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36. Jahrqanc;
Fulda, Freitaq den 13. August 1909
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Biersteuer wird das Liter Bier um — hoch gerechnet — 1,8 Pfg. verteuert. Jede weitere Ver- tcuemna ist Privatgeschäft der Interventen. Diese weisen darauf hin, daß sie jetzt auch die 1906 erfolgte Erhöhung der Biersteuer abwalzen müßten. Das ist eine Frage für sich, jedenfalls die neue Steuer rechtfertig die Preiserhöhung nicht. Die Belastung des TabakS durch die neue Steuer ist folgende: die 5-Pfg.-Zigarre trägt eine Mehrbelastung von % bis % Pfg., die 6-Pfg.-Zigarre von U Pfg., pie Iv-Pfg -Zigarre noch nicht 1 Pfg., erst die 2OPsg.- Zigarre annähernd 2 Pfg. Die Erhöhung des K a f- feezollS beträgt für das Pfund Kaffee 10 Pfg., danach für die Taffe des besten Kaffees nur y5 Pfg. Die Glühkörper tragen eine Steuer von 10 Pfg., das Paket Zündhölzer von 15 Psg
Diese Tatsachen können auf die Dauer den Konsumenten nicht vorenthalten werden und diese werden danach ihr Verhalten schon einrichten. Die Spekulation der Interessenten dürste sich darum leicht als sehr gefährlich erweisen. Besonders deshalb, weil die liebe Konkurrenz das Publikum dabei unterstützen wird Aus einer ganzen Reihe von Städten wird gemeldet, daß stark besuchte Versammlungen den Boykott über solche Gastwirtschaften beschließen, die die Bierpreise ungebührlich erhöhen. Auch ein Rückgang des Konsums wird die Folge des Vorgehens der Produzenten und Händler sein. Gar mancher, der die Steuerbelastung ruhig auf sich nehmen möchte, well doch nun einmal dem Reiche die notwendigen Einnahmen verschafft werden müssen, wird keine Lust verspüren, dazu noch eine viel höhere Steuer zugunsten der Interessenten zu übernehmen. Auch die Konsumvereinsbewegung wird stark gefördert werden.
Noch eins ist zu sagen. Die Interessenten haben, als die Steuern angekündigt wurden, ein großes Geschrei erhoben, daß der Konsum diese Belastung nicht tragen könne. Nun aber zeigt ihr Verhalten, daß sie dem Konsum eine nochvielhöhereBe-
Veutscher Reich.
(*) Der neoe Kriegsminister.
Mit dem General v. Heeringen hält binnen kmzem der zweite Kurheffe seinen Einzug in das preußische Ministerium. Der General ist in Kassel geboren und hat auch sonst noch vielfache Beziehungen zu seiner Vaterstadt. Er gehörte Anfang der 80er Jahre dem Generalstab des 11. Armeekorps und der 22. Division an, welch letztere von 1901 bis 1906 unter seinem Kommando stand.
Im Jahre 1850 geboren, begann er seine militärische Laus bahn im Füsilier-Regiment Nr. 80, und wurde später in den Generalstab kommandiert. 1887 zum Major befördert, tarn er in das Kriegsministerium, dem er drei Jahre lang angehörte. Von 1890 bis 1892 war er Bataillons-Kommandeur im 3. Großherzoglich Hessischen Jnfanterie-Leib-Regiment Großherzogin Äir. 117, worauf er als Abteilungschef wieder in den Großen Generalstab versetzt wurde. Von
hohen preußischen Regierung aufdämmern müßte, ilber sie scheut sich wohl, den Fehler einzugesteheu und rennt sich immer tiefer in die Tinte.
dem Volle vor, wie hoch die Steuerlast auf den einzelnen Genußartllel drückt; sie spricht immer nur von den vielen Millionen. Durch dieses Verhallen wird In den Reihen der Konsumenten die Vorstellung erweckt, daß es sich um ganz unerschwingliche Preiserhöhungen handele. Alles sucht sich zu „vervrovian- Heren", es entsteht eine ungeheure Nachfrage nach einzelnen Artikeln, und was ist die Folge davon? Das in der betreffenden Branche tätige Großkapital erhäü Bestellungen über Bestellungen; es kann diese noch in der kurzen steuerfreien Zeit ansführen und macht ein Bombengeschäft in diesem Zeitalter der Struerangst. Millionen werden so jetzt schon zu unrecht dem Volke aus der Tasche gezogen, und Hunderte von Millionen im Laufe der Jahre soll bet Konsument mehr bezahlen, als das Reich an Steuern erhält. Aber dieser wirklich große „Raub- ;ug" auf die Taschen des konsumierenden Volles ist nur möglich infolge des Verhallens der farblosen, liberalen und sozialdemokratischen Presse.
Auch der Anschauungsunterricht wird für diese Täuschmig zu Hilfe genommen. So verbreitet eine Gesellschaft, welche die Zeitungen mit Bildecklischees versorgt, eine bildliche Darstellung der Steuerbelastung, durch di: die Preissteigerung veranschaulicht werden soll, die die neuen Steuern verursachen. Da sehen wir u. a. ein Paket Streichhölzer: einst 10 Pfg, jetzt 30 Pfg., ein Pfund Kaffee: einst 1,50 Mk, jetzt 1,80 Mk., 0,4 Liter Bier: einst 10 Pfg., jetzt 15 Pfg. Demgegenüber ist es notwendig, die Konsumenten immer wieder darüber aufzullären, wie hoch tu Wahrheit die durch dir neuen Steuern verursachte Preissteigerung ist. Durch die Echöhung der
♦* Berlin, 12. August. Der „Reichsanz." veröffentlicht ein Handschreiben des Kaisers an den früheren Kriegsminister v. Einem. — Mit der Führung des durch die Ernennung des Generals v. Heeringen zum Kriegsminister freigewordenen 2. A r m e e k orps ist Generalleutnant v. Lin sing en, bisher Kommandeur der 27. Division in Ulm beauftragt worden.
% Der Kaiser hörte am Donnerstag auf Schloß Wilhelmshöhe den Vortrag des Reichskanzlers Bethmänn-Hollweg und später den Vortrag des Staatssekretärs des Reichsmarineamts v. Tirpitz.
)( Die Einberufung des Reichstags ist nach- einer Berliner Korrespondenz frühestens für den 23. November zu erwarten.
4- Koburg, 12. Aug. 1909. Für die Reichstags - Ersatzwahl in Koburg war, wie wir meldeten, eine Einigung der liberalen Parteien angestrebt worden. Die Nationalllberalen hatten aber in ihrer Schlauheit ohne vorherige Befragung der Freisinnigen den Dr. Eluard als Kandidaten aufgestellt. Das hat nun die Freisinnigen zur Ausstellung einer Sonder-Kandidatur veranlaßt. In einer zahlreich besuchten Vertrauensmänner- Versammlung der freisinnigen Volkspariei wurde einstimmig als Kandidat für die Reichstags-Ersatzwahl der Fabrikbesitzer Arnold in Neustadt, der Präsident des Koburger Landtages, aufgestellt.
* Schubin (Posen), 9. Aug. 1909. Der Kultusminister hat den protestantischen Rektor Mayer in Vohwinkel bei Elberfeld zum Schulinspektor des Kreises Schubin ernannt. Offenbar hat der Minister Kandidaten, katho- llschen Bekenntnisses für diesen Posten nirgends entdecken können! Im Kreise Schubin sind die Schulen ganz überwiegend katholisch. Leider ist diese Ernennung keine vereinzelte Erscheinung I
* In Sachen der Koblenzer Versammlung erhält die „Köln. Volsztg." vom Herrn Kardinal Erzbischof Fischer solgende Zuschrift:
Die übermäßige Inanspruchnahme, die der Eucharistische Kongreß bis zur heute erfolgten Abreise des Kardinallegaten mit sich brachte, war Schuld daran, daß ich erst heute die Berichte über die am vorigen Montag in Koblenz statt» gefundene Versammlung, die an die sogenannte Osterdienstagskonferenz anknüpfte, gelesen habe. Der Bericht der „Köln. Volksztg." besagt, Herr Geheimer Rat Roeren habe sich bei dieser Gelegenheit betreffs des Volksvereins für daS katholische Deutschland auf einen Bries von mir berufen, wonach der Episkopat auf seiner letzten Konferenz seine Stellung zu genanntem Verein klargelegt und solches dem Vereinsoorstand mitgeteilt habe; „diese Angelegenheit sei also im Sinne der Osterdienstagsversammlung erledigt und eine Besprechung erübrige sich."
Ich habe sogleich durch Eilbrief Herrn Geh. Rat Roeren um näheren Aufschluß gebeten; aber leider kam der Brief zurück mit dem Postvermerk: „Verreist, wohin, unbekannt." Darum sehe ich mich, um Mißverständnisse zu verhüten, zu der Erklärung veranlaßt, daß ich allerdings Herrn Geheimrat Roeren über die Stellungnahme dek Episkopates in der Angelegenheit Mitteilung ge
tragen.
Der neue Kriegsminister ist der Volksvertretung kein Unbekannter. Während seiner Tätig, eit im Kriegsministerium hat er öfters Gelegenheit gehabt, sowohl im Plenum wie besonders tn der Kommission das Wort zu ergreifen.. Er lst gewandter und schlagfertiger Redner, welche Eigenschaft ihm in seinem neuen Amte zu statten kommen wird. Beim Kaiser ist er schon seit langem persona grata gewesen.
□ Daß die Ansiedelungspolitik
in der Ostmark auch weiterhin noch größere Summen verschlingen wird, darüber besteht kem Zweifel. Die preußische Regierung ist mit ihrer unseligen Polenpolitik dermaßen in die Sackgasse gerannt, daß sie kaum mehr einen Ausweg findet, und zurückgehen will sie auch nicht. Somit dürste sie abermals versuchen, neue Mittel vom Landtage zu erhalten, um die von den Hakatisten ausgesonnene Politik weiter zu führen. Bekannt- lich wurden erst vor einem Jahre der Regierung ein abermaliger Fouls von 250 Millionen Mk. und das Recht der Enteignung polnischen Grundbesitzes zugestanden, um das „Deutschtum in der Ostmark zu stärken." Wie eine Berliner Korrespon- denz mitteilt,
fall schon die nächste Landtagssession wieder Vorlagen bringen, die mit den Arbeiten der Anstedlungs- kommission in den OPmarken eng Zusammenhängen. Einmal bedürften die Fonds der Kommission in mcht allzuferner Zeit der neuen Auffüllung und ferner würden Mittet in Erwägung gezogen, die das rapide Anwachsen des polnischen Grundbesitzes m Schlesien und den Ankauf deutscher Güter in Schlesien durch polnische Ansiedlungsbänke verhindern sollten. Es sei noch beobachtet worden, daß das Polentum nach der Enteignungsvorlage Versuche mache, in Pommern und Ostpreußen Boden zu gewinnen. Diesem Bestreben müsse durch Gründung neuer Kreditinstitute entgegengetreten werden.
Es wird immer besser! Man weiß sich nicht mehr zu helfen und will jetzt also die Polen- polilik auch noch auf Schlesien, Pommern und Ostpreußen ausdehnen. Dabei werden dann wieder einige Milliönchen verpulvert. Wir habens ja! Und wenn wirs nicht haben, dann machen wir eben neue Steuern.
Kaum vor Jahresfrist ist der Ansiedlungs- sonds um 250 Millionen Mark erhöht und der Regierung daS Recht der Enteignung polnischen Grundbesitzes zugestanden worden, und schon sollen weitere Maßnahmen folgen. Glänzender kann das Fiasko der nun feit 22 Jahren betriebenen Antipolenpolitik sich kaum dartun als in diesem Eingeständnis, daß alles noch nichts genützt habe.
Man sollte annehmen, daß die Aussichtslosigkeit des ganzen überdies so ungeheuer gefährlichen und schädlichen Beginnens allmählich sogar der
la st un g zutrauen. Die Regierung und der Reichstag werden daraus die Erkenntnis nehmen, daß nötigenfalls der Konsum noch stacker herangezogen werden kann. In einer Versammlung des Vereins Beckiner Gastwirte ist mit Recht ausgesühck worden, man dürfe sich nicht wundern, wenn die Regierung später mit neuen Brausteuern komme, um den bei der Preiserhöhung von den Brauereien erzielten Extraprofit zu treffen. Man bar also sowohl an die Produzenten als auch die Händler die wohlbegründete Mahnung in ihrem eigenen Interesse ckchten, den Bogen ni cht zu überspannen. Er könnte sonst springen.
1895 bis 1898 war er als Oberst Kommandeur des Infanterie-Regiments Nr. 117. Hierauf wurde er unter Beförderung zum Generalmajor Direktor des Armeeverwaltungsdepartements im i kriegSministerium. Als solcher wurde er 1901 zum Generalleutnant befördert. Im Jahre 1903 erhielt er das Kommando der 22. Division in Kassel, der bekanntlich auch daS Feldartillerie- Regiment Nr. 47 in Fulda untersteht. Als Kommandeur der 22. Division erfreute sich General v. Heeringen allgemein wegen seiner hervorragenden militärischen Tüchtigkeit hohen Ansehens. Im Oktober 1906 wurde ihm die Führung des 2. Armeekorps in Stettin über«
Die Extrasteuern der liberalen Agitation.
Die infolge der neuen Steuern.«»tretende Vei> teueruna der K on sumartikel wird, wie bekannt, von den beteiligten Industrie- und Handels- kreisen dazu benutzt, »m glerchzettrg emen reiche Beutezua für die eigene Tasche zu machen.
Di- Brauindustrie sucht durch die Erhöhung de» Literpreises für sich und die Gastwirte einen Nutzen Don 300—400 Millionen herauszuschlagen, der_~a- bak soll zu Gunsten dec Interessenten eine Belastung erfahren, die ungefähr 300 Prozent der Belastung durch die Steuer ausmacht. Die Erhöhung des Kaffeezolls wird in Berlin, vielleicht auch anderwärts? von den Casss zu einer Preiserhöhung für die Taffe Kaffee benutzt, die nicht weniger als baS Mache der Steuer ausmacht, der Preis der Glühkörper fall nach Ankündigungen der Verkäufer berdoppelt werden, die Besteuerung der Zündhölzchen wird ebenfalls zu einer weiteren Preiserhöhung zu Gunsten der Interessenten benutzt. In ihren Bestrebungen werden die Interessenten unterstützt, wie wir oft hervorgehoben haben, durch das Verhalten der farblosen, liberalen u. sozialdemokratischen Presse, die aus packeipolitischem Interesse in den Reihen der Konsumenten die Vorstellung erweckt, daß durch die neuen Steuern ganz unerschwingliche Preiserhöhungen für die einzelnen Konsumackikel notwendig würden. Das Volk muß jetzt infolge der Hetzerei der Mlnderhritspackeien weit höhere Lustrn auf sich nehmen, die in die Taschen der Interessenten fließen. Das Reich verlangt nur 310 Millionen Mark, die liberale Hetz« aber legt dem Volke mindestens 500 Millionen Mack mehr ruf, fast ausschließlich zugunsten des Großkapitals. Dieses sucht sich nicht nur der Steuer zu entziehen, sondern jetzt noch ein gutes Geschäft zu ma- o en. Wenn jetzt alles erheblich teurer wird, so sind die neuen Steuern nur zu einem ganz geringen Teil schuldig; die im liberalen Interesse erfolgende Täuschung der breiten Schichten kostet viel mehr Geld. Die liberale und sozialdemokratische Presse rechnet
M-aer W Zeitung
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die junge-L gefallsüchtigen Anmut springt b,c
SonnenLerrchten.
3] Roman von Erich Friesen.
Aergerlich reißt et endlich das Kuvert auf.
Ein Korrespoudenzbillett fallt heraus.
Orlando Lest es mit steigendem Unmut „Unsinn!" murmelt er vor sich hin. »Wozu braucht sie sich zu entschuldigen, daß sie sich gestern nicht sofort bei mir bedankte! Ich verlange gar keinen Dank! Meinethalben kann sie tun und lassen, tvas ihr beliebt . . . Aber gar erst ihren Besuch für heute vormittag bei mir anzumelden, um mir nachträglich persönlich zu danken l . . Ist sie verrückt geworden? Wollte gerade heute meinen neuen „Fuchs" einreiten 1 . . . Ach was, ich stelle mich unwissend! . . . Mag sie denken, ich hätte den Brief überhaupt nicht erhalten."
Damtt zerreißt et das zierliche Billett und wirst die Fetzen in den Papieckorb.
Doch bei nochmaliger Ueberlegung ändert er seine Absicht.
Was hat Terestta Barlley ihm getan, das ihm ein Recht gibt, unhöflich gegen sie zu sein? Waten sie nicht umner gute Freunde? Konnte sie nicht heiraten, wen sie wollte? Zumal er nicht zu gegriffen, als «e chm vor Jahren offenkundig chrr Gunst bezeigt? . .
Nein, ungezogen gegen eine Dame ist er noch nie gewesen! . .
, beschließt also mit einem Seufzer, den Spa- aEUn9c6en und den an gekündigten Besuch der taffenn “rnn Bartlev geduldig über sich ergehen zu
„Ah! — Und Sie men?"
„Warum nicht!"
„Bald?"
„In den nächsten
„Aber wirklich, meine Gnädige, Sie beschämen mich mit Ihren Dankesbezeugungen," wehrt soeben Orlando etwas ungeduldig ab. „Ich habe durchaus nichts besonderes getan —"
„So achten Sie mein Leben so gering?" fällt sie mit reizend schmollender Miene ein.
Er lächelt.
„Gewiß nicht. Eine große Anzahl von Menschen würde Die schöne Frau Terestta Vurtleh schwer ver- miffen ... vor allem Ihr Herr Gemahl —"
Leise lacht ste auf — ein eigenes girrendes Lachen, welches Orlando noch von früherher in der Erinnerung hat.
„Sennen Sie meinen Mann?"
„Rein, ich hatte noch nicht das Vergnügen."
Ein spöttischer Zug umspielt ihre Mundwinkel.
„Das — Vergnügen wäre wohl mehr mif s e i n e t Sette."
Er will die Schmeichelei in ihren Worten nicht verstehen. -
„Wieso?" {ragt er mit gutgespielter Unbefangenheit.
„Nun ich meinte bloß", erwidert sie leichthin. „Mein Mann ift ein guter Junge . . . und vor allem — sehr generös. Aber —"
„Aber?"
,Bah, nichts . Wie die Turteltauben braucht man ja nicht zu leben. Das überlaßt man den Jdea- ltsten. . . Reden wir von etwas anderm!"
Orlando schweigt. Mit zusammengezogenen Brauen blidt er vor sich hin. Er weiß nicht recht, wie er sich seiner schönen Besucherin gegenüber verhallten soll. Ihr Benehmen erscheint ihm so eigentümlich, so--
Terestta beobachtete ihn scharf unter halbgeschloffe- nen Lidern hervor.
„Wollen Sie mir nicht eine Zigarette anbieten?" fragt st« mit lächelndem Spott.
„Aber mit Vergnügen, meine Gnädigste . .. Hier. Echt türkische. Leicht und doch kräftig."
Er reicht ihr die Zigarettenschachtel und langt selbst zu.
„So!" macht Terestta, sich behaglich streckend und blaue Ringelwölkchen in die Lust blasend. „Beim Rauchen plaudert stch's angenehmer. Erinnern Sie sich noch der reizenden Abendstunden, die wir oft miteinander verlebten — Sie, die arme Lucia und ich —"
„Gewiß, meine Gnädige."
„Meine Gnädige! Meine Gnädige!" ahmt sie spöttisch nach. „Wie das stets klingt! Früher nannten Sie mich doch stets „liebe Freundin" .. . oder „Tece- sita" . . Ist nicht alles so, wie es ftüher n ar?"
„Nein."
„Warum nicht?"
„Sie find verheiratet, Terestta Bariley", erwidert er, besondern Nachdruck aus das letzte Wort legend.
„Macht das einen Unterschied?"
„Ich denke doch."
„Können wir jetzt nicht ebenso Freunde sein wie ehedem?"
„Wenn Ihr Herr Gemahl nichts dagegen hat —"
„O, der gute John —" hell lacht sie auf. „Der hat nie etwas dagegen, wenn ich es will."
Örlanbo blickt die schöne Frau vor sich forschend an — halb mißbilligend, halb bewundernd.
Lachend HAt ste den Blick aus.
„Nun? . . Und was meint der Herr Großinquisitor?"
„Daß Sie Ihre Macht kennen und ste nicht mißbrauchen sollten."
Sein Ton ist ernst, soft streng.
„Pah!" spöttelt sie. „Der reine Moralheld!"
Doch trifft ihn ein Strahl aus ihren schwarzen Augen, der ihm beweist, daß sie nicht böse ist.
Im Gegenteil.
Als sie sich jetzt langsam erhebt und ihm die Hand zum Abschied reicht, umspielt ihre vollen Lippen ein triumphierendes Lächeln.
Da fällt ihr Blick auf den Brief ihres Vaters, den Ockando auf dem kleinen Rauchtisch hat liegen lassen.
Ihre Neugierde erwacht.
„Von meinem Vater?" fragt sie, auf den Brief deutend. „Ich wußte gar nicht, daß Sie miteinander korrespondieren!"
„Der Herr Oberst hatte die Liebenswürdigkeit mich zu sich nach der Villa Fortuna einzuladen."
" ' ~ werden die Einladung anneh-
mal eine gewisse Unruhe zeigt.
„Sie werden auf Capri meine kleine Halbschwester Mirra kennen lernen —", wirft sie leicht ein, während ihre Hände nervös mit dem Fächer spielen — „ein einfaches. Alles Kind, noch vollständig unentwickelt und wenig anziehend —"
„Ich finde Fräulein Mirra überaus anziehend und lieblich", fällt Orlando warm ein.
Er sieht nicht das plötzliche Erschrecken in Terest- tas Zügen, bemerkt nicht, wie ste in aufloderndem Zorn den Elsenbeinfächer so fest umspannt, baß die zarten Stäbchen zerbrechen.
Ein Paar großer verträumter Mädchenaugen steigt vor seinen geistigen Blicken auf . . . und ein herber und doch lieblicher Mund . . . und eine weiße, schlanke Gestalt--
„Sie träumen wohl, mein Bester!" lacht Terestta hart auf, chm leicht mit dem Fächer auf den Arm schlagend. „Jedenfalls waren Sie mit Ihren Gedanken ganz wo anders. Adieu, Sie ungalanter Mann!"
Und mit dem ihr eigenen girrenden Lachen, da- diesmal seltsam hohl gezwungen klingt, verläßt sie rasch die Terrasse, um in den unten ihrer harrenden Bucky zu steigen.
Orlando blickt dem davonrollenden Wagen befremdet nach. _ T ,
Was war das? . . . Welch seltsames Benehmen? . . . Und wie zomig die schwarzen Augen ihn an- funkelten? ... . ,, .
Er glaubte, Terestta genau zu kennen. Und nU”sn wachsendem Unmut wirst et sich auf das Sofa und nimmt ein Buch zur Hand, um zu lesen. (F. f.)
Sagen schon. Je älter man wird, umso lästiger ist das Junggesellenleben."
Wieder trifft ihn ihr forschender Blick, der dies-