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z.^yayäler"w Fulda Wochenbeilage: „Illustrierte Sonntagrzeitmig
Fulda, Samstag den 21. August 1)09
J\ß 190
Er: Les HLcrtt
und Breslau,
Dr Porsch.
Zeppelin. Nicht Berlin, auch im
zu wollen.
Ruhpolding (Oberbayern) cm 20 August 1909.
Freiherr von Hertling.
Kaiser Wilhelm und Graf nur von den Behörden der Stadt
tLgllch ml Auruahme der Sonn« *nb Feiertage, viertel- flhrttcher Sezugrpreir ebne vriagerlohn und SesteltgeldinMda jo- aurwactZ 1-50 1hl
verantw. RedaUem LD.: ä. Defclet;
kommen. Von Herrn Demburg wird gerühmt, daß mit ihm der kaufmännische Geist in unsere Kolonialverwaltung eingezogen sei. Soll dieser Geist zum Nutzen unserer Kolonien und auch des Deutschen Reiches wirken, so wird er sich frei halten muffen sowohl von phantasievollen Spekulationen, wie auch von jedweder Unterstützung geschäftlicher Machinationen, welche nicht emster kaufmännischer Natur sind, sondern im letzten Ende einen Raubzug auf die Taschen des großen Publikums bedeuten. Andem- falls wird man das Wirken des Herrn Dernburg nicht als einen Gewinn buchen können.
Deutsches Reich,
)( An die Mitglieder der Zentrumspartei. Die Vorsitzenden der Zenlrumssraklionen des Reichstages und des preußischen Landtages, veröffentlichen in der,Germanictt folgende Bitte:
Gemäß der von deni rheinischen Provinzialausschuß der Zentrumspartei gegebenen Anregung wird sich der Landesausschuß der preußischen Zentrumspartei, verstärkt durch die süddeutschen Vorstandsmitglieder der Reichstagsfraktion des Zentrums sofort beim Wiederzusammentritt des Reichstages mit der neuerdings zur Diskussion gestellten Frage zu befaffen haben, wel- ches der eigentliche Charakter der seit 40 Jahren bestehenden Zentrumspactei ist.
Mit Rücksicht hierauf richten wir an alle unsere Freunde im Lande die dringende Bitte, einstweilen und bis dahin von jeder Erötterung dieses Gegenstandes in der Presse und in Versammlungen absehen
deutsche Regierung hat ihre Teilnahme an der Konferenz, die Frankreich zur Regelung des Luftschiffsverkehrs vorgeschlagen hat, zugesagt. Bestimmungen über den Zeitpunkt und den Ort der Konferenz sind bisher noch nicht getroffen worden. Die französische Regierung ist damit beschäftigt, ein bestimmtes Programm für die Konferenz aufzustellen. Es handelt sich im wesent- lichen darum, daß für alle Arten Luftschiffe und Flugmaschinen internationale Bestimmungen getroffen werden, nach denen bisher strittige Fragen ihre Erledigung finden. Hierhin gehört u. a. die Zollbehandlung in fremden Ländern, die Landungsbedingungen, sowie Führung von Erkennungsmarken und nationalen Abzeichen.
-7- An den Kaisermanövern in Württemberg werden die Erzherzoge Franz Ferdinand und Franz Salvator teilnehmen, ebenso der österreich sche Generalstabschef v. Hoetzendorff. Ferner wird dem „Tag" aus London gemeldet, daß General Hamiltons der sich bekanntlich auch zu den russischen Manövern begibt, ebenfalls zu den geladenen-Zuschauern bei unseren großen Herbstübungen gehört.
)( Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg hat sich am Freitag auf feine Besitzung Hohen-Finow in der Mark Brandenburg begeben, von wo aus er die Regierungsgeschäfle weiter leiten wird.
)( Der neue Kriegsminister v. Heeringen, bisher kommandierender General des 2. (pommer- schen) Armmekorps, empfing ein Mitglied der in Stettin erscheinenden .Ostseeztg/, das ihn über seine Pläne befragte. Die Ausbeute ist recht gering. Die Frage nach seinem Programm wurde mit dem Satze abgemehrt:
„Ein Programms Ich liebe dos Programm, das für jeden preußischen Kriegsminister gegeben ist." Größere Heeresverstärknngen seien nicht beabsichtigt. Stuf die Frage, ob die nächste Zeit einen beschleunigten Ausbau der Lustschiffstolte bringen wurde, erwiderte, der Minister: „Ich weiß darüber noch nicht mehr wie jeder andere, und was ich eben auch den Zeitungen entnommen habe. Metz und Köln haben jetzt ihre Luflsch.ffstalionen, und wenn ich nicht irre, stand kürzlich in den Zeitungen, daß auch Mainz in Aussicht genommen sei."
lieber die Bedeutung unserer Luftschiffsysteme äußerle der Minister:
„Nach meiner Meinung haben alle drei Systeme nebeneinander ihre Berechtigung, wie im Heere auch schwere und leichte Artillerie nebeneinander ihre Existenzberechtigung besitzen. Das starre System des Grafen Zeppelin wird für große Fahrten von einem bestimmten Ausgangspunkte aus seine Vorzüge haben, während das unstarre des „Mililärluflschiffes" dank der leichten Berpackungs- uns Transportmöglichkeit sich mehr für die Aufklärungsarbeit im Felddienste eignen durste. Ueberhaupt stehen wir ja in der ganzen Luftschiffahrt noch im Anfang der Entwickelung."
Der Aussrager berichtet bann noch, daß er den Eindruck gehabt habe, der Wechsel im Kriegsministerium fei ein reiner Personenwechsel, kein Systemwechsel. Etwas anderes war wohl nicht zu erwarten.
* Unnötige Geldverschwendung ist, wenn der Iserlohner Kreisanzeiger recht berichtet ist, beim Besuch des Kaiserpaares auf der Hohen- syburg getrieben worden. Der Iserlohner Kreisanzeiger schreibt:
Konnte nicht die gleiche Würde mit all den erhebenden Momenten vollauf gewahrt werden, wenn für den ein stündigen Besuch des Kaiserpaares keine 7000001% verausgabt worden wären? Mich dünkt die Summe an der Aufenthaltszeit gemessen enorm hoch; die hohen Besucher scheiden natürlich bei der Ventilierung der Frage vollständig aus, denn die Huldigung der Märker wäre auch mit weniger
O Unerfreuliches aus der Kolonial- Berwaltung.
Lor einigen Wochen hat es in Politischen Kreisen mie auch in Finanzkreisen ziemliches Aufsehen erregt, daß ein amtliches Telegramm des Gouverneurs von Deutsch-Südwestasrika. Diamantenfunde auf ben geb bcm der South African Territories Co. ankündrgte und damtt natürlich den Shares dieser Gesellschaft an der Berliner Börse einen bedeutenden Kursaufschwung verschaffte Mit den Verhältnissen dieser Gesellschaft Vertraute schentten der Meldung trotz ihres amtlichen Charakters keinen Glauben, sie wußten, daß die Leitung der Gesellschaft, die ganz unter englischem Einfluß steht, schon des öfteren mit vagen Gerüchten über Diamantenfunde ein skrupelloses Spiel getrieben hotte. Der Kolonialverwaltung in Berlin ist auch bald zu Gemüte geführt worden, daß bk amtliche Empfehlung der englischen Gesellschaft in diesem Falle so unangebracht wie nur möglich gewesen ist und sie erließ eine Erklärung, daß die Meldung voreilig gewesen sei. Den darauf erfolgten Kurssturz — die Shares, die einen Nennwett von 20 Sh. haben, waren nach der ersten amtlichen Meldung auf 42 hinaufgegangen — versuchte die englische Verwaltung durch die Ankündigung einer Erklärung aufzuhalten, wonach sie in der Lage sei, die Meldung von Diamantenfunden aufrecht zu erhalten; mit Rücksicht auf diese Ankündigung fielen die Kurse nur auf 35 Sh.
Die Kolonialregierung hat nun, wie bereits mitgeteilt, auf den Diamanffeldern der Gesellschaft durch Sachverständige Untersuchungen betreffend Diamant- vorkommen anstellen lassen, deren Resultat für die Gesellschaft und deren Geschästsgebahren vernichtend ausgefallen ist. Die Tätigkeit der beiden Sachverständigen ist vollständig ergebnislos verlaufen. Die Antwott der Berliner Börse auf die amtliche Feststellung war ein Kurssturz der Shares von .35 Sh. auf 18 Sh., ein weiteres Fallen der Papiere ist zweifellos. Man darf abwarten, daß die englische Grün- dergrsellschast nunmehr ihr Spiel ausgespielt hat, allein der schwere Verlust, der den deutschen Geld- markt getroffen hat — im ganzen handelt es sich um fast 10 Millionen Mark angelegten Geldes — ist nicht wieder gut zu machen, und daran wird auch nichts ge- ändett werden, wenn die eingeleitete gerichtliche Untersuchung die Schuldigen, ivelche das Schwindelmanöver in Szene gesetzt haben, der verdienten Strafe überlieferte Eine ernste Mahnung aber ergibt sich aus dein Vorgang für unsere Kolonialverwaltung. Man kann es ja verstehen, daß sie gerade aus Südwestafrika günstige Meldungen zu bringen sucht. Aber für unser Volk ist es auf die Dauer doch unzweifelhaft am besten, wenn es stets nur die reine Wahrheit erfährt und nicht durch allzu rosige Nachrichten getäuscht wird. Man hat mit Recht seinerzeit seiner Verwunderung darüber Ausdruck gegeben daß StaatssÄkretär Dernburg die Behauptung aufftellte der Diamantenreichtum Südwestafnkas sei auf eine' Milliarde zu schätzen, eine Behauptung, die sachlich gar nicht zu beweisen war Im Falle der South Afncan Teritories Co kann die Kolonialverwaltung von einer schweren Fahrlässigkeit nicht freigesprochen werden, sie hat sich tatsächlich mitschuldig gemacht an der Schädigung, welche der deutsche Gelbmarkt durch jene Gesellschaft erlitten hat. Daß die Gesellschaft in ihren Mitteilungen wenig vertrauenswürdig war, hätte man auch in den Kreisen unserer Kolonialverwaltung wissen dürfen, auf jeden Fall aber hätte die Kolonialverwaltung die ernste Pflicht gehabt, ehe sie die Meldung von Diamantenkunden mit amtlichem Charatter versah, sich von der Wahrheit der Meldung zu überzeugen. Wäre sie rich- tig gewesen, so wäre sie zweifellos auch nach dem Abschluß der amtlichen Untersuchung früh genug ge=
36. Iahrqcmsi.
Kaiserhause selbst ""den Vorkehrungen für die Ankunft des Grafen ?elin getroffen, denn der Gras wird Gast des Kc:. rrpaares fein und im Schloß Wohnung nehmen Wie der „Tag" mitteilt, soll Graf Zeppelin auch der Einweihung der neuerbauten Garnisonkirche am 29. August und der Herbstparade am 1 September im Gefolge des Kaisers beiwohnen. Es ist hierbei angeregt worden, das rnilitärische Schauspiel auf dem Tempclhofer Felde, dem diesmal nicht nur Erzherzog Franz Ferdinand, fonbern auch ein englischer Gast, der Minister Churchill, sowie einige türkische unb japanische Offiziere beiwohnen dürften, dadurch besonders iuteressant zu machen, daß möglicherweise der „Z. 3" an der Parade beteiligt ist, um bei dieser Gelegenheit auch den Garnisonen gezeigt zu werden. In Hofkreiscn will man Anzeichen dafür haben, daß der Kaiser nicht abgeneigt ist, seinen Wunsch, einmal im „Zeppelin" auf- zust eigen", zu verwirklichen Der Kaiser besitze ausführliche Beschreibungen der Aufstiege des Kron- pnnzen unb des Königs von Württemberg, die ihn an der Hand eines persönlichen Vottrages des Kron- pnnzen über diese Materie sehr gefesselt haben. Der Kaiser und die kaiserliche Familie werden die Landung des Grafen Zeppelin in Berlin auf dem Tempelhofer Felde im Kasino des Königin-Augufta-Garde- Grenadierregiments st'r 1 erwarten. Der Kaiser hat, wie bereits gestem von uns gemeldet, dem Grafen Zeppelin nach Friedrichshafen eine Depesche gesandt, worin er ihm mit Rücksicht auf seine Rekonvaleszenz den Vorschlag macht, mit der kaiserlichen Familie zusammen die Ankunft des Luftschiffs in Berlin zu erwarten. Graf Zeppelin dankte in seiner Antwort für ben hulbvollen Beweis ber kaiserlichen Fürsorge um ihn unb bat, bie Einladung ablehnen zu dürfen, da yie kurze Luftfahrt von Bitterfeld nach Berlin für ihn eher eine Erholung bedeuten würde.
[] Neber Deutschlands Teilnahme an der Luftschiffskonferenz teilt die ,Postt mit: Die
Hunderttausenden genau so überwältigend und für das Kaiserpaar genau so ergreifend gewesen. — Mit Verland also, meine Herren, hier hübe man ruhig einen Hauch der modernen Zeitkrankheit, genannt „Sparsystem", fühlen sollen.
Sollte diese ungeheure Summe auch nur annähernd verbraucht worden fein, fo müßte man, wie die .Germania' mit Recht bemerkt, einen solchen Aufwand als bodenlose Verschwendung brandmarken.
* Veteranenehrensold. Vom Reichstag wurde bekanntlich kurz vor Schluß der Session ein Gesetzentwurf angenommen, der ben Kriegsteilnehmern einen Veteranensold zubilligt. Es find nun mehrfach entsprechende Anträge bei den Behörden eingegangen, die aber bisher nicht berücksichtigt werden konnten. Der Grund ist dar n zu suchen, daß bas Gesetz vom Bunbesrat bisher noch nicht erledigt würbe unb daher noch nicht in Kraft getreten ist. Es ist aber laut der ,Rat.-Ztg/ zu erwarten, daß dies im Herbst sobald als möglich geschehen wird. Unterstützungsbedürftigen Kriegsteilnehmern mit einem jährlichen Einkommen von unter 600 Mk. und einem Alter von über 60 Jahren steht bekanntlich eine jährliche Beihülfe von 120 Mk. zu.
A Wassermann nicht mandatsmiide. Herr Fuhrmann erklärt, mit seiner Aeußerung über die Mandatsmüdigkeit Bassermanns mißverstanden worden zu sein. Er schreibt:
„In ber Versammlung in Lyck griff ein konservativer Parteisekretär in maßloser Weise bie „lanb« wirtschastsseiiidliche" nationalliberale Partei und insbesondere ihre Führung an, die bei der Reichsfinanz- reform durch ihr Abseitsstehen versagt und ber Fraktion die Zustimmung zur Erbschaftssteuer nicht aus sachlichen Gründen, sondern nur zu dem Zwecke aufgenötigt hätte, um die konservative Partei auf die Knie zu zwingen. Hierauf erwiderte ich, daß der Vorwurf der Landivirtschaftsseindlichkeit von konservativer Seite ein Akt der Undankbarkeit sei gegen den Abg. Bassermann, der als Führer unsere Fraktion in dem schweren Kampfe um den Zolltarif im Interesse unferer Landwirtschaft ein gut Teil feiner Gesundheit geopfert hatte, und daß der Vorwurf des tatenlosen Abseitsstehens am wenigsten ihn treffe, der auch bei diesen inneren und äußeren Kämpfen fo wenig Rücksicht auf seine Gesundheit genommen hätte, daß er sich zuweilen die Frage hätte vorlegen müssen, ob fein Gesundheitszustand es ihm erlaube, bei den nächsten Wahlen wieder zu kandidieren. Die Fraktion und die Partei ist mit mir einig in dem Wunsche, daß eS uns gelingen wird, wenn der Zeitpunkt der Wahlen kommt, Herrn Bassermann zu bewegen, solche momentanen Bedenken zurückzustellen. Er wird dies umso leichter tun angesichts der Fraktion und der Gesamtpartei, die auf dem letzten Parteitage einen so glänzenden und erhebenden Ausdruck gesunden hat."
* Tie freisinnigen Fufionsverhandlungen rufen jetzt selbst ben Spott liberaler Blätter hervor. Vor allem bie freisinnige Provinzpreffe hat wenig Hoffnung auf eine liberale Einigung unb zeigt dadurch, daß sie über bie Stimmungen in ben liberalen Kreisen viel besser unterrichtet ist, als bie Berliner Presse in ber Zimmer- unb Jcrusalemerstraße. Trotzdem durch die Blockära fast jeder Unterschied zwischen der freisinnigen Vereinigung und freisinnigen Vottspattei verwischt wurde, können sich ihre Patteiblätter noch keineswegs vertragen. Gegenseitig suchen sie sich ihre Abonnenten wegztlschnappen und werfen sich vor, die Uneinigkeit im liberalen Lager unnütz gefördert zu haben. Bemeckenswert ist in dieser Beziehung eine Auslassung der freisinnigen „Breslauer Zeitung", welche der Freisinnigen Vereinigung vorwirft, daß sie jetzt wieder „im Wege des Ueberfalls" einen neuen Vorstoß macke, um von vornherein vor dem Publikum diejenigen ins Unrecht zu setzen, bie über bas Verhältnis ber linksliberalen Parteien anberer Meinung seien, als bie Fremnnige Vereinigung. Das „Berliner Tageblatt" bemerkt selbst zu biefer Auslassung ber
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10] . Roman von Erich Friesen.
Es ging solange, bis bem „Grafen" bas Gelb, welches er burch Beppos „Handwerk" und den Verkauf einiger Diamanten erlangt, ausgeht. Er sinnt mis einen neuen Coup.
Da hott er von dem bevorstehenden glänzenden Fest in der Villa Fortuna auf Capri, und daß eine Anzahl der reichsten neapolitanischen Damen anwesend sein wird. Natürlich auch die älteste Tochter des Obersten. Ha, ein Wink des Schicksals! Er kennt bie Einrichtung des Hauses genau. Unb Fmu Bart- leys Diamanten haben ihm schon längst in bie Augen gestochen. Was Wunber, baß er sofort beschließt, in Begleitung „seines Schülers" ber Villa Fortuna einen Besuch abzustatten!
Wenn er geahnt hätte, welch grauenvolle Tragöbie sich an btefen „nächtlichen Besuch" knüpft! Eine ^Tragöbie, bie auf eine ganze Reihe von Menschm- schrcksalen vernichtend wirft!
7.
Die Hochzeit ber schönen Teresita Bartley mit Orlando bella Rocco — war vorüber. Nach einer iturjen Hochzeitsreise durch die Schweiz ist das junge Paar nach Neapel zurückgekehtt
Oberst San Mattino atmet auf. Seine Befürchtungen, Teresitas leidenschaftlich impulsives Temperament würde zu Orlandos kühler Reserviertheit wenig Paffen, sodaß es bald zu unerquicklichen Szenen kommen würde, scheinen sich nicht zu verwirklichen. Die Ehe ist eine durchaus glückliche — wenigstens in der ersten Zeit.
Die junge Frau hat sich zu ihrem Votteil verändert Sie erscheint ruhiger, weiblicher, weniger nervös zerfahren.
Nicht mehr jagt sie wie früher von einem Vergnügen ins andere. Ja, Orlando ist es fast, als meide sie Menschen, als sei sie am zufriedensten in ihrem Heim, allein Mit ihm. Daß diese plötzliche Vorliebe für
Einsamkeit bei einer Natur wie derjenigen Terc- sitas etwas unnatürliches ist, fällt ihni nicht weiter auf
Nur einmal, als die Rede auf das bevorstehende Wettrennen fornrnt, schleicht sich ein erregter Wortwechsel em Teresita ecklärt mit aller Bestimutthett sie werde sich an den Wetten beteiligen.
Orlando erschrickt. Der Oberst hatte ihn vor der Hochzeit gewarnt. Teresitas Mutter sei eine Spielerin gewesen und habe ihr halbes Vermögen verspielt.
"34 möchte nicht daß Du auf Pferde wettest, Te- resita," sagt er deshalb etwas erregt.
„Warum nicht?"
„Es ist nichts für Damen.'
„Ich sehe nichts Unpaffendes darin
„Das nicht gerade. Aber es regt unnötig die Nerven auf und —"
„DaS will ich ja gerade!" fällt sie heftig ein „Teresita!"
Er legt den Arm um ihre Schulter und blickt forschend in das finstere Gesicht seiner Frau.
Rasch macht sie sich von ihm los.
„Sieh mich nicht so inquifitottsch an! Es tut mir weh!"
„Aber Teresita!"
Der Ton seiner Stimme klingt vorwurfsvoll
Da svringt sie auf und wirst sich ihm stürmisch an den Hals.
„Verzeih mir, Liebster! , Verzeih mir! Ich bin nun einmal so! Ich hab' Dich ja so lieb! So lieb!' . . Und gerade deshalb —"
Leise schluchzte sie auf.
Wie einem Kinde streicht er ihr beruhigend über dos schwarze Kraushaar.
„Du wirft also nicht wetten, Teresita, nicht wahr?"
„Nein."
„Bestimmt nicht?"
Sie wird schon wieder ungeduldig.
Ich sagte es ja schon! . , . Wenn meine Laune sich nicht etwa wieder ändert —" fügt sie achselzuckend hinzu.
'„Teresiia!!"
Diesmal ist er ernstlich böse.
Das reizt ihren Widerspruch.
„Du mußt doch wiffen, daß ich kein Engel bin!" ruft sie mit verletzendem Spott. „Warum hast Du nicht Mirra geheiratet! Dann —"
Sie bricht ab.
Orlando ist aufgesprungen Tiefe Blässe bedeckt sein männliches Gesicht.
Welcher Dämon gab ihr jene Wotte ein! Gedanken, die seit seiner Verheiratung sich schon oft in Orlandos Seele geschlichen, die er aber mit eiserner Gewalt stets wieder zurückivies — —feine eigene Frau spricht sie aus!
„Warum hast Du nicht Mirra geheiratet!!"
Als lese sie ihm die Gedanken von der Stirn ab, lacht Teresita plötzlich laut auf und verläßt, ohne noch ein Wort zu sprechen, das Zimmer, die Tür heftig hinter sich zuschlagend
Orlando hott es kaum. Ein mächtiger Kampf tobt in feinem Innern. Er zieht sich in die Einsamkeit seines Arbeitszimmers zurück unb stützt ben Kopf in bie Hand. Ja, warum hat er nicht Mirra gcheira- tet? Warum t-ieb ihn sein böser Dämon, bie glänzendere Schwester zu wählen? . . . Wie war es möglich, daß er sich von Teresitas nichtssagendem Geplauder, ihrem gimnbeu Lachen, ihrem ganzen oberflächlichen Getue betören lassen konnte? Während im geheimen vielleicht em junges Herz ihm in stiller Neigung entgegenschlug? . . .
Dann wieder schilt er sich, daß er seine Frau so hart beurteilt. Was hat sie eigentlich verbrochen? Sie ist launenhaft unb reizbar. Wußte er das nicht längst? Schon lange bevor er daran dachte, sie zu seinem Weibe zu machen? . . . Was wirst er ihr also vor? In einem Anflug von Reue begibt er sich nach ihrem Zimmer, um sie zu einer Booifahrt aufzufordern, zu der sie sonst stets bereit ist. Doch heute verspürt sie keine Lust dazu Sie habe Kopfweh und wolle allein sein.
Verstimmt schlendert Orlando durch den Hüten- duftenden Gatten, hinunter zum Meeresstrand. Er bindet sein Boot vom Pflock und läßt es treiben von
den leise schaukelnden Wellen . . . Unb wieber überfallen ihn die Gedanken . . .
Als er nach längerer Zeit das Boot wieder zurück- rudett nach bem Anlegeplatz seines Gattens, bemerkt er auf bem etwas erhöhten, von ben Wassern umspülten Ausiichtspunkt, ben eine kleine, mit Steingutfliesen belegte, mosarkverziette Halle schmückt, eine unbeweglich bastehenbe weiße Gestalt.
„Mirra!"
„Hat er es laut gerufen? . . . Er sieht, wie bie schlanke Gestalt bort oben zusammenzuckt unb sich rasch entfernen will. Mit ein paar Ruderschlägen bringt er bas Bot vollends an Land.
„Bleiben Sie, Mirra! Gehen Sie nicht fort!"
Wie widerstrebend wendet sie sich um.
„Ich glaubte, meine Phantasie spielt mir einen Streich I" ruft er erregt. „Woher kommen Sie? Sind Sie allein hier?"
Sie schüttelt den Kopf.
„Nein. Meine Eltern sind drinnen bei Teresita. Wir siedeln morgen früh für einige Wochen nach Capri über Da wollte ich Abschied nehmen von meinem Lieblingsplatz hier!"
„Son ber kleinen Halle am Meeresufer?"
,3a.'
„@8 ist auch mein Lieblingsplatz, Mirra. Tere- stta mag ihn nicht, er ist ihr zu öbe."
Sie entgegnet nichts. Träumerisch ruhen ihre Blicke auf bem jetzt glatten blauen Wasserspiegel. Kein Wellengekräusel, kein Wogengeflüster — nichts Eingeschlafen bas ganze Meer, baliegenb in seliger Ruhe. Eingeschlafen ber sich bas Ufer hinziehenbe Olivenhain. Eingeschlafen ber Gesang ber Vöglein in ben dunklen Zypressenzweigen ...
„Dars ich Sie ein wenig h'mausrubern in bie Herrlichkeit ba braußen, Mirra?" Er fragte es saft schüch- tem.
Sie zögert. Dann sagt sie mhig:.
„Gern, Orlando"
(Fortsetzung folgt.)'