36. Jahrqanq.
Fulda, Samstag den 14. Auqust 1909.
M 184,
Zweites Wtcrtt.
Wochen-Kun-jchau.
[:] Fulda, 13. August 1909.
Die glanzvolle Veranstaltung des 20. Internationalen Eucharistischen Kongresses hatte Tausende von Katholiken aus aller Herren Länder nach der rheini- , |chen Metropole Köln gelockt. Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete am Sonntag die feierliche Prozession zu Ehren des allerheiligsten Sakramentes. Hunderttausende waren von morgens früh aus allen Tellen der Windrose in Köln zusammen geströmt. Die Bevölkerung von Köln hatte, was würdige Ausschmückung der Straßen anbelangt, das Menschenmöglichste geleistet, um den feierlichen Umzug des Herrn zu einem möglichst prachtvollen und der götttichen Majestät würdigen zu gestalten. Ein unvergleichlicher Anblick war es, die zahllosen Vereine, die zum Tell in recht schmucken Uniformen erschienen waren, sowie die Priester und Ordensleutr feierlich gemessenen Schrittes, singend und betend durch die Straßen ziehe?; zu sehen. Den Glanzpunkt der Prozession aber bildeten die zahlreichen Vischöse, darunter die Kardinale und endlich der prachtvolle Baldachin, unter dem in einer tastbaren Monstranz das SanMffimum einhergetragen wurde. Dem Pariser „Univers" scheibt Francois ! Veuillot in seinem Schlußbericht über den Sonntag: I „Die Stadt Köln hat dem hh. Sakrament einen unver- -aleichlichen Triumph bereitet Unter einem sonnen- ! Durchstrahlten Himmel, zwischen Flaggen, Girlanden 3.* *nb Bannern, mitten unter hunderttausend Zuschauern, die aufnrerksam und ehrfurchtsvoll sich auf einem Weg von mehreren Kilometern drängten, zogen sech- zigtausend Männer in Prozession vorüber, um die von einem Legaten des Papstes getragene hl. Hostte zu ge- leiten. 60 000 Männer! Abgesehen von einem Tausend Klosterfrauen und einem Tausend Knaben aus den verschiedenen Kirchenchören, die in dem ungeheuren Aufzuge verteilt waren, sah mm da nur Männer, Männer, die sich des Schrittes bewußt waren, ,den sie taten, aus freiem Willen an der Prozession teilnehmend. Und in dieser friedlichen, betenden Armee zählte der Klerus, in Gruppen zerstreut oder /um das hh. Sakrament geschart, drei- bis viertausend >Fa, 60 000 Männer als aus wenigen Einzelnen be- > flehende Abordnungen, deren jede einen Verein, Kör- perschast, Stadt vertrat; denn man hatte die Vrrtre- ! lungert auf wenige Mann beschranken müssen, um den i herrlichen Zug nicht bis ins Unendliche zu verlängern I und die Eisenbahnen zu überfüllen. 'Die Materialisten und Fanatiker mögen nur immer behaupten, daß der s Glaube abstirbt, sie mögen hartnäckig ihre Anzen vor dieser packenden Tatsache verfchließen. Me ehrlichen Männer werden die lebendige Dauerkrast dieser Ueber- zeugungen anerkennen, die ein ganzes Volk zu Ehren der Hostie aufijieten." F. Veuillot spricht dann bewundernd von den Kirchen dieses Roms des Nordens, mit ihren ungeheuren Mengen von Andächtigen, neben denen andere Massen die Straßen gleichzeitig süll- len, von der begeisterten Frömmigkeit der zahllosen Männer aus dem Volke, von dem Wetteifer dec Anwohner jener Straßen, welche die sakramentalische Prozession durchzog, den Weg würdig zu schmücken. -Und endlich am Dom: „Ein gewaltiges Wehen der Anbetung senkt die Stirnen des Volkes wie ein starker Wind die Aehren. Dann heben sich die Häupter, das Tantam ergo breitet sich aus wie eine tönende Woge Eme neue Segnung, langsam vom Kardinallegaten erteilt, der trotz seiner Ermüdung diese letzte Handlung veMngern zu wollen scheint, um sich an dem wunderbaren Anblick dieser Meng- zu stärken "
Reben deiser Tagung, die wieder deullich den lebendigen Geist der katholischen Kirche zum Ausdruck brachte, fanden mehrere Kongresse rein wirtschaftlicher Natur statt. Die Handwerks- und Gewerbekam- mern hatten ihre Vertreter nach Königsberg gesandt, während die Ottskrankenkaffen Deutschlands in Bremen ihren 16 Verbandstag abhielten. Beide Tagungen beschäftigten sich in der Hauptsache mit der neuen Reichsversicherun gsordnung. Zu einer Jubelfeier hat sich in diesen Tagen seiner der Allgemeine Deutsche Genoffenschastsverband in Freiburg i. Br. versammelt. Im übrigen war es in der inneren Politik nach jeder Richtung hin in der vergangenen Woche äußerst still. Angesichts der dringenden Ermahnungen, doch endlich die wettere Beunruhigung des deutschen Volkes über die neuen Steuern zu unterlassen, scheint die liberale Hetzpresse das Vergebliche ihrer Bemühungen einzusehen. Dagegen protestieren die Blätter aller Patteirichtungen dagegen, daß die neuen Verbrauchssteuern von gewissen Leuten, darunter von vielen, die mit am lautesten über ihre Einführung klagten, zum Vorwand für eine ganz unbillige Uebertcuerung ües Publikums benutzt werde.
Nach der Zarenbegegnung im Kieler Hafen am Samstag wohnte daS Kaiserpaar am Montag der JubAfeier in Cleve und am Dienstag der Jubelfeier auf Hohensyburg bei.
Kriegsminister v. Einem ist zurückgetreten. Die Meldung wirkt genau so überraschend wie vor 6 Jahren, im Mai 1903, die Mitteilung, daß er zum Nachfolger des beurlaubten Ministers v. Goßler ausersehcn und zunächst mtt dessen Stellvertretung beauftragt sei. Man ist sich darin einig, daß v. Einem nur auf seinen eigenen Wunsch hin seinen Posten verläßt. Dem Wirken des scheidenden Kriegsministers wird in der bürgerlichen Presse allgemein warme Anerkennung gezollt, besonders wird fein Auftreten im Reichstage und in den Kommissionen hervorgehoben, das ihm die Sympathie aller Patrioten gesickert habe. Zum neuen Kriegsminister ist dec kommandierende General des 2 Armeekorps, General der Infanterie v. H e e r i u- g e n ernannt worden.
In Spanten sind Ruhe und Ordnung wiedergekehrt. Besonders Barcelona, der Herd des Aufruhrs, zeigt wiederum das gewohnte Bild und die bortige Bevölkemng gebt seit etlichen Tagen wieder ihrer gewohnten Beschäftigung nach, als ob nichts geschehen wäre. Was die Situation auf dem Kriegsschauplatz« bei Melila anlangt, so ist zu vermerken, daß der spanische Oberbefehlshaber in Marokko, General Marina, bedeutende Verstärkungen erhalten hat und nun zur Offensive überzugehen gebenft. Run ist aber nicht zu vergessen, daß auch feine Gegner bedeutende Verstärkungen erhalten haben und daß außerdem diese Gegner das Kriegshandwerk aus dem ss verstehen. So ist es begreiflich ,daß man in Spanien nicht überall der gleichen Siegeszuversicht ist, wie General Marina und mit einiger Besorgnis der nächsten Zukunft entgegensicht.
Viel Staub anfgewirbelt hat in der letzten Woche die kretische Frage. Die Sache schien bis in die letzten Tage hinein einen brenzligen Charakter an- nehmen zu wollen, doch ist berechtigte Hoffnung vorhanden, baß es nicht zu Gewehrschüssen kommen wird. Erstens hat die Pforte, die verantworfliche türirsche Regierung die in etwas demütigem Tone gehaltene STnttoortnote Grieckenlands nicht ungünstig ausgenommen, und auch die Kreter scheinen einlrnken zu wollen Die Vorstellungen dec sechs europäischen Großmächte bei den beteiligten Kreisen haben ihreW-r- kung nicht verfehlt "und der Kriegslust, besonders der Jungtürien, einen Dämpfer aufgesetzt
In Schweden hat am 1. August der allgemeine Ausstand begonnen. Es bandelt sich hier um eine ge-
walttge Kraftprobe zwischen den Organisationen der Arbetter und der Arbeitgeber, die für Schweden etwas Neues bebrütet Der Grund zu diesem Generalausstand liegt in gewissen Lohnstreittgkeiten in verschicde- r.en Branchen. Mit verblüffender Ruhe auf beiden Seiten sehen die Arbeitgeber und Arbeitnehmer die begonnenen Auseinandersetzungen fort. Es ist schwer, von hier aus zu beurteilen, welche von beiden Parteien im Rechte ist Während die Arbeiter sagen, daß sie vorn Unternehmer ausgebeuter und mit Hungerlöhnen abgespeist würden, behaupten die Arbeitgeber ihrerseüs, daß die unaufhörlich steigenden Ansprüche der Arbeiter und die neuerdings sehr schlechten Konjunkturen die Industrie zu erdrosseln drohen. Jedenfalls ist aber Tatsache, daß dieser Generalausstand nicht nur kür die Arbeiterschaft, sondem auch für das Unternehmertum einen sich auf Millionen belaufenden Schaden im Gefolge hat
X Eine Antwort die Hand und Fuß hat,
erteilt im „Fränk. Volksblatt" der Abg. Gerstenberger (Ztr ) auf einen „offenen Brief", der in dem Aschaffenburger liberalen Blatt an seine Adresse gerichtet war. Unterzeichnet ist der üon Sozialdemokraten verfaßte Brief von 17 „katholischen" Eisenbahnern in Damm. Diese laden darin den Abg. Gerstenberger zu einer sozialdemokratischen Volksversammlung ein und behaupten im Anschluß daran:
Die neuen Steuern belasten die weniger Be° mitlellen sehr, die Reichen gar nicht! Die Kon- sumsteuern, also die Verteuerung von Kaffee, Tee, Zündhölzern, Vier, Schnaps, Tabak usw., sind an und für sich Ichon ein Verbrechen, das wir dem Zentrum niemals zugelrant hätten. Gerne helfen wir Steuerlasten mittragen, aber allein damit „erfreut" zu werden, ist eine Sache, die schonungslos gebrmdmarkl werden muß. Auch die Zinsbogensteuer (Talonsteuer) belastet mehr den mittleren Manu, als den reichen. Wir Eisenbahner haben auch manches Wertpapierchen gespart in den langen Jahre» und nun wird es mit einer Steuer belastet! Selbst wenn alles wär«, was der .Beobachter am MairO schreibt, daß andere Parteien noch schlimmere Steuern bewilligt hätten, was aber nicht wahr ist, so hat unser Zentrum doch das Schlimmste getan. Das müssen Sie uns, Hochwürden, unbedingt rechtjertigen.
Abg. Gerstenberger tnttondet nun den .katholischen" Eisenbahnern wie folgt:
a) Ob die neuen Steuern bewilligt werden m u ß- t e u, können Sie bei Ihren Kollegen im Reichsdienste erfahren, welche auf die Aufbesserung warteten, die 117 Millionen erforderte: können ihnen die Jnvalidenrentner sagen, welche 52 Millionen vom Reiche zu beziehen haben, und die Arbeiter-Witwen und Waisen, welche auf die Einführung der Witwen- und Waisenversicherung warten und dazu 40 Millionen Zuschuß vom Reiche notwendig haben; ferner die Invaliden aus früheren Kriegen, welche nach Aufzehrung des Fonds 30 Millionen Zuschuß vom Reiche j ä h r- l i ch beanspruchen, und alle diejenigen, welche teuer die Papiere der deutschen Reichsanlehen gekauft haben und diejenigen, welche Geld aufnehmcn müssen. Diese spüren es, daß infolge der Finanznot der Kurs der deutschen Papiere tiefer steht, wie in jedem anderen Lande, die Türkei nicht ausgenommen.
b) Ich bedauere, daß auch Sie auf den S ch wi n d«l hereingefallen sind, als ob durch die neuen Steuern „die Reichen gar nicht bela- tet würden" — und als ob „Sir allein mit der Steuerlast erfreut" worden wären. Run merken Sie auf:
Neu bewilligt sind, nach Abzug der schon früher bestandenen Zucker- und Fahrkartensteuer, 445 Mill. Mark. Da Sie kaum zu den 40 Millionen beim Verkauf von großen Grundstücken, oder als Fideiko- mißbesitzer, ferner zu den 20 Millionen für Bank- ouittungs-. Check- nnd Wechselstempel, zu den 22,5 Millionen bei Ausgabe neuer Wettpapiere, zu den 24,5 Millionen Talonsteuer beitragen müssen, da ferner die 25 Millionen Matrikularbeiträge durch direkte Steuern in den Einzelstaaten gedeckt werden, da die . „armen Leute" und Arbeiter kaum zur Glühkörpersteuer (Gas und Elektrizität) mit 20 Millionen und zur Schaumweinsteuer mit 5 Millionen beitragen, hätten Sie also nicht alle Steuern allein zu tragen, sondern nur noch 285 Millionen und zwar 10Ö Millionen für Bier, 80 für Branntwein, 45 für Tabak, 37 für Tee und Kaffee und 23 für Zündwaren.
Aber, Verehrteste „17 katholische Dammer Eisenbahner", Sie werden doch nicht behaupten wollen, daß nur die armen Leute Bier, Likör, Tabak. Tee, Kaffee und Zündhölzer brauchen, daß diefe allein die 285 Millionen aufbringen müßten? Nach der letzten Berufszählung im Jahre 1907 gibt es in Deutschland SO Millionen Erwerbstätige, davon gehören zur Industrie — einschließlich Bergbau und Baugewerbe — zusammen 11256 254; zum Handel 3 477 626, zusammen also noch nicht die Hälfte der er- werbstättgen Leute im Deutschen Reiche. Nun sind aber das doch nicht lauter Arbeiter und kleine Geschäftsleute; da gehen noch ab die größeren Kaufleute, Fabrikanten, Handwerker mit Betrieb und Hausbesttz, Verkehrs-, Bank- und Jnduftriebeamte, Baumeister usw Wenn also die „kleinen Leute" in obigen Ständen die Hälfte der Erwerbstätigen ausmachen, dann brauchen sie auch nur die Hälfte der 2 8 5 M i l l i o n e n, das sind 142 Mill., zu tragen — vorausgesetzt, daß sie gerade so viel für die sogenannten entbehrlichen Genußmittel aufwenden, wie die Reichen. Also, cs ist unwahr, daß „Sie allein" die neuen Steuern tragen müssen. Höchstens 140 Millionen treffen auf Sie und davon kommen sofort wieder zu gut 71900 000 Mark den unteren Beamten (Bediensteten, Briefträgern der ReichS- post usw.), 40 Millionen für die Witwen- und Wai- senversichemng, 30 den Kriegsteilnehmern und die großen anderen Brocken den vielen Arbeitern in den Marine- und Militärwerkstätten.
Es ist aber auch unwahr, „daß die Reichen gar nicht belaßet werden". Was das Volk gewöhnlich unter „Reichen" versteht, smd doch nicht nur die paar Millionäre, — die machen das Kraut nicht fett, — sondern alle Leute, die einen gesichetten Besitz haben. Alle diese Leute werden belastet 1. mit ihrem Anteil an den indirekten Steuern, 2. mit den Besitzsteuern von 110 Millionen, der Schaumwein- und Glühkörpersteuer mit zusammen 25 Millionen, und 3. mit den vielen direkten Steuern, welche in den Gemeinden und im Staate zu zahlen sind und 3 Fünftel aller Steuern und Zölle ausmachen. In den letzten 2 Jahren sind sie in Deutsch- land allein um 500 Millionen vermehrt worden.
Nun noch ein kurzes Wott für diejenigen Eisenbahner, die laut „Aschaffenb. Ztg" „sich manches Wertpapierchen in den langen Jahren erspart haben" und nun dafür besteuert werden. Da ich wirklich Mitleid mit den Aermsten habe, erkläre ich mich hier öffentlich bereit, für diese „17 katholischen Dammer Eisenbahner" für b le nächsten 10 Jahre bie Talonsteuer zu entrichten und den nött- gen Geldbetrag bei einem von ihnen zu bestimmenden Bankier zu hinterlegen. Ich nehme an, daß sie durchschnittlich kaum mehr wie 2000—3000 Mark sich «spart haben, das macht pro 1000 Mark und
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woch-Mic-s-: „Illustrierte Sonntagsjeitang“
«rfchetttt täglich mtt Ausnahme der $<m«= U«i> Feiertage, viertel- j Ehrlicher vepigsprei» ohne Sttngerlohn mrd vesteklgeldinFuldaso» Wie auswärts 1-50 Ulf-
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Unpolitische Zettlaufe.
(N.) Berlin, 12. August 1909.
(Nachdruck verboten.)
a also! Der Krieg wegen Sreti und Pl-chi blei . uns erspart, und das Erutcwetter ist auch besser geworden. Was wollen wir denn noch mehr?
Aber die neuen Steuern! Ja, was ist denn eigentlich schlimmer: die Steuern selbst oder das fürchterliche Geschrei, das darüber gemacht wird? Die Gesetze sind nun einmal da, gezahlt muß werden; davon beißt kein Mäuslein einen Faden ab. Der eine sagt: „Na, denn Helpt dat nicht" und beißt herzhaft in den säuern Apfä. Der andere aber dreht den säuern Apfel erst lange hin und her, malt sich in der übertriebensten Weise seine Säure aus, läßt sich von den Klageweibern aus der Nachbarschaft das Herz noch schwerer und die Zähne noch stumpfer machen, und leidet so unter brin greulichen Vorgeschmack viel mehr, als durch den Bissen selbst.
Das Leben auf Erden ist ja nicht leicht; deshalb sollten die Menschen sich gegenseitig trösten unb cms- ntuntern. Aber bei uns in Deutschland ist es jetzt Mode, sich das Leben nach besten Kräften gegenseittg zu verckla und zu erschweren: Wir sehen in diesem nassen Sommer viel Pilze aus der Erde schießen und leider Mich vrele Heul- und Schimpfzungen. Was ca m Wott und Schrift grjammett und gescholten bas ge^t über alle Hutschnuren der Wahrhett und der Vernunft hinaus In dem feindseligen lich ja so wie so der Glaube ringe- nfftet, Deutschland sei ausgepovettes Land, das • "Och ^die fürchterliche Last seiner Rüstungen i.vl l®teuem ertragen könne. Wenn man dort fn\n;,k ®eh”nfd wegen der neuen Abgaben hört, auf R? denken, das Deutsche Reich pfiffe Sacke^^^och. Und in Wirklichkett liegt bie bit 8(Är > Frankreich z. B. ist längst wie sie bei ^drauchsabgaben dreimal so hoch, als Leulweibern *Ü?$en f°®- Men unseren Ita ? Geschlechts möchte ich wün-
L sie nur ein Jahr nach Frankreich versetzt mi!> wiederkämen, so würden sie einstim-
68 ^bs das deutsche Steuersystem! Hier ÄTÄ" ’hd,n d°« m» -----
Das Klagen und Schimpfen ist Wahnsinn, aber es hat Methode. Die Herren Liberalen wollen im trauten Verein mit den Socis dem Volk einr-.'dcn, daß der „schwarze Block" der ärgste Blutsauger der ganzen Weltgeschchte sei. Der schwarze Block soll die alleinige Ursache von allem Jammer, Not nnd Elend fein. Dieser schreckliche „schwarze Block" besteht erst seit zwei Monaten. Aber schon seit zwei Jahren wußte alle Welt, daß das Reich öis zum Halse in Finanznot stecke, nnd daß infolgedessen so gegen 400 Millionen netter Verbrauchssteuern kommen mußten. Wenn die Liberalen mit ihrem Gönner Bülow am Ruder geblieben wären, so hätten sie die Verbrauchssteuern bewilligen müssen, und dann wären sie als notwendig und erträglich 'angepriesen worden Jetzt hat, als der Liberalismus die gekränkte L-berwurfl spielt, der sogen, schwarze Block dem Reiche gegeben, was das Reich braucht, und dabei hat er noch die Summe der neuen Verbrauchssteuern biS auf kaum .300 Millionen herabgedrückt Jetzt mtt einem Male sollen diese Steuern, für welche die Liberalen sich früher ins Zeug gelegt hatten spottschlecht und überflüssig und volksa erd erblich sein' Wers sagt, ist rin Fuchs, und wers glaubt, ist rin Esel. —
Die Steuerlast ist mit einer Tracht Schwämme zu vergleichen, wenn man sich erst um diese Tracht herumstellt und die Tränen auf die Schwämme fließe» läßt, so wird die Lost nur noch schwerer. Wer klug ist, greift frisch zu, und hupp! hat er die Geschichte auf dem Rücken. Angenehm ist es nicht, ober cs geht!
Es gibt auch überkluge Leute, die sich durch allerhand Kunstgriffe dir Last erleichtern wollen. Am schönsten zeigt sich diese schattige Schlauheit bei dem Ansturm auf die Zündhölzer. Große Vorräte kaufen und aufstapekn — war die Parole. Und bas Ergebnis war, daß die Zündhölzer schon vor dem J.ckraft- treten der Steuer teurer wurden. Ganz natürlich: der Preis steigt, wenn plötzlich eine starke Nachfrage dntritt. Es ist auch ganz natürlich, wenn die Geschäftsleute den Einkaufsdrang des Publikums benutzen, um mtt ihren Warenvorräten noch vor dem Steuettermin möglichst zu räumen. Darum werden jetzt namentlich die Raucher mtt Kaufangeboten heimgesucht.
Soll man sich nun Vorräte an steuerpflichtigen
Sachen zulegen oder nicht? Ich rate davon ab. Es temmt mehr Schaden als Vorteil dabei heraus.
Bon den Zündhölzern z. B. mußte man schon eine große Masse ausscapeln. wenn die Steuerersparnis ins Gewicht fallen sollte. Aber wer will denn diese feuergesährlichen Dinge in ganzen Haufen in seiner Wohnung liegen haben? Wenn man sie nach und nach in einzelnen Paketen einkaust, so mettt man die jedesmalige Mehrausgabe kaum. Wird bann eine sparsame Verwendung der Streichhölzer einge- sühtt, so kann man die Mehrausgabe zum größten Teil wieder einbringen, da tatsächlich bisher mit diesen Dingen vielfach geradezu verfchwenderisch umgegangen wurde. Hat man freilich einen großen Vorrat anfgestapelt, so wird eS zur Sparsamkeit nicht kommen.
Wenn du bisher schon gewöhnt warst, im Hause Zigarren oder Zigaretten in Kisten ober Päckchen zu halten, so bleibe babei und bringe vor der Steuererhöhung deinen Vorrat auf die übliche Nöhe. Aber wenn du bishrr deinen Rauchbedatt in Einzelläufen aus der Hand in den Mund gedeckt haft, so hüte dich vor der Ansammlung von ungewohnten Vorräten Denn Gelegenheit mackt Raucher; du und deine Freunde würden von Zett zu Zeit einen Ertragriff in die angeblich so billige Kiste tun, und du würdest bei deiner Stapelpolitik mehr Geld verqualmen, als wenn du die versteuerte» Zigarren bittentoeife ein-ie- kauft hättest.
Wer sich auf längere Zeit verproviantiert, muß überhaupt mit drei Nachteilen rechnen: 1. Der größere Vorrat reizt zum [tarieren Verbrauch, 2. das Anlagekapital frißt Zinsen, 3. manche Sachen sind dem Verderben ausgesetzt oder leiden unter einer nicht ganz sorgfältigen und kunstgerechten Auste- wahnmg.
Bet einzelnen Sachen kommt noch ein vierter Gesichtspunkt in Betracht, z. B. bei Belkuchtungskör- pern. Auf diesem Gebiete schreitet die Technik rasch vorwätts. An Stell« der Beleuchtungskörper die du jetzt auf Vorrat dir cm schaffst, können in kurzer Frist schon neue, verbessette Lichtquellen auf den Marit kommen. Obendrein herrscht auf diesem Gebiete, im Gegensatz zu fast allen anderen Gebieten, dre Tendenz der Verbilligung. In einigen Wochen cder Monaten kann schon der Steuerzuschlag durch die Herabsetzung der Preise ausoealicken kein, sodaß
I du alsdann ebenso billig oder viefleicht noch billiger
* einkaufen kannst, als wie jetzt vor der Besteuerung.
Aber sollen wir denn die Hände in den Schoß legen und nichts tun zur Erleichterung der Steuerlast? Was wir tun können und sollen, liegt nach meiner Ansicht angegeben in dem bekannten Ratschlag eines erfahrenen Millionärs: Wenn du reich werden willst, so verlaß dich auf keine andere Mittel, als auf Fleiß und Sparsamkeit!
Die Lebensführung wird immer teurer, nicht etwa durch die Steuern allein, sondern viel mehr noch durch die sottwährenden Preissteigerungen, die neben der Steuer ober über bas Steuermaß hinaus eintreten. Unsere Ausgaben wollen immer wachsen unb wachsen. Dagegen ist nun das erste und schönste Hilfsmittel, daß wir auch die Einnahmen wachsen lassen. Wohl dem, der das kann! Wers nicht kann, der muß sich halt auf das Sparrn, das Emschränken verlegen. Da kommt nun alles darauf an, daß die Sparsamkeit an der rechten Stelle einsetzt, nämlich bei den G e n u ß m i 11 e l n unb bei den Eitelkeitsartikeln, nicht aber bei den Dingen, die für Leib unb Seele notwendig sind Also nicht beim Essen, sondem beim Trinken, — nicht beim Unterzeug, sondem bei dem modischen Oberzeug, — nickt bei den Kohlen im Ofen, sondem bei dem Glimmstengel im Munde.
Da, wollen z. B. die Brauereien und die Witte aaS Bier um das Drei- oder Vierfache des neuen «teuergesetzes verteuem. Sie sagen, sie könnten sonst nicht bestehen. Ich wciß nicht, ob sie bei den geschraubten Preisen besser fahren werden; aber ich st'^^ckohl, daß ich noch nickt verdurste, wenn ich ein Gläschen Bier weniger trinke Ebenso werde ich im Puntte des Rauchens verfahren. Soll ich für meine gewohnte Zigarre 20 Prozent mehr bezahlen, so lasse ich jedesmal die fünfte Zigarre nngeraucht in der Tasche stecken. So eine Heine Ruhepause verdirbt den Rauchgemiß durchaus nicht; im Gegenteil, nach der Erholung dec Zunge und des Gaumens schmeckt der nächste Glimmstengel um so besser.
ES geht schon, wenn man es nur richtig anfängt. Schreim Hilst nicht; man muß sick nach der Decke zu strecken wissen. Die klugen Hausfrauen können da ein heilsames Wort mUreben; natürlich immer in Liebe, — in bei biplomatischen Liebe, auf die sich das zarie Geschlecht so famos versteht. Aber auch mit gutem Beispiel! w