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Monatrbellag«! „Fuldaer GeschichtsblStter"

3ÄÄL wochmbeikast: „Illustrierte Zonntagrzettung"

Erscheint tliglich mH Aurnahmt der Se<m= «nd Feiertage, viertel-- jShrNcherver«g-prel5 ohne vringerlohn und vestellgeid in Fulda so- »ie«ä«>Srt,l.50Mr.

verantw- Bedatteurr Larl Schütte;

*

Fulda, Dimstag den 10. August 1909.

36. Jahrgang.

M 180.

Krrstes Mcüt.

Deutsches Reich.

)( Das Kaiserpaar in Cleve.

, Das Kaiserpaar hielt am Montag unter stürmischem Jubel der Bevölkerung seinen Ein­zug in das alte Cleve, woselbst die Jubelfeier aus Anlaß der 3OO jährigen Zugehörigkeit zum brandenburgisch-preußischen Staate begann. Bei der Enthüllung des Denkmals des großen Kur­fürsten hielt der K a i s e r eine längere Ansprache, in der er vor allem für den herzlichen Empfang tiefbewegt dankte. Er gab dann einen kurzen Rückblick auf die Geschichte des Herzogtums Cleve und sagte zum Schluß:

Heute sind die Träume vergangener Zeiten erfüllt. Aus den zerstreuten und zerrissenen Landen, dem Tum­melplatz fremder Völker, ist das achtunggebietende Einige deutsche Reich geworden. Der vielum- Brittene, sagenumwobende Rhein ist unveräußerliches Gemeingut aller Deutschen und nur in poestevollen Liedern, die deutschen Rebensaft als die Quelle deutscher Heldenkrast preisen, streiten sich in friedlichem Wett­bewerb, wie jüngst in Frankfurt, mit den sangeskun­digen Rheinländern die Sänger der übrigen deutschen Gauen. Und wie in meinen Wappen die goldenen Lilieustäbe des Herzogstums Cleve mit dem Adler und anderen Landesemblemen ein harmonisches Ganze bilden, so werden auch für alle Zukunft die getreuen Söhne des Niederrheins Seite an Seite mit den übrigen Landeskindern fest zusammenstehen, wenn es gilt, Vaterland, Thron und Altar zu schützen.

Nach mehrstündigem Aufenthalt verließ das Kaiserpaar die Stadt und setzte die Weiterreise nach dem holländischen Schloß Middachten fort zum Besuch des Grafen und der Gräfin von Bent in k und Waldeck-Limpurg. In Schloß Middachten fand um 2 Uhr ein Festessen fit über 300 Gedecken statt.

** Berlin, 9, Aug. 1909. Zur Regierungs­bauassistent en« Karriere werden von jetzt ab ;nur Herren mit Baugewerksschulbildung und handwerklicher Vorpraxis zugelassen. Die Sach­verständigen «Kommission, die im Reichsjustizamt »u Vorbereitung der internationalen Regelung beS Privatseerechtes zusammengetrelen war, hat ihre Beratungen beendet. — Zwecks Stu­diums der deutschen Arbeitsämter ist eine Kommission des Londoner Handelsamts nach Deutschland abgereist. Zunächst will sie die Institute der Arbeitsämter in Köln und Düffeldorf kennen lernen. — Der hiesige ameri- konische Botschafter hat dem Auswärtigen Amt eine Note übermittelt, durch die das am 22. April (2. Mai) 1907 geschlossene deutsch-amerikanische Handelsabkommen zum 7. Februar 1910 gekün­digt wird.

X Die Eingemeindungsanträge sollen in Zukunft gründlicher geprüft werden. Zu diesem Zwecke hat das preußische Ministerium des Innern angeordnet, daß Anträge, betr. Ein- gemeidung von Ortschaften, so eingebracht werden müffen, daß ein genügender Zeitraum zur Be­ratung dieser Angelegenheit in beiden Häusern des Landtages verbleibt. Soll also ein Ein- aemeindungsantrag am 1. April in Kraft treten, so muß in Zukunft der Entwurf spätestens im Dezember des vorangegangenen Jahres dem Landtage vorgelegt werden. Diese Anordnung kann man nur begrüßen. Bisher mußten die Eingemeindungsanträge vom Abgeordnetenhause

und noch mehr vom Herrenhause in aller Eile durchberaten werden, sodaß die dabei interessierten Gemeinden nur in den seltensten Fällen durch ihre Abgeordneten das Für und Wider darlegen lassen konnten.

--- Ueber die Erhebung Elsaß-Lothringens zu einem selbständigen Bundesstaat haben Er­örterungen stattgefunden, die ihrem Abschluß ent­gegengehen. Sicherem Vernehmen der ,Na'.- Ztg/ zufolge wird voraussichtlich eine Erweite­rung der Selbstverwaltung der Reichs­lande zugestanden werden. Beschlüße seien noch nicht gefaßt. An einen von Berlin unabhängigen Bundesstaat, wie ihn die Elsaß-Lothringer denken, sei aber nicht zu denken. — Etwas Näheres darüber, wie die Reform aussehen soll, erfährt man daraus nicht. Wenn die Reform nicht eine erhebliche Verbesserung der unhaltbaren ver­fassungsrechtlichen Stellung Elsaß-Lothringens bringen soll, sollte man lieber gänzlich auf sie verzichten.

+ „Jetzt kann man es ja sagen!" Die „Franks. Zig." (Nr. 217) veröffentlicht einige Glossen ihres Berliner Vertreters im Anschluß an das bekannte Dementi des Prinzen Heinrich. Wir lesen da:

Ganz abgesehen davon, daß ihm (dem Prinzen) derartige politische Kundgebungen überhaupt nicht zu­zutrauen sind, würde das, was er gesagt haben soll, in mehrerer Beziehung unrichtig sein, vor allem in der Hauptsache, daß dem Kaiser die Auflösung nahegelegt worden sei, er aber sich nicht getraut habe. Die Wahrheit ist, daß Fürst Bülow selbst im Einver« ständnis mit ihm nahestehenden politischen Beratern und, man kann es ja jetzt sagen, auch mit politischen Persönlichkeiten der Linken, eine Auflösung deS Reichstages damals und unter den damaligen augenblicklichen Verhältniffen und ganz besonders im Hinblick auf die ihm genügend bekannte Stimmung mancher Bundesregierungen nicht für opportun gehalten und daher auch dem Kaiser nicht vorge­schlagen hat.'

Das ist ja überaus intereffant, daß auch „politische Persönlichkeiten der Linken" der Reichs- tagsauflösung widerraten haben. Dann war ja wohl die ganze „Empörung" der Liberalen über die schwächliche Haltung des Bundesrats, weil der Reichstag nicht aufgelöst wurde, Schwindel? Und dann ist ja wohl auch das Pathos Schwindel, mit welchem liberale Redner in Volksversammlungen verkünden, wie „mutig" und „energisch" sie den Appell an das Volk verlangt haben? Im Interesse der objektiven Geschichtsschreibung möchten wir die „Frkf. Ztg." bitten, noch mehr von dem zu erzählen, was „ja jetzt gesagt werden kann". Vielleicht würde sich da auch" noch manches andere als liberaler Schwindel Herausstellen.

* Liberaler Schwindel. Liberale Blätter wußten unter den üblichen höhnischen AusMen zu melden, in dem Wahlkreise Neustadt- Landau gelegenen pfälzischen Orte Weyher gälten 51 Zentrumswähler, die in der Reichs- tagssiichwahl, entgegen der EnthallungSparole, für den Sozialdemokraten stimmten, einen „sozial­demokratischen Verein" gegründet. Jetzt wird dem ,Rheinpfälzer' in Neustadt-Landau berichtet, daß diese Mär purer Schwindel ist. Die örtliche Parteileitung des Zentrums teilt dem Blatte ferner mit, daß in Wkyher ebenfalls durch sie die Parole Wahlenthaltung ausgegebrn wurde, daß ein halbes hundert Männer sich aber nicht halten ließ aus Gründen und Umständen, die auch anderorts angeführt werden. Die unnoble Behandlung der Zentrumsleute durch die Libe­

Bernhard von der Eiche.

Roman von Baronin Gabriele von Schlippendach.

50] (Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

Im Herbst, wenn die klare Luft durchsichtig 'auf den Häuptern der Schweizer Berge liÄgt, 'trenn die stechenden Sonnenstrahlen sich in wohl­fine nde Wärme wandeln, dann reist es sich gut.

Auch Berhard hatte dieses Jahr diesen Zeit­punkt für seinen Urlaub gewählt. Ines war Mit dem kleinen Herbert in Ra.idenhagen bei her Schwester und schrieb von dort sehr befrie­digt über das gemütliche, glückliche Heim Hertas und ihres Mannes. Ein Söhnchen war ihnen seit sechs Wochen geboren, ein Erbe ihres Namens Und des Majorates.

Bemhard hatte als Reiseziel wiederum die Wun- berwrlt der Alpen auserkoren. Er sehnte sich darnach, die Stätte wiederzusehen, wo er vor Jahren mit Jrm- tzard zusammengetroffen war. Mit einer wehen Sehn­sucht trat er dieses Mal den sonst so froh ermatteten Urlaub an, die Sehnsucht nach ihr, die er liebte, und pon der er nicht wußte, ob er sie je Wiedersehen würde.

Er kam spät abends auf dem Rigi an, und da er auf Rigi Kulm kein Zimmer fand, mußte er auf Rigi-Staffel übernachten. Es war zu dunkel, um poch etwas von der herrlichen Anssichi zu genießen. Rüstig war Eiche einen Teil des Weges zu Fuß em- porgellommen, dann hatte er die Zahnradbahn be­nutzt. Jeden Morgen werden die Gäste auf dem Rigi durch ein Hornsignal geweckt, damll sie den Sonnen­hufgang bewundern können und womöglich das Alp- Nlühen, das die majestätischen, schneegekrönten Häup­ter der Berge rosig erstrahlen läßt.

/ Bemhard von der Eiche war einer der ersten auf Rigi-Kulm. Nach und nach erschienen seltsam ver­mummte Gestalten, die Bettdecken und Plaids gegen die Fttsche des Morgens benutzten, um die noch vom Dchlaf warmen Glieder vor Eckältung zu schützen.!

Es wurde viel englisch gesprochen, das unschöne schweizerische Französisch mischte sich darein. Doch was war das? Bemhard durchfuhr es wie ein elektttfcher Schlag. Eine melodisch, dunkelgefärbte Frauenstimme sagte einige Watte mit der weichen Betonung der Petersburger Deutschen. Konnte es fein? War Irmgard Gerard zufällig hier? Nein, kein Zufall war eS, Bestimmung des Schicksals.

Und wie jetzt der erste Strahl des neuen Tages hinter den Bergen emporstieg, die Schatten der Nacht bannend, da kam eine frohe, siegesgewisse Stimmung über den Mann, der das entscheidende Wort bisher nicht zu äußem gewagt. Heute, jetzt mußte es sollen, eine innere Macht gebot es herttsch. Eiche nähette sich Irmgard Gerard. „Gnädige Frau, hier erwartete ich nicht, Sie zu sehen."

Sie wendet schnell den Kops nach ihm. Bei dem Heller werdenden Licht sah er, daß ihr Gesicht rosig erglühte. Es Ivar nicht der Widerschein der Morgen­röte, eine große, tiefe Freude war daran schuld.

„Mr sehen uns in den Bergen wieder, so wie da­mals, vor Jahren," sagte sie leise

Sie traten unwillkürlich etwas bei Selle, sodaß sie allein warm und niemand sie hören konnte. Ein mächtiger Felsblock sondette sie von den Gästen der Rigibahn ab.

„Sie haben alles durch Osterfeld erfahren," sagte sie zögemd, „es — ist mir so stirchtbar peinlich, daß ich Ihnen als die Frau dessen gegenüberstehe, der —"

Sie konnte nicht weiter sprechen und schlug die Hände vor ihr Gesicht, ihr schlanker Körper zitterte.

Da legte Bemhard von der Eiche den starken Arm schützend um sie, so wie einst, als er sie aus Lebens­gefahr errettet hatte, hielt er sie wieder umschlungen.

„Darf ich endlich sprechen?" fragte er leise flehend, „darf ich Ihnen sagen, was ich langsam in mir wach­sen fühlte? Irmgard, haben Sie es nicht erraten, daß ich Sie liebe, nicht mhig und mit dem Gefühl, das ich Luise entgegenbrachte, anders, ganz anders, mit der mir voll bewußten Leidenschaft des reisen Mannes. Es ist viel, was Sie aufgeben, wenn Sie meine Frau werden! Sie verlieren Ihren Neichtum und teilen mein bescheidenes Los. Ich weiß es, und dennoch

ralen und deren unehrliche Kampfesweise vor dem ersten Wahlgange, die Absägung Buhls durch die jungliberalen und freisinnigen Schreier habe die Leute zur Stichwahl gegen den liberalen Kandidaten getrieben.

-j- Protestantische Höflichkeit in Thüringen. Von einem Pfarrer wird der »Germania" ge­schrieben:

„Auf einer Tour durch den Thüringer Wald kehrten wir, mein Nachbarpfarrer und ich, auch in Paulinzella ein, wo eine der bedeutendsten Kloster- und Kirchenruinen in Deutschland steht. ES war Mitt­woch, 3. August l. I., als wir abends gegen */«7 Uhr den Wirtschastsgarten des dortigen Gasthauses Menger betraten und unser Abendbrot bestellten. Wir saßen in der Mitte des Gartens. Etwa drei bis vier Tische weiter saß eine größere Gesellschaft von Herren und Damen. Wir saßen nicht lange, so steckten sie die Köpfe zusammen und begannen uns größere Auf­merksamkeit zu schenken. Man hörte: „Was tun die hier?" „Die wollen Deutschland knechten und dem Papt unterwerfen." „Hinaus mit der schwarzen Bande, hinaus!" Wir lächelten. Da rief einer: „Extra ecclesiam nulla salus.1* Das wiederholte et später noch ein- oder zweimal. „Schwarze Blase!" kam öfters zu Gehör. „Die haben keine Existenzberechti­gung im Reich! Ultra montes! Ultra montes!“ Es kam unser Abendessen, und wir fingen ruhig an zu essen. Nun ging's los: „Die fressen auch noch ganz ruhig!" „Früher waren sie dicker, aber jetzt sind die Beichtpfennige zurückgegangen." „Was wollen die hier in Thüringen! Bei uns wäre das nicht möglich. Da würden sie einfach totgeschlagen!' „Nimmer darf die schwarze Blase oben aufkommen. Hoch Bülow!" Nun sang man: „Deutschland, Deutschland über alles" und ließ Bülow hochleben. Einer geberdete sich besonders aufgeregt, er rief öfters laut: „Hinaus!" und warf mit Gartenkies an die Bretterwand in der Richtung nach uns. Als sich ein Tisch Damen neben uns niederließ, wurde es etwas ruhiger. Nun hörten wir sagen: „Du weißt nicht, was die schwarze Bande uns schadet." Dann rief er durch den Garten: „Das ganze Volk muß wie ein Manu ausstehen gegen eine solche Blase." Ein Ausdruck eines anderen lautete: „Wenn ich jetzt den Papst hier hätte und einen Strick, am nächsten Baum würde ich ihn ausknüpsen!" Wir aßen ruhig weiter. Nun ließen sse den Kellner kommen, bei dem ich ein Glas Kulmbacher bestellt hatte. Ihn bestachen sie, kein Bier zu bringen, und wir bekamen zu hören: „Bayerische Säuschneider! Ich habe Durst und möchte ein Bier trinken!" Als olles umsonst war, verzogen sse sich allmählich ins Haus. Einer sagte noch beim Vorübergehen: „Diese katholischen Affen!" Einem anderen Tische hatten sie vorher zugerufen: „Schauen Sie sich doch um, da fehen Sie Römer! Das sind keine Deutsche!" Wir beide schrieben uns die 5’.::*“ mährend der halbstündigen Beschimpfung auf."

Eines Kommentars hierzu bedarf es wohl nicht. Wir wollen abwarten, was die für Toleranz schwärmende Presse dazu sagt. Wäre so etwas zwei protestintischeu Pastoren von Ka­tholiken angetan worden, der Lärm von Memel bis Trier würde ohrenbetäubend sein. Jetzt werden wir höchstens ein leises Säuseln ver­nehmen.

* Stuttgart, 9. Aug. 1909. Die Zweite Kammer hat sich mit 56 gegen 13 Stimmen mit der Erhöhung des Tarife? der 4. Klasse von 2 auf 2,3 Pfg. für das Kilometer einver- standen erklärt. Die Minderheit besteht aus Sozial­demokraten und einem Volksparteiler.

* München, 9. Ang. 1909., Der nächst­jährige Katholikentag (1910) wird aller Wahrscheinlichkeit nach in Augsburg stattfinden. Auf der gestrigen Tagesordnung in Breslau wurde ein dahingehender Antrag gestellt und wird ver­mutlich auch angenommen werden, nachdem in Augsburg überhaupt noch kein Katholikentag statt­gefunden hat.

ö" München, 3. Aug. 1909. Herzog Karl Theo­dor, der zweite Sohn des Herzogs Max in Bayern, feierte heute in seinem Schlosse Possenhofen bei Mün­

chen seinen siebzigsten Geburtstag. Der Herzog, ein Bruder der verewigten Kaiserin Elisabeth von Oesterreich und der -z bei dem Bazarbrande in Patts auf so tragische Weise ums Leben gekomme­nen Herzogin Sophie, diente zuerst in der Artillerie, wandte sich aber bald dem Studium der Medizin zu und widmete sich speziell der Augenheilkunde. Seit 1880 übt der Herzog die ärztliche Praxis aus, teils im herzoglichen Schlosse zu Tegernsee, teils in Mün­chen, wo er eine eigene Augenheilanstalt errichtete und nicht nur Tausende von Unbemittelten umsonst behan­delte, sondern auch materiell unterstützte. Er genießt als sehr geschickter Operateur einen hohen Ruf. Die Zahl der von ihm vollzogenen Staroperationen beläuft sich auf Tausende. Im Jahre 1865 verheiratete er sich mit der Herzogin Sophie, der jüngsten Tochter des Königs Johann von Sachsen, die bereits zwei Jahre später starb. 1874 ging er eine zweite Ehe ein mit der Herzogin Maria Josepha von Braganza. Vor etwa 12 Jahren behandelte er auch Kaiser Wilhelm II., als dieser während einer Nordlandfahrt durch ein herabfallendes Schifistau eine Verletzung des AugeS erlitten hatte. Dem uneigennützigen Wohltäter der Menschen werden am heutigen Tage Tausende im Stillen ihre Glückwünsche weihen. Auch an anderen Zeichen der Verehrung fehlt es »ichtr Die Stadt München hat den Herzog zum Ehrenbürger ernannt

Ausland.

* Die amerikanische Regierung hat durch die neue Tarfibill den versprochenen Kampf gegen die Trusts noch nicht eingeleitet. Jetzt aber hat Präsident Taft ein Komite ernannt, daS Talen sammeln soll für wichtige Abänderungen des Hepburn'schen Eisenbahnfrachtgesehes und des Shermann'schen Antitrustgesetzes, die der Präsident dem Kongreß in seiner nächsten Bo!« schäft Vorschlägen will.

** Eine Spanmmg zwischen China und Japan war infolge der Verhandlung über den Ausbau der Bahnstrecke Mukden-Aniung entstanden und drohte eine ernste Form anzunehmen. Trotz deS energischen Widerspruchs der chinesischen Regierung, die den Ausbau entschieden verwirft, hat Japan die Mächte offiziell in Kenntnis gesetzt, daß es die Absicht habe, mit dem Umbau der Antung-Mukden-Eisenbahn zu beginnen. Japan redjtfertigt sein Vorgehen da­mit, daß es sich durch das Ergänzungsabkommen z« dem Pekinger Vettrage von 1905 das Recht des Aus­baues der während des russisch-japanischen Krieges für militärische Zwecke in Eile errichteten schmal­spurigen Kleinbahn zu einer dem internationalen Ver­kehr voll genügenden Eisenbahn arrsdrücklich Vorbehal­ten habe. Nach gemeinschaftlichen Vorarbeiten habe aber China eine Verschlevpungspolitik betrieben. Auch der chinesischen Regierung ist die Absicht Japans, selb­ständig den Bau zu unternehmen, mitgeteilt worden. China verwahrt sich in seiner Antwort entschieden da­gegen, daß ihm für die entstandenen Schwierigkeiten irgendwelche Verantwortung zufällt. Die chinesische Regierung erklärt, daß die Verzögerung in der Er­ledigung der Angelegenheit lediglich darauf zurückzu­führen ist, daß Japan beständig Privilegien forderte, die weder in dem Friedensvettrage enthalten sind, noch aus ihm interpretiert werden können. Inzwischen haben die Japaner den Bau in Angriff genommen, ohne Widerstand von fetten der chinesischen Wachposten zu finden. Besonders In Rußland ist die Regierung über den Boljnbau äußerst aufgebracht. Sie hätte gewünscht, daß Ehina das selbständige Vorgehen Ja­pans sofott mit einer Kriegserklärung beantworten würde, erkannte aber selbst das Unvermögen deS chinesischen Reiches an. Aus Tokio wird inzwischen gemeldet, daß'China alle Einwände gegen den Umbau der Antunz-Mukden-Bahn zurückge­zogen habe.

kann ich nicht anders, ich muß es heute wissen, ob -nein Werben erhört wird "

Sir hob den schönen Kopf, mit einem unendlich liebevollen, vor Seligkeit aufleuchtenden Blick schqute sie auf ihn. „Ja, Bernhard," sagte sie innig, „tch habe Sie schon damals lieb gewonnen, als Sie mir das Leben retteten, ich habe mit dieser Liebe gekämpft, und als Sie Luise heirateten, glaubte tch, sie über­wunden zu haben. Da sah ich Sie wieder und wußte, daß alles vergeblich war."

Ein unterdrückter Jubellaut brach aus Bernhards Brust. „So wollen Sie meine Frau werden, Irm­gard?"

„Die glückselige Frau des Hochofenchefs von Röß- lingen." Sie sagte es mit Hellem Aufleuchten ihres schönen Gesichts und schmiegte ihre Hand an die Bernhards von der Eiche. So standen sie da, wott- los in ihrer großen, endlich siegreichen Liebe.

Es war Tag geworden. Die Schneehäupter der Alpen flammten in feurigem Lichte.

„Ein neuer Tag bricht auch für uns an, Geliebte," sagte der Hochofenchef ernst, „möge es der erste einer langen Reihe ebenso glücklicher in gemeinsamer Ar­beit, in gemeinsamer Liebe werden."

Die Verlobung der Millionärin mit dem armen Hochofenchef von Röstlingen rief großes Erstaunen hervor Was mußte das für eine Leidenschaft sein, die so große, irdische Votteile aufgab? Wie würde die verwöhnte Frau sich in die veränderten Verhält­nisse schicken? Würde sie es in dem einfachen Roh­lingen auf die Dauer aushalten, sie, die an den Wech­sel der Szenen, an die Hauptstädte Europas gewöhnt war?

Auf Irmgards Wunsch hin fonit ihre Hochzeit in Man Repos statt. Das Schlößchen sollte fortan ge­schlossen bleiben und nur noch zur Aufnahme lieber Gäste dienen. Irmgard zog in das viel schlichtere Haus ihres Gatten, es lag näher beim Wett und Bemhard wünschte es so. Am Tage vor ihrer Hoch­zeit ging das Brautpaar Luisens Grab besuchen. Der kleine Herbett trippelte an der Hand seiner neuen Mutter einher und trug einen Strauß aus dem Treib­hause Mon Repos, denn es war inzwischen Winter

geworden und die Gegend lag kahl und öde da. Heute schien die Sonne nach vielen Regentagen wieder. Die Tropfen blitzten auf den Gräbern der stillen Schläfer. Lange standen Bemhard von der Eiche und Irmgard neben dem weißen Marmorkreuz, das Luisens Namen trug.

„Werde ich Dir daS ersetzen können, was Dir der Tod nahm?" ftagte Irmgard zaghaft.

„Ersehen läßt sich tritt Mensch, mein Lieb," ent­gegnete Eiche. „Ich werde der, die dott unten ruht, immer ein treues Andenken bewahren, aber eS darf Dich nicht betrüben. Sie iss mir eine liebe. Erinner­ung und gehört der Vergangenheit an, wir stehen mitten im Leben, die Gegenwatt ist unser und will? Gott eine lange Zukunft."

Der kleine Herbett hatte die weißen Blumen auf das Grab gelegt- Irmgard hob ihn auf.

Das Hochofenwerk mit feinen mächtigen Essen und Gebläsemaschinen, Offen und Gebäuden zeichnete sich 'imposant in der Helligkeit des Wintertages ab. Hier hatte Bemhard von der Eiche alles, was er stch nur wünschte. Im schlichten Röstlingen erblühte ihm fein Glück. Neben ihm sein Weib und sein Kind, um ihn die Stätte seiner Arbeit, die ihm voller Genügen gab, auf der er Gutes witten, Gutes triften konnte.

Am fünften Januar wurden Bemhard von der Eiche und Irmgard Mann und Frau Ganz Röß- lingen bereitete sich auf das Fest vor. Osterfeld war aus Trier herüber gekommen. Amtsrichters, der Herr Generaldirettor mit feiner Familie und die Assistenten des Wettes waren eingeladen. Fräulein Elfriede Müller schwamm in Sentimentalität und Schwär­merei. Auch Rundens hatten ihr ostpreußisches Heim verlassen. Hetta sah wieder blühend aus und dar Glück, die Zufriedenheit ließen sie anmutiger erschei­nen als früher.

Nur Ines kämvste heimlich mit ihren Tränen; zum zweiten Mal sollte sie das Haus des Bruder? verlassen.

Was sollte sie unternehmen, wo bleiben? Hetta und Randen baten sie allerdings, nach Randenbogen zu kommen, aber die beiden Mmschen waren sich selbst aenua. ein Dritter schien übefflüffia So beschloß