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«vitlöo, Freitaa den 20. August 1909

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vollste Freiheit in Weltcmsckaungssragen nach

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36. Iahrqaus.

r«;ekgev: Tte em> spaMge Petitzeile oder deren Raum 15 pfg. llellamendiepetitzeile 25 Pfg., bei wieder« Holungen wird entspr.

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Grundsätzen ihres katholischen Glaubens sich zu richten und für diese vom Boden der Verfasiung und der staatsbürgerlichen Parität aus unter aller gebotenen Rücksichtnahme auf die andersgläubigen Volksgenossen einzutreten.

6. Diejenigen Organe der Zentrumtzpreffe .welche den von verschiedenen Seiten gemachten Versuchen, den Charakter des Zentmms zu verwischen, freimütig und mannhaft entgegen getreten sind, verdienen die Aner­kennung und den Dank der gesamten Zentrumspartei

)( Die Unstimmigkeiten zwischen Berlin und Lippe-Detmold wurden von einigen Blättern dieser Tage wieder erörtert, da der Kaiser nicht zu der Detmolder Hermannsfeier eingeladcn worden war. Nach der einen Darstellung sollte Fürst Leopold diese Einladung des Kaisers nicht gewünscht haben. Nach einer anderen Lesart wurde jedoch nur aus dem Grunde von der Ein­ladung abgesehen, weil dadurch das Fest einen zu großen Umfang angenommen hätte. Die letztere Darstellung scheint auch tatsächlich die richtige zu fein, denn sonst wäre die amtliche Meldung schwer zu verstehen, wonach der Fürst Leopold zu Lippe durch Allerhöchste Kabinetts­ordre vom 16. August ä la suite des 1. Garde Ulanenregiments gestellt worden ist.

Deutsches Reich.

][ Zur Aktion Roeren-Bitter.

In der Dienstag abgehaltenen Versammlung des Augustinus-Vereins, welche sowohl hinsichtlich der Zahl wie der persönlichen Be­deutung der Anwesenden die gehegten Erwar­tungen bei weitem übertraf, wurde folgende Resolution angenommen und zwar in allen Punkten einstimmig, mit Ausnahme des letzten, gegen welchen sich 3 Stimmen erhoben:

1. Der Augustinusverein erkennt keinerlei Bedürf­nis an, eine Definition des Zentrums aufzustellen, da das Zentmm durch sein Programm, durch die Erklä- tungen seiner Begründer und Führer (Pet. und Aug. Reichensperger, v. Mallinckrodt, v. Ketteier, v Fran- ckenstein, Windihorst, v. Schorlemer-Alst, Dr. Lieber) sowie durch seine Gesamttätigkeit seit nahezu 40 Jah­ren gegen jede Mißdeutung seines Charakters und sei­ner Bestrebungen hinlänglich gesichert erscheint.

2 Sollte sich jemals die Notwendigkeit ergeben, das Zentrum zu definieren, so wäre es an erster Stelle "Sache der geordneten Partelin- st a n z e n, insbesondere der Fraktionen des Zen­trums, eine solche Definition in Vorschlag zu bringen und zu begründen.

3. Jeder Versuch, an dem politischen nichtkon- sesiionellen Charakter der Zentrumspartei zu rütteln, muß gru ndfätzlichabgewiesen werden. Eine Verwischung dieses Charakters würde die Mions­fähigkeit der Fraktion empfindlich lähmen und es ihr auf die Dauer unmöglich machen, vom festen Rechtsbo­den der Verfassung aus alle ihre großen Aufgaben in unserem Volksleben, insbesondere auch den wirksamen Schutz des Rechtes und der Freiheit der katholischen Kirche auf deutschem Boden, mit Erfolg wahrzuneh­men.

4. Es gehört deshalb zu den vornehmsten Aufga­ben der Zentrumspresse, solchen Versuchen mit dem­selben Nachdruck entgegenzutreten, wie es seinerzeit die Führer des Zentrums getan haben, und immer wieder erneut den politischen nichtkonfessio­nellen Charakter des Zentmms da zu betonen, wo die Zentrumspartei als ein konfessionelles Gebilde hingestelft wird.

5. Der politische nichtkonfessionelle Charakter des Zentmms läßt seinen katholischen Mitgliedem die

* Zur Kritik der Tabaksteuer.

-tm Sein* Tagebl." hatte der nationalli­berale AbgDr. Weber die Wertbesteue­rung 'des ausländischen Rohtabaks einer emgehen- den, sowohl nach der sozialen wie nach der steu^tech- nischen Seite des Gesetzes hin stteng absprechen­den Krittk unterzogen, in ähnlicher Weise wie es auch in der vom Zentralbüro dec na t i on al li De­ra I e n Partei herausgegebenen Broschüre über die Reichsfinanzreform geschehen ist. Dazu wird in den , Berliner Reuest. Rachr." von sachverständiger Seite folgende interessante Ausführung gemacht:

„Zunächst ist es nicht nur der Abg. Müller-Fulda gewesen, der in den. neunziger Jahren den Rohtabak­wettzoll zur Diskussion stellte, vielmehr geschah das durch einen von ihm in Gemeinschaft mit dem Abg. Paasche (ntl.), Dr. Schultz-Lupitz (Rp.) und v. Massow (kons.) gestellten Antrag. Wenn der Wett­zoll trotzdem keine Berwittlichung fand, so nur des­halb, weil man bis in die jüngste Zeit daran festge- balten hat, daß man bei einem Wertzoll, der den Ta­bak in einem frühen Stadium der Wettbildung träfe, alhu sehr auf unsichere Schätzungen angewiesen sei, eine Wettbesteuemng aber auf Grundlage des von dem Fabrikanten gezahlten Preises die Bedenken gegen eine Fabrikatsteuer wieder aufleben lassen würde. Erst dem die Gmndlage des Tobaksteuergesetzes vom 15 Juli 1909 bildenden Antrag, der Mitte März von nationalliberaler Seite der Subkoin- mission unterbreitet wurde, war es beschieden, die überwiegende Mehrheit der Finanzkommission von der Durchführbarkeit selbst zu überzeugen. Vorstellungen der Interessenten, auf die der neue Plan zu über­raschend toirlte, um sogleich durchführbar zu erschei­nen, gelang es allerdings schnell, die Antragsteller dem Wettzoll wieder abwendig zu machen. Daß aber, wie in dem angeführten Artikel, auch neuerdings gegen die Tabaksteuer polemisiert wird, ist um so verwunder­licher, als in fast allen Kreisen der Tabakindusttte die Ueberzeugung von der zwanglosen Durchsührbatteii der Fatturenwettsteuer seit Wochen Platz gegriffen hat. . . Freilich ist nicht zu bestreiten, daß der Wett­zoll steuerpolitisch berechtigten Anspttichen insofern nicht ganz genügt, als den jüngsten Meldungen nach beispielsweise die 5-Pfg.-Zigarre um 1 Pfg., die 10- Pfg.-Zigarre um 2 Pfg. teurer werden soll, während die tatsächliche Mehrbelastung durch die Steuer bei der ersteren 14 Pfg., bei der letzteren kaum 1 Pfg. be­trägt. Doch ist eine derartige Preiserhöhung ein Vorgang, der leider auch bei anderen neuen Steuern beobachtet ist, und der sich erst allmählich überwinden lassen wird, wenn die Vorzüge des freien Wettbewerbs wieder voll in die Er­scheinung getreten fein werb en. Noch zu einer weiteren Feststellung gibt der besprochene Ar- tckel Anlaß. Er enthält nämlich eine herbe Verur­teilung der Zigarettensteuer, die damit begründet wird, daß man die Zigarettenindustrie doppelt getrof­fen habe, einmal durch die Erhöhung der Banderolen- steuersätze, das andere Mal durch den Rohtabakwett­zoll. Tatsächlich ist aber die banderolensteuerpflich­tige Zigarette von dem Rohtabakwettzoll gänzlich be- frett geblieben.*

So der Sachverständige in den „Bett Neuesten Nachr.*, dessen Urteil für das Gebaren der National- liberalen wenig schmeichelhaft ist. Es mag an dieser Stelle auch noch erwähnt werden, daß das „Leipziger Tagebl*, in dem jetzt der nationalliberale Dr. Webrr seine „vernichtende* Ktttik über den Fakturenwert­zuschlag veröffentlicht, in seiner Nr. 144 vom 24. Mai einen Artikel von „hervorragend kaufmännischer Seite* veröffentlicht hat, in welchem die Durchführbatteit deS Wertzolls eingehend und durchschlagend be­wiesen worden ist. Bei den Nationalliberalen geht's auch wie bei Eulenspiegel: „Wie'S trefft I*

Srschriri täglich tri Ausnahme der Sonn« unb Leiertage, viertel­jährlicher vezugsprek ohne vringerlohn und Bestellgeld in Zulda so­wie auswärts 1.50 MIL verantw. Redakteur LV.: 2L wetzler;

--- Neber die Maßlosigkeiten bei der Ueber- wälzunq der neuen Steuern erhält die ,TSgl. Rundsch/ eine Zuschrift von bestunlerrichteler Seite. In derselben wird ausgeführt: Unter den neuen Steuern sind es lediglich diejenigen auf Bier, Branntwein, Tabak, Kaffee und Streich- Hölzer, die den Massenverbrauch treffen. , Sie sollen im ganzen 285 Millionen Mark erbringen. Das sind 4,40 Mk. auf den Kopf der Bevölke­rung im Jahr oder für eine fünsköpfige Familie wöchentlich 421/* Pfg. Es lag in der Absicht des Gesetzgebers, diese Steuern auf den Ver­brauch abzuwälzen. Damit wollen sich aber die in Betracht kommenden Industriellen und Händler nicht begnügen, sondern sie führen ihrerseits Zuschläge hinzu, die die tatsächliche Steuer um das Vielfache übertreffen. Während die Verbrauchssteuern insgesamt, wie gesagt, 285 Millionen Mark erbringen sollten, versucht man jetzt die Preise um 1250 Millionen Mark zu erhöhen. Mehr als das Vierfache dessen, was die Konsumenten an das Reich zur Gesun­dung seiner Finanzen leisten sollen, will man ihnen danach abfordern.

△ Die deutsch-russischen Grenz-Zwischenfälle, die in der letzten Zeit mehrfach zu verzeichnen gewesen waren, scheinen beiderseits die Absicht hervorgerusen zu haben, Vorkehrungen zu treffen, um in Zukunft solchen Zwischenfällen vorzubeugen. In den letzten Tagen fanden an der schlesisch- russischen Grenze mehrere Termine wegen der vorgekommenen Grenz - Zwischenfälle statt. Die Termine wurden vom Landrat des Kreises Katto- witz und dem Bezirks-Chef von Bendzin geleitet. Dieser versprach, in Zukunst für einen größeren Schutz der deutschen Grenznachbarn vor den russi­schen Kugeln Sorge zu tragen. Der Grenzsoldat, der in der bekannten Bienhofpark - Asfaire zahl­reiche Schöffe auf preußisches Gebiet hinüber ab­gab, soll seiner Bestrafung entgegensehen.

& Das neue Vereinsgesetz dürste auch auf der Breslauer Katholiken versa mm tun g seinen „Segen" zeigen Nach polnischen Mel­dungen hat nämlich der Breslauer Polizeipräsi­dent die Zulaffnng der polnischen Sprache in einigen Versammlungen, die speziell für den nur polnisch sprechenden Teil des katholischen Vo kes Obersch'.esiens anberaumt werden sollten, nicht gestattet. Und ein solches Vereinsgesetz hat der Freisinn gebilligt! Wir meinen, wenn irgendwo ohne Gefahr für den Staat eine fremde Sprache als Versammlungssprache zugelafsen werden kann, so kann dies bei Katholikenoer- fammlungen geschehen. Hier wurde doch noch nie ein Wort gesprochen, das den Staat irgend­wie gefährdete.

4- Das Programm der 22. Generalver­sammlung des Evangelischen Bundes, die vom 23. bis 27. September in Mannheim stattfindet, wird jetzt vom Vorstand veröffentlicht. Der Zentralvorstand des Evangelischen Bundes erläßt folgenden Ausruf:

„Der Protestantismus im öffentlichen Leben unseres Volkes! Das ist der Grundgedanke der diesjährigen Generalversamintung, die den Führern und Gliedern des Evangelischen Bundes neue kraftvolle Anregung geben soll zu wehrhaftem Wirken im Dienste unserer deutsch-evangelischen Sache, llnersrenliche Wandlungen im öffentlichen Leben drohen hohe nationale Hoffnungen ,u vernichten! Berechnende Herrschsucht einer ultramontanen Minderheit will wiederum die bebauerliche Parteizersplitlerung zur politischen Vor­herrschaft ausnutzen. Eine erneute klerikale Minder­heitsherrschaft in Mutterlands der Reformation be­

deutet den konfessionellen Krieg und die Gefährdung der wertvollsten Grundlagen der deutschen Kultur! Gegen diese Gefahr ruft deshalb der Evangelische Bund zu deutsch-protestantischer Abwehr auf! Tiesbegrundete Begeisterung für die Befreiungstat der Reformation wecken, tatenstarke Einigung des Protestantismus för­dern, charakletvolle Auswirkung evangelischen Geistes­lebens stärken, das ist unseres Bundes herrlicher Beruf. Das ist auch der Weg, dem deutschen Protestantismus die ihm gebührende Stellung im öffentlichen Leben zu erringen zum Segen unseres Vaterlandes, zur Sicherung des konfessionellen Fttedens, zur Erhaltung der edelsten Volksgüter. Für diese Aufgaben wird unser Bund volles Verständnis auch in Baden, im Lande Friedrichs des Deutschen, finden, wo er zum ersten Male zu einer Generalversammlung sich vereinigte

Nach dieser Einladung verspricht die heurige Generalversammlung des bekanntlich „unpoli­tischen" Evangelischen Bundes ja wieder recht interessant zu werden.

[] In den Kreisen der mittleren Zollbeamten wird neuerdings das Gerücht verbreitet, es jei beabsichtigt, die Stellen der Oberzollinspek- toten künftig ausschließlich mit Juristen zu be­setzen. Ein weiteres Gerücht geht sogar dahin, die Hauptzollämter sowohl wie die Oberzoll- direktionen sollten ganz beseitigt und an ihre Stelle kleinere Zolldirektionen errichtet werden, die dann unter gänzlicher Ausschaltung der aus den Supernumeraten heroorgegangenen Beamten nur noch mit Juristen als leitenden Beamten beseht werden würden. Diese Gerüchte entbehren, wie die ,Nordd. Allg. Ztg.' feststellt, jeder tat- sächlichen Unterlage; Aenderungen der bezeichneten Arten in der Organisation der Zollbehörden sind nicht beabsichtigt.

(*) Tie Mitarbeit der Revisionisten an nichtsozialdemokratischen Blattern ist den Radi­kalen von jeher ein Dorn im Auge gewesen. Berliner Blätter haben letzthin Artikel von Eduard Bernstein veröffentlicht, der dadurch den größten Unwillen der ,Leipz. Volksztgft erregte und sie veranlaßte, die Schale des Zornes über den ab­trünnigen Genossen und gleichzeitig damit über das „revisionistische Bäckerdutzend in der Partei vom Schlage der Bernstein, Heine, Frank und der schwäbischen Köniqsbesucher" zu ergießen. In seinem Handeln müsse die Partei mit Recht eine absichtliche Provokation erblicken, die den Anschein erwecke, als wolle ein gewisser KceiS innerhalb der Partei es auf dem Leipziger Kon­greß zum Skandal treiben. Das Vorspiel zum Parteitage ist schon im schönsten Gange.

* Das Preßbureau nationalliberal. Die ,Naiionalliberale Korrespondenz' will es nicht gelten lassen, daß das amtliche Preßbureau rrit nationalliberalen Männern besetz! ist. Demgegen­über stellt die ,Kreuzztg/ fest:

„Der Leiter des Preßdezernats im Auswärtigen Amt erzählt selbst in dem Nachschlagebuch „Wer ift's?", er sei 1877 bis 1893 ständiger Mitarbeiter der ,Schief. Z«g.', des ,Hamb. Korresp.', der .Münch. Allg. Ztg.' und des ,Pester Lloyd' gewesen. Der Leiter deS literarischen Bureaus des Staatsministeriums, der einer’ großen Einfluß auf die offiziöse Presse hat, war btt zum Anttttt dieser Stellung Redakteur deS Lannoo. Kourr.'.*

Das genügt wohl; aber der Oeffentlichkeit wird nun auch manches erklärlich erscheinen.

4- Dem Bericht des sozialdemokratischen Partei- vorstanoes entnehmen wir weitere Einzelheiten aus den Kapiteln Presse und Kasse. Der „Vorwärts* hat einen Reingewinn von 111142,90 Mk. zu verzeichnen. 1 123151,45 Mk. hat er an Abonnementsgeldern und 433 424,30 Mk an Jnferateneinnahmen verdient. Die „Neue Zeit* hat mit einem Defizit abgeschlossen. ES beträgt 634,39 Mk., dagegen der „Wahre Jakob*

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SonnenLeuchten.

9] Roman von Erich Friesen.

Beppo starrt seinen Gefährten noch immer ver­dutzt an

„Von der Frau Bartley — Winke?* wiederholt et nochmals. „Wie beim?*

„Das ist meine Sache. UebrigenS — man mun­kelt, daß Frau Bartleh bald nicht mehr Frau Bart- leh heißen wird.*

„Sondern?*

„Frau della Rocca*

„Oh!* macht Beppo bebauemb. „Ich meinte immer, bet Herr Graf hätte selbst großes Interesse -für die Frau Bartley —*

„Hab' ich auch!*

„Wenn sie aber den della Rocca heiratet —*

bleibt mein Interesse dasselbe.*

„Oh —!*

Beppo stößt einen leisen Pfiff aus. Dann leert er seinen Humpen in einem Zuge.

Die bärtigen Lippen des Grafen aber umspielt ein listiges Lachen.

„Verstehst Du nicht mein Junge, was? Bist manch­mal etwas auf den Kopf gefallen .... Ra, schadet nichts. Tu nur Immer, was ich Dir sage, Verstan­den?*

Ja. Herr Graf.*

Und der Graf bestellte zwei neue Humpen Wein.

1— Psbetn Morgen den Grasen Riccardo TosÜ auf der Via Roma ,det elegantesten brm Neapels, dahinjagen sieht, hin nach

borneBmff, oberen Zehntausend, wo et mit den

ESI fallieren Billard spielt ,die feinsten SS St0U$Lunb «ine Sektflasche nach der an- KJEÄ” Iä6t — niemals würde et in diesem £nn „ s ^rrn den schäbigen Bummler wiedetet- rennen, der erst geftem abend mit einem noiottschen

Spitzbuben in einet der verrufensten Spelunken Nea­pels ein Stelldichein hatte.

Wie eS kommt, daß dieser hochgeborene Graf ge­wissermaßen ein Doppelleben führt? Heute in Frack, Lack und Claque als gern gesehener Gast der besten Familien Neapels? Morgen vielleicht in schäbigem Anzug und Knüttelstock, bewaffnet mit Dietrich und Revoftwt auf bet Suche nach einem „Coup*? Sehen wir uns diesen Gentleman etwas genauer an!

Graf Riccardo Tosti entflammt einer verarmten Florentiner Adelsfamilie. Sein kleines Vermögen hat er früh verjubelt, und es gatt, darüber nachzudenken, auf welche Weise er sich weiter durchs Leben schlagen will.

Graf Riccardo Tostt findet heraus, daß er gut Un­terschriften nachmachen kann. Dieses Talent kultiviert et fortan, bis man ihn in Florenz bei einer solchen rentablen Beschäftigung einmal ertappt und ihn wegen Wechselsälschung drei Jahre ins Zuchthaus steckt.

Als Graf Riccardo Tosti wieder ans Tageslicht kommt, versucht er es in Genua mit Falschspielen. §t hat Glück. Einem reichen Esel gewinnt er ein paar Tausend Franken ab. Mit dieser Summe schifft er sich nach Südamerika ein. Unterwegs lernt er einen vielfachen Millionär Fernandos Alvarez kennen, bet von Europa nach Brasilien zurückfährt.

Durch fein gewandtes Wesen und allerhand Kniffe und Tricks macht Graf Tosti sich bei dem frohsinnigen Brasilianer beliebt — so beliebt, daß die beiden bald unzertrennlich find. Daß Fernandos Alvarez unter­wegs verschiedene der kostbaren Geschenke, welche er aus Europa seiner Frau und seinen Töchtern mit- bringen will, vermißt, ändert an der Sache nichts. Der brave Brasilianer kommt gar nicht dazu, sich übet den Verlust zu ärgern. Er hat genug zu tun, um seinen „lieben Grafen* zu beruhigen, der untröstlich scheint und schimpft und flucht auf bas „verflixte Diebsgesin- bel,* vor bem man nirgends Ruhe hat.

Schließlich bittet Fernandos Alvarez seinen neuen Freund sogar, ihn auf seine Besitzung in bet Nähe von Rio be Janeiro zu begleiten und bort sein Gast zu seift so lange eS ihm beliebt. Und Gras Tosti ist „so lie­benswürdig*, bie Einladung anzunehmen.

Sennora Alvarez und ihre beiden Töchter em­pfangen den Freund ihres Gatten und Vaters mit offenen Annen. Wie zur Familie gehörig wird er betrachtet und überall mitgenommen — in die vor­nehmste Gesellschaft Rio be Janeiros, in bie Theater, auf bie Rennplätze.

Graf Tostis „Geschäft" blüht. Von jeher wat er ein leidenschaftlicher Verehrer von Diamanten, und manche glutäugige brasilianische Schöne vermißte nach einem Tanz mit bem „liebenswürdigen Grasen* ihr Bttllantarmband ober ihr edelsteingeziertes Riechfläsch­chen. Doch niemand würde wagen, auch nur daran zu denken, daß Graf Tosti, der Freund des hochgeachteten Femandos Alvarez--um Gotteswillen, nein!

Ein Vierteljahr bleibt Graf Tosti als Gast auf der Besitzung feiner „geliebten Freunde*. Dann hält er es für an der Zeit, sich zu verabschieden, um sich einen anderen Schauplatz für feine Heldentaten zu suchen.

Die ganze Familie weint. Jede der beiden Töch­ter würde gern als seine Frau mitgehen. Aber Graf Tosti liebt seine Freiheit. Und die beiden Fräuleins sind ihm auch zu häßlich. Sein Schönheitssinn würde verletzt werden durch den beständigen Anblick einer Frau mit gelbbraunem Teint, kleinen Schlitzaugen und Wulstlippen.

Als der Dampfer mit dem Grafen Tosti an Bord von Rio de Janeiro abdampft, steht die ganze Familie Alvarez und Dutzende ihrer Freunde und Freundinnen am Hafenkai. Taschentücher wedeln. Tränen flie­ßen. Begeisterte Rufe: „Auf Wiedersehen! Auf Wiedersehen!' fliegen bem Dampfer nach.

Und Graf Tosti wedelt ebenfalls mit einem weiß­seidenen Taschentuch und schreit au8 Leibeskräften zurück:

„Auf Wiedersehen!'

Dann setzt er sich an Deck und überlegt, was et brü­hen in Europa anfangen soll. Diamanten hat er ge­nug in seinem Kabinenkoffer. Aber Geld? Damtt ist eS schlechter bestellt.

Da hört et unten vom Zwischendeck her heftiges Gezänk

„Der Kerl hat mir meine silberne Uhx gestoh­len!* kreischt eine Frauenstimme.

Graf Tosti tritt an die schmale Schiffstreppe, die hinunter ins Zwischendeck führt. Unten ein Knäuel von erhobenen Annen, geballten Fäusten und leiden­schaftverzehrten Gesichtem. Ein schmächtiger, rothaa­riger Bursche zieht heulend eine Uhr aus der Tasche seines Kittels.

„Hmit ihn, den Dieb! Haut ihn!*

Schon will man sich wieder auf den Burschen stürzen. Da regt sich in dem Grafen Tosti oben an Deck etwas wie kollegiales Empfinden. Er ruft den Burschen zu sich herauf und unterhält sich mit ihm. Dabei erfährt er, baß Äeppo kein Villet hat, daß er sich als blinder Passagier auf dem Dampfer einschmug­gelte.

Graf Tosti kaust ihm ein Zwischendeckbillet, wäh­rend in seinem erfinderischen Kopf ein neuer Plan reist. Der Bursche ist jung, dummschlau, gerieben — das richtige Material für seine Zwecke. Zuerst gilt es, Beppo auf dem Schiff zu rehabilitieren.

Am nächsten Tage vermißt der Kapitän nach einer gemütlichen Kneiperei mit verschiedenen Passagieren, unter denen sich auch Graf Tosti befand, feine Dia­mantnabel, bie ihm ein exotischer Souverän einmal verehrte Alles brücft bem Kapitän seine tiefste Tell- nahme zu dem Derlusi aus.

Am meisten Graf Tosti.

Er rät dem Kapitän, zur Wiedererlangung feinet kostbaren Nadel zwanzig Franken Belohnung auszu­setzen — „für den ehrlichen Finder*. Der Kapitän tut'8.

Am folgenden Morgen bringt schüchtern und ver­legen der Beppo aus dem Zwischendeck dem Kapitän die Brillantnadel, die er zwischen einem Haufen von Tauen gefunden, und steckt schmunzelnd bie zwanzig Franken ein

Graf Tosti aber dreist laut die Ehrlichkeit deS armen Burschen. Seitdem hängt Beppo mit schwärme­rischer Verehrung an seinem Wohltäter, und Gras Tosti hat leichtes Spiel, sich den jungen Menschen, der ohnehin der „geborene Dieb* ist, für feine Zwecke kl J