Maer W Zeitung
l/par$e!ler in Zulda. wochenbellaee: „Illustrierte Sonntagrzeitung"
yulda, Mittwoch Den 18. August 1909
36. Jahrgang
Anzeigen: Die eto> spaltlgepetttzelleoder Uten Raum ZS pfg.' »MamendiepetitzE 25 Pfg^ bet wieder«' Holungen wird entspr.
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Zerusprechcr Ur. 9.
Mnatrbeilage: „Wdaer Geschichtrblaüer"
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Berantw- Redaiteur LA. wetzler;
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Erstes Wlcrtt.
Veuischer Reich.
** Berlin, 17. Aug. 1909. Der Reichs- kanzler v. Bethmann-Hollweg, Rittmeister a. D., zuletzt Oberleutnant des 2. Aufgebotes der Garde- Kavallerie (Potsdam) ist unter Verleihung des Charakters als Major mit der Berechtigung zum Tragen der Uniform des 1. Garde-Dragoner- Regimentes Königin Viktoria von Großbritannien und Irland bei den Offizieren ä la suite der Armee angestellt worden. — Als Vertreter Deutschlands wird der Vorsitzende des Flottenvereins, Großadmiral v. Köster, an der Spitze eines deutschen Geschwaders an den amerikani- ichen Hudson.Feierlichkeiten, zu denen bekanntlich die Vertreter aller Nationen eingeladen sind, teilnehmen. — Der württembergische König hat dem bisherigen preußischen Kriegsminister v. Ei ne m das G ro ß kr eu z des Kronen- ordenS verliehen.
K, Der Kaiser hörte am Dienstag auf Schloß Wilhelmshöhe den Vortrag des Chefs des Zivil« kabinetts von Valentini. Im Lause des Tages begab sich Reichskanzler von Bethmann-Hollweg zum Vorträge beim Kaiser undzur Teilnahme an der morgigen Feier des Geburtstages des österreichischen Kaisers Franz Joseph nach Wilhelmshöhe.
):(Freiherr Marschall von Bieberstein, der -eutsche Botschafter in Konstantinopel, ist be- kanntlich vor einigen Tagen in Berlin eingetroffen. Allgemein hat man dies in Zusammenhang mit der Kretafrage gebracht. Offiziös wird nunmehr erklärt, der Besuch des Botschafters hätte lediglich den Zweck, dem neuen Reichskanzler seine Aufwartung zu machen. Frhr. o. Marschall pflege alljährlich an dem Diner teilzunehmen, das der Kaiser jedesmal am Tage des Geburtstages des österreichischen Kaisers Franz Joseph gibt, und er habe sich bereits am Dienstag zu diesem Zwecke nach Wilhelmshöhe begeben. — Mir dieser offiziösen Erklärung mag es ja seine Richtigkeit haben, aber es kann doch nicht daran gezweifell werden, daß der Kaiser die Gelegenheit benutze, sich mit seinem Botschafter in Konstantinopel eingehend über die Kretasrage zu unterhalten.
△ Der Hansabuud erfährt in letzter Zeit immer mehr Widerstand in Mittelstandskreisen. Auch die 22. Hauptversammlung des deutschen Zentralverbandes für Handel und Gewerbe hat am Montag zu dem Hansabund Stellung genommen. Schon im Jahresbericht gellte der Vorstand fest, daß fast sämtliche Vor- standsmitglieder, sowie die erdrückende Mehrheit der Detaillisten im allgemeinen und des Zentralverbandes im besonderen dem Hanstrbunde keine Sympathie entgegenbringen. Der Verbandsvorstand war dann auch in seiner Sitzung am ©onn»
4".dem Beschluß gekommen, daß es nicht dienlich Jet, vom Standpunkt der Wahrung der Jn- teressen des Zentralverbandes ans zu der Frage betreffend den Beitritt zum Hansabunde eine bestimmte Stellung zu nehmen, vielmehr müsse man den einzelnen Mitgliedern ihre Stellungnahme überlasten. Der Vorstand bat die Hauptversammlung, den gleichen Standpunkt einzuneh- meri. Diese Stellungnahme des Vorstandes bedeutet. bei Licht betrachtet, soviel wie ein vollständiges Abrücken vom Hansabund. Auch
das Organ der deutschen Mittelstandsvereini- gung, die „Deutsche Mittelstandszeitung", brachte dieser Tage eine Kundgebung, worin der Mittelstand aufgefordert wurde, von dem Hansabunde abzurücken. Den Eindruck, den diese Kundgebung natürlich in der Oeffentlichkeit machte, sucht der Hansabund jetzt dadurch abzuschwächen, daß er erklärt, die erwähnte Kundgebung entbehre der satzungsgemäßen Gültigkeit, da sie nicht auf einem ordnungsmäßigen Vorstandsbeschluß beruhe. Wir meinen, wenn die führenden Mitglieder eines Verbandes ihre Ansicht zu einer Frage zur Kenntnis bringen wollen, so bedarf es durchaus noch nicht eines regelrechten Vorstandsbefchlusses. Sonst hätten die Vorstände der einzelnen Verbände viel zu tun, wenn sie zu den ständig auftretenden neuen Fragen erst dann Stellung nehmen dürften, wenn unter großen Zeit- und Geldverlusten eine regelrechte Vorstandssitzung einbe- rufen worden sei.
* Eine Steuer auf die Armut wollte ein l i b e- r a l e r Börsenmann einführen. Bei der Konferenz der Bankwelt im Reichsschatzamte schlug ein Börsianer allen Ernstes eine Steuer auf die Pfandscheine vor. Aber dieser Vorschlag wird noch in den Schatten gestellt durch eine Idee, die in den Reihen des Freisinns viel Anklang gefunden ha. Bei den Pfandscheinen würde man ja auch manchmal noch den Leichtsinn treffen, der aus Unbedacht alles versetzt; weit mehr aber noch die Armut. Ganz anders ist es aber noch mit etnem freisinnigen Vorschläge, der bei der Steuerdebatte im Reichstage auftauchte und der von freisinnigen Abgeordneten allen Ernstes in der Presse gemacht worden ist. Das ist eine Steuer auf die Kaffeesurrogate. Der freisinnige Abg. Hermann hat am 25. Juni im „Tag" den Vorschlag gemacht, man möge nicht den Zoll auf Kaffee erhöhen, sondern man solle eine Steuer einführen auf Malz- kaffee, Zichorie usw. Er berechnet von einer solchen Steuer insgesamt 30 Millionen Mark Einnahme. Im Reichstage hat der freisinnige Abg. Pachnicke diesen Vorschlag auch besprochen. Es steht also fest, daß man in freisinnigen Kreisen Lust und Neigung batte, diese Artikel zu besteuern, und zwar sollte diese Steuer nach den Berechnungen Hermanns gleich 30 Millionen JH bringen. Jedes Pfund Zichorie wäre da mindestens mit 40 steuer belegt worden. So der freisinnige Steuervorschlag. Nun fragen wir: -ver bätte diese Steuer bezahlen müssen? Nur die Aermsten. Denn die reichen Leute können ihren Kaffee so nehmen, daß sie gar fein Ersatzmittel notig haben; die Armen aber, die jede Bohne zählen müssen, die sie zu ihrem Kaffee nehmen, diese hätten die horrende Steuer zu tragen gehabt. Der Freisinn schreit draußen im Lande immer, wie er für die Armen habe sorgen wollen; im Reichstage aber haben seine Abgeordneten eine Steuer auf d i e Armut vorgeschlagen.
— In den Kreisen des Tabakgewerbes besteht bezüglich der unverzollten ausländischen Tabakblätter, die sich am 15. August in einer öffentlichen Niederlage oder einem Privatlager unter amtlichem Mitverschluffe befinden, vielfach die Ansicht, daß diese seitens des Verkäufers (Händlers) angemeldet werden müssen, auch wenn er sie auf feinen Namen lagern läßt, aber bereits an einen Verarbeiter (Fabrikant von Tabakerzeugniffen) verkauft hat. Wie die ,Nordd. Allg. Ztg/ erfährt, ist diefe Ansicht nicht zutreffend. Zur Anmeldung unverzollter ausländischer Tabakblätter, und zwar bis zum 21. August l 909 ist nur jeder Verarbeiter (Fabrikant) verpflichtet, sofern er diefe Tabakblätter in einer öffentlichen Niederlage ooer in seinem Privatlager unter amtlichen Mitverschluffe lagern hat.
0 Bierkrieg in Berlin. Der Bierkrieg ist nunmehr auch in Berlin ausgebrochen. Nachdem die Ringbrauereien das Verlangen der Gastwirte, einen Mindestverkaufspreis für die Gastwirtschaften festzusetzen, abgelehnt und selbständig eine Erhöhung des Preises für Lagerbier um 3.50 M. pro Hektoliter beschlossen hatten, haben jetzt die Vorstände sämtlicher für Berlin in Frage kommenden Gastwirtskorporationen dem Verein der Brauereien mitgeteilt, daß sie auf weitere Verhandlungen nicht mehr eingehen und den Brauereien nur einen Aufschlag von 2.50 Mk. pro Hektoliter, den wirklichen Steuerbetrag, bewilligen würden. In einer Massenversammlung, Die der aus 35 Vereinen bestehende Verband der Gast- und Schankwirte für Berlin und die Provinz Brandenburg einberufen hatte, wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in der es u. a. heißt: „Die Versamm ung protestiert entschieden gegen das Verfahren des Vereins der Brauereien Berlins und Umgegend und erklärt, die von diesem Verein geplante Erhöhung des Hektoliterpreises um 3.50 M. ablehnen zu müssen. Da die Brausteuererhöhung pro Hektoliter nicht mehr wie 2 50 M. beträgt, so erklären die Versammelten, die Geschäftsverbindungen mit denjenigen Mitgliedern des Vereins der Brauereien abbrechen zu müssen, die einen höheren Aufschlag als diesen Betrag verlangen.
Eine Erhöhung der Mannschaftslöhne für Heer und Flotte, wie sie ursprünglich beabsichtigt war, wird, wie die.Deutsche Tagesztg/ mitteilt, der nächstjährige Etat noch nicht Vorschlägen, da man erst die Wirkung der neuen Steuern abwarten will. Der neue Militäretat ist nach den Vorschlägen des bisherigen Kriegsministers v. Einem ausgestellt worden. Der neue Kiiegsminister v. Heerinaen wird sein Amt in den nächsten Tagen übet nehmen. General v. Einem wird bereits die Herbstübungen des 7. Korps leiten.
Für die Reichstags-Ersatzwahl in Koburg halten Die National!lberalen, wie aus einer Erklärung des Vorstandes des dortigen national- liberalen Vereins he>vorgebt, an Der Kandidatur des Regierungsrates Dr. Quarck, des Sohnes des verstorbenen Reichstags - Abgeordneten, fest. )( Dir Gesinnungsschnüffelei scheint im Wahlkreise Neustadt-Landau, wo bekanntlich der sozialdemokratische Kandidat in der Stichwahl den Sieg über seinen liberalen Gegner davongetragen hat, wieder die schönsten Blüten zu zeigen. Daß dabei der Kriegerverein, der bekanntlich nach seinen Satzungen keine Parteipolitik treiben soll, abermals im Vordergründe steht, ist bezeichnend. So wird ans dem überwiegend protestantischen Orte Rhodt gemeldet, daß die Zentrumswähler, die natürlich nach der Ansicht der blamierten Liberalen durchweg den Sozialdemokraten gewählt haben, aus dem Kriegerverein herausgedrängt werden sollen. Es wurde eine Eingabe an das Präsidium der pfälzischen Kampfgenossenschaft gerichtet und energisches Vorgeben gegen die „staatsstürzenden" Katholiken gefordert. Tas Präsidium lehnte zwar ab, aber wie ein liberales Blatt ge- teht, in einer Form, die nicht nur das Ansinnen als solches nicht glatt zurückweist, sondern geradezu als versteckte Aufforderung aufgefaßt werden muß, man möge die Namen der Betreffenden zuvor ermitteln und dann die Sache wieder vor den Verein bringen. In dem Antwortschreiben heißt es nämlich, daß ein Einschreiten nicht gut angängig sei, wenn nicht bestimmt die Namen der betreffenden Mitglieder genannt werden können, um statutarisch vorgehen zu können. Die
„Patrioten" von Rhodt dürsten sicherlich jetzt nichts eiligeres zu tun haben, als hinter das Wahlgeheimnis zu kommen und durch Anwendung aller verfügbaren Mittel diejenigen katholischen Kriegervereinler zu ermitteln, die sozialdemokratisch gewählt haben. Trotzdem wird man aber auch tn Zukunft noch in liberalen Kreisen sich über den unmoralischen Druck entrüsten, mit dem man auf solche Weise bei den Wahlen Kandidaten durchdringen will. Gerade die liberale Presse hat am heftigsten gezetert, als seinerzeit die Kriezervereine mit allem Nachdruck dahin arbeiteten, daß nur „nationale Kandidatqn" gewählt wurden. Da aber jetzt ein liberaler Kandidat durchgefallen ist, so sucht man sich jetzt desselben Mittelchen zu bedienen, das man früher scharf bekämpft hat. und das nennt man dann liberale Freiheit.
* Bibelkränzchen für Schüler höherer Lehranstalten in losem Netz über ganz Deutschland gespannt ! So können die Freunde dieses Zweiges der Inneren Mission mit Stolz verkünden. Es bestehen 120 Vereinigungen mit 4500 bis 5000 Teilnehmern in 90 Städten. Neben dem allgemeinen Komitee unter der Leitung des Pastors Weigle zu Essen gibt es Lokalkomitses in Barmen, Berlin, Breslau, Stuttgart, Frankfurt, Greifswald. Weitere Förderung wird unzweifelhaft eine Entscheidung ergeben, welche die Konferenz des Zentralausschusses für Innere Mission mit dessen auswärtigen Mitgliedern und Agenten, sowie den Übertretern der ihm verbundenen Vereine, Anstalten und Verbände getroffen hat. Danach sollte der Zentralausschuß für innere Mission es insbesondere den Landes- und Provinzialvereinen nahelegen, sich die Ausbreitung der Bibelkränzchensache als eine Arbeit der Inneren Mission angelegen sein lassen. Bemerkenswert erscheint die Einschränkung, welche dieser Empfehlung beigegeben worden ist. Es fest nämlich vielfach pietistische Enge, methodistische Treiberei und englisch gefärbtes Christentum in Schriftauslegung und Lied zu beobachten. Doch trotz solcher Erscheinungen findet die preußischeUn- terrichtsverwaltung keinen Anlaß, den Bibelkränzchen die Fürsorge zu widmen, wie sie den fa- tholi schon Kongregationen zugedacht wurde. Bekanntlich hat der.Studtsche Ministerialerlaß letztere unmöglich gemacht. Als wenn es für die katholischen Gymnasiasten nicht ebenso wie für die evangelischen Schüler notwendig wäre, daß ste in dem Labyrinth religiöser und sittlicher Anfechtungen frühzeitig für die Universität oder das praktische Berufsleben gefestigt werden.
)( Zur Bekämpfung der Schundliteratur hat Hamburg einen beachtenswerten Schritt getan. Die hamburgische Straßenordnung hat nämlich dahin eine Ergänzung erfahren, daß Schriften. Abbildungen oder Darstellungen, die in sittlicher Beziehung Aergernis zu geben geeignet sind, oder durch Ueberreizung der Phantasie die gesunde Entwickelung der Jugend zu gefährden geeignet sind, weder auf öffentlicher Straße, noch in Schaufenstern oder sonstigen Auslagen an öffentlicher Straße ausgelegt werden dürfen. Diese Verordnung bedeutet zwar in der Bekämp- jung der Schmutzliteratur nicht viel; immerhin wird die unerfahrene Jugend davor behütet, in ;edem Schaufenster unsittliche Abbildungen usw. ansehen zu müssen. Der hamburgische Senat ging bei dieser beabsichtigten Regelung davon aus, daß weder die Gewerbeordnung noch das Strafgesetz- buch ihr entgegenstehen. Denn einmal schließt die Freiheit des Gewerbebetriebes polizeiliche Beschränkungen im Jnterelle der öffentlichen Ord- nun nicht aus. Und ferner verstößt diese Aende- rung der Straßenordnung auch nicht gegen das Strafgesetzbuch, weil sie eine Materie regelt — ne Schundliteratur — mit der sich das Strafgesetzbuch überhaupt nicht befaßt. Eine Regelung
SonnenLeuchten.
7] Roman von Erich Friesen.
5.
Während der folgenden Wochen entwickelt die Polizei eine geradezu fieberhafte Tätigkeit, um das geheimnisvolle Dunkel, welches über dem nächtlichen Mord in der Villa Fortuna auf Capri schwebt, zu lüften. Die geschicktesten Detektivs Neapels werden herangezogen. Oberst San Martino fetzt eine hohe Belohnung aus fiir irgendeinen Anhaltspunkt, der auf die richtige Fährte führen könnte. Die junge Witwe verdoppelt die Summe aus eigenen Mitteln.
Vergebens. Keine Spur des Mörders — trotz der eifrigsten Nachforschungen. In der ersten Auf- regung in jener unseligen Nacht, in der Sorge um Terefikl, die ohnmächtig an der Leiche ihres Gat- ten zusammengebrochen war, hatte man versäumt, fofort die capresische Polizei zu benachrichtigen, um be eventuelle Flucht des Mörders von der Insel zu verhindern.
Zwar hatte der Oberst noch in derselben Nacht tart Laternen und Fackeln den ganzen Park und dre nächste Umgebung absuchen lasten — ohne Re- fllltat. Man fand nichts — nur das ofsenstehende Fenster im Erdgeschoß. Und die Fußstapfen, die Pw unten im Sande von diesem Fenster aus in ^n. Pstrk verloren, ließen darauf schließen, daß zwei Menschen an dein Verbrechen beteiligt waren, x. gleichzeitig das kostbare Brillmrthalsband, n» ^Aertsgabe des Verstorbenen an feine Gat- 2?' 2?orben war, nahm man mit Recht Nm Raubmord vorliege. Gewiß hatte
em ^"brend des Hantierens der Diebe
$^602 Geräusch vernommen, war auf- lenTrf tornr "V'rf nachzuforschen, und von foorben*^61 "^r6ett gestörten Gaunern erschossen
. 'jn ^cm^r ®uffaffung wird die Polizei von der hingen Witwe unterstützt, die anaibt. ihr verstor
bener Gatte habe sie in der Nack-t — wie sie Schube, kurz vor dem Mord — geweckt, weil er furdjtete, Diebe seien ins Hans eingebrochen Sie habe damals versucht, es ihm auszureden, sei aber gleich darauf wieder eingeschlafen, bis ein Pisto- lenichuß sie aufschreckte.
Ern Zollbeamter, der in jener Nacht in der Nahe der Faragliom die Wache hatte, sagt-' aus er habe dort ein festgebundenes Boot gesehen darin aber nrchts Außergewöhnliches gefunden wett an dieser Stelle oft Boote landen. Das surchtdare Unmetter habe ihn dann unter ein schützendes Dach getrieben, von wo aus er das Boot im Auge behalten konnte. Er habe aber nichts Verdächtiges bemerkt. Anr nächsten Mor- gen ser das Boot fort gewesen - wahrscheinlich weggetrreben von den Wellen; denn der Strick mit dem man es befestigt hatte, war zerrissen. '
Das ist alles, was das Ermittelungsverfahren ergab, worauf vonseiten des Staatsanwalts die Anklage „wegen Raubmord" gegen „Unbekannt" in die Wege geleitet wird.
Teresita Dartley rst letzt frei — ganz frei, wie sie es sich oft so sehnlrchst gewünscht. Aber ob sie deshalb glückluh ist? ... Fast scheint es so. Nur ein sehr scharfer Beobachter würde bemerken daß ihre frohe Laune oft forciert ist, daß sich hinter ihrem iiberluftigen Lachen zuweilen aufsteigende Tränen verbergen.
Und die Italiener sind im allgemeinen keine scharfen Beobachter. Sie feben nur das Aeußer- liche. Oberflächliche und nehmen für echt, was oft nur Maske ist. —
Obgleich John Bartley wohl niemals daran dachte, daß er so plötzlich von dieser Erde abberufen werden könnte, fo hat er als vorsichtiger Ge- chäftsmann doch ein Testament gemocht. Seine Frau ist zur Universalerbin eingesetzt — unter der Bedirmnna. daß die Pferde, von denen der
Verblichene ein gan-es Dutzend besaß, in ihrem Besitz bleiben und miss beste versorgt werden.
Zuerst spottet Teresita über diese Klausel . . . dann ärgert sie sich....._ Schließlich gewöhnt sie
sich an den „kleinen Spaß". Ob sie vier Pferde hält oder zwölf — was liegt im Grunde genommen daran!
Auf ihre dringenden Bitten erklärt Orlando, der ein Pferdekenner ist, sich bereit, von Zeit zu Zeit ihren Marstall'zu inspizieren, da sie zwar „Pferde ungeheuer liebe", aber „absolut nichts davon verstehe". Seine beabsichtigte Rückkehr nach Paris gibt er vorläufig auf. Aus welchem Grunde, — darüber ist er sich selbst nicht recht klar.
Vielleicht, weil die junge Witwe ihm mit Tränen in den Augen flogt, sie fühle sich so grenzenlos einsam, so arm an wahren Freunden trotz ihres großen Reichtums. Vielleicht, weil er immer noch hofft, in Neapel eine Spur des Mörders zu entdecken. Vielleicht auch, weil er sich in dem Hause des Obersten San llllartino, der besonders Gefallen an der Gesellschaft des ernsten jungen Mannes findet und ihn deshalb häufig zu sich einlabet, so überaus wohl fühlt. So vergeht Woche auf Woche... Monat auf Monat.
Ohne daß Orlando es will, wird die Freundschaft zwischen ihm und d-r jungen, schönen Witwe inniger. Bald ist er in ihrem meerumrauschten Schlößchen drunten am Posttipo fast täglicher Gast.
Wiederholt schon gab sie ihm verblümt zu verstehen, daß sie jetzt frei sei. Doch er kann sich noch immer nicht entschließen, das entscheidende Wort zu sprechen.
Wenn er bei ihr ist, steht er vollständig unter ihrem Einfluß. Ihre Schönheit, ihr Geist, ihr Temperament blenden ihn. Sobald er jedoch aus dem Bannkreis dieses rein persönlichen Einflusses heraus ist, zerflattert der ganze Zauber in nichts, gleich einer buntschillernden Seifenblase. Teresita Bartley erscheint ihm wie eine Somre.. welche blendet, aber nicht leuchtet und wärmt.
Mit Bedauern sehen der Oberst und seine Gattin die wachsende Vertrautheit zwischen Teresita und Orlando.
Sie hegen den stillen Wunsch, Orlando möge sich ihrer jüngeren Tochter nähern. Doch trotz der häufigen Besuche des jungen Mannes in dem Hause des Obersten ist es noch zu keinem herzlichen Verkehr zwischen Orlando und Mirra gefommen.
Mirra spricht überhaupt wenig, und in Orlandos Gegenwart ist sie noch schweigsamer als sonst. Und Orlando wagt sich gar nicht an sie heran mit leeren Redensarten ober irgend einem Scherzwort, wie sie ihm Teresita gegenüber auf der Zunge sitzen. Er empfindet eine gewisse Scheu, eine Art Ehrfurcht vor der zarten Eigenart dieses holden Geschöpfes.
Jedoch — nach einem heitern Wortgeplänkel mit Teresita, der es niemals an Geist und Witz fehlt — nach einem solchen amüsanten, aber innerlich nicht befriedigenden Geplauder sehnt er sich oft nach der ernsten Ruhe der jüngeren Schwester, nach ihrem stillen Lächeln, nach einem Blick ihrer großen, so beredten Augen.
Ihm ist bann, als falle in ihrer Nähe alles Lerchtsinmge, alles Aenßerliche und Leichtgesell- ichaftllche von ihm ab, wie welche Blätter beim Herannahen des Frühlings; als leuchte ihm aus rhrem lieblichen Antlitz die wahre Sonne des Glücks entgegen . Trotzdem — nie denkt er daran, er könne sich in Mirra verlieben.
Ob Mirra wirklich so gänzlich gleichgültig Orlando gegenüber ist, wie es den Anschein hat?
Die Mutteraugen sehen scharf. Und Frau San Martino behauptet, ihre Tochter hege eine tiefe Neigung zu Orlando im Herzen; ihr jungfräulicher Stolz verbiete ihr nur, es zu zeigen, da sie fein wachsendes Interesse für Teresita sehe. Als sie einmal zu ihrem Manne eine derartige Aeußerung tut, gerät der bMve Oberst ganz aus dem Häuschen,
(Fottfetzung folgt.)'