Einzelbild herunterladen
 

Fulda, Dienstag den 10. August 1909.

JV3 180

36. Jahrgang

Zweites Wtcrtt

ter

Anzeigen: Vie et* fpM-epeützelleoder beten Baum 15 pfg. BeNamendiepeMretle 25 pfg., bei wieder. Holungen wird entspr.

Babatt gewährt.

Botationrdruannd Verlag der Luldaer Al- «endrnckerei ht Lnlda Fernsprecher «r. 9.

die Erfahmng beweist, sehr viele Teilnehmer fich erst spät anmelden und dadurch die Arbeitslast besonders in den letzten Tagen vor der Versammlung sich in fast nicht zu bewältigender Weise häuft. Merdings ist gar manchem Katholiken es erst in letzter Stunde möglich, über sein Kommen definitiv zu entscheiden. Aber auch manchen gibt es, der aus reiner Bequemlichkeit es unterläßt, die Kommission von seinem @intreffen zu verständigen. An diese Herren und Damen sei die Bitte gerichtet, durch frühzeitige Anmel­dung der Kommission die Arbeit zu erleichtem. Nur so ist auch die sichere Gewähr dafiir gegeben, daß be­sondere Wünsche des einzelnen berücksichtigt werden. Die Verkehrskommission hat Vorsorge ge­troffen, daß der zu erwartende Maffenverkehr in der besten Weise sich abwickelt. Mit den Verwaltungen der Eisenbahnen, sowie mit denjenigen der Straßen­bahnen sind zu diesem Zwecke besondere Abmachungen getroffen. Die P r e ß k o m m i s s i o n hat die wei­testgehenden Anordnungen vorgesehen betreffs guter Berichterstattung über die Verhandlungen. Die F e st- kommission, deren Aufgabe es ist, für die ge­sellige Unterhaltung der Teilnehmer während der sitzungsfteien Zeit zu sorgen, hat für den 31. August ein Gartenfest int Zoologischen Garten und für den 2. September das Festesten und ein Volksfest im Schießwerder ins Auge gefaßt, damit nach an­strengender, ernster Arbeit auch der Frohsinn zu seinen Rechten kommt. — Alle diese Maßnahmen geben die sichere Garantie dafür, daß auch die 56. General­versammlung der Katholiken Deutschlands eine wür­dige Nachfolgerin ihrer großen Vorgängerinnen wird, nach innen und außen.

her. Zoll bezw. d. bish.Steuer.

Aus Uirche und Schule.

* Ueber die sakramentale Prozession am letzten Tage des Eucharistischen Kongresses äußert sich sehr anerkennend die liberale „Köln. Ztg.". Sie schreibt:

Erscheint täglich mit 'tiT <

Annahme der So m- *

«ndZeiertase.viertel- « ■ 2W /bAli

jährlicherVezug-preis U W ■

ohnevringerlohnund W W W M WM W ■

s 5 mvuvi

«arl Schütte;

Ä'** wochenbcimge: „Illustrierte Zonntagrzeltung'

u Fenster, von einer ©twpeiqcue YIN zur lmoern, Seine Märe waren ans buntfarbigen Teppiche» er- richtet. In dunkles Palmengrün gebettet erhob sich die MarieniLule bei St Gereon, auf den Ringstraßen

-Es ist aber leicht möglich, daß der neue Kanzler in nicht allzuferner Zeit vom Kaiser in ein anderes engeres Verhältnis zum Heere gebracht wird, so daß wir auch ihn noch, wie alle seine Vorgänger, mit Aus­nahme des Fürsten Hohenlohe, bei dienstlichen Funk­tionen in militärisch em Kleide sehen werden."

DaS steht ja beinahe so ans, als ob die Un- zulänglichkeit deS Fürsten Hohenlohe für den Retchskanzlerposten auf den Mangel der mili- tärtfchen Uniform zurückzuführen sei und Kleider erst den wirklichen Staatsmann machen.

* Wie der Block den Tabak belasten wollte. Der Werffteuerzuschlag ist gelegentlich der jetzt erledigten Finanzreform zuerst von nationalliberaler Seite (vom Abg. Dr. Weber), allerdings in doppelter Höhe mit 80 Proz. beantragt worden. Wenn in einer Volks­vereins-Broschüre geschrieben steht: „Das erste W-rk i>et liberal-konservativen Kartellmehrheit wird die Verdoppelung der Tabaksteuer sein", so haben die Verhandlungen der Finanzkommiffion gerade die Rich­tigkeit dieser Behauptung erwiesen. Seitens der libe­ral-konservativen Parteien wurden folgende Anträae zur Tabaksteuer gestellt:

Der Herr Reichskanzler wird nicht umhin können, diesen Aeußerungen die gebührende Be­achtung zu schenken, meint die.Deutsche TageS- zeitung".

* Das von Rom gebrochene Rückgrat. In einer liberalen Versammlung, die am vergangenen Freitag in der Beethovenhalle in Bonn ftattfanb, hat der evan­gelische Pfarrer und Profeffor Sell u. a. gesagt: „Zentrumsgrößen, wie Gröber, Speck und Erzberger haben die Erbanfallstetter sehr warm empfohlen, seien aber später umgefallen. Es sei nicht ehrliche Ueber- zeugung gewesen, die diese Männer veranlaßte, um­zuschwenken, sondem die Rücksicht auf eine höhere Autorität habe sie dazu veranlaßt. Romhatihnen das Rückgrat gebrochen. Sie mußten sich Rom b eu g e n. Das sei Zentrumsart." Da­zu bemerkt die „Deutsche Reichsztg.":

Die liberale /Bonner Zeitung' verzeichnet nach diesen Worten stürmischen Verfall. Allerdings unter­drückt das Blatt die von uns gesperrt gedruckten Worte, die aber der Herr Pfarrer wohl gesprochen hat. Warum bringt das liberale Blatt diese Sätze nicht, die den stürmischen Beifall der „liberalen" Ver­sammlung sanden? Weil alle vernünftigen Leute wissen, daß eine derartige Behauptung barer Un­sinn ist. Wenn derartige lächerliche Behauptungen von einem Pfarrer aufgestellt werden, welche Behaup­tungen werden dann erst in jenen liberalen Versamm­lungen gemacht werden, die fernab von den Gegenden tagen, wo ein Zentrumsmann die Worte eines liberalen Redners kontrollieren kann?

Die Liberalen operieren mit der Rom- und Zen- irurnsscheu weiter. Die edlen Hetzgeister, die Fürst Bülow vor 2% Jahren zur Hilfe gerufen hat, nm seine Stellung zu retten, werden wir so bald nicht wieder los werden.

* München, 7. Aug. 1909. Der .Bayer Kurier" berichtet: „Am vergangenen Sonntag nachmittag fuhren drei jüngere Offiziere eines bayerischen Pionier-Bataillons, zwei Leutnants und ein Oberleutnant, in einem Abteil 2. Klaffe von Neustadt a. H. nach Kaiserslautern. Unter- wegs unterhielten sich auch die Herren über die Neustadter Stichwahl, indem der eine Offi­zier bemerpe, daß der Sozialdemokrat gesiegt habe. „Nun", erwiderte der zweite Offizier, „das ist immer nochbesser, als wenn der Schwarze gesiegt hätte." — Der.Bayer. Kurier" bemerkt dazu: „Die drei Herren befanden sich in Uniform, hatten also gewissermaßen als Stützen des Staatsgedankens zu gelten. Zwei Zivilisten, die das laut geführte Gespräch in demselben Abteil mit anhören mußten, waren ganz empört über die Gesinnung, welche hier in o ungenierter Weise bei Leuten zutage trat, von denen man doch etwas anderes erwarten konnte. Nette Staatsstützen!"

* Wie die Beamtengehälter anwachsen. Im Jahre 1872 zahlte das Reich an seine Beamten insgesamt 161 Millionen Mark, 1908 aber 718 Millionen Mark. Der Pensionsfond einschließlich Militär stieg in dieser Zeit von 19,6 Millionen Mark auf 180 Millionen Mark. In diesem Jahre mußte eine erhebliche Erhöhung der Beam­tengehälter vollzogen werden, sodaß wiederum 117 Millionen Mark Mehrausgaben erforderlich sind. Von diesen Mehrausgaben erhalten die unteren Beamten 61%, die mittleren 35% und die höheren nur 4%.

* Ihm fehlt die Schärpe. Der fünfte Kanzler des Deutschen Reiches hat, so schreibt die ,Allg. Armee-Korrespondenz" zur Richtigstel­lung anderslautender Mitteilungen, als Ein­jähriger beim 1. Garde-Dragoner-Regimen in Berlin gedient, wurde Reserveoffizier dieses Regiments und dann zur Garde-Landwehr- Kavallerie versetzt. Er erhielt als Rittmeister mit der Uniform der Garde-Landwehr-Kavallerie )en Abschied. Herr v. Bethmann-Hollweg wird mdeffen von der Berechtigung zum Anlegen dieser Uniform da, wo er in seiner amtlichen Eigenschaft als Reichskanzler Uniform zu tragen hat, keinen Gebrauch machen, vielmehr bei offi­ziellen Anläffen in der preußischen Minister­uniform erscheinen. Die ihm zur Verfügung tehende militärische Uniform eignet sich ir der Tat schon deshalb wenig zur Rdüsentation ur den höchsten Beamten des Reiches, weil ihr >ie Schärpe fehlt, die zum Zusammen- »alten der Ordensbänder über der Hüfte notwendig wäre. — Wie schrecklich! Aber dem Reichskanzler ohne Schärpe winkt ein Trost. Die ,Allg. Armee-Korresp." weiß nämlich weiter zu verkünden:

nationallib. 8O°/o Wertzuschlag —100% Mehrbelastung konservativ 70% „ — 87% gegenüb d.bi-.

fteisinnig 67 M. Zollzuschlag ?' ~

pro Doppelzentner — 78%

t Industrie nur noch die bereits in Bestellung ge ’ gebens Ware zur Ausführung bringen kann. In $ absehbarer Zeit wird also auch der Import, der ' bisher trotz des Zolles von 5 Pfg. pro Paket ' fortgesetzt wurde, aufhören.

* Wer macht dem Lügenspiel ein Ende? t Die ,Kons. Korr." veröffentlicht einen auch von : der Freuzztg." in hervorstechender Schrift ab- - gedruckten Artikel, der folgendermaßen ausklingt:

Wir fragen: Wer macht diesem unwürdigen Lügen- ■ spiel über die Reichsfinanzreform ein Ende, wer gibt dem deutschen Volke endlich die Ruhe und den , Frieden wieder, die es nach Erledigung dieses gro- . fen nationalen Reformwerkes dringend notwendig braucht? . . . Der Betrag, den die verbündeten Re­gierungen akS notwendig bezeichnet haben, ist ohne Abzug und in Formen gegeben worden, die den Re­gierungsvorlagen soweit als nur irgend möglich sich nähern. Die verbündeten Regierungen haben dem Reformwerke vorbehaltlos zugestimmt. Nun soll aber ; auch Ruhe und Ordnung in den Haushalt des deutschen Volkes einkehren, damit all die viele Mühe nicht umsonst gewesen ist. Wenn Lügner, Ver­leumder und Demagogen die Ernte verderben wollen, bann müssen diejenigen, die diese Ernte nun in der Scheuer haben, endlich auftreten und endlich dem verwerflichen Treiben Halt gebieten! Das ist kein Standpunkt, daß den nerbünoeten Regierungen nun, nachdem sie ihr Geld haben, alles übrige gleich- giltig sein könnte. Im Kampfe um die Nachlaß- und Erbanfallsteuer ist von mancher Regierungsstelle ein­gegriffen worden, haben einzelne Organe der Regierung gezeigt, daß sie einen großen offiziösen Apparat sehr wohl in Betrieb setzen und für ihre Zwecke ausnützen können, wenn es ihnen notwendig erscheint. Jetzt, da man den Nutzen von der Arbeit hat, soll man auch ein Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber der Zukunft nicht vergessen. Soll der Haushalt geordnet bleiben, so müssen die, die dafür verantwortlich find, auch für Ordnung sorgen. Die Forderung wird daher von Tausenden und Abertausenden von loyalen x Staatsbürgern erhoben: Schafft endlich die notwendige, unumstößliche und gründliche Aufklärung nn ganzen Volke darüber, rote die Wirkung der neuen Steuern in Wirklichkeit ist! Denn von dem jetzigen Zustande haben nur die einen Vorteil, die Gegner von Frieden und Ordnung sind und die darum von allen bürgerlichen Parteien nach wie vor gemeinsam be­kämpft werden müssen: die Sozialdemokraten. Ihre Stärkung aber darf kein Reichskanzler, darf keine der verbündeten Regierungen tatenlos mit ansehen.

Deutscher Reich.

b. 56. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands.

< Schon ist der Monat angebrochen, der in seinen letzten Tagen die Generalversammlung der Kaiho- liken mit sich bringen wird und je näher diese Zeit herannaht, um so mannigfaltiger und intensiver wird die Arbeit. Der Vorstand des Lokalkomi­te es hat in einer Menge Sitzungen Rats gepflogen über Mittel und Wege zur Lösung der wichtigsten SBorbereitungSaufgaben und sich zugleich die Förder­ung der Hauptkommissionsarbeiten angelegen fein laffen. Die einzelnen Kommissionen, welche die verschiedenen Vorarbeiten übernommen haben, an, was in ihren Kräften steht, um den an sie ge­stellten Anforderungen gerecht zu werden. Was am meisten in die Augen fällt, das eigentliche Heim der Versammlung, die Festhalle, ist in ihrem Bau wohl auch noch nicht so wett vorgeschtttten, wie man hätte hoffen können. Die Ungunst der Witterung hat hier viel zur Verzögerung der Arbeiten beigetragen.

diesen Tagen fand bereits eine vorläufige Besich­tigung der Halle durch den Vorstand des Lokalkomi- lees statt, der sich vom Stand der Arbeiten und der Zweckdienlichkeit der Anlagen überzeugte. Die Tätig­keit der übrigen Kommissionen ist mehr interner Nglur, ihr Wirken tritt jetzt weniger zutage. Die Rednerkommission hat bereits die Auswahl der Themata und die Wahl der Redner getroffen und A, Zurzeit mit der Sichtung der Anträge beschäftigt. «Die Anmeldeko mmi f fion ist in Verbindung £nit der Finanzkommission in voller Tätig- Irf n dk Mitglieder- und Teilnehmeckarten auszu- itehen und zu versenden und die Beiträge einzu- öiehen. Die Wohnungskommission ist an ;bet Arbeit, für ein gutes Unterkommen der Besucher Der Generalversammlung Sorge zu tragen. Gerade .W die Arbeitskraft der drei letztgenannten Kommis­sionen wird immer noch sehr viel gesündigt, da, wie

+ Die Aufgabe« des «eueu Reichs­kanzlers.

Herr v. Bethmann-Hollweg hat es bis jetzt ver- ^mieden, über seine Stellung zu den Parteien und über die von ihm in Aussicht genommenen gesetzgebe­rischen Aufgaben, kurz gesagt über den Kurs der von ihm beabsichtigten Politik sich zu äußern. Man kann dieses Verhalten des neuen Reichskanzlers nur als begründet ansehen. Auf der anderen Seite er­halten damit allerdings die politischen Zeichendeuter .Gelegenheit, ihre Weisheit zu zeigen.

Die Mehrheitsvarteien haben keine Ver- onlaffung, sich darüber Kopfschmerzen zu machen, welche Pläne der neue Kanzler hegen sollte; umso­mehr aber scheint dieses unangenehme Gefühl bei den "Liberalen vorzuwalten. Die liberale Presse be­schäftigt sich recht eingehend mit Aufgaben der neuen -Reichsregierung und fühlt sich bemüßigt, dem neuen Herrn gute Ratschläge zu erteilen. Bemerkens- toert ist ein Artikel der „F r a nk f. Z t g." (Nr. 212). Sie gibt eine Uebersicht über die wichtigsten Aufgaben der nächsten Jahre: Reform der preußischen Verwal­tung und preußische Wahlrechtsreform, im Reichs­tage Reform der Arbeiterversicherung und der Ge­werbeordnung, weiter neue Steuervorlagen. Das Blatt meint, daß in allen diesen Fragen eine Gegen­sätzlichkeit der Regierung gegenüber den Konserva­tiven vorhanden sei und schöpft daraus natürlich neue Hoffnung für die liberale Politik. Aus der Vergangenheit des neuen Reichskanzlers Plaubt es bis auf weiteres armehmen zu dürfen, daß Herr v. Bethmann-Hollweg sich nicht einfach als den Geschäftsführer der „schwarz-blauen Mehrheit" füh­len werde; er könne dies nicht, ohne die so schon schwer erschütterte Autorität, der Regierung völlig zu untergraben, und er brauche es nicht, weil die po­litische Konstellation ihn durchaus nicht etwa auf Dnade und Ungnade den reaktionären Parteien aus­liefere.

[ Wir verstehen diese liberalen Zukunftsschmerzen wohl, aber wir können nicht einsehen, welchen Zweck es hat, daß sie heute schon veckündet werden. Ob wirklich in den genannten Fragen eine so große Gegensätzlichkeit zwischen der Regierung und den Konservativen in die Erscheinung treten wird, bleibt doch vorläufig abzuwarten. Die Sachlage ist heute unzweifelhaft so, daß dir Konservattven in Preußen die Macht haben, während sie im Reiche immer noch eine ungleich stärkere Position haben, als die Liberalen. Diese prunken ja gern mit ihrer Stärke, aber sie zeigt sich nur darin, daß sie das größte Mundwerk haben. Herr v. Bethmann-Hollweg dürste aus den Erfahrungen der Blockära zur Genüge ge­lernt haben, daß die Regierung ihre Politik auf eine sakrische Mehrheit stützen muß, und zu dieser Mehr­heit gehören im Reiche wie in Preußen unter allen Umständen die Konservativen, während die Liberalen weder hier noch dort zu einer Regierungsmehrheit notwendig sind.

Große Hoffnungen setzt die „Franff. Ztg." auf die zu erwartenden neuen St eue rv o rl a g en; sie meint, daß die Regierung dann selbstverständlich auf die Erbanfall steuer zurückkommen muffe; dann werde es sich lediglich um die Erbschaftssteuer und nicht zugleich um 400 Millionen indirekter Ab­raben handeln, und damit wäre der Erfolg einer et­waigen Reichstagsauflösung völlig sicher gestellt. Wir bezweifeln, ob die Regierung in absehbarer Zeit Lust haben wird, nochmals die Besteuerung des Erbes der ©begatten und Kinder zu fordern, noch mehr aber, daß sie es bann mit einer Reichstagsauflösung ver- fu<f)en werde. Die Aussichten sind wahrhaftig nicht günstig dafür, fintemalen nicht die liberale Presse sondern die Wählerschaft die Entscheidung zu

A. Mit großen Sprüchen in der liberalen Presse rst allem keine Politck zu machen

Einen solchen prunkvollen Auszug zu inszeniereu konnte nur dem „deutschen Rom" vorbehalten sein, der Hochburg des deutschen Katholizismus, und es konnte nur gelingen, wenn, wie es geschehen, die Bevölkerung elbst durch aktive Anteilnahme dem Bilde Rundung und Rahmen gab. Ganz besonders ht den ProzesstonS- straßen. Da wehten von den Häuser« die Flaaaen aller Nationalstäten, Tannern-' ~ ~ ”

Das Zentrum hat dann erreicht, daß nur 45 Mil­lionen Mack auf den Tabak gelegt wurden,das heißt nur 40 Prozenti

* Die Urheber der Streichholzsteuer. Wie die ,Neue Preuß. Korr." von wohlunterrichteter Seite erfährt, ist der Gedanke der Streichholz­teuer, die fich von allen neuen Steuern am ästigsten fühlbar macht, nicht vom Reichsschatz­amt selbst, sondem von den deutschm Streich, »olzfabrikanten auSgegangen, die durch die < Erhöhung des Zolls auf ausländische Fabrikate, welche die Besteuerung zur Folge haben mußte, e n Monopol für die deutschen Fabrikanten zu chaffen wünschten. Wie die genannte Korrespon- >enz weiter erfährt, find Schweden, Dänemark und Norwegen au( dem Gebiete der Zündholz, ndustrie gegenwärtig bereits an der Grenze der Leistungsfähigkeit angelangt, so daß die dortige

tracht ober Chorkleidtmg vorüberzog, der Kölner Pfarrklerus in golddurchroirktem Pluviale oder in Chormantel, mit den Ministranten, dem Kreuz und der Vertretung des Kirchenvorstandes, dahinter die Ehrenkapläne, Ehrenkämmerer, Geheim­kämmerer, Professoren der theologischen Lehranstalten, das Aachener Sliftskapitel, päpstliche Hausprälaten, das Metropolitankapitel, die infulierten Prälaten und Protonotare in Pluviale, Chormantel und Mitra. Die gesamte hohe Geistlichkeit war begleitet von einer Ehrengarde. Im würdevollen Schrtti, den goldenen Krummstab in der Hand, in reichen kostbaren Prachtgewän- dernnahtenAebte, Bischöfe und Erzbischöfe. Ge­rade dieses Bild ist unvergeßlich. Unter den vierzehn Siebten, siebzehn apostolischen Vikaren und Titularerz- bischöfen, vierzig Bischöfen und vier Erzbischöfen sah man Männer fast jeden Atters, hohe jugendliche Ge­statten, denen der goldene Stab ein Fetdherrnzeichen ! war, weißhaarige Greise, die in der Sonnenglut sich müde an den Krummstab lehnten. Soweit man sah, nichts als Mitren, leuchtende Krummstäbe und gold­strotzende Gewänder, dann die Kardinäle in cappa magna, vor ihnen das von Mattheserrittern begleitete Sanktissimum. Der päpstliche Legat Vanutelli, mit den Kammerherren Graf Galen und Graf Droste- Vis^ ering, ernst, aber freundlich, mit dem Sanktissimum in den Händen, hinter chm die Kardinäle Fischer, Ferrari und Mercier. Nur die starke innere Kraft deS Glaubens kann es vermocht haben, diese durchweg schon im Greisenatter stehenden Herren, beladen und niedergedrückt von ihren schweren Gewändern, de» stundenlangen Weg in der glühendsten Sonnenhitze durch enge menschengefüllte Straßen zu übetroinben. Katholische Mitglieder der Verwaltung und Vertretung der Stadt Köln, Reichs- und Landtagsabgeordnete^ Kammecherren, ritterbürtiger deutscher und ausländi­scher Adel usw. machten den glänzenden Schluß. Vor dem Riesenaltar auf dem Neumartt, von wo an tausend Sänger der Kölner Kirchenchöre eine weihevolle Hymne des Domkapellmeisters Monsignore Cohen anstimmten, spendete der greise Kardinattegat den Segen. Und wetter wogte die Prozesfion zum erhabenen Mittel­punkt des Ganzen, dem gewaltigen Dom.

Ueber den Schluß der Prozession berichtet die „Köln. Volksztg.': „Ergreifend gestaltete fich der Ab­schluß der machwollen Kundgebung. Am Südportal hatten die Neukommnnikanten Aufstellung genommen, ein allerliebstes Bild gewährend. Auf dem Domplatz, bis tief in die einmündenden Straßen hinein hatten Tausende und Abertausende Aufftellung genommen, die der Rückkehr des Sanktissimum warteten. Bald hier, bald dort wurden aus der Menge Kirchenlieder angestinnnt, deren Akkorde in mächtigen Wellen wei­tergetragen wurden. Bis zu den Treppen des West­portals zog fich die Spalierbildung der Vereine hin, deren prächtige Fahnen und Banner dem Riesenbilde eine imposante Wirkung gaben. Im Dom bildete die Ehrengarde att8 dem Industriegebiete Spalier. Eine ähnliche Garde des Altarssakramentes hatte Antwer­pen gesandt. Die Mitglieder dieser Vereinigung, in kleidsamer Senatorentracht, waren sehr zahlreich er­schienen. Um 7 Uhr trug der Kardinallegat das Sanktissimum, das er während des ganzen Prozes- ionsweges zu tragen hatte, die Stufen zum Westpor­tal hinan. Während die Banner der Studentenkor- wationen sich zu einem engen Kreise schlossen, die Fahnen der übrigen Vereine sich zu einem wirkungs­vollen Bilde bereinigten, wurde das Tantum ergo an gestimmt, und Katholiken aller Zungen, vereint in demselben Glauben, fielen ein in den Gesang. Der Abgesandte des heiligen Stuhles erteilte den Schluß- egen, und nun brauste der Ambrosianische Sobgefang nit Macht über den weiten Platz, fich fortpflanzend überall hin, wo Katholiken dem feierlichen Akt an- wohnteu. Ein würdiger Schluß einer erhabenen

waren die Kandelaber der elektrischen Bahnen sogar von grünem Tannengewinde umkleidet und die Bäume durch Girlanden verbunden: eine via triumphalis von gewaltigem Eindruck auf die Hunderttausende von Fremden, die nach Köln gekommen waren, und der erhöht wurde durch prunkvolle Altäre an mehreren Kreuzungspunkten der Stadt, insbesondere durch den wunderbar ausgestatteten Riesenaltar auf der Südseite des Neumacktes. Eine unübersehbare Menschenflut durchwoate die Straßen; Fenster, Balkone und Dächer waren dicht besetzt. Es war eine gewaltige Heer­schau, die der Katholizismus abhallen konnte und die besonders in ihrem zwetten Teile, der die hohe und niedere Geistlichkeit sowie die religiösen Orden umfaßte, auch auf Andersgläubige einen riefen Eindruck hinter­lassen mußte. Das erste große Erstaunen gilt der Massenwirkung, die um fo eindringlicher ist, als sich, sobald man die Prozession von einem festen Stand­ort aus betrachtet, eine Menschenwoge nach der andern aus dem Hintergründe ablöst und Taufende über Tausende vorüberziehen, aus Köln und Umgebung zunächst die männlichen Jugendvereine, dann die Gesellen-, die Arbeiter- und Knappenvereine aus ganz Rheinland, die Männervereinigungen aus den Kölner Dekanaten und aus der wetteren Erzdiözese, die kauf­männischen Vereine und Teilnehmer aus anderen deutschen Diözesen. Soweit war das Bild verhältnis­mäßig einförmig, und nur die endlose Zahl der wehenden Fahnen gab Kunde von der Ver- schiedenheit der Tausende, die in endlosem Zuge bei glühendem Sonnenbrände vorüberwallten. Das Bild wurde farbenreicher, als die Bergknappen aus dem Ruhrrevier in ihren Kostümen aufzogen, mit Federhut und Pallasch oder in eigenartig geformten Mützen. Hinter ihnen folgten die Ausländer, häufig schon ohne weiteres kenntlich durch charalleristische Aeußer« lichkeiten. Am stärksten waren die Polen und die Hol­länder mit ihrer Geistlichkett vertreten, auch England, Spanien, Italien, Irland und Frankreich hatten Teil­nehmer entsandt, und auffällig hoben sich insbesondere die belgischen Fahnen von den übrigen ab: langes, dünnseideneS Tuch, das in Art und Farbe an japa­nische Flaggen erinnerte. Hinter den Abordnungen der Kölner Innungen und den katholischen Lehrer­vereinen begann ein festlicher Aufzug, rote ihn Köln noch nie zuvor, der Eucharistische Kongreß wohl selten gesehen haben mag. Wem es gelungen ist, Augen­zeuge dieses für jeden außerordentlich interessanten und reizvollen Bildes zu sein, wird eine wertvolle Erin­nerung für fein ganzes Leben gewonnen haben. In vollem Wichs marschierten die katholischen Stu­dentenkorporationen auf, ausländische Stu­dierende, deutsche katholische Studentenkorporationen mit ihren Chargierten und die Bonner Theologische Bereinigung. In ihren verschiedenen, wenn auch ein­fachen und unauffälligen Trachten schloffen fich . . . die Orden an, zuerst die weiblichen Orden, bann die kölnischen und auswärtigen Brudergenossenschaften. Mehr und mehr steigerte sich nun der festlich hohe Eindruck, als der Ordens- und Weltklerus in Ordens-