36. Jahrgang.
Fulda, Dienstag den 17. August 1909.
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ben solche in der Finanzreformkommffsion bereits bewilligt und n o ch w e i t m e h r bewilligen wollen als Zentrum und Konservative, uamllch 400 Millionen allein auf den Mafsenkonfum, wah- rend Zentrum und Konservative diesen Betrag auf 310 Millionen beschränkten und dafür HO Millionen auf den Besitz usw, legten. Interessant ist die Andeutung, die der Herr Offiziosus gibt, ,daß den Liberalen, insbesondere den National- iberalen, ebenso wie dem Zentrum künftig ein mitbestimmender Einfluß offengehalten werden müsse". Dagegen wollen wir nichts einwenden, wenn sich dieser Einfluß im Rahmen des Zulässigen und Gerechtfertigten bsvegt, auf einen überwiegenden Einfluß hat die natio- nalliberale Partei jedoch absolut keinen An- spruch, und jeder Staatsmann, der ihr einen solchen einräumen wollte, würde damit ebenso schlechte Erfahrungen machen, wie der frühere Reichskanzler Fürst Bülow.
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Monatsbellage: „Mdaer Geschichtsblatte^ zernsprecher Rr-y.
Deutsches Reich.
r Berlin, 16. Aug. 1909. Beim Reichs- kanzler von Bethmann-Hollweg fand am Montag ein Diner statt, an dem u. a. der Botschafter in Konstantinopel, Frhr. Marschall von Bieberstein und der bisherige Kriegsminister General von Einem teilnahmen. Außerdem wohnte der Chef des Preffe-Dezernats Geheimrat Ham- mann der Festlichkeit bei. Die Anwesenheit des Botschafters von Marschall in Berlin wird mit der Kretafrage in Zusammenhang gebracht. — Bei den diesjährigen Herbstmanövern werden auch wieder mehrere ausländische Offiziere teilnehmen; vor allem scheinen die Japaner ein sehr großes Interesse an unserer Kriegstechnik za haben, denn wie gemeldet wird, sollen vor allem die japanischen Offiziere verhältnismäßig stark vertreten sein.
** Der Kaiser nahm am Montag militärische Meldungen entgegen. Der Aufenthalt des Kaiserpaares auf Schloß Wilhelmshöhe dürfte noch 10 Tage dauern.
X Eine« ständigen Beirat will die R e ich s. post Verwaltung haben. Bekanntlich sind schon einzelne Verwaltungen seit Jahren dazu übergegangen, zu den Beratungen über wichtige Fragen ihrer Refforts Vertreter der dabei hauptsächlich in Betracht kommenden wirtschaftlichen Interessen heranzuziehen. Die Reichspostverwaltung hat auch bereits in einzelnen Fällen, so noch zuletzt im Januar vorigen Jahres wegen der beabsichtigten Umgestaltung der Fernsprechgebühren , mehrere Vertreter wirtschaftlicher Kreise zur Beratung herangezogen. Der wachsende Umfang wird der Reichspostverwaltung auch in Zukunft Ausgaben bringen, zu deren sachgemäßer, alle Verkehrsintereffen berücksichtigender Äsung die Mitarbeit von Vertretern der wichtigsten Jntereffenkreise nicht zu entbehren ist. Hier soll die Tätigkett des Postbeirats einsetzen, der darauf hinwirken müßte, daß bei den Dispositionen der Postverwaltung den öffent.ichen Verkehrserfordernissen mehr als bisher entsprochen wird.
SO. Die neuen Tabaksteuern. Neben dem Flugblatte„Die Reichssteuern von 1909" hat der Volksverein sür das katholische Deutschland zur Ausklärung über die Reichs-Finanzreform ein weiteres herausgegeben, betitelt „Die neuen Tabak- steuem". Das Flugblatt gehr von den Befürch- tungen speziell der Tabakarbeiter aus, um danach die Frage zu beantworten: „Warum stimmte
das Zentrum nicht gegen die Tabaksteuern?" Die Antwort muß lauten: „Es tonnte angesichts der finanziellen Lage, der Höhe der Forderung ganz einfach nicht mehr auf seinem 1894, 1895 und 1906 eingenommenen Standpunkte verharren. Wenn es diesmal mitgewirkt hat, so geschah es in der Absicht, eine zweifellos bevorstehende Tabaksteuer m ihren Wirkungen auf die Tabakarbeiter abzuschwächen. Das wird des näheren an Hand von Tatsachen erwiesen. Dieses neueste Agitationsflugblatt wird von der Zentralstelle unentgeltlich nur nach solchen Orten versandt, welche den Volksverein eingeführt haben oder tn der Agitation zur Einführung sich befinden. In anderen Fällen erfolgt die Frankozusmdung nur aeaen nachstehende Unkostenoergütung: 100 Stück 1 Mk., 500 Stück 2 Mk., 1000 Stück 3 Mark. Die Versendung erfolgt nur gegen vorherige Ein- sendung des Betrags, am besten durch Postan- Weisung an die Zentralstelle des Dolksvereins in M.-Gladbach.
** Ruhig Blut! Im ,Bayer. Vaterland', Nr. 177, hatte ein Pfarrer Münsterer von Pondorf (Oberpfalz) seinem Unmut über die Haltung der Zentrumspartei bei der Reichsfinanzreform Ausdruck gegeben und auf die „erbitterte Stimmung" hingewiesen, die deshalb im Volke gegen das Zentrum herrsche. Er meint dabei, wenn wir in der nächsten Zeit allgemeine Reichstagswahlen hätten, wir würden „rote Wunder und schwarz-blaue Wunder erleben“. Auf jeden Fall sollten alle bayerischen Abgeordneten, welche für die Tabak- und Biersteuer gestimmt haben, rechtzeitig ihre Koffer packen. Die liberale treffe stürzte sich mit Heißhunger auf diesen fetten Bissen, um ihn in der Hetze gegen das Zentrum gehörig auszuschlachten. Nun kommt die -Redaktion des ,Bayer. Vaterland' selbst auf den Artikel ihres Mitarbeiters zurück. Sie gibt in der Nr. 180 zu, daß auch in Zentrumskreisen vielfach eine Mißstimmung besteht und untersucht sodarn die Ursachen derselben:
„Diese er- und verbitterte Stimmung ist hauptsächlich die Folge einer übertriebenen Vorstellung, die man von der Wirkung der neuen Steuergesetze hat. Sie ist das Produkt einer maßlosen und skrupellosen Hetze der liberalen und sozialdemokratischen Presse gegen den „neuen Block", dem man möglichst viele Wähler abspenstig machen möchte." Das Blatt verweist dann auf die Ausnützung der neuen Steuern durch die Geschäftswelt, die die Steuer zur Herausfchraubung der Preise ausnütze und hält dann den Liberalen vor, dab sie jetzt zum Zwecke einer skrupellosen Hetze das Schlagwort „Bolksausbeutung" in die Massen werfen, dieselben Liberalen, „die bereit gewesen wären, noch 90 Mill. Mk. mehr an indirekten Steuern zu bewilligen als der neue Block, und die den Besitz nur mit 100 Mill, treffen und das Börsenkapital ganz schonen wollten."
Die „Franks. Zeitung“, die den Artikel des Pfarrers Münsterer weidlich ausgefchlachtet hatte, sagt zu dem neuesten Artikel des „Vaterland "nur:
„In der neuesten Nummer des „Vaterland" wird nun versucht, den Borstoß Münsterers abzuschwächen."
Das ist alles. Die übrige liberale Presse schweigt den Artikel überhaupt tot.
)( Die ersten Gehaltsnachzahlun gen find soeben erfolgt. Die Beamten des Reichstages, des kleinsten Beamtenapparates im Reiche, haben die Nachzahlungen als die ersten erhalten. Die Gehaltsnachzahlungen für das diplomatische Personal und die Offiziere und Beamten des Heeres und der Flotte, erfolgen im Laufe des September zu gleicher Zeit in allen Garnisonen und auf allen Schiffen. Die Auszahlungen der Gehaltszulagen
Musnabmt der $o,m* und§eiertage°viertel- rShrNchervtMrpreis ?h«e vrinakklohn und Vesttllgeld'»5uldas0' »ieamwärtsl.soMk.
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«ar! Schütter für die Anzeigen:
A.parzelrr in Znld«.
für Beamte und Unterbeamte der Reichspost dürfte in den verschiedenen Oberpostdirektionen je nach Umfang ihres Betriebes zu verschiedenen Zeitpunkten erfolgen.
* Vierzehnter märkischer katholischer Vereinstag. In Eberswalde fand am Sonntag die 14. Jahresversammlung der märkischen Katholikenvereine statt. Eine große Anzahl organisierter katholischer Männer, die Vertreter von über 50 Vereinen mit etwa 3000 Mitgliedern waren erschienen. Als erster Redner sprach Pfarrer Schlenks von St. Bonifatius in Berlin über die Gefahren, die dem Katholizismus in der Reichshauptstadt drohen und forderte die katholische Laienwelt zur Unterstützung des Klerus im Kampfe gegen diese Gefahren auf. Abg. Erz- berget bezeichnete als die Hauptfeinde des deutschen Katholizismus die Lauheit und die Uneinigkeit. Heute mehr als früher sei ein geschloffenes Zusammengehen der deutschen Katholiken notwendig. Redner führte weiter aus,
daß die einzige Partei, die heute sür die, klar und konsequent denkenden deutschen Katholiken in Frage komme, da? Zentrum sei. Darum sei das Zentrum aber keine konfessionelle Partei. Es herrsche allgemein Einmütigkeit darüber, daß es eine politische Partei sei. Eine konfessionelle, eine katholische Partei fei nach den Bestimmungen der Berfaffung nicht möglich. Auch historisch betrachtet, sei das Zentrum niemals etne konfessionelle Partei gewesen. Bom Standpunkte der deutschen Katholiken als einer konfeffionelleu Minder- heitspartei wäre es höchst unklug, wenn sie einekatholische Partei bilden wollten, «eil da» sofort die Bildung eines protestantischen Blocks zur Folge haben würde. Der Episkopat, der mit einer katholischen Partei selbstverständlich irgendwie organisch verbunden fein muffe, würde in die grüßten Uugelegenheite» kommen. Gegenüber den neuerlichen Bemühungen, eine Definition des Zentrums zu geben, betonte Redner, eine solche Definition sei überfiüsstg. Man solle sich an die praktische Arbett der Partei hallen. Auch andere Parteien verspürten kein Bedürfnis, ihr Wesen zu definieren.
Ter Streit Semler-Dröscher will noch nicht zur Ruhe kommen. Auf die letzte Erwiderung des Abg. Semler gegenüber den vom Abg. Dr. D r ü f ch e r gegen ihn erhobenen Beschuldigungen erklärt letzter nun wieder:
Gegenüber der Erklärung des Herrn Dr. Semler im .Hamburger Fremdenblatt' stelle ich fest, daß Herr Dr. Semler in der Sitzung der Budgetkomnnssion, in der die zweite Lesung der Besoldungsochnung begann, mir mit unzweideutigen Worten erklärt hat, et sei bereit, bei derAbstnnmung die Sitzung zu verlassen, um dem Antrag derMehrheit die Annahme zu sichern. An der Wahrheit dieser Tatsache ändert auch die Erklärung des Herrn Dr. Semler nichts. Inwieweit er mit seinen Freunden in Erwägungen darüber eingetreten war, ist mir nicht bekannt geworden.
Darauf erwidert nun wieder Dr. Semler:
„1. Ich hab« sür meine Person weder einmal noch dreimal an meinen Erklärungen etwas zu ändern. 2. Wenn ich irgend eine Erklärung mit irgendwelcher Tragweite den Mttgliedern der konservativen Partei hätte abgeben wollen, so würde ich mir dazu eine autoritative Persönlichkeit ausgesucht haben. 3. Die Wendungen des Herrn Dröschet solle« gegen seine zweite Einschränkung jetzt wieder den An- ichein Hervorrufen, als wenn es sich hier um ein Kompromiß mit den Konservativen gehandelt habe. Ich werfe die Frage auf, welches war die Gegenleistung in dem Kompromiß? Welchen Zweck verfolgte ich, als ich Herrn Dröicher mein angebliches Angebot machte, und was hab« ich dagegen verlangt? Das hätte alsbald mitgeteilt werden müssen, um die Geschichte wahrscheinlicher zu machen. 4. Herr Dröschet frage einmal meine politischen Freunde, ob gerade ich ein Abgeordneter bin, den man hinausschicken tarnt; zum wenigsten müßte Herr Drüscher behaupten, was er nicht tut, aber vielleicht in vierter Aeudernng seiner Erklärung noch tun wird, daß ich tatsächlich für di« klerikal-konservativen Anträge und gegen die Anträge meiner politischen Freund« gestimmt oder mich der Ab-
X Es dämmert!
Mit den Sozialdemokraten um dieWettebe-
big Liberalen es in dieser Hetze den So aialbemofraten gleichzutun strebten, mutz den 'wundernehmen, der dieses ^mergckrlde Mn einer Vartei Nicht genügend kennt, ^eoer x.u>e xale, der noch eine Spur von KonfvMe^ und Ehrlichkeit besitzt, mutz sich dieser Hetze schämen. Erft wollte man noch höhere Verbrauchssteuern und jetzt fckrmpft man über die geringeren. Das fft im höchsten Grade unehrlich und zugleich unvernünftig. Man glaubte durch diese Hetze den Konservativen und besonders, dem ver- haßten Zentrum Abbruch zu tun und für den Li- beralisums Anhänger zu gewinnen. Dann hat man sich aber gründlich verrechnet. Drr gegen bte Steuern verhetzten Volksmaffen wenden sich Nicht dem Liberalismus zu, denn sie sagen sich Mit Recht: Die Liberalen wollten uns ja noch m eh r belasten. Sie gehen lieber gleich zu den Soziab demvkraten über, denn diese sind grundsätzlich Gegner aller Steuern und verstehen zudem das Verhetzen doch noch besser als die Liberalen. Der Ausfall der Wahl in Neustadt-Landau mit der Niederlage der Liberalen und dem Sieg der Sozialdemokraten hat das gezeigt. Wer vom Zen- trumshaß nicht ganz blind ist, der mutzte jetzt ein- sehen, daß die Steuerhetze dem Liberalismus nickst nützt, sondern schadet.
Es gibt auch Liberale, die inzwischen zu dieser Einsicht gekommen sind. Das größte liberale Blatt, die „Münch. N. Nachr.", haben im Anfang auch lustig die Hetze mitgemacht. , Nach der Neustadter Wahl ist ihnen aber auf einmal ein Licht aufgegangen. Seit etwa drei Wochen stand in diesem Blatt kerne Zeile mehr, die einen Angriff gegen die Reichstagsmehrheit wegen der bewilligten Steuern enthielt. Im Gegenteil, das liberale Blatt hat neuerdings wiederholt zur Beruhigung und Aufklärung beigetragen.
Auch die gouvernementale Presse lenkt ein. Die offiziösen Kreisblätter bringen unter der Ueberschrist „Wer gewinnt!“ eine Auslassung, in der es heißt.
Der Streit um die Finanzreform kommt in der Parteipresfe noch immer nicht zur Ruhe. Mit Recht wird von konservativer Seite Einspruch dagegen erhoben, daß der Mehrheit, die schließlich die notwendigen 500 Mill. Mk. neuer Auflagen bewilligte, die Verteuerung von Genußmitteln, wie Bier, Branntwein, Tabak, Kaffee, Tee, zur Last gelegt wird, gleich alS ob nicht ,auch die freisinnige Linke die Notwendigkeit einer Erhöhung der Steuern auf dies« Genußmittel anerkannt hätte. Gerade die Steuern, die den M assen- ko nsum treffen und den weitaus größte« Teil der neuen Reichseinnahmen liefern roerben, hätten auch die Liberalen bewilligen müssen, wenn die Reform überhaupt zustande kommen sollte. Darüber waren sie sich auch, als der Block noch bestand, durchaus im Klaren. Auf der anderen Selle ist nicht zu bestreiten, daß dir Bildung eines neuen Blocks zwischen Konservativen und Zentrum im Sinne künftiger Beherrschung der parlarnrMarischen Geschäfte vorn konservatwen Standpunkt selbst aus bedenklich wäre. Es wird künftig den Liberalen, insbesondere den Ratio» nalliberalen, ebenso wie dem Zentrum ein mitbestimmender Einfluß ofseu gehalten werden müssen. Richt nur in allen großen nationalen Fragen, auch gegenüber der Sozialdemokratie bedar das Reich des Bewußtseins gemeinsamer Jntereffen unter allen bürgerlichen Parteien.
Sehr richtig ist die Bemerkung, daß auch die liberalen die Steuern, die den Masienkon- sum treffen, Hütten bewilligen muffen, ja, sie ha-
Sonnenleuchten.
'S] Roman von Erich Friesen.
Gleich zwei dunklen Schatten huschen die bei- den das Haus entlang — bis zum hohen Portal. Hinter dem Hause Mögt ein Hund au:
„Kusch, Nero!" ruft der „Graf" gedämpft.
Und gehorsam, mit dem Schwanz wedelnd, zieht das Tier sich zurück. Augenscheinlich ist die Stimm« ihm bekannt.
Mft verblüffender Geschicklichkeit, die den ^„Fachmann" verrät, öffnet jetzt der „Graf" mit einem Dietrich das Schloß.
Nun an den Wänden der weiten, marmorgetäfelten Halle entlang getappt.. . immer weiter ... bis zur teppichbelegten Haupttreppe. Nun auch diese lautlos hinaufgeschlichen.
„Halt!" kommandiert der „Graf", oben an- gelangt, tm Flüsterton. „Raus mit dem Licht!" der Kleine eine Miniaturlaterne drückt auf einen Knopf. Ein fchmaler elektrrscher Strahl fällt auf die Wand.
„Stort hinten die Tür ist s,... die dritte .., S^mtt Licht! . . . Und dann mir nach! . . » bi- Wr. B-id- trete»
„Gras" in
Beppo^blsift^^ der Äekirische Sichchl auf. ganz, mit rofa Gr findet sich in einem Große venettaui^^E ausgeschlagenen Budoir. heimlich die befeind SpiC0eI reflektierten un- "Hierherl" vermummten Gestalten.
Astert der „Graf'.
ne« Toilettentisch auf den rosa verhänge, feilen Aufschrei be§ kann kaum einen
rl-ißt und gL'^^uckmsunterdrücken. Das Knkelt und flLert -"^-t und glitzert und Diamantschmuck, den sie auf Fm Fesi fotftßartt 1 oem Hest getragen,
in altgewohntem Leichtsinn jedoch vergessen hat, in bat Juwelenschrank einzuschließen.
„ „Ich kenne meine Leute!" schmunzelt der „Goas". „Vorwärts! Eingepackt!"
Mit spitzen Fingern langt Beppo zuerst nach dem Halsband.
„Pst!" macht der „Graf". „Schritte. Licht aus! Niederkauern!'
Beide horchten . . . Nichts hörbar. Nur der Wind draußen heult in den breitgeäfteten Schirmkronen der Pinien. Plötzlich — ein Geräusch. Die beiden angestrengt Lauschenden halten den Atem an ... Jetzt das Oeffnen einer Tür. Und schwere Schritte.
„Zum Kuckuck, die Sache wird bedenklich!" knirscht der Graf. „Rasch weg!"
Stuf den Fußspitzen schleichen beide durch die balboffene Tür, hinaus in den Gang. Dabei ist ihnen, als sähen sie in der Tmnkel^it die Um- risse einer großen Gestatt, die sich über das Treppengeländer beugt Und jetzt aufs neue das Oeffnen uni) Schließen einer Tür. Und leichte Schritte den Gang entlang — nach der Treppe zu.
Mit borgebeugtem Oberkörper, fast ftorr vor Angst, lauschten der „Graf" uni) fein Gefährte.. Alles still. Nur draußen heftige Windstöße und das entfernte Rollen des Donners.
Da — plötzlich ein jäh aufzuckender Lichtschein ...
, Ein Schuß. Gellendes Aufschreien, gefolgt von einem dumpfen Fall ...
Wie von Furien gejagt huschen die beiden Ver- mmrrmten die Treppe hinab und reißen unten in der Halle ein Fenster auf. Ein Sprung — und sie find im Dunkel des Parkes verschwunden.
Drinnen im Hause wird es lebendig. Lichter flammen auf. Türen gehen. In rasch »berge- tootfenen Kleidern wird eine Gestalt nodj der andern sichtbar.
„Was ist k>s?“ ruft der Oberst dem ihm begegnenden Orlando zu. „Mir war's, als hörte ich einen Schuß."
„Mir auch. Und einen Aufschrei wie in Todesangst!"
„Gewiß Diebe! Wenn nur nichts passiert ist!"
Da öffnet sich aufs neue eine Tür. Im langen, weißen Nachtgewand steht Terefita auf der Schwelle.
„John! John!" ruft sie mit seltsam heiserer Stimme. „Wo bist du? ... Es sind Diebe im .Haufe. Ich fürchte mich."
„3ft John nicht in seinem Schlafzimmer?" fragte der Oberst erstaunt.
„Nein. Ich suche ihn überall!"
„Beruhigen Sie sich, Frau Bartley," tröstet Orlando. „Er hat gewiß ein Geräusch gehört und ist auf gestanden, um nachzusehen .... Mein Gott, was haben Sie," unterbricht er sich plötzlich. „Sie zittern .... Ihre Hände find eiskalt . . .“
Doch Terefita antwortet ihm nicht. Mit angstvoll aufgerisfenen Augen stürzt sie vorwärts — der Treppe zu. Dort liegt am Boden langgestreckt ein Mann. Wild aufschreiend wirst Terefita sich über ihn. John Bartley ist tot... mitten ins Herz getroffen.
Wie von Furien gejagt eilen inzwischen die beiden SBermummten durch den Park, hinaus zum Tor, den schmalen Weg entlang ytr Punta Tragara. Der Sturm heult. Das Meer tobt. Hinunter den steilen Felspfad, nach den drei in riesiger Größe aus den Wogen aufragenden Fara- glioni-Felsen! Nur fort! Fort von der Jnfel!
Unten, eingezwängt zwischen ewig trotzendem, bom Wasser ausgehöhltem Gefelse, grünes, iveiß- fchäumendes Gewoge gepeinigtes, kochendes, gischendes Gestüte. Das schießt die Felsrinnen empor, überschwemmt den schmalen, gemauerten Fußpfad, züngelt weißleuchtend die Steinwände her- auf, zerstäubt in Diamanten, fällt glitzernd zurück und wogt schäumend weiter - .
Schweißgebadet kommen die beiden Fliehenden unten an. Gleich einer Nußschale tanzt das Boot, das sie vor Stunden hier angebunden, auf den erregten Wellen hin und her. Es besteigen —> unmöglich Also warten, bis der Sturm sich gelegt hat! Fester hüllen die beiden sich in ihre Dol- mane, zicchen die Kapuzen über dieOhren und kriechen hinein in eine Felshöhle, wo sie sicher vor jeder Verfolgung sind.
Am folgenden Morgen hat der Sturm ausgs» tobt. Herrlichste Ruhe über der ganzen Insel.
Kaum beginnt der östliche Himmel sich rot zu färben, da kommen der „Graf" und Bepo aus ihrem Versteck hervor und spähen vorsichtig nach allen Seiten. . . .
„Die Lust ist rein," flüsterte der Graf. „Rasch fort!"
Gleich darauf stößt das Boot üb. Ein Segel wird aufgespannt. Von einer frischen Brise getrieben, tändelt das Boot davon.
„Gott sei Dank!" atmet Beppo auf. „Das war eine Nacht! Wenn man uns erwischt hätte!"
Der Graf hat feine Kapllz- zurückgeschlagei. Sein kühnes dunkles Gesicht zeigt keine Spur vou Erregung.
„Du hast doch ben Schmuck, Beppo?"
"Im Stiefelschaft."
„Gut. Und nun reinen Mund gehaltenl Verstanden? Wir toiffen nichts von einem Schuß!'
.Natürlich nicht."
„Sahen auch keil» dunkle Gestalt sich über daS Treppengeländer beugen I“
„Auch nicht.'
„Wir haben überhaupt keine Ahnung von der ganzen Sache."
.Nein, wir haben keine Ahnung von der ganzen Sache."
Und weiter fliegt das leichte Boot gen Neapels (Fottfetzung folgt.)'