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Maer W Zeitung

l/par$e!ler in Zulda. wochenbellaee: „Illustrierte Sonntagrzeitung"

yulda, Mittwoch Den 18. August 1909

36. Jahrgang

Anzeigen: Die eto> spaltlgepetttzelleoder Uten Raum ZS pfg.' »MamendiepetitzE 25 Pfg^ bet wieder«' Holungen wird entspr.

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Zerusprechcr Ur. 9.

Mnatrbeilage: „Wdaer Geschichtrblaüer"

Erscheint täglich mi Uurnahme der Son«« «nd Zeiertagr. viertel­jährlicher Bezugspreie ohne vringerlohn und Bestellgeld in 5»lda so­wie auswärts 1-50 lut.

Berantw- Redaiteur LA. wetzler;

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Erstes Wlcrtt.

Veuischer Reich.

** Berlin, 17. Aug. 1909. Der Reichs- kanzler v. Bethmann-Hollweg, Rittmeister a. D., zuletzt Oberleutnant des 2. Aufgebotes der Garde- Kavallerie (Potsdam) ist unter Verleihung des Charakters als Major mit der Berechtigung zum Tragen der Uniform des 1. Garde-Dragoner- Regimentes Königin Viktoria von Großbritannien und Irland bei den Offizieren ä la suite der Armee angestellt worden. — Als Vertreter Deutschlands wird der Vorsitzende des Flotten­vereins, Großadmiral v. Köster, an der Spitze eines deutschen Geschwaders an den amerikani- ichen Hudson.Feierlichkeiten, zu denen be­kanntlich die Vertreter aller Nationen eingeladen sind, teilnehmen. — Der württembergische König hat dem bisherigen preußischen Kriegs­minister v. Ei ne m das G ro ß kr eu z des Kronen- ordenS verliehen.

K, Der Kaiser hörte am Dienstag auf Schloß Wilhelmshöhe den Vortrag des Chefs des Zivil« kabinetts von Valentini. Im Lause des Tages begab sich Reichskanzler von Bethmann-Hollweg zum Vorträge beim Kaiser undzur Teilnahme an der morgigen Feier des Geburtstages des österreichischen Kaisers Franz Joseph nach Wilhelmshöhe.

):(Freiherr Marschall von Bieberstein, der -eutsche Botschafter in Konstantinopel, ist be- kanntlich vor einigen Tagen in Berlin eingetroffen. Allgemein hat man dies in Zusammenhang mit der Kretafrage gebracht. Offiziös wird nunmehr erklärt, der Besuch des Botschafters hätte ledig­lich den Zweck, dem neuen Reichskanzler seine Aufwartung zu machen. Frhr. o. Marschall pflege alljährlich an dem Diner teilzunehmen, das der Kaiser jedesmal am Tage des Geburts­tages des österreichischen Kaisers Franz Joseph gibt, und er habe sich bereits am Dienstag zu diesem Zwecke nach Wilhelmshöhe begeben. — Mir dieser offiziösen Erklärung mag es ja seine Richtigkeit haben, aber es kann doch nicht daran gezweifell werden, daß der Kaiser die Gelegen­heit benutze, sich mit seinem Botschafter in Kon­stantinopel eingehend über die Kretasrage zu unterhalten.

△ Der Hansabuud erfährt in letzter Zeit im­mer mehr Widerstand in Mittelstandskreisen. Auch die 22. Hauptversammlung des deutschen Zentralverbandes für Handel und Gewerbe hat am Montag zu dem Hansabund Stellung genommen. Schon im Jahresbericht gellte der Vorstand fest, daß fast sämtliche Vor- standsmitglieder, sowie die erdrückende Mehrheit der Detaillisten im allgemeinen und des Zentral­verbandes im besonderen dem Hanstrbunde keine Sympathie entgegenbringen. Der Verbandsvor­stand war dann auch in seiner Sitzung am ©onn»

4".dem Beschluß gekommen, daß es nicht dien­lich Jet, vom Standpunkt der Wahrung der Jn- teressen des Zentralverbandes ans zu der Frage betreffend den Beitritt zum Hansabunde eine be­stimmte Stellung zu nehmen, vielmehr müsse man den einzelnen Mitgliedern ihre Stellung­nahme überlasten. Der Vorstand bat die Haupt­versammlung, den gleichen Standpunkt einzuneh- meri. Diese Stellungnahme des Vorstandes be­deutet. bei Licht betrachtet, soviel wie ein vollstän­diges Abrücken vom Hansabund. Auch

das Organ der deutschen Mittelstandsvereini- gung, die „Deutsche Mittelstandszeitung", brachte dieser Tage eine Kundgebung, worin der Mittel­stand aufgefordert wurde, von dem Hansabunde abzurücken. Den Eindruck, den diese Kundgebung natürlich in der Oeffentlichkeit machte, sucht der Hansabund jetzt dadurch abzuschwächen, daß er er­klärt, die erwähnte Kundgebung entbehre der satzungsgemäßen Gültigkeit, da sie nicht auf einem ordnungsmäßigen Vorstandsbeschluß beruhe. Wir meinen, wenn die führenden Mitglieder eines Verbandes ihre Ansicht zu einer Frage zur Kennt­nis bringen wollen, so bedarf es durchaus noch nicht eines regelrechten Vorstandsbefchlusses. Sonst hätten die Vorstände der einzelnen Ver­bände viel zu tun, wenn sie zu den ständig auf­tretenden neuen Fragen erst dann Stellung neh­men dürften, wenn unter großen Zeit- und Geld­verlusten eine regelrechte Vorstandssitzung einbe- rufen worden sei.

* Eine Steuer auf die Armut wollte ein l i b e- r a l e r Börsenmann einführen. Bei der Konfe­renz der Bankwelt im Reichsschatzamte schlug ein Börsianer allen Ernstes eine Steuer auf die Pfandscheine vor. Aber dieser Vorschlag wird noch in den Schatten gestellt durch eine Idee, die in den Reihen des Freisinns viel Anklang gefunden ha. Bei den Pfandscheinen würde man ja auch manchmal noch den Leichtsinn treffen, der aus Unbedacht alles versetzt; weit mehr aber noch die Armut. Ganz anders ist es aber noch mit etnem freisinnigen Vorschläge, der bei der Steuer­debatte im Reichstage auftauchte und der von frei­sinnigen Abgeordneten allen Ernstes in der Presse gemacht worden ist. Das ist eine Steuer auf die Kaffeesurrogate. Der freisinnige Abg. Hermann hat am 25. Juni im „Tag" den Vorschlag gemacht, man möge nicht den Zoll auf Kaffee erhöhen, son­dern man solle eine Steuer einführen auf Malz- kaffee, Zichorie usw. Er berechnet von einer solchen Steuer insgesamt 30 Millionen Mark Ein­nahme. Im Reichstage hat der freisinnige Abg. Pachnicke diesen Vorschlag auch bespro­chen. Es steht also fest, daß man in freisinnigen Kreisen Lust und Neigung batte, diese Artikel zu besteuern, und zwar sollte diese Steuer nach den Berechnungen Hermanns gleich 30 Millionen JH bringen. Jedes Pfund Zichorie wäre da minde­stens mit 40 steuer belegt worden. So der freisinnige Steuervorschlag. Nun fragen wir: -ver bätte diese Steuer bezahlen müssen? Nur die Aermsten. Denn die reichen Leute können ihren Kaffee so nehmen, daß sie gar fein Ersatzmittel notig haben; die Armen aber, die jede Bohne zählen müssen, die sie zu ihrem Kaffee nehmen, diese hätten die horrende Steuer zu tragen gehabt. Der Freisinn schreit draußen im Lande immer, wie er für die Armen habe sorgen wollen; im Reichstage aber haben seine Abgeordneten eine Steuer auf d i e Armut vorgeschlagen.

— In den Kreisen des Tabakgewerbes besteht bezüglich der unverzollten aus­ländischen Tabakblätter, die sich am 15. August in einer öffentlichen Niederlage oder einem Privatlager unter amtlichem Mitverschluffe befinden, vielfach die Ansicht, daß diese seitens des Verkäufers (Händlers) angemeldet werden müssen, auch wenn er sie auf feinen Namen lagern läßt, aber bereits an einen Verarbeiter (Fabrikant von Tabakerzeugniffen) verkauft hat. Wie die ,Nordd. Allg. Ztg/ erfährt, ist diefe Ansicht nicht zutreffend. Zur Anmeldung unver­zollter ausländischer Tabakblätter, und zwar bis zum 21. August l 909 ist nur jeder Verarbeiter (Fabrikant) verpflichtet, sofern er diefe Tabak­blätter in einer öffentlichen Niederlage ooer in seinem Privatlager unter amtlichen Mitverschluffe lagern hat.

0 Bierkrieg in Berlin. Der Bierkrieg ist nunmehr auch in Berlin ausgebrochen. Nach­dem die Ringbrauereien das Verlangen der Gast­wirte, einen Mindestverkaufspreis für die Gast­wirtschaften festzusetzen, abgelehnt und selbständig eine Erhöhung des Preises für Lagerbier um 3.50 M. pro Hektoliter beschlossen hatten, haben jetzt die Vorstände sämtlicher für Berlin in Frage kommenden Gastwirtskorporationen dem Verein der Brauereien mitgeteilt, daß sie auf weitere Verhandlungen nicht mehr eingehen und den Brauereien nur einen Aufschlag von 2.50 Mk. pro Hektoliter, den wirklichen Steuerbetrag, be­willigen würden. In einer Massenversammlung, Die der aus 35 Vereinen bestehende Verband der Gast- und Schankwirte für Berlin und die Pro­vinz Brandenburg einberufen hatte, wurde ein­stimmig eine Resolution angenommen, in der es u. a. heißt: „Die Versamm ung protestiert ent­schieden gegen das Verfahren des Vereins der Brauereien Berlins und Umgegend und erklärt, die von diesem Verein geplante Erhöhung des Hektoliterpreises um 3.50 M. ablehnen zu müssen. Da die Brausteuererhöhung pro Hektoliter nicht mehr wie 2 50 M. beträgt, so erklären die Ver­sammelten, die Geschäftsverbindungen mit den­jenigen Mitgliedern des Vereins der Brauereien abbrechen zu müssen, die einen höheren Aufschlag als diesen Betrag verlangen.

Eine Erhöhung der Mannschaftslöhne für Heer und Flotte, wie sie ursprünglich be­absichtigt war, wird, wie die.Deutsche Tagesztg/ mitteilt, der nächstjährige Etat noch nicht Vor­schlägen, da man erst die Wirkung der neuen Steuern abwarten will. Der neue Militäretat ist nach den Vorschlägen des bisherigen Kriegs­ministers v. Einem ausgestellt worden. Der neue Kiiegsminister v. Heerinaen wird sein Amt in den nächsten Tagen übet nehmen. General v. Einem wird bereits die Herbstübungen des 7. Korps leiten.

Für die Reichstags-Ersatzwahl in Koburg halten Die National!lberalen, wie aus einer Er­klärung des Vorstandes des dortigen national- liberalen Vereins he>vorgebt, an Der Kandidatur des Regierungsrates Dr. Quarck, des Sohnes des verstorbenen Reichstags - Abgeordneten, fest. )( Dir Gesinnungsschnüffelei scheint im Wahl­kreise Neustadt-Landau, wo bekanntlich der sozial­demokratische Kandidat in der Stichwahl den Sieg über seinen liberalen Gegner davongetragen hat, wieder die schönsten Blüten zu zeigen. Daß dabei der Kriegerverein, der bekanntlich nach sei­nen Satzungen keine Parteipolitik treiben soll, abermals im Vordergründe steht, ist bezeichnend. So wird ans dem überwiegend protestantischen Orte Rhodt gemeldet, daß die Zentrumswähler, die natürlich nach der Ansicht der blamierten Li­beralen durchweg den Sozialdemokraten gewählt haben, aus dem Kriegerverein herausgedrängt werden sollen. Es wurde eine Eingabe an das Präsidium der pfälzischen Kampfgenossenschaft ge­richtet und energisches Vorgeben gegen die „staats­stürzenden" Katholiken gefordert. Tas Präsidium lehnte zwar ab, aber wie ein liberales Blatt ge- teht, in einer Form, die nicht nur das Ansinnen als solches nicht glatt zurückweist, sondern gerade­zu als versteckte Aufforderung aufgefaßt werden muß, man möge die Namen der Betreffenden zu­vor ermitteln und dann die Sache wieder vor den Verein bringen. In dem Antwortschreiben heißt es nämlich, daß ein Einschreiten nicht gut angängig sei, wenn nicht bestimmt die Namen der betreffenden Mitglieder genannt werden können, um statutarisch vorgehen zu können. Die

„Patrioten" von Rhodt dürsten sicherlich jetzt nichts eiligeres zu tun haben, als hinter das Wahlgeheimnis zu kommen und durch Anwen­dung aller verfügbaren Mittel diejenigen katho­lischen Kriegervereinler zu ermitteln, die sozial­demokratisch gewählt haben. Trotzdem wird man aber auch tn Zukunft noch in liberalen Kreisen sich über den unmoralischen Druck entrüsten, mit dem man auf solche Weise bei den Wahlen Kan­didaten durchdringen will. Gerade die liberale Presse hat am heftigsten gezetert, als seinerzeit die Kriezervereine mit allem Nachdruck dahin ar­beiteten, daß nur „nationale Kandidatqn" ge­wählt wurden. Da aber jetzt ein liberaler Kan­didat durchgefallen ist, so sucht man sich jetzt des­selben Mittelchen zu bedienen, das man früher scharf bekämpft hat. und das nennt man dann liberale Freiheit.

* Bibelkränzchen für Schüler höherer Lehran­stalten in losem Netz über ganz Deutschland ge­spannt ! So können die Freunde dieses Zweiges der Inneren Mission mit Stolz verkünden. Es bestehen 120 Vereinigungen mit 4500 bis 5000 Teilnehmern in 90 Städten. Neben dem allge­meinen Komitee unter der Leitung des Pastors Weigle zu Essen gibt es Lokalkomitses in Bar­men, Berlin, Breslau, Stuttgart, Frankfurt, Greifswald. Weitere Förderung wird unzweifel­haft eine Entscheidung ergeben, welche die Kon­ferenz des Zentralausschusses für Innere Mission mit dessen auswärtigen Mitgliedern und Agenten, sowie den Übertretern der ihm verbundenen Ver­eine, Anstalten und Verbände getroffen hat. Da­nach sollte der Zentralausschuß für innere Mission es insbesondere den Landes- und Provinzialver­einen nahelegen, sich die Ausbreitung der Bibel­kränzchensache als eine Arbeit der Inneren Mis­sion angelegen sein lassen. Bemerkenswert er­scheint die Einschränkung, welche dieser Empfeh­lung beigegeben worden ist. Es fest nämlich viel­fach pietistische Enge, methodistische Treiberei und englisch gefärbtes Christentum in Schriftauslegung und Lied zu beobachten. Doch trotz solcher Erscheinungen findet die preußischeUn- terrichtsverwaltung keinen Anlaß, den Bibel­kränzchen die Fürsorge zu widmen, wie sie den fa- tholi schon Kongregationen zugedacht wurde. Be­kanntlich hat der.Studtsche Ministerialerlaß letz­tere unmöglich gemacht. Als wenn es für die ka­tholischen Gymnasiasten nicht ebenso wie für die evangelischen Schüler notwendig wäre, daß ste in dem Labyrinth religiöser und sittlicher Anfechtun­gen frühzeitig für die Universität oder das prak­tische Berufsleben gefestigt werden.

)( Zur Bekämpfung der Schundliteratur hat Hamburg einen beachtenswerten Schritt ge­tan. Die hamburgische Straßenordnung hat nämlich dahin eine Ergänzung erfahren, daß Schriften. Abbildungen oder Darstellungen, die in sittlicher Beziehung Aergernis zu geben geeig­net sind, oder durch Ueberreizung der Phantasie die gesunde Entwickelung der Jugend zu gefähr­den geeignet sind, weder auf öffentlicher Straße, noch in Schaufenstern oder sonstigen Auslagen an öffentlicher Straße ausgelegt werden dürfen. Diese Verordnung bedeutet zwar in der Bekämp- jung der Schmutzliteratur nicht viel; immerhin wird die unerfahrene Jugend davor behütet, in ;edem Schaufenster unsittliche Abbildungen usw. ansehen zu müssen. Der hamburgische Senat ging bei dieser beabsichtigten Regelung davon aus, daß weder die Gewerbeordnung noch das Strafgesetz- buch ihr entgegenstehen. Denn einmal schließt die Freiheit des Gewerbebetriebes polizeiliche Be­schränkungen im Jnterelle der öffentlichen Ord- nun nicht aus. Und ferner verstößt diese Aende- rung der Straßenordnung auch nicht gegen das Strafgesetzbuch, weil sie eine Materie regelt — ne Schundliteratur — mit der sich das Strafge­setzbuch überhaupt nicht befaßt. Eine Regelung

SonnenLeuchten.

7] Roman von Erich Friesen.

5.

Während der folgenden Wochen entwickelt die Polizei eine geradezu fieberhafte Tätigkeit, um das geheimnisvolle Dunkel, welches über dem nächtlichen Mord in der Villa Fortuna auf Capri schwebt, zu lüften. Die geschicktesten Detektivs Ne­apels werden herangezogen. Oberst San Martino fetzt eine hohe Belohnung aus fiir irgendeinen An­haltspunkt, der auf die richtige Fährte führen könnte. Die junge Witwe verdoppelt die Summe aus eigenen Mitteln.

Vergebens. Keine Spur des Mörders — trotz der eifrigsten Nachforschungen. In der ersten Auf- regung in jener unseligen Nacht, in der Sorge um Terefikl, die ohnmächtig an der Leiche ihres Gat- ten zusammengebrochen war, hatte man versäumt, fofort die capresische Polizei zu benachrichtigen, um be eventuelle Flucht des Mörders von der Insel zu verhindern.

Zwar hatte der Oberst noch in derselben Nacht tart Laternen und Fackeln den ganzen Park und dre nächste Umgebung absuchen lasten — ohne Re- fllltat. Man fand nichts — nur das ofsenstehende Fenster im Erdgeschoß. Und die Fußstapfen, die Pw unten im Sande von diesem Fenster aus in ^n. Pstrk verloren, ließen darauf schließen, daß zwei Menschen an dein Verbrechen beteiligt waren, x. gleichzeitig das kostbare Brillmrthalsband, n» ^Aertsgabe des Verstorbenen an feine Gat- 2?' 2?orben war, nahm man mit Recht Nm Raubmord vorliege. Gewiß hatte

em ^"brend des Hantierens der Diebe

$^602 Geräusch vernommen, war auf- lenTrf tornr "V'rf nachzuforschen, und von foorben*^61 "^r6ett gestörten Gaunern erschossen

. 'jn ^cm^r ®uffaffung wird die Polizei von der hingen Witwe unterstützt, die anaibt. ihr verstor­

bener Gatte habe sie in der Nack-t — wie sie Schube, kurz vor dem Mord — geweckt, weil er furdjtete, Diebe seien ins Hans eingebrochen Sie habe damals versucht, es ihm auszureden, sei aber gleich darauf wieder eingeschlafen, bis ein Pisto- lenichuß sie aufschreckte.

Ern Zollbeamter, der in jener Nacht in der Nahe der Faragliom die Wache hatte, sagt-' aus er habe dort ein festgebundenes Boot gesehen darin aber nrchts Außergewöhnliches gefunden wett an dieser Stelle oft Boote landen. Das surchtdare Unmetter habe ihn dann unter ein schützendes Dach getrieben, von wo aus er das Boot im Auge behalten konnte. Er habe aber nichts Verdächtiges bemerkt. Anr nächsten Mor- gen ser das Boot fort gewesen - wahrscheinlich weggetrreben von den Wellen; denn der Strick mit dem man es befestigt hatte, war zerrissen. '

Das ist alles, was das Ermittelungsverfahren ergab, worauf vonseiten des Staatsanwalts die Anklage „wegen Raubmord" gegen „Unbekannt" in die Wege geleitet wird.

Teresita Dartley rst letzt frei — ganz frei, wie sie es sich oft so sehnlrchst gewünscht. Aber ob sie deshalb glückluh ist? ... Fast scheint es so. Nur ein sehr scharfer Beobachter würde bemerken daß ihre frohe Laune oft forciert ist, daß sich hinter ihrem iiberluftigen Lachen zuweilen aufsteigende Tränen verbergen.

Und die Italiener sind im allgemeinen keine scharfen Beobachter. Sie feben nur das Aeußer- liche. Oberflächliche und nehmen für echt, was oft nur Maske ist. —

Obgleich John Bartley wohl niemals daran dachte, daß er so plötzlich von dieser Erde abberu­fen werden könnte, fo hat er als vorsichtiger Ge- chäftsmann doch ein Testament gemocht. Seine Frau ist zur Universalerbin eingesetzt — unter der Bedirmnna. daß die Pferde, von denen der

Verblichene ein gan-es Dutzend besaß, in ihrem Besitz bleiben und miss beste versorgt werden.

Zuerst spottet Teresita über diese Klausel . . . dann ärgert sie sich....._ Schließlich gewöhnt sie

sich an den „kleinen Spaß". Ob sie vier Pferde hält oder zwölf — was liegt im Grunde genom­men daran!

Auf ihre dringenden Bitten erklärt Orlando, der ein Pferdekenner ist, sich bereit, von Zeit zu Zeit ihren Marstall'zu inspizieren, da sie zwar „Pferde ungeheuer liebe", aber „absolut nichts da­von verstehe". Seine beabsichtigte Rückkehr nach Paris gibt er vorläufig auf. Aus welchem Grunde, — darüber ist er sich selbst nicht recht klar.

Vielleicht, weil die junge Witwe ihm mit Trä­nen in den Augen flogt, sie fühle sich so grenzen­los einsam, so arm an wahren Freunden trotz ihres großen Reichtums. Vielleicht, weil er im­mer noch hofft, in Neapel eine Spur des Mörders zu entdecken. Vielleicht auch, weil er sich in dem Hause des Obersten San llllartino, der besonders Gefallen an der Gesellschaft des ernsten jungen Mannes findet und ihn deshalb häufig zu sich ein­labet, so überaus wohl fühlt. So vergeht Woche auf Woche... Monat auf Monat.

Ohne daß Orlando es will, wird die Freund­schaft zwischen ihm und d-r jungen, schönen Witwe inniger. Bald ist er in ihrem meerumrauschten Schlößchen drunten am Posttipo fast täglicher Gast.

Wiederholt schon gab sie ihm verblümt zu ver­stehen, daß sie jetzt frei sei. Doch er kann sich noch immer nicht entschließen, das entscheidende Wort zu sprechen.

Wenn er bei ihr ist, steht er vollständig unter ihrem Einfluß. Ihre Schönheit, ihr Geist, ihr Temperament blenden ihn. Sobald er jedoch aus dem Bannkreis dieses rein persönlichen Einflus­ses heraus ist, zerflattert der ganze Zauber in nichts, gleich einer buntschillernden Seifenblase. Teresita Bartley erscheint ihm wie eine Somre.. welche blendet, aber nicht leuchtet und wärmt.

Mit Bedauern sehen der Oberst und seine Gat­tin die wachsende Vertrautheit zwischen Teresita und Orlando.

Sie hegen den stillen Wunsch, Orlando möge sich ihrer jüngeren Tochter nähern. Doch trotz der häufigen Besuche des jungen Mannes in dem Hause des Obersten ist es noch zu keinem herzlichen Verkehr zwischen Orlando und Mirra gefommen.

Mirra spricht überhaupt wenig, und in Orlan­dos Gegenwart ist sie noch schweigsamer als sonst. Und Orlando wagt sich gar nicht an sie heran mit leeren Redensarten ober irgend einem Scherz­wort, wie sie ihm Teresita gegenüber auf der Zunge sitzen. Er empfindet eine gewisse Scheu, eine Art Ehrfurcht vor der zarten Eigenart dieses holden Geschöpfes.

Jedoch — nach einem heitern Wortgeplänkel mit Teresita, der es niemals an Geist und Witz fehlt — nach einem solchen amüsanten, aber inner­lich nicht befriedigenden Geplauder sehnt er sich oft nach der ernsten Ruhe der jüngeren Schwester, nach ihrem stillen Lächeln, nach einem Blick ihrer großen, so beredten Augen.

Ihm ist bann, als falle in ihrer Nähe alles Lerchtsinmge, alles Aenßerliche und Leichtgesell- ichaftllche von ihm ab, wie welche Blätter beim Herannahen des Frühlings; als leuchte ihm aus rhrem lieblichen Antlitz die wahre Sonne des Glücks entgegen . Trotzdem — nie denkt er daran, er könne sich in Mirra verlieben.

Ob Mirra wirklich so gänzlich gleichgültig Or­lando gegenüber ist, wie es den Anschein hat?

Die Mutteraugen sehen scharf. Und Frau San Martino behauptet, ihre Tochter hege eine tiefe Neigung zu Orlando im Herzen; ihr jung­fräulicher Stolz verbiete ihr nur, es zu zeigen, da sie fein wachsendes Interesse für Teresita sehe. Als sie einmal zu ihrem Manne eine derartige Aeußerung tut, gerät der bMve Oberst ganz aus dem Häuschen,

(Fottfetzung folgt.)'