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Mdaer W Zeitung

Monatsbellage: „Zuldaer GefchichtrbMer"

z.pan^" l* Fulda. Mchmbeilag«: „Illustrierte Sonckagrzeitung"

>ahrqang

Fulda, Montag den 16. August 1909

JW 185.

Krvertes Wlatt

Reklamen- und Anzeigenteil.

Nizrigr«: Vie ei» spaltigepeUtzeNeoder Here» Bau* 15 Pfg. Ueüamendiepetitzelle 25 Pfg., bei Wieder­holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

Uotatisnrdruckuud Verlag der Zuldaer Al- ttendruckerel i« Fulda Zenrsprecher Nr. 9.

LrfqeM ragttq vm Ausnahme der $o.m> »ad Feiertage, virrtel- sthrUcherveMspreis einte Vringerloh« und vesteLgeld in Fulda fo- «ie auswärts 1-50 Mk.

verantw. RedÄteurr Lari SchStte,

Deutsches Reich.

= Auch eine Nachwirkung der Reichs- Finanzreform. In einer nationalliberalen Ver­sammlung in Lyck teilte nach dem Berichte des ,Reichsboten' der nationalliberale Abg. Fuhrmann mit, Herr Bassermann habe infolge seiner Mitarbeit an der Reichs • Finanzreform sooiele schlaflose Nächte gehabt, daß er aller Wahr- scheinlichkeit nach aus Gesundheits-Rücksichten kein Reichstags-Mandat mehr annehmen werde. Soll das Herr Fuhrmann wirklich gesagt haben?

-i- Nachbesteuerung der Zinsbogen. Gemäß dem Beschlüsse des Bundesrats bearbeitet jetzt, wie die ,Nationalzeitung' mitteilt, das Reichs­schatzamt im Verein mit den Steuer-Direktivbe- hörden das Verzeichnis derjenigen Aktiengesell- schasten und Kommanditgesellschasten auf Aktien u. s. ro., die vor dem 1. August ds. Js. neue Zinsbogen und Gewinnanteilscheinbogen ausge- geben haben, obwohl die alten Bogen noch nicht abgelaufen waren. Nachdem eine Reihe von Gesellschaften auf Grund der inzwischen ge­pflogenen Erörterungen die vorzeitige Ausgabe wieder rückgängig gemacht hat, bleiben immer­hin noch mehrere hundert Gesellschaften übrig, auf welche die Bestimmung des Bundesrates Anwendung findet. Sobald das Verzeichnis fertig vorliegt, wird über eine Vorlage an die gesetzgebenden Faktoren Beschluß gefaßt werden.

— Von dem kleinlichen Vorgehen gegen die selbständigen Kriegervereine legt ein Vorfall wieder Zeugnis, der sich während des Kaiser- b e s u ch s auf der Hohensyburg ereignete. Der alte Schwerter Kriegerverein und der Kavallerieverein, die beide die Kieler Beschlüsse nicht anerkannt haben, hatten für die Spalierbildung ihre Plätze bereits eingenommen, als ihnen kurz vor dem Abmarsch bedeutet wurde, daß sie nur hinter den anderen spalierbildenden Vereinen Platz finden könnten. Die beiden Vereine marschierten darauf kurzerhand ab, ihre Mitglieder gingen nach Hause und beteiligten sich überhaupt nicht am Empfang.

tvahrnimmt. In Newyork sind sieben Erwachsene bereits der Hitze zum Opfer gefallen. Ein eng­lischer Korrespondent hat in der Leichenhalle die Leichen von 40 kleinen Kindern gesehen, von denen zehn buchstäblich der furchtbaren Temperatur zum Opfer gefallen sind. „Sie ermatteten und welk­ten einfach dahin wie Blumen, ehe die Aerzte ka­men", lautete die lakonische Erklärung. In den Parks und an der Küste lagern die Leute zu Tausenden und schlafen. In der Nacht vom Mon­tag aus Dienstag flohen mehr als 100000 Men­schen aus dem Häuserbereich, um dec atembekleni- menden Schwüle zu entgehen. In Newyorks vornehmstem Park ont Riverside Drive erlebt man ein seltsames Schauspiel. Auch die Reichen haben hier Zuflucht gesucht; ohne Kragen, mit aufgs- krempten Aermeln, ohne Hüte siebt man hier die Männer fitzen und liegen. Die Klassenunterschiede verschwinden. Die Leiden verbinden die Gattin­nen der Millionärs mit der armen Frau aus dem Volke, die im Schatten der Bäume mit ihren Kindern vergeblich Kühle suchM. Die Schlaf- sale der Hosvitäler sind leer, die Krankenbetten hat man auf die Dächer geschafft. Sogar die Mode, die launische, hat sich der Hitze beugen müs­sen. Eine völlige Revolution ist eingetreten. Auf dem Broadway und auch in den stillen Straßen des Millionärviertels siebt man die Damen ohne Kragen auftauchen, die Aermel zurückgeschlagen. Die Straßeintoiletten sind verschwunden. Alles trägt leichte sackähnliche Gewänder. Handschuhe sind überhaupt nicht mehr zu schein Und die un­förmig großen Hüte, die sonst die bewundernden Blicke auf sich zogen, haben das gleiche Schicksal erlitten: alle Damen tragen nur noch leichte langherabwallende weiße Schleier, die am Kopfe befestigt sind und so gegen die Sonnenstrahlen schützen sollen.

Chinas Erwachen.

„Völker Europas ,wahrt eure heiligsten Gü­ter!" so hat einst der deutsche Kaiser das Abend­land auf die Gefahr hingewiesen, die ihm aus dem" Emporblühen der großen mongolischen Völ­ker Ostastens erwachsen kann. Der Kaiser hat sich wahrscheinlich unter dieser Gefahr das Vor­andringen der gelben, so ungemein fruchtbaren Rasse in die Kulturstätten der alten Welt, nach Europa, vorgestellt. Eine solche Gefahr liegt nicht in erreichbarer Nähe. Wenn uns nichts-

vermischles

r Die Polizeihund- sollen auch im Dienste der Gendarmerie benutzt werden. Die ersten praktischen Versuche werden demnächst in Sarbrücken gemacht. Die Diensthunde für Gendarme sollen vor allem in den Kreisen eingesührt werden, deren Kreisausschüsse sich bereit erklärt haben, die Hunde aus Kreis­mitteln zu beschaffen und zu erhalten.

* Eine Revolte von Streikenden der Aluminium­werke entstand Freitag abend in Badisch-Rheinfelden wegen des Eintreffens Arbeitswilliger. Eine große Menschenmenge drang in die Wohnungen der Meister ein und zertrümmerte das Mobiliar. Ein Italiener wurde gelötet, ein Deutscher tödlich ver­letzt. Mehrere Personen wurden außerdem ver­wundet.

— Der Kampf mit der Hitze in New-Aork. Aus Newyork wrd berichtet: Unter der furcht­baren Hitzwelle, die glühend über den großen Städten der nordöstlichen Staaten Amerikas la­gert, ermattet das Leben, und alles starrt zum Horizont und hofft auf eine erlösende Brise. Am Montag hatte man in Washington 160 Gr. F., in Philadelphia 93, in Chicago 96 und in Ne-w- york 93 (d. i. in Celsiusgraden: 38, 37, 36, 31°). Am Dienstag kam dann eine matte Brise und brachte etwas Erleichterung, aber die Bevöhkerung fft so erschöpft, daß sie die kleine Besserung fainn

Literarisches.

Von Meyenbercsis Wartburgfahrten (Luzern, Räber u. Co.) ist soeben eine neue Auflage er­schienen. Im Verlauf von sieben Monaten die dritte. Mit dem herrlichen Buch beschäftigt sich eingehend die katholische Presse, insbesondere auch die beiden Werke: Karl Muth, „Die Wiederge­burt dec Dichtung aus dem religiösen Erlebnis" und R. von Kralik, „Die katholische Literaturbe­wegung der Gegenwart."

Elisabeth, Landgräfin von Thüringen und Hessen, — die Heilige —. Von Karl Dithmar. Eschwegel908. 8°. 29S. 50Pf.

Ein kurzes aber sehr warm und ansprechendes Bild der hl. Elisabeth bietet hier der prot. Pfarrer Dithmar. Innerhalb der engen Grenzen dieses Schriftchens kann natürlich nicht auf die einzelnen Fragen der strengen Geschichte eingegangen werden; es soll auch nur „ein geschichtliches, volkstümliches Bild der einzigartigen Persönlichkeit" entworfen werden. Das Urteil des Vers, über den Beicht­vater der Heiligen, Konrad von Marburg, können wir nicht in allem unterschreiben, es ist wohl zu hart. N. 8.

* Der Effektenstewpel.

Wird durch den Grundstückstempel, über den wir uns am Freitag ausgesprochen haben, der Grund- besitz getroffen, so sollte das mobile, im Geldverkehr laufende Kapital herangezogen werden unter anderm auch durch eine Erhöhung des bestehenden Effekten­stempels. . , ,

Bekanntlich war zunächst eine Koüerungsabgabe beantragt worden. Danach sollten alle Wertpaprere dafür, daß sie zum Börsenhandel zugelassen werden, gleichsam eine jährliche Abonnementgebühr von em Fünftel Prozent zahlen; die Staatskaffe würde dabei 85 — 90 Millionen eingenommen haben. Gegen diesen Antrag erhob aber die Börsen- und Bank­welt einen solchen Lärm, und Herr Ballin bear­beitete sogar den Kaiser so gegen diese Abgabe, daß der Bundesrat erklärte, er nehme diese Steuer unter keiner Bedingung an. — Daraufhin haben die Antragsteller, die Konservativen, sich bereit erklärt, eine andere Art der Kapitalbesteuerung zu beschließen. Da blieb dem Zmtrum, das allein keine Mehrheit hat, nichts übrig, als ebenfalls auf die andere Art der Besteuerung des mobilen Kapitals sich zu werfen, damit dieses überhaupt nur mit herangezogen werden konnte, an der neuen großen Last mitzu- ragen. Diese andere Art ist zunächst die Talon­teuer und dann die Erhöhung des Emissions- tempelS oder kurz genannt Effektenstempel.

Dieser wird erhoben, wenn eine Kapitalgesell­schaft neue Aktien und Schuldverschreibungen ausgibt. Die Regierung wollte aus diesem „Stempel" nur 10 Millionen mehr herausschlagen. Gegen die Börse hat der Bundesrat eine gar zarte Hand. Die Mehrheit hat sich nicht irre machen lassen und hat den Stempel so erhöht, daß er mindestens 2 3 Millionen jährlich mehr einbringt, als bisher, obwohl die Abgabe für die betreffenden Wertpapiere nur einmal, nämlich bei der Ausgabe erhoben wird. Für Pfandbriefe der Hypochekenbanken ist die Ab- Sabe eine sehr mäßige, 1I* °/o. Dagegen beträgt e für Aktien aller Art 3 °/o.

Befreit von der Steuer bleiben: 1. Inländische Aktien gemeinnütziger Gesellschaften; 2. Eisenbahn­obligationen, sofern die betreffenden Eisenbahnen unter Zinsgarantie des Reiches, der Bundesstaaten oder Kommunalverbände errichtet werden; 3. alle Staatspapiere.

Durch die Erhöhung des Effektenstempels werden in erster Linie die Besitzer industrieller Wert­papiere getroffen werden. DieKleinkapitalisten und Rentner werden im allgemeinen nicht oder nur wenig getroffen werden, denn gerade sie sind gewohnt, chre Ersparnisse anzulegen in Staats- papieren oder Hypothekenpfandbriefen. Die ersteren find frei, die letzteren werden nur mit '/? Prozent des Nennwertes belastet. .

Es ist diese Steuer tatsächlich eine Steuer auf den Besitz. Direkt kann sie nicht „abgewälzt" werden.

Trotzdem stimmten Nationalliberale und Frei­sinnige — was von ihnen erklärlich fft, aber auch die Sozialdemokraten — was unverständlich ist — gegen diese Steuern des mobilen Kapitals.

bestoweniger eine große Gefahr von Ostasien aus droht, so liegt sie in der ungemein hohen An- paffmigsfähigkeft der ostasiatischen Völker an die Errungeusck>asten der europäischen Kultur. .Mit anderen Worten: die Gefahr liegt auf wirt­schaftlichem Gebiete. Die Völker jener Länder ivecden sich industriell selbständig und von uns unabhängig machen, und die Folge da­von wird sein, daß Europas Industrie auf das wichtigste Absatzgebiet der Welt verzich­ten muß.

Es ist das Verdienst des Berliner Privat- dazenten Dr. Großmann, diese Tendenz, wenn auch wider Willen, in den Vordergrund geschoben zu haben. In einem Aufsatz über die chemische Industrie in China schreibt er:

„. . . . es sind bereits mehrere große chemische und metallurgische Werke am Jjangtse-Fluß und in einigen anderen Provinzen errichtet worden. Da China überaus reich an Steinkohlen und vor allem an Eisen­erzen, sowie an Gold, Zinn, Kupfer, Antimon, O,ueck- silber, Silber und Zink ist, so erscheint besonders die Lage der metallurgisch-chemischen Betriebe für die Zu­kunft eine recht aussichtsreiche. Auch die großen Petroleumlager Chinas sollen jetzt ausgebeutet werden, zu welchem Zwecke sich vor kurzem ein Syndikat ge­bildet hat. Die Annahme, daß die künftige industrielle Entwickelung Chinas dieses Land zu einem neuen und ernsthaften Mitbewerber auf dem Weltmarkt machen werde, ist angesichts dieser Darlegungen wohk kaum von der Hand zu weisen."

Demgegenüber ist es ein schlechter Trost, wenn der freihändlerisch angehauchte Verfasser be­schwichtigend meint, in der Gegenwart und der nächsten Zukunft werde man in China nicht auf europäische Ware verzichten können, toeil wir der dortigen Industrie immer noch ein gut S t ii ck voraus fern würden. Gewiß, die Entwicke­lung zu größerer Produktionsfähigkeit und grö­ßerer Schaffens-Geschicklichkeit läßt sich nicht von heute auf morgen herbeiführm. Alles will ge­lernt fein, und die Heranziehung eines geschick­ten Arbeiterstammes ist ein sehr schweres Werk. Aber man soll diese Schwierigkeiten nicht überschätzen. Wir Haber, alles von Grund auf ^aus eigener Kraft heraus lernen müssen, ohne ' Lehrmeister. Die gelehrigen Zopfträger aber haben au uns gute Lehrmeister. Wie unange­nehm die Entwickelung der Industrie außerhalb der industriellen Kulturländer vonanschrettet, das zeigt uns R u ß l a n d, wo heute bereits etne Industrie nach der anderen zur Gründung von Syndikaten übergeht, die mit großem Geschick und echt russischer Rücksichtslosigkeit arbeiten, Es zeigt uns ferner die Tatsache, daß Rußland in einigen wenigen Jahren zum vierten Tertil- industrieland ber Welt aufgeftiegen ist. Mau will eben überall in der Welt vorwärts kommen.

Für die modernen Kulturstaaten ergeben sich aus diesen Entwickelungstenderrzen sehr ernste Mahnungen, aus die wir leider, in der letzten Zeit wenig geachtet haben, weil ja die Ausfuhr immer weiter angestiegen ist. So wie sich kein Volk von einem andern dauernd unterwerfen läßt fo wie nach und nach die meisten großen außereuropäischen Kownien, sobald sie zur kul­turellem Unabhängigkeit und höheren Durch­schnittsbildung kamen, das Joch der europäischen Staaten abgeworfen haben, so werden die Völker sich auch wirtschaftlich unabhängig machen. England, das sich gern als „Werkstätte der Welt" bezeichnete und das seine Landwirtschaft erbarmungslos in dieser Ansicht hat zu Grunde gehen lassen, fühlt bereits heute, wie die Deut­schenhetze zeigt, den Boden unter dem Funda­ment seiner industriellen Vorherrschaft in der Welt erzittern.

So wird es, wenn auch erst in absehbarer Zeit, allen Völkern ergehen müssen, die sich nicht in allen Teilen auf die eigene Produktion stellen, die z. B. ihre Landwirtschaft vernachlässigen.

Kleines Feuilleton.

— Wie kommt das Niesen zustande? Die äl­teste Erklärung für das Niesen nahm an, daß beim Niesen Unreinigkeiten des Gehirns durch die Nase herausbefördert werden, mau hielt das Gehirn für eine Drüse, deren Absonderungen durch das Siebbein abgeschieden würden. So er­klärt sich das noch heute gebräuchliche „Profit", das man dem Niesenden zürnst. Natürlich ist diese Theorie heute aufgegeben und man nimmt nunmehr an, daß das Niesen dazu da ist, um die Nase von fluffigem Secret zu reinigen, ein Vor­gang, der aber noch nicht ganz geklärt ist. Eine -neue Erklärung für das Zustandekommen des Niesens gibt Dr. v. d. Velden in Frankfurt a. 'M. Er faßt die Nafe als ein Ausscheidungsor­gan für gasförmige Abfallstoffe des Stoffwechsels auf, denen wahrscheinlich, der Schleim der Nase ,als Träger dient, ohne baß sie an seine Absonde­rungen durchaus gebunden wären. Beim Nie­sen tritt ein starker Luftstrom in Aktion, der den Luftinhalt nicht nur der Nase, sondern auch der Nebenhöhlen erneuert Diesen Zweck erfüllt das Diesen, wenn reizende Gase in die Nase getan- Pen, z. B. Bromdämpfe. Feste Körper in die Nase gebracht, erzeugen Niesen, nur infotoeit sich reizende Gase aus ihnen entwickeln, z. B. Schnupf­tabak. Beim Heufchnupfen ist der Schleim wohl Weniger als fester Körper wirksam, denn als Träger von Riechstoffen. Flüssigkeit in der Nase tuft an sich kein Niesen hervor, weil es nur mit Gasen etwas zu tun hat. So erklärt sich der Mo- .wentsHmpfen, d. h. das bei Abkühlung durch Transpiration und beim Kaltwerden der Füße 'auftretende Niesen, da-s zuweilen der Beginn .ernes Schnupfens fft, aber durchaus nicht zu sein braucht, und das estolgt, ohne mit flüssiger Ss- pretion der Nase verbunden zu sein. Manche Per­sonen kennen diesen Momentschuiipfen sehr genau find sagen mit Sicherheit vorher, ob ihr Niesen der Beginn eines Schnupfens ist oder mit ein paarmal Niesen die ganze Angelegenheit abge­

tan ist. Es ist eine Ausstoßung von km perschäd­lichen Gasen, die ohne die eingetretene Abkühlung ihren Weg durch die Haut gefunden hätten. Da­her das Wohlgefühl und die Erleichterung und die unangenehme Empfindung, wenn der Akt des Niesens durch Ablenkung der Aufmerksamkeit unterbrochen wurde. Auf das Niesen folgt ge­wöhnlich eine Abfchwellung der geschwellten Schleimhaut, was an der freieren Nasenatmung leicht kenntlich wird Das Niesen, das bei man­chen Personen austritt, wenn ihnen die Sonne ins Gesicht scheint, erklärt Dr. v. d. Velden mit der Annahme, daß dadurch eine solche Konzentration der gasförmigen Ausscheidung nach dem Kopfe erfolgt, daß die Nafenschleimhaut mit herangezogen wird. -r.

— Der „echte deutsche Baum" ist die Linde, nicht, wie vielfach angenommen wird, die Eiche. Unsere Literatur und unser Volksleben beweisen das. Von dem Lindeublatt in der Siegfriedsage und Walters von der Vogelweide „Unter der Linde" bis zum „Linbenbaum" Wolfgang Mül- lers ist in der deutschen Dichtung immer und im­mer wieder von der Linde die Rebe. Auch im Volksleben, wie schon angedeutet, spielt die Linde eine große Rolle. An den öffentlichen Versamm­lungsorten der Gemeinde, wo die Bürger zur Beratung zusammenkamen oder ein Femgericht cckgehalten wurde, in Dorf und Stadt, standen und stehen Lindenbäume, die mitunter zu einer künstlichen Laube gezogen wurden. Entstaub später ein Gasthaus oder ein Rathaus an dieser Stelle, so ging die Bezeichnung „Linde" oder „Lawbe" auf das neue Gebäude über. Man wird in Deutschland, namentlich in Süddeutschland, fetten em Dorf oder eine Stadt finden, wo es nicht ein Wirtshaus „Zur Linde" ober „Zur Laube" gibt, während an manchen Orten das Rathaus im Volksrnund „Die Laube" genannt wirb. Die Eiche ist der Baum des skandinavischen Nordens und ist erst mit der Eddasage in die deutsch« Literatur verpflanzt worden, wo sie ihre Rolle unter den Barden und Sängern der Be­freiungskriegs im patriotischen Liede gespielt

hat, in ihrer allgemeinen Bedeutung jedoch weit hinter der Linde zurückbleibt. Auch erscheint sie wegen ihrer Eigenschaften viel eher als eine Ver­sinnbildlichung des deutschen Volkscharakters, der zähe Kraft mit träumerischer Weichheit in sich bereinigt, als die Eiche, die so recht die knorrige Rauheitves skandinavischenGermanemums verkörpert.

— Die gestörte Sommerfrische. Newport, der berühmte fashionable Badeort der amerikani­schen Millionäre, ist in Aufregung: die dollarge­segneten Gäste sind unzuftieden und wollen aus­wandern. Die idyllische Stille von ehedem ist vorüber. Täglich kommen große Reiseautomobile mit Touristen, b'e ben Badeort der Milliardäre besichtigen wollen. Die Herren von der hohen Finanz find von diesem Zufluß gar nicht sehr erbaut, denn mit dem Strom der Touristen ha­ben auch die Frembenführer ihren Einzug in Newport gehalten. Sie eilen den Touristen vor­aus, zeigen timen die palastartigen Billen der bevühmtvn Millionäre und spionieren an den Gartengittern, ja, ein unternehmender Fremden­führer hat sich sogar ein großes Sprachrohr zu­gelegt, um sogleich größere Gruppen von Neu­gierigen über Intimitäten aus dem Badeleben der Millionäre zu miterrichten. Ueberall tönt jetzt das Gchrüll der Sprachrohre: „Hier rechts, das ist her Sommerpalast von Goulb. Sehen Sie sich die Gartenanlage an. Jebe Pflanze ist eigens importiert aus ben Gärten englischer Lords. Sehen Sie die Dame dort auf der Ver­anda? Das ist die Gräfin bi Parchefi, bie in beim Netz eines deutschen Barons zappest, der auf der Fagb nach ihren Millionen Nach Amerika gekom­men ist. Zur Linken haben wir das Haus von Frau Perthmeres, dieselbe, bie kürzlich ben Affen des Zoologischen Gartens ein Festmahl gab. 50 000 Franks in der Woche, 65 Bediente", schließt der Fremdenführer mit vielsagendem Blick seine schon 100mal hergeleierte Rede. Die Millionäre sind von der Tätigkeit der Fremden­führer, die sich nicht scheuen, auch allerhand dis­krete Sachen auszuvlaudern, wenig erbaut und

wollen jetzt Newpost verlassen, wenn ihnen nicht „Hilfe" gebracht wird. -p.

— Nur immer korrekt! In einem kleinen Qertchen, so schreibt man der „Tägl. Rundschau", sitzt ein sehr gewissenhafter Postverwalter am Schalter. Eines Tages zahlte jemand bei ihm u. a. einen Pfennig ein, der unverkennbare Merkmale einer äußeren Beschädigung trug. Der Vorschrift gemäß nahm der Herr Bürokratius mit dem unglückseligen „Auslieferer" sofort ein schriftliches Protokoll darüber auf, ob er persön­lich die Beschädigung verursacht oder von wem er das Geld in biefem Zustande erhalten hab«. Der Gefragte äußerte sich mit rührender Geduld und noch rührenderer Uyiständlichkeit sehr eingehend über diese Frage, und nachdem er anstatt des be­schädigten ein anderes, durchaus eimvandfreies Geldstück hinterlegt hatte, wurde das Protokoll in der herkömmlichen förmlichen Weise vorgelesen, genehmigt und mit feierlicher Andacht unter- schrieben. Dann erst wurde der schwergeprüfte „Auflieferer" in Gnaden entlassen. Sein Weg führte ihn sofort zum Stammttsch, too sich um die übliche Vormittagsstunde die Honoratioren des Städtchens gerade zum Frühschoppen versammelt hatten. Hier erzählte er sein kleines Erlebnis, das natürlich sofort allgemeine Heiterkeit aus­löste. Während man noch darüber lachte, hatte der rühstge Wist schnell alle Skatpfennige zusam- mengerafft und mit Stemmeisen und Feite ge­hörig „gekennzeichnet". Darauf verteilte er sie an seine Gäste, bie sich nun mit würdiger Wwne einer nach dem anberen zum Postamts begaben, um bort je eine Briefmarke zu erstehen. Der Postbeamte sah zwar etwas erstaunt auf,, aber gewissenhaft erfüllte er feine Pflicht, indem er tm Laufe des Vormittags noch elf mehr oder weniger umständliche Protokstle aufnahnl. Am Abend fehlte der pflichtgetreue Beamte am Stammttsch. Man schickte nach ihm. Er aber entschuldigte sich: er forme nicht kommen, da er zu elf Protokollen noch elf Berichte an seine vorgesetzte Behörde machen müsse! — Lieb Vaterland magst ruhig sein!