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36. Jahrgang

Fulda, Montag den 9. August 1909

JV3 179

(Nachdruck verboten.)

49]

(Schluß folgt.)

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üotationrdruckund Verlag der Fuldaer Ak- tiendruckerei in Fulda Fernsprecher Nr. 9.

Jrmgarö Gerard reiste ganz früh am andern Tage ab. Sie stand am Fenster des Eisenbahn­wagens, in dem sie und ihre Gesellschafterin

** Berlin, 8. Aug. 1909. Der ,Reichsan- zeigett veröffentlicht das Ersetz betr. die zoll- widrige Verwendung von Gerste vom 3. August 1909. Das Gesetz tritt am 1. September 1909 in Kraft. — Dementiert wird die Meldung Lon­doner Blätter, daß König Manuel von Portugal dem deutschen Hose noch in diesem Herbste einen Besuch abstalten wolle, desgleichen eine Pariser Meldung, Kaiser Wilhelm hätte eine Vermählung des lpanischen Prätendenten Don Jaime von Bourbon mit einer katholischen Hohenzollern-Prinzessin gutgeheißen. — Der Kronprinz nebst Familie und Umgebung traf Samstag mittag in Heiligendamm ein.

(*) Das deutsche Kaiserpaar wird heute der gräflichen Familie Bentinck in Middachten bei Rotterdam einen Besuch abstatten. Da der Besuch im strengsten Inkognito erfolgt, werden keine Regierungsbehörden bei dem Empfang zu­gegen fern. Auch die Gerüchte über einen Be­such des deutschen Kaisers nn Schloß Het Loo oder einen Besuch des Prinzen Heinrich in Middachten sind unbegründet. — lieber die Vor­geschichte des kaiserlichen Besuchs wird berichtet:

Fräulein Körner allein waren; mit umflorten Augen sah sie die hohen Essen des Werkes ver­schwinden. Nach einigen Stunden erfuhr dqr Hochofenchef durch Osterfeld alles.--Wieder

hinaus in die Weite, fort von dem armseligen Rößlingen, das für Irmgard Gerard doch der liebste Ort der Welt geworden war, durch den Mann, der dort lobte, dem ihr Herz sich in gren­zenloser Liebe ergeben hatte.--

Um die sechste Stunde abends fand die wich­tige Unterredung statt, die endlich den dunklen Schleier hob und Bernhard von der Eiche das aufklärtr, was er geahnt und doch nie ergründen konnte. Ec erzählte Osterfeld alles, was der Major dem Sohne anvertraut hatte. Als die Zinsen des geliehenen Geldes ansblieben, sah sich der Major gezwungen, den Nest seines Kapitals anzugreifen. Es verbrauchte sich im Laufe der Zeit trotz mancher Einschränkung und Enthch- rung.

Bernhard wies den Schuldschein Stefans von Erber vor. Osterfeld konstatierte dieselbe Hand­schrift mit dem Brief. Die Photographie hatte die Mutter Bernhards aus ihrem Album genom­men und berbrannt, weil ihr Anblick jedesmal ihren Gatten aufregte und an den treulosen Freund erinnerte.

Der Rechtsanwalt und der Hochofonchef mach­ten ab, die Sache nur den Beteiligten, Randens und Ines mitzuteilen, deren Schweigern selbst­verständlich war, sie sonst aber geheim zu halten, um keinen Makel auf den Namen Irmgard Ger- ards zu werfen. Osterfeld berechnete die aus- zuzahlende Summe; es war, wann auch keim großer Reichtum, — immerhin etwas recht Er­kleckliches.

Erst als alles Geschäftliche erledigt war, et« Huhr der Hochofemchef, daß die Beisitzerin van Man Repos abgereist war und Niemand wußte, wohin ihr Fuß sich gewendet hatte. — — —« —

Deutsches Reich-

Tie Kaiserbegegnung bei Kiel.

Unter allen erdenklichen Vorsichtsmaßregeln hat das russische Kaisergeschwader Samstag nachmittag den Nord-Ostsee-Kanal passiert und in den Abend­stunden im Gebiet des Kieler Hafens Anker geworfen. Kaiser Wilhelm, der seinem Gast an Bord des „©leipner" bis zum Audorfer See, östlich von Rendsburg, entgegengefahren war, begab sich dort zur Begrüßung des Zaren auf den „Standard. Er wurde vom Zaren und seiner Familie herzlich be­grüßt. Kurz nach 9 Uhr lief die „Standard in die Nordschleuse in Holtenau ein. Zum Empfang hatte sich Prinz Heinrich eingefunden, der an Bord der „Standard ging und blieb dort mit dem Kaiser und dem Zarenpaar zusammen. Um '010 Uhr fuhr die Dacht in den Kieler Kriegshafen ein. Der Kaiser begleitete den Zaren bis zur Kieler Bucht und kehtte nach 10 Uhr abends an Bord der „Hohenzollern" zurück. Die russischen Schiffe gingen Sonntag stütz wieder in See. Eine Torpedoboots­division begleitete sie.

empfinden, in Treue und Begeisterung zu ihr zu stehen. Dieses umsomehr, als sie beim Zentrum auch ihre wirt­schaftlichen Interessen und ihre politischen Rechte am besten aufgehoben sehen. Deshalb ist das Zentrum aber doch keine „katholische" Partei und können auch Evangelische ohne Gefährdung ihrer Ehre und ihres Glaubens ihm beitreten und die Vertretung auch ihrer religiösen Interessen ihm mit gutem Ge­wissen anvertrauen.

Die ganze Diskussion über den Charakter des Zentrums hat gar keinen Zweck, ist sogar unnütz. Die Wählerschaft will davon auch nichts wissen, sie hat nicht die mindeste Neigung zur Un­einigkeit. Im Gegenteil kann man sagen, daß bei unserer Wählerschaft die Erkenntnis von der Not­wendigkeit und dem unersetzlichen Nutzen einer starken, geschlossenen Zentrumspartei immer lebhafter und wirksamer wird, und die Wählerschaft sich immer tiefer in gleichmäßige Ansichten und gemeinsame Willeusmeinungen in den politischen und sozialen Angelegenheiten hinein­arbeitet und sozusagen hineinlebt. So steht der Turm des Zentrums nach den zahlreichen Stürmen und Minenangriffen von 38 Jahren noch fester da, als bei seiner Begründung. Das Geräusch, das jetzt einige Leute machen, die sich rote Köpfe über die Struktur des Bauwerks reden, wird daran nichts ändern.

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ÄÄ wochEage: „Austnette Sonntagrzeitung

von Jahren dürfte sich das geliehene Geld recht hoch belaufen. Ich füge (ür Osterfeld die Be­rechnung der zu sechs ^Prozent von mir normier­ten Zinsen hinzu. Seinen bewährten Händen übergib alles, ich bitte ihn, die Rückzahlung in einer für Dich nicht bloßstellenden Art zu voll­ziehen. .Ich lege diesen Brief und die übrigen Papiere in das Geheimfach meines Mahagoni- schreibttsches», vor meinem Tode will ich Dich davon unterrichten. Lebe wohl, Irmgard, und verdamme mich nicht, weil ich nicht den Mut habe, bei Lebzeiten das zu tun, lvas Dir nach meinem Tode obliegt.

Dein Dich liebender Mann

Stefan, von Erber."

Es war nicht viehr dazu gekommen, daß Jrm- gard ihres Gatten mündliche Beichte gehört. Mit einem an Mtleid und Grauen streifenden Ge­fühl gedachte sie des traurigen Zustandes Ger­ards, nachdem der Schlaganfall ihn der Sprache und Bewegung beraubt. Sie erinnerte sich der qualvollen Verftrchr des Kranken, ihr etwas mii- zuteilen, seiner wildrollenden Augen und der gurgelnden Laute, die sich seiner Brust stoßweise entrangen. Sie blickte auf das Bild dessen, der so Niedrig gehandelt und ihr die Demütigung auferlegt, das gut zu machen, was er fünfund­zwanzig .Jahre verheimlicht hatte. Wie fdjäinte sie sich vor den Eiches. Mußte es gerade der sein, dem ihr stolzes Sein in heißer Liebe zu­neigte, der Mann, der mit den Seinen vielleicht entbehrt hatte, während sie in dem Reichtum lebte, der durch des Majors Großherzigkeit be­gründet wurde.

„Ich kann Bernhard von der Eiche nie mehr Wiedersehen", dachte Irmgard verzweifelt, „Oster­feld soll alles ordnen, ich aber fliehe von hier, um nie mehr wiederzukehren." —----

Mannes war der Vater des Hochofenchefs von Rößlingen gewesen. Was sollte sie noch weiter hören?

,^ch hatte, um ganz mit der Vergangenheit zu brechen, in Newyork den Namen Robert Ger­ard angenommen; ich hieß bis dahin Stefan von Erber. Mochte dieser adelige Name vergessen werden, im freidenkenden Amerika wäre er mir vielleicht ein Hindernis gewesen.

Ich will hier nicht von der Zeit sprechen, auch nicht von dem Wie, das mich allmählich zum rei­chen Mann machte. Ich habe die Welt durchwan­dert und fast alle Länder der Erde kennen ge­lernt. Der Erfolg war mir günstig. Zuletzt lebte ich in Odessa als Schiffsreder und wurde dort Millionär. Es ist wahr, der Reichtum ver­härtet das menschliche Herz, die Habsucht steigerte sich mit dem Besitz. Ich hörte auf, meinen Ver­pflichtungen nacktzukommen, ich zahlte dem Major von der Eiche weder Zinsen, noch das mir ge­liehene Kapital. Ich erfuhr später, daß er ge­storben sei. Ich, beruhigte mich, der Sohn wußte wahrscheinlich nichts von der ganzen Sache und außer dem mir geliehenen Gelde besaß der Major noch gegen hunderttausend Mark. Er war unter­dessen gewiß avanziert und bekleädete einen hohen Rangs Er entbehtte nichts meiner Mei­nung nach. In Petersburg lernte ich Dich kennen und lieben, Irmgard v. Brömser, Du wurdest mein Weib,"

Und jetzt, wo ich erst so kurze Zeit Dein Gatte bin, jetzt fühle ich die tödliche Krankheit heran- fchleichen. Die Aerzte nennen es Verkalkung des Gehirns, und üb weiß, daß diesem Uebel oft Geistesumnachtung folgt. So schrieb ich es nie­der, was mir in den letzten Jahren immer quä­lender deutlich geworden ist: „Du hast ein gro­ßes Unrecht an dem Helfer in der Not begangen."

Ich bitte Dich, durch Osterfeld Nachforschun­gen anzustellen, wo die Kinder Bernhards von der Eiche leben, und ihnen durch den Rechtsan­walt das geliehene Geld mit Zins und Zinses­zinsen zurückzuerstatten. In der langen Reihe

Bernhard von der Eiche.

Roman von Baronin Gabriele von Schlippenbach

licht, die sämtlich das Vorgehen der Herren um Bitter nicht billigen. Allerdings versteht man es in den weitesten Kreisen der Anhänger der Zentrums­partei nicht, welcher Anlaß vorlag, jetzt in eine prinzipielle Erörterung des Zentrumsprogramms einzutreten, das sich in vierzigjähriger Praxis so ausgezeichnet bewährt hat, in eine Erörterung, bte in ihren Konsequenzen nur Waffer auf die Agi­tationsmühle der Zentrumsgegner treiben kann.

Die katholischen Mitglieder des Zentrums stehen fest und unerschütterlich auf dem Boden der katho­lischen Welt- und Lebensanschauung. Diese Weltan­schauung werfen sie nickt von sich, wenn sie im Parla­ment sind. Aber sie wissen auch, daß wir nicht in einem katholischen Lande leben, daß die deutschen Katholiken vielmehr in einem Lande mit weit über­wiegend nichtkatholischer Bevölkerung sich einrichten muffen. In allen politischen und wirtschaftlichen Fra­gen darf das Zentmm nie vergesien, daß der einzelne Abgeordnete verfaflungsrnäßig Vertreter des gan­zen Volkes ist und bei jeder seiner Entschließ­ungen lediglich durch die Rücksicht auf das Gemein­wohl sich leiten lassen darf. Er muß also auch den Rechten und Interessen insbesondere der evan­gelischen Mitbürger in voller Loyalität. Rechnung tra­gen. Er kann sich nicht bestimmen kaffen allein durch die Anschauungen der katholischen Kirche. Politisch muß er z. B. eine evangelische Kirche anerkennen, während eS nach unserer dogmatischen Auffassung nur eine Kirche — die katholische gibt. Die katholische Kirche verlangt ferner z. B., daß alle Kinder aus ge­mischter Ehe der katholischen Kirche gehören. Das Zentrum als politische Partei kann eine solche For­derung unmöglich erheben. Die protestantischen Ab­geordneten im Reichstage wären dann von ihrem Standpunkte durchaus im Recht, wenn sie forderten, daß alle Mischehenkinder protestantisch werden müß­ten. Man sieht, wohin man mit solchen Grundsätzen schließlich kommt. Rein, das Zentrum kann sich nicht gewissermaßen als Vertreterin der katholischen Kirche im Parlament auffpielen, eS hat in kirchenpolitischer Beziehung nichts weiter zu hm, als dafür zu sorgen, daß die katholische Kirche in Deutschland sich frei und ungehindert entwickeln kann. Im Statut der Zen- trumsfrattion ist nichts davon gesagt, daß sie einen katholischen Charakter habe. Auch in zahlreichen Auf­rufen feit fast 40 Jahren ist nie davon die Rede ge­wesen. Wohl aber kehtt in alten und neuen Zeiten immer die Erklärung wieder, daß das Zentmm keine konfessionelle Partei fei. Tatsächlich haben auch zu allen Zeiten — zu Windthorft Zeiten mehr als heute — Protestanten dem Zentrum als Abgeord­nete angehött. Zu allen Zeiten und auch heute noch haben protestantische Wahlkreise vettrauensvoll katho­lische und vrotestantische Abgeordnete ins Zentrum enifandt, wie katholische Wahlkreise protestantische Zentnimsabgeordnete gewählt haben. Der protestan­tische Zenttumsabgeordnete Brül z. B. wurde in dem ganz katholischen Siegkreis gewählt.

Wir schließen uns den Ausführungen an, die ein hcchangesehenes Mitglied der Zentmmsfraktion geiftl. Standes in der „Köln. Bolksztg." veröffentlichte:

Die Zenimmssraktion ist historisch entstanden und groß geworden durch den Kulturkampf, in der glaubensstarken begeisterten Verteidigung der Freiheit und Selbständigkeit der katholischen Kirche. Der An­sturm der Gewalt wurde siegreich abgeschlagen. Es kamen ftiedlichere Zeiten, Zeiten positiver, segensreicher Arbeit. Aber der alte Haß war nicht erloschen. Jäh flammte er wieder auf, als aus Anlaß der letzten Reichstagswahl die glimmenden Kohlen wieder mächtig angesacht wurden. Auch dieser neueste Versuch, die Katholiken Deutschlands auszuschalten, kalt zu stellen in ihrer politischen Betätigung, ist kläglich gescheitert. Aber der Haß lebt weiter, die Angriffe von rechts .Evangelischer Bund) und links (Freigeistigkeit, Libera­lismus und Sozialdemokratie) verdoppeln sich, und so ist es natürlich und berechtigt, daß die deutschen Katholiken die Zentrumspartei als die Partei be­trachten, in die jeder überzeugungstreue Ka­tholik hineingehört und es als ihre Pflicht

Graf Bentinck war, als er in Berlin als eng­lischer Legationssekretär weilte, eng befreundet mit Kaiser Friedrich und seiner Gemahlin. Bei den Hochzeitsfeierlichkeiten des Jahres 1881 kam das gräfliche Paar, als zum hohen Reichsadel gehörig, zum Berliner Hof, und so entstanden auch freundschaftliche Beziehungen zu dem heu­tigen Kaiserpaar. Seit jener Zeit verkehrte Graf Bentinck öfters im vertrauten Kreise der kaiser­lichen Familie. Als das gräfliche Paar zum 50. Geburtstage des Kaisers nach Berlin kam, kündigte der Kaiser seinen baldigen Besuch in Middachten an. (Vergl. indeffen die Letzten Nachrichten aus Kaffel und Berlin.)

Ter Termin für die Landtags - Ersatz­wahlen in Berlin für die ungültig erklärten 4 Mandate ist jetzt auf den 26. Oktober und für die Stichwahlen auf den 16. November festgesetzt worden. Am 30. November sollen die Abgeord­netenwahlen stattfinden und am 7. Dezember die etwa erforderlichen Stichwahlen zwischen den Ab- geordneten-Kandidaten.

+ Neber das neue Reichstags-Präsidium glaubt eine Korrespondenz nähere Mitteilungen machen zu sollen. Von welch' tiefer Sachkenntnis die Auslastung diktiert ist, läßt sich am besten daraus ermessen, daß sie die weise Bemerkung macht: Graf Ballestrem komme für den Präsi­dentenposten wohl kaum in Betracht, da er 75 Jahre alt und daher kaum imstande ist, ein so anstren­gendes Amt zu übernehmen. Auch wir hegen nicht den geringsten Zweifel, daß Graf Balle­strem nicht zum Reichstags-Präsidenten wird ge-. wählt werden, da er ja dem Reichstage über­haupt nicht angehört.

)( Deutschlands Schädigung durch den amerikanischen Zolltarif. Englische Geschäfts­kreise sind der Ansicht, daß Deutschland durch den neuen Zollkarif geschädigt werde. Das kommt zum Ausdruck in folgender Auslastung des ,Daiiy Grafik: Der neue amerikanische Zoll-, tarif dürfe dem englischen Export auf Kosten des deutschen zu statten kommen. Alles hänge davon ab, wie sich Deutschland verhalten werde. Amerika wolle unbedingt seinen Nah­rungsmitteln leichteren Eingang verschaffen, was die deutschen Agrarier jedoch nimmer zugeben werden, so daß die deutschen Exporteure wahr­scheinlich einen Teil des amerikanischen Marktes verlieren würden.

* Die Rückzahlung der Besoldungszulagen wird den Lehrern in Göttingen zugemutet. Das dortige Amtsblatt veröffentlicht folgende Nachricht:

„Die Kreiskaflen werden demnächst die im Jahre 1908 an die Volksschullehrer und Lehrerinnen aus der Staatskasse für Rechnung der Schulverbände gezahlten einmaligen Zulagen von den^Schulverbänden wieder ein ziehen. Die Rückzahlung erfolgt zweckmäßig ht der Weise, daß die Schulverbände den Lehrpersonen die fraglichen Beträge bei der Gehaltszahlung am 1. Oktober d. Js. in Abzug bringen.

Also am 1. Oktober soll das Gehalt, anstatt höher, um 150 Mk. kleiner werden: denn 150 M. betrug die einmalige Zulage. Kaum zu glauben!

* Eisenbahnverwaltung und Bierpreis­erhöhung. Oberschlesischen Blättern zufolge hat die Eisenbahnverwaltung den Bahnhofsrestaura­teuren aufs strengste untersagt, die Bier­preise zu erhöhen oder die zum Ausschank der Bieres erforderlichen Gläser zu verkleinern.

(*) Pöplau als Landwehr-Offizier kassiert. Gegen den früheren Kolonial - Beamten Pöplau,

Und da trat Major von der Eiche als mein Retter in mein zerstörtes Leben. Er hatte von Snetnnt Verlust erfahren. Im Augenblick, wo tch Hur Pistole greifen wollte, hielt der edelste Mann zneine Hand zurück, er hat mir das Geld geliehen, hundertachtzigtausend Mack. Ich nahm meinen Ubschied auf höheren Befehl. Was nun? In »Europa wollte ich nicht mehr bleiben, ober ich Hatte keine Mittel zur Existenz, und abermals joar mein Freund hilfsbereit, er streckte nur zwanzigtausenb Mark vor. Ich verpflichtete mich, sihm halbjährlich Zinsen zu zahlen.

Eme gewiste Sicherheit bot ich dadurch, daß ich, ehe ich Offizier wurde, mir auf Wunsch mei- jnes Onkels gute, kaufmännische Kenntnisse er­worben hatte. Er war unzustteden, daß ich mei­nen „sicheren Bems" aufgab, wie er sagte, und die „Uniform vorzog". Jetzt dankte ich es ihm, daß ich etwas Praktisches gelernt hatte. Durch internen Onkel, der früher selbst in Amerika ge­lebt, bekam ich eine Empfehlung an ein ihm be- .fteundetes Handelshaus in New-Aork. Nochmals .schärfte er mir ein, daß ich auf ihn nicht zu rech­nen hätte, das Letzte, was er tun wolle, fei eben diese Empfehlung. — Ich stellte Eiche einen Schuldschein aus, dann schiffte ich mich in Ham­burg ein mit dem Entschluß, ein neues, besseres Leben zu beginnen. Und das Glück lachte mir, ich verstand es an mich . zu fesseln/ Bald er­nannte mein Chef, daß ich leistungsfähig war. Ich arbeitete mich auf und konnte Eiche die Zin­sen schicken. Er schrieb mir dazwischen und zeigte tattr die Geburt seines dritten Kindes an, einer Lochter, die Ines getauft wurde; die beiden äl­teren Kinder hießen Bernhard und Herta.

Irmgards Herz klopfte heftig. Ihre Ver- Wttuirg traf ein. Der selbstlose Freund ihres

ö Ein Streit über das Zentrum

wird seit mehreren Wochen in einigen ZentmrnSblät- tem des Westens geführt Wir haben uns an der Debatte nickt beteiligt, einmal, weil der letzte Anlaß, eine Rede des ZentrmnSabg. Bitter in einer^ Ver­sammlung in Neunkirchen a. Saar, trotz aller «chief- fetten an sich nicht wichtig und bedeutsam genug ist, gegen sie anzukämvfen und durch einen Aufwand von viel Lärm die Wähler zu beunruhigen, dann aber 'unb hauptsächlich weil in diesen Tagen der maßlosen raffiniertesten Verhetzimgsversuche, die die Liberalen sm trauten Verein mit den Sozialdemokraten betrei­ben, nicht die rechte Zeit ist, innerhalb der Zentrums­chattei Streitfragen aufzuwerfen unb in häus­lichen Disputationen Zeit und Kräfte zu verbrauchen. Die Erfolge, die unsere Vertreter in den letzten gro­ßen Kämpfe errungen haben, legen der Pattei neue Pflichten auf und bereiten ihr neue Gegnerschaften, so bafe die Konzentration aller Kräfte auf die politischen und sozialen Forderungen des TageS dringendst geboten ist.

Die Meinungsverschiedenheiten weiter zu erörtern, chazu wird jedoch leider in den nächsten Tagen Veran­lassung gegeben werden und dann einzusetzen, wird sich allerdings nicht umgehen lassen. Darum glauben wir unseren Lesern eine Darlegung des Sachverhalts schuldig zu sein. Am heutigen Tage findet näm­lich in K 0 b l e n z eine Versammlung statt, zu der die Teilnehmer der bekannten öfterfcienStagtierfammlung in Köln (vergl. Nr. 146) zur Besprechung der von ihnen aufgestellten Leitsätze über das Zentrum einge­laden haben. Nach jenen Leitsätzen soll bekanntlich da8 Zentmm eine politische Partei sein, die sich zur Aufgabe gestellt hat, die Interessen de3 ge­samten Volkes im Einklang mit den Grundsätzen der katholischen Weltanschauung zu ver­treten. 1 Aehnlich sprach sich der Abg. Bitter in der erwähnten Neunkirchener Versammlung au8r „Wir müssen gegen alles Front machen, was dazu dient, den ursprünglichen Charakter des Zen- tmmS zu verwischen. Es ist ein verfehlter Vorschlag, daß wir auS dem Turm herausmüßten, um einige Andersgläubige einzufangen. DaS Zentmm mufj bleiben auf dem festen Boden der katho­lischen Weltanschauung."

Dem gegenüber betonte die,Köln. Volkztg/, daß Herr Dr. Bitter nicht den ursprünglichen Charakter des Zentrums festzustellen habe. Dieser sei sest- ßefleut durch die Gründer des Zentrums, Windt- horst, Mallinckrodt, Bischof v. Setteler u. a.

„Wer" — fo schrieb das rheinisch- Blatt weiter — „im Parlament konfessionell-katholische Poli­tik treiben will, und das will Dr. Bitter, entfernt fich vom Boden der Versaffung. Das eine oder das andere. Man kann vorn Boden der Serfaffung aas Politik gemäß den allgemeinen christlichen Grund­sätzen treiben, nicht aber spezifisch katholische Politik." Eine konsesfionelle Fraktion könne die Religionsfreiheit bet Katholiken nicht erreichen. Die Aktion des Abg. Bitter führe Unfrieden und Verwirrung in die Fraktion. .Im gegenwärtigen Augenblick unternommen, wo die Zentrumspartei mit fo ungeheueren Schwierigkeiten zu kämpfen hat, und wo sie der Einigkeit und Geschlossen­heit mehr denn je bedarf, ist diese Aktion nach unserem Dafürhalten nicht nur in hohem Maße inopportun, sondern auch geradezu verwerflich. Sie würde, wenn mehr dahinter steckte oder dahinter träte, als die Au­torität des Herm Dr. Bitter und einer Anzahl ge­sinnungsverwandter Persönlichkeiten, die naturnotwen- oigeund unausbleibliche Folge haben, daß sich im deutschen Parlament ein antikatholischer Block, und zwar ein fester, dauemder antikatholischer Block bildete, der entweder wie in Frankreich die katholische Kirche brutal vergewaltigte, oder wie in Italien im öffentlichen Leben völlig beiseite setzte. Reden, wie die !des Abg. Bitter find nur geeignet, den Boykott des Zentmms durch die nichtkatholische Mehrheit geradezu anzuregen und zu begründen."

Die .Kölnische Volkszeitung' hat des weiteren noch eine Anzahl Zuschriften aus der Frattion und dem Lande, von Geistlichen und Laien veröffent«