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^ahrganq

Fulda, Samstag den 7. August 1909

M 178

Erstes Matt

(Nachdruck verboten.)

48]

Werk nach Hause." Mit diesem Auftrag schickte der Hochofenchef einen Arbeiter zu Ines. Heute mußte er allein sein. Er mutzte überlegen und schlüssig werden über sein Handeln. Wie deut­lich erinnerte er sich der Unterredung mit seinem Vater, als der'Major ihn kurz vor seinem Tode nach Liebenau berief. Er sah das einfache Zim­mer vor sich, die abgezehrte Gestalt im alten Lehn- stuhl und die müde Stimme sprach: „Schließe die Tür mein Junge, was ich Dir zu sagen habe, darf niemand hören." Und dann hatte der Major Bernhard erzählt, wie es gekommen, daß sie ver- armt nxiren.

Bernhard von der Eiche.

Roman von Baronin Gabriele von Schlippenbach

sein für eine Blockpolitik von längerer Dauer und mit kräftigeren Erfolgen." Deutlicher kann man es kaum aussprechen, daß die ganze Block­politik keinen anderen Zweck hat, als die libe­rale Wirtschaft zu begründen, und zwar mit Hilfe von überlisteten Konservativen.

Aber um diese Art des politischen Bauern­fangs noch einmal in Gang zu bringen, wäre ein Doppeltes erforderlich: erstens ein Reichs­kanzler, der so tief in liberalen Ideen und Spekulationen verstrickt ist, und zweitens eine konservative Partei, die auch nach den jung- sten Erfahrungen noch so töricht wäre, auf den liberalen Blockleim zu kriechen. Als dritte Vor­bedingung müßte, wie oben schon ausgeführt, ein neuer Blockrausch bei den Wählern eintreten.

Bis alles das eingetreten ist, wird Herr Herr Dr. Böttger das Träumen von der wieder» erstandenen Blockherrlichkeit Wohl verlernt haben.

Rechtsanwalt Osterfeld hatte seine Klientin in Mon Repos schon einige Male besucht. Der alte Hausfreund hatte heute ein sehr ernstes Ge­sicht und das hing so zusammen: Er hatte einem Kunsttischler den alten Schreibtisch zur Reparatur gegeben, der früher Robert Gerards Eigentum gewesen war und den Irmgard dem Rechtsanwalt geschenkt hatte. Meister Anton Kremer galt als der geschickteste seines Handwerks. Er besah mit Kennermiene das massive Möbel und versprach, es verjüngt unter seinen geschickten Händen er­stehen zu lassen.

Einige Tage später kam er eines Abends sehr geheimnisvoll zu Osterfeld.

„Wußten Sie, Herr Rechtsanwalt", sagte Meister Kremer, daß es ein Geheimfach in dem Ähveibtisch gcck>?"

„Nein, haben Sie vielleicht noch eine Million darin aufgefunden?" fragte Osterfeld lachend.

„Das nicht, wohl aber dieses versiegelte Pa­pier; hier ist eS."

Kremer reichte dem Rechtsanwalt das Fund- objekt. ....

Es war ein ziemlich umfangreicher Umschlag aus gelblichem Pergamentpapier. Es stand nichts darauf.

Einer Wiederherstellung der Bülowschen Blockpolitik

redet der nationalliberale Politiker Dr Hugo B ö t t g e r im „Tag" das Wort. Er rechnet des langen und breiten hin und her. wobei ihm man­cherlei Fehler unterlaufen und kommt schließlich zu dem Schluß, die Wiederholung der Blockpoli- tik sei möglich und wahrscheinlich.

Bei dem Exempel ist aber dre Hauptsache ver­gessen worden Die Rechnung ist ohne den Wirt gemacht, d. h. ohne Rücksicht auf die Wähler. Werden die deutschen Reichswähler noch ein- mal eine B l o ck m e h r h e i t in den Reichstag senden? Davon hängt alles ab. Denn alle Künste und Kniffe der Parteiführer int Verbinden und Ausschalten würden „für die Katze" sein, so lange sie nicht über die absolute Mehrheit der Mandate verfügen

Es sind ja s o n st i g e Bündnisse oder Kartelle von Parteien Wohl möglich, auch wenn die G samtza-hl der verbündeten Stimmen in der Min- l-erheit bleibt. Aber ein Block, wie wir ihn in den letzten zwei Jahren gesehen haben, trägt als wesentliches Merkmal den Anspruch auf Alleinherrschaft, auf ausschließliche schäftsführung unter Ausschaltung aller andern Parteien. Hätte der selige Blockkanzler sich dar­auf beschränkt, eine Annäherung der Konservati­ven und der Liberalen sowie ein häufiges Zusammenarbeiten der beiden zu empfehlen, so würde diese Wiederholung alter Ratschläge nicht die mindeste Aufregung herbeigeführt haben. Erst als er die „Paarung" in dem Sinne prokla­mierte, daß die Blockparteien alles allein in die Hand nehmen und das Zentrum kalt ft eil en sollten, und als die neue Mehrheit unter Loabells Anleitung diese reine Bilockwirtschaft durch die Wahl des Präsidiums förmlich begrün­dete, da erwuchs jene Blocköezeisterung auf der einen Seite und jenes Gefiihl der Zurücksetzung und Verfolgung auf der anderen Seite.

Werden bei den nächsten Wahlen die Konser­vativen und die Liberalen in solcher Stärke wie­derkehren, daß sie zusammen die Mehrheit bilden könnten? Das haben wir und alle unbefangenen Beobachter schon längst vor dem jüngsten Krach bezweifelt, und nach der jüngsten Probewahl von Neustadt-Landau ist auch die letzte Aussicht ver­schwunden. Die Blockmehrheit von 1907 beruhte auf den drei Dutzend Mandaten, die der Sozial­demokratie abgejagt waren; die Sozialdemo­kratie wird das Verlorene wiedernehmen, viel­leicht mit Zinsen, und damit wird die Wieder­herstellung der Blockherrschaft von den Wählern unmöglich gemacht. Im künftigen Reichstag 'wird nach aller Wahrscheinlichkeitsrechnung zur Bildung einer positiven Mehrheit der Bei­tritt des Z e n t r u ms notwendig sein. Die­jenigen Liberalen, die auf die Hilfe der Sozial­demokratie spekulieren, können auf diesem Wege nur zu einer A b w e h r m e h r h e i t gelangen.

-Dee nationalliberale Prophet der künftigen Blockära legt auch mit schätzbarer Offenheit dar, was seine Freunde, von der Blockidee er­warten. Wenn im Reiche Blockpolitik getrie­ben werden solle, so darf es nach seiner Ansicht im preußischen Landtage keine Antiblockpolftik geben; die „überspannte Politik der Konser­vativen in Preußen" muß also gebrochen werden, und zwar durch die Wahlreform in Preu­ßen, die mit mancherlei Privilegien und konser- vativen Einflüssen aufzuräumen hat. Wahr­scheinlich, meint er, werde in Preußen „ein Kampf mit Biegen oder Brechen ein­setzen müssen; dann erst dürfte die Bahn frei

die Wirkungen des neuen Wahlrechtes sich einer genaueren Einschätzung entziehen. Die Vorberei­tungen zur Wahl sind in vollem Gange. Es ist bereits mitgeteilt worden, daß die liberalen Parteien sich zu einem gemeinsamen Vorgehen entschlossen haben. Auf der andern Seite ist e8 auch zwischen den Konservativen der ver- schiedenen Richtungen, den Agrariern und auch den Antisemiten an vielen Orten zu einer Ver­ständigung gekommen. Die Aussichten der Sozial­demokratie werden in ihrer Presie als nicht son­derlich günstig bezeichnet. Es ist aber möglich, daß dies nur aus taktischen Rücksichten gesagt wird, um die Genossen zu'eifrigerer Arbeit an- zuspornen, vielleicht auch, um die Rührigkeit der Gegner einzuschläfern. Man rechnet damit, daß die Sozialdemokraten in mindestens 10—15 Krei­sen siegen werden; jedoch ist es nicht ausgeschlos­sen, daß die Uneinigkeit der bürgerlichen Parteien ihnen noch weitere Mandate zuschanzen wird.

)( Die Auszahlung der Gehaltszulage« für Beamte und Unterbeamte der Reichspost, die vom Reichstag bewilligt worden sind, erfolgt sicherem Vernehmen nach, mit rückwirkender Kraft bis 1. April 1908 in der Zeit vom 16. bis 20. d. M. Auch die Postboten, sowie di« bei der Post beschäftigten Aushilfsarbeiter usw. erhalten eine Aufbesserung ihrer Tagegelder und zwar beziehen sie fernerhin für den Anfang 3 M. statt bisher 2.70 Mark täglich.

* Delkenheim bei Wiesbaden, 6. Aug. 1909. Die nationalliberale Partei be$ Amtes Hochheim hielt hier eine Versammlung ab, zu der als Redner Reichstagsabg. Fuhrmann erschien. Die Versammlung war auch aus der Umgebung sehr stark besucht, ihr Ergebnis war aber eine glänzende Niederlage der National- liberalen. Äbg. Fuhrmann hatte keinen guten Tag. Es ist bitter, wenn die eigenen Wähler mit Vorwürfen kommen, wie sie der politische Gegner nicht schärfer ausstellen konnte. Die ein­fachen Landleute schlugen in der Diskussion, die sich über drei Stunden hinzog, sich besser, al- geschulte Politiker. Eines Bauersmannes, kräftig« Gegenrede gipfelte in dem Schlußsatz : Wir fingen fest und treu die Wacht am Rhein, und der Nationalliberalismus singt und steht fest und treu beim Geldsack. Bemerkenswert ist, daß sich di« Gegenreden in der Hauptsache gegen ein Flug­blatt der Nationalliberalen richteten, in dem das Zentrum aufs schärfste angegriffen war. Ein Redner sagte von dem auch in der Umgegend verbreiteten Flugblatt, es sei das frechste Lügen­papier, das er bis jetzt in die Finger bekommen habe. Schlimmer als es die Liberalen getrieben haben, könnten es die ärgsten Sozialdemokraten nicht machen. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß das im Flugblatt angegriffene Zen­trum von einer Versammlung verteidigt wurde, die zu 90Prozent aus Protestanten bestand. Nach diesen Vorgängen hatte der auf Einladung der Delkenheimer Landwirte anwesende zweit« Vorsitzende der Zentrumspartei unseres Wahl­kreises, Herr Wilhelm Heenlein, einen leichten Stand. Er schloß mit Dankesworlen an di« Zentrumsfrakiion, die bei der Finanzreform das Vaterland über die Partei gestellt habe und das Vaterland in schwerer Zeit nicht im Stiche ge­lassen habe. Begeistert stimmte ihm die — nationalliberale Versammlung zu.

= Koburg, 6. Ang. 1909. Im Koburger Reichstagswahlkampf hat der national»

„Sie können es nicht."

In heißer Qual rang es sich hervor. Jrm- gard senkte traurig den Kopf.

„So bin ich Ihnen eine Fremde," sagte sie leise.

Seine Leidenschaft ließ sich kaum mehr zü­geln. O. daß er sie in seine Arme reißen, daß jer diesen lieblichen Frauenmund mit Küssen be­decken, ihr die Namen heißer Zärtlichkeit geben dürfte, mit denen er sie so oft in jenen einsamen Stunden genannt hat, wo alles in ihm nach ihr schrie und die Flammen seiner Liebe über ihm busammenschlugen. Aber gerade jetzt, wo er viel­leicht bald den Schleier von dem Vermächtnis seine? Vaters HÄ»en würde, jetzt muhte er schwei­gen und das mächtige Gefühl zurückdrängen. —

«Eine Fremde," wiederholte Bernhard von der Eiche mechanisch. „Muß es nicht so fein, h<nn —"

Er brach jäh ab und verließ das Zimmer in fast unhöflicher Weife. Ines rief ihm nach, zu ttartan, sie werde mit ihm nach -Hause fahren, aber er hörte sie nicht, er hatte den Weg durch den Wald eingeschlagen, der in weitem Sogen liad, Röblingen führt.

„Was war Bernhard nur?" fragte Ines er­staunt.

:, «_®6er Frau Gerard antwortete ihr nicht; sie atmete erleichtert auf, als Ines fortfuhr.

„Eine Fremde, muß es nicht so fein?" Mit tiefen Worten satte er ihr alles gesagt, nun IfUßte fte es, daß sie nichts zu hoffen hatte, daß sie wandern mußte ,wie zuvor, und Rohlingen kte Wiedersehen konnte.

. . „Sagen Sie meiner Schwester, daß sie heute picht auf mich warten soll; ich käme spät vom

„Wird wohl nichts von Bedeutung fein; ich danke Ihnen Kremer. Bitte, sprechen Sie nicht darüber", sagte Osterfeld.

„Gewiß nicht, Herr Rechtsanwalt. Das Ge- heimfach lag rechte unter der Schiebetür, deren es ja, wie Sie wissen, drei gibt. Es fiel mir auf, daß der Raum hinter der Tür viel kleiner war, als bei den 3'neien links und in der Mitte. Wie ich nun mit dem Finger über die unterste Fläche fahre, sichle ich eine kleine Erhöhung nicht größer als eine Erbse. Aha, denke ich, das hat was zu bedeuten. Ich rücke und schiebe einige Zeit ver­geblich; endlich knackt das alte Holz und das Ge­heimfach springt aus. Es bestand aus einer fla­chen Schieblade, das Papier lag darin."

Als Kremer sich entfernt hatte, öffnete Oster­feld den Umschlag; ein zweiter steckte darin.

„Fran Irmgard Gerard nach meinem Tode abzugeben."

Das stand in der dem Rechtsanwalt wohlbe­kannten keulenartigen Handschrift Robert Ger­ards auf dem Papier, das einen unangenehmen Geruch ausströmte, wie er einem lange verschlos­sen gebliebenen Fache eigen ist.

Osterfeld starrte auf das Kuvert.

Was mag darin stehen?" dachte er. „Irgend eine geheimnisvolle Sache. Ich will morgen nach Röstlingen hinüber und Frau Armgard Gerard mag das Siegel lösen, das ich nicht wie das erste erbrechen kann."

Zn feiner Verwunderung fand er in Mon Repos die Vorbereitungen zur Abreise.

„Wie, Sie gehen wieder fort?" rief Osterfeld.

„Ja, morgen."

„Nun, bann ist es gut, daß ich heute kam, gnädige Frau, ich bringe Ihnen etwas."

Osterfeld erzählte, was sich auf die Entdeckung des Papieres bezog. Dann entfernte er sich dis­kret, während Irmgard mit einer ihr unbegreif­lichen Erregung das Siegel erbrach, das ihres Gatten Monoaramm trug

Mon Repos, den 16. Februar 19 ., Meine teure Irmgard I

„Es läßt mir keine Ruhe, ich muß es nieder­schreiben, was mich so viele Jahre gequält. Wenn Du es liest, deckt mich der grüne Rasen. Ich glaube nicht, daß ich lange leben werde, ich fühle mich alt und krank. Urteile nicht hart, wenn Du' diese Zeilen gelesen; in Deiner Hand liegt es, das gut zu machen, was ich gefehlt habe. Ich selbst kann mich nicht dazu entschließen. Das Gefühl der Scham ist so mächtig in mir, daß ich es unterlasse. —

Ich muß weit zurückgreisen. um muh Dir verständlich zu machen. In meiner Jugend war ich Offizier im Garde-Ulanen-Regiment in Pots­dam, und mein bester Freund war der Major Baron Bernhard von der Eiche.

Hier ließ Jrmgarb den Brief sinken. Wel­cher Zusammenhang bestand zwischen ihrem ver- ftorbenen Mann und der Familie von der Gfidje? Sie las weiter:

Ich habe damals viel in seinem Hause ver­kehrt. Eiche war mein Vorgesetzter und wohl­habend, während ich mit pekuniären Verlegenhei­ten zu kämpfen hatte. Ich war sehr leichtsinnig und eine böse Leidenschaft beherrschte mich: das Spiel. Oft hatte mich der Freund gewarnt und mir mit feiner Börse ausgeholfen. Ich galt als der Erbe eines reichen alten Onkels und wollte nach seinem Tode alles dem Major zurückgeben. Eines Tages ereilte mich das Unglück. Ich der- spielte eine große Summe, es waren hundertacht­zigtausend Mark, die ich berlor. Da reifte ich zu meinem Onkel; in Verzweiflung flehte ich ihn an, mir nur noch dieses eine Mal zu helfen. Meine Ehre stand auf dem Spiel, denn ich hatte mein Wort verpfändet, bis zu einem bestimmten Termin das Geld zu zahlen. Mein Onkel sagte mir, daß er mich enterbt habe, — so reifte ich nach Potsdam zurück. Ich sah keinen Ausweg, eine Kugel war die einzige Sühne meines Leichtsinns.

iFortsttzuna folaD

mächtige Sie zur Erklärung, daß Nachricht von Anfang bis Ende auf Erfindung be» ruht. Heinrich Prinz von Preußen." — Natür­lich wär« die Mitteilung offiziös auch dann de­mentiert worden, wenn sie wahr gewesen wäre. Da der Prinz nun aber persönlich die Meldung für erfunden erklärt, haben wir eS mit mehr als einer bloßen offiziösen Ableugnung zu tun, und müssen seinen Worten Glauben schenken.

4- Die Haltung dec polnischen Fraktion in der Reichsfinanzreformfrage hat bei einem Teile der polnischen Wähler Unzufrieden­heit erregt, und diese Unzufriedenheit hat sich teilweise auch in erregten Preßerörterungen Luft gemacht. Den näheren Anlaß dazu gab die Veröffentlichung einer RechtsertigungSschrift der polnischen ReichStagSsraktion. ES heißt in der Schrift, daß nur sachliche Gründe die Frak­tion zn ihrem Verhalten bestimmt haben, nament­lich, daß, wenn die Fraktion anders vorgegangen wäre, also gegen die Reform gestimmt hätte, die Steuerlast noch größer geworden wäre, und eS wird nachdrücklich betont, daß dann vor allem die Zertrümmerung des Blocks unmöglich ge­wesen wäre. Die innere Wahrheit dieser Dar­legung wird von der liberalen Presse bestritten. So schreibt die ,Freis. Ztg/:

„Mit den wahren Beweggründen, die die pol­nische Reichstagsfraktion geleitet haben, steht es genau so wie mit den eigentlichen Motiven des Zentrums. Offiziell hütet man sich wohl, zuzugeben, baß Haß und Rachegefühl die Abstimmung der Polen zur Reichssinanzreform beeinflußt haben."

ES wird dann verwiesen auf ein Interview, baS der Redakteur des ,Dziennik Berlins!/ dem Vertreter eines Prager Tschechenblattes gewährt hat und weiter auf eine Aeußerung deS ,Kuryer Poznans!/: „Die Polen mußten die Erbschafts­steuer ablehnen, um Bülow bei ®arauS zu machen." — Daraus folgert nun daS freisinnige Blatt, baß Haß und Rache die Triebfeder für bie Ablehnung der Erbschaftssteuer durch die Polen gebildet hätten. Wir fragen: wenn die Polen nur den Fürsten Bütow hätten stürzen wollen, welcher Grund lag bann für sie vor, sich an der Schaffung neuer Steuern positiv zu beteiligen? Absolut gar keiner; da sie nun aber tatsächlich sich an der positiven Arbeit beteiligt haben, so kann ihre Haltung zu der Finanzreform nicht allein maßgebend be­stimmt worden fein durch die Rücksicht auf die Stellung deS Fürsten Bülow. Die polnischen Abgeordneten, welche für die Finanzreform ge­stimmt haben, haben recht wohl gewußt, daß ihre Haltung von einem Teile der polnischen Wählerschaft nicht verstanden und nicht gebilligt werden würde. Wenn sie trotzdem an der Ver­abschiedung der neuen Steuern mitgewirkt haben, so darf man annehmen, daß sachliche Grunde für sie maßgebend gewesen sind. Sie hätten eine viel leichtere Position gehabt, wenn sie bie Reihen des oppositionellen Liberalismus verstärkt hätten. Daß gerade die Mitwirkung der pol­nischen Fraktion an der Finanzreform der,Freis. Ztg/ etwas unbequem ist, versteht man, denn bei ehrlicher Ueberlegung wird sie zugestehen müssen, daß die vieioerleumdeten Polen mehr vaterländische und fftaatSmännische Gesinnung be« wiesen haben, als der vielgerühmte Liberalismus.

-f- Die Neuwahlen im Königreiche Sachsen. DaS voraussichtliche Ergebnis der bekanntlich im Herbste stattfindenden Neuwahlen zur zweiten sächsischen Kammer ist vollständig ungewiß, da

Deutscher Reich.

♦ Berlin, 6. Aug. 1909. Die internationale Antiduelliga tritt auS Anlaß mehrerer in letzter Zeit bekanntgewordener Duellaffären wie­der mehr an bie Oeffentlichkeit. Sie hat jetzt an den deutschen Kaiser eine Eingabe gerichtet, in der sie ihn bittet, ihren Bestrebungen sein In­teresse zuwenden zu wollen. DieS wäre umsomehr zu begrüßen, da gerade im preußischen Heere noch der Duellunfug fast unbeschränkt herrscht.

(-) Eine Zusammenkunft zwischen dem Deutschen Kaiserpaar und König Eduard wird von London aus angekündigt. Darnach gedenkt König Eduard auf seiner Reise nach Marienbad kommenden Mitt­woch in Kronberg dem Deutschen Kaiserpaar einen kurzen Besuch abzustatten. Zn Berlin ist an zuständiger Stelle, wie der /Zag' muteilt, von einem bevorstehenden Besuch König Eduards nichts bekannt.

* Die Zusammenkunft des Zaren mit Kaiser Wilhelm. Der Kaiser verließ Freitag früh Swinemünde und ist an Bord der „Hohen- zollern" nach Kiel abgefahren. Die Begegnung mit dem Zaren wird heute erfolgen. Die ge­samte Hochseeflotte, die von ihrer vier­wöchigen SommerübungSfahrt aus Spanien nach Kiel zurückgekehrt ist, wird am AuSgang deS Kieler KriegShafenS auS Anlaß der Durch- fahrt deS Zaren paradieren. Ein äußerst herz­licher WillkommenSgruß bietet dem Zaren die deutsche Regierung in ihrem Organ, in der ,Nordd. Allg. Ztg/. ES wird auf die Begegnung deS Zaren mit dem englischen König Bezug ge­nommen, worauf eS dann heißt:

„Die freundschaftlichen Gesinnungen, in denen die Herrscher der beiden großen Nachbarreiche einander zugelan find, finden in diesen, Wiedersehen einen wertvollen Ausdruck. Auch bei Wahrung ihres persön­lichen und intimen Charakters schließt sich damit die abermalige deutsch-russische Monarchenbegegnung den Kundgebungen an, die zur Festigung von Friede und Freundschaft zwischen den Mitgliedern der enropäischen Staatenfgmilie soeben in Cherbourg und Cowes er­folgt find. Wir bringen den kaiserlich russischen Maje­stäten bei ihrer Heimreise durch die deutschen Gewässer unseren ehrerbietigsten Gruß dar."

* Dementi des Prinzen Heinrich. Die ,Kieler Neuesten Nachrichten' haben den Prinzen Heinrich, der zur Zeit an Bord der „Deutsch- land" bei der Hochseeflotte weilt, mittels Funken- spruchS darüber in Kenntnis gesetzt, welche Aeußerungen er nach Meldungen eines Berliner Blattes vor der deutschen Kolonie in Bilbao getan haben sollte. Die ,9teueften Nachrichten, erhielten vom Prinzen auf demselben Wege folgende Antwort: „Danke für Mitteilung. Er-