magen und auch der Hinweis auf die Notwen­digkeit der im klebrigen bei der nationalliberalen Fraktion recht seltenen Parteidisziplin vermag die unangenehme Tatsache nicht aus der Welt zu schaffen, daß noch vor Jahresfrist alle natio­nalliberalen Parteigrößen die Erbanfall- steuer in Grund und Boden verdammt und letztere in der Kommission mit Hilfe der libe­ralen Mitglieder abgelehnt worden ist. In­zwischen setzt die liberale Preffe trotz dieser klaren Sachlage ihren Verleumdungsfeldzug gegen das Zentrum mit ungeschwächten Kräften fort. Man sucht das Volk gegen die neue Reichstags­mehrheit aufzuwiegeln und entblödet sich nicht, unter offenkundiger Verdrehung der Tatsachen die Sachlage so hinzustellen, als ob bei Durch­führung der Finanzreform durch den Bülowblock die Steuerzahler von den indirekten Steuern verschont geblieben wären. Auch die linkslibe­rale Presse beteiligt sich an diesem widerlichen Treiben, das geradezu eine Vergiftung des politi­schen Kampfes bedeutet.

Sonnenlerrchten.

11] Roman von Erich Friesen.

Weshalb soll sie auch mit ihrem Schwager nicht Boot fahren? Weshalb sich das harmlose Vergnügen seiner Unterhaltung versagen? . . . Vorsichtig hilft er ihr beim Einsteigen. Sie setzt sich ans Steuer, er nimmt die Ruder. Ab stößt das Boot vom S-mb. Kaum ein Wort fällt zwischen den beiden. Still ge­nießt sie die Poesie des Augenblicks — ganz im Banne einer überwältigenden Natur. .

Ha, wie die Sonnenlichter über den ruhigen Was­serspiegel dahinzittem und tief hinein den Meeres- grund erhellen! Welch wundersame Zauberwelt da ^nten! . Leuchtende, smaragdgrüne Grasflächen mit flammenden Blumen. Ueppig bemooste Felsblöcke in magischem Grün. Strahlende Sandflächen, von denen farbenschillernde Steine gleich riesigen Juwelen 7.e?lH.'“^en. Daneben tiefschwarze Abgründe — zu tief die tanzenden Sonnenstrahlen .

trhiiA "icht satt sehen an dieser fast über-

NH" Pracht. Stumm bleibt ihr Mund. Nur VersunNeit f« °»l °us ihrer

zurück," sagte sie leise.

furchte, ich habe nicht recht getan, mit Ihnen D°ot zu fahren, Orlanbo!"

~ ’®arum nicht, Mirra? In meinem Schutze sind eie* hot jeder Gefahr!"

Sie lächelt ein wenig.

recht'^A.gewiß. Aber - Teresita--ob es ihr

„Warum sollte es chr nicht -»

hn flicke begegnen sich - tief und

6oäri der Seele des anderen lest»,

fern? @ebeimn'iah^Iuftrtt e§ nicht über den Was- Sind es die G-m Ä' gespenstisch, lockend? .... S bie $r£^ bec Verstorbenen? Sind

-elfen JntSrT0 Holungen, welche gleich Licht- el en in weißglitzernden Gewändern über die Erde huschen? Sind es die lindverhallenden letzten Scb nin Lungen unerfüllter Wünsche, welche, bevm sie ginfunb

für immer verklingen, mit ihrem Zaubergetön nochmals das Herz der armen Menschenkinder erzittern las­sen? .

Leise Röte stieg in Mirras Wangen. Und auch Orlandos ©tim färbt sich dunkler. Mit raschen Ru­derschlägen treibt er das Boot dem Ufer zu. Schwei­gmd legt er an. Schweigend reicht er Mirra die Hand zum Aussteigen. Und schweigend lehnt sie feine Hülfe ab.

Es ist, als habe sich plötzlich eine unsichtbare Kluft zwischen ihnen aufgetan. Als Mirra und Orlando die Terrasse deS Hauses betreten, finden sie Teresita und ihre Eltern in lebhafter Unterhaltung. Ein ra­scher, finsterer Blick aus Teresitas Augen trifft erst dm Gatten . . bann dir Schwester.

„Wir sprachen soebm von dem jungm Marchese Malotti!" ruft sie mit gezwungenem Lachen. „Es ist doch wohl keine Indiskretion, nicht wahr, mein klei­nes Schwesterchen, Wenn ich dir jetzt schon zu deiner Verlobung gratuliere —"

Orlando fühlt, wie eine Blutwelle ihm zum Her­zen schießt. Starr blickt er Mirra an.

„Ich verstehe Dich nicht, Teresita!" hört er Mirras tiefe Stimme sagen

„Nicht? Ich denke, der Marchese hat um Deine Hand angehalten, kleine Heuchlerin!"

„Bis jetzt noch nicht."

„Und wenn er es nächstens lut?"

„So werde ich ihm die richtige Antwort geben."

Teresita beißt sich auf die Lippen. Wieder trifft ein fast gehässiger Blick das schlanke, blonde Mädchm, das so ruhig und hoheitsvoll dasteht, als ahne es nichts von den Qualen der Schwester.

Bald drängt der Oberst zum Aufbmch. Er fühlt, eS schwebt etwas In der Lust, das der Entladung nahe ist. —

Die ©an MarkinoS sind gegangen.

Mit finster zusammengezogenen Brauen steht Tere­sita am Fenster und blickt ihnen nach. Plötzlich wen­det sie sich und tritt dicht an Orlando heran, der in einer Zeitung blättert.

„Wo warst Du so lanae? •

Ruhig blickt er auf.

„Ich bin Boot gefahren."

„Allein?"

„Zuerst allein Dann —"

„Dann mit Mirra, nicht wahr?"

„Ja"

Teresitas Hände ballten sich.

„Hältst Du ftir lorrett, mit einer fangen Dame allein auf dem Meer herumzugondeln?"

„Mirra ist Deine Schwester, Teresita!"

„Aber ich bin Deine Frau! Du hast nicht die ganze Familie geheiratet, sondern nur mich!"

Orlando steht auf unb legt den Arm um Teresitas Schulter. Er fühlt, wie ihr ganzer Körper bebt vor Erregung.

„Bist Du eifersüchtig, Teresita?"

Hari lacht sie auf

„Unsinn! Auf ein solch kleines Mädchen!"

„Nun also! Dann fei vernünftig. Mirra ist ein Kind, dessen Unschuld schon durch bas geringste Atom eines Verdachtes beleidigt wird —"

„Aber Du! Du!" ruft sie leidenschaftlich, seine Hände an ihre Brust pressend. „Du bist kein Kind! Tu stehst unter dem Bann ihres Liebreizes —"

Du redest irre, Terestta!"

Ein tiefer Seufzer entringt sich ihrer Brust.

„Du liebst mich also noch, Orlando?" ruft sie lei­denschaftlich. „Ach, Du weißt ja nicht, was ich leide!"

Sanft nimmt er ihren Kopf zwischen seine beiben Hände unb blickt ihr voll ins Gesicht.

Die schwarzen Augm funfeln. Die feinen Nasen­flügel beben. Die Lippen sind halb geöffnet, als wollten sie die Antwort von seinem Munde trinken.

Wieder steht er ganz im Bann ihres leidenschaft­lichen Temperaments.

„Ja, mein Weib Ich liebe Dich." erwiderte er ernst.

„Nur mich?"

„Nur Dich!"

8

„Mso, mein verehrter Signor della Rocca — Sie wollen mir wirklich nicht ein paar kleine Winke geben

über die Chancen der einzelnm Pferde, welche nächsten Monat beim Wettrennen laufen werden?"

„Nein, Graf Tosti. Ich rede nie über interne An­gelegenheiten."

„Aber — hm, ich möchte auf eines der Tiere wet­ten unb weiß nicht, auf welches. Wir stehfs mit Ihrem Pluto? Hat er Chancen?"

„Auch über Pluto kann ich Ihnen keine Auskunft geben . .. Zudem — das Tier gehört meiner grau!"

„Ah, hm — so! . . . Ich habe übrigens Ihre hochgeschätzte Frau Gemahlin lange nicht gesehen. Es geht ihr doch gut?"

„Danke. Es geht ihr gut."

Orlandos Ton ist kühl, fast abweisend. Doch den Herrn Grafen scheint dies nicht im mindesten zu ge­nieren Er ist hergekommen, um Frau Teresita della Rocca zu sprechen; so leicht gibt er sein Ziel nicht auf.

„Könnte ich der liebenswürdigen Frau Gemahlin nicht vielleicht meine Verehrung zu Füßen legen?" beginnt er aufs neue. „Ich hätte ihr so manches zu erzählen, was sie vielleicht intereffieren würde —*

Mit unverkennbarer Geringschätzung blickt Orlando den Grafen an.

„Sie — ? Sehr liebenswürdig, Herr Graf; abe, — meine Frau ist nicht zu sprechen."

Das war deutlich

Graf Tosti erhebt sich

„Aeh, hm . . . bitte also, Ihrer Frau Gemahlin meine atterunteriänigften Empfehlungen zu übermit­teln . . . Adieu, lieber Signor della Rocca! Auf Wiedersehen beim Wettrennen I Und viel Glück! Viel Glück!"

Nur leicht berührt Orlando die ausgestreckte Hand des Grafen. Er hctt von jeher eine unüberwindlich« Abneigung gegen die aalglatte Geschmeidigkeit dieses trockenen Schleichers und begreift nicht, wie sein Schwiegervater ihn in seinen Salons empfangen kann. Befriedigt atmet er auf, als die Tür sich hinter dem mit geckenhafter Eleganz gekleideten unwillkommenen Besucher wieder geschlossen hat.

(Fortsetzung folgt.)